zugrunde, daß _Thapsia_ (_Th. Silphium_ und _garganica_) nur gegraben
werden dürfe, nachdem die nackten Teile der Haut gehörig eingesalbt
worden waren, denn hier konnte der Milchsaft reizend wirken. Auch
die Vorschrift, die sich bei ~Macbeth~ findet: «Root of hemlock
digg’d i’ the dark» stimmt, wie ~Lander Brunton~ hervorhebt, mit den
pharmakophysiologischen Ergebnissen überein.
Daß Arzneipflanzen erst durch eine besondere Weihe seitens der
Kirche ihre wahre Heilkraft erhalten, ist in katholischen Gegenden
Deutschlands auch heute noch ein allgemein verbreiteter Glaube.
Mariä Himmelfahrt (15. August), der Festtag, an dem auf dem Lande
die Heilkräuter geweiht werden, heißt im Volke ausdrücklich
«Frauenkräutltag»und der Kräutlweih ist ein im XX. (!) Jahrh.
verfaßtes, übrigens recht hübsches Gedicht einer katholischen
Schriftstellerin gewidmet, die unter dem Namen ~M. Herbert~ schreibt.
Es lautet:
Ich ging am Frauenkräutltag
Zur Nacht hinaus in tiefem Schweigen.
Es war kein Mensch im weiten Rund
Und auch kein Sternlein wollt sich zeigen.
So muß es sein! In Nüchternheit
Und ganz allein und ungesprochen
Seit Mitternacht, da hab ich mir
Zur Weih die Kräuter abgebrochen.
Den _Hauswurz_ brach ich, daß er mir
Vorm Blitz behüte meine Seele --
Vorm Blitz, der dir im Auge flammt,
Daß er mir nicht den Frieden stehle.
Den _Baldrian_ ins Gürtelschloß:
Daß ich in Züchten geh’ und Treue,
Daß ich im letzten Stündelein
Mein leichtes Leben nicht bereue.
Den _Gundermann_ als Zauberschutz,
Daß nicht mein Fuß vom Wege irre,
Daß nicht um dein geliebtes Haupt
Zu häufig der Gedanke schwirre.
Den _Wermut_ übers Einfahrttor,
Daß ich das Leben lerne leiden
Auch wenn dein Fuß auf ewig wird
Des Hauses fromme Schwelle meiden.
Wir haben also keinen Grund, auf den Aberglauben des klassischen
Altertums und des deutschen Mittelalters oder den der Naturvölker
hochmütig herabzublicken. Er blüht mitten unter uns, entbehrt aber
nicht der Poesie.
Die +Behörden+ haben wohl nur selten dem Einsammeln von Arzneipflanzen
ihre Aufmerksamkeit gewidmet.
Über das Sammeln der Heilkräuter in Rußland bis zur Zeit Peters des
Großen berichtet ~Lachtin~ (Russ. Arch. 1902) und teilt mit, daß es
tributartig besorgt werden mußte und sich die Bauern gern der lästigen
Pflicht zu entziehen suchten. Unter staatlicher Aufsicht wurden die
pflanzlichen Heilmittel in die Apotheken Moskaus abgeliefert. Dies ist
der einzige mir bekannte Fall einer +zwangsweisen+ Einsammlung von
Heilpflanzen.
[Illustration: Fig. 72.
Schneiden und Entblättern des _Zuckerrohrs_ auf Jamaika.
[Nach +Stromeyer+ & +Wyman+.]]
~Herzog Ernst der Fromme~ von Sachsen-Gotha erließ 1655 eine Verordnung
an seine Forstbeamten, die in den einzelnen Forstbezirken seines
Landes vorkommenden «nützlichen Kräuter», d. h. die Arzneipflanzen,
zu verzeichnen und nachzuweisen. Auf der Gothaer Bibliothek gibt es
zu dieser Verordnung mehrere solcher Verzeichnisse, dazu auch zwei
Herbarien von Kräutern «so zur Apothek von nötun», aus dem Bezirk von
Heldburg mit 58 verschiedenen Pflanzen und vom Amt Königsberg mit 71
(~G. Zahn~, +Aus Koburg-Gothaischen Landen+ 1903). Beim Nachsuchen
werden sich wohl auch in anderen Gegenden noch solche Verordnungen
finden.
