Palmkerne 5.917559 „
Palmöl 2.301473 „
Weißen Copal 868928 „
Cacao 402429 „
Kaffee 74916 „
Erdnüsse 43152 „
Nur wenige Drogen im engeren Sinne zeigen =Riesenexportziffern=; von
reinen +Arznei+drogen eigentlich nur die _Chinarinde_, von der 1906
allein nach Amsterdam 8.794480 kg gelangten (vgl. S. 175), trotzdem die
Bandongsche Chininfabrik 1906 schon 55000 kg _Chinin_ fabrizierte. Der
+Naval stores+ ist schon oben (S. 173) gedacht worden. Sie sind aber
vorwiegend technische Drogen. Ihre Exportziffern sind beträchtlich.
+Frankreich+ exportierte:
1904 1905 1906
_Terpentin_ 5596 12214 12922 tons (t = 1000 kg)
_Rosin_ (_Colophon._) 30897 59382 37888 „
+Amerika+ exportierte:
1904/05 1905/06 1906/07
_Terpentin_ 51288 49482 47181 tons engl. (t = 1016 kg)
_Rosin_ 242789 241243 270990 „ „
Sehr beträchtlich sind auch die Exportziffern für _Kautschuk_, _Copal_,
_Dammar_, aber von diesen Produkten findet nur ein sehr kleiner
Prozentsatz seinen Weg in die Apotheke.
Die jährliche Gesamtproduktion von _Opium_ mag etwa 20 Mill. kg
betragen; davon produziert China 14 Mill. kg, Brit. Ostindien 5.5 Mill.
kg.
Die Gesamtausfuhr von _Pfeffer_ aus Niederländ. Indien und Malakka
beträgt c. 25 Mill. kg. Wichtigster _Pfeffer_markt der Erde ist
Singapore.
Die Gesamtproduktion von _Rohrzucker_ beträgt mehr als 3050 Mill.
kg. Davon entfällt auf Amerika der Hauptanteil (1700 Mill. kg).
Die Gesamtproduktion von _Rübenzucker_ wird auf 3600 Mill. kg
geschätzt. Hauptproduktionsland ist Deutschland (1320 Mill. kg), wo
über 400 Zuckerfabriken bestehen. Dann Frankreich mit 370 Fabriken,
Österreich-Ungarn, Rußland, Belgien.
Von _Cacao_ kommen jährlich c. 32 Mill. kg in den Welthandel (die
Gesamt+produktion+ ist viel höher, läßt sich aber nicht schätzen).
Haupt-_Cacao_märkte sind London, Havre, Amsterdam, Hamburg, Bordeaux.
Die Gesamtproduktion von _Tee_ läßt sich ebenfalls nicht schätzen, da
China und Japan enorme Mengen selbst verbrauchen. In den Welthandel
gelangen jährlich c. 220 Mill. kg. Haupt-_Tee_markt Europas ist London,
dann folgen Hamburg, Bremen, Marseille, Odessa.
Von _Mate_ konsumiert allein Argentinien jährlich 37 Mill. kg.
Die _Kaffee_produktion der Erde betrug in Ballen à 60 kg (nach
~Lacerta~):
Zentralamerika Gesamt-
Brasilien und Antillen Asien Afrika produktion
1895/96 5.969000 3.050000 1.017000 240000 10.454000
1896/97 8.500000 3.150000 858000 249000 12.102000
1897/98 7.250000 3.100000 1.171000 275000 11.210000
Den meisten _Kaffee_ produziert Brasilien, den besten Java.
Alle anderen Produkte läßt aber die _Baumwolle_ hinter sich. Die
Welternte betrug 1903: 14.1 Mill., 1904: 17.9 Mill., 1905: 15.7 Mill.,
1906: 18.6 Mill. Ballen. Der _Baumwoll_verbrauch betrug 1906/07 pro
Woche 327000 Ballen! Die Vereinigten Staaten allein produzierten 1906:
13.305265 Ballen _Baumwolle_.
Die _Vanille_produktion der Erde beträgt fast 330000 kg. Sie verteilte
sich 1906/07 folgendermaßen auf die Länder:
Mexico 120000 kg
Comoren, Mayotte 105000 „
Madagascar, Nossi Bé 40000 „
Bourbon 30000 „
Seychellen 20000 „
Antillen 5000 „
Mauritius 3000 „
Ceylon, Java 3000 „
Fidschi-Inseln, Congo 1000 „
Sansibar, Deutsch-Ostafrika, Neu-Hebriden geringere Mengen.
