Arbeit, denn es muß fortwährend gerührt werden, um das Anbrennen zu
verhindern. Dabei greift aber der entweichende Dunst die Augen der
Arbeiter sehr an. Wird nicht genügend eingekocht, so läuft die Masse
nachher zusammen, wird zu lange gekocht, so brennt sie teilweise
an. Aus diesem Grunde scheinen viele der _Aloë_-Sammler es jetzt
vorzuziehen, den Saft an Fabriken zu verkaufen, anstatt ihn selbst
einzukochen.
Neuerdings hat nämlich ein Unternehmer die Sache insofern verbessert,
als er von den Eingeborenen den Saft kauft und ihn in flachen
Holztrögen an der Sonne eintrocknen läßt, nachdem er einer gelinden
Gärung überlassen wurde. Diese neue Sorte kommt unter der Marke
«_Crown-Aloë_» in den Handel.
Leider war der erste größere Posten dieser neuen Marke in London
mit dem Namen _Uganda Aloë_ belegt worden, doch ist dies, wie
ich schon neulich mitteilte, ein willkürlich erfundener Name. Diese
neue und durchaus rationelle Darstellungsweise hat eine Zukunft.
Die _Crown-Aloë_ erzielt in London sehr gute Preise. Sie sieht
freilich ganz anders wie _Cap-Aloë_ aus, ist aber entschieden viel
besser.»(~Tschirch~, Schweiz. Wochenschr. 1902, Nr. 23.)
[Illustration: Fig. 183. Aus _Kautschuk_ geformtes Gefäß in
Gestalt eines Tieres vom Amazonas. [+Tschirch+ phot.]]
[Illustration: Fig. 184. Bottle Rubber Para. Aus _Kautschuk_ geformte
Gefäße vom Amazonas. [+Tschirch+ phot.]]
[Illustration: Fig. 185. Aus _Kautschuk_ geformter Schuh vom Amazonas.
Die Form, in der vor 60 Jahren der meiste _Kautschuk_ exportiert wurde.
[+Tschirch+ phot.]]
[Illustration: Fig. 186.
Teller aus _Nelken_ geformt. [+Tschirch+ phot.]]
[Illustration: Fig. 187.
Aus _Nelken_ geformtes Kästchen aus Amboina. [+Tschirch+ phot.]]
[Illustration: Fig. 188.
Aus _Nelken_ geformtes Schiff von Amboina. [+Tschirch+ phot.]]
Ein Auskochen findet auch bei der _Perubalsam_- und
_Styrax_-Darstellung statt. Hier werden nach erfolgter Verwundung des
Baumes und Bildung von Balsam im Neuholz aus der Wundnähe stammende
Holz- und Rindenteile abgeschabt und dann mit Wasser ausgekocht. Bei
der _Perubalsam_gewinnung werden auch die aufgelegten Lappen dieser
Prozedur unterworfen. Nach dem Auskochen wird dann abgepreßt (Fig. 182).
Ein natürliches =Bleichen= am Licht findet bei der _Macis_, die frisch
karminrot, am Licht getrocknet rötlichgelb, und beim _Carrageen_, das
frisch kirschrot, gebleicht gelblich ist, statt.
Das Bleichen des _Carrageen_ an der Sonne erfolgt erst, nachdem man den
größten Teil des roten Farbstoffes durch Einlegen und Rollen der Algen
in mit Süßwasser gefüllten Fässern entfernt hat.
Um die _Ingwer_rhizome der geschälten Sorten schön weiß zu erhalten,
werden die gewaschenen und vorsichtig geschälten Rhizome eine Nacht in
Wasser liegen gelassen, dem man oft noch Kalkmilch, Zitronensäure oder
Essig zusetzt.
=Künstliches Bleichen= durch chemische Hilfsmittel gilt bei
Drogen als unzulässig. So dürfen z. B. _Ingwer_, _Cardamomen_ und
_Carrageen_ nicht mit Chlor oder schwefliger Säure gebleicht werden.
Nur Sonnenbleiche ist zulässig. Auch das Bestreuen oder Bestreichen
geschälter weißer Drogen mit Kreide oder Gips, das hie und da bei
_Iris_ und _Ingwer_ beobachtet wurde, ist unzulässig.
