In =Hamburg= (Fig. 271 u. 272) ist der Drogenhandel sehr entwickelt.

Mir wurden (1907) gegen 40 größere Importfirmen genannt, die sich

mit Drogeneinfuhr beschäftigen. Allerdings beschäftigen sich nur

wenige mit dem Import +aller+ Drogen. Die meisten betreiben diese

oder jene Spezialität, wie _Campher_, _Copaivabalsam_, _Perubalsam_,

_Lycopodium_, _Secale cornut._, _Coca_, _Cola_, _Calabarbohnen_,

_Jaborandi_, _Jalape_, _Rhabarber_, _Strophanthus_, _Kamala_,

_Ipecacuanha_.

Die Drogenspeicher Hamburgs befinden sich teilweise im Freihafengebiet,

teilweise in den inneren Stadtteilen, die dem Hafen nahegelegen

oder doch von diesem aus möglichst auf Wasserstraßen (Fleeten,

Fig. 272) bequem und schnell zu erreichen sind. In der Regel

hat jede Großhandlung von irgend welcher Bedeutung außer ihren

Geschäftsspeichern in der inneren Stadt auch solche im Freihafengebiet,

um sich unnötige Verzollungen für zollpflichtige Waren, die das

Inland nicht berühren, sondern gleich ab Hafen wieder weiter

gehen, zu ersparen. Die großen Dampfer (Fig. 271) kommen alle bis

nach Hamburg und fahren nach den Anlegeplätzen der betreffenden

Schiffsgesellschaften, wo die Güter ausgeladen und in Dampfbooten

(Schuten) oder Lastkähnen (Leichtern) ihren Eigentümern zugeführt

werden. Vielfach werden auch die ankommenden Waren irgendwo im Hafen

in Lagerschuppen bei sogenannten +Quartiersleuten+, die eine alte

Zunft bilden, eingelagert. Dort können auch Besichtigungsproben gegen

Erlaubnisschein der betreffenden Firma, welche Besitzerin der Ware ist,

entnommen werden.

Täglich erscheint eine Einfuhrliste, aus welcher Interessenten Art und

Anzahl der eingetroffenen Güter ersehen können.

In +Hamburg+ vollzieht sich der Großdrogenhandel nach einem anderen

System wie in den oben beschriebenen Häfen. Regelmäßige Drogenauktionen

wie in London und Amsterdam finden hier nicht statt -- nur havarierte

Schiffsgüter werden bisweilen verauktioniert. Der Drogenhandel ist in

den Händen von +Drogenmaklern+ (d. h. Agenten), die Verbindungen mit

den betreffenden Importfirmen haben, jeden Tag vorsprechen, die Preise

erfragen und die Geschäftsabschlüsse gegen meist ein Prozent Courtage

(«+Maklergebühr+») vermitteln. Kaufende und verkaufende Firma treten

also meist nicht in direkte Verbindung. Die Bezahlung geschieht nach

Empfang der Ware per Kasse abzüglich 1% Skonto, falls es sich nicht um

Netto-Kasse-Artikel handelt.

Die größten Firmen geben allmonatlich Listen aus. Ich teile eine Seite

einer solchen Liste in der Beilage mit, die telegraphische Bestellung

nach den vorgedruckten Zeichen ermöglicht.

Für die technischen Drogen, die in riesigen Mengen verbraucht werden,

wie z. B. _Copal_ und _Kautschuk_, existieren besondere Importfirmen,

die sich ausschließlich und fast ausschließlich mit diesen Objekten

beschäftigen.

Mehr wie in London wird in Hamburg auf die +Drogenappretur+ gegeben,

und finden sich selbst in den Listen der dortigen Großdrogenhäuser

regelmäßig auch geschnittene Drogen aufgeführt. Im allgemeinen

geschieht aber auch hier eine Appretur nur dann, wenn sie erforderlich

ist oder vom Kunden gewünscht wird. So werden z. B. Wurzeln

(_Sarsaparille_) bisweilen gewaschen, d. h. vom Erdreich befreit,

andere ausgelesen, «elegiert», z. B. bei _Ipecacuanha_ die Stengel

und Rhizome ausgelesen. _Balsame_ (z. B. _Copaiva_) werden vom Wasser

und Schleim durch Klären befreit, _Lycopodium_ wird gesiebt, _Kamala_

gesiebt und geschlämmt u. a. m. Manche Drogen werden auch gebleicht

(_Ichthyokolla_, _Schellack_). Die Methoden sind sehr verschieden und

richten sich ganz nach der Art der Droge bezw. nach dem Zustand, wie

sie ankommt. Die verwendeten Verfahren werden von den Firmen meist

geheim gehalten. Für die _Campher_raffinerie ist Hamburg jetzt Hauptort.

