Boletus cervin. 25

Bulbus Scillae 18

Cort. Mezerei 50

-- Quercus 40

Flos Acaciae 25

-- Arnicae 20

-- Carthami 20

-- Chamomillae roman. 25

-- -- vulg. 26

-- Lamii alb. 20

-- Lavandulae 39

-- Malvae arbor. 20

-- -- vulg. 20

-- Roeados 18

-- Rosae 24

-- Sambuci 25

-- Tiliae 31

-- Verbasci 19

Fol. Althaeae 15

-- Belladonnae 18

-- Digitalis 20

-- Farfarae 19

-- Juglandis 30

-- Malvae 20

-- Melissae 22

-- Menth. pip. und crisp. 20

-- Nicotianae 20

-- Salviae 22

-- Stramonii 45

-- Trifolii 22

-- Uvae ursi 20

Fruct. Myrtilli 16

Gemma Populi 36

Herb. Absinth. 25

-- Card. bened. 25

-- Centauri 26

-- Cochlear. 8

-- Conii 25

-- Hyoscyami 20

-- Meliloti 28

-- Serpylli 36

-- Thymi 33

-- Violae tricolor 24

Rad. Althaeae 25

-- Angelicae 20

-- Belladonnae 38

-- Helenii 25

-- Levistici 38

-- Liquiritiae 33

-- Ononidis 36

-- Saponariae 32

-- Taraxaci 22

Rhiz. Calami 25

-- Filicis 32

-- Graminis 40

-- Imperatoriae 22

-- Tormentillae 42

-- Valerianae 24

Stipit. Dulcamarae 33

Tubera Colchici 34

+Schon das Trocknen verändert aber das Objekt.+ Schon bei dieser

Operation gehen, selbst wenn sie noch so vorsichtig vorgenommen wird,

an den Bestandteilen Umsetzungen vor sich (vgl. z. B. ~Schoonbrodt~,

Jahresber. d. Pharm. 1869, S. 20). Wir können dies bei einigen

Drogen direkt durch den Geruch feststellen. Frisches _Irisrhizom_

riecht krautig, der Veilchengeruch tritt erst beim Trocknen hervor.

Frische _Aconitknollen_ riechen nach Rettig, frische _Digitalis_- und

_Hyoscyamus_blätter widerlich. Der Wanzengeruch frischen _Corianders_

weicht einem angenehmen Geruche beim Trocknen, frische _Menthablätter_,

frische _Rosenblätter_, frische _Vanillefrüchte_, frische

_Orchisknollen_, frisches _Veratrumrhizom_ riechen anders als trockene.

Dasselbe finden wir bei _Rhiz. arnicae_ und _Rhiz. valerianae_. Viele

werden durch Trocknen geruchlos.

[Illustration: Fig. 107.

Die neue Trockenvorrichtung für _Chinarinde_ auf der

Regierungschinaplantage in Tjibitong (Java). Die Trockenkästen laufen

auf Rollen und können unter das Schutzdach geschoben werden. [Aus

Verslag des Gouvernements Kina-Onderneming Java.]]

[Illustration: Fig. 108.

_Paprika_ bauende Bulgaren bei Szeged in Gyála (Ungarn). [Aus der

Zeitschr. A Kor, +Szabó+ phot.]]

Nur aus frischer _Enzianwurzel_ kann man _Enzian_schnaps bereiten,

nicht aus trockener. Daß die frischen Arzneipflanzen oft Substanzen

enthalten, die beim Trocknen ganz oder fast ganz verloren gehen, zeigte

auch neuerdings die Untersuchung frischer _Baldrianrhizome_ durch

~Pouchet et Chevalier~ (Bull. sc. pharmacol. 1907), die in der frischen

Pflanze ein Alkaloid und ein Glykosid fanden, die beide nicht oder nur

in Spuren in den Drogenauszügen nachzuweisen waren.

