Sehr alt ist jedenfalls auch die Tabakkultur in Südamerika, die sich

schon vor der Entdeckung Amerikas auch nach Nordamerika bis nach

Canada hin verbreitet hatte. Das alte Mexiko besaß nicht nur die

berühmten königlichen Gärten von Hoaxtepec (bei Mexiko), über die schon

~Cortés~ 1522 an Kaiser Karl V. berichtete und in denen z. B. der

_Perubalsambaum_ (Huitziloxitl) gezogen wurde, sondern auch zahlreiche

andere, vorwiegend der Arzneipflanzenkultur dienende botanische Gärten.

~Fernandez~ berichtet (1514–1523) von Cacaogärten in Mexiko.

Den Garten der Königin ~Ultrogotho~ in Paris (um 560) kennen wir aus

~Fortunatus~ Gedichten.

Die Teekultur in China -- die Teepflanze stammt aus Assam -- ist

alt. Sie scheint bis ins IV. Jahrh. zurückzureichen (?), doch erst

im IX. Jahrh. größeren Umfang angenommen zu haben. In Japan begann

umfangreichere Teekultur erst im XV. Jahrh.

Jedenfalls uralt ist die Kultur der _Hennah_ (_Lawsonia alba_), die

schon in sehr früher Zeit sich von Persien über Indien und Nordafrika

verbreitete. Sehr alt sind wohl auch die Kulturen der als Zuspeise

benutzten _Angelica_ in Island und Norwegen.

Der Anbau des _Krapp_, der ebenfalls schon im Altertum kultiviert

wurde, wurde von ~Karl dem Grossen~ empfohlen, verbreitete sich aber

in Frankreich erst einige Jahrhunderte später, erlosch dann und war im

XVI. Jahrh. fast nur auf Holland beschränkt. Im XVIII. Jahrh. blühte

der Krappbau in Frankreich und wurde von dort aus auch nach dem Elsaß

übertragen. In Böhmen und Schlesien blühte er seit dem XIV. Jahrh.

Den größten Aufschwung nahm der Krappbau im XIX. Jahrh. durch die

Einführung der roten Hosen beim französischen Militär. Jetzt ist er

durch die Entdeckung der künstlichen Darstellung des Alizarins bis auf

kleine Reste vernichtet.

«Der große Wohlstand, der in den letzten Jahrhunderten des

Mittelalters in Deutschland herrschte, wurde nicht zum geringsten

durch den Anbau von Farbpflanzen bedingt»(~Lauterbach~). Es wurden

in erster Linie _Waid_ (_Isatis tinctoria_), dann _Krapp_ (_Rubia

tinctorum_), seltener _Wau_ (_Reseda luteola_), _Scharte_ (_Serratula

tinctoria_) und Färbe-_Ginster_ (_Genista tinctoria_), aber auch

_Safran_ und _Saflor_ für Färbezwecke gebaut, und Deutschland

versorgte besonders mit den zuerst genannten auch das Ausland.

_Waid_, die wichtigste Färbepflanze des Mittelalters, muß aber

schon von den Briten und Galliern um Christi Geburt gebaut worden

sein, von den Slaven wohl schon vor ihrer Unterwerfung unter die

Deutschen. Doch datiert die älteste deutsche Urkunde über größere

Waidkulturen erst aus dem Jahre 1236. Am Ende des XIII. Jahrh.

bestand ein umfangreicher Waidbau besonders in Thüringen, dann bei

Magdeburg, in Sachsen, Braunschweig, Schlesien, am Niederrhein, bei

Nürnberg und in Österreich. Die Dörfer, die _Waid_ bauten, mußten ein

bestimmtes Waidgeld entrichten. Die Erfurter «Waidaristokratie»war

so reich, daß sie 1392 die Mittel für Gründung und später auch für

Erhaltung der ehedem berühmten Universität Erfurt aufbringen konnte,

die also gewissermaßen aus den Erträgnissen der Waidkultur errichtet

wurde. Die Einführung des _Indigo_, die selbst durch die strengsten

Gegenverordnungen aus dem XVI. und XVII. Jahrh. nicht aufgehalten

werden konnte, führte zum Untergange der einst so ertragreichen

Waidanpflanzungen.

Außer _Waid_ wurde _Krapp_ in Deutschland seit den ältesten Zeiten

gebaut und seine Kultur, die besonders im XIV. Jahrh. blühte, hielt

sich am längsten. Die Kultur des _Wau_ scheint dagegen keinen

größeren Umfang erlangt zu haben.