Eine norwegische Medizinalverordnung vom Jahre 1672 förderte die
Errichtung von Kräutergärten bei den Apotheken und Klöstern.
[Illustration: Fig. 73.
Geschlagenes _Zuckerrohr_ der Plantage Solidad. Guantanamo auf Kuba.
[Nach +Stromeyer+ & +Wyman+.]]
[Illustration: Fig. 74.
Das geschnittene und entblätterte _Zuckerrohr_ wird auf Ochsenkarren
verladen und in die Mill gebracht (Kuba).
[Nach +Stromeyer+ & +Wyman+.]]
Wie ~Grosier~ 1787 aus China berichtete, wurde der _Ginseng_, den nur
der Kaiser sammeln durfte, alljährlich durch eine kaiserliche Armee von
10000 Soldaten eingesammelt, für die eine peinliche Ordnung bestand und
die während der sechs Sammelmonate im Freien kampieren mußte.
Die Einsammlung der heiligen _Mistel_ durch die Druiden in Gallien
wurde mit großem Pompe durchgeführt (~Chéruel~). «Nil habent», sagt
auch ~Plinius~, «Druides visco et arbore in que gignetur, si modo sit
robur, sacratius.»
* * * * *
Die Einsammlung der arzneilich angewendeten Pflanzen und
Pflanzenprodukte war ehedem, soweit es sich um +einheimische+ handelte,
ausschließlich Sache der Apotheker oder von diesen beauftragter Leute.
Heutzutage, wo nur in einigen Gegenden noch der Apotheker selbst sich
damit beschäftigt und die Drogen von den Händlern gekauft werden,
ist die Einsammlung meist Sache der Drogenhandlungen geworden, die
die Landbevölkerung zu dem Geschäfte heranziehen. So werden in jede
Drogenhandlung vom Frühjahr bis zum Herbst zahlreiche, meist kleine
Posten eingeliefert, die auf dem flachen Lande von den wildwachsenden
Pflanzen gesammelt wurden. In +größerer+ Menge werden in Deutschland
von wildwachsenden einheimischen Pflanzen jetzt eigentlich nur noch
die sogenannten narkotischen Kräuter (_Digitalis_, _Belladonna_,
_Conium_, _Hyoscyamus_) und Samen, sowie einige Wurzeln und Rhizome
(_Gentiana_, _Filix_, _Calamus_, _Taraxacum_) gesammelt (vgl. im
übrigen die Tabellen auf S. 65). Die Einsammlung, meist seit altersher
in den Händen einiger Familien, geschieht im allgemeinen zu einer
Zeit, die der Höhe der arzneilichen Wirksamkeit des betreffenden
Pflanzenteils entspricht, so daß gegen die Art dieser Einsammlung im
großen und ganzen nichts einzuwenden ist. Auch vor Verwechslung wissen
sich die betreffenden Sammler, trotzdem ihnen eigentliche botanische
Kenntnisse abzugehen pflegen, zu bewahren. Langjährige praktische
Erfahrung ersetzt hier das wissenschaftliche Verständnis. Immerhin
kommen Verwechslungen doch noch da und dort vor. So wird, um nur ein
Beispiel anzuführen, vielfach das aspidinhaltige Rhizom von _Aspidium
spinulosum_ an Stelle des Filixsäure enthaltenden Rhizoms von _Asp.
Filix mas_ gesammelt. Um sich vor diesen Verwechslungen zu bewahren,
sollte zwar der Drogist mit ausreichenden botanischen Kenntnissen
ausgerüstet sein. Da er es jedoch oftmals nicht oder nur in geringem
Maße ist, so liegt es dem Apotheker ob, die von dem Drogisten aus
zweiter Hand gekauften Waren auf ihre Identität und Reinheit zu prüfen.
Damit er dies kann und sich also vor Benachteiligung oder gar vor
schwerem Schaden zu bewahren vermag, muß er pharmakobotanisch gut
geschult sein. Jedenfalls darf es der Apotheker niemals unterlassen,
die gekauften Drogen einer sorgfältigen Prüfung zu unterwerfen, da
es oft genug vorgekommen ist, daß ganz unschuldigen Kräutern giftige
beigemengt waren.
[Illustration: Fig. 75.
Cane Shed. Das geerntete, von den Blättern befreite _Zuckerrohr_ vor
der Verarbeitung (New Orleans).