Das =Kalken= der _Muskatnüsse_ dagegen ist durchaus zulässig. Es hat
nicht den Zweck, die Keimkraft zu vernichten, die bei den Samen,
besonders den geschälten, rasch erlischt, sondern dient als wirksamer
Schutz gegen Insektenfraß, wie besonders auf diesen Punkt gerichtete
Versuche, die ich vor einigen Jahren angestellt habe, bewiesen haben.
Die =Gewinnung der Gespinstfasern= gehört schon in das Gebiet der
technischen Rohstoffe. Sie beruht, soweit es sich um Bastfasern
handelt, auf der möglichst vollständigen Isolierung derselben
und Beseitigung der begleitenden Gewebe, bisweilen (_Lein_)
unter Zuhilfenahme eines eigenartigen «Fermentierungsprozesses»
(Flachsröste), der wohl darauf beruht, daß durch den Einfluß von
Bakterien die Interzellularsubstanz pektinisiert und dadurch die Zellen
leichter isoliert werden.
Die Entfernung der Samen aus der Baumwolle (das Egrainieren) bedarf
besonderer Vorrichtungen.
=Bisweilen werden die erzielten Drogenprodukte noch geformt.= Aus dem
_Kautschuk_ und der _Guarana_-Pasta formte man ehedem alle möglichen
Figuren (Fig. 183–185), jetzt werden aus ersterem meist nur Kuchen,
aus letzterem, ebenso wie aus dem erweichten _Drachenblut_ Stengel
gebildet. Das _indische Opium_ wird, wie schon oben beschrieben,
entweder zu großen Kugeln (balls Fig. 128) oder zu rechteckigen Stücken
(Fig. 132) geformt. Der _Gambier_würfel wurde schon oben gedacht (S.
135). Aus _Nelken_ werden in Amboina die zierlichsten und kunstvollsten
Gebilde hergestellt: Büchsen, Teller, Kassetten, Schiffe (Fig. 186 bis
188). Doch ist dies eigentlich mehr eine Kuriosität und Spielerei.
Auch die früher vielfach übliche kunstvolle Verschlingung von Wurzeln
ist nur noch bei der _Angelica_«in Zöpfen»in Gebrauch geblieben und von
den zahlreichen eigenartigen Packungsarten der _Sarsaparille_ sind fast
nur noch die «Puppen» der Honduras jetzt im Handel.
Auch von den vielen oft +kunstvollen+ =Gefäßen=, in denen früher
besonders weiche Drogen in den Handel gebracht wurden, haben sich
nur wenige erhalten: die kleinen Kalebassen des _Tolubalsams_ (jetzt
selten) und einer _Curare_art, die grossen der _Curaçao-Aloë_, die
Töpfe des _Tubocurare_ und die Bamburöhren des _Röhrencurare_, die wir
aber eigentlich schon zu den Packungen (s. Pharmakodiakosmie) rechnen
müssen.
[Illustration: Fig. 189.
Die Bereitung des _Palmweins_ am Kongo. Der Kuli rechts ist im Begriff,
den Schnitt am Gipfel zu machen. [+R. Visser+ phot.]]
Eine ganz besondere und eigenartige Gruppe bilden _Indigo_ und
_Lackmus_, die als solche in den Stammpflanzen nicht vorhanden sind,
sondern erst bei einem eigenartigen Behandlungsprozesse aus den in
den Pflanzen enthaltenen Chromogenen entstehen. (Vgl. das Kapitel
Pharmakochemie.)
Ein =Nachfärben= (mit Berlinerblau oder Indigo, dem Gips oder Talkum
zugesetzt wurde) findet bisweilen beim _grünen_ Tee statt.
[Illustration: Fig. 190.
Indianer bei der _Pulque_bereitung. Aufsaugen des angesammelten Saftes
mittelst Hebers. [Aus +Preuß+, Zentral- und Südamerika.]]
Ein «=Beduften=» (Scenting) scheint beim _schwarzen Tee_ hie und
da in der Weise geübt worden zu sein, daß man dem fertigen Produkt
wohlriechende Blüten beimengte und diese dann, nachdem sie ihren Duft
abgegeben hatten, wieder aussiebte. Als solche Blüten wurden genannt:
_Aurantieen_, _Aglaia odorata_, _Chloranthus inconspicuus_, _Gardenia
florida_, _Jasminum paniculatum_ und _Sambac_, _Osmanthus fragrans_.
