Die beim _chinesischen Zimt_ benutzten Messer sind ähnlich (Fig.

85), doch erfolgt das Abschälen des Korkes mit einem hobelartigen

Instrument.

[Illustration: Fig. 86.

Schälen der _Korkeiche_.]

Besondere +Ernteverfahren+ finden wir bei den _Cinchonen_ Javas, wo

man entweder den Baum stehen läßt und die Rinde partiell abschabt

(Ships, Shavings, Schafsel) oder den Baum fällt (Coppicing) und aus

den Wurzelstuppen ähnlich wie beim Schälwaldbetrieb neue Triebe sich

entwickeln läßt oder endlich den Baum samt der Wurzel herausnimmt

(Uprooting). Letzteres Verfahren wird jetzt am meisten geübt. Das

Mossedverfahren, das darauf beruht, daß man Streifen der Rinde ablöst

(Taf. VI), den Baum mit Moos umwickelt und darunter die Rinde sich aus

dem Cambium erneuern läßt (Renewed bark), ist als zu teuer verlassen

(s. im Kap. Pharmakophysiologie).

Bei der Gewinnung des Korkes handelt es sich nicht um Ablösung der

ganzen Rinde, sondern nur der Korkschicht (die Praktiker sprechen

allerdings von «Korkrinde»). Bei der _Korkeiche_ (Fig. 86 bis 91) wird,

nachdem zunächst der «jungfräuliche» Kork entfernt ist, nach 8–10

Jahren der männliche Kork geerntet, der sich dann immer wieder aus dem

Phellogen regeneriert. Man kann also am Stamm alle 8–9 Jahre ernten.

Der Baum wird zuerst geklopft und dann nach Herstellung von zwei Längs-

und zwei verbindenden Quereinschnitten der Kork von der Rinde in großen

Platten vorsichtig abgelöst (Fig. 86 u. 89). Dann wird die äußere rauhe

Schicht durch Schaben (Abraspeln) entfernt und der Kork meist nach

vorherigem Brühen (oder Erhitzen über Kohlen)«geglättet», d. h. die

gebogenen Platten durch Beschweren gerade gestreckt (Fig. 88 u. 90).

[Illustration: Fig. 87.

Fortschaffen des abgelösten _Korkes_ aus dem Walde.]

[Illustration: Fig. 88.

Ausbrühen des abgelösten _Korkes_.]

Die Wurzeln und Rhizome werden mit einfachen Grabscheiten gegraben oder

mit breiten Messern «gestochen». Dies Ausgraben der Wurzeln, Rhizome

und Ausläufer ist nicht immer eine leichte Sache. Beim _Süßholz_

z. B. war das Ausgraben einer Wurzel nebst allen ihren Ausläufern das

Meisterstück der Gärtnerzunft in Bamberg. In Rußland nimmt man dazu den

Pflug zu Hilfe.

Oft folgt dem Graben ein Waschen, d. h. ein Befreien von Erde und

Steinen. Das Waschen der Krappwurzeln war im XIV. Jahrh. nur unter

Kontrolle des «stad gherichte» erlaubt, um sicher zu gehen, daß alle

Steine entfernt waren, da durch sie leicht die Krappmühlen in Brand

gerieten.

[Illustration: Fig. 89.

Bei der _Kork_-Ernte in einem _Korkeichen_walde.]

[Illustration: Fig. 90.

Aufstapeln der _Kork_platten zum «Plätten», d. h. Geradestrecken.]

Das Ablesen der =Früchte= wird nicht überall in der gleiche Weise

besorgt. Die Olivenbäume werden meist geschüttelt und die Früchte

auf unter die Bäume gelegten Tüchern (Fig. 92) aufgesammelt oder mit

Stangen abgeschlagen. Die _Muskatnüsse_ werden in an langer Stange

befestigten, eigenartig geformten Körbchen (Gai-Gai) gesammelt, die

oben eine das Pflücken besorgende Gabel besitzen (Fig. 93). Diese reißt

die Frucht vom Stiel und sie fällt alsdann (durch die Öffnung rechts)

in das Körbchen. Diese Sammelmethode hat ihren bestimmten Grund. Ich

fand nämlich in Indien den Glauben verbreitet, daß, wenn man die

Früchte in brüsker Weise abschlägt, der Baum im folgenden Jahre nicht

trägt. Weniger sorgfältig verfährt man in Java mit den Cacaofrüchten,

die, wo sie mit der Hand nicht erreichbar sind, mit langen Bambusstäben

abgeschlagen werden (Fig. 94). Anders ist das Verfahren in Südamerika.