[+Mugnier+ phot.]]
«Die Einsammlung der nicht narkotischen Kräuter, Wurzeln, Samen usw.
geschieht ebenfalls von der Landbevölkerung. Die «Kräutersammler,
Wurzelgräber, Botaníker» -- mit dem Ton auf dem i -- wie sich die Leute
nennen, suchen die oft nur ihnen bekannten Standorte der betreffenden
Pflanzen zu der Zeit auf, die als die beste durch die Tradition
bezeichnet wird. Selten ist es möglich, sie eines Besseren zu belehren,
wenn die Zeit, in der sie seit altersher die Droge sammelten, sich
vielleicht durch systematische wissenschaftliche Untersuchungen als
unvorteilhaft erwiesen hat. Mit der ganzen Zähigkeit, die den Landmann
auszeichnet, halten sie an ihren Vorurteilen fest, und es ist um
so schwerer, auf diese Sammler durch Belehrung einzuwirken, da sie
auch jetzt noch, wennschon in viel geringerem Maße als früher, beim
Volke selbst in einem gewissen Ansehen stehen, da ihnen «der Pflanzen
Wirkung und Heilkraft» bekannt ist. Sie sind gewissermaßen die Erben
der Rhizotomen Griechenlands und der mittelalterlichen Naturärzte und
fungieren als solche auch auf dem Lande oft genug noch jetzt.
Ein großes, wissenschaftlich noch wenig bebautes Feld der Drogenkunde
ist das, welches sich mit der Frage beschäftigt: +in welchem Monate
besitzt die betreffende Droge die größte Menge ihrer wirksamen
Bestandteile+? Es ist dies eine Aufgabe der Pharmakophysiologie
(s. d.). Erst für eine verhältnismäßig kleine Anzahl Drogen kennen
wir den Zeitpunkt ihres maximalen Gehaltes genau und doch ist die
Kenntnis desselben das Hauptmoment für die Wahl der richtigen
Einsammlungszeit. Auch hier hat freilich der natürliche praktische Sinn
und ein gewisses naturwissenschaftliches Taktgefühl mit divinatorischem
Scharfblick oft das Richtige +erraten+, was nachträglich durch die
Wissenschaft bestätigt wurde (s. oben S. 82). Bei vielen unterirdischen
Reservebehältern z. B. verrät sich die Erfüllung mit Reservematerial
oft schon durch das pralle Aussehen. Immerhin wird darauf stets Bedacht
zu nehmen sein, daß dieselben nur zu der Zeit gesammelt werden, die der
maximalen Erfüllung mit Reservestoffen entspricht, also zu einer Zeit,
wo sie weder noch nicht vollständig erfüllt, noch bereits zum Teil
entleert sind.
[Illustration: Fig. 76.
Einsammlung der _Chinarinde_ in Südamerika. [Nach +Weddell+.]]
Aber auch viele oberirdische Organe, z. B. die Blätter, erreichen nur
zu einer bestimmten Zeit das Maximum ihres Gehaltes an bestimmten
Stoffen. Durchaus nicht immer fällt dies Maximum mit der Höhe der
Entwicklung des betreffenden Organs zusammen. Manche Blätter sind z. B.
an Alkaloiden im jungen Zustande reicher als im ganz alten. Doch kann
man auch hier als Regel aufstellen, daß das Maximum des Gehaltes bei
Blättern kurz vor der Entleerung liegt, die auch das Blatt notwendig
bei der Bildung der Blütenteile erfahren muß. Man kann also ganz
allgemein sagen, daß, +während für Knollen, Rhizome und Wurzeln die
günstigste Einsammlungszeit das zeitige Frühjahr oder der späte Herbst
ist, also die Zeit+, wo sie noch nicht entleert oder schon wieder
gefüllt sind, +Blätter im allgemeinen kurz vor dem Blühen der Pflanze
zu sammeln sind+. Die Dauer der Blütezeit ist meist eine so kurze, daß
eine Zeitangabe für die Blüten überflüssig erscheint»(~Tschirch~ in
+Real-Enzyklopädie d. ges. Pharm.+).
[Illustration: Fig. 77.
Pflücken des _Tees_ in Ceylon. [Nach +Tschirch+, Indische Heil- und
Nutzpflanzen.]]
