So darf z. B. _Cort. quercus_ in 1, 3 und 4 durch _Cort. Acaciae_,

_Rad. senegae_ in 1 und 4 durch das Kraut von _Acalypha indica_,

_Chirata_ in 1 und 4 durch _Andrographis paniculata_, _Rhiz.

serpentariae_ in 1 und 4 durch Stengel und Wurzel von _Aristolochia

indica_, _Rhiz. Arnicae_ in 6 durch _Flores Arnicae_, _Cort. fructus

aurantii_ in 1 und 4 durch die Fruchtschale indischer _Citrusarten_,

_Lignum quassiae_ in 1 und 4 durch die Rinde von _Melia azadirachta_,

_Malabar-Kino_ in 1 und 4 durch das Kino von _Butea frondosa_, in 3

durch _Eucalyptus-Kino_, _Santonin_ in 1 und 4 durch _Buteasamen_,

_Gambier_ in 1, 4 und 6 durch _Cutch, Rad. Pareirae_ in 1 und 4

durch die Wurzel von _Cissampelos Pareira_, _Rad. calumbae_ in

1 und 4 durch die Stengel von _Coscinium fenestratum_, _Folia

belladonnae_ in 1, 4 und 7 durch die Blätter von _Datura fastuosa

var. alba_ ~Nees~ und _D. Metel_ L., _Kusso_ und _Filix_ in 1 und

4 durch _Embeliafrüchte_, _Secale cornutum_ in 1, 4, 6 und 7 durch

die Wurzel von _Gossypium herbaceum_, _Gummi arabicum_ in 1 und 4

durch _Indisches Gummi_ von _Anogeissus latifolia_, _Sem. lini_

durch _Plantago ovata_, _Tub. jalapae_ in 1 und 4 durch die Samen

von _Ipomoea hederacea_, _Gallae_ in 1 und 4 durch _Myrobalanen_,

_Ol. olivarum_ in 1, 2, 3 und 4 durch _Ol. arachidis_, _Rad.

sassafras_ in 3 durch die Rinde von _Cinnamomum Oliveri_ ~Bailey~,

_Rhiz. podophylli_ in 1 und 4 durch das Rhizom von _Podophyllum

Emodi_ ~Wallich~, _Lignum Campechianum_ in 1 und 4 durch das Holz

von _Caesalpinia Sappan_ L., _Rad. calumbae_ durch die Stengel von

_Tinospora cordifolia_, _Cortex cuspariae_ durch die Wurzel von

_Toddalia aculeata_, _Tubera Jalapae_ in 1, 4 und 6 durch _Rad.

Turpethi_, _Rad. Ipecacuanhae_ in 1 und 4 durch die Blätter von

_Tylophora asthmatica_, _Bulbus Scillae_ in 1 und 4 durch die

Zwiebeln von _Urginea indica_, _Rad. valerianae_ in 1 und 4 durch das

Rhizom von _Valeriana Wallichii_ DC. ersetzt werden.

Diese Liste stellt also ein ganz modernes, aus dem XX. Jahrh.

stammendes Quid pro quo dar, das allerdings durch die enorme

Ausdehnung des britischen Reiches bedingt ist und gerechtfertigt

werden kann, letzteres allerdings wohl nicht in allen Punkten.