[Illustration: Fig. 91.

Abraspeln der abgelösten _Kork_platten.]

[Illustration]

«Das +Abernten+ der Cacaofrüchte geschieht in Ecuador in dem unteren

Teile des Stammes mit dem Buschmesser. Für die hochhängenden

Früchte treten die «Tumbadores» in Arbeit. Dieses sind in der

Regel geschicktere, besser bezahlte, alte Arbeiter, welche die

Früchte vermittelst langer, dünner, sehr leichter Bambusstangen,

an deren Ende ein Messer befestigt ist, herunterholen. Das Messer,

«podadera», hat die nebenstehende Gestalt. Es ist an einem etwa

2 m langen Bambusstab, «palanca», befestigt. Außer der «palanca»

trägt der Tumbador noch ein kleines Bündel von Reservebambusstäben

oder Verlängerungsstücken, «embonos», in seiner linken Hand. Die

«embonos»sind so eingerichtet, daß sie mit den Enden ineinander

gesteckt und auch ebenso mit der «palanca» verbunden werden können.

Der «Tumbador» ist so imstande, durch Aus- und Einschachteln

verschiedener Reservestäbe in kurzer Zeit sich eine den jeweiligen

Bedürfnissen entsprechende lange Stange herzustellen. Mit dem am

Ende der Stange sitzenden Messer trennt er durch einen Stoß von

unten die Früchte vom Stamm und den Ästen ab. Bisweilen sind die

gesamten «embonos» bei der Höhe der Stämme nicht ausreichend. In

solchen Fällen wirft der «Tumbador» die Stange mit einem kurzen

Ruck von unten und trifft auch in der Regel so gut, daß das

Messer den Fruchtstiel durchschneidet, die Frucht herabfällt und

gleichzeitig die Stange senkrecht wieder herunterkommt.»(~PREUSS~).

Die gewöhnlichen Sammler des _Cacao_ heißen +Recogedores+ (recogér =

sammeln), die Herausschäler +Sacadores+ (sacár = herausnehmen).

Unter den Olivenbäumen wird in Italien ein Tuch ausgebreitet (s. oben),

auf welches die Früchte beim Schütteln des Baumes fallen. In Portugal

bedient man sich aber auch hier eines gestielten Körbchens, ähnlich dem

Gai-Gai (S. 94).

Die _Baumwoll_früchte werden von der strauchartigen Pflanze in Körbe

abgelesen (Fig. 95–97). Das Pflücken der Baumwolle geschieht in der

Weise, daß man die geöffnete Fruchtkapsel am Strauche läßt und nur

den «Bausch», d. h. die mit den Haaren bedeckten Samen herauszupft.

Neuerdings sind erfolgreiche Versuche gemacht worden, den Bausch statt

mit der Hand zu pflücken mit einer hydraulischen Saugmaschine aus der

geöffneten Kapsel anzusaugen.

Der _Pfeffer_ wird von den auf Leitern stehenden Kulis abgelesen

(Taf. X). Beim _Kaffee_ erreicht man die Früchte mit der Hand (Fig.

98). Die _Umbelliferen_früchte werden oft mittelst eigenartiger Kämme

«abgekämmt».

Dort, wo man nur den Samenkern haben will, wird die Samenschale mit

flachen Hölzern aufgeschlagen, z. B. bei der _Muskatnuß_, oder das

Endocarp zertrümmert, wie bei der _Cocosnuß_, deren Endosperm die

_Copra_ bildet. Die _Cacao_früchte werden mit Messern oder Hölzern

«aufgeschlagen» (Fig. 99).

[Illustration: Fig. 92.

_Oliven_ernte in Italien. Unter dem Baume ist ein Tuch ausgebreitet.]

[Illustration: Fig. 93.

Gai-Gai. Körbchen mit Gabel zum Einsammeln der _Muskatnüsse_.]

[Illustration: Fig. 94.

_Cacao_plantage in Java. Ein malaiischer Arbeiter ist im Begriff, die

Früchte mit einer Bambustange abzuschlagen. [+Tschirch+ phot.]]