4. Masse und Gewichte.
Die im Großhandel üblichen =Maße und Gewichte= sind jetzt meist die des
metrischen Systems, doch begegnet man noch vielfach in den Ausfuhr-
und Einfuhrlisten (s. oben) und Handelsberichten den +englischen
Gewichten+: der +Unze+ (onz) = 28.439 g, dem +englischen Pfund+ (lb,
lbs) = 453.6 g, dem +Zentner+ (cwt, d. h. hundred-weight) = 112 engl.
Pfund = 101.5 deutsche Pfund = 50.8 kg, der engl. +Tonne+ (tons. =
t.) = 907.18 (oder 1016) kg, dem +Barrel+ = 159 (oder 163) Liter, dem
+Gallon+ = 4.54 l (= 4 Quarts à 2 Pints à 4 Gills) = 10 engl. Pfund,
dem +Hogshead+ = 63 Gallons und in +Indien+ den dort üblichen z. B.
dem +Picul+ (sprich Pickel) = 100 Kattis = 133 engl. Pfund = 61.76
kg (der japanische Pikul = 60.47 kg, der siamesische = 60.5 kg), dem
+Imperial-Bushel+ = 36.5 Liter (= 8 Gallons à 4.54 Liter).
+Barrel+ ist zwar meist eine Tonne von 2 Kilderkins zu 2 Firkins
und hält 36 Imperial-Gallons = 163.56 Liter, ist aber auch ein sehr
ungleich benutztes Gewichtsmaß z. B. für westind. _Rohrzucker_ =
224–308 engl. Pfund, für amerikan. _Pech_ = 35 Gallons zu 9 Pfund;
in Amerika für _Petroleum_ = 40 (resp. 42), für _Cider_ und andere
Flüssigkeiten = 30 Gallons.
In +Rußland+ wird oft nach +Pud+ = 16.38 kg gerechnet, in +Persien+
nach +Man-i-Schah+ = 5.87 kg. Der +marokkanische Kintar+ ist = 50.8 kg,
der kleinasiatische +Bahar+ = 83.5 kg.
+Kin+ oder King (chines.) ist = 16 Liang oder = 601.28 g (japan.)
amtlich = 10 Rió = ¹⁄₁₀₀ Picul = 601.04 g, aber im Binnenverkehr
vielfach bis 592.59 g herab. Auf den Philippinen ist +Cate+ = 632.685
g, in Niederländ. Indien = 615.21 g. In Singapur, Penang und Malakka
verhält sich das malaiische +Kin+ zum chinesischen wie 15 : 16. Die
englische Bezeichnung für Kin lautet +Catty+.
Der chinesische +sching+ ist = 10.31 Liter, der japanische +schingsho+
= 1.81 Liter.
Die +persischen Gewichte+ sind sehr eigenartig. 1 +Miskâl+ = 4.6
g = 24 Nukhûd (= Kichererbse) = 0.192 g, 1 Nukhûd = 4 Gändum (=
Weizenkorn) = 0.048 g. +Batmän+ oder +Män+ ist sehr verschieden. Es
gibt 18 verschiedene von 2.9 bis 52.9 kg. Das kleine Män = 2.944 kg =
Män i Täbrîz = 8 Abbâsî = 640 Miskâl. Män i Noh Abbâsî = 9 Abbâsî =
720 Miskâl = 3.312 kg. Das große Män = 13.8 kg. Das eigentliche +Män
i Täbrîz+ = 1000 Miskâl = 5.750 kg. 1 Klein Batmän = 4 Tshehârjāk, 1
Tshehârjāk = 10 Sîr, 1 Sîr = 16 Miskâl. In Fârs ist eine +Kiste+ (z. B.
beim _Indigo_) = 20 Män i Noh Abbâsî. _Rosenwasser_ wird in großen
Flaschen +Kärrâbäh+ (= 13.6 Liter) gehandelt.