Ausschnitt aus einer monatlich versandten Medicinaldrogenliste einer

Hamburger Großdrogenfirma.

|3 Monats-| Netto |Bemerkungen

=Januar 19=.. | Accept | Cassa |

| =M= | =M= |

--+--------------------------------------+---------+-------+-----------

MD| =Aloë Curaçao= Kst. ca. 50/55 Ko. | | |

| leberfarbig 00 bei 20 Kist. % Ko | --.-- | --.-- | }Ohne

| » 5 » » | --.-- | --.-- | }Garantie

| einz. » » | --.-- | --.-- | }für Ver-

| leberfarbig 0 bei 20 » » | --.-- | --.-- | }änderung

| » 5 » » | --.-- | --.-- | }der Farbe

| einz. » » | --.-- | --.-- | }während

| leberfarbig 1 bei 20 » » | --.-- |--.-- | }der Reise

| » 5 » » | --.-- | --.-- | }oder auf

| einz. » » | --.-- | --.-- | }Lager

| pulv. gross. Kist. à 50 Ko. » | 102.-- |100.-- | }

| » subt. » » 50 » » | 122.-- |120.-- | }

| | | |

MD| =Anethol= s. u. Ol. Anisi vulgaris. | | |

| | | |

MD| =Anthophylli=, Gonjes ca. 80 Ko. » | | |

| elect hellbraun » | 153.-- |150.-- | Anbruch

| | | | + 25.--

| naturell » » | 102.-- |100.-- | Anbruch

| | | | + 25.--

| » schwarz » | 51.-- | 50.-- | Anbruch

| | | | + 25.--

| | | |

MD| =Araroba= ordinair, Kisten ca. | | |

| 17 Ko., | | |

| bei 1000 Ko. » | 40.-- | 39.-- |

| einz. Kisten » | 50.-- | 49.-- |

| pulv. subt. » | 406.-- |400.-- |

| | | |

G| =Arrowroot=, St. Vincent, | | |

| Fässer ca. 100 Ko. | | |

| extra prima 00 bei 10 Barrels % Ko. | 58.-- | 57.-- |

| » 5 » » | 59.-- | 58.-- |

| einz. » » | 60.-- | 59.-- |

| prima 0 bei 10 » » | 48.-- | 47.-- |

| » 5 » » | 49.-- | 48.-- |

| einz. » » | 50.-- | 49.-- |

| courant 1 bei 10 » » | --.-- | --.-- |

| » 5 » » | --.-- | --.-- |

| einz. » » | --.-- | --.-- |

| | | |

MD| =Balsam=, =Canada=, Kist. | | |

| 2 Can. ca. 20 Ko. | | |

| filtriert bei 5 Kist. % Ko. | 398.-- |390.-- |

| einz. » » | 408.-- |400.-- | einz. Can.

| | | | + 10.--

| | | |

MD| » =Copaiva=, Kisten à 2 Can. | | |

| ca. 18 Ko. | | |

| Ph. G. IV, Benzinlöslich (1:4), | | |

| Ph. Brit. Ph. Ross. Ph. Japon. | | |

| Ph. Suec. Ph. Aust. bei 10 » % Ko. | 310.-- |305.-- |

| » 5 » » | 313.-- |308.-- |

| » einz. » » | 320.-- |315.-- | einz. Can.

| | | | + 10.--

| Ph. G. IV, Ned. » 10 » » | 250.-- |245.-- |

| » 5 » » | 253.-- |248.-- |

| » einz. » » | 260.-- |255.-- | einz. Can.