Wie ~Tischomiroff~ durch Erkundigungen in China erfuhr, wird das
«Beduften» des _schwarzen Tees_ nicht oder doch (1893) nicht mehr
geübt. Nur in die Kisten, die «_Tee_ zu Geschenken»enthalten, wird auf
den Boden bisweilen eine fingerdicke Schicht _Aglaia_blüten geschüttet.
In Szeschuan werden bisweilen, aber nur für den örtlichen Gebrauch, die
+süßen+ Zweigspitzen von _Viburnum phlebotrichum_ dem _Tee_ beigemischt.
In Java und Ceylon fand ich (1889) weder Färben noch Beduften in
Gebrauch.
Einige Drogen, wie das _Curare_ und der _Haschisch_ gehören schon zu
den =Präparaten=, sind also eigentlich nicht mehr Simplicia, sondern
Composita. Doch wird sie wohl jeder zu den Drogen im weiteren Sinne
rechnen, trotzdem sie künstliche Gemische sind.
Die Herstellung von =gegorenen Getränken= aus Pflanzensäften fällt
schon aus dem Gebiete der Pharmakognosie heraus. Doch kann man den
_Palmenwein_ (Fig. 189), den _Cognac_, den _Arac_ und die _Pulque_
(Fig. 190) wohl noch im weiteren Sinne zu den den Pharmakognosten
interessierenden Objekten rechnen. Wenn sie auch natürlich keine
eigentlichen Drogen sind, so werden sie doch ebenso wie der Wein auch
gelegentlich zu Heilzwecken verwendet.
Bei der +Pulquebereitung+ schneidet der Arbeiter die Knospe des
Blütenstandes der _Agave americana_, bevor sich derselbe entwickelt,
ab und saugt mit einem eigenartigen Instrument (Fig. 190) den
zuckerhaltigen Saft an, der dann nach dem Vergären die «Pulque» liefert.
Bei der +Palmweingewinnung+ schneidet man ebenfalls die
Blütenstandknospe ab oder macht Einschnitte in den oberen Teil des
Stammes (Fig. 189), sammelt den austretenden zuckerreichen Saft und
läßt ihn vergären.
[Illustration: Fig. 191.
Die Räucherung des _Kautschuks_ mit Palmnüssen (Defumaçao da borracha)
im Amazonasgebiet unter Anwendung kleiner «Ruder» zur Herstellung
kleiner Kuchen. [Aus +Hubers+ Arboretum amazonicum.]]
Daß man Drogen auch =durch eine rationellere Erntebereitung verbessern=
kann, unterliegt keinem Zweifel, und man sollte gerade diesem Umstande
besondere Aufmerksamkeit widmen. Das Standardbeispiel bildet der
_Hevea_-(Para-)_Kautschuk_, der von in Ceylon, Sumatra und Malacca
kultivierten _Hevea_arten gewonnen, durch rationelles Koagulieren und
Strecken der Abscheidung zu Fellen jetzt schon in so vortrefflicher
Qualität am Markte ist, daß er im Preise an der Spitze aller Sorten
steht und schon höher wie bester brasilianischer Para bezahlt wird.
Die +Koagulation der Kautschuk-Milchsäfte+ (Fig. 191 u. 192) ist jetzt
schon eingehend studiert.
[Illustration: Fig. 192.
Kochen des Latex und der _Kautschuk_kuchen in Lusambo (Kongo).]
Man unterscheidet hier folgende Koaleszenzmittel:
I. Natürliche Methoden:
1. Einfaches Verdunstenlassen an warmer Luft;
2. Verdunstenlassen am menschlichen Körper.
II. Mechanische Methoden:
1. Durch Schlagen, Buttern bei 50°;
2. Durch Zentrifugieren nach ~Biffen~.
III. Chemische Methoden:
1. Räucherung, z. B. mit der Räucherungsmaschine von ~Cardoco
Danin~;
2. Einfache Kochmethode;
3. Zusatz eines großen Quantums Wasser;
4. Durch Salzwasser;
5. Durch Vegetabilien, wie die Samen von _Aurantiaceen_, der Saft
von _Sachacamote_, _Bossasangasaft_, die Wurzelknollen von
_Ipomoea bona nox_;
6. Durch Chemikalien, wie Alaun, Schwefelsäure, Seesalz,
Seifenwasser, Alkohol, Sublimat, Calciumchlorid, Salzsäure,
Phönicinschwefelsäure, Aceton, Eisessig, Ameisensäure, mit
H₂SO₄ versetzte 4% Phenollösung;
7. Durch Urin;
8. Durch Sterilisieren mit Formaldehyd, Guajacol- oder Thymollösung,
dann Verdünnen mit Wasser und Versetzen mit Oxalsäure,
Ameisensäure, Zitronensäure oder mit wässerigen Extrakten der
Termiten und Ameisen. (Vgl. ~Tschirch~, Harze und Harzbehälter
1906.)