Viele pharmazeutische Präparate (_Spir. cochlear_, _Sir. cochlear

cps._, _Sir. mori_, _Sir. rhamn. cathart._, Ph. helv. IV) werden

nur aus der =frischen Pflanze= dargestellt (s. oben). Aus trockener

bereitet, sind sie wirkungslos. Andererseits wissen die Destillateure,

daß man bei einigen Kräutern (_Mentha_) bessere Ausbeuten erhält, wenn

man das getrocknete Kraut benutzt, bei anderen (_Rosa_) aber frische

Pflanzenteile destillieren muß.

Bei einigen Drogen zeigt schon der Farbenwechsel, die =Verfärbung=, daß

das Trocknen allein schon verändernd wirkt. Ich habe (s. oben) gezeigt,

daß sich alle die grünen Pflanzenteile, die einen sauren Zellsaft

besitzen, rasch olivengrün bis braungrün färben. Bei den weißen oder

rosafarbenen _Kolanüssen_ tritt beim Trocknen Rotfärbung ein, die helle

_Chinarinde_ wird schon nach wenigen Sekunden rot. Bei diesen beiden

tritt zweifellos ein Ferment in Aktion und bedingt die Rotfärbung.

Durch fermentative Spaltung eines Glukosides wird hier Chinarot, dort

Kolarot gebildet. Denn wie mich Versuche gelehrt haben, unterbleibt die

Rotbildung, wenn man das Ferment abtötet, bevor die _Kola_ getrocknet

oder die _Chinarinde_ abgelöst wird. Etwas ähnliches findet offenbar

bei dem _Tormentillrhizom_, der _Weiden_- und _Eichenrinde_, den

_Nelken_, der _Ratanhiawurzel_ statt, die alle sich beim Trocknen in

Rot verfärben.

[Illustration: Fig. 109.

Das Trocknen der _Paprika_-Früchte bei den ungarischen Bauern in

Szeged. [Aus d. Zeitschr. A Kor, +Schwalm+ gez.]]

Der Standard-Versuch ist von mir 1905 publiziert worden (Schweiz.

Wochenschr. f. Chem. u. Pharm. 1905, Nr. 10). Ich berichtete daselbst

folgendes:

«Bei der _Chinarinde_ hatte ich in Java 1889 beobachtet, daß die

Rinde unmittelbar nach dem Ablösen farblos ist, sich aber schon nach

fünfzehn Sekunden rötet. Ich habe nun durch Versuche festzustellen

gesucht, ob die nach dem Ablösen eintretende Rötung unterbleibt,

wenn man vor dem Ablösen der Rinde den Zweig bis zu einer Temperatur

erwärmt, bei der Fermente abgetötet werden.

Die Versuche sind nach meinem Plane in der Gouvernements Kina

Onderneming in Mitteljava und zwar in der Plantage Tirtasari

(Bandoeng) zuerst von Herrn Dr. ~van Leersum~, dann von Herrn ~J.

Victor Sibinga~ ausgeführt worden.

I. +Versuchsreihe.+ Die Zweige wurden abgeschnitten und sofort in

ein Becherglas mit Wasser von 80° gebracht. Sie blieben darin 1½

Stunden. Wurde nun die Rinde vom Holzkörper abgelöst, so war sie

farblos und blieb farblos auch bei nachherigem Trocknen (selbst

in der Sonne). Der Versuch mit halbstündigem oder einstündigem

Eintauchen in Wasser von 80° lieferte das gleiche Resultat.

II. +Versuchsreihe.+ Die Zweige wurden abgeschnitten, sofort in

einen Dampfsterilisationsapparat gebracht und während 1½ Stunden

dem Dampfe von ca. 80° ausgesetzt, ohne mit dem Wasser selbst in

Berührung zu kommen. Wurde alsdann die Rinde vom Holzkörper abgelöst,

so war sie farblos und blieb farblos, auch nach nachherigem Trocknen

(selbst in der Sonne). Der Versuch lieferte das gleiche Resultat,

wenn der Zweig ½ oder eine Stunde im Dampf verweilte.