| | | | + 10.--

| Ph. G. III » 10 » » | 250.-- |245.-- |

| » 5 » » | 253.-- |248.-- |

| » einz. » » | 260.-- |255.-- | einz. Can.

| | | | + 10.--

| in 90%igem Sprit » 10 » » | 230.-- | 225.--|

| löslich » 5 » » | 233.-- | 228.--|

| » einz. » » | 240.-- | 235.- | einz. Can.

| | | | + 10.--

| | | |

| | | |}für tech-

MD| dick, mitteldick bei 10 Kist. % Ko. | 160.-- | 157.--|}nische

| od. dünn » 5 » » | 163.-- | 160.--|}Verwendung

| » einz. » » | 170.-- | 167.--|}einz. Can.

| | | |} + 10.--

Die großen deutschen Drogenhäuser des Inlandes kaufen die Drogen meist

«naturell»nach der Liste und nach vorheriger Einsendung und Prüfung

eines entsprechenden Kauf- bezw. Ausfallmusters und reinigen die Ware

dann selbst. Die Drogenappretur inländischer Drogen wird besonders in

Dresden, Halle und Ebingen betrieben. Die erste Drogenappreturanstalt

-- jetzt die größte Europas -- errichtete ~Gehe~ 1865 in Dresden.

Der Hamburger Markt, obgleich außerordentlich zur Blüte und Größe

gelangt (S. 166) und sehr selbständig, ist natürlich bei manchen

Artikeln unter anderen auch auf den Londoner Markt und die dortigen

Auktionen angewiesen und umgekehrt. Diese Geschäfte werden durch

eigene Agenten der Großhäuser besorgt. Täglich findet ein lebhafter

Depeschenwechsel zwischen Hamburg und London statt.

Um eine Übersicht über den Hamburger Handel zu geben, teile ich die

Drogeneinfuhr- und -Ausfuhrliste pro 1906 im folgenden mit.

Es betrug die +Einfuhr+ nach Hamburg (die Namen der Artikel nach der

Liste unkorrigiert):

