Dann brachten auch +Abenteurer+, wie der Ritter ~Mandeville~ († 1371)

Nachrichten.

Endlich haben auch rein +geographische Reisen+ neue Handelswege

erschlossen, besonders die der Araber im Mittelalter, die ein ganzes

Heer von Forschungsreisenden hervorbrachten (s. Geschichte). «Die

größten Schiffervölker des Altertums waren die mittelmeerischen

Phönikier und Griechen. Von +Südgallien+ liefen unter griechischer

Führung die größten maritimen Entdeckungsexpeditionen aus, von denen

die Geschichte vor der Zeit der transatlantischen Entdeckung berichtet»

(~F. Ratzel~, +Das Meer als Quelle der Völkergröße+) und ~Necho~, der

Sohn des ~Psammetich~, ließ im VII. Jahrh. v. Chr. durch phönikische

Seefahrer ganz Afrika von Ost nach West umschiffen. So sehen wir denn

schon im Altertum ein reiches Netz von Handelsstraßen entstehen.

[Illustration: Fig. 211.

Mit _Moka-Kaffee_ beladene Kamele einer arabischen Karawane. [Aus Les

grandes cultures.]]

Sehr frühzeitig siedelten sich Hindus auf Socotra an, Malabaren im

südlichen Arabien. Die Tarschischschiffe ~Salomos~ und ~Hirams~, mit

phönikischen Matrosen bemannt, erreichten die Gestade östlich vom

Indusdelta und schon in der Mitte des I. Jahrh. fuhr ~Hippatus~ mit

Benutzung der Monsune vom Golf von Aden über den Indischen Ozean nach

der Küste von Malabar. In den letzten Jahrhunderten des Altertums

blühten in Vorderindien als Stapel- und Handelsplätze indischer Drogen

+Patala+ (Haidarabad) am Indusdelta, +Barygaza+ (Beroach) nördlich

von Bombay, +Calliene+ bei Bombay, +Muziris+ (Mangalore), +Nelkynda+

(Nelliseram) an der Küste von Malabar und +Taprobane+ (Ceylon). Auf der

Ostküste lag +Mavalipuram+, von welchem Platze aus ein Handelsverkehr

mit Hinterindien, dem «goldreichen Chryse» des Altertums, unterhalten

wurde.

Nach Norden führten von Indien zwei Handelsstraßen, die eine direkt

nach Norden über die Gebirgskette, die Kaschmir und Badagschan trennt,

die andere über die Keyberpässe nach Kabul und Bactrien, den ältesten

Kulturgebieten der Menschheit.

[Illustration: Fig. 212.

Bepackungsart der Kamele und Dromedare für den Transport der Waren

durch die Wüste. Das Kamel trägt 700–800 Pfund und legt damit täglich

10 Wegstunden zurück. [Nach +W. Heubach+.]]

[Illustration: Fig. 213.

_Tee_karawane im Begriff Peking zu verlassen. Das Kamel ist das

Hauptkarawanentier vom Niger bis nach Peking. [Aus Les grandes

cultures.]]

[Illustration: Fig. 214.

Urwaldtransport der _Yerba Mate_ in Paraguay. [Nach +Hengstenberg+,

Weltreisen.]]

[Illustration: Fig. 215.

Transport der entblätterten _Zuckerrohr_stengel auf Karbaukarren nach

der Fabrik in Java. [Kolonial-Museum Haarlem.]]

[Illustration: Tafel XVIII

Karren (Bullock cart) in Ceylon gebräuchlich zum Transport der Waren

(_Tee_, _China_, _Kautschuk_) zur Station oder dem Hafen.]

[Illustration: Fig. 216.

Ein zur Küste fahrender, mit _Baumwoll_ballen beladener Wagen in Togo.]

[Illustration: Fig. 217.

Transport von Warenballen (z. B. _Senna_) auf Flußschiffen den Nil

abwärts. [+Augusta Flückiger+ phot.]]