Der _Hanf_ ist sehr wahrscheinlich noch vor der Auswanderung der

Angelsachsen nach Nord-Europa gelangt. Die _Hopfen_kultur wurde aber

erst im Laufe des Mittelalters in Nord-Europa eingeführt (~Hoops~).

Berühmt und eine der größten Sehenswürdigkeiten des Orients war im

Mittelalter der künstlich angelegte, durch den heiligen Quell aufs

beste bewässerte und sorgfältig bewachte Balsamgarten von +Matarea+,

eine Stunde von Kairo, am Rande der Wüste, in dem die besten

Balsamsträucher der Erde (eine Varietät von _Balsamodendron gileadense_

Kunth) gezogen wurden, die den Sultanen von Ägypten den kostbaren

«Balsam»(_Meccabalsam_) lieferten (Fig. 8).

[Illustration: Fig. 8.

Der Balsamgarten von Matarea mit der Bethalle und (links) dem

Bewässerungswerk. Rechts die Gewinnung des Balsams. Aus +Pomet+, Hist.

gen. des drogues 1694. Verkleinert.]

Im Mittelalter, währenddessen sich ja fast das ganze geistige Leben in

die Klöster zurückgezogen hatte, waren in Europa die +Klostergärten+

(auf die ich im historischen Teile noch zu sprechen komme) Hort und

Hüter, und da die Klöster untereinander in Verbindung standen, auch

Verbreiter der Arzneipflanzenkultur. Daß diese auch außerhalb derselben

blühte, ist wohl das Verdienst des +Capitulare de villis et cortis

imperialibus+ ~Karls des Grossen~, dessen Pflanzen noch heute in den

Bauerngärten Frankreichs, Deutschlands, Österreichs und der Schweiz

den Stamm der dort kultivierten Gewächse bilden. Im Mittelalter waren

auch sog. (schon in Pompeji bekannte) =Viridarien=, die den Bedarf

einer Stadt oder einer Apotheke an Drogen zu decken hatten, häufig und

noch im XV. Jahrh. gehörten sie zu einer wohleingerichteten Apotheke

in Italien und Deutschland. Zweifellos ist der zur Westgotenzeit auf

dem Monte Casino gestiftete +Benediktinerorden+ als gemeinsame Quelle

der altdeutschen Gartenkultur und damit auch der der volkstümlichen

Heilkräuter anzusehen. Er war es, der die Heilpflanzenkultur im

Mittelalter über die Alpen brachte und in den Klostergärten

heimisch machte. Sie ist also ein Erbteil der Römer, die man als

die eigentlichen Schöpfer des Gartenbaues überhaupt betrachten muß

(s. d. historischen Teil). In dem um 1240 geschriebenen Werke +De

vegetabilibus libri+ VII gedenkt der Benediktiner ~Albertus Magnus~ in

dem Kapitel de plantatione viridariorum auch der Arzneipflanzenkultur.

Daß _Crocus_ und _Melisse_ im X. Jahrh. in Spanien, _Isatis tinctoria_

schon 1290 um Erfurt, und _Süßholz_ (ursprünglich auf Befehl der

Kaiserin Kunigunde, «culturam liquiritiae saeculi primum XI initio in

agro Bambergensi instituit S. Cuningundis imperatrix» sagt ~Walafridus

Strabo~) im XV. Jahrh. bei Bamberg gebaut wurde, ist sicher. Aber

noch früher, wohl schon im XIV. Jahrh., wurde Süßholz in Italien

kultiviert (~Crescenti~) und auch die spanischen Kulturen sind sicher

sehr alt. Im XV. Jahrh. brachten es die Benediktiner nach Bamberg,

und schon zu ~Cordus~ Zeiten hatte die Kultur dort großen Umfang

angenommen. Auch in ~Walter Ryff~ +Reformierte deutsche Apotheke+,

Straßburg 1573, finden sich einige Angaben über Arzneipflanzenkulturen,

z. B. von _Süßholz_ bei Bamberg. Arzneipflanzenkulturen bestanden

im XVI. Jahrh. in Deutschland vielfach. So berichtet ~Bock~ über

solche des _Coriander_ (er nennt ihn fälschlich _Anis_) bei Metz

und Trier, solche des _Anis_ bei Straßburg und Speier, solche der

_Mandel_ in der Pfalz. Auch _Melisse_ wurde damals viel kultiviert.