Artikel 1906 1905 1904 1903 1902

Doppelzentner

Agar-Agar 1064 ? 232,9 1138 1573

Albumin 4555 3153 1837 1958 965

Aloë, Cap- und Curaçao 892 1279 2257 1945 2059

Balsam Copaivae 336 230 466 461 319

» Peru 234,8 263,8 277 340,16 289,2

Cortex Chinae 2711 2541 1860 2776 3752

Cumin 3495 5318 4646 5185 4382

Fabae Tonco 105,7 36 120,5 121,3 42,3

Gallen 24528 18905 27474 25313 25047

Gummi arab. 39032 44536 34600 39894 34316

» Benzoë 1436 999 1385 1067 768

» Dammar 6237 6867 4976 5314 4073

» Kopal 27695 27057 32900 22559 20029

» Sandarak 2094 2715 2000 1532 1039

» Senegal 947 1366 1376 513 308

» Tragant 4616 3340 2618 2463 1880

Irländ. und Isländ. Moos 3237 2783 3140 2728 2400

Campher 11124 10085 14626 17087 18361

Oleum Anisi Stellati 336,4 401,65 521,3 300 333,3

» Menth. pip. 935 1059,1 885,2 706,1 504,14

» Ricini 27300 22313 21211 23792 19832

Opium 180,58 275,62 326,86 183,06 168,96

Radix Ipecacuanhae 129,5 141,7 178,7 192,6 230,6

» Jalapae 686 603 97 599 579

» Liquiritiae 5484 3928 5063 3375 6720

» Rhei 996 1281 1127 584 965

» Sarsaparillae 1285 958 881 902 1306

» Senegae 488 478 388 624 411

Schellack 36753 33716 26207 26440 21600

Semen Sabadillae 1410 ? ? 549 901

Sennesblätter 2067 4349 4370 3068 3259

Sternanis 329 103 308 1191 628

Terra Catechu und Japonica 23638 21186 23818 25925 25308

Einfuhr Ausfuhr

1905 1904 1905 1904

Doppelzentner netto

Öle, äther., nicht bes. genannt 4713 4624 | 4830 4910

davon aus resp. nach: |

Ceylon 350 236 | -- --

China 623 378 | -- --

Japan 266 202 | -- --

Vereinigte Staaten 308 278 | 901 1549

Rußland 112 116 | 543 397

Essenzen usw., alkohol- oder |

ätherhaltige (Menthol usw.). 1906 1869 | 2462 2711

davon aus resp. nach: |

Japan 497 349 | -- --

Österreich-Ungarn 699 153 | 216 250

Hausenblase, echte u. unechte 169 229 | 89 77

Aloë 1111 2039 | 804 1305

davon aus: |

Brit. Südafrika 318 1111 | -- --

Niederl. Amerika 454 560 | -- --

Kanthariden 134 155 | 77 69

Chinarinde 25934 39426 | 828 1165

davon aus: |

Niederl. Indien 23791 35636 | -- --

Cochenille 620 691 | 122 244

Dividivi 97733 84012 | 27187 22441

Galläpfel 19316 27117 | 2958 2231

Gummi arab., Senegal-, Tragant- 58400 54277 | 23150 21535

Indigo 1973 2600 | 111648 87300

Camphor 10016 11631 | 3305 2663

Catechu 46482 44201 | 14227 13073

Opium 687 676 | 133 116

Rhabarber, getr. 1200 811 | 481 310

Getr. Mandeln 104714 97878 | 236 166

Gewürznelken 7920 6739 | 674 864

Ingwer 2449 2455 | 10 4

Cardamom 728 728 | -- 1

Macis 5654 4960 | 27 6

Pfeffer, schwarzer 31040 35040 | 170 119

» weißer 19360 22622 | 19 2

Piment 13587 13755 | 3 9

Sternanis 314 301 | 4 3

Vanille 797 789 | 45 70

Cacaobutter, Cacaoöl 183 276 | 18246 13851

Insektenwachs, roh 25578 25067 | 244 416

davon aus: |

Deutsch-Ostafrika 3171 1738 | -- --

Madagaskar 2025 1158 | -- --

Brasilien 549 1473 | -- --

Pflanzenwachs (Carnaubawachs) |

roh, davon aus: |

Brasilien 5422 5849 | -- --

Wachs jeder Art, zubereitet 4318 4666 | 22054 19206

davon aus Japan 3344 3611 | -- --

Balsame, natürliche, außer |

Terpentin 2008 1707 | 1062 1089

Gummilack, Schellack 41043 32162 | 9576 8589

Die meisten Drogen werden nach dem Aussehn gehandelt, doch greift

die löbliche +Sitte, nach dem Gehalt zu kaufen+, immer mehr um sich.

Schon jetzt wird vielfach ein Zertifikat des Chemikers verlangt.

So z. B. wird der _Perubalsam_ nach dem Cinnameïngehalte, das

_Eucalyptusöl_ nach dem Eucalyptolgehalte (ich fand solches mit der

Bezeichnung: «60–70% Eucalyptol»), das _Pfefferminzöl_ nach dem

Mentholgehalte (ich sah in London auch «_dementholized pepermint

oil_»), das _Sandelöl_ nach dem Santalolgehalte, _Zimtöl_ nach dem

Zimtaldehydgehalte gehandelt. Bei den ätherischen Ölen haben besonders

~Schimmel & Co.~ darauf hingewirkt, daß die Chemie das letzte Wort bei

deren Kaufabschlusse hat. Vielfach wird auch nach den Ansprüchen der

Pharmakopoëen gehandelt (z. B. _Bals. Copaiv._ Ph. germ. IV).

Bei der _Chinarinde_ von Java wird in den Regierungs-Chinaplantagen

(Fig. 243) das Chinin bestimmt (seit 1872, ~Moens~, ~Gorkom~), das

Resultat in einem Zertifikat jedem Posten beigelegt und dasselbe

dann, wenn auch nicht regelmäßig, in Amsterdam nachkontrolliert.