Die Ernte des _Carrageen_ erfolgt in der Weise, daß man zur Zeit der

Ebbe die Pflanzen mittelst eiserner Rechen vom Boden abreißt. Zur Zeit

des auf die Springfluten folgenden tiefsten Wasserstandes wird auch mit

der Hand «gepflückt». Die frischroten Algen werden dann in Fässern mit

Süßwasser gerollt und an der Sonne gebleicht. Die Einsammlung der Algen

zur _Agar-Agar_bereitung ist in Fig. 100 dargestellt.

Die Gewinnung der Harze, Balsame und Milchsäfte wird unter

«Erntebereitung» geschildert (s. weiter hinten).

Im folgenden teile ich einen =Sammelkalender= mit, in dem besonders die

wildwachsenden Kräuter Deutschlands berücksichtigt wurden.

Sammelkalender.

+Monat Februar.+

Ligna varia.

Radix Hellebor. nigr.

Viscum quercin.

+Monat März.+

Cortex Frangulae.

-- Hippocastani.

-- Mezerei.

-- Pruni Padi.

-- Quercus.

-- Salicis.

-- Ulmi.

-- Taxi.

Gemmae Populi.

Radix Althaeae (2 jährig).

-- Angelicae (2 jährig).

-- Bardanae (2 jährig).

-- Consolidae maj.

-- Enulae.

-- Lapathi.

-- Levistici.

-- Ononidis.

-- Paeoniae.

-- Petroselini.

-- Taraxaci.

-- Tormentillae.

Rhiz. Ari.

-- Arnicae.

-- Calami arom.

-- Caricis arenar.

-- Graminis.

-- Imperatoriae.

-- Polypodii.

-- Valerianae.

Stipites Dulcamarae.

Sumitates Sabinae.

+Monat April.+

Cortex Quercus.

-- Salicis.

Flores Farfarae.

-- Violae.

Folia Uvae Ursi.

Gemmae Populi.

Herba Hepaticae.

-- Pulmonariae.

-- Pulsatillae.

-- Taraxaci c. rad.

Lichen islandicus.

Radix Bardanae.

-- Caryophyllatae.

-- Cichorei.

-- Consolidae.

-- Enulae.

-- Levistici.

-- Ononidis.

-- Paeoniae.

-- Petroselini.

-- Pimpinellae.

-- Saponariae.

-- Taraxaci c. herba.

-- Tormentillae.

Rhiz. Arnicae.

-- Calami.

-- Graminis.

+Monat Mai.+

Flores Convallariae.

-- Lamii albi.

-- Lilii candidi.

-- Persicae.

-- Primulae veris.

-- Rosmarini.

-- Violae.

Folia Malvae.

-- Pulmonariae.

Herba Brancae ursinae.

-- Capilli Vener.

-- Chelidonii maj.

-- Cochleariae.

-- Conii maculat.

-- Farfarae.

-- Fumariae.

-- Hederae terrestr.

-- Jaceae.

-- Millefolii.

-- Pulmonariae.

-- Rutae.

-- Salviae.

-- Tanaceti.

-- Taxi baccatae.

-- Trifolii.

Radix Actaeae spic.

-- Belladonnae.

Rhiz. Caricis.

Summitates Sabinae.

Turiones Pini.

+Monat Juni.+

Flores Althaeae.

-- Arnicae.

-- Borraginis.

-- Calendulae.

-- Chamomill. rom.

-- Chamomill. vulg.

-- Cyani.

-- Malvae vulg.

-- Rhoeados.

-- Rosarum.

-- Sambuci.

-- Tiliae.

Folia Aurantii.

-- Belladonnae.

-- Cichorei.

-- Digitalis.

-- Farfarae.

-- Hyoscyami.

-- Juglandis.

-- Laurocerasi.

-- Malvae.

-- Melissae.

-- Menthae crisp.

-- Menthae piper.

-- Mercurialis.

-- Salviae.

-- Uvae Ursi.

Formicae.

Herba Absynthii.

-- Aconiti.

-- Arnicae.

-- Borraginis.

-- Capilli Veneris.

-- Centaurii minor.

-- Clematidis.

-- Cochleariae.

-- Fumariae.

-- Gratiolae.