In Afghanistan rechnet man nach +Mahn+ = 4.18 kg und +Arschin+ = 1.12 m.
Von +Längenmaßen+ wird noch am häufigsten die +englische Meile+ = 1760
Yards = 1609.3 m erwähnt, dann die russische +Werst+ = 1066.8 m, der
chinesische +Yina Tschin+ = 3.58 m. Die +Seemeile+ ist = 1.86 km = 1.15
engl. Meile = 1.74 Werst, die +geographische Meile+ ist = 7.419 km = 4
Seemeilen.
Bei +Flächenmaßen+ begegnet man in Indien oft dem +Acre+ (= 4840 ☐ Yard
= 40.47 Ar = 4047 ☐ m) und in Java dem +Bau+ oder Bouw (= 500 Tumbac, 1
Tumbac = 12 ☐ Fuß).
Die lateinische Bezeichnung für +Geld+, pecunia, ist von pecus
abgeleitet, da in Medien und Persien, wie auch bei den älteren Römern
(und Germanen) Vieh als Geld benutzt wurde. Bei den Osseten im Kaukasus
ist noch heute die Kuh die Normaleinheit des Preises für jeden Wert.
Als Geld wurden und werden benutzt: _Cacaobohnen_, _Kolanüsse_,
_Datteln_, _Tee_ziegel. Dann auch Salzbarren (Abessinien), Getreide,
Mais und verschiedene Muscheln, besonders die Kaurischnecke (_Cypraea
moneta_). Die Kaurischnecken (malaiisch beja = Zoll, Steuer), die
besonders von den Malediven exportiert wird, sind seit alter Zeit
als Münze benutzt worden. Im IV. Jahrh. schon waren sie in Indien in
Umlauf, im XV. in Westafrika, im XVII. bildeten sie in Indien, den
Philippinen und Siam das einzige Kleingeld -- in Siam und im Innern
von Afrika (Sudan, Westafrika, Ostafrika) noch jetzt. In Timbuktu
gilt eine _Kolanuß_ 10–100 Kauris, ein Sklave 20000 und mehr. In
Nordamerika dienten andere Muscheln (_Mercenaria violacea_, _Lucapina_
und _Olivella_arten) als Geld. Endlich werden ungemünzte und gemünzte
Metalle, besonders Edelmetalle, als Geld benutzt.
«Es war eine geniale, im griechischen Osten wohl um die Wende des
VIII. und VII. Jahrh. v. Chr. entstandene Idee, das gewogene Stück
Edelmetall, das längst dem Handelsverkehr diente, durch einen Stempel
des Staates, der die Garantie des Gewichtes übernahm, zur Münze zu
machen»(~Furtwängler~).
5. Handelssprache.
Eine +Welthandelssprache+ gibt es nicht. Doch ist das Englische
unter allen Handel treibenden Nationen so verbreitet, daß man auch
im Großdrogenhandel nicht ohne diese Sprache auskommt, die sehr dem,
was man eine Welthandelssprache nennt, nahe kommt. Denn während der
Holländer die Sprachen der von ihm unterworfenen Völker erlernt --
auf Java ist z. B. das Malaiische für den Verkehr nötiger als das
Holländische -- verlangt der Engländer, daß die Vasallenvölker Englisch
lernen. Auf Ceylon und in Indien ist daher Englisch Handelssprache.
Als Elisabeth den Thron bestieg, sprachen weniger Menschen englisch,
als jetzt in London wohnen, jetzt umspannt das Englische den ganzen
Erdball. «Es durchbrach die Schranken der Kontinentalität und nahm die
Größe des Ozeans zum Vorbilde.»
In Afrika und den angrenzenden Teilen Asiens ist das +Arabische+ im
Handelsverkehr weit verbreitet, da die Zwischenhändler oft Araber sind.
