Bei der Entstehung des Indigotins aus Indikan gelegentlich der

_Indigo_fermentierung scheinen Mikroorganismen im Spiele zu sein

(~Schulte am Hofe~). ~Molisch~ und ~van Lookeren-Campagne~ (1899)

schreiben jedoch den Bakterien bei der _Indigo_+fabrikation+ keine

+entscheidende+ Rolle zu, obwohl Bakterien aus Indikan _Indigo_

zu bilden vermögen. Nach ~Molisch~ handelt es sich um einen rein

chemischen Vorgang. ~Rowson~ spricht (1899) von einer diastatischen

Gärung.

Eine eigenartige «Gärung» machen auch die in Indien stets nur

halbtrocken in Ballen verpackten _Patchoulyblätter_ während der Reise

nach Europa im Schiffsraum durch und diese «Gärung» scheint, um ein

erstklassiges Produkt zu erhalten, geradezu notwendig zu sein.

Die Temperatur, die bei den Fermentationen innegehalten wird -- jede

Fermentierung ist ja mit einer Temperaturerhöhung verbunden -- ist

natürlich bei den einzelnen Objekten verschieden. Beim _Cacao_ hält

man im allgemeinen die Temperatur unter 45° für die beste. Auch die

Zeitdauer variiert sehr, selbst bei ein und demselben Objekt (s. oben).

[Illustration: Fig. 122.

_Kaffee_benefiz in Südamerika. Fermentierbassins.

[Aus +Preuß+, Zentral- und Südamerika.]]

[Illustration: Fig. 123.

_Tee_fabrik (Mill) in Ceylon mitten in einer _Tee_plantage. [Aus

+Tschirch+, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]]

Bisweilen, z. B. beim _Kaffee_, hat aber das «Fermentieren» einen

ganz anderen Zweck. Es werden nämlich die Früchte, nachdem sie den

Pulper verlassen haben, in Zisternen der Gärung überlassen (s. oben).

Diese sog. Gärung bewirkt aber nur ein Abfaulen der anhängenden

Fruchtschalreste und scheint auf die Samen selbst ohne Einfluß zu

sein. Daß es sich bei der Fermentierung des _Kaffees_ nur um einen

«äußerlichen»Prozeß handelt, den die Bestandteile der Bohnen nicht

tangiert, geht schon daraus hervor, daß der nicht nach dem nassen oder

westindischen, sondern nach dem trockenen, sog. gewöhnlichen Verfahren

bereitete _Kaffee_, bei dem die +getrockneten+ Früchte direkt geschält,

d. h. von der Fruchtschale befreit werden, sich nicht von dem anderen

unterscheidet.

Das, was die Fermentierung beim _Tee_, _Cacao_ und der _Vanille_

bewirkt, d. h. Spaltung der Primärkörper, wird beim _Kaffee_ durch

das Rösten, bei der _Kola_ durch den Speichel gelegentlich des Kauens

bewirkt.

Die _Coca_, sowohl die bolivianische (Hatun Yemka) als die

peruvianische (Ypara) wird in den Kulturen bisweilen einem merkwürdigen

Prozesse unterworfen. Man läßt die gewelkten Blätter beregnen, bringt

sie in Haufen und durchknetet diese mit den Füßen. Ob bei der Bereitung

dieser dunklen _Coca pisada_ eine Fermentierung stattfindet, kann ich

nicht sagen. Die Farbenänderung deutet auf etwas ähnliches.

Mehrfach ist schon die Frage aufgeworfen worden, als was eigentlich

die «+Fermentation+»zu betrachten ist. Wie schon aus Vorstehendem

hervorgeht, werden mit diesem Namen sehr verschiedene Prozesse

verstanden, denen aber allen offenbar das gemeinsam ist, daß sie von

Enzymen bedingt oder eingeleitet werden, seien es nun solche, die in

der Pflanze vorhanden sind oder solche, die durch Mikroorganismen

(Bakterien, Hefe) erzeugt werden. Faßt man den Begriff Fermentation

so weit, so fällt auch die oben erwähnte des _Kaffee_ noch darunter.