-- Hyssopi.

-- Lapathi acut.

-- Ledi palustr.

-- Marrubii alb.

-- Matricariae.

-- Millefolii.

-- Polygalae amarae.

-- Rhois Toxicodendr.

-- Rosmarini.

-- Rutae.

-- Saponariae.

-- Scabiosae.

-- Scolopendrii.

-- Scordii.

-- Serpylli.

-- Stramonii.

-- Thymi.

-- Veronicae.

-- Violae tricoloris.

Semen Colchici.

+Monat Juli.+

Baccae Ribis.

-- Myrtilli.

Capita Papaveris.

Flores Aurantii.

-- Carthami.

-- Chamomillae roman.

-- Hyperici.

-- Lavandulae.

-- Lilii.

-- Malvae arbor.

-- Tiliae.

-- Verbasci.

Folia Althaeae.

-- Juglandis reg.

-- Laurocerasi.

-- Menth. crisp. et piper.

-- Nicotianae.

Formicae.

Fructus Juglandis immat.

-- Cerasi nigr.

-- Rubi Idaei.

Herba Absynthii.

-- Capilli Veneris.

-- Cardui benedicti.

-- Centaurii min.

-- Chenopodii ambr.

-- Cichorei.

-- Euphrasiae.

-- Galeopsidis grandifl.

-- Hyperici.

-- Lactucae viros.

-- Linariae.

-- Marrubii alb.

-- Majoranae.

-- Meliloti c. fl.

-- Origani vulg.

Herba Pulegii.

-- Saturejae.

-- Scordii.

-- Scabiosae.

-- Tanaceti.

-- Verbasci.

Nuclei Cerasorum.

Secale cornutum.

Tubera Salep.

+Monat August.+

Baccae Mori.

-- Myrtilli.

-- Rubi Idaei.

-- Sambuci.

Flores Althaeae.

-- Lavandulae.

-- Malvae arbor.

-- Meliloti.

Formicae.

Folia Laurocerasi.

Fructus Cannabis.

-- Conii macul.

-- Cynosbati.

-- Elaterii.

-- Hippocastan.

-- Phellandrii.

Glandes Quercus.

Herba Absynthii.

-- Artemisiae.

-- Gratiolae.

-- Meliloti.

-- Saturejae.

-- Virgaureae.

Lactucarium.

Lycopodium.

Radix Hellebori albi.

Rhiz. Arnicae.

Semen Hyoscyami.

-- Lini.

-- Melonum.

-- Papaver.

-- Sinapis.

Tubera Colchici.

-- Salep.

+Monat September.+

Baccae Berberidis.

-- Ebuli.

-- Juniperi.

-- Sambuci.

-- Spinae cervinae.

Cortex nucum Jugl.

Fructus Anisi.

-- Petroselini.

-- Pruni.

Lupulinum.

Poma acidula.

Radix Artemisiae.

-- Belladonnae.

-- Cichorei.

-- Enulae.

-- Gentianae.

-- Liquiritiae.

-- Rubiae tinct.

-- Saponariae.

-- Taraxaci.

Rhiz. Arnic.

-- Calami arom.

-- Filicis maris.

-- Tormentillae.

-- Valerianae.

Semen Sinapis nigr.

-- Stramonii.

Stipites Dulcamarae.

+Monat Oktober.+

Baccae Berberidis.

-- Ebuli.

Baccae Juniperi.

-- Sambuci.

-- Spinae cervinae.

Cortex nucum Jugl.

Fructus Anisi.

-- Petroselini.

-- Pruni.

Lupulinum.

Poma acidula.

Putamina nuc. Jugl.

Radix Angelicae.

-- Althaeae.

-- Artemisiae.

-- Asparagi.

-- Belladonnae.

-- Bryoniae.

-- Cichorei.

-- Enulae.

-- Gentianae.

-- Gratiolae.

-- Lapathi acut.

-- Levistici.

-- Liquiritiae.

-- Rubiae tinct.

-- Saponariae.

-- Taraxaci.

-- Tormentillae.

Rhiz. Ari.

-- Arnicae.

-- Calami arom.

-- Filicis maris.

-- Graminis.

-- Iridis flor.

-- Imperatoriae.

-- Valerianae.

Semen Cydoniae.

-- Sinapis nigr.

-- Stramonii.