Bei der Particulierrinde geschieht die Bestimmung erst in Amsterdam

(vgl. S. 174). Gehandelt wird die _Chinarinde_ nach dem +Unit+, d. h.

nach Halbkiloprozenten. Wenn man sagt: Das Unit ist 10 cent holl. (1

cent = 1.69 Pfennig), so heißt das soviel wie: das halbe Kilo einer

einprozentigen Rinde kostet 10 cent, einer zweiprozentigen also 20

cent, einer fünfprozentigen 50 cent usw. Die Rinde wird also nur nach

ihrem Gehalte an Chinin (sulfat) gehandelt. Das Unit war in den letzten

Jahren ziemlichen Schwankungen unterworfen. Es fiel von 1891–1893 von

7.50 auf 2.60, blieb dann dauernd niedrig, ja sank sogar Anfang 1897

bis auf 2.15 herab, den tiefsten Stand, den es je erreichte, um dann

noch im gleichen Jahre auf 7.90, 1899 auf 10.90 und 1900 gar auf 12.20

zu steigen. Dann ist es wieder herabgegangen. Ende 1906 stand es um 5.

Auch die Hamburger Listen geben bei _Chinarinde_ immer den

Alkaloidgehalt des betreffenden Postens an.

Die _Kamala_ wird jetzt nach dem Aschengehalt gehandelt (2.5–3.5–5–6%

Asche), die ascheärmste ist um die Hälfte teurer als die aschereichste.

Die «Klassifizierung» des _indischen Opiums_ unterscheidet nach dem

Gehalt an wasserfreiem _Opium_ (bei 212° F. getr.) 12 Klassen:

Buitengewoon 82 Grade (und höher)

Bala Bashi Durawal 79–81 „

Bala Durawal 76–78 „

Durawal 73–75 „

Awal 70–72 „

Doem 67–69 „

Saem 64–66 „

Chaharun 61–63 „

Punjum 58–60 „

Shuihum 55–57 „

Huftum 52–54 „

Pani amez weniger als 51 „ (d. h. weniger als 51% wasserfreies

_Opium_).

Der deutsche Großdrogenhandel hat seinen Hauptsitz in Hamburg, ferner

in Berlin, das Leipzigs Erbschaft angetreten hat, und Dresden, dann

in Leipzig, Halle, Breslau, Stuttgart, Nürnberg, endlich in Bremen,

Stettin, Danzig, Königsberg, Braunschweig, Hannover, Frankfurt a. M.,

Würzburg.

Die Mengen, welche die Pharmazie von den Drogen braucht, sind

übrigens verschwindend gering gegenüber den enormen Mengen, die die

Industrie z. B. vom _Colophonium_ und _Terpentin_, von _Dammar_,

_Copal_, _Campeche_, _Fernambuc_, _Gummi arabicum_, _Galläpfeln_,

_Guttapercha_, _Kautschuk_, _Baumwolle_, _Olivenöl_ u. and. verbraucht

und auch Küche und Haus verbrauchen erheblich mehr _Cacao_, _Tee_,

_Kaffee_, _Stärke_, _ätherische Öle_ u. and. als die Apotheke.

Der moderne Großdrogenhandel ist nicht ein Nachkomme des Großhandels

der ~Fugger~ und ~Welser~. Verfolgt man die Geschichte der heutigen

Drogenfirmen zurück, so findet man, daß viele Drogenfirmen -- wie

viele chemischen Fabriken auch -- aus einer Apotheke hervorgingen,

ein Apotheker ihr Begründer war. Aus der Apotheke ist auch der

Großdrogenhandel im XVII. und XVIII. Jahrh. -- meist durch

Berufsspaltung -- hervorgegangen (~Breitfeld~).

Bis in die Mitte des XIX. Jahrh. ist Leipzig, begünstigt durch seine

Messe, der erste deutsche Drogenhandelsplatz gewesen. ~David Heinrich

Brückner~ errichtete 1750 in Leipzig ein «+Kräutergewölbe+». «Sachsens

und Thüringens Wälder und Wiesen und die dort von altersher bestehenden

Kulturen von Gewürz- und Heilpflanzen lieferten in der Hauptsache die

Bedürfnisse des Drogengeschäftes. Was von ausländischen Produkten

zur Ausstattung einer Medizinaldrogenhandlung gehörte, kam fast

ausschließlich aus Amsterdam, welches der Hauptstapelplatz war für die

Erzeugnisse des ganzen Orients, der südeuropäischen und überseeischen

Länder. Das Absatzgebiet des Geschäftes erstreckte sich auf das

Kurfürstentum Sachsen, die angrenzenden preußischen Provinzen und

namentlich die thüringischen Lande, von denen aus damals, wie bis in

die neuere Zeit, die ‚Balsammänner‘ mit ihren aus den Leipziger Drogen

und ätherischen Ölen hergestellten Heilmitteln in die Welt zogen»

(~Brückner, Lampe & Co.~, +150 Jahre einer deutschen Drogenhandlung+).