Die Sitte, =frische Pflanzenteile mit Zucker einzukochen= -- sog.
+Condita+ darzustellen, -- die früher bei zahlreichen Heilpflanzen
üblich war, z. B. auch bei _Rhiz. Enulae_, ist jetzt nur noch beim
_Ingwer_, den dickschaligen _Citrus_arten (z. B. _C. medica_) --
_Citronat_, _Cedrat_ -- und bei _Angelica_ (in Clermont Ferrand)
erhalten geblieben.
[Illustration: Fig. 193.
Die Fabrikation des _Indigo_. [Nach +Pomet+, Hist. des drogues, 1694.]]
[Illustration: Fig. 194.
Moderne _Indigo_fabrik in Indien. [Aus +Roscoe-Schorlemmer+, Lehrb. d.
Chemie.]]
[Illustration: Fig. 195.
Sortieren des _Tabak_ in Sumatra. [Kew Museum.]]
[Illustration: Fig. 196.
Zurechtschneiden der Ceylon-_Zimt_röhren auf eine Länge. [Kew Museum.]]
[Illustration: Fig. 197.
Sortieren des _Tees_ in China. [Aus Illustrierte Welt.]]
[Illustration: Fig. 198.
Auslesen von _Muskatnüssen_ auf Java. [Kolonial-Museum Haarlem.]]
[Illustration: Fig. 199.
Auslesen der _Chinarinde_ und Trocknen derselben auf _Bambu_tellern
(Tampirs) in Lembang auf Java. [+Tschirch+ phot.]]
[Illustration: Fig. 200.
Auslesen der _Rosen_blumenblätter in Grasse.]
Auch die arabische Sitte, =eingedickte Pflanzensäfte= -- +Roob+,
+Rob+, +Rubb+ -- darzustellen, ist heute nur noch bei wenigen Früchten
(_Sambucus_, _Juniperus_) beibehalten worden. Das Dorf Trimmis
(Graubünden) erzeugt jährlich mehrere 100 kg _Succus Sambuci_.
Man ist übrigens wie bei der Verpackung auch bei der Erntebereitung
ziemlich konservativ. Das _Umbaopopanax_ scheint auch heute noch auf
die gleiche Weise dargestellt zu werden wie im Altertum. Das gleiche
gilt wohl von der _Aloë_.
Wie konservativ man bei der _Indigo_fabrikation geblieben ist, lehrt
der Vergleich zwischen der Abbildung der _Indigo_bereitung, die ich
aus ~Pomet~, +Hist. gener. des drogues+ 1694 wiedergebe (Fig. 193) und
einer modernen Anlage (Fig. 194), die ich dieser gegenüberstelle.
Oft ist das geerntete Produkt nicht ganz rein und es muß dann ein
=Auslesen oder Sortieren= erfolgen. Dies geschieht bei vielen Drogen
schon beim Produzenten. Die _Tee_blätter (Fig. 197), die _Muskatnüsse_
(Fig. 198) und die _Chinarinde_ (Fig. 199) werden «verlesen», bevor man
sie verpackt, _Rosen_blätter (Fig. 200), bevor man sie destilliert.
Besonders sorgfältig geschieht das Sortieren beim _Deckblattabak_ in
Sumatra (Fig. 195). Bei der _Cubebe_, den _Umbelliferen_früchten u. a.
werden die Stiele entfernt. Die _Gummis_ und _Harze_ werden sortiert.
Vielfach geschieht das Auslesen aber auch erst in den Stapel- und
Hafenplätzen oder gar erst in den Einfuhrhäfen in Europa oder bei den
inländischen Großdrogenhäusern. Das gehört dann also schon in das
Kapitel «Behandlung der Droge im Einfuhrhafen» (s. d.).