~Sebitz~ scheint 1591 den _Kalmus_ bei Straßburg verbreitet zu haben.

(~Sebitzius~, +de alimentorum facultatibus lib. V. Argent.+ 1650).

~Johann Bauhin~ (+Histor. plant.+ II 1650) verpflanzte den _Kalmus_ aus

süddeutschen Gärten nach Montbéliard. Eingeführt und durch Mitteleuropa

verbreitet wurde der _Kalmus_ um 1564 durch ~Clusius~, +dem um

die Arzneipflanzenkultur viel verdienten pater pharmacognosiae+.

_Amygdalus_ wurde in Straßburg, Breslau und Torgau angebaut,

_Angelica_ bei Stettin, im Harz, in Sachsen und in Steiermark. Auch

_Cardobenedicten_ wurde vielfach gebaut. _Kümmel_, der sicher aus

Kulturen stammte, traf ~Anguillara~ als Großhandelsartikel auf der

Rialtobrücke. _Römische Kamille_ ward bei Stolberg, Torgau, Basel,

Straßburg gebaut. ~R. Cysat~ kultivierte in seinem Garten in Luzern

_Kirschlorbeer_.

Auch über Kulturen von _Angelica_ bei Freiburg besitzen wir Nachrichten

aus der ersten Hälfte des XVI. Jahrh. Sie sind längst eingegangen.

_Anis_ und _Fenchel_ wurde schon im XII. Jahrh. in Castilien und Icon

gebaut, _Iris_ im XIII. Jahrh. in der Umgegend von Florenz. Letzteres

berichtet ~Crescenti~, in dessen landwirtschaftlichem Werke +Opus

ruralium commodorum+ aus dem Jahre 1305 wir überhaupt viele Angaben

über Arznei- und Nutzpflanzenkulturen finden. In +Meddygon Myddfai+

(XIII. Jahrh., s. Geschichte) findet sich die Angabe, daß jeder Arzt

für seinen Gebrauch _Aconit_ anbauen solle.

Ein Zentrum der Arzneipflanzenkultur in Italien war in früherer Zeit

+Aquila+ in der Provinz Abruzzo ulteriore secondo, dem Vestinerland,

wo man z. B. _Crocus_ («Safran vom Adler») viel kultivierte, der auch

in England (zwischen Saffron Walden und Cambridge), in der Schweiz

(Wallis, Basel), in Deutschland (Altenburg, Landau, Worms), in

Niederösterreich (Meissau, Ravelsbach, Krems, Melk, Hürm, Loosdorf,

Tullnerfelde), in Ungarn (Neutra und Premsin), in Frankreich (Agen,

Narbonne) ehedem gebaut wurde. Die Aufführung zahlreicher Sorten

_Safran_ in ~Paxis~ +Tariffa+ (1540) deutet auf eine ausgebreitete

Crocuskultur in Italien im XVI. Jahrh. In Italien wurde _Cassia

obovata_ im XVI. Jahrh. bei Florenz gebaut. Sie hie߫toskanische

Senna»und wurde auch in Südfrankreich und Spanien kultiviert.

_Cassia acutifolia_ hatte ~Anguillara~ 1561 in seinem Garten.

_Indigo_pflanzungen befanden sich gar schon 1239 bei Palermo in

Sizilien. Alle diese Kulturen sind jetzt eingegangen.

Im XV. Jahrh. scheint _Indigo_ auch in Spanien gewonnen worden zu

sein (~Häbler~). Das Zuckerrohr kam im XII. Jahrh. aus Indien zuerst

in das Mittelmeergebiet (Malta oder Melite -- _Saccharum meliteum_

--, Candia -- _S. candum_ --, Sizilien), dann (Anfang des XV. Jahrh.)

auf die Azoren und Canaren -- _Canarizucker_ -- und bereits im XVI.

oder Ende des XV. Jahrh. nach Südamerika und Westindien, wo es sich

rasch akklimatisierte. Über die Einführung der Kultur des Zuckerrohres

nach Frankreich im XVI. Jahrh. berichtet ~Fournier~ (+Bull. de Géogr.

histor.+ 1903).

[Illustration: Fig. 9.

Kräutergarten und Destillierherd. Holzschnitt (um 1530) vom Meister des

Trostspiegels.]