III. +Versuchsreihe.+ Ein dünner Zweig wurde, ohne von der lebenden

Pflanze abgetrennt zu werden, in eine Schale mit Wasser von 80°

eingebogen und darin ½ Stunde gelassen. Die vom Holzkörper

abgelöste Rinde war farblos und blieb farblos, auch nach dem

Trocknen. Der Versuch lieferte das gleiche Resultat, wenn der Zweig

fünfzehn Minuten im Wasser verweilte.

Die gleichzeitig ohne vorherige Behandlung mit Wasser von 80° oder

Dampf vom gleichen Zweige abgelöste Kontrollrinde färbte sich stets

rot.

IV. +Versuchsreihe.+ Abgeschnittene Zweigstücke wurden im

Luft-Trockenschrank bei 80° ½, 1, 1½, 2 und 3 Stunden gehalten.

Stets trat nach Ablösen der Rinde Rötung ein. Doch nahm die Rötung

parallel der Dauer des Versuches ab. Diese Rötung trat sogar noch

ein, wenn der abgeschnittene Zweig im Luft-Trockenschranke ½ Stunde

auf 100° erhitzt wurde.

Aus diesen Versuchen geht hervor, daß in der Tat ein Enzym die Rötung

der _Chinarinde_ bedingt und zwar ein Enzym, das durch Wasser von

einer Temperatur von 80° schon nach einer 15 bis 30 Minuten dauernden

Einwirkung zerstört wird, resp. nach dieser Zeit nicht mehr wirksam

ist, das aber trockener Wärme länger widersteht.

Wahrscheinlich handelt es sich in der _Chinarinde_ um ein

Glukotannoid, das nach dem Ablösen der Rinde durch das Enzym

gespalten und dessen einer Spaltling entweder das Chinarot selbst

ist, oder der zu Chinarot umgebildet wird.

Jedenfalls sind wir aber schon jetzt berechtigt vorauszusagen, daß es

sich bei der Bildung der anderen, ‚Rote‘ ebenso verhalten wird wie

bei _Cola_ und _China_.»

Den pflanzlichen Enzymen, die von ~Schönbein~ entdeckt und in neuerer

Zeit besonders von ~Bach~, ~Chodat~, ~Schär~ und ~Bourquelot~ zum Teil

gerade mit Rücksicht auf Arzneipflanzen studiert wurden, kommt offenbar

eine große Bedeutung nicht nur im Leben der pflanzlichen Zelle, bei der

Stoffbildung und dem Stoffumsatz, sondern auch bei den postmortalen

Veränderungen innerhalb der Arzneidrogen zu. Wir wissen freilich noch

wenig über die chemische Natur dieser Substanzen. Wir kennen nur einige

ihrer Eigenschaften. Ich habe gezeigt, daß sie alle die Pyrrol- +und+

die Furfurol-Reaktion geben, also wohl Übergangsglieder zwischen den

Eiweißsubstanzen und den Hemicellulosen darstellen.

[Illustration:

Tafel XI

Der gestapelte Tabak in der Fermentierscheune in Sumatra.

[Nach +Haarsma+, Der Tabaksbau in Deli.]]

[Illustration: Fig. 110.

Das Innere einer Fermentierscheune für _Tabak_ in Sumatra mit den

Pressen. [Phot. im Kew Museum.]]

[Illustration: Fig. 111.

Brechen des _Cacao_ auf Samoa. [Aus Deutsch. Kolonialzeit.]]

[Illustration:

Tafel XII

Coffee Pulping Mill inmitten einer Kaffeeplantage im Hochlande von

Ceylon.

Links Trocknen der Samen auf Matten, vorn rechts die Haufen der

Fruchtschalen.]