Stipites Dulcamarae.

Doch ist mit diesem Kalender nicht viel gesagt. Die Hauptsache ist

die Erfahrung. Ob man ein Kraut vor dem Blühen ernten muß (z. B.

_Card. benedict._) oder bis zur beginnenden oder Vollblüte warten

kann, das hängt von der Pflanze ab. Jedenfalls wird man gut tun, bei

Kräutern nicht die Voll- oder Strohreife abzuwarten. Samen erleiden

auch nach dem Ablesen noch eine sog. «Trockenreife». Die größeren

Wurzeln (_Levisticum_, _Angelica_) werden erst im zweiten

oder dritten Jahre gesammelt, Rad. saponariae kann man das ganze Jahr

sammeln, _Liquiritia_, _Rubia_, _Valeriana_ sammelt man

am besten im Herbst, _Geum_ im Frühjahr.

~Saladin~ bemerkt (1488): «radices in autumno quia tunc tote virtus

herbarum in radicibus est reposita». +Bei ihm findet sich auch der

erste umfangreichere Sammelkalender.+ Auch der +Ricettario fiorentino+

(1567) gibt Sammelvorschriften. Noch älter sind die Angaben im Kalender

des ~Harib~ (961).

In ~Louis Planchon~, +Indications générales sur la récolte et la

conservation des drogues exotiques+ (Bull. Soc. Languedocienne de

Geogr. 1898) findet sich eine recht gute Anleitung, wie man sammeln

soll.

Die =Sammler= haben bisweilen besondere Namen. Die Chinarindensammler

in Südamerika heißen +Cascarilleros+, die Yerbasammler in Südamerika

+Cuadrillas+, die Cacaosammler in Ecuador +Recogedores+.

[Illustration: Fig. 95.

Pflücken der _Baumwolle_ in Georgia U. S. A.

[Nach +Stromeyer & Wyman+.]]

Das =Einsammeln der wildwachsenden Arzneipflanzen= ist in Deutschland

jetzt gegen früher erschwert. Flur- und Forstgesetze schaffen den

Sammlern Schwierigkeiten, wie sie auch den Harzern das Leben sauer

machen. Es müssen Erlaubnisscheine gelöst oder Zutrittsbewilligungen

erworben werden. Selbst _Lindenblüten_ dürfen nicht mehr in den

öffentlichen Anlagen ohne weiteres gebrochen werden. Das Geschäft des

Kräutersammelns ist unrentabel, wird durch Regen und Mißernten gestört

und wirft höchstens einen Tagesverdienst von zwei Mark ab. Es sind

daher meistens Frauen und Kinder, die ihm obliegen. Besser wie in

Deutschland sind die Bedingungen in Rußland, Böhmen, Mähren, Ungarn

und Tirol, die daher steigende Mengen wildwachsender Arzneidrogen

nach Deutschland importieren -- Rußland z. B. _Flor. tiliae_, _Flor.

chamomillae_, _Fruct. sambuci_, _Lycopodium_. Auch die Schweiz kann

ihren Bedarf an Arzneidrogen nicht selbst decken.

[Illustration: Fig. 96.

_Baumwoll_ernte in Amerika (New Orleans). [+Mugnier+ phot.]]

In Deutschland werden wildwachsende Arzneidrogen besonders im

Thüringer Wald, in Franken, im Fichtelgebirge, dem Harz, Erzgebirge

und im Elsaß gesammelt. In Thüringen und Franken wird dieser

Erwerbszweig seit Jahrhunderten betrieben. Die dort gesammelten

Arzneidrogen fließen einerseits in Leipzig, Halle und Dresden,

andererseits in Nürnberg zusammen.

Die Harzer Arzneipflanzen gehen nach Goslar, Ermsleben, Gernrode,

Pansfelde, die württembergischen nach Ebingen (bei Sigmaringen) am

Fuße der Rauhen Alp. In +Ebingen+, einem alten Zentrum für heimische

Arzneidrogen, fließen auch die Sammelerträge der benachbarten Bezirke

(Schwarzwald, Hegau, bayrischer Allgäu, sogar Tirol) zusammen. Das

«Wurzelstechen» füllt die Pause zwischen der Getreideernte und

dem Winter aus. Der Ebinger Händler versendet im Frühjahr seine

Desideratenlisten an die ihm bekannten Sammler oder die Ortsbehörden,

verschickt auch wohl Abbildungen der schwieriger zu erkennenden

Pflanzen oder läßt die Gegenden bereisen und die Einsammlung

überwachen. Die Hauptsammelzeit ist Juni bis August. Nach Ebingen

liefern etwa 3000 Familien Arzneipflanzen. Der Monatsverdienst einer

Sammlerfamilie beträgt nur etwa 40 Mark.