«Allah iberack l’ak» (Möge Gott es Euch gedeihen lassen) ist eine
arabische Formel, deren Aussprache den Kauf abschließt.
In Ostasien und in vielen Hafenplätzen, wo Chinesen Handel treiben, ist
das +Chinesische+ Handelssprache, wie auf den südasiatischen Inseln das
+Malaiische+. Besondere Handelssprachen, die sich im Laufe der Zeit
entwickelt haben und die ein für praktische Zwecke zurechtgemachtes
Mischmasch verschiedener Sprachen darstellen, sind z. B. die +Lingua
franca+, die aus dem Italienischen entstanden und mit Brocken aus
allen möglichen Sprachen des Mittelmeerbeckens gemischt ist. Sie wird
besonders in Smyrna gesprochen, wo so viele Sprachen durcheinander
schwirren, wie einst im Altertum in Dioskurias am Pontus Euxinus. Dann
das in den europäischen Häfen von China und weiter südlich verbreitete
+Pitchén-English+ (von pi tschen, so spricht der Chinese business
aus), ein Gemisch von Englisch und Chinesisch -- das ich ziemlich
rasch verstehen lernte -- das +Neger+-Englisch an der Kongoküste, das
Kisuaheli, der Nigre tongo, Dschue tongo (in Surinam), die Lengua geral
(in Brasilien) u. a. m.
Der Warenballen ist in weit höherem Grade
ein Verbreiter der Gesittung als die Person
des Kaufmanns. Den Haupthebel für die
Tätigkeit des letzteren bildet zunächst allemal
der Gewinn; er will handeln und erwerben,
nicht zivilisieren. ~Andree.~
V. Pharmakodiakosmie.
Die Pharmakodiakosmie (von διακοσμεῖν = sortieren) beschäftigt sich mit
den Handelssorten und den Verpackungen der Drogen.
1. Handelssorten.
Schon das Altertum kannte Handelssorten. Beim _Anis_ z. B. führt
~Dioscurides~ an, daß der kretische besser sei als der ägyptische. Ja
schon zur Zeit der Pharaonen unterschied man schwarzes, weißes und
rotes _Fatti_ (d. h. _Mastix_).
Wir wissen (~Hüllmann~, +Handelsgeschichte der Griechen+, 1839), daß
die Griechen, die einen lebhaften Handel mit dem Orient trieben,
_Majoran_ aus Tenedos, Creta, Chios und Heraclea, _Senf_ aus Cypern,
_Thymian_ vom attischen Hymettos, _Safran_ von Rhodos und Kyrene,
_Helleborus_ von Thessalien und Böotien, _Silphium_ von Kyrene als
Handelssorten unterschieden.
Handelssorten erwähnt auch ~Plinius~ besonders bei den Harzen, beim
_Bdellium_ beschreibt er die Unterschiede zwischen der peratischen
und der indischen Sorte, beim _Olibanum_ erwähnt er drei Sorten,
beim _Mastix_ zwei, bei der _Myrrha_ gar sechs (resp. acht): die
troglodytische, die minäische (die atramitische, ansaritische), die
dianitische, die «collatitia», die sambracenische und die dusaritische.
~Oribasius~ (geb. c. 350) unterschied μαστίχη χία und μαστίχη αἰγυπτία.
Auch ~Ibn Baitar~ führt da und dort Handelssorten an.
Die Krämerordnung der Stadt Straßburg 1470 schätzt am höchsten den
_Safran_ von Ort, dann den von Toscana und bezeichnet als schlechtesten
den Belgir. Im +Mittelalter+ unterschied man überhaupt vom _Safran_
zahlreiche Sorten: _Safran_ aus den Abruzzen, aus Acquila, aus
Aragonien, aus der Auvergne, aus Calabrien, Castelnaudary, Catalonien,
Cima, England, San Gemignano (bei Florenz), Mallorca (Majolica), aus
den Marken an der Adria, Marokko, Mirabel (Dep. des basses Alpes),
Montferrat (zwischen Turin und Genua), Noort, Orta, Österreich,
Tortosa, Puglia, Ruscia, Toscana, Valenza u. a. m. (~Flückiger~).