Eine ganze Anzahl von Drogen werden nach dem Einsammeln noch einer

besonderen Behandlung unterworfen, die direkt auf eine chemische

Veränderung der Drogen hinzielt. Die wichtigste dieser Prozeduren ist

das sog. =Fermentieren=. In vielen Fällen handelt es sich hierbei

wohl um einen Gärungsprozeß, wie schon die Erwärmung zeigt, die dabei

regelmäßig beobachtet wird. Bisweilen lassen sich, wie bei dem _Cacao_,

sogar noch die Gärungspilze, die _Saccharomyceten_, in dem anhaftenden

Fruchtfleisch der Droge nachweisen, von denen es freilich zweifelhaft

ist, ob sie die Erreger oder nur Begleiter der eigentlichen

Fermentierung sind (s. unten S. 118). In anderen Fällen scheint aber

keine eigentliche Gärung, sondern eine andere Fermentwirkung hierbei

in Frage zu kommen. Die durch Übereinanderschichten der Droge erzielte

Temperatur steigert dann nur die Wirkung des in den Zellen der Droge

selbst enthaltenen Fermentes. So haben wir uns nach meinem Dafürhalten

z. B. die Fermentierung des _schwarzen Tees_ in der Weise verlaufend

zu denken, daß das Kaffeinglukosid durch das Ferment, welches in den

Teeblättern nachgewiesen ist, gespalten und Kaffein und Teerot, dem der

_schwarze Tee_ seine Farbe verdankt, gebildet wird. Diese Auffassung

erhält dadurch ihre Stütze, daß die Teerotbildung nach Abtöten des

Fermentes unmittelbar nach der Pflückung, wie es beim _grünen Tee_

stattfindet, auch bei nachträglichem «Fermentieren» in der Tat

unterbleibt. Auch bei der ersten Operation, der die _Yerbablätter_

unterworfen werden, bei der sie über nicht rauchendem Feuer erhitzt

werden -- der sog. Sapecaje -- scheint ein Ferment abgetötet zu werden.

Denn so behandelte Blätter verfärben sich nachher nicht mehr, während

dies unbehandelte tun.

[Illustration: Fig. 112.

Gärungshaus für _Cacao_ in Trinidad. Der Raum enthält 16 mit Holz

verkleidete Gärkasten (sweatbox) von 1,5 m Höhe, 2 m Länge und 1,5 m

Breite. Als Wärmeisolator dient eine 20 cm dicke Gras-Lehmschicht.

[+Preuß+ phot.]]

Eine Fermentwirkung scheint auch bei der _Vanille_bereitung

vorzuliegen, wenn die Früchte in Tücher geschlagen «gären» gelassen

werden. Auch hier wird ein Glukosid gespalten. Beim _Tabak_ dürfen wir

etwas ähnliches annehmen. Ja, bei dem ubiquistischen Vorkommen der

Fermente darf angenommen werden, daß die Mehrzahl der Pflanzen, wenn

man sie übereinandergeschichtet einige Zeit sich selbst überläßt, bei

der hierbei eintretenden Erwärmung eine fermentative «Gärung» erleiden

wird.

Daß bei der Fermentierung des _Tabaks_ (Fig. 110 und Taf. XI)

Mikroorganismen beteiligt sind, hat ~J. Behrens~ wahrscheinlich

gemacht. Sollten es nicht, falls Bakterien wirklich beteiligt sind,

durch diese erzeugte Fermente sein, wie ich dies auch bei der

Gummibildung annehme?

~Waghel~ (Chem. Zeit. 1903) vertritt die Ansicht, daß auch das Teearoma

durch eine besondere Hefeart bei der Fermentierung erzeugt werde. Bei

der Fermentierung des Ceylon-_Cacao_ ist eine Hefe, die ~Axel Pregner~

(Tropenpfl. 1901) _Saccharomyces Theobromae_ nannte, beteiligt.