Eine besondere Form des Auslesens ist das «=Reppeln=», das darauf
beruht, daß man die groben wertlosen Teile von der eigentlichen Droge
durch Rüttelsiebe abtrennt. So wird die _Kusso_ gereppelt, d. h. die
zarten Blüten von den derben Infloreszenzaxen getrennt, so werden durch
Reppeln auf Rüttelsieben die Sekretdrüsen und die Büschelhaare, die
die _Kamala_ bilden, von den Früchten des _Mallotus philippensis_ und
jene, die das _Lupulin_ bilden, von den Fruchtschuppen der weiblichen
Infloreszenz der _Hopfen_pflanze abgelöst.
Bei der _Baumwolle_ werden die Fruchtschalreste entfernt. Dann werden
die Haare und Samen getrennt (Egrainieren). Die Samenschalhaare bilden
die _Baumwolle_, der Samen liefert das _Baumwollsamenöl_.
[Illustration: Fig. 201.
Stampfen der zerkleinerten _Chinarinde_, um ihr Volumen zu verringern,
auf Java.]
Einige Rinden werden auch schon im Produktionslande =auf eine bestimmte
Länge zurechtgeschnitten=. Bei den _Chinarinden_ geschieht dies in
Java, um sie gut und mit möglichster Raumersparnis in den Kisten
unterbringen zu können. Beim _Ceylonzimt_ werden die aus mehreren
zusammengeschobenen Rinden gebildeten Röhren meist genau auf 1 m
gebracht (Fig. 196), aus denen dann die Fardelen gebildet werden.
Fardello bedeutet Bündel. Schon in ~Paxis~ Taripha (s. Geschichte)
findet sich: «Canelle longe in fardo». Die Packung scheint also sehr
alt zu sein.
[Illustration: Fig. 202. Einstampfen des _Yerba Mate_ in Paraguay.
[Nach +Hengstenberg+, Weltreisen.]]
[Illustration: Fig. 203.
Hydraulische Presse zur Herstellung der _Chinarinden_ballen in Colombo
(Ceylon). [+Tschirch+ phot.]]
[Illustration: Fig. 204.
Mittelst hydraulischer Pressen hergestellte _Chinarinden_ballen in
Hultsdorf Mill, Colombo (Ceylon). [+Tschirch+ phot.]]
[Illustration: Fig. 205.
Mittelst hydraulischer Pressen hergestellte _Baumwollen_ballen zum
Verladen bereit (St. Louis).]
Da die Dampferlinien die Fracht nach dem Volumen und nicht nach dem
Gewicht berechnen -- eine Ausnahme machen nur die Metalle -- so hat der
Versender ein Interesse, das =Volumen zu verringern=. Dies geschieht
in primitiver Weise dadurch, daß man die Drogen einstampft. Etwas
derartiges sehen wir z. B. bei den als Fabrikrinden bezeichneten
_Chinarinden_, bei denen es nicht auf schönes Aussehen ankommt (Fig.
201). Beim _Mate_ erfolgt das Pulvern durch Schlagen mit hölzernen
Stäben (Fig. 202). Oder man bedient sich zum Zusammenpressen
hydraulischer Pressen. Dies geschieht z. B. bei der _Chinarinde_ in
Ceylon (Fig. 203 u. 204) und der _Baumwolle_ (Fig. 205). Doch dies
gehört schon in das Gebiet der Verpackungen (s. d.). Bei dem _Mate_
(Fig. 206) und bei dem zur _Ziegeltee_bereitung benutzten _Tee_pulver
(Fig. 207) bedient man sich auch eigenartiger Mühlen, um das Material
zu Pulver zu mahlen. Die _Reis_mühle dagegen entfernt die Spelzen und
die Schale, «schält» also nur.
[Illustration: Fig. 206.
Primitive _Yerba_-Mühle in Paraguay. [Nach +Hengstenberg+, Weltreisen.]]
[Illustration: Fig. 207.
_Tee_mühle zur Bereitung des Ziegeltees.]
Ganz einzig in seiner Art ist das =Zeichnen der noch an der Pflanze
hängenden Vanillefrüchte zum Schutz gegen Diebstahl=. Die Pflanzer in
Bourbon zeichnen nämlich mit Hilfe von Nadeln alle Früchte noch am
Stock. Die Anordnung der Stiche ist auf den Plantagen verschieden, aber
jede hat ihre besonderen Zeichen. Bald bilden die Stiche zusammen
genommen arabische Ziffern (5, 6, 8, 10), bald Buchstaben (D bedeutet
z. B. die Plantage von Dureau de Vaulcomte), und viele dieser Zeichen
sind auf dem Gerichte als «Schutzmarke» eingetragen. Werden nun
gestohlene Früchte angeboten, so wissen die Händler sofort, wo sie
gestohlen sind und wem sie gehören.
Die =Abfälle der Erntebereitung= werden bei vielen Drogen verwertet.
Die Preßrückstände der Öldrogen, z. B. die _Cocos_preßkuchen, die
_Sesam_-, _Mohn_- und _Senf_preßkuchen werden als stickstoffreiches
Futtermittel benutzt, ebenso die extrahierten und getrockneten
Rübenschnitzel der Zuckerfabriken. Die Destillationsrückstände der
Fabrikation ätherischer Öle dienen als Düngemittel, ebenso die
Fruchtschalen des _Kaffee_ und der _Muskatnüsse_. Letztere dienen
aber auch, in Gruben der Zersetzung unterworfen, als Nährboden für
den _Muskatpilz_ (djamur pala), einem beliebten Leckerbissen auf den
Bandainseln. Die Abschabsel beim Schälen der _Zimtrinde_ werden zur
Öldestillation benutzt.
An der Gewinnung der Drogen beteiligen sich alle Rassen und fast alle
Nationen der Welt, wie man leicht beim Durchsehen der Abbildungen
dieses Buches feststellen kann, auf denen sich Vertreter aller Völker
dargestellt finden: Kaffern, Neger, Singhalesen, Tamils, Malaien,
Javanen, Chinesen, Japaner, Türken, Brasilianer, Mittelamerikaner
und alle Nationen Europas (Spanier, Griechen, Italiener, Bulgaren,
Deutsche, Franzosen, Engländer, Holländer usw.).
Aus fernen Landen bringen die Galeeren
Gold, Weihrauch und Gewürze sonder Zahl,
Heilkräft’ge Kräuter, Balsam,
Silphium, Myrrhe --
IV. Pharmakoëmporia.
Die Pharmakoëmporia (von ἐμπορία = Großhandel) oder der
Großdrogenhandel ist der Teil der Pharmakognosie, der sich mit dem
Schicksal der Droge vom Orte der Gewinnung bis zum Eintritt in den
Kleinhandel beschäftigt. Er umfaßt die Handelswege, die Ausfuhr-
und Einfuhrhäfen, die Behandlung der Droge im Einfuhrhafen, die
Produktions- und Exportlisten und auch die Maße und Gewichte des
Drogenhandels.
Ein Handelsweg ist allemal auch eine Kulturbahn.
~Andree~.
1. Handelswege.
a. +Handelswege in früherer Zeit.+
Hierzu die zwei Karten: Die Handelsstraßen im Altertum und im
Mittelalter.
Wie das Mittelmeergebiet neben Mesopotamien die Wiege der Kultur ist,
so ist es auch die +Wiege des Handels+. Seine reiche Küstenentwicklung
lud frühzeitig die rings um dasselbe wohnenden Völker dazu ein, in
Handelsbeziehungen zueinander zu treten. Hier war es, wo der Mensch
zuerst die See befahren lernte und sich zuerst auch bei stürmischem
Wetter von der Küste zu entfernen wagte. Die Gliederung des
wüstenreichen asiatischen Festlandes dagegen bedingt es, daß in ihm von
jeher der +Land- und Karawanenhandel+ blühte, während die Länder des
Mittelmeers die Wiege des +Seehandels+ sind.
Die älteste Form der Verkehrswege, die bald zu Handelswegen wurden,
sind ja offenbar die Flüsse gewesen. Die größeren Landstraßen, zunächst
aus militärischen Gründen als Heerstraßen angelegt, wurden erst später
Handelsstraßen. Die großen Straßenbauten der Römer, die Via Appia
zwischen Rom und Capua (IV. Jahrh. v. Chr.), die Tiberius- und die
Trajansstraße (103 n. Chr.) an der Donau entlang, die zehn kühnen
Straßen über die Alpen, wahre Meisterwerke der Ingenieurkunst, dienten
wie die gleichfalls von den Römern angelegten in Hispanien, Gallien,
Germanien, Britannien und die asiatischen, die fast bis zum Persischen
Golf reichten, -- die Gesamtlänge des römischen Straßennetzes erreichte
schließlich die Länge von 10220 geographischen Meilen -- zunächst
militärischen Zwecken und verfielen z. T. mit dem Verfall des
römischen Reiches. Erst ~Karl der Grosse~ sorgte wieder für bessere
Verkehrswege durch Ausbau der alten Römerstraßen und Anlage neuer,
sowie durch Verbesserung des Flußverkehrs und Anlage von Kanälen (Fossa
carolina zwischen Donau und Rhein).
[Illustration: Fig. 208.
Passar Bogor. Der Markt von Buitenzorg, oberes Ende. Im Hintergrunde
ein chinesischer Tempel und die Bäume des botanischen Gartens (Java).
[+Tschirch+ phot.]]
Vielfach hat Eroberungssucht die Handelswege geöffnet. Die Fahrten des
großen ~Ramses~ an den Küsten des Roten Meeres, der Zug ~Alexanders~
nach Osten bis nach Indien, der Indien- und Skythenzug des ~Darius~,
der Zug der Araber nach dem Westen bis nach Spanien, die zahlreichen
Expeditionen der Römer nach allen Himmelsrichtungen, selbst bis
nach Fessan und dem Sudan und der Zug gegen die Parther waren
+Eroberungszüge+, aber auf ihren Spuren blühte allmählich der Handel
empor. Doch zog man schon frühzeitig auch nur um wertvolle Waren von
fernher herbeizuschaffen nach entlegenen Ländern. Die Ophirfahrten
der Phönikier und ihre Expeditionen rings um das Mittelmeer bis über
die Säulen des Herkules hinaus und auf dem Roten Meer nach Süden,
die Reisen der Römer und Araber nach China und der Chinesen nach dem
Persischen Golf und dem Roten Meer, wie die der Russen durch Sibirien
bis ans Ochotzkische Meer waren ausschließlich +Handelsfahrten+ ohne
politischen Hintergrund. Bei Portugiesen und Spaniern war beides im
Spiel. Die Portugiesen suchten sich aber doch nur deshalb in den Besitz
der erreichten Länder zu setzen, um die Gewürze für sich monopolisieren
zu können und bei den Spaniern spielte stets die Sucht nach Gold die
Hauptrolle. Seinetwegen fuhren sie aus El Dorado zu suchen. Auch die
Reisen der ~Polos~ im XIII. Jahrh. nach China, ~Pegolottis~ im XIV.
Jahrh. und ~Barthemas~ im XVI. Jahrh. nach Indien waren Handelsreisen.
Ein drittes Moment für die Eröffnung von Handelswegen war die
+Auswanderung und Kolonisation+, die wir schon bei der Fahrt nach dem
Süden des Karthagers ~Hanno~ im V. Jahrh. v. Chr. als treibende Kraft
finden und die so viel zur Erschließung Nordamerikas und Australiens
beigetragen hat. Ferner haben auch die +Gesandtschaften+ neue Wege
geöffnet. So gingen schon im III. Jahrh. v. Chr. zwei mazedonische
Gesandtschaften an den Hof indischer Fürsten in das Gangestal und 165
n. Chr. sandte ~Marc Aurel~ Gesandte auf dem Seewege über Tonkin nach
China. Viel später folgte (1246) die Reise des päpstlichen Delegaten
~Plan Carpin~ an den Hof der mongolischen Herrscher.
[Illustration: Fig. 209.
Transport von Waren auf dem Kopf durch Zulumädchen (Südafrika).
[+Underwood+ phot.]]
Aber noch viel umfangreicher und weitausgreifender wirkten die
+Glaubensmissionen+ und +Pilgerreisen+ zuerst der Buddhisten durch ganz
Ostasien, dann die der nestorianischen Christen, die zu Verbindungen
Europas mit dem Mongolenreiche und der Einführung des Christentums
in China und das übrige Asien führten. ~Joh. von Montecorvino~
baute 1305 zwei Kirchen in Peking. Aber schon 530 n. Chr. bestanden
Christengemeinden in Malabar und Ceylon. Auch die Mönche ~Carpini~ und
~Rubruquis~ erreichten im XIII. Jahrh. wie ~Odorico de Pordenone~ im
XIV. Jahrh. das chinesische Reich.
[Illustration: Fig. 210.
Eine Karawane für den Transport des _Kautschuk_ über Land im
Kongogebiet. [+Visser+ phot.]]