1817 gründete +Brückner+ das Zweighaus ~Lampe, Kauffmann & Co.~ in

Berlin und 1883 fand die Fusion und Übersiedelung der Zentralleitung

nach Berlin statt.

Leipzig war das deutsche Nischni Nowgorod. Jetzt ist es durch Hamburg,

Berlin, Dresden u. and. überflügelt.

Vom Großdrogisten gelangt die Droge zum Apotheker und Kleindrogisten.

+Kleinkrämer+ mit Drogen lassen sich bis ins XII. Jahrh. zurück

verfolgen (~Kriegk~, +Deutsch. Bürgerth. im Mittelalter+, 1868).

Von Trusts hat man auf dem Gebiete der Drogen noch nichts gehört.

Doch ist in neuester Zeit in Amerika der Gedanke aufgetaucht, für

die _Kautschuk_produktion einen Trust zu gründen, der die Preise im

Welthandel diktieren soll. Er wird aber wohl kaum zustande kommen, da

die Produktion des _Kautschuk_ z. Z. schon zu stark dezentralisiert ist.

Das Bestreben, die Erzeugung gewisser auf eng umgrenzte Gebiete

beschränkter Drogen zu monopolisieren und damit den Preis zu diktieren,

ist begreiflich. Handelsvölker oder Handelsgesellschaften, welche

von solchen Bezirken Besitz ergriffen hatten, haben in früherer Zeit

oftmals den Versuch gemacht, sich ein Monopol für die Erzeugung

dieser Drogen zu schaffen und dies Monopol nicht selten mit großer

Energie verteidigt. So hat die holländisch-ostindische Kompagnie die

Anpflanzung und den Handel mit _Muskatnüssen_ auf den Bandainseln

für sich monopolisiert. Das Monopol übernahmen dann die englische

und (1816) die holländische Regierung. Ein ähnliches Monopol schuf

sich die holländisch-ostindische Kompagnie für die _Nelken_ und

die englisch-ostindische Kompagnie in Ceylon für den _Ceylonzimt_.

Auch diese sind längst aufgehoben, wie ja überhaupt unsere Zeit

monopolfeindlich ist und das freie Spiel der wirtschaftlichen Kräfte

auf ihre Fahne geschrieben hat. Doch hat noch in neuerer Zeit (5.

August 1899) Japan den _Campher_ monopolisiert, dessen wichtigste

Quelle -- Formosa -- ihm als Siegespreis im chinesisch-japanischen

Kriege zufiel. Da aber _Campher_bäume nicht nur in Japan und Formosa

vorkommen, ist es nicht sehr wirksam und 1906 erlebte, angeregt durch

die hohen _Campher_preise, die _Campher_produktion in China einen

großen Aufschwung. China brachte 1907 c. 30000 cwt _Campher_ in den

Handel.

Das größte Handelsmonopol war das am Beginn des XVI. Jahrh. errichtete

Welt-Gewürzmonopol der Portugiesen, das dieselben nach Auffindung

des Seeweges nach Ostindien errichteten und das besonders ein

_Pfeffer_monopol war. Es war eine «Monopolisierung der Ozeane». Die

Schiffe durften ihre Rückfracht nur in der Casa da India in Lisboa

(Lissabon) löschen und mehr wie einmal ordnete der König, der sich

den Titel «Herr des indischen Handels» beigelegt, die Vernichtung von

Vorräten an, wenn diese anschwollen und die Preise zu drücken drohten.