Die +Antiballomena+ oder +Succedanea quid pro quo+ waren ursprünglich

nicht pharmakologischen Bestrebungen entsprungen, sondern einer

Notlage, die daher kam, daß es für den Apotheker in damaliger Zeit,

besonders bei den unvollkommenen Verkehrsverhältnissen, nicht immer

leicht war, die in den Dispensatorien vorgeschriebenen vielen Hunderte

von Heilpflanzen und Drogen zu beschaffen, die ihm zudem meist nur

durch den Namen, den sie trugen, nicht durch eine klare und sichere

Beschreibung bekannt waren, deren Namen zudem so wechselnd und in ihrer

Synonymie so schwankend waren, daß die Beaufsichtiger der Apotheken im

XV. und XVI. Jahrh. jedem Apotheker die Anschaffung eines Synonymariums

oder Glossariums zur Pflicht machen mußten. Heutzutage ist die

Verwendung der Succedanea mit Recht verboten, da ja bei der geringen

Zahl und leichten Beschaffbarkeit, sowie der scharfen Charakterisierung

der Drogen ein Notstand nicht besteht. Aber wir können uns doch den

in den oben zitierten Werken liegenden fruchtbaren Gedanken zunutze

machen und mehr als bisher in der heimischen Flora nach brauchbaren

Heilpflanzen suchen. Dort werden sich nicht nur Paralleldrogen und

Succedanea längst auch von der Schulmedizin anerkannter Arzneipflanzen,

sondern auch neue pharmakologische Individuen finden. Um sie

aufzusuchen, brauchen wir nur einmal ein solches altes Verzeichnis der

Succedanea, wie es den Antidotarien angehängt zu werden pflegte (s.

oben), zur Hand zu nehmen. Da findet sich mancher Fingerzeig.

Auch der andere fruchtbare Gedanke, es mit der Kultur ausländischer

Pflanzen bei uns zu versuchen, ist, wennschon, wie erwähnt, nur in

beschränktem Maße, diskutabel.

Außer von Paralleldrogen spricht ~Hartwich~ noch von

Erweiterungsdrogen. «Sie schließen sich den alten an, übertreffen

sie aber in irgend einer Richtung, sei es, daß sie kräftiger und

sicherer wirken, sei es, daß ihnen schädliche Nebenwirkungen beim

Gebrauche abgehen.»Dahin gehören: _Hydrastis_, _Cascara Sagrada_,

_Condurango_, _Strophanthus_. Die Grenze zwischen den Paralleldrogen

und den Erweiterungsdrogen ist vielfach verwischt. _Guarana_ rechnet

z. B. ~Hartwich~ zu den Erweiterungsdrogen, ich zähle sie zu den

Paralleldrogen. Das gleiche gilt von der _Sagrada_.

Als _Strophanthus_ und _Hydrastis_ bekannt wurden, begann man überall

lebhaft nach neuen Pflanzendrogen zu suchen und in der zweiten Hälfte

des XIX. Jahrh. wurden gegen 1500 neue Drogen aus aller Herren Länder

angeboten -- meist solche, die in der Volksmedizin der betreffenden

Länder in Anwendung waren.