Die gegen Ende des Mittelalters und im XVI. Jahrh. vielfach übliche
Pflanzen- und Handelssortenbezeichnung «romani» bedeutet nur soviel,
daß die Sorte aus dem Süden stammt. Ähnlich verhält es sich mit
den unbestimmten Bezeichnungen «troglodyticus», «aethiopicus»,
«indicus», «ponticus», «arabicus», die man in alter Zeit oft als
«nähere» Bezeichnung fand und von denen «arabicus» noch im _Gummi
arabicum_ erhalten ist, das aber nicht aus Arabien zu uns kommt und
wahrscheinlich auch niemals aus der Arabia felix kam.
Besser stimmen die noch heute üblichen, allerdings ganz allgemeinen
Bezeichnungen «orientalis», für asiatische, speziell indische Drogen,
und «occidentalis», für amerikanische, die wohl namentlich mit
Rücksicht auf die Bezeichnungen Ostindien und Westindien gewählt wurden.
Neben den nach Ländern benannten Handelssorten finden wir auch
frühzeitig nach der Gewinnungsweise unterschiedene. Die amtliche
Apothekertaxe Roms vom Jahre 1558 führt z. B. unter anderem zwei
Handelssorten von _Manna_ auf: di fronda (auf den Blättern) und di
corpo (von den Stämmen).
Die äußere Form hat auch bisweilen zur Handelssortenbezeichnung
gedient, so z. B. wurde früher -- jetzt nicht mehr -- _Curcuma rotunda_
und _Curcuma longa_, d. h. Zentral- und Nebenwurzelstärke unterschieden.
[Illustration: Fig. 273.
Die älteste Darstellung einer Drogenpackung (VI. Jahrh. v. Chr.).
_Silphium_ballen, die vor den Augen des Königs +Arkesilas+ abgewogen
und dann im Schiffsraum verstaut werden. Von der Arkesilasschale im
Cabinet des médailles in Paris. [Nach +Baumeister+, Denkmäler.]]
* * * * *
Die Handelssorten der Drogen im modernen Handel sind dem Wechsel
unterworfen. Alte Sorten verschwinden, neue tauchen auf, um nach
kürzerer oder längerer Zeit wieder anderen Platz zu machen. Die _China
Cuprea_ z. B. ist aufgetaucht und wieder verschwunden und auch von
der _Crown Aloë_ hört man wenig mehr. Es ist ein fortdauerndes Hin-
und Herfluten, ein auf und ab, das sich durch Angebot und Nachfrage
regelt. Dem Importeur liegt nur daran, Käufer für seine Ware zu finden.
Da erscheinen dann plötzlich große Mengen einer Droge am Markt, die
bisher unbekannt war. Alles kommt darauf an für die neue Droge
zunächst +empfehlende Gutachten+ zu erhalten und dann, damit nicht zu
große Lagerspesen entstehen, so rasch wie möglich Käufer zu finden.
Manchmal hält sich eine Droge, wie z. B. die Carthagena-_Ipecacuanha_,
trotzdem die Arzneibücher in der Mehrzahl sie ablehnen, dadurch,
daß Spezialitätenfabrikanten sie in großer Menge brauchen, manchmal
findet die Sendung auch keine Abnehmer. So fand ich in den Londoner
Docks 1903 _Cuprea_, die seit 1881 dort unverkauft lag. Aufgabe der
Zwischenhändler (Agenten, Makler) ist es, Liebhaber zu finden und
eventuell Bedürfnisse zu schaffen, wenn sie nicht vorhanden sind.