Es hatte aber keinen langen Bestand, denn schon im letzten Dezennium

des gleichen Jahrhunderts sprengten die Holländer die Ozeansperre. Auch

das erste Gewürzmonopol (für _Nelken_ und _Muskat_) auf den Bandainseln

wurde 1529 von den Portugiesen errichtet, die die Insel 1512

erreichten, entschlüpfte ihnen aber wieder gegen Ende des XVI. Jahrh.,

das zweite nahmen die Holländer, resp. die Niederländ.-Ostindische

Kompagnie nach Eroberung der Inseln im Anfang des XVII. Jahrh. Es

dauerte von 1621 bis 1796 und ist durch die Hongitogten berüchtigt.

Auch während der englischen Okkupation 1796–1802 und 1810–1816 bestand

das Monopol und als die Inseln dann definitiv in holländischen Besitz

übergingen, übernahm es die niederländische Regierung. Es erlosch erst

-- ebenso wie die Zwangskultur -- 1873.

Während der Herrschaft der Holländisch-Ostindischen Kompagnie

wurden in Amsterdam in der Mitte des XVIII. Jahrh. wiederholt die

Erntenerträgnisse von _Nelken_, _Zimt_ und _Muskatnuß_ jahrelang

aufgespeichert, um die Preise hoch zu halten, ja sogar mehrfach größere

Vorräte derselben in Amsterdam und Middelburg verbrannt.

Den Handel mit Amerika hat Spanien c. 300 Jahre lang monopolisiert

(bis zum Anfang des XIX. Jahrh.). In Sevilla befand sich die Casa

de contratacion de Indias, die oberste Aufsichtsbehörde für den

amerikanischen Handel. Im XVII. Jahrh. mußten alle Schiffe Sevilla

anlaufen, dann wurde (1717) Cadiz Monopolhafen. -- Vgl. auch die

Monopole bei den Arzneipflanzenkulturen im Kap. Pharmakoërgasie (S. 47).

Lit. +v. Neumann-Spallart+, Übersicht. d. Weltwirtsch. 5 B.

1878–1887, fortges. von Juraschek 1891. -- +Sonndorfer+, Technik

des Welthandels. -- +von Lignitz+, Produktion, Handel u.

Besiedelungsfähigkeit d. deutsch. Kolonien. Berlin 1908. -- +Paul

Langhans+, Kleiner Handelsatlas, J. Perthes 1895. -- Handelsberichte

von Julius Großmann, Gehe & Co., Schimmel & Co., Caesar & Loretz,

J. D. Riedel u. and. -- Handelsberichte in der Chemikerzeitung und

im Chemist and Druggist London. -- Ausfuhrlisten der Welthäfen

(Singapore, Batavia, Colombo, New York, Hongkong usw.). -- Deutsch.

Handelsarchiv. -- Handelsbericht. -- Gothaisches Genealog.

Taschenbuch. -- Export, Organ d. Zentralver. f. Handelsgeogr. --

Export-Jahrbuch. -- Annuaire de l’économie politique et de la

statistique. -- The statesmans yearbook. -- Javasche Courant. --

Indische Mercuur. -- +Monthly statement of drugs+, drysalteries

etc. in the Docks and various other London Warehouses. -- +London

Customs Bill of entry.+ -- The commercial and Financial Chronicle.

-- +Jaaroverzichten+ betreffende den handel in Koloniale producten

(Indische Mercuur). -- +Gustav Briegleb+ in Amsterdam gibt eine

sehr instruktive Graphische Table showing the average Units of the

Amsterdam Cinchonabark sales heraus, aus der das Fallen und Steigen

der Units im Laufe der Jahre ersichtlich ist. -- Marktbericht

en Prijs Courant opgemaakt door de «Handels-Vereeniging» te

Batavia. -- Die +Bluebooks+ Englands, die +Konsularberichte+,

das +Deutsche Handelsarchiv+ enthalten wichtige Angaben über die

Handelsverhältnisse, Statistiken u. and. -- Commercial Report from H.

M. Consuls in China. -- Calendar of State papers, Colonial Series. --

Für Japan die Consular Reports. -- Ich habe meine Erkundigungen auch

durch die Konsuln des Deutschen Reiches und der Schweiz eingezogen.