3. Entwicklungsgeschichte des Arzneidrogenschatzes.

Die +Entwicklungsgeschichte des Arzneidrogenschatzes+ vollzog sich in

folgenden großen Zügen (das Detail im historischen Teile). Die von den

Ägyptern, Babyloniern und Juden im Altertum benutzten Drogen (_Mastix_,

_Ladanum_, _Lein_, _Mohn_, _Sesam_, _Ricinus_, _Coriander_, _Faenum

graecum_, _Gummi_, _Myrrha_, _Weihrauch_, _Galbanum_, _Curcuma_), zu

denen China den _Zimt_, Vorderasien noch den _Safran_, das _Olivenöl_

und _Aloeholz_, die Phönizier durch ihre Handelsbeziehungen _Aloe_ und

_Ingwer_, sowie den _Costus_ beisteuerten, kamen auf die Griechen, die

den Arzneischatz nicht sehr vermehrten; die Züge Alexanders brachten

ihnen aber z. B. den _Pfeffer_. ~Hippokrates~ kannte nur etwa 60

pflanzliche Simplicia (darunter _Scilla_, _Nieswurz_, _Mandragora_

und _Opium_ -- durch Pressen gewonnen), durch die Weltherrschaft der

Römer, die sie mit fast allen bekannten Völkern in Berührung brachte,

stieg der Bestand des Arzneischatzes rasch und ~Dioscurides~ kannte

schon ca. 800 Arzneipflanzen (darunter _Absinth_, _Agaricum_, _Kalmus_,

_Bdellium_, _Cardamomen_, _Iris_, _Levisticum_, _Salep_). Auch das

_Süßholz_, _Cort. granati_, _Euphorbium_, _Castoreum_, _Sandarac_,

_Scammonium_, _Terebinthina_, _Traganth_, _Succus liquiritiae_,

_Styrax_ und _Rhiz. filicis_ wurden damals bekannt Diesen fügten dann

die Araber _Tamarinden_, _Fruct. Sennae_, _Rhabarber_, _Myrobalanen_,

_Sem. strychni_, _Cubeben_, _Nelken_, _Narde_, _Galgant_, _Campher_

hinzu. Im späteren Mittelalter trat dann noch _Cina_ dazu und nun kamen

auch die zahllosen heimischen Arzneipflanzen zu Ehren (_Pimpinella_,

_Anis_, _Althaea_, _Mentha_, _Petroselinum_, _Rosmarinus_, _Ruta_,

_Salvia_, _Sinapis_, _Inula_, _Thymus_, _Valeriana_, _Aconitum_,

_Conium_, _Daphne_, _Angelica_), einige derselben als Ersatz

orientalischer Drogen, also vom Charakter der Paralleldrogen (z. B.

_Carum carvi_ für _Cyminum_). Die Schule von Salerno brachte die

schon früher bekannte _Asa foetida_ und _Ammoniacum_ zu Ehren und

fügte _Benzoe_, _Fol. Sennae_, _Macis_ und _Sanguis draconis_

hinzu, die Kreuzzüge die _Agrumi_ (_Citrus_arten), _Zuckerrohr_,

_Baumwolle_ und _Datteln_. Die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien

führte dem Arzneischatz _Sternanis_, _Tee_ (1638), _Colombowurzel_,

_Coccelskörner_ und _Gutti_ zu.

Die wertvollste Bereicherung brachte die Entdeckung Amerikas, durch

welche Europa viele neue Drogen erhielt (_Chinarinde_, _Ipecacuanha_,

_Jaborandi_, _Cacao_, _Tabak_, _Peru_-, _Tolu_- und _Copaivabalsam_,

_Jalape_, _Vanille_, _Sabadilla_, _Guajac_, _Cascarilla_, _Elemi_,

_Capsicum_, _Piment_, _Campeche_ und _Fernambuc_, _Sassafras_,

_Sarsaparille_, _Serpentaria_, _Orlean_, _Rhiz. podophylli_).

Da zu den altüberlieferten und amerikanischen nun auch noch immer

mehr einheimische Arzneidrogen traten, erreichte der pflanzliche

Arzneischatz Europas im XVII. und XVIII. Jahrh. seinen Höhepunkt (s.

oben S. 17). Im XIX. Jahrh. trat ein Rückschlag ein, der zunächst zu

einem Zustande des Drogen-Nihilismus, dann aber, als wertvolle neue

Drogen gefunden wurden, zu einer Gegenreaktion führte. Die Drogen

kommen jetzt wieder zu Ehren. Die Entdeckung Australiens brachte das

_Acaroid_, die Neu-Seelands das _Kauriharz_.

Das XVIII. +Jahrh.+ fügte von wertvollen Drogen _Lignum quassiae_

(1730 resp. 1742), _Rad. Senegae_ (1738 ~Tennent~), _Rad. ratanhia_

(1746 ~Reif~), _Capaloe_ (1773), _Herb. menth. pip._ (1705 ~Dale~,

1724 ~Ray~), _Ol. cacao_ (1719 ~de Quelus~), _Rhiz. podophylli_

(1731 ~Catesby~), _Ol. cajeputi_ (1731), _Cort. simarubae_ (1718),

_Spigelia marylandica_ (1739), _Kino_ (1757), _Cort. salicis_ (1763

als _Chinaersatz_), _Rad. calumbae_ (1771), _Ol. jecoris_ (1782),

_Cort. Geoffroyae_ und _Angosturae_ (1788), _Ol. menthae pip._ dem

Arzneischatze ein.