~Conrad Gesner~ berichtet in seinen +Horti germanici+ über

Arzneipflanzenkulturen Mitte des XVI. Jahrh. bei sich selbst

in Zürich, durch den Arzt ~Occo~, in Straßburg durch den Arzt

~Massarius~, in Freiburg im Garten der Mönche, in Rom von ~Scipio~ im

Garten von St. Apostoli, dann in Florenz in den Gärten der Herzöge,

in San Gervasio (Venedig) durch den Venezianer ~Petrus Michaelis~ und

durch den Kaufmann ~Joan. Schmidlappius~ in Schorndorf (Württemberg),

und teilt die Liste der von diesen dreien kultivierten Pflanzen mit.

~Petrus Michaelis~ in Vico S. Gervasio in Venedig kultivierte über

70 Arzneipflanzen, darunter: _Sementina ex Oriente_, _Canella seu

Cinnamomum_, _Eugenia caryophyllata_, _Aristolochia_, _Asphodelus_,

_Carus_, _Daucus creticus_, «_Ficus Aegyptica_», _Faenum graecum_,

«_Hyoscyamus aegypticus_», _Hyssopus_, _Nardus montana vera_,

_Mandragora_, _Smilax lenis ex Creta_, _Rhaponticum_, «_Panaces

Chironium_», _Spina cervina_, _Verbascum viscosum ex Creta_ u. a.

In den Gärten der Herzöge von Florenz fanden sich: _Myrtus laurea_,

_Laurocerasus_, _Solanum somniferum verum_, _Thapsia_, _Ferula_,

_Smilax laevis vera_ und einige andere. In ~Schmidlapps~ Garten waren

114 Arzneipflanzen, darunter: _Absinthium rom._, _Alcea hortens._,

_Calendula_, _Caryophyllus turcicus_, _Centaurium majus_, _Coriandrum

venetum_, _Digitalis Fuchsii major_, _Elleborus alb._ und _nig._,

_Gentiana_, _Hyoscyamus alb._, _Iris sylvatica_, _Malva crispa_,

_Melilotus italicus_, _Melissa major_, _Papaver crispum_, _Piper

indicum_, _Pyrethrum odoratum_, _Solanum indicum_ u. a. Wie wir durch

~Bock~ und ~Fuchs~ wissen, wurde zur selben Zeit der nordafrikanische

_Anacyclus Pyrethrum_ in deutschen und (nach ~Dodonaeus~) auch in

holländischen Gärten gezogen. ~Rauwolf~ erwähnt (1583) einen Garten

von Simplicien des Apothekers ~Sebastian Volmar~, Hortulanus des

Herzogs von Württemberg in Eßlingen.

Sehr frühzeitig sind amerikanische Drogen, Nahrungs- und Genußmittel

nach Europa und Asien übergeführt worden, so früh, daß man für einige,

wie z. B. den _Mais_, die _Ananas_, _Capsicum_ und _Guajac_ früher

sogar asiatischen Ursprung annahm oder sie als an beiden Orten heimisch

betrachtete.

_Ananas_ muß schon 1599 in Java kultiviert worden sein, und um die

gleiche Zeit _Mais_ in China. Und auch in Europa wurden frühzeitig

amerikanische Pflanzen angebaut, so z. B. im +Hortus Eystettensis+

schon Mitte des XVI. Jahrh. _Capsicum_, _Helianthus_, _Nicotiana_,

_Lycopersicum_, _Canna_, _Aloe_.

Den _Tolubalsambaum_ zog der Direktor des Chelseagartens bei London,

~Ph. Miller~, aus Samen, die er 1736 aus Cartagena erhalten.

Die ersten Samen der _Nicotiana Tabacum_ brachte der Franziskaner

~André Thevet~ 1558 nach Europa. ~Jaques Gohory~ kultivierte _Nicotiana

Tabacum_ bereits 1572 in Paris.

Wie aus den Küchenausgaben des Piaristen-Konvents in Szeged vom Jahre

1750 hervorgeht, wurde aber erst zu dieser Zeit _Paprika_ in Ungarn in

Klostergärten gebaut (nicht schon 1585!). In ungarischen Wörterbüchern

findet er sich schon 1604. Die Ungarn erhielten den Paprika von den

Südslaven (Bulgaren), wo er «Piperka» genannt wird, diese von den

Griechen (~Augustin~).

_Sassafrasbäume_ wurden schon 1597 und 1633 (~Johnson~) in England

kultiviert.

Berühmt war seinerzeit der Garten von ~John Gerarde~ (1545–1607). Er

war Wundarzt in London und besaß einen botanischen Garten, über dessen

reiche Schätze er einen +Catalogus+ arborum, fruticum ac plantarum tam

indigenarum quam exoticarum in horto Gerardi nascentium (London 1596,

II. Edit. 1599) herausgab. Aus diesem und seinem reich illustrierten

Werke: +The herball or generall historie of plantes+ (London 1597)

erfahren wir viel über damals neu eingeführte oder bekannte, in England

kultivierte Pflanzen und Drogen. So z. B. über _Sarsaparille_ (Ende

des XVI. Jahrh. reichlich eingeführt), über _Cocculus indicus_ (schon

1597 in England bekannt), _Arnica_ (_Calendula alpina_), _Cochlearia

Armoracia_, _Herb. Scopariae_, in Italien kultivierte _Senna_,

_Rosa canina_, _Capsicum longum_ (_Ginnie Pepper_, vor 1597 gut

bekannt), _Mentha viridis_ (_Mentha romana vel sarracenica_, _Common

Garden Mint_), _M. Pulegium_, _Ricinus commun._, _Aschantipfeffer_,

_Orchisknollen_, _Veratrum album_, _Tub. colchici_ (_Mede Saffron_).

Vor 1597 wurden in England kultiviert: _Kirschlorbeer_, _Datura

Stramonium_, _Thymus vulgar._, _Sassafras officin._, _Hopfen_, _Iris

germ._ und _florentin._

~Peter Coudenberg~, ein belgischer Apotheker, «le père de la Pharmacie

belge», wie ihn ~Broeckx~ nennt, kultivierte um die Mitte des XVI.

Jahrh. _Guajacum_ in seinem Garten. Am besten werden wir über das, was

um Amsterdam im XVII. Jahrh. kultiviert wurde, orientiert durch das

von ~Frederic. Ruyschius~ und ~Francisc. Kiggelarius~ herausgegebene

posthume Werk des ~Joh. Commelinus~, +Horti medici Amstelodamensis+

Rariorum tam orientalis quam occidentalis, aliarumque peregrinarum

plantarum descript. et. icones., Amsterd. 1697.

Aus dem XVI. Jahrh. sei noch erwähnt: ~Giambattista Portas~ +Villae+

libr. XII, domus, sylva caedua, sylva glandaria, cultus et insitio,

pomarium, olivetum, vinea, arbustum, hortus coronarius, hortus

olitorius, seges, pratum. Frankf. 1592, ein wichtiges Werk über Land-

und Forstwirtschaft, Gartenbau und Verwandtes, in dem alle erdenklichen

Nutz- und Heilpflanzen und deren Kultur erwähnt werden, z. B. die

Korkeiche, die Stockrose (_Alcea rosea_) u. a. m.

[Illustration: Fig. 10.

Afjun Karahissar. Eines der Zentren der kleinasiatischen

Opiumgewinnung. [Aus +Tchihatcheff+, Asie mineure.]]

_Campherbäume_ wurden 1724 in Leipzig, 1757 in Dresden kultiviert.

Berühmt ist der riesige alte Campherbaum auf der Isola bella. Auch

sonst trifft man Campherbäume allenthalben in Italien, meist in sehr

alten Exemplaren.

Im XVII. Jahrh. erhielt ~Prosper Alpin~ in Baden von Bulgarien durch

den Arzt ~F. Grassus~ in Ragusa _Rheum Rhaponticum_ und kultivierte es.

Auf diese Kulturen ist wahrscheinlich der Rhaponticbau in Westeuropa

zurückzuführen (~Hartwich~).

Im XVII. Jahrh. gab es in Rußland zahlreiche «Apothekengärten», in

denen Heilpflanzen für die Apotheke kultiviert wurden (~Lachtin~).

Im XVII. und XVIII. Jahrh. bestanden durch die Jesuiten angelegte,

jetzt eingegangene Kulturen der _Mate_pflanze in Südamerika.

In neuerer Zeit sind durch den 1907 gestorbenen Deutschen ~Fr. Neumann~

in Paraguay _Yerba-Mate_kulturen angelegt worden, ebenso in Argentinien

durch ~Martin & Co~. Bei dem Raubbau, dem die _Ilex_wälder unterworfen

sind und ihrer weiten Entfernung von bewohnten Gegenden, dürften diese

eine große Zukunft haben.

_Vanille_ wird in Mexiko seit der Mitte des XVIII. Jahrh. kultiviert.

[Illustration: Fig. 11.

Ansicht von Grasse, dem Zentrum der französischen Industrie ätherischer

Öle, links ein alter Olivenbaum.

[+Roure Bertrand fils+ phot.]]

=Anleitungen zur Kultur einzelner Arzneipflanzen= finden sich in

beschränkter Zahl schon bei den Alten. Die erste ausführliche Anleitung

gab aber erst ~Pierre Belon~ in seinen +Remonstrances sur le défaut

du labour et culture des plantes+, et de la connoissance d’icelles,

contenant la manière d’affranchir les arbres sauvages, Paris 1558 (von

~Clusius~ ins Lateinische übersetzt und den Exotica angehängt, s.

Geschichte). ~Belon~, der den Orient kannte, kultivierte selbst einige

Heilpflanzen.

Für die =Akklimatisation außereuropäischer Heilpflanzen= und ihre

weitere Verbreitung wirkten natürlich die botanischen Gärten

außerordentlich nützlich. Gar oft gelangten Samen oder junge Pflanzen

aus der ursprünglichen Heimat zunächst in einen botanischen Garten

Europas und wurden von diesem dann weiter verbreitet. Eignete sich

die Pflanze zur Kultur in Europa, so wurde sie hier angebaut, war

es ein tropisches Gewächs, so wurde sie in eine der Kolonien des

Landes gesandt, dem der Garten gehörte. So bildeten lange Zeit die

holländischen botanischen Gärten die Vermittelung zwischen Amerika

und Niederländisch-Indien. Für die portugiesischen Besitzungen war

der botanische Garten in Coimbra wichtig. Und jetzt versorgt der

Pariser und Marseiller Garten die französischen, der Garten in Kew die

englischen, der Garten in Berlin die deutschen Kolonien.

[Illustration: Fig. 12.

Kina-Etablissement und Chinaplantage in Riung-Gunung (Java) am Rande

des Urwaldes.

[Aus Verslag der Gouvernements Kina-Onderneming Java.]]

Die +Kataloge der botanischen Gärten+ (Verzeichnis in

~Pritzel~, +Thesaurus+) enthalten daher manche Angaben über

Akklimatisationsversuche. So erfahren wir, um nur ein Beispiel

anzuführen, aus einem solchen, daß _Kirschlorbeer_ schon 1654 in

Königsberg kultiviert wurde.

Berühmt ist ja die Rolle, die die botanischen Gärten Hollands,

besonders die von Lüttich und Leiden, in der Geschichte der

Akklimatisation der _Cinchonen_ und der _Vanille_ in Java gespielt

haben. In dem Garten in Lüttich hat ~Morren~ 1836 die künstliche

Befruchtung der _Vanille_ erfolgreich ausgeführt. Durch diese

Versuche wurde die Überführung der _Vanille_ in ein Land, dem die die

Befruchtung vermittelnden Insekten fehlen, erst möglich. (Vgl. auch das

Kap. Pharmakosystematik.)

Tausende von ~Ward~schen Kisten mit lebenden Pflanzen (-- ~Ward~

publizierte sein Verfahren 1842 --) gehen jetzt alljährlich von

den botanischen Gärten Europas in die Kolonien, und Tausende von

Samensendungen der tropischen botanischen Gärten, besonders des

Buitenzorger Gartens bewirken die Verteilung tropischer Gewächse

innerhalb der Tropenzone. Die botanischen Gärten sind die wichtigsten

Vermittler der Kultur von Heil- und Nutzpflanzen geworden. In

zahlreichen tropischen Gärten, wie im Kultur-Tuin in Buitenzorg, in

Peradenija (Ceylon), in Trinidad, in Amani (Ostafrika) u. a. werden

fortdauernd Kulturversuche mit den verschiedensten Arzneipflanzen

(_Coca_, _Kola_, _Calumba_, _Ipecacuanha_, _Cardamomen_, _Jalape_,

_Cinnamomum_, _Myroxylon_ u. a.) gemacht. Die «Reports» berichten

regelmäßig über die Erfolge. Denn die größte Aufgabe, vor die die

+Pharmakoërgasie+ gestellt wurde und fortdauernd noch wird, ist ja die

+Akklimatisation wertvoller Heil- und Nutzpflanzen außerhalb ihrer

Heimat+.