Wenn man ältere (oder auch neuere!) Lehr- und Handbücher der
Drogenkunde zur Hand nimmt, so findet man eine große Menge von
Handelssorten aufgeführt, die heute kein Mensch mehr kennt und die nur
in den Drogenmuseen noch zu sehen sind. Sie haben nur noch historisches
Interesse. Von den vielen Handelssorten der _Sarsaparille_, die
~Schleiden~ und ~Berg~ erwähnen, ist nur +Honduras+ und +Veracruz+
übrig geblieben, zu der dann noch die rote +Jamaica+ und die +Lima+
hinzutraten. Es ist Sache des Lehrers der Pharmakognosie die
Studierenden darüber zu belehren, was jetzt im Handel +ist+, nicht
darüber, was einst im Handel +war+. +Er muß also Fühlung mit dem
Großhandel suchen.+ Die im folgenden aufgeführten Handelssorten sind
solche, die sich 1907 im Drogen-Großhandel fanden. Auf andere komme ich
im speziellen Teile bei den betreffenden Drogen zu sprechen.
So fanden sich 1907 im =Großhandel= (ich folge besonders der Liste von
~Julius Grossmann~, Hamburg):
_Agar-Agar_, Fäden -- Schnitzel -- Linealform.
_Aloës_, Barbados in Kürbissen -- Capensis in Kisten -- Curaçao,
capartig -- Curaçao, leberfarbig.
_Canthariden_, chinesische -- russische.
_Colocynthides_, Palästina -- türkisch -- spanisch («pulp» und
«apples»).
_Cort. chinae flavae_, Carthagena -- Maracaibo -- Porto Cabello.
_Cort. chinae Loxa._
_Cort. chinae regiae Calisaya_, echt (Monopolrinde).
_Cort. chinae rubrae._
_Cort. chinae Culturrinde_, Droggistquills, pijpen oder Pharmaceut.
Basten -- Fabrikrinde oder Fabrieksbasten.
Der englische Großhandel nennt _Chinarinde_ einfach «Bark», wie
_Perubalsam_ kurz «Balsam».
_Cort. aurantiorum_, Malaga -- Curaçao.
_Sem. tonco_, Angostura -- Para -- Surinam.
_Ichthyocolla_, brasilianische Zungen (Tongues) -- Maracaibo Herzform
-- Venezuela Zungen und Taschen.
_Fol. cocae_, Cuzco -- Trujillo.
_Fol. jaborandi_, Ceara -- Paraguay.
_Fol. sennae_, Alexandrinae -- Tinnevelly.
_Benzoë_, Palembang -- Siam -- Sumatra.
_Lignum quassiae_, Jamaica -- Surinam.
_Moschus_, Assam -- Cabardinic. -- Tonquin.
_Gallen_, Bassorah -- Smyrna (und zwar «blues», «greens», «whites»).
_Sem. colae_, ½ Nüsse -- ¼ Nüsse.
_Nuces vomicae_, Cochin -- Bombay -- Calcutta -- Madras.
_Ol. geranii_, Bourbon Couteau St. Andrée -- ostindisch. Palmarosa
prima -- ostindisch. Gingergrass.
[Illustration: Fig. 274.
+Originalverpackungen von Drogen.+ [+Weigel+ phot.]
Schilfsack mit _Lycopodium_.
Kiste mit Bourbon-_Vanille_.
_Ichthyocolla_-Bündel.
Tonkin-_Moschus_-Kästchen.
Mit Blech ausgeschlagene Kiste mit Smyrna-_Opium_.
_Perubalsam_-Kanister.
Kiste mit _Succus liquiritiae_.]
_Ol. lavandulae_, französisch -- spanisch.
_Ol. menthae_, americ. -- japan. -- japan. crist.
_Rad. ipecacuanhae_, Carthagena -- Mattogrosso -- Minas.
_Rad. liquiritiae_, griech. -- spanisch Alicante -- Tortosa -- Russisch
Ural.
_Rhiz. rhei_, Canton -- Shanghai -- Shansi -- englisch -- französ. --
österreich.
_Rad. sarsaparillae_, Honduras -- J. G. Krone -- F. & S. Krone --
[Illustration: GB] Seronen -- Stern Seronen (Fig. 276).
_Rad. senegae_, südlich -- westlich.
_Secale cornut._, russisch -- spanisch.