[Illustration: Tafel XIX

Dattelpalmenhain an den Ufern des Nil. Typus der Schiffe für den

Warentransport auf dem Nil.]

Bereits ~Ramses~ soll den Plan gehabt haben, den Nil mit dem Roten

Meere zu verbinden, also einen «Suezkanal» zu bauen, und der Sohn des

~Psammetich~, ~Necho~, hatte den Kanal bereits bis zu den Bitterseen

fertiggestellt (610 v. Chr.), aber erst ~Dareios Hystaspis~ führte

das Werk (oberhalb Bubastis) zu Ende. Der Kanal blieb bis auf ~Marc

Aurel~ schiffbar. Eine Straße, von ~Ptolemaeus Philadelphus~ angelegt,

verband Berenice mit Koptos am Nil, auf der man die indischen Waren

mit Benutzung des Nil und unter Vermeidung des Kanals, aber

doppelt umgeladen, nach Alexandrien, dem Hauptvermittler zwischen

Orient und Occident, bringen konnte. Aber nicht nur quer über den

Indischen Ozean führte der Weg, bei günstigem Südwestmonsun in 40

Tagen, nach den großen Hafenplätzen an der Malabarküste, nach Muziris,

Nelkynda und Kottonarike (Cochin), auch an den Küsten entlang ging die

Fahrt und wohl erreichten einzelne Schiffe schon im I. Jahrh. n. Chr.

Kap Comorin, die Halbinsel Malacca, ja selbst Java und Borneo. Um diese

Zeit finden wir wenigstens den hellenischen Abenteurer ~Jambolos~

sieben Jahre im malaiischen Archipel tätig. Zur Zeit des ~Plinius~

flossen bereits aus dem römischen Reiche 16 Millionen Mark für Waren

nach Indien ab.

Sehr hübsch entwickelt ~Plinius~ die Gründe, warum der _Weihrauch_ in

Rom im Anfang unserer Zeitrechnung so teuer ist. Er sagt:

«Der gesammelte _Weihrauch_ wird auf Kamelen nach Sabota, der

einzigen dahin führenden Pforte gebracht. Nach den Gesetzen steht

Todesstrafe darauf vom Wege abzuweichen. Dort empfangen die Priester

für den Gott, welchen sie Sabis nennen, den zehnten Teil dem Maße,

nicht dem Gewichte nach; eher darf nichts davon verkauft werden.

Von jenem Anteile werden die öffentlichen Kosten bestritten, denn

der Gott unterhält die Fremden eine gewisse Anzahl von Tagereisen

hindurch. Der _Weihrauch_ kann nicht anders als durch das Land der

Gebaniter ausgeführt werden, daher wird auch dem Könige derselben ein

Zoll erlegt. Ihre Hauptstadt Thomna ist von der auf unserer Küste

gelegenen jüdischen Stadt Gaza 4436000 Schritte entfernt, welche

Strecke in 65 Kamelstationen geteilt wird. Auch den Priestern und

Schreibern der Könige werden bestimmte Anteile gegeben. Außer diesen

plündern noch die Wächter, Trabanten, Pförtner und Bedienten davon.

Wohin ihr Weg geht, müssen sie hier für Wasser, dort für Futter, oder

für das Quartier allerlei Zölle zahlen, so daß die Kosten für jedes

Kamel sich bis an unsere Küste auf 688 Denare belaufen und dann wird

noch an die Zollpächter unseres Reiches abgegeben. Daher kostet ein

Pfund des besten _Weihrauchs_ 6, die zweite Sorte 5 und die dritte 3

Denare.»

[Illustration: Fig. 218.

Boote zum Warentransport auf dem Amazonas. [Aus +Ackermann+, Au pays du

Caoutschuk.]]

Die berühmte _Weihrauch_straße der Karawanen besitzt jedenfalls eine

große Bedeutung für die Entwicklung des Verkehrs im Gebiete des Roten

Meeres.