3. Produktions- und Exportziffern.

Die +Exportziffern+ sind aus den Exportlisten zu ersehen, die

+Produktions+ziffer ergibt sich aber aus diesen nicht. Sie ist meist

nur annähernd festzustellen, da sich der Verbrauch im Produktionslande

selbst nur schwer kontrollieren läßt. Sie ist die Summe der

Exportziffer und der Landeskonsumziffer.

Um eine Vorstellung von der Ausfuhr großer überseeischer Handelsplätze

zu geben, teile ich im folgenden als Beispiele die Exportlisten zweier

für uns besonders wichtiger, von mir besuchter Inseln -- Ceylon und

Java -- mit.

+Export von+ =Ceylon= +im Jahre 1906+ (nach Ceylon Customs returns,

Colombo 1907):

+Quantity+ +Value+ (in Ruppies)

Cacao 55621 cwt 2.052414 Rs

Coconut trocken 181807 „ 3.404000 „

„ frisch 16.224973 „ 929680 „

Coffee plantation 4484 „ 257830 „

„ liberian 50 „ 1050 „

Cardamoms 6505 „ 585755 „

Cinnamom 52422 „ 2.642068 „

„ wild 18 „ 60 „

Cinchona bark 296820 lb 11872 „

Cloves and Mace 118 cwt 6006 „

Ginger 40 „ 772 „

Nutmegs 155 „ 6675 „

Pepper 1983 „ 71960 „

Vanilla 50 „ 23821 „

Tea 170.527146 lb 61.389772 „

Sapan wood 10137 cwt 27713 „

Rubber 2333 „ 96843 „

Copra 448700 „ 5.661337 „

Castor oil 7 „ 240 „

Cinnamom oil 103487 oz 18846 „

Cinnamom leaf oil 51224 „ 5856 „

Citronella oil 1.213748 lb 1.204764 „

Coconut oil 539002 cwt 9.545725 „

Croton seed 273 „ 8461 „

+Ausfuhr aus+ =Java= (nach Javasche Courant No. 20 van 12

Maart 1907):

1904 1905 1906

Cacao 976721 1.047466 1.815812 kg

Copra 22.904240 108.360755 54.337508 „

Foelie 36286 57176 47012 „

Getah Pertja 3782 2046 2746 „

Gomdammar 1.585163 1.743594 2.024655 „

Gomelastiek 44510 96362 174892 „

Indigo, n. ber. v. d.

Inlandsche markt 808739 440766 200760 „

Indigo, andere 324940 69080 182761 „

Kaneel, eigenlijke 52696 41510 15517 kg

Kapok 4.615155 6.309969 5.787803 „

Kassiavruchten 378338 216924 77766 „

Katjangolie 2.393029 2.106883 1.447311 Lit.

Kinabast 7.119284 8.021869 6.500059 kg

Kinine 44789 15515 39720 „

Klapperolie 33666 63600 5864 Lit.

Koffie, andere 15.869912 15.301235 19.054858 kg

Koffie, in hoornschil. 3.252807 9.069232 5.944613 „

Koffie, in gedr. kers. 5682 19103 403067 „

Nagelen -- 924 2423 „

Notenmuskaat 177439 243731 277112 „

Noten-, pinan- 2.393880 2.672693 3.851635 „

Peper, staart- 167283 154911 146680 „

Peper, witte 412173 622882 1.519361 „

Peper, zwarte 3.642591 4.530135 6.792734 „

Rijst, ongepelde -- 246194 9420 „

Rijst, gepelde 45.838401 42.705724 44.269343 „

Suiker 41.959707 1.050.397131 1.021.055203 „

Tabak, niet bereid voor

de Inlandsche markt 33.806340 27.863640 51.527875 „

Tabak, bereid voor de

Inlandsche markt 693031 498450 707717 „

Tapiocameel 27.711408 23.104152 21.354794 „

Thee 11.798403 11.846889 11.967803 „

=Brasilien= exportiert im Jahr für 700–800 Mill. Mark. Davon entfallen

auf Kaffee etwa 450 Mill., auf Kautschuk 135 Mill. Mark.

Hieran mag der Export des =Kongostaates= angeschlossen werden, dessen

Ausfuhr sehr eigenartig und für Afrika charakteristisch ist. Er

exportierte 1906:

Handbuch der Pharmakognosie(#71451) · 第 20 / 33 段