_Succus liquirit._, Baracco -- Duca di Atri.
_Catechu_ (_Cutch_), Baran B. S. -- Mangrove M -- Pegu Stern B -- Pegu
Stern J. G. -- Pegu D. C. -- Pegu B. T. -- Ostind.
_Curcuma_, Bengal. -- Cochin -- Madras.
_Gummi arabicum_, Cordofan -- Ghezirah -- Mekka -- Senegal.
_Dammar_, Batavia -- Padang.
_Traganth_, syrisch -- persisch -- türkisch -- Traganthon.
_Opium_, Geiwa -- Salonici -- Smyrna -- Alexandretta -- persisch.
_Orlean_, Bisdary -- Clayssen -- Latapie.
_Indigo_, Bengal und Behar -- Oude und Benares -- Bimlipatam -- Madras
-- Kurpah -- Manila -- Bombay -- Java -- Westindisch.
Nachfolgende, aus anderen Quellen (~Gehe~, ~Weigel~) stammende
Übersicht gibt einen guten Überblick über die 1907 beobachteten
Handelssorten der wichtigsten Drogen, die Hauptsorten sind gesperrt
gedruckt. Die meisten Namen finden sich auf der Karte: «Handelsstraßen
im XX. Jahrh.» (Beilage).
_Aloë._ +Kap+-, +Barbados+-, +Curaçao+-, Socotra-, Natal-, Bombay-,
Sansibar-, +Uganda+-, Mocha-, Madagaskar-, Jafferabad-, Bonaire-,
Aruba-, Indische _Aloë_.
_Amygdalae._ Malaga- oder Jordanmandeln, +spanische+ (Valencer- und
Alicante M.), +italienische+ (Florentiner-, Puglieser-, Bari-, Avola-,
Sizilianer M.), +südfranzösische+ (Provençer M.), +nordafrikanische+
(Marocco-, Mogador- oder berberische), kleinasiatische, griechische,
canarische _Mandeln_.
_Asa foetida._ in lacrymis (seu in granis), +amygdaloides+ (seu in
massis), in pasta, petraea, depurata aus Persien.
_Anacardia._ orientalia und occidentalia.
_Balsamum copaivae._ +Maracaïbo+- (Venezuela), Angostura-, Maturin-,
Carthagena-, Bahia-, +Para+-, Maranham-, Surinam-, _Copaïvabalsam_.
_Benzoë._ +Siam+-, Sumatra-, Palembang-, Penang-, Padang-, Calcutta-
oder Block-_Benzoë_.
_Cacao._ +Guayaquil+ -- Machala-, Guayaquil -- Arriba-, Guayaquil
-- Balao-, Nicaragua-, Guatemala-, +Puerto+ -- +Cabello+-, Para-,
+Bahia+- (Brasil), Samana-, Maracas-, Cauca-, Caracas-, Garupano-,
+Haiti+-, +Domingo+-, Jamaica-, Cuba-, Portorico-, +Trinidad+-, Peru-,
Argentinien-, Ceylon-, Kamerun-, +St. Thomé+ (afrikan.) _Cacao_.
_Campher._ Laurineen-, Japan-, Borneo- (oder Sumatra-), Ngai- (oder
Blumea-), künstlicher _Campher_.
_Cantharides._ russische und ungarische, chinesische _Kanthariden_.
_Caricae._ +kleinasiatische+, +spanische+, +italische+, portugiesische,
+griechische+, nordafrikanische _Feigen_.
_Caryophylli._ Amboina-, Molukken-, +Sansibar+-, +Pemba+-, Bourbon-,
Madagaskar-, Cayenne-, Antillen-_Nelken_.
_Castoreum._ Castoreum canadense (Hudsonbay) -- C. sibiricum.
_Catechu._ Pegu- (oder Bombay-), Gambier-, bengalisches, Malakka-,
Kamaon-, Bacau-, Mangrove-_Catechu_.
_Coffea._ arabischer (Mokka), afrikanischer (West- und Ostafrika),
indischer (Java, Menado, Ceylon), westindischer (Cuba, Jamaica,
Domingo, Portorico), mittelamerikanischer (Mexico, Costarica,
Guatemala, Nicaragua), südamerikanischer (Venezuela = Maracaïbo,
Ecuador, Surinam, Brasilien = Santos und Rio) _Kaffee_.
_Collapiscium_ (Ichthyocolla). Saliansky- und Beluga-Hausenblase,
Fischblasen (brasilianische, kaukasische, Maracaïbo- [Herzform],
westindische Blasen).
_Copal._ Ostafrikanische (Sansibar-, Mosambique-, Madagaskar-),
westafrikanische (Sierra Leone-, Gabon-, Loango-, Angola-, Benguela-,
Congo-, Kamerun-, Accra-, Benin-), amerikanische (Brasil-, Columbia-)
_Copale_, _Copal_ von Neuseeland und Neukaledonien (Kaurie),
ostindischer oder Manila-_Copal_.
_Cortex aurantii fructus._ Sizilianer oder italienische, Malaga-
und französische (bittere) Pomeranzenschalen, Curaçaoschalen,
Apfelsinenschalen.
_Cortex chinae._ Cortex Chinae flavae (Carthagena, Maracaïbo, Puerto
Cabello), Cort Chinae fuscae (Lima, Guajaquil, Huanoco, Loxa),
Cort. Chinae regiae = Calisaya (echt und kultiviert, Cochabamba
und Duraznello), Cort. Chinae rubrae, Südamerika, +Cort. Chinae
succirubrae+ (+Java+, +Ceylon+).
_Cortex cinnamomi._ +Chinesischer+ (China), +Ceylon+-Zimt oder Caneel,
ferner: niederländ. Indien, Argentinien.
_Cortex coto verus._ Para.
_Cortex granati._ Cortex trunci et ramorum, radicis, fructuum seu
pomorum.
_Cortex mezerei._ germanicum und gallicum.
_Cortex simarubae._ guyanensis und jamaicensis.
[Illustration: Fig. 275.
+Originalverpackungen von Drogen.+ [+Tschirch+ phot.]
1 _Tee_kiste. 2 Korb für _Cort. Winteranus_. 3 Halbe
_Curaçaoaloë_-Kalebasse. 4 _Moschus_kistchen. 5 _Tee_kistchen. 6 Ballon
von _Ol. geranii_. 7 Para-_Sarsaparille_. 8 _Ol. menthae_-Flaschen.
9 _Guttapercha_-Korb. 10 _Citronellaöl_-Kanister. 11 Kiste aus
_Metroxylon_blattstielen für die Flaschen von _Cajeputöl_. 12
_Rosenöl_flaschen. 13 _Ingwer_-Topf. 14 _Perubalsam_-Kanister. 15
Honduras-_Sarsaparille_. 16 _Ol. aurantii._ 17 Russ. _Süßholz_. 18
Draht von _Rad. sarsapar._ 19 _Ol. cassiae_-Bleiflasche. 20 Leere
Serone von _Rad. sarsaparillae_.]
_Crocus._ +französischer+ oder Gatinais-Safran, +spanischer+ (Valenzer-
oder Alicante-), österreichischer, türkischer, persischer _Safran_.
_Elemi._ Manila- oder philippinisches (weiches und hartes),
amerikanisches oder Yucatan-, mexikanisches oder Vera-Cruz-,
brasilianisches oder Rio-, afrikanisches, ost- und westindisches,
bengalisches, Neu-Guinea- und Mauritius-_Elemi_.
_Fabae tonco._ Angostura-, Surinam-, Para-_Tonkobohnen_.
_Flores chrysanthemi._ +Dalmatiner+, montenegriner.
_Folia buccu_, lata seu rotunda und longa.
_Folia cocae._ +Bolivia+, +Peru+, Cuzco, Huanuco (oder Huanta),
Trujillo (Truxillo), Ceylon, Java.
_Folia jaborandi._ +Brasilien+, Ceara, Pernambuco (Para), Paraguay,
Guadeloupe, Maranham, Aracati, Argentinien.