[Illustration: Fig. 97.

Toting cotton (_Baumwoll_ernte) New Orleans.

[+Mugnier+ phot.]]

[Illustration:

Tafel X

Pfeffer-Ernte in Indien (Rioux-Lingga).

Von den möglichst niedrig gehaltenen, um die Stütze sich entwickelnden

Büschen werden die Früchte unter Benutzung kurzer Stehleitern in

Körbchen geerntet.

[Nach +Tschirch+, Indische Heil- u. Nutzpflanzen.]]

Der Gesamtwert aller der Hunderte in Deutschland von heimischen

wildwachsenden Pflanzen gesammelten Arzneidrogen wird auf etwa 2–3

Millionen Mark geschätzt (~W. Breitfeld~, +Der deutsche Drogenhandel+,

Leipzig 1906).

Nachstehende Tabelle gibt eine auf Erkundigungen oder authentische

Quellen gestützte Übersicht über die außerhalb Deutschland gesammelten

wildwachsenden Arzneipflanzen (die deutschen siehe oben Tabelle auf S.

65).

Ausserhalb Deutschlands gesammelte wildwachsende Arzneipflanzen.

+Schweiz.+

Im Kanton Bern werden (nach Angabe von Apotheker ~Mosimann~ in

Langnau) folgende Drogen von wildwachsenden Pflanzen gesammelt:

Flos Acaciae (Prunus spinosa), Fl. und Herb. Arnicae, Fl. Bellidis,

Fl. Farfarae, Fl. Hyperici (c. Herb.), Fl. Millefolii, Fl. Pedis Cati

(Gnaphal. dioic.), Fl. Primulae (von Primula elatior u. P. veris),

Fl. Rhododendri, Fl. Sambuci, Fl. Spiraeae (s. Ulmariae), Fl. Tiliae,

Fl. Violae tricolor, Fl. Urticae, Folium Farfarae, Fol. Malvae, Fol.

Fragariae, Fol. Rubi fruticos., Fol. Salviae (von S. offic. und

S. pratens.), Fol. Trifolii fibr., Herba Aronis, H. Allii ursini,

H. Asperulae, H. Centauri minor., H. Chelidonii, H. Geranii, H.

Nasturtii, H. Saniculae, H. Serpylli, H. Veronicae, H. Violae tric.,

H. Arnicae (frische A.-Pflanze mit Stengel u. Wurzeln zu Tinktur),

Fructus Carvi, F. Juniperi, F. Myrtilli, F. Rubi Idaei, F. Sambuci,

Radix Althaeae (natur. ad. us. vet.), R. Carlinae, R. Consolid.

maj., R. Pimpinell., R. Valerianae, R. Taraxaci, Rhiz. Tormentill.,

Lycopodium, Secale cornut., Lichen island., Morchella esculent.

In der übrigen Schweiz außerdem (nach ~Siegfried-Zofingen~):

Fol. uvae ursi, Herb. sabinae, H. artemisiae, H. convallariae, Fol.

rhododendri, Fol. Jugland., Rad. gentian. (Wallis, Graubünden,

Jura, Uri, Schwyz), Herb. Scolopendrii, H. Achilleae moschat., Sem.

siler. montan., Viscum alb., Rhiz. asari, Rhiz. graminis, Herb. und

Flos monard., Tub. aconit., Sem. colchic., Rhiz. veratri, Herb.

cochleariae, Fruct. Rubi idaei, Flos rhoeados, F. verbasci, Fol. und

Rad. belladonn., Rhiz. filicis, Herb. Serpylli, Cort. Quercus, Turio

pini, Succus Sambuci (Trimmis in Graubünden).