Das XIX. Jahrh.: _Rad. ratanhiae_ (1816), _Cubebae_ (1818), _Herb.

lobeliae_ (1813 ~Cutler~, 1830 in Deutschland), _Malabarkino_

(1811), _Glandulae lupuli_ (1813), _Ol. crotonis_ (1819 ~Conwell~,

1830), _Kusso_ (1822 ~Breyer~, 1834), _Bucco_ (1821), _Spilanthes_

(1823), _Fol. Matico_ (1827 in Amerika, 1839 in Europa eingeführt),

_Quassiabecher_ (1835), _Copalchi_ (1817), _Sem. Calabar_ (1863

~Fraser~), _Coca_ (1860), _Dammar_ (1820, resp. 1827), _Guttapercha_

(1845 resp. 1847), _Kautschuk_ (1840) und _Balata_ (1860), _Quebracho_

(1879), _Condurango_ (1871), _Coto_, _Boldo_, _Damiana_, _Rad.

Gelsemii_ (1830), _Eucalyptus_ (1866), _Guarana_ (1817 ~Cadet

Gassicourt~), _Penghawar Djambi_, _Cascara Sagrada_ (1877, resp.

1883), _Kamala_ (1841), _Japanwachs_ (1846), _Herb. cannab. ind._

und _Rad. sumbul_ (1847), _Piscidia erythrina_ (1835), _Ol. sinapis_

(1836), _Styrax_ (1865), _Carrageen_ (1831 resp. 1834), _Laminaria_

(1834), _Sem. strophanthi_ (1860), _Cort. adstringens_, _Araroba_

(1874), _Palmöl_ (1827), _Patchouli_ (1825, resp. 1844), _Rad.

ozizabae_ (1833), _Tampicojalape_ (1863), _Tupeloholz_ (1879),

_Balsamum Dipterocarpi_ (1842), _Cera japonica_ (1834), _Gallae

chinenses_ (1845), _Fol. jaborandi_ (1871), _Chrysarobin_ (1874),

_Cort. quillajae_ (1857), _Rhiz. hydrastidis_ (1833 in Amerika, 1884

in Europa), _Sem. arecae_ (1803), _Carnaubawachs_ (1846), _Anacahuit_

(1860).

[Illustration: Fig. 7.

Die Erdteile bringen der thronenden Medizin ihre Gaben an

Arzneipflanzen und Tieren dar. Verkleinertes Titelblatt der

Pharmacopoea regia des +Charas+ (1684).]

+Neuesten Datums sind+: _Cort. quillayae_, _Cort. Simarubae_ (erneut

aufgekommen), _Cort. winteranus_, _Cort. piscidiae erythrinae_

(_Dogwood Bark_), _Cort. gossypii radicis_ (_Cotton Root Bark_),

_Agar-Agar_ (1885), _Fol. Boldo_, _Fol. liatris_, _Mate_, _Sem. Colae_

(1880), _Rhiz. podophylli_, _Syzygium Jambolanum_, _Cort. hamamelidis_

(_Witch Hazel Bark_) und _Fol. hamamelidis_, _Cort. monesiae_, _Cort.

rhois aromaticae_, _Cort. Yohimbéhé_, _Herb. grindel. robust._, _Herb.

capillor. canad._, _Yerba Santa_, _Rad. Kawa Kawa_, _Rad. Manaca_,

_Ustilago Maidis_.

Noch wenig studiert ist +die Abhängigkeit der Entwicklung des

Arzneidrogengebrauches von Klima und Boden+. Nur bezüglich der

Fiebermittel wissen wir Einiges.

Eine sehr bemerkenswerte Erscheinung ist die, daß =altbekannte Drogen

oft lange Zeit vergessen waren, dann aber von neuem entdeckt und wieder

zu Ehren gezogen wurden=.