Das +Fermentieren+ des _Cacao_ erfolgt, nachdem die Früchte

«gebrochen» sind. Das «+Brechen+» geschieht entweder in der Weise,

daß man die Früchte auf einen Stein legt und mit einem Knüttel

oder flachem Holzstück darauf schlägt oder dadurch, daß man sie

durch den Schlag mit einem stumpfen Messer (cutlas, machete,

Arit, Gaman) öffnet (Fig. 99 u. 111). Die von den als Düngemittel

brauchbaren Fruchtschalen getrennten Samen werden so rasch wie

möglich in die Fermentierscheunen (Fig. 112–115) gebracht, denn

gebrochener _Cacao_ darf niemals über Nacht draußen bleiben. Hier

werden sie in große viereckige, am besten aus Cedernholz (oder

Zementsteinen) hergestellte Kästen gebracht, deren etwas geneigter

Boden durchlöchert ist und die mit einer Isolierschicht versehen

sind. Die Schicht der Samen soll nicht mehr als 80 cm betragen. Sie

wird mit Bananenblättern bedeckt und mit Brettern beschwert. Die

Gärungszeit ist verschieden bei den Sorten und beträgt 1½–10 Tage.

Ein Zeichen, daß sie normal verläuft, ist das regelmäßige Abfließen

des dem Fruchtmus (der Pulpa) entstammenden «Cacaoessigs» aus den

Löchern am Boden. Alle 24 oder 36 Stunden wird «umgeschaufelt», d. h.

der _Cacao_ in einen anderen Fermentierungskasten hinübergebracht

(Fig. 114). Die Temperatur darf nie so hoch steigen, daß sie der

in der Mitte des Haufens hineingesteckten Hand lästig wird. Man

kontrolliert den Fortgang der Fermentierung durch Aufbrechen einiger

Bohnen und sieht, ob die Nibs (d. h. die Cotyledonen) schon die

richtige Farbe haben. Durch das Fermentieren ändert sich nämlich die

Farbe in hellbraun oder violett, gleichzeitig wird die Bitterkeit

herabgemindert und die Keimkraft der Samen geht verloren.

[Illustration: Fig. 113.

Vorrichtung zum Herausnehmen des _Cacao_ aus dem Gärungshaus in

Trinidad. [+Preuß+ phot.]]

Die aus den Fermentierkästen herausgenommenen fertig gegorenen Samen

gelangen dann in die Trockenhäuser (Fig. 116), werden hier durch

Kneten mit den Füßen, «Tanzen», voneinander isoliert -- sie kleben,

da sehr schleimig, leicht zu Ballen aneinander und man wäscht sie

daher bisweilen vorher -- und werden dann an der Luft oder mit

künstlicher Wärme getrocknet.

Läßt man die gepflückten Früchte auf Haufen liegen, so geraten sie

auch in Gärung. +Diese+ Gärung vermeiden aber die Pflanzer. Die

Frucht wird möglichst bald verarbeitet.

Das Fermentieren in Fässern, Säcken oder Erdgruben führt zu

schlechteren Produkten und kommt immer mehr außer Gebrauch (~L.

Kindt~, 1904).

Bei dem Prozesse scheinen zwei Vorgänge sich abzuspielen. Eine durch

_Saccharomyceten_, die man auch auf der Droge noch leicht nachweisen

kann, bewirkte Alkohol- und dann Essiggärung (s. oben) in dem den

Samen außen anhaftenden Fruchtmuse und eine im Innern der Zellen der

Cotyledonen des geschlossenen Samens sich abspielende «Fermentierung»,

bei der wohl Enzyme (hydrolytische und Oxydasen) in Frage kommen. Ob

diese letztere, eigentliche Fermentierung, auf die es ankommt, von der

erstgenannten bedingt oder beeinflußt wird, läßt sich nicht sagen.

[Illustration: Fig. 114.

Das Innere eines _Cacao_-+Fermentierraumes+ auf Trinidat. Die

Fermentierkästen und das Umschaufeln. [Aus Les grandes cultures.]]