+Frankreich.+

~L. Planchon~ fand in +Nimes+ bei den Herboristen von Juni bis

Oktober:

Rosenschwamm (Bédégars), Wacholderbeeren, Binse (Jonc), Mauerkraut

(Pariétaire), Nußblätter, Spieke (Aspic), Andorn (Marrube), Rosmarin,

Petit chêne, Thé de campagne (versch. Pflanz., oft Sideritis hirsuta

L. u. scordioïdes L.), Natterkraut (Vipérine), Gentian, Blutkraut

(Salicaire), Fenchel, Klette (Bardane), Lorbeer, Wegerich (Plantain),

Ampfer (Patience), Salbei, Sauge sauvage (Phlomis), weiße Nessel

(Ortic blanche), Thymian, wilder Majoran (Origan), Mentha, Quendel

(wilder Thymian, Serpolet), Eisenkraut (Verveine), Nachtschatten

(Douce-Amère), Schafgarbe (Achillée), Granatapfel (Grenade),

wilde Erdbeere (Potentilla), Christdorn (Paliure), Johanniskraut

(Millepertuis) usw. usw.

In +Lyon+: Hopfen (Houblon), Epheu (Lierre terrestre), Beifuß

(Armoise), Königskerze (Bouillon-blanc).

Die Küste liefert: Carrageen und Laminaria.

[Illustration: Fig. 98.

_Kaffee_ernte in Brasilien. [Nach +Hengstenberg+, Weltreisen.]]

+Ungarn.+

Wildwachsende Arzneipflanzen +Ungarns+, die gesammelt werden

(nach ~Augustin~):

Acorus Calamus (Com. Baranya), Alcanna tinctoria (kommt auf sandigen

Stellen der Alföld vor, gesammelt Com. Pest), Althaea officinalis,

Althaea rosea, Artemisia Absynthium (in großen Quantitäten, fehlt

an den sandigen Stellen der Alföld), Atropa Belladonna (in Nord-

u. Ostungarn), Conium maculatum (in größeren Quantitäten auf der

Insel Csepel in der Nähe von Budapest), Datura Stramonium u.

Erythraea Centaurium (überall), Gypsophila paniculata (Com. Temes,

Torontál, Haupthandelsplatz: Szeged), Helleborus niger (Com.

Szabolcs-Naqy-Kálló), Hyoscyamus niger (überall), Juniperus communis

(Nord- u. Südungarn in großen Quantitäten), Malva silvestris u.

rotundifolia (an vielen Stellen), Marrubium vulgare (Westungarn u.

in den nördlichen Teilen der Alföld), Matricaria Chamomilla (überall

in großen Quantitäten, große Ausfuhr), Menyanthes trifoliata (in

Mittel- u. Westungarn), Papaver Rhoeas (an vielen Stellen), Sambucus

nigra (überall), Secale cornutum (an manchen Stellen in Oberungarn

in geringen Quantitäten), Taraxacum officinale (überall), Tilia

platyphyllos u. cordata (an vielen Stellen), Tussilago Farfara

(überall), Veratrum album (in Südungarn u. in Slavonien), Verbascum

Thapsus (an vielen Stellen).

+Mähren.+

Flos. tiliae, Flos. chamom. vulg., Fol. Salviae, Rhiz. asari.

+Böhmen.+

Rhiz. filicis.

+Belgien.+

Wildwachsende Arzneipflanzen +Belgiens+:

Digitalis, Lindenblüten (gute Qualität), Sambucus (Blüten u.

Früchte), Juniperus (wenig), Mutterkorn (wenig).

[Illustration: Fig. 99.

+Das Brechen+ des _Cacao_ in +Trinidad+.

In der Mitte ist der große Haufen reifen _Cacaos_ sichtbar, rechts

davon die auf Bananenblätter aufgeschütteten, aus der Fruchtschale

herausgelösten Samen. Um den Haufen sitzen vor den runden Körben die

Negerinnen, der Neger rechts ist im Begriff, mit seinem cutlas die

in seiner linken Hand ruhende Cacaofrucht zu öffnen. Im Hintergrunde

links schüttet ein Arbeiter die Samen in die auf einem Esel befestigten

Tragkörbe. [Aus +Kindt+, Kultur des Cacaobaumes.]

+Rußland.+

Wildwachsende Arzneipflanzen Rußlands (zusammengestellt von ~W. K.

Ferrein~):

Handbuch der Pharmakognosie(#71451) · 第 11 / 33 段