Unter «+Fermentation im engeren Sinne+» wären dann die Prozesse zu

verstehen, bei denen eine mehr oder weniger tiefgreifende Veränderung

+in den Zellen+ der Droge durch ein in diesen vorgebildetes Enzym an

ebenfalls vorgebildeten Primärkörpern (meist wohl Glykosiden) vor sich

geht. Diese Veränderung kann und wird sehr mannigfaltig sein, je nach

der Natur des Enzyms (ob eine Oxydase, ein hydrolytisches Ferment oder

ein anderes Enzym vorliegt) und je nach der Natur der Bestandteile des

der Fermentation unterworfenen Pflanzenteils.

[Illustration: Fig. 124.

Links das Messer zum Schneiden der _Zimt_zweige (Cinnamon cutter,

Catty), rechts die Messer zum Abschaben des Korkes (Scraper). Ceylon.

[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 125.

Scratching the poppy-head (Anschneiden der _Mohn_früchte) in

Vorderindien. [+Hooper+ phot.]]

[Illustration: Fig. 126.

_Opium_gewinnung in Persien (Ispahan und Jesd).

Der erforderliche Dünger für die Mohnfelder wird teils aus Abfällen,

teils in «Taubentürmen» gewonnen (auf dem Bilde links), die entweder

vom einzelnen Landeigentümer für den eignen Bedarf oder auf

Gemeindekosten behufs gleichmäßiger Verteilung der Düngermassen an die

Gemeindeglieder erbaut sind. [Aus +Meyers+ histor.-geogr. Kalender.]]

[Illustration: Fig. 127.

Behandlung des _Opiums_ vor der Ballenformung in Bengalen (Knetung).]

[Illustration: Fig. 128.

Herstellen der Ballen oder Kugeln (balls oder cakes) in Bengalen.]

[Illustration: Fig. 129.

Trockenraum der Kugeln in Bengalen.]

[Illustration: Fig. 130.

Ballenmagazin in Bengalen.

[Aus +Wiselius+, De Opium, 1886.]]

In vielen Fällen dürfte es sich um komplizierte Prozesse handeln,

namentlich um hydrolytische Spaltungen +und+ Oxydationen. Aber auch

Synthesen und Abbau, Entstehung neuer und Vernichtung vorhandener

Körper sind möglich. Sehr oft scheinen die Tannoide eine Rolle zu

spielen, wie ja auch meine eigenen Beobachtungen (s. oben S. 110) und

die Versuche von ~Schulte am Hofe~ am _Tee_ (+Ber. d. pharm. Ges.+

1901) lehren, die nach exakten Methoden wiederholt und auf andere

Drogen ausgedehnt werden sollten.

* * * * *

Der Prozeß, dem die _Citronen_ unterworfen werden, wird zwar

auch als Fermentierungsprozeß bezeichnet, ist aber wohl mehr ein

=Nachreifungsprozeß=. Die _Citrone_ wird grün gepflückt, dann im

«Fermentierhaus» 2–3 Wochen bei einer Temperatur von c. 50° gehalten,

wobei der Zucker «ausschwitzt» (?) und die Schale dünn und gelb wird.

Dann wird die Frucht noch einige Monate einer niedrigeren Temperatur

ausgesetzt.

Das Fermentieren, wie überhaupt die weitere Behandlung der geernteten

Roh-Droge, wie z. B. das Auspressen des _Cocosöls_ (auf Ceylon),

die Destillation des _Zimt_- und _Sternanis-Öls_ (in China), die

Sublimation des _Camphers_ (auf Formosa), findet dort, wo Europäer

die Erntebereitung leiten, in der sog. +Mill+ statt (Fig. 123), die

entweder in der Plantage (Estate, Onderneming) selbst (_Cacao_,

_Kaffee_, _Vanille_) oder in der Nähe des Hafenplatzes (_Cocosöl_)

liegt, wohin das Rohprodukt -- beim _Cocosöl_ die _Copra_ -- gebracht

wird.

[Illustration: Fig. 131.

_Opium_bereitung in Indien. Kleinbetrieb. [Aus +Meyers+ Histor.

geograph. Kalender.]]

Die Mehrzahl der Drogen wird aber nur getrocknet, einige allerdings

ziemlich scharf über dem Feuer (_Mate_, Taf. XIII). Viele werden

allerdings zuvor der =Schälung= unterworfen, «geschält», ein Verfahren,

daß bei Rinden (_Zimt_, _Caneel_, _China plana regia_), Rhizomen

(_Kalmus_, _Iris_, _Ingwer_), Wurzeln (_Belladonna_, _Althaea_) die

Korkschicht (eventuell nebst den Wurzeln), bei Früchten (_weißer

Pfeffer_, _Coloquinthe_) die äußere Schicht der Fruchtschale entfernt.

Beim _Rhabarber_ wird die ganze Rinde bis fast zum Cambium abgeschält.

Umgekehrt ist z. B. bei einigen _Citrus_drogen die äußere Fruchtschale,

die man abschält, das Wertvolle, das durch den Schälprozeß von den

weniger wertvollen inneren Partien abgelöst wird. Bei _Iris_ und dem

_Ceylonzimt_ werden die Schälabfälle zur Öldestillation benutzt.

[Illustration: Fig. 132.

Das Kneten und Formen des Patna_opiums_.]

Das Ablösen der äußeren Fruchtwandpartie bei der Darstellung des

_weißen Pfeffer_ geschieht meist in der Weise, daß man die Früchte

einige Minuten in heißes Wasser bringt und dann durch Schütteln und

Reiben in Bambuskörben die Schicht entfernt, also «abreibt».

[Illustration: Fig. 133.

Naschtars (Nush-turs, Mahurnees) mit Schnur umwickelt zum Anschneiden

der _Mohn_früchte in Indien. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 134 a-c. Türkische _Mohn_ritzer, in Kleinasien

gebräuchlich. ½ nat. Größe. [Nach +Linde+.]]

[Illustration: Fig. 135 a-c. Türkische Mohnritzer, in Kleinasien

gebräuchlich, mit Sägeklinge. a und b ½ nat. Größe, c Klinge 15 cm

lang. [Nach +Linde+.]]

[Illustration: Fig. 136.

_Mohn_ritzer nach +Hesse+, nat. Größe.]

[Illustration: Fig. 137.

Naschtar.]

+Die zum Schälen benutzten Messer+ haben oft eine eigenartige Form. So

z. B. sind die beim _Ceylonzimt_ benutzten (Fig. 124) halbkreisförmig

gekrümmt und haben an jedem oder einem Ende eine Handhabe. Man schält

also meist gleichzeitig mit beiden Händen (vgl. S. 89). Der

_chinesische Zimt_ dagegen wird mit einem hobelartigen Instrumente

geschält (S. 90).

Das indische _Opium_ verdankt einer sehr eigenartigen

Bearbeitungsmethode seine Eigenschaften: der von den Einschnitten

gesammelte Milchsaft wird entweder mit den Füßen oder mit Stangen

solange durchgeknetet (Fig. 131 u. 132), bis keine Flüssigkeit mehr

austritt und dann erst zu «balls» (cakes) in Bengalen (Fig. 127 bis

130) oder rechteckigen Kuchen in Patna (Fig. 132) geformt, während bei

dem kleinasiatischen _Opium_ die Brote direkt aus den abgesammelten

Tränen geformt werden. Auch in Persien wird das _Opium_ einer Massage

unterworfen, «geknetet».

Die Formung der Cakes in Indien ist ein ziemlich umständlicher Prozeß.

Zunächst wird in eine metallene Hohlhalbkugel eine Schicht von

_Mohn_blumenblättern gebracht, die mit Lewah und Pussewah, d. h. dem

bei der Bereitung erhaltenen Waschwasser zusammengeklebt wurden. Ist

die Blattschicht dicht genug, so drückt man das weiche, durch Mischen

auf einen bestimmten Gehalt gebrachte _Opium_ in die Halbkugel ein und

vereinigt dann zwei solche Halbkugeln. Die Cakes, die c. 2 kg wiegen,

sind also von einer dicken Blatthülle umgebene Kugeln.

Noch umständlicher ist die Darstellung des _Rauchopiums_.

[Illustration: Fig. 138.

Situahs (scoops) in Indien zum Abkratzen der eingetrockneten

Milchsafttropfen von den verwundeten _Mohn_kapseln benutzt. [+Tschirch+

phot.]]