Das Fermentieren des _Tees_ erfolgt in Java und Ceylon, wo ich

es selbst studieren konnte, nachdem das Blatt an der Luft auf

Bambu-Tampirs (Fig. 78) oder aufgespannter Sackleinewand «gewelkt»

und in Maschinen «gerollt» wurde in der Weise, daß man die gerollten,

nunmehr graugrünen Blätter zu Haufen übereinanderschichtet oder in

Fermentierungskästen -- flachen, übereinanderstehenden Kästen mit

niedrigem Rand (mal.: ajakan pejeum) -- solange liegen läßt, bis

die Masse eine rotbraune, sog. «Kupferfarbe»angenommen hat. Dieser

Zeitpunkt ist entweder schon nach 20 Minuten oder erst nach 3–3½

Stunden erreicht. Es hängt dies von der Lufttemperatur ab. In den

höheren Lagen fermentiert der _Tee_ sehr viel langsamer, in den

niederen kühlt man die Teeschichten durch darüber gelegte nasse

Tücher. Der Fortgang des Prozesses, auf dessen richtigen Verlauf

alles ankommt, wird von einem Aufseher fortdauernd kontrolliert

(Fig. 117). Die Temperatur steigt meist nur einige Grade. Nach dem

Fermentieren kommt der _Tee_ in die Trockenmaschinen. _Tee_ muß an

einem Tage fertig gemacht werden.

Der _grüne Tee_ wird nach schwachem Welken sofort in flachen eisernen

Pfannen (Sangrajan), die zu mehreren in gemauerten Behältern sitzen

und durch Holzkohlen erhitzt werden, unter allmählicher Steigerung

der Temperatur «gebraten», dann nach dem Abkühlen gerollt und zu

Klumpen geballt fermentiert. +Er verändert beim Fermentieren seine

graugrüne Farbe nicht.+ Nach dem Fermentieren wird er mit der Hand

fertig gerollt -- meist zu Kügelchen -- und getrocknet.

In +China+ und +Japan+ werden die in Bambukörben befindlichen

Blätter in eigenartigen Ziegelöfen über dem Feuer unter Umrühren

eine halbe Stunde «gewelkt», dann auf viereckigen Brettern oder

Bambuhürden mit erhobenem Rande mit der Hand oder den Füßen «gerollt»

-- wobei der sog. «Teesaft»austritt und vom Tische abfließt. Falls

das Rollen nicht genügend durchführbar war, wird nochmals in

flachen Schalen über dem Feuer erwärmt und schließlich auf flachen

Bambutellern fermentiert. Die Fermentation dauert höchstens eine

Stunde. Die Blätterschicht darf nur 2–3 cm betragen. Man bedeckt

sie während der Fermentation mit baumwollenen Decken. Unmittelbar

nach dem Fermentieren wird der _Tee_ in flachen Schalen oder in auf

gußeiserner Platte ruhenden Bambukörben ohne Böden unter Umrühren

«geröstet», d. h. vorsichtig unter Umrühren über rauchfreiem Feuer

getrocknet (Fig. 118–120).

[Illustration: Fig. 115.

_Cacao_-Fermentierhaus, Seitenwand fortgenommen. a Hölzerner,

unterer, fester Boden aus Cedernholz. b Pfeiler aus hartem Holz. c

auf a aufliegende Cedernholz-Querbalken. d Oberer durchlöcherter,

wegnehmbarer Boden aus Cedernholz. f Innenwand aus Cedernholz. g und h

in Boden und Decke eingelassene Pfähle aus Hartholz. i äußere Wand. k

mit schlechtem Wärmeleiter ausgefüllte Isolierschicht. t Doppeltür. m

gemauerte Steinlage. n Rinne zum Auffangen des «Essig». [Aus +Kindt+,

Kultur des Cacaobaumes.]]

Beim _Kaffee_ wird der im Pulper der Pulping-Mill (Taf. XII)

enthülste, d. h. von der äußeren weichen Fruchtschale befreite

Samen in Zisternen (Fig. 121 u. 122) 2–3 Tage lang «fermentiert»

-- eigentlich faulen gelassen -- besonders zur Zerstörung des

schleimigen Mesocarps, dessen Reste dann in der Washing-Cistern

vollends entfernt werden. Von der «Pergamenthülle» (dem Endocarp)

befreit man die Samen dann im «Peeler».

Bei der _Vanille_ unterscheidet man das +mexikanische oder trockene

Verfahren+ und das +Heißwasser-Verfahren+. Das trockene Verfahren sei

zuerst beschrieben, das die Spanier bereits vorfanden, als sie die

Küstendistrikte von Veracruz betraten, wo die Vanillebereitung auch

heute noch (besonders bei Papantla und Misantla) ihr Zentrum hat.

Die Erntebereitung (el beneficio) der _Vanille_ erfordert große

Geduld, Sorgfalt, Genauigkeit, Umsicht und Erfahrung. Der Vainillero

braucht in +Mexico+ zum Benefizieren: Plattformen, Matten, dunkele

wollene Decken, Kästen zum Schwitzen (event. einen Ofen), gut

ventilierbare, große trockene Zimmer mit Regalen an den Wänden,

Thermometer und Blechkästen (~Preuss~). Zunächst werden die 24

Stunden an der Luft getrockneten gelbgrünen, nicht ganz reifen

Früchte auf wollene, auf der Plattform ausgebreitete Decken in

einfacher Schicht nebeneinander gelegt und mehrere Stunden der Sonne

ausgesetzt, dann in den vorgewärmten, mit Decken ausgeschlagenen

Schwitzkasten gebracht, wo die Schoten durch das Schwitzen («sudor»)

in c. 20 Stunden braun werden. Der Prozeß wird mehrfach wiederholt

und ist in 3–14 Tagen beendet. Dann wird die _Vanille_ auf Regalen

getrocknet. Bei schlechtem Wetter benutzt man Schwitzöfen (poscoyon),

ähnlich den Öfen zum Brotbacken. In diese Öfen wird die _Vanille_

in Paketen (maleta) zu 400–600 Früchten gebracht, die mit wollenen

Decken umhüllt sind. Man steigert die Temperatur bis über 100°,

bisweilen (bei vielen -- über 30 -- maletas) bis auf 125°. Die

Früchte bleiben 16–22 Stunden im Ofen. Dann werden sie noch 20–30

Tage der Luft ausgesetzt.

[Illustration: Fig. 116.

Mit Schornsteinen und verschiebbarem Dach versehenes _Cacao_trockenhaus

auf Trinidad, das mit dem Gärungshaus (links) durch Schienen verbunden

ist. [Nach +Preuß+.]]

[Illustration: Fig. 117.

Das Fermentieren des _Tees_ in Ceylon. Der Arbeiter kontrolliert

den Fortgang der Fermentation. [Aus +Tschirch+, Indische Heil- und

Nutzpflanzen.]]

[Illustration: Fig. 118.

_Tee_bereitung in China über freiem Feuer. [Kew Museum.]]

[Illustration: Fig. 119.

_Tee_fabrikation in Japan. Rollen, Trocknen, die Teebecken über der

Feuerung, die Teekisten. [Aus Les grandes cultures.]]

Das trockene mexikanische Verfahren ist auch nach Réunion gebracht

worden, hat dort aber einige Abänderungen erfahren. Man verwendet

in Réunion in den Öfen bedeutend niedrigere Temperaturen (70–80°),

erhitzt aber längere Zeit (24–36 Stunden) und besonnt die Früchte

nach der Ofenbehandlung oder bringt sie in einen besonderen

Schwitzofen (étuve). Aus diesem gelangt sie in den sechoir.

Auch auf Java wird das trockene Verfahren geübt, doch benutzt

man dort nur Sonnenwärme. Auf Tahiti wird die _Vanille_ nach dem

trockenen Verfahren, aber ohne Anwendung künstlicher Wärme bereitet.

Das +Heißwasser-Verfahren+ stammt aus Südamerika und wurde früher

viel in Réunion geübt. Es besteht darin, daß man zunächst die in

Rotang-Körben befindlichen Früchte einmal in Wasser von 85–90°

kurze Zeit (15–20 Sekunden) eintaucht oder das Eintauchen mehrmals

wiederholt, aber kürzere Zeit (3–4 Sekunden) dauern läßt. Dann

läßt man schwitzen und setzt endlich die Früchte, in Wolldecken

eingeschlagen, der Sonne aus oder bringt sie in Schwitzkästen usw.

Auch dem Dampf sind die Früchte ausgesetzt worden, doch ist man bald

davon abgekommen.

In +Java+ wird die _Vanille_ bisweilen erst in siedendes Wasser

getaucht, dann abgetrocknet, auf Matten gelegt und mit einer wollenen

Decke bedeckt der Sonne ausgesetzt, dann noch warm in wollene Decken

gewickelt. Dies wird täglich wiederholt.

Bei dem +Verfahren in Guiana+ werden die Schoten in Asche gelegt,

bis sie anfangen runzelig zu werden, worauf man sie abwischt, mit

Olivenöl bestreicht, am unteren Ende aufhängt und an der Luft

trocknet.

In +Peru+ taucht man die Schoten in siedendes Wasser und hängt sie

dann 20 Tage lang an der Luft auf.

[Illustration: Fig. 120.

Fermentieren des _Tees_ in China.]

Eine besondere Behandlung erfahren die breiten brasilianischen

_Vanillen_. Nachdem sie in Baumwolle fermentiert worden sind, werden

sie in der Mitte aufgespalten. Dann wird Zucker eingestreut, der

ausfließende Saft abtropfen gelassen und die Früchte darauf schnell

getrocknet.

Das +Ölen+ der _Vanille_ scheint nur in Südamerika (Columbia,

Venezuela, Guiana, Peru, Brasilien) noch üblich zu sein; weder in

Mexico noch auf Réunion wird es geübt.

Von der Pflanze genommene unreife Früchte der _Vanille_ enthalten

kein Vanillin, dasselbe entsteht erst im Fermentierungsprozesse, nach

~Lecomte~ durch eine Oxydase und ein hydrolytisches Ferment. Es würde

also erst Spaltung und dann Oxydation erfolgen, wie bei der Entstehung

des Vanillins aus Coniferin.

Es ist übrigens noch zweifelhaft, ob die Bildung des Vanillins in der

_Vanille_ während des Bearbeitungsprozesses mit «Fermentation», d. h.

der Wirkung eines Fermentes, sei dasselbe nun organisiert oder nicht,

etwas zu tun hat. Es könnte sich auch um eine beim Absterben der Zellen

eintretende Spaltung handeln, bei der Fermente gar nicht beteiligt

sind -- also um ähnliche Vorgänge, wie sie sich bei der Cumarinbildung

in _Ageratum mexicanum_ nach ~Molisch~ und ~Zeisel~ beim Absterben

abspielen und wie sie auch bei _Liatris_ eintreten. Manches spricht

sogar eher für letzteres, da die Temperaturen bei der Vanillebereitung

oft über die Temperatur steigen, bei der Fermente noch aktiv bleiben,

bisweilen sogar 90–125° erreichen, aber ausgeschlossen ist es

keineswegs, daß trotzdem Fermente hier wirksam sind.

[Illustration: Fig. 121.

Grundriß einer _Kaffee_bereitungsanstalt.

[Nach +Semler+, Tropische Agrikultur Bd. I, S. 319].]

Fermentierungsprozesse sind es auch, die bei der ehedem so wichtigen

Waidbereitung und der noch jetzt in beschränktem Maße geübten

Krappfabrikation in Betracht kommen (s. Pharmakochemie).

Handbuch der Pharmakognosie(#71451) · 第 13 / 33 段