So kamen z. B. _Conium_, _Aconit_, _Hyoscyamus_, _Stramonium_,

_Datura_ und _Veratrum_, die lange vernachlässigt wurden, 1760 wieder

durch ~Störck~ zu Ehren, das schon den Ägyptern bekannte, dann lange

vergessene _Ricinusöl_ 1764 durch ~Cauvane~, die schon ~Celsus~

bekannte _Cort. granati_ 1805 durch ~Buchanan~, der von den Arabern

längst benutzte _indische Hanf_ 1839 durch ~O’Shanghnessy~, die schon

seit Jahrhunderten bekannte _Digitalis_ erst 1785 durch ~Withering~,

die _Fructus quercus_ und das _Ledum palustre_ erst 1774, die schon

1671 von ~Redi~ beschriebene, dann vergessene _Colombowurzel_ 1773

durch ~Percival~, die schon von ~Tabernaemontanus~ angewandte _Viola

tricolor_ erst 1782 durch ~Strack~ von neuem zu Ehren. Auch das schon

den Alten (und auch in China) bekannte, dann von ~Lonicerus~ (1582),

~Thalius~ (1588) und ~Camerarius~ (1709) angewendete _Mutterkorn_

wurde eigentlich erst im XIX. Jahrh. Arzneimittel, der _Giftlattich_

und das _Lactucarium_ waren schon den Alten bekannt, gerieten dann in

Vergessenheit und wurden erst Anfang des XIX. Jahrh. wieder arzneilich

benutzt. _Styrax_ war lange vergessen und wurde erst wieder seit der

Mitte des XIX. Jahrh. medizinisch beachtet. Auch die schon den Alten

wohlbekannte _Herbstzeitlose_ ist erst in neuester Zeit wieder -- als

Gichtmittel -- zu Ehren gekommen, trotzdem der Samen schon 1820 (die

Knollen 1763) empfohlen wurden.

Das den Alten auch bezüglich seiner taeniciden Wirkung wohlbekannte

_Filix_rhizom wurde jahrhundertelang wenig beachtet und erlangte erst

seit Einführung des _Extr. filicis aethereum_ (1825) wieder Bedeutung,

wie das _Mutterkorn_ durch die Darstellung der _Ergotin Bonjean_ (1842).

Vom _Aconit_, der den Alten wohlbekannt, dann lange vernachlässigt

war, werden die Blätter seit 1762, die Knollen erst in unserer Zeit als

Arzneimittel benutzt.

Die _Cubeben_, im Mittelalter als Gewürz beliebt, wurden dann vergessen

und kamen erst 1818 wieder zu Ansehn, und zwar als Arzneimittel.

Das _Opium_, den Alten bekannt und gut von dem μηκώνειον, dem

Extrakte der ganzen Mohnpflanze, unterschieden, ist während des

ganzen Mittelalters vernachlässigt worden und erst in neuerer Zeit,

seit ~Sertürner~ in ihm (1811) das +Morphin+ entdeckt hatte, mehr

beachtet und dann bald als eines der wichtigsten Heilmittel erkannt

worden. Es gehört jetzt zu den sex principes simplicium: _Rhabarber_,

_Ipecacuanha_, _Chinarinde_, _Opium_, _Digitalis_, _Secale cornutum_.

Oft hat übrigens ein =Wechsel in der Benutzung der Organe einer

Arzneipflanze= im Laufe der Jahrhunderte stattgefunden. So wurde

im Altertum das Öl der Samen von _Hyoscyamus_, nicht der Same, im

Mittelalter vorwiegend die Blätter, Samen und Wurzeln von _Verbascum_,

nicht die Blüten und von der _Malve_ die Samen und die Wurzel,

nicht die Blüten und Blätter verwendet (vgl. die ~Cordus~-Liste im

historischen Teil).

Auch sonst ist bei den Drogen bisweilen ein =Wechsel in der botanischen

Herkunft= zu konstatieren. So wurde ursprünglich (vom VI. Jahrh. an)

der _Borneo_- (_Dryobalanops-_)_Campher_, später (vom XVII. Jahrh. an)

der _Laurineen-Campher_ in Europa benutzt. Das Drachenblut der Alten

stammte von _Dracaena cinnabari_, das jetzt im Handel befindliche

stammt von _Daemonorops Draco_. Wahrscheinlich wurde auch die _Aloe_

der Alten von einer anderen _Aloe_ bereitet als die heutige. Die im

Altertum benutzten _Cardamomen_ waren nicht die von uns gebrauchten

von _Elettaria Cardamomum_, sondern die anderer Arten. Unter _Styrax_

verstand man im phönizischen Altertum das feste Harz von _Styrax

officinalis_, erst seit dem VI. Jahrh. den flüssigen Balsam von

_Liquidambar orientalis_. Das Altertum verwendete als Bilsenkraut

hauptsächlich _Hyoscyamus albus_, als Stechapfel besonders _Datura

Metel_.

Natürlich hat auch die =Wertschätzung einzelner Drogen= im Laufe der

Zeit so abgenommen, daß sie jetzt als obsolet zu betrachten sind

oder doch nur noch in geringem Ansehn bei der Schulmedizin stehen.

Der im Altertum und Mittelalter hochgeschätzte _Meccabalsam_, das

ehedem mit Gold aufgewogene _Silphium_, der _Costus_, die edle

_Narde_, die ewige Jugend bringende _Soma_, die heilige _Mistel_, die

_Myrobalanen_ und die vielgepriesene _Mandragora_ sind jetzt ganz oder

fast ganz vergessen, und auch _Guajac_, _Sarsaparille_ und _Tubera

chinae_, an die sich im XVI. Jahrh. so außerordentliche Hoffnungen

für die Behandlung der Syphilis knüpften, sind durch das Quecksilber

entthront. Nur das Volk, das zäh an seinen Gewohnheiten festhält, und

die Naturheilkünstler benutzen noch die zahllosen Kräuter unserer

Flora, die im XV. bis XVIII. Jahrh. so hoch gepriesen und auch von der

damaligen Schulmedizin so viel angewendet wurden; übrigens zweifellos

mehr Wirksames enthalten, wie man heute gewöhnlich meint.

Auch vom Arzneischatze kann man sagen: πάντα ῥεῖ. Es ist alles im Fluß.

Altes versinkt, neues taucht auf und wird durch neuestes verdrängt, bis

man wieder zum Alten greift und Vergessenes zu neuen Ehren bringt. Es

ist ein ständiges auf und ab. Ein Allheilmittel, ein wahres _Opopanax_

(von ὀπός Saft, πᾶν und ἄκη Heilmittel), ein Saft, der alle Krankheiten

heilt, ist noch nicht gefunden und kann nie gefunden werden.

Contra vim mortis nulla herba in hortis! steht schon im +Regimen

sanitatis+.

Der Herr läßt die Arznei aus der Erde

wachsen und ein Vernünftiger verachtet sie

nicht. +Sirach+ 38, 4.

III. Pharmakoërgasie.

Kultur, Einsammlung und Erntebereitung.

1. Kultur der Arzneipflanzen.

Die +Pharmakoërgasie+ (von φάρμακον und ἐργασία = Kultur) oder

+Arzneipflanzenkultur+ ist kein neuer Zweig der Pharmakognosie, sondern

sehr alt. Wir müssen hier zunächst die zum Zwecke wissenschaftlichen

Studiums unternommene, also gewissermaßen theoretisch-wissenschaftliche

Kultur von Arzneipflanzen ausscheiden. Diese wird weiter unten

besprochen (im Kapitel Pharmakobotanik). Hier interessiert uns nur

der +Anbau zwecks Gewinnung von Drogen+, also der gewissermaßen

praktisch-geschäftliche Drogenanbau. Ganz scharf läßt sich beides

allerdings nicht auseinanderhalten, wenigstens nicht in alter Zeit,

wo es z. B. vielfach vorkam, daß ein Arzt für seinen Privatbedarf

Arzneipflanzen zog und sie dabei natürlich auch studierte.