[Illustration: Fig. 78.
Ablösen der Chinarinde, Sortieren und Stampfen in der
_Cinchonen_plantage Lembang auf Java. Links fertige Ballen und Kisten.
[+Tschirch+ phot.]]
«Digitalisblätter sind vor der Blütezeit ärmer an wirksamen
Bestandteilen als nachher, die Blätter des ersten Jahres daher
ganz verwerflich. Ebenso zieht man, wenigstens in England, bei
_Hyoscyamus_ die Blätter des zweiten Jahres vor. ~Schroff~ hat
(1870) gezeigt, daß _Fructus Conii_ unmittelbar vor der Reife die
größte Menge Coniin enthält. Ebenso verdanken wir demselben den
Nachweis, daß _Tuber Colchici_ bloß zur Blütezeit der Pflanze
kräftig wirkt. _Rhizoma Filicis_ darf nach alten Erfahrungen nur
im Spätsommer gesammelt werden. Auch das +absolute+ Alter der
betreffenden Teile kommt oft in Betracht. So ist zweijährige oder
dreijährige _Radix Belladonnae_ reicher an Atropin als siebenjährige
oder noch ältere, was wohl hauptsächlich dadurch bedingt ist, daß
dieses Alkaloid vorzüglich der Rinde angehört, welche bei älterer
Wurzel weniger in das Gewicht fällt als bei jüngerer; nicht so
schwankend ist der Gehalt der Belladonnablätter. Daß manche Früchte
und Samen vor der Reife Amylum, später mehr Zucker, Öl und andere
Stoffe enthalten, sei gleichfalls erwähnt. Im Safte des _Ecballium
Elaterium_ kommt im Juli reichlich Elaterin vor, aber im September
fehlt dieser stark drastische Körper darin. _Pfeffer_, _Cubeben_,
_Gewürznelken_ sind vor der Reife reicher an ätherischem Öle,
_Chinarinden_ können bisweilen arm an Chinin sein oder sogar keines
enthalten»(~Flückiger-Tschirch~, +Grundlagen+).
[Illustration: Fig. 79.
Ablösen der Zweigrinde in einer jungen _Cinchonen_pflanzung auf Java.
[+Schröter+ phot.]]
In den Kulturen der Arzneipflanzen, besonders in Cölleda, ist auch die
Einsammlungszeit genau geregelt. Leider vertragen die narkotischen
Kräuter den Anbau nur schwer ohne Beeinträchtigung ihrer arzneilichen
Wirksamkeit. Sie entwickeln sich bei guter Pflege zwar üppiger,
verlieren aber an Gehalt. Das liegt hauptsächlich daran, daß die
Kultur meist eine ungeeignete ist und nicht genügend Rücksicht auf die
natürlichen Wachstumsbedingungen der betreffenden Pflanzen genommen
wird (s. oben S. 45).
[Illustration: Fig. 80. Instrumente, die bei der Gewinnung der
_Chinarinde_ benutzt werden. b Sägeartiges Messer, mit dem die Rinde
quer und längs eingeschnitten und abgeteilt wird. a Abgerundete
Messer zum Ablösen der Rinde. [Aus +Tschirch+, Indische Heil- u.
Nutzpflanzen.]]
Die Einsammlung der fremdländischen Drogen ist noch weniger geregelt
als die unserer einheimischen. Unter genauerer Kontrolle stehen auch
hier nur die Kulturen. Bei besonders wertvollen Drogen, wie z. B.
der _Chinarinde_, dem _Opium_, wird auf die Wahl der geeigneten
Einsammlungszeit und Einsammlungsart großes Gewicht gelegt. Im
allgemeinen geht man aber, besonders in den Bezirken, in denen die
Natur in unerschöpflicher Fülle immer von neuem produziert, ziemlich
rücksichtslos vor, sowohl was Zeit als Methode betrifft, und da viele
fremdländische Drogen nicht aus Kulturen stammen, sondern von den
Einheimischen, meist wilden oder halbwilden Völkern, gesammelt werden,
so kann es nicht überraschen, daß sowohl in unverantwortlicher Weise
dabei vergeudet wird, als auch die Einsammlungsart weder geregelt, noch
auf irgend welchen Erwägungen tieferer Art aufgebaut ist. Man sammelt
meist, was und wie man es findet, aufs Geratewohl und verarbeitet die
Droge auf die roheste Weise. Wieviel z. B. jährlich _Kampfer_, _Aloë_,
_Guttapercha_ und _Kautschuk_ vergeudet wird, läßt sich gar nicht in
Zahlen ausdrücken. Hier ist ein Punkt, wo die Kolonisationsbestrebungen
einzusetzen haben.