Wie ungeheuer bisweilen der Verbrauch an _Weihrauch_ war, geht u. a.

aus der Erzählung des ~Herodot~ hervor, daß die Befehlshaber der

persischen Flotte bei Beginn des zweiten Feldzuges gegen die Griechen

zu Ehren des Apollo auf Delos 300 Zentner _Weihrauch_ verbrannten.

[Illustration: Fig. 219.

Mit _Zuckerrohr_ beladene Kähne in Penang. [Aus Les grandes cultures.]]

Von der anderen Seite schob sich dann in den ersten nachchristlichen

Jahrhunderten der chinesische Handel dem europäischen entgegen und

drang bis gegen Ceylon und Java, ja schließlich bis nach Hira am

Euphrat vor. Im IV. Jahrh. kamen chinesische Schiffe nach Bengalen

und Ceylon, im V. Jahrh. bis Hira, im VI. Jahrh. bis ins Rote Meer.

Der chinesische Handel wurde aber vom VII. Jahrh. an ganz durch

persische und arabische Händler zurückgedrängt. Java bereisten

die Chinesen erst im V. Jahrh. Vom IV.–XIV. Jahrh. sind Fahrten

chinesischer Handelsschiffe bis Ceylon, zu den Mündungen des Indus

und des Schatt-el-arab (der Vereinigung des Euphrat und Tigris)

beglaubigt (~Dulaurier~). Der Handel zwischen dem Mittelmeergebiet und

den Molukken wurde bis gegen Ende des Mittelalters durch Vorderindien

vermittelt, das seit dem I. oder II. Jahrh. mit dem malaiischen

Archipel Verkehr unterhielt.

Ein anderes Zentrum war der Persische Golf, den schon Chaldäer und

Phönikier, als Vermittler zwischen Indien und Mittelmeergebiet, zu

hoher Bedeutung gebracht hatten und den der schiffbare Euphrat mit

Babylon verband, das bereits unter ~Nebukadnezar~ ein Meßplatz erster

Klasse für indische Waren war.

Außerordentlich rege war dann später (IX. Jahrh. n. Chr.) der

Handelsverkehr der Araber mit den Chinesen, der von Basra über Siruf

und Ormuz nach Indien und über Ceylon nach Khanfu in China führte, aber

nach der Plünderung Khanfus sich auf einen Hafen Javas zurückzog.

Auf dem +Landwege+ begegneten sich noch viel früher zuerst Waren des

Orients und Occidents zwischen Indus und Oxus. Hier treffen wir als

älteste Stapelplätze Attok, Cabura, Bactra und Maracanda.

[Illustration: Fig. 220.

Zum Kali besar führender Kanal im Chinesenviertel in Batavia. Auf den

Leichtern Säcke mit _Chinarinde_ und _Kaffee_. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 221.

Transport der _Teer_fässer auf den stromschnellenreichen Flüssen

Finlands. Uleåborg.]

Von Attok, am Zusammenflusse des Indus mit dem Nabal, ging eine

Karawanenstraße nach Cabura, gabelte sich hier in einen nördlichen

Zweig zum Oxus zu den Skythen und einen südlichen über Kandahar zu

der Pylae Caspiae und Babylon durch das Gebiet der Parther und Meder.

Von Babylon führten dann Straßen nordwärts zum schwarzen und

westwärts zum Mittelmeer. Schon 2000–1000 v. Chr. muß ein lebhafter

Karawanenhandel zwischen Babylon und China sowie Indien bestanden haben.

Nicht geringere Bedeutung besaß Arabien für den Zwischenhandel, das

von zwei großen Karawanenstraßen durchzogen wurde. Die eine ging von

Cane (nicht weit vom heutigen Aden) über Saba, Macoraba und Onne nach

Damascus, die andere vom Persischen Golf, den phönizischen Kolonien

Arados und Tylos, quer durch Arabien nach Onne und weiter nach Tyrus

und Sidon, den Haupthandelsemporien der +Phönikier+, die vom XII.–V.