Der griechischen Sage nach war Iberien und Colchis die Heimat der

Heilpflanzen und es hatte bereits ~Hekate~ (φαρμακίς, s. S. 3) in

Phasis einen von hohen Mauern umschlossenen, von Artemis bewachten

Heilpflanzengarten, in dem _Asphodelos_, _Adiantos_, _Mandragora_,

_Dictamnos_, _Megon_, _Smilax_, _Panakes_, _Stoechas_, _Eurycimon_,

_Aconiton_ und andere Heilkräuter gezogen wurden.

Der +Versuch, Pflanzen außerhalb ihrer Heimat zu kultivieren+, ist

uralt. Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung schon legte die Königin

~Hatschepsut~ ein Treibhaus für Heilpflanzen an und ließ lebende

_Weihrauch_pflanzen mit den Wurzelballen nach Ägypten bringen, um sie

dort zu kultivieren.

Uralt ist die Kultur des _Lein_. _Linum usitatissimum_ ist eins

der allerältesten Kulturgewächse des Orients, z. B. Ägyptens (IV.

Jahrtausend v. Chr.), wie _Linum angustifolium_ (die Urform des _Lein_)

des Nordens. Letzteres wurde z. B., wie Pfahlbaufunde zeigen, in der

jüngeren Steinzeit in der Schweiz gebaut. _Ricinus_ wurde im alten

Ägypten angebaut, wie Gräberfunde von Samen schon aus der Zeit der

XII. Dynastie zeigen. Uralt ist die Kultur der _Indigo_pflanze in

Indien und Ägypten. _Indigo_ läßt sich bereits an Mumien aus dem Jahre

1580 v. Chr. nachweisen. Sehr alt sind auch die _Mohn_kulturen, denn

schon in den Pfahlbauten (c. 2000 v. Chr.) finden sich _Mohnsamen_.

Auch eine _Mohn_kultur zwecks _Opium_gewinnung scheint in den Ländern

südlich vom Schwarzen Meer ziemlich frühzeitig geblüht zu haben. Die

griechische Stadt Sicyon heißt bei ~Hesiod~ +Mekone+, «+Mohnstadt+».

Daß _Pfefferminze_ oder wenigstens eine nahe verwandte _Mentha_art

im alten Ägypten kultiviert wurde, ist durch einen Grabfund aus der

Zeit zwischen 1200 bis 600 v. Chr. und durch Inschriften bezeugt. Noch

älter sind die Zeugnisse für das Vorhandensein einer _Coriander_kultur

daselbst, sowie der Kultur der _Feige_ (XII. Dynastie).

Die Kultur der _Dattel_ schildert bereits ~Theophrast~. Vielleicht

bestand auch bei den Israeliten so etwas wie eine Heilpflanzenkultur

oder doch -pflege, da wiederholt in der Bibel von Würzbergen,

Weihrauchhügeln, Myrrhenbergen die Rede ist (~Schelenz~). Daß bei

Jericho zur Zeit des Herodes «Balsamgärten» bestanden, ist erwiesen.

~Plinius~ gibt zahlreiche Kulturvorschriften. Das ganze 17. Kap. z. B.

handelt von angepflanzten Bäumen und das 19. Kap. von der Kultur der

Gartengewächse. Er gibt auch an, wann einige derselben zuerst nach

Italien gebracht wurden.

Bei Beginn unserer Zeitrechnung muß in Ägypten eine ziemlich

umfangreiche Arzneipflanzenkultur bestanden haben, denn oft wird bei

Drogen (z. B. _Anis_) eine ägyptