Einige =Harze= und =Balsame= sind in der Pflanze als solche enthalten.

Man braucht also nur das Organ zu verletzen und das austretende

halbflüssige Sekret entweder in Gefäßen aufzusammeln (_Copaivabalsam_,

_Straßburger Terpentin_) oder am Baume erhärten zu lassen (_Mastix_,

_Sandarac_, _Olibanum_, Fig. 147), um die Droge zu erhalten (+primärer

Harzfluß+). Das Gleiche gilt von _Kautschuk_ und _Guttapercha_,

die sich als Milchsäfte in der Pflanze finden und beim Anschneiden

ausfließen. Doch wird wenigstens bei einigen Sorten des _Kautschuk_

der ausgeflossene Saft durch Koaleszenzmittel koaguliert, erfährt also

noch eine nachträgliche Verarbeitung (s. S. 140).

Zu den nach Anschneiden (Fig. 125 u. 126) ausfließenden und dann

erhärtenden =Milchsäften= sind auch _Opium_, _Lactucarium_, die

Gummiharze der persischen _Umbelliferen_ (_Asa foetida_, _Galbanum_,

_Ammoniacum_) und _Euphorbium_ zu zählen, und im weiteren Sinne das

_Gutti_.

[Illustration: Fig. 154.

Amerikanisches _Terpentin_gewinnungsverfahren. Die Wundfläche mit

Harzbalsam bedeckt.]

Die bei der Gewinnung des _Opiums_ benutzten +Messer+ sind sehr

eigenartig. In +Kleinasien+ werden zum Anschneiden der Mohnköpfe

Messer aller möglichen Formen benutzt, einmal solche, denen die Spitze

abgebrochen wurde (Fig. 134), dann solche mit gesägter Klinge (Fig.

135), aber auch Uhrfedern, Glasscherben u. a. mehr. Die Benutzung der

letzteren erklärt besonders einleuchtend das ständige Vorkommen von

Fruchtwandepidermisfetzen im kleinasiatischen _Opium_, da die Wand der

Frucht durch sie nicht eigentlich geritzt, sondern eingerissen wird. In

Kleinasien wird nur ein Horizontalschnitt geführt.

[Illustration: Fig. 155.

_Manikot_ mit Messerstichen angezapft (Indien). [+F. O. Koch+ phot.]]

In +Vorderindien+ (Bengalen) bedient man sich des +Naschtar+ (Nushtur,

Fig. 133 u. 137), das aus drei, vier, seltener fünf schmalen

Eisenblechen von etwa 15 cm Länge und der Dicke einer Federmesserklinge

besteht, die oben 2,5 cm breit, dort tief eingekerbt und in scharfe

Spitzen ausgezogen sind, und durch Umwickeln mit starken Baumwollfäden

c. 1,5 mm auseinandergehalten werden. Es werden Vertikalschnitte

ausgeführt (Fig. 125) und zwar an 2 bis 6 Stellen der Kapsel, in

Intervallen von 2–3 Tagen. In +Persien+ wird ein ähnliches Messer

benutzt und die Kapsel horizontal, schräg oder vertikal nach und nach

an allen Seiten angeschnitten (Fig. 126).

[Illustration: Fig. 156.

_Guttapercha_gewinnung auf Sumatra.

Der zweite Kuli von links trägt die Instrumententasche und das Beil

(baliung), das zum Fällen des Baumes benutzt wird. Der vierte macht

mit dem breiten Messer (lading) die Einschnitte. Der erste und dritte

kratzen den ausgeflossenen Milchsaft mittelst eines spitzen Kratzers

in den aus den Blättern von _Areca Catechu_ hergestellten Spitzbeutel.

[+Tschirch+ phot.]]

In China werden die Kapseln mit einem dreischneidigen Messer an 3–5

Stellen vertikal angeschnitten. Auch in Ägypten wird der Naschtar oder

die kleinasiatische Methode benutzt, jedoch zwei oder drei Einschnitte

gemacht.

Mehrklingige Messer, die zum Teil bis auf die Spitze mit Schnur

umwickelt waren oder abgerundete Spitzen besaßen, wurden bei Erfurt,

bei Clermont Ferrand, bei Darmstadt und in Württemberg benutzt

(~Linde~, +Zur Gewinnung des Opiums+, Apoth. Zeit. 1905).

Die Entwicklungsphase der Kapsel, bei welcher sie angeschnitten wird,

ist nicht überall die gleiche. In Kleinasien und in Vorderindien werden

die jungen Früchte einige Tage nach dem Abfallen der Blumenblätter, in

Armenien 20–25 Tage nach dem Abblühen (~Gaultier~), in Ägypten, sobald

sie ihre normale Größe erlangt haben (~Savaresi~), in Persien, wenn sie

sich der Reife nähern, angeschnitten. Der beste Zeitpunkt ist 10–14

Tage nach dem Abfallen der Blumenblätter (~Hesse~).

Zum Abkratzen der eingetrockneten Tropfen bedient man sich in Indien

eines schaufelartigen Instrumentes (Situah Fig. 138).

[Illustration: Fig. 157.

Halbspiralschnitt an einer kultivierten _Hevea brasiliensis_ in Indien.

[+F. O. Koch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 158.

Fischgrätenschnitt an kultivierter _Hevea brasiliensis_ in Indien. [+F.

O. Koch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 159.

_Colophonium_destillerie in den Wäldern von Carolina (U. S. A.).]

[Illustration: Fig. 160.

Das Innere einer nordamerikanischen _Harz_destillerie. Im Mittelgrunde

sieht man einen Destillierapparat und (rechts) das große Kühlfaß. [Aus

+Tschirch+, Harze und Harzbehälter.]]

[Illustration: Fig. 161.

Die _Lavendelöl_destillateure auf den Alpen (Alembics voyagants.) [Aus

+Roure-Bertrand fils+ Berichte.]]

[Illustration: Fig. 162.

_Citronellaöl_destillation in der Nähe von Galle auf Ceylon. [Aus

+Roure-Bertrand fils+ Berichte.]]

[Illustration: Fig. 163.

Rumelische _Rosenöl_destillerie in Papazoglou, links: Füllen der

Destillierblasen.]

[Illustration: Fig. 164.

Schuppen mit Destillierblasen für _Rosenöl_ in Bulgarien. Links der

Destillateur das Öl abhebend.]

[Illustration: Fig. 165.

Entleeren der _Citronen_ (Limoni) mittelst kleiner Löffel. Die Mädchen

umwickeln die Hand, mit der sie die Citrone halten, mit einem Tuch.

Fruchtfleisch und Schale werden gesondert verarbeitet. (Vergl. Fig. 166

und 176.) [Prof. +Benedicenti+ in Messina phot.]]

[Illustration: Fig. 166.

_Citronenöl_gewinnung mittelst der Spugna-Methode. Die Schalen werden

an einen Schwamm gedrückt. [Prof. +Benedicenti+ in Messina phot.]]

[Illustration: Fig. 167.

_Bergamottöl_bereitung mit der Maschine, erste Operation. [Aus

+Roure-Bertrand fils+ Berichte.]]

[Illustration: Fig. 168.

_Bergamottöl_bereitung mit der Maschine, zweite Operation. [Aus

+Roure-Bertrand fils+ Berichte.]]

[Illustration: Fig. 169.

Enfleurage, Darstellung der «_Pomades_» auf kaltem Wege in der Fabrik

Roure-Bertrand fils in Grasse.]

[Illustration: Fig. 170.

Maceration, Darstellung der «_Pomades_» auf warmem Wege in der Fabrik

Roure-Bertrand fils in Grasse.]

Auch bei der seit Jahrhunderten gleichgebliebenen Methode der Gewinnung

der _Asa foetida_ durch Abtragen dünner Scheiben vom Kopfe der großen

freigelegten Wurzel von _Ferula Assa foetida_ bedient man sich

eines eigenartigen keilförmigen Messers, das vorn stark verbreitert ist

(Fig. 148).

Bei der Herstellung der Einschnitte in die Rinde der _Mannaesche_ bei

der _Manna_gewinnung werden eigenartige, sichelförmig gekrümmte Messer

benutzt (Fig. 150).

Andere Drogen der Gruppe der =Harzbalsame= sind als solche nicht in

der normalen Pflanze enthalten, sondern entstehen erst infolge von

Verwundungen (+sekundärer Harzfluß+). Ich habe durch Versuche in Indien

und Europa gezeigt, daß _Benzoë_, _Peru_- und _Tolubalsam_, _Styrax_,

_Dammar_ und die meisten _Terpentine_ der Koniferen erst sich bilden,

nachdem man tiefgreifende Verletzungen am Baume angebracht hat und ein

reichverzweigtes System pathologischer Kanäle im Neuholz entstanden ist

(Gesetz des Harzflusses).

[Illustration: Fig. 171.

Eine finländische «Tervahauta» (_Teer_grube), die Art der

_Teer_gewinnung in Finland.]

[Illustration: Fig. 172.

Ecuelle à piquer. [+Tschirch+ phot.]]

Als pathologische Produkte, die bisweilen schon freiwillig, in größerer

Menge aber durch (wenn auch nicht infolge von) spontan entstehenden

oder künstlich angebrachten Wunden austreten, sind auch das _Gummi_ und

der _Traganth_ zu betrachten.

Sehr mannigfaltig ist +die Form, die man den Verwundungen+ (Fig.

149) +und den dazu benutzten Instrumenten gibt+ und die Art, wie man

die Wunde nachher behandelt. Bald wird ein V-Schnitt hergestellt

(_Tolubalsam_, Fig. 149, 2), bald Längsschnitte (_Benzoë_, Fig. 149,

1) oder zahlreiche übereinander stehende, horizontale Einschnitte

(_Manna_, _Japan. Lack_, Fig. 149, 10 u. 11), bald Spiralschnitte

(_Gutti_, Fig. 149, 9), bald eine breite, wie ein M -- oder O --

geformte Lache (amerikan. und französ. _Terpentin_, Fig. 149, 5 u.

6), bald wird zum Auffangen des Balsams ein Topf angehängt (Fig.

149, 2, 6, 12–14), bald ein Box in den Baum geschlagen (Fig. 149, 5

u. 8). Auch Schwelen und Aufsaugen des Balsams in Lappen kommt vor

(_Perubalsam_, Fig. 149, 3, 152 u. 153). Bei der _Lärche_ wird ein Loch

gebohrt (Fig. 149, 4), mit einem Pflock verstopft und nach einiger

Zeit der angesammelte Balsam abgelassen. Die größte Mannigfaltigkeit

in der Verwundungsart findet sich aber bei den _Kautschuk_bäumen. Bald

wird hier nur mit Messerstichen angezapft (Fig. 155), bald werden

Spiralschnitte, Halbspiralschnitte (Fig. 157), kurze, längs- oder

schräggestellte mit eigenartigen meißelartigen Messern hergestellte

Schnitte (Fig. 149, 12), gemacht, bald wird der Grätenschnitt (Fig.

149, 13 u. 158), der Doppelkandelaberschnitt (Fig. 149, 14) oder

Varianten dieser geübt (das Detail siehe in meinem Buche: +Die Harze

und die Harzbehälter+, 2. Aufl. 1906; dort sind auch die Instrumente

abgebildet). Zu einem allgemein adoptierten System ist man noch nicht

gekommen. Noch werden Versuche gemacht, welches das beste ist.

Bei der _Guttapercha_ wird der Stamm des gefällten Baumes in

horizontaler Lage auf der Oberseite in bestimmten Entfernungen mit

breiten Einschnitten versehen, aus denen man dann den ausgetretenen

Milchsaft herauskratzt (Fig. 156).

Eine Besonderheit ist die Darstellung des _Churus_. Der _Churus_

(Indisch-Hanfharz) wird nach ~Bonati~ in der Weise gewonnen, daß

man die in Blüte stehenden Zweigspitzen der weiblichen Pflanze von

_Cannabis indica_ stundenlang kräftig auf groben wollenen Teppichen

reibt, so daß das dickflüssige Harz sich auf der Oberfläche ablagert,

von wo es mittelst eines Messers abgelöst und zu kleinen Kugeln oder

länglichen Stäbchen geformt wird.

Es erinnert dies in etwas an die ehedem beim _Ladanum_ gebräuchliche

Gewinnungsweise, bei der man langbärtige Ziegen durch die harzduftenden

_Cistus_gebüsche trieb, das an den Bärten haften bleibende Harz

absammelte, und nachdem es in Wasser erweicht war, zu den bekannten

Spiralkörpern formte.

Eine besondere Stellung nimmt das _Ammoniacum_ ein. Es werden nämlich

bei ihm die ganzen zur Zeit der Fruchtreife geschnittenen Stengel der

Pflanze nach Bombay gebracht und erst hier die Droge abgelesen.

[Illustration:

Tafel XVI

Alte Cocosnuß-Ölmühle in Ceylon. [Aus «Der Mensch u. die Erde».]]

[Illustration:

Tafel XVII

_Cocos_-Mühle auf Diego Garcia. [Aus +Chun+, «Tiefen des Weltmeeres».]]

Sehr eigenartig ist die +Teerbereitung+, das Teerbrennen (Tervanpoltto)

in Finland.

Der Holzteer wird in Finland auf folgende Weise von _Fichten_

gewonnen. Der Stamm der _Fichte_ wird Mitte Juni von Ästen und Rinde

-- letztere bis zum Holz -- in der Höhe von etwa 2½ m befreit;

nur an der nördlichen Seite des Baumstammes wird ein etwa 5 cm

breites Band der Rinde gelassen, um den Baum am Leben zu erhalten.

Dann läßt man den Baum 2–5 Jahre stehen, worauf die Rinde wieder

auf dieselbe Weise von dem Stamme abgeschält wird, jetzt etwa 1½

m höher, so daß der Stamm jetzt 4 m hoch kahl ist, mit Ausnahme

der nördlichen Seite. Zwei Jahre lang läßt man den Baum so stehen.

Der kahle Teil des Stammes ist jetzt mit einer dicken Lage Harz

bedeckt. Dann schneidet man den an der nördlichen Seite gelassenen

Rindenstreifen los; der Baum wird im Oktober oder November gefällt

und das so behandelte Holz zum Meiler gebracht, wo es etwa 1,8 m

hoch aufgestapelt wird. Im Winter, wenn die Kälte groß und das

Holz dadurch leicht spaltbar ist, werden die abgehauenen, c. 4 m

langen, harzreichen Baumstämme der Länge nach gespalten und in 3½

m breiten und 2 m hohen Stapeln rings um den Meiler geordnet. Im

folgenden Sommer werden sie in den Meiler eingesetzt.

Der Teermeiler oder die Teergrube (Tervahauta, Fig. 171) ist eine

kreisrunde, der Mitte zu tiefer werdende Grube in der Erde. Sie ist

gewöhnlich 12–13 m im Durchschnitt (36 m im Umkreis) und in der

Mitte etwa 1½ m tief. In die Mitte der Grube wird ein Holzkasten

ohne Boden -- 15 cm hoch und 1½ m im Durchschnitt -- eingesenkt,

in welchem der Teer sich ansammelt. In die Wand des Kastens ist ein

Holzrohr eingesetzt, aus dem der Teer ausfließt. Dieses Holzrohr ist

schräg in den Boden eingesenkt und reicht über die Peripherie der

Grube hinaus zu einem Kanale, wo sich die Sammelgefäße befinden.

Der Boden der Grube ist fest mit Ton oder Moorerde bedeckt, um das

Aufsaugen des Teers in die Erde zu vermeiden.

Über die auf diese Weise hergerichtete Grube wird das Teerholz

kreisförmig, die Enden der Holzstücke der Mitte zu gerichtet,

aufgestapelt, bis der Meiler einen kuppelförmigen, oben abgeplatteten

Bau bildet. Das Ganze wird dann mit Moos, Erde und Torf bedeckt. An

der Peripherie werden mehrere kleine Öffnungen dicht nebeneinander

gelassen, bei welchen der Meiler gleichzeitig angezündet wird.

Diese Öffnungen werden gleich nach dem Anzünden wieder mit Erde und

Torf bedeckt. Den auf diese Weise angezündeten Teermeiler läßt man

so 1–2 Tage ohne Luftzutritt brennen, worauf der Pfropfen von der

oben erwähnten Holzröhre abgenommen wird. Jetzt beginnt der Teer

auszufließen. -- Wenn der Meiler auf diese Weise an der Peripherie

angezündet wird, so sammelt sich der Teer in dem in der Mitte der

Grube befindlichen Holzkasten und fließt durch das Rohr aus. Das

Brennen des Meilers -- unter fortwährendem Ausschluß von Luft --

dauert 4 bis 5 Tage; dann ist aller Teer abgeflossen.

Nach dem Öffnen des Rohres fließt gewöhnlich erst eine Menge dicker

und dunkler Teer aus; dann folgt das Ausfließen des richtigen,

hellbraunen und dünneren Teers. Ist die Hitze im Anfang größer und

dauert das Brennen etwas länger als einen Tag, ehe das Rohr geöffnet

wird, so fließt nach dem Öffnen erst eine geringere Menge sogenanntes

klares «Teerwasser» aus und gleich darauf der richtige, hellbraune

Teer, ohne daß sich erst dicker, pechartiger Teer bildet. Auf diese

Weise wird der Holzteer in Kulunoniemi, dem größten Produktionsort in

Finland, gewonnen. Ein Teermeiler von dieser Größe liefert c. 7500

Liter Teer. (Nach brieflichen Mitteilungen von Frl. ~Richter~ in

Helsingfors.)

[Illustration: Fig. 173.

Fiskolo. Der geflochtene, oben und unten offene Korb zum Pressen der

_Oliven_. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 174.

Italienische _Oliven_-Ölmühlen und -Pressen. Rechts die Fiskoli unter

der Presse. [Aus Chemist and Druggist.]]

Andere Drogen, wie die fetten Öle und Fette, werden durch +Auspressen+,

noch andere, wie die ätherischen Öle, durch +Destillieren mit

Wasserdampf+ aus den Pflanzenteilen oder Harzbalsamen herausgezogen.

Das Auspressen, selbst warmes, dürfte die Fette kaum stark verändern.

Etwas anderes ist es mit den +ätherischen Ölen+. Es darf als sicher

angenommen werden, daß die ätherischen Öle in der Form, wie wir sie

im Handel kennen, nicht in der Pflanze vorhanden sind. Ich habe schon

1890 darauf aufmerksam gemacht, daß der Wasserdampf seine verseifende

Wirkung zweifellos auch hier geltend machen wird und daß die Alkohole,

die wir in den ätherischen Ölen des Handels finden, in der Pflanze

offenbar mit jenen flüchtigen Fettsäuren, die wir im unter den Ölen

stehenden Destillationswasser finden, verestert sind, diese Ester, die

zum Teil wohl «gemischte» sein dürften, aber durch die verseifende

Wirkung des Wasserdampfes gespalten werden. Eine solche Spaltung dürfte

übrigens bisweilen auch schon beim Trocknen eintreten.

[Illustration: Fig. 175.

_Baumöl_gewinnung im XVI. Jahrh.

Nach einem Kupferstich -- gez. von +J. Stradanus+, gestoch. von +Ph.

Galle+ um 1570 -- der sich im germanischen Museum in Nürnberg befindet.

[Aus +Peters+, pharm. Vorzeit.]]

[Illustration: Fig. 176.

Pressen des _Citronen_saftes. Das von der Schale getrennte

Fruchtfleisch wird ausgepreßt und der Preßsaft später auf Calciumcitrat

verarbeitet. [Prof. +Benedicenti+ in Messina phot.]]

[Illustration: Fig. 177.

Schneiden und Trocknen der _Gambier_würfel in einer _Gambier_faktorei

in Singapore. [+Ridley+ phot.]]

[Illustration: Fig. 178.

_Aloë_gewinnung am Kap.

Der Arbeiter schneidet mit einem gekrümmten Messer die Blätter von

_Aloe ferox_ ab.]

[Illustration: Fig. 179.

_Aloë_gewinnung am Kap.

Die aus den abgeschnittenen Blättern von _Aloe ferox_ gebildete Mulde.]

Sehr eigenartig sind die =Methoden der Gewinnung der ätherischen Öle=

ausgebildet worden. Die alte Methode der Destillation mit Wasserdampf

(Fig. 159 bis 164), deren bis ins Unendliche modifizierte Apparatur

wir schon bei ~Brunschwijk~ bewundern (vgl. auch Fig. 9) und die

jedem alten chemischen Laboratorium einen so eigenen malerischen Reiz

verleiht, ist zwar auch heute noch die wichtigste Darstellungsmethode

geblieben (vgl. das Kap. Pharmakochemie), wie außerordentlich aber die

Apparate vervollkommnet wurden, zeigt ein Blick in die Destillierräume

einer modernen Fabrik ätherischer Öle. Daneben sind jedoch für die

Öle, die die doch ziemlich rohe Methode der Dampfdestillation

nicht vertragen, die ja nur Öle mit kräftiger Konstitution aushalten

und die uns so gut wie niemals das Öl in der Form liefert, wie es

in der Pflanze vorhanden ist, andere Methoden eingeführt worden:

die in Grasse geübte +Enfleurage+ (Fig. 169), bei der Fette in der

Kälte das ätherische Öl aufnehmen und der +procédé pneumatique+, bei

dem die Blüten nur ihren Duft an kaltes Fett abgeben. Die ältesten

wohlriechenden Öle waren (wohl warm bereitete) Auszüge von Pflanzen

mittelst fetten Ölen. Das Verfahren wird noch jetzt geübt und

«+Macération+» genannt (Fig. 170). Das Anstechen der Früchte mit der

+Ecuelle à piquer+ (Fig. 172) oder das Andrücken der Fruchtschalen an

einen Schwamm (+Spugna+, +Scorzetta-Prozeß+, Fig. 165 u. 166), wie es

in Italien bei einigen _Aurantieen_früchten geübt wird oder die höchst

eigenartige, wenn auch primitive +Macchina+ (Fig. 167 u. 168), mit der

das _Bergamottöl_ kalt herausgequetscht wird, sind solche sich der

Eigenart gewisser Öle anpassende Methoden.

Ganz dezentralisiert ist die Gewinnung des _Rosenöls_ in Bulgarien, wo

über zahlreiche Dörfer, besonders in der Gegend von Kezanlik, hunderte

von primitiven Destillierblasen zerstreut sind, die nur zur Zeit der

_Rosen_blüte in Tätigkeit gesetzt werden (Fig. 163 u. 164). Dann auch

die Fabrikation von _Oleum pini pumilionis_ in der Schweiz (z. B. im

Emmental). «Flottante Destillierblasen», Alembics voyageants (Fig.

161) finden wir bei den wandernden Destillateuren von _Lavendelöl_,

die die duftenden Berge Südfrankreichs durchziehen und für kurze Zeit

dort ihre Destillerie errichten, wo sie gerade gute Erträge zu erzielen

hoffen. In größeren Fabriken zentralisiert ist dagegen die Fabrikation

der ätherischen Öle bei Miltitz (~Schimmel~ & Co., Taf. III), Pirna

(~Hänsel~), Grasse (~Roure Bertrand Fils~ u. and.).

In die Reihe der Destillationen mit Wasserdampf (s. auch das Kapitel

Pharmakochemie) gehört auch die _Kampfer_destillation in Japan und

China, der dann eine Sublimation des Produktes und -- häufig auch --

eine Komprimierung folgt, die _Colophonium_gewinnung durch Destillation

der _Terpentine_ (Fig. 159 u. 160) -- aber nicht die Darstellung

des «_Harzöles_», das vielmehr durch trockene Destillation des

_Colophoniums_ gewonnen wird. (Vgl. das Detail in meinem Buche: +Harze

und Harzbehälter+, 1906).

[Illustration: Fig. 180.

_Aloë_bereitung am Kap. Der in die Ziegenfellmulde ausgeflossene Saft

wird in Kanister ausgegossen.]

Das Auspressen der fetten Öle, das zuerst, wie es scheint, bei der

_Olive_ (2000 v. Chr. oder noch früher), sehr früh auch bei der

_Mandel_ geübt wurde, ist jetzt durch Einführung der hydraulischen

Plattenpressen, die schon vor 20 Jahren ihren Weg selbst in die

_Cocosöl_pressereien von Ceylon gefunden hatten -- ich sah in den Mills

in Colombo nur noch mit ihnen Öl pressen -- auch in außereuropäischen

Ländern sehr vervollkommnet worden. Wenig, z. B. auf entlegenen

Inseln, findet man noch die alte _Cocosöl_presse (Taf. XVI u.

XVII), in italienischen und südfranzösischen Dörfern die primitive

_Olivenöl_presse (Fig. 174) mit dem Fiscolo (Fig. 173), auf den

Bandainseln und auf Java noch die alte Presse für _Muskatbutter_, wie

sie schon vor 200 Jahren dort üblich war.

Die _Oliven_ kommen in Italien erst in steinerne runde Rinnen mit

rundumlaufenden Mühlsteinen (Frantojo, Fig. 174 links). Dort werden

sie zu Brei gemahlen und dann in die eigenartigen, aus Halphagras

und Baststreifen geflochtenen Körbe, die sog. +Fiscoli+ (Fig. 173)

geschoben. Diese werden, 20–25 Stück übereinander, unter einer

Holzpresse aufgetürmt und dann gepreßt (erste Pressung). Dann kommt

der Preßrückstand in eiserne hydraulische Pressen mit eisernen

durchlöcherten Mänteln, die zu öffnen sind (zweite Pressung),

die Trester liefern dann mit Schwefelkohlenstoff noch 10% Öl

(_Sulfuröl_), der Rest ist gutes Brennmaterial für Dampfmaschinen.

Man rechnet 30% des Gewichts der _Oliven_ Öl, 20% Feuchtigkeit. Das

Öl wird in eigenartigen Filtrierapparaten filtriert, in denen sich

zahlreiche Zylinder aus durchlochtem Blech, die mit einem Siebboden

unten geschlossen und mit Baumwolle gefüllt sind, befinden. Das Öl

kommt dann in eine gemauerte Zisterne (postura). Neuerdings ist mit

Erfolg das Pressen der _Olive_ durch Zentrifugieren der erwärmten

geöffneten Früchte ersetzt worden. Das Verfahren erschöpft die Frucht

vollkommen. Das beste Öl liefern ein wenig vor Vollreife gesammelte

_Oliven_, das meiste, von normaler Beschaffenheit, genau reife.

[Illustration: Fig. 181.

Einkochen des Saftes der _Aloe ferox_ in Kesseln durch Kaffern. Im

Hintergrunde die blühende Pflanze.]

Daß die Gewinnung des _Olivenöls_ in Italien -- unter Benutzung von

Strohkörben -- sich mindestens seit dem XVI. Jahrh. nicht wesentlich

geändert hat, zeigt die Abbildung 175.

Die _Olivenöl_pressung ist in Italien und der Provence ganz

dezentralisiert. Jeder Bauer, der eine gewisse Anzahl von

_Oliven_bäumen besitzt, hat auch seine kleine Ölmühle (trappeto).

Neuerdings wird als Ersatz des _Oliven_öls viel _Arachisöl_ und

_Baumwollsamenöl_ gepreßt.

Eigenartig ist die Gewinnung des _Ricinusöls_ in Indien. Die Samen

werden zuvor erhitzt («geröstet»), durch sanften Druck von den Schalen

befreit und zwischen warmen Plattenpressen gepreßt. Das bei 20–30°

gepreßte ist das beste. Dann steigert man die Preßtemperatur. Das Öl

wird sodann solange mit Wasser gekocht, bis alles «Eiweiß»abgeschieden

ist, die Abscheidung abgeschöpft und das Öl in flachen Gefäßen einige

Tage stehen gelassen. Dann wird es in c. 70 Liter fassende Tonkrüge

gefüllt, die bis zur Öffnung in Erde eingegraben werden (~Schulte am

Hofe~).

Durch Auspressen des von der Schale getrennten Fruchtfleisches der

_Citrone_ wird übrigens auch der _Citronen_saft gewonnen (Fig. 176).

Einige Drogen werden durch =Auskochen= der betreffenden Pflanzenteile

(_Catechu_, _Agar-Agar_) oder durch Anschneiden und =Eindicken= des

ausgeflossenen Saftes (_Capaloë_) dargestellt. Dabei geht man dann in

der Weise vor, daß man die eingedickte, halb erkaltete Masse, sei es

in Würfel (_Gambier_, Fig. 177), sei es in schmale oder prismatische

Stücke (_Agar-Agar_) schneidet oder in Kisten bezw. Kalebassen ausgießt

und in diesen vollends erkalten und erhärten läßt (_Aloë_).

[Illustration: Fig. 182.

Kessel zum Auskochen und Presse zum Auspressen der Lappen bei der

_Perubalsam_gewinnung in San Salvador. [+Preuß+ phot.]]

Die Gewinnung der _Aloë_ aus den Blättern der _Aloë ferox_ habe ich

(1907) nach Berichten von ~Dr. Marloth~ in Kapstadt, wie folgt,

geschildert.

«Die Gewinnung des Saftes geschieht noch immer nach der alten

primitiven Methode. Eine flache Vertiefung im Boden wird mit einer

Ziegen- oder (wo möglich) Pferdehaut bedeckt. Die abgeschnittenen

Blätter (Fig. 178) werden rings herum zu einem kuppelartigen Bau

von 1 m Höhe aufgepackt (Fig. 179). Nach einigen Stunden werden

die Blätter einfach beiseite gestoßen und der ausgelaufene Saft in

ein Gefäß gegossen, das meistens ein leerer Petroleumbehälter ist

(Fig. 180). Am Abend wird dann der Saft in eisernen Töpfen über

freiem Feuer ziemlich achtlos eingekocht (Fig. 181). Diesem Umstande

verdankt die Droge ihre dunkle glasige Beschaffenheit.

Handbuch der Pharmakognosie(#71451) · 第 15 / 33 段