Jahrh. v. Chr. auch den gesamten Transithandel indischer Waren

vermittelten. Eine Verschiebung erfuhr der Handel im Orient im VI.–IV.

Jahrh. v. Chr. durch das Emporkommen der +Perser+, die allmählich

den gesamten Transitverkehr durch ihr Reich leiteten und erhebliche

Transitzölle erhoben. Die wichtigsten Zoll- und Stapelplätze der

Perser, die während nahezu fünf Jahrhunderten den ganzen Handel mit

China, Indien und Südasien vermittelten, waren Artaxata, Nisibis und

Calliricum am Euphrat.

Die Handelsmonopole der Perser zu brechen war oberstes Ziel der

oströmischen Kaiser (besonders ~Justinians~), die den Handel vom

Persischen Golf abzuziehen und zum Roten Meer und Äthiopien hinzuziehen

sich bestrebten. Es war dies schwierig, denn überall trafen die

griechischen Kaufleute auf persische, die ihnen zuvorgekommen waren und

ihnen große Schwierigkeiten in den Weg legten, was denselben bei ihren

alten und guten Verbindungen in Indien nicht schwer wurde. Schließlich

gelang es aber, einen direkten Handelsverkehr zwischen Indien und

den Häfen am Roten Meer (Berenice, Akaba und Kolsum) einzurichten.

Die Gewürze der Molukken kamen wohl erst im IV. Jahrh. n. Chr. nach

Europa, _Nelken_ waren im VI. Jahrh. schon ziemlich billig (~Alexander

Trallianus~).

[Illustration: Fig. 222.

Flußtransport des _Yerba-Mate_ in Paraguay. [Nach +Hengstenberg+,

Weitreisen.]]

Schon zu jener Zeit gab es drei große Karawanenstraßen von China nach

dem Abendlande. Die südlichste über Chotan und Jarkand und den Pamir

nach Afghanistan und Indien (Daybal), die mittlere nördlich vom Tarim

über Karaschar und Kaschgar nach Persien und die nördlichste über

Barkul zum Syrdarja und dem Aralsee durch die Dsungarei.

Im VII. und VIII. Jahrh. traten die +Araber+ auf den Plan, die den

Handel weiter nach Osten ausdehnten und in Kalah in Malacca mit

den Chinesen in Beziehung traten. Im X. Jahrh. bestand ein reger

chinesisch-arabischer Handelsverkehr zwischen dieser Stadt und Siraf

am Persischen Golf. Auch an der Malabarküste und auf Ceylon siedelten

sich arabische Kaufleute an und Daybal an der Indusmündung wurde

Haupthandelsemporium des Ostens, zu dem nicht nur die Waren Indiens,

Persiens und Arabiens, sondern auch die Chinas sowohl zu Wasser

(über Ceylon) als zu Lande auf der oben beschriebenen südlichsten

Karawanenstraße zusammenströmten, nachdem sie sich in dem großen

Stapelplatze Multan im Pandschab gesammelt hatten.

[Illustration: Fig. 223.

Einschiffen der _Wermuth_ballen (_Artemisia Absynthium_) bei Besançon

auf dem Rhein-Rhone-Kanal. [Nach +Roure-Bertrand+.]]

[Illustration: Tafel XX

Kähne für den Warentransport auf den Flüssen von Ceylon (Kalu-Ganga bei

Ratnapura). Rechts Bambugebüsch.]

Suhar und Maskat in Arabien, am Eingange des Persischen Golfes, blühten

empor und Aden erlebte seine erste Blüte. So war es gelungen, den

Handel von Persien abzuziehen und selbst den chinesischen Landverkehr

nach arabischen Häfen zu leiten. Das Rote Meer nahm die indischen

Waren wieder auf und da der Kalif Omar im VII. Jahrh. den Kanal, der

den Nil, speziell Kairo, mit dem Roten Meere verband, wieder hatte

herstellen lassen, konnten die Waren ohne umzuladen von Indien nach

den Häfen des Mittelmeers gelangen. Auch als ein Jahrhundert später

der Kanal versandete, blieb doch die einmal gewonnene Handelsstraße

über Ägypten und Syrien erhalten. Auf ihr gelangten die Waren bis

ins XII. Jahrh. hinein nach Trapezunt, Damaskus und Jerusalem,

die zu bedeutenden Handelsplätzen heranwuchsen. Ägypten war der

Schlüssel des indischen Handels geworden und die Sultane erhoben

jetzt die Zölle, die ehedem die persischen Schahs erhoben hatten. Vom

XII.–XIV. Jahrh. waren Kairo, das damals Babylon genannt wurde, und

Alexandrien Städte von riesiger Ausdehnung. 1342 treffen wir sogar

eine chinesische Gesandtschaft beim Sultan in Kairo. In Alexandrien

gab es bereits damals «meistbegünstigte» Nationen. So zahlten z. B.

die Venetianer auf Drogen nur 10%, die übrigen Völker dagegen 16%

Zoll. Nun begann die Blüte des +Levantehandels+. Vom X. Jahrh. bis zum

Ausgang des Mittelalters lag der Handel in den Händen der italienischen

Handelsrepubliken, zuerst von Bari, Salerno, Neapel und Gaeta, dann von

Amalfi, Pisa, Genua und Venedig. Anfangs war Akkon, an der Küste von

Palästina, dann, als dieses (1291) den Sarazenen wieder in die Hände

fiel, Famagusta auf Cypern und Lajazzo an der Bucht von Alexandrette

Haupthandelsemporien der Levante. Dann blühte Kaffa (Kapha) in der

Krim. Bis nach Mingrelien, zum Kaspischen Meer und der Donmündung

erstreckten sich die Niederlassungen der Genuesen.

Aber die alexandrinischen Zölle waren hart und so erscheint das

Bestreben begreiflich, den Handel wieder vom Roten Meere abzulenken. Es

gelang dies (wenn auch nicht ganz) und so sehen wir denn im XIII. und

XIV. Jahrh. indische Waren wieder in größerer Menge auf dem Landwege

nach den syrischen Häfen gelangen. Zur Zeit des Timur Lenk (um 1400)

gingen Karawanen mit Ingwer, Zimt, Muskat und Nelken von Indien auf

dem Landwege, über Afghanistan, nach Samarkand und nach Tauris und

Sultaniah in Persien. Im XIV. Jahrh. war Konstantinopel ein wichtiger

Handelsplatz für die von Indien über Land kommenden Waren. Dort sah

Pegolotti Muskatnüsse pfundweise verkaufen.

[Illustration: Fig. 224.

Eine Handelsfaktorei am Kongo. [+Visser+ phot.]]

«Die Bedeutung des +Schwarzen Meeres+ für den Handel beruhte nicht bloß

auf dem Produktenreichtum, sondern auch in der geographischen Lage

seiner Gestade. Denn mehrere wichtige Handelsstraßen Innerostasiens

wie Europas mündeten daselbst und dieser Umstand hat den Pontus

Euxinus in ruhigen Zeiten stets zu einem Knotenpunkt des Weltverkehrs

erhoben»(~Engelmann~). Schon zur Zeit der althellenischen Kolonisation

(VIII. und VII. Jahrh. v. Chr.) gab es an seinen Ufern zahlreiche

Handelsstädte und Byzanz und Chalsedon erhoben einen «Sundzoll». Bis

zum VIII. Jahrh. n. Chr. war der Dnjepr Handelsstraße und Oleschkie

(Cherson), an seiner Mündung, Stapelplatz und Hafen der Russen. «Von

ihrer Hauptstadt Kiew, lange Zeit Mittelpunkt des innerrussischen

Handels mit zwölf Marktplätzen und acht Jahrmärkten, wo Griechen und

Armenier, Regensburger, Augsburger und Venetianer, Ungarn und Bulgaren

zusammenkamen», fuhren die russischen Kaufleute auf dem Dnjepr,

der «griechischen Straße», nach Oleschkie und Konstantinopel. «Auf

demselben Wege standen die Ostseeländer, namentlich Nowgorod und später

Riga, mit dem Pontus in Verbindung.»Später ging der Weg nicht mehr nach

Konstantinopel. Don und Wolga übernahmen ihn und von Tabris gingen die

Waren direkt nach Itil (Astrachan) und auf der Wolga weiter nördlich.

Alle diese Verkehrskanäle liefen schließlich in Tana (Asow) an der

Mündung des Don, dem großen nördlichen Handelsemporium, zusammen.

[Illustration: Fig. 225.

Mit _Aloësaft_ gefüllte Fässer vor einer Faktorei in Südafrika.]

Bagdad und Basra hatten zwar im XIII. Jahrh. ihre durch mehrere

Jahrhunderte behauptete Bedeutung als Hauptstapelplätze für den

asiatischen Durchgangsverkehr z. T. verloren und Tebris, die Hauptstadt

Persiens, war emporgewachsen, doch behielten sie auch ferner Bedeutung.

So gingen im XIV. Jahrh. die Waren, die Ägypten nicht berühren sollten,

von den ostindischen Häfen (Mangalore, Calicut und Quilon) nach Ormuz

am Eingange des Persischen Golfes, dann den Euphrat empor und über

Bagdad zur syrischen Küste oder über Tebris ans Schwarze Meer. In

Bagdad und Tebris trafen sie auf die von China kommenden Karawanen, die

im XIII. und XIV. Jahrh. einen sehr lebhaften Überlandverkehr zwischen

Ost und West unterhielten. Immerhin verblieb Ägypten noch genug, dessen

Handel im XIV. und XV. Jahrh. eine neue Blüte erlebte.

All dies sank in Trümmer, als die Portugiesen den Seeweg nach Ostindien

entdeckt und damit eine direkte Verbindung zwischen Indien und Europa

hergestellt hatten, die sowohl Persien und Arabien als auch Ägypten

umging, aber auch dem blühenden Levantehandel der italienischen

Handelsrepubliken die wichtigsten Zufuhren unterband.

Vom Jahre 1498 an verlor das Mittelmeer, verloren die Staaten

südlich vom Kaspischen Meer ihre Bedeutung für den Welthandel: die

portugiesischen Schiffe, die in Indien sich befrachtet hatten, landeten

in Lissabon. Und in Spanien landeten die Schiffe, die reichbeladen von

den Gestaden des neuentdeckten Amerika heimkehrten.

Wie dann erst die Portugiesen, dann die Spanier, dann Holland und

Frankreich und endlich England Beherrscher des Welthandels wurden

und schließlich in unseren Tagen alle großen Kulturnationen, auch

Deutschland und Nordamerika, in die Reihe der Großhandelsstaaten

eintraten -- das gehört der neuen Zeit an. Es wird im historischen

Teile dieses Buches, soweit der Drogenhandel in Betracht kommt,

geschildert werden.

Die Handelsgeschichte wird jetzt meist in folgende Abschnitte geteilt

(~Rich. Mayr~):

I. Altweltliche oder thalassische (Binnenmeer-)Zeit, 4000 v. Chr. bis

1492 n. Chr.

1. Altertum, 4000 v. Chr. bis 395 n. Chr.

a) Altorientalische Periode, 4000–500 v. Chr.

b) Hellenisch-karthagische Periode, 500–146 v. Chr.

c) RömischePeriode, 146 v. Chr. bis 395 n. Chr.

2. Mittelalter, 395–1492 n. Chr.

a) Byzantinisch-islamitische Periode, 395–1096.

b) Italienisch-hansische Periode, 1096–1492.

II. Alt- und neuweltliche (ökumenische) oder ozeanische Zeit, 1492

bis zur Gegenwart.

1. Neuzeit, 1492–1815.

a) Spanisch-portugiesische Periode, 1492–1600.

b) Niederländisch-britische Periode, 1600–1815.