Beim Einsammeln der Drogen ist wohl darauf zu achten, daß nur derjenige
Teil der Pflanze gesammelt wird, der wirksam ist, daß z. B. die meist
wertlosen Stiele krautiger Pflanzen entfernt werden. Wird dies vom
Sammler selbst verabsäumt, so muß der Drogist oder Apotheker durch
+Auslesen+ das Versäumte nachholen. Nur in den Fällen, wo anhängende
Organe gute diagnostische Merkmale abgeben, die der Droge selbst
abgehen, läßt man sie daran, wie z. B. bei der _Rad. Hellebori viridis_
und _nigri_ die Wurzelblätter, bei der _Digitalis_ das mitgerissene
Stück Stengelepidermis u. a. m.
[Illustration: Fig. 81. Instrumente, die bei der Gewinnung des
_Ceylonzimt_ benutzt werden. a Hackmesser zum Kappen der Sprosse.
b Rundholz aus Zimtholz, mit dem nach dem Ringeln die Oberfläche
gestrichen wird, um den Zusammenhang von Holz und Rinde zu lockern. c
Falzbeinartiges Messer zum Ablösen der Rinde. d Messer zum Abschaben
des Korkes. e Längenmaß für die Fardelen.
[Aus +Tschirch+, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]]
Die Ernte selbst wird natürlich in sehr verschiedener Weise besorgt, je
nach der Natur des Ernteproduktes.
Die Kräuter werden meist mit der Sichel +geschnitten+, die Blätter
mit der Hand abgelöst. Besondere Sorgfalt wird auf das Ablesen der
Blüten verwendet, die einzeln abgelesen und dann in Körben locker
übereinander geschichtet werden, da sie sich sonst leicht verfärben
oder an Duft verlieren (_Rosa_, Fig. 65, _Orangenblüten_ Fig. 63).
Die _Crocusblüten_ werden in Spanien in toto gepflückt (Fig. 68) und
die Narben dann erst zu Haus herausgelöst (Fig. 67). Bisweilen werden
die Blütenknospen, da wertvoller, an Stelle der aufgeblühten Blüten
gesammelt (_Flos. naphae_, _Caryophylli_).
Bei großen umfangreichen Kulturen, wie z. B. denen der _Pfefferminze_
bei Mitcham (U. S. A.), werden zum Schneiden des Krautes Mähmaschinen
benutzt (Fig. 70). Vielfach (z. B. bei _Artemisia pontica_) bedient man
sich der Sense.
Das _Zuckerrohr_ wird vor eintretender Blüte ziemlich dicht über dem
Boden geschnitten (Fig. 71), von den Blättern befreit (Fig. 72 u. 73)
und bis zur Verarbeitung in Schuppen aufgestapelt (Fig. 75).
[Illustration: Fig. 82.
Abschlagen der Stengel und Beseitigen der Seitensprosse und Blätter in
einer _Ceylonzimt_plantage auf Ceylon. [Phot. im Kew Museum.]]
[Illustration: Fig. 83.
Ablösen der Rinde des _Ceylonzimtes_. [Phot. im Kew Museum.]]
Was von den Blättern und wie es gepflückt werden soll, hängt von der
Pflanze ab. Oft weichen die Blätter verschiedenen Alters im Gehalt
voneinander ab. Bei der Teepflanze z. B. ist die terminale Blattknospe
am gehaltreichsten. Beim Pflücken, das mit dem Fingernagel
erfolgt, läßt man hier die Achselknospe stehen, damit eine Erneuerung
stattfinden kann. Das hat natürlich nur bei einer immergrünen Pflanze
wie _Thea_ einen Sinn.
Beim Pflücken des _Tee_ (Fig. 77) kommt es also sehr darauf an, was
gepflückt wird. Das wertvollste ist die +geschlossene+ Gipfelknospe
(in Java: _Pecco rünen_; rünen = schwanger), die durch reichliche
Behaarung silbergrau erscheint (daher Pecco, von Peh-hán = Milchhaar).
Hat sich das Blatt eben von der Knospe abgehoben, so heißt es Pecco
burung (d. h. hohl). Je älter die Blätter sind, um so weniger
sind sie wert. Mehr als Blatt 1–4 wird nie gepflückt. Bei der
Alus-Pflückung in Java wird Blatt 2–4 oder 3½–4 gepflückt, oder
wenn Pecco nicht im Vormonat gesammelt wurde, Pecco und 1–2. Bei der
Katilu-Kotjop-Pflückung Blatt 1–3. Stets wird Sorge getragen, daß die
Achselknospe intakt bleibt, da sich aus ihr Seitensprosse entwickeln.
Über die Pflückung wird genau Buch geführt.
Das Ablösen der Yerbazweige zur Mategewinnung erfolgt in Paraguay
entweder mit langen Messern (machetones) oder eigenartigen Scheren
(secateurs) in ziemlich roher Weise.
Das +Ablösen+ der =Rinde= geschieht entweder am stehenden Baume
selbst (bei den Ships und Shavings der _Chinarinde_) oder von dem
gefällten Baume oder dessen Zweigen bez. Stockausschlägen (_Chinarinde_
[Drogistenrinde], _Ceylonzimt_).
[Illustration: Fig. 84.
Schälen des _Ceylonzimtes_. [Aus +Tschirch+, Indische Heil- und
Nutzpflanzen.]]
Bisweilen werden hierbei eigenartig geformte Messer benutzt (Fig. 80,
81, 85). Bei den gerbstoffhaltigen Rinden muß Sorge getragen werden,
daß nur eisenfreie, also entweder kupferne oder messingne Messer in
Anwendung kommen.
Als Beispiele mögen die Gewinnung der _Chinarinde_ (Fig. 78–80) der
_Cascara Sagrada_ und des _Ceylonzimt_ beschrieben werden.
«Mit einem sägeartigen Messer (Fig. 80, b) wird der Stamm der
_Cinchone_ in Entfernungen von ½ oder ¼ m erst horizontal und
dann auch der Länge nach eingeschnitten (Fig. 78), so daß ein
rechteckiges, ¼, ⅓ oder die Hälfte des Baumumfanges breites Stück
Rinde abgeteilt ist. Dann fährt der Arbeiter oder die Arbeiterin --
denn es sind meist Weiber, die das Schälgeschäft besorgen -- mit
einem stumpfen, breiten und langen und oben abgerundeten dünnen,
kupfernen oder messingenen Messer (Fig. 80 a) (Eisen wird des
Gerbstoffes wegen tunlichst vermieden) zwischen Holz und Rinde und
hebt letztere vorsichtig ab. Anfangs rein weiß, färbt sich die
Innenfläche der Rinde in 15 Sekunden -- wie ich mit der Uhr in der
Hand feststellen konnte -- schön rotbraun, indem die Chinagerbsäure
in Chinarot übergeht, und bald beginnt auch, da die Rindenspannung
ausgelöst ist, das Einrollen zu einer Röhre. Das «Schälen» geschieht
besonders in der Regenzeit, da sich dann die Rinde am leichtesten
loslöst. Ganz anders verfährt man bei den Ästen und Wurzeln. Hier
wird die Rinde mit krummen Messern regellos von dem Holze abgeschabt.
Man legt unter den zu schälenden Ast einige Pisangblätter oder einen
runden Teller, einen Bambutampir, und schabt drauf los, während die
Abschabsel auf die Unterlage fallen»(~Tschirch~, +Indische Heil- und
Nutzpflanzen+).
Die Ernte der _Cascara Sagrada_-Rinde schildert ~Zeig~ (1905)
folgendermaßen: «Die Ernte beginnt gewöhnlich im April oder
unmittelbar nach der Regenzeit, weil da die Bäume am saftreichsten
sind und die Rinde sich am leichtesten abheben läßt und dauert bis
Juli. Man macht um den Stamm ringförmige Einschnitte, immer 2–4 Zoll
voneinander entfernt und schält dann die Rinde bis ungefähr einen
Fuß über dem Erdboden; dann wird der Baum geschlagen und die Äste in
gleicher Weise geschält.»
[Illustration: Fig. 85.
+Instrumente, die bei der Gewinnung des _Zimt_ in Südchina
benutzt werden.+ Links das Messer zur Herstellung der Längs- und
Quereinschnitte in die Rinde. Rechts das Hornmesser zum Ablösen der
Rinde vom Stamm. In der Mitte der Hobel zum Abschälen des Korkes. [Kew
Museum.]]
Die Gewinnung des _Ceylonzimt_ (Fig. 81–84) habe ich (+Indische
Heil- und Nutzpflanzen+) wie folgt geschildert: «An den von den
Blättern befreiten (Fig. 82) Schößlingen werden an den Grenzen der
Internodien zunächst mit einem scharfen Messer Rundschnitte gemacht,
gleich als wolle man den Sproß ringeln. Dann fährt der Arbeiter mit
einem fingerförmigen, 1–1½ dcm langen, aus Zimtholz gefertigten,
runden Holzstücke (Fig. 81, b) wiederholt über die Oberfläche hin,
das Reibholz fest andrückend. Dadurch wird der Zusammenhang der
Rinde mit dem Holze in der Cabiumzone etwas gelockert. Hierauf macht
der Arbeiter mit einem gewöhnlichen Messer gerade Längsschnitte von
Knoten zu Knoten (Fig. 83), von Rundschnitt zu Rundschnitt und hebt
durch geschicktes Einschieben eines stumpfen, oben abgerundeten,
kupfernen, falzbeinartigen Messers (Fig. 81 c) die Rinde vom Holze
ab. Die Wahl des Kupfers oder Messings ist hier wie bei der _China_
durch das Vorhandensein von Gerbstoffen gerechtfertigt; eiserne
Instrumente würden die Rinde schwärzen. Nachdem die Rinde auf diese
Weise kunstgerecht und ohne Verletzungen oder Zerreißungen vom
Holze abgelöst ist, läßt man sie bis zum anderen Tage frei oder
übereinandergepackt welken. Man spricht hierbei wohl auch von einem
«Fermentieren», allein ich glaube nicht, daß wirklich eine Gärung
eintritt. Am anderen Tage werden nun die Rindenröhren von dem Korke
befreit. Dazu dient ein eigentümliches stumpfes Schabemesser, welches
von gekrümmt-halbmondförmiger Gestalt ist (Fig. 81 d) und über die
Rinde in folgender Weise geführt wird. Man legt die gewelkte, daher
sehr biegsame Rindenröhre über einen runden, aus Zimtholz gefertigten
und geglätteten Stock, dessen Durchmesser größer ist als der des
Zimtschößlings, von dem die Rinde genommen wurde. Dadurch wird
bewirkt, daß die Rinde nur die obere Krümmung des Stockes bedeckt,
nicht sich ringsum legt. Dieser Stock ruht auf einem aus drei Bambu-
oder Holzstöckchen gebildeten Dreifuß (Fig. 84). Der Arbeiter oder
die Arbeiterin stellt nun den Dreifuß so vor sich hin, daß der Stock
mit der daraufliegenden Rindenröhre gegen den Körper gerichtet ist,
setzt den rechten Fuß, um das Ganze zu stützen, oben auf den Stock
und schabt mit dem Halbmondmesser vorsichtig den Kork und die grüne
Rinde ab. Auch dies muß sehr sorgfältig gemacht werden, es darf weder
zu viel noch zu wenig entfernt werden. Dann läßt man die geschabten
Rindenstücke wiederum über Nacht liegen und schiebt sie alsdann zu
mehreren (8–10) so in- und aneinander, daß die Enden der einzelnen
Röhren aufeinander stoßen und man schließlich ein Röhrenbündel von
gewünschter Länge erhält. Diese Länge ist auf jeder Estate fest
bestimmt, übrigens nicht überall gleich. Sie wird durch einen Stab
markiert, an dessen Ende sich ein Holzklötzchen befindet (Fig. 81 e).
An diesen Stab werden alle Röhrenbündel gelegt und oben und unten mit
einer Schere auf die Länge des Stabes gekürzt. Das hierbei Abfallende
wird als geringwertigere Ware in den Handel gebracht oder wandert mit
dem Abschabsel (Kork und Mittelrinde), den Ships oder Shavings, in
die Distillerien des ätherischen Zimtöles.»