Eine sehr merkwürdige Behandlung, die sog. «Kristallisation», erfahren

die vom «Serrapiero» aus den aufgeschlagenen Früchten herausgelösten

und dann getrockneten _Tonkosamen_. «Man füllt die ‚Bohnen‘ in Fässer

von 300 Liter Inhalt bis ungefähr ein Fuß unter den Rand, dann füllt

man das Faß mit Rum und bedeckt es mit Sackleinewand. Nach 24 Stunden

zieht man den Rum, der nicht absorbiert ist, wieder ab und trocknet die

Bohnen an der Luft. Wenn die Bohnen die Fässer verlassen, sind sie fast

schwarz und aufgeblasen und wenn sie getrocknet sind, sieht man auf

ihrer Oberfläche weiße glänzende Kristalle»(von Cumarin).

Eine besondere Behandlung erfahren die Guaranasamen, die mit heißem

Wasser zu einem Brei zerquetscht werden. Ebenso wird _Curare_ und

_Haschisch_ erst durch eine nachträgliche Behandlung und unter Zusatz

verschiedenster Substanzen erhalten.

Ganz anders sind dann wieder die Methoden, die bei der Darstellung

der =Stärkedrogen= benutzt werden. Hier wird das stärkehaltige Gewebe

entweder herausgekratzt, dann in einen Spitzbeutel getan, mit Wasser

ausgewaschen und die Milch in einer Rinne entlang geführt, in der sich

die Stärke allmählich absetzt (_Sagomehl_) oder die stärkeführenden

Organe werden erst zerquetscht, dann der Brei ausgewaschen, die Milch

sedimentieren gelassen und das Sediment getrocknet oder gekörnt

(_Tapioca_, Fig. 140–143). Da die Körnelung oft über leichtem Feuer

erfolgt, findet eine geringe Verkleisterung statt (_Sago_).

Bisweilen geht dem Auswaschen der zerquetschten Organe eine gelinde

Gärung voraus (_Triticum_).

[Illustration: Fig. 139.

+Bereitung des+ _Sagomehls_ auf den Key-Inseln bei Neu-Guinea.

Rechts sieht man zwei Eingeborne, der linke gießt Wasser auf und

zerklopft das Mark der _Sagopalme_ mit einem Stock, der rechte rührt

die Masse auf dem durch den gebogenen Stab straff gehaltenem Siebe

um, so daß ein gleichmäßiger Strom der Stärkemilch in die an den

Bambustäben aufgehängte, aus einem aufgespaltenen und ausgehöhlten

_Sagopalm_stamme bestehende Rinne fließt. In ihr setzt sich die Stärke

zu Boden. Rechts das ausgewaschene «Mark». [+Warburg+ phot. Aus

+Tschirch+, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]]

Die vorzügliche Beschaffenheit des _Maranta-Arrowroot_ rührt von einer

peinlich-sorgfältigen Bereitung her. Die gereinigten Rhizome werden

sorgfältig geschält, dann gewaschen und zu Brei verrieben und das

ausgewaschene Stärkemehl entweder in mit Gaze bedeckten Kupferpfannen

(Bermudas) oder auf Holzhorden (Jamaica) an der Sonne getrocknet.

Das _Koontimehl_ wird in Florida aus der _Zamia integrifolia_ in der

Weise gewonnen, daß die Wurzel von den Eingeborenen in mörserartigen

Löchern eines Baumstammes zerstoßen, der Brei mit Wasser angerieben

und durch eine Tierhaut geseiht wird. Die abgesetzte Stärke wird auf

Palmettoblättern getrocknet.

[Illustration: Fig. 140.

_Tapioca_-Faktorei in den Straits Settlements. Wäsche. [Ridley phot.

1899.]]

[Illustration: Fig. 141.

_Tapioca_-Faktorei in den Straits Settlements. Schlemmerei und

Sedimentiererei. [Ridley phot. 1899.]]

[Illustration: Fig. 142.

_Tapioca_-Faktorei in den Straits Settlements. Körnelung. [Ridley phot.

1899.]]

[Illustration: Fig. 143.

_Tapioca_-Faktorei in den Straits Settlements. Trocknen. [Ridley phot.

1899.]]

[Illustration: Fig. 144.

_Zuckerrohr_mühle in den Padangschen Bovenlanden (Sumatra). [Aus

+Chun+, Tiefen des Weltmeers.]]

[Illustration: Fig. 145.

Rösten des _Crocus_ über heißer Asche in Spanien.]

[Illustration: Fig. 146.

Die abgeschnittenen _Yerba_-Zweige werden durch das Feuer gezogen

(Paraguay). [Aus +Hengstenberg+, Weltreisen.]]

[Illustration:

Tafel XIII

_Yerba Mate_ in dem Schuppen (Carijo) auf einem Gerüste (Girao)

über mäßigem Feuer getrocknet. [Nach einer Photographie.]]

Die Darstellung des _Sago_, des _Reis_ und der _Tapioca_ ist in

meinen +Indischen Heil- und Nutzpflanzen+ eingehend geschildert.

Die Gewinnung des _Sago_ in Singapore schildert ~Schlechter~ (1901)

wie folgt:

Hat die Anpflanzung der _Sago_palmen ihre Reife erreicht, so wird

die Aberntung an Eingeborene verpachtet. Der Pächter läßt in der

Pflanzung einen kleinen Schuppen, unter dem das Raspeln der Stämme

vorgenommen wird, und eine Rohsago-Wäscherei primitivster Art

herstellen. Dann werden die einzelnen Stämme gefällt, ihrer Krone

entblößt und in 4–6 Fuß lange Stücke zerschnitten, die nun auf

_Sago_-Blattrippen, die infolge ihrer Glätte dazu geeignet sind, nach

dem Raspelschuppen gerollt werden, unter dem ein Bock, ähnlich einem

primitiven Sägebock, aufgestellt ist. Nachdem die _Sago_-Stammstücke

geschält sind, werden sie auf diesen Block gelegt und nun geraspelt,

bis sie vollständig in grobe Flocken verarbeitet sind. Das hierbei

in Anwendung kommende Instrument besteht aus einem etwa 1,5 m

langen und ein Fuß breiten Brette mit zwei Handgriffen, durch welches

kurze Nägel getrieben sind, deren hervorragende Spitzen ähnlich wie

eine Stahlraspel sehr bald den fast korkigen _Sago_stamm vollständig

in grobe Flocken zerreiben können. Die so gewonnenen Flocken werden

zunächst auf einer Matte von _Sago_blättern durch Spülen und Treten

gesiebt, das durchfließende Wasser, welches die Stärke ausspült und

in eine Rinne abführt, wird in ein längliches Becken geleitet, in

dem dann die sämtlichen Stärketeile, die sich nicht schon früher

am Grunde der Rinde abgesetzt haben, zu Boden sinken, so daß das

überfließende Wasser ziemlich stärkefrei ist. Nachdem eine genügende

Menge Rohsagospäne in dieser Weise ausgewaschen ist und das Wasser

in Rinne und Becken sich allmählich geklärt hat, wird nach Abfluß

des Wassers der nun fertige Rohsago aus Becken und Rinne entfernt

und aufgestapelt, bis genügend vorhanden ist, um in den Sagofabriken

weiter verarbeitet zu werden. Die in dem Mattensieb zurückbleibenden

Überreste, die aus den Fasern des _Sago_stammes und einer nicht

unbedeutenden Menge daran haftenden _Sagos_ bestehen, werden entweder

sofort entfernt oder mit frischen Spänen noch einmal gewaschen und

dann als Schweinefutter verkauft.

[Illustration: Fig. 147.

Das Sammeln des _Weihrauch_. [Aus Cosmographie universelle Paris 1675].]

Die _Sago_fabriken kaufen den Rohsago von den Eingeborenen an und

reinigen ihn. Der Rohsago wird zu diesem Zwecke unter Wasser zum

größten Teile gelöst und durch dünne Leinentücher mit lockeren

Maschen getrieben. Zurück bleiben die Holzteile, welche als

«_Sago_-Refuse» beiseite geschafft werden. Der durch die Tücher

getriebene _Sago_ setzt sich am Grunde des Kübels ab, das Wasser

wird entfernt und das _Sago_mehl in anderen Kübeln wieder mit Wasser

aufgerührt. Dasselbe kommt nun in lange, nach ihrem Ende zu etwas

abfallende Rinnen mit fließendem Wasser, welche am unteren Ende

durch dichte Tücher, durch welche zwar das Wasser, aber nicht das

_Sago_mehl hindurch laufen kann, verschlossen sind. Je nach der Höhe

des sich am Grunde der Rinne absetzenden _Sago_mehls werden die Enden

der Rinne durch dicht aufeinanderliegende Stäbe verschlossen. Nachdem

so das Ende der Rinne vollständig geschlossen ist, wird das Wasser

abgelassen und das _Sago_mehl in Blöcken entfernt. Ist hiernach

das Mehl noch nicht rein genug, so wird die Prozedur wiederholt.

Schließlich werden die Blöcke, nachdem sie halb getrocknet sind,

zerstoßen und das Mehl durch ruckweises Hin- und Herschütteln in

einem Tuche, das an zwei von der Decke des Schuppens herabhängenden

Seilen befestigt ist, in kleine Kugeln, «Perlen», geformt. Die diese

Arbeit verrichtenden Leute müssen besonders geschickt sein, da

von der Art des Schüttelns die Größe der _Sago_kügelchen abhängt.

Durch Siebe mit verschiedenen Maschen werden diese gesondert und

nun auf heißen Schalen unter beständigem Rühren gedämpft. Nachdem

die Kügelchen vollständig durchgedämpft sind, werden sie durch

wiederholtes Sieben in die gewünschten verschiedenen Größen sortiert

oder alle nur zu einer Qualität verarbeitet. Der noch feuchte

Perlsago wird auf großen Öfen ausgebreitet und vollständig bei

mäßiger Hitze getrocknet (vgl. auch Fig. 141–143).

Die Darstellung des _Sago_ auf den Key-Inseln geht aus der Abbildung

(Fig. 139) hervor.

[Illustration: Fig. 148.

Die Gewinnung der _Asa foetida_ durch Abtragen von Scheiben vom

freigelegten Wurzelkopf mittelst eines eigenartigen Messers. [Aus

+Kämpfer+, Amoenitat. exotici. Lemg. 1712.]]

Ganz anders wieder ist die Darstellung der =Zuckerdrogen=. Hier werden

die zuckerhaltigen Pflanzenteile zerquetscht, zermahlen (Fig. 144)

oder zerschnitten, dann entweder durch Auswaschen oder Diffusion

ihres Zuckers beraubt und die Zuckerlösung eingedampft (_Zuckerrohr_,

_Zuckerrübe_, _Zuckerhirse_), oder der Blütenstand bez. der obere

Teil des Stammes vor dem Austreiben ab- bez. angeschnitten und der

austretende Zuckersaft eingeengt (_Zuckerpalme_ -- _Arenzucker_),

oder endlich die Stämme im Frühjahr angebohrt und der ausfließende

Saft eingedampft (_Zuckerahorn_ -- _Ahornzucker_). Von _Ahornzucker_

werden noch jetzt jährlich 5000 t in Nordamerika erzeugt, meist aus dem

_Steinahorn_ (rock maple), im Westen auch aus dem _Weichahorn_ (swamp

maple).

[Illustration: Fig. 149.

+Verwundungsarten behufs Gewinnung der pflanzlichen Sekrete.+

Bei 1 _Benzoë_, 2 _Tolubalsam_, 3 _Perubalsam_, 4 _Lärchenterpentin_,

5 a und b _amerikan. Terpentin_, 6 _französischer Terpentin_, 7 Mayrs

verbessertes _Harz_gewinnungsverfahren, 8 _Dammar_, 9 _Gummigutt_, 10

_Manna_, 11 _japan. Lack_, 12–15 _Kautschuk_. (Details in +Tschirch+,

Harze und Harzbehälter. 2. Aufl. 1906.) [+Tschirch+ gez.]]

[Illustration:

Tafel XIV

+Amerikanisches Harzungsverfahren.+

Wald von _Pinus palustris_ in Nord-Carolina (Nordamerika), der Harzung

unterworfen, die Stämme mit _Lachen_ und _Box_ versehen.]

[Illustration:

Tafel XV

+Französisches Harzungsverfahren.+

Seestrandfichten im Depart. des Landes «en gemmage à vie». Der «pot»

ist an der «carre» befestigt.

[+Oesterle+ phot.]]

Etwas ganz Besonderes ist das =Brühen= einiger Drogen. Dasselbe wird

vornehmlich bei unterirdischen Reservebehältern angewendet, z. B.

beim _Salep_, dem _grauen Ingwer_, dem _ostasiatischen Ginseng_,

einigen _indischen Aconitknollen_ und des _Curcuma_, und verfolgt

den Zweck, die Organe abzutöten und am nachträglichen Austreiben zu

verhindern. Denn da in den Knollen und fleischigen Rhizomen reichlich

Reservematerial und genügend Wasser vorhanden ist, so werden sie,

wenn die Knospen intakt sind, leicht wieder austreiben, jedenfalls

durch einfaches Trocknen an der Luft nicht gänzlich abgetötet. Bei

einigen Drogen wird der gleiche Effekt durch Erhitzen über freiem Feuer

erzielt. Bei diesen Drogen ist natürlich die Stärke entweder ganz

(_Salep_) oder teilweise (_Jalape_) verkleistert. Bei der _Jalape_ wird

das Gleiche erzielt durch Trocknen der mit Einschnitten versehenen

Knollen über einem Feuer. Auch _Sarsaparille_ wird manchmal am Feuer

getrocknet, da das feuchte Klima in Mittelamerika dies verlangt.

Bei der _Scilla_, die zudem sehr schwer trocknet, wird dagegen das

Ziel dadurch erreicht, daß man die weichen Zwiebelschalen vor dem

Trocknen in Streifen schneidet. Übrigens ist Halbieren oder Vierteln

(_Alant_) oder in Scheiben schneiden (_Colombo_, _Bryonia_) auch sonst

bei dickeren Drogen gebräuchlich, um ein schnelleres Trocknen zu

erzielen -- aber nicht immer zulässig (_Kalmus_, _Filix_). Nur bei den

chinesisch-japanischen Gallen hat das hier gelegentlich geübte Brühen

den Zweck, die die Galle erzeugenden Tiere (_Aphiden_) abzutöten.

[Illustration: Fig. 150.

Verfahren, die Einschnitte für die _Manna_gewinnung in Sizilien zu

machen. [+Benedicenti+ phot.]]

Bisweilen hat aber das Eintauchen in heißes Wasser oder das Erhitzen

über dem Feuer wohl auch einen anderen Zweck. So handelt es sich meines

Erachtens beim Eintauchen der _Vanille_ in heißes Wasser und beim

Erhitzen der frisch gepflückten Blätter bei der Bereitung des _grünen

Tees_ um Abtötung eines Fermentes.

Einer leichten =Röstung= über heißer Asche wird der _Safran_ (Fig. 145)

unterworfen.

In einigen Gegenden (Sierra de Santa Marta) röstet man auch die

_Coca_blätter leicht, und auch der _Mate_ wird leicht geröstet,

richtiger über dem Feuer getrocknet.

Die Röstung der _Yerba Mate_ erfolgt an den Röstplätzen (Fogão) in

der Weise, daß die vom Baume gelösten Zweige zunächst zum Welken

(und Abtöten eines Fermentes?) durch ein nicht rauchendes Feuer

gezogen («Sapecaje», Sapecar, Fig. 146), dann in einem speziellen

Ofen (Barbacuá) 18–36 Stunden weiter erhitzt -- neues Verfahren --

oder in Bündel geschnürt in einem Schuppen (Carijo) auf einem Gerüst

(Girao) über mäßigem Feuer getrocknet (Taf. XIII) werden. Dann läßt man

sie «schwitzen»(fermentieren?). Schließlich werden die auf glatter,

mit einem Tuche belegter Tenne ausgebreiteten Zweige durch Schlagen

mit hölzernen Stäben oder Säbeln (Espada) grob gepulvert oder in

Mühlen gemahlen (Fig. 206). Die nicht durch die Sapecar-Prozedur

vorbehandelten Blätter werden beim Dörren schwarz.

[Illustration: Fig. 151.

Altes Harzungsverfahren in Nordamerika. Abkratzen des Harzes,

Ausschöpfen des Box, Einfüllen in die Fässer und Verladen derselben.

[+Tschirch+, Harze und Harzbehälter.]]

[Illustration: Fig. 152.

Lange Zapfstelle mit aufgelegtem Sauglappen bei einem

_Perubalsam_baume, San Salvador. [+Preuß+ phot.]]

[Illustration: Fig. 153.

Geschälter Baum von _Myroxylon Pereirae_ mit aufgelegtem Lappen in San

Salvador. [+Preuß+ phot.]]

Die Samen von _Paullinia Cupana_ werden bei der _Guarana_bereitung vor

dem Zertrümmern sechs Stunden geröstet.

Handbuch der Pharmakognosie(#71451) · 第 14 / 33 段