2. Neueste Zeit.

Britisch-amerikanisch-deutsche Periode, seit 1815.

«Der Handel, kostbaren Waren des Stein-, Tier- und Pflanzenreiches

nachgehend, ist der größte Verbreiter menschlicher Gesittung geworden,

wenn ihn auch nicht sittliche Beweggründe dabei leiteten.»(O.

~Peschel~.)

Lit. +Peschel+, Das Zeitalter der Entdeckungen. 1858. -- +Heyd+,

Geschichte des Levantehandels im Mittelalter. 2 Bd. 1879. --

+Gildemeister+ und +Hoffmann+, Die ätherischen Öle. 1899. --

+Richter+, Handel und Verkehr der wichtigsten Völker des Mittelmeeres

im Altertum. 1886. -- +Kießelbach+, Gang des Welthandels im

Mittelalter. 1860. -- +Scherer+, Allgem. Geschichte des Welthandels.

2 Bd. 1852. -- +Beer+, Allgem. Geschichte des Welthandels. 5 Bd.

1860–1884. -- +Andree+, Geographie des Welthandels. 3 Bd. 1877–1879.

-- +Sonndorfer+, Die Technik des Welthandels. Wien-Leipzig.

-- +Büchele+, Geschichte des Welthandels. 1867. -- +H. Cons+,

Précis d’histoire du commerce. 1896. -- +Noël+, Histoire du

commerce du monde. 1892–94. -- +Heeren+, Ideen über d. Politik,

d. Verkehr u. d. Handel d. vornehmst. Völker d. alt. Welt (dort

d. Handelsstraßen d. alt. Asien). -- +Aloys Schulte+, Geschichte

d. mittelalterlich. Handels u. Verkehrs zwischen Westdeutschland

u. Italien. -- +Sombart+, Moderner Kapitalismus. -- +Resch+, Die

Aufeinanderfolge der Handelsherrschaften. 1885. -- +Götz+, Die

Verkehrswege im Dienste des Welthandels. 1888. -- +Barth+, Wandlungen

im Welthandel. 1882. -- +Engelmann+, Geschichte des Handels- und

Weltverkehrs in übersichtlicher Darstellung. 1899. -- +Rich. Mayr+,

Lehrbuch der Handelsgeschichte auf Grundlage der Sozial- und

Wirtschaftsgeschichte. 1907. -- +Max Georg Schmidt+, Geschichte

d. Welthandels (Bändchen 118 der Sammlung «Aus Natur u. Geist»).

Leipzig 1906. Ein kleines aber für unseren Zweck sehr brauchbares

Buch. -- +Speck+, Handelsgeschichte des Altertums. 3 Bd. 1900–1906.

-- +Hüllmann+, Handelsgeschichte der Griechen. 1839. -- +Sprengel+,

Geschichte der wichtigsten geographischen Entdeckungen. -- Die

Literatur der Entdeckungsreisen im XIII. bis XVII. Jahrh. wird im

Kapitel Pharmakohistorie besprochen.

+Spezielle Literatur+: +Prax+, Commerce de l’Algérie avec la

Mecque et le Soudan. Paris 1849. -- +C. von Scherzer+, Smyrna mit

besonderer Rücksicht auf die geographischen, wirtschaftlichen und

intellektuellen Verhältnisse von Vorder-Kleinasien. Wien, Hölder.

1873. -- +J. Zwiedinek von Südenhorst+, Syrien und seine Bedeutung

für den Welthandel. Hölder 1873. -- +Flückiger+. Ausfuhrprodukte

Smyrnas und Syriens. Arch. Ph. 1874 und Pharmakognosie.

[Illustration: Fig. 226.

Die Bahnlinie, welche den Hafen La Guaira mit der Hauptstadt Caracas in

Venezuela verbindet. [+Preuß+ phot.]]

b. +Handelswege in unserer Zeit.+

Hierzu die Karte: Handelsstraßen im XX. Jahrh.

Handbuch der Pharmakognosie(#71451) · 第 17 / 33 段