[Illustration: Fig. 13.

Blick auf den Tankubanprahu (Mitteljava) und die ihn bedeckenden

Chinakulturen von Lembang aus. Rechts Reisfelder. [+Tschirch+ phot.]]

Das klassische Beispiel bilden die _Cinchonen_, die durch ~Markham~

und ~Spruce~ in den sechziger Jahren des XIX. Jahrh. aus Amerika nach

Vorderindien, und schon 1854 durch ~Hasskarl~ nach Java gebracht worden

waren und an beiden Orten sich vortrefflich akklimatisierten -- dank

der Einsicht und Energie der leitenden Beamten und der eigenartigen

Verbindung botanischer Kenntnisse, gärtnerischer Geschicklichkeit und

der Sorgfalt chemischer Kontrolle.

«Überblicken wir das ganze Bild der Einführung der Kultur der

_Chinabäume_, so sehen wir, daß sie nicht das Werk +eines+ Mannes,

ja auch nicht einmal +eines Landes+ ist, sondern daß gar viele

anregend, fordernd, selbst mit angreifend, dabei beteiligt waren.

Schon ~Condamine~ hatte 1744 junge Cinchonenpflänzchen nach Europa

bringen wollen. Sie gingen zugrunde wie die Pflanzen von ~Jussieu~.

Dann regten ~Royle~ (1839), ~Falconer~ (1850), ~Fée~ (1842) und

in Holland ~Korthals~ (1829), ~Blume~ (1830), ~Mulder~ (1838),

~Vrolik~ (1839), ~Miquel~ (1846), ~Fromberg~ (1848) immer von neuem

zur Kultur der _China_ an. Dann brachte -- der erste Erfolg --

~Weddell~ 1848 _Calisaya_samen in Paris zum Keimen und erzielte

in den Gärten von ~Thibaut~ und ~Keteleer~ exportfähige Pflanzen.

Einige derselben wurden im April 1852 in Java gelandet. Dann kamen

zuerst (1854) ~Hasskarls~, dann (1865) ~Ledgers~ Samen nach Indien.

Es folgte (1860) ~Markhams~ und ~Spruces~ erfolgreiche Expedition,

die unter Mithilfe von ~Cross~ und ~Taylor~ Samen und Pflänzchen,

besonders von _Succirubra_, die neben _Ledgeriana_ heute wichtigste

aller Arten, sammelten und nach Britisch Indien sandten. Dabei half

auch ~William Hooker~ mit durch Rat und Tat. ~Markhams~ Feuereifer

hat dann die indischen Kultivateure entzündet und die Fabrikation

billiger Febrifuge durchgesetzt, bei deren Darstellung wieder ~de

Vrij~ half.»(~Tschirch~, Die Chinologen des XIX. Jahrh. Schweiz.

Wochenschr. f. Chem. u. Pharm. 1900).

Jetzt stehen in Java c. 9 Millionen Cinchonen allein in den

Regierungsplantagen und wohl zehnmal mehr in den Privatpflanzungen.

Die ersten Versuche, _Cinchonen_ in Afrika anzupflanzen, erfolgten

in Algier (1849). Dorthin gelangten Samen direkt von Bogotá. Die

Versuche scheiterten -- natürlich -- ebenso wie ihre Wiederholung

(1866). Auch die 1814 begonnene Cinchonenkultur hatte zunächst

keinen Erfolg, größer war derselbe 1868. Jetzt ist die Kultur

zurückgegangen, wie auch auf Teneriffa. In Réunion, wohin _Cinchonen_

1865 gebracht wurden, gelang die Kultur. 1894 zählte man dort schon

80000 Bäume. Mißlungen ist die Kultur auf Mauritius, Madagaskar, den

Kapverden, in Angola und Abyssinien.

Gut geglückt ist sie besonders auf S. +Thomé+, wo schon 1891 250000

_Chinabäume_ standen. Nach Kamerun kamen _Cinchonen_ 1900 und 1902

aus Java.

Schon 1685 sah übrigens ~Temple~ im Botanischen Garten in Chelsea bei

London lebende _Cinchonen_, die ~Watts~«Keeper of the Apothecaries

garden of simples at Chelsea»aus Samen gezogen hatte.

Handbuch der Pharmakognosie(#71451) · 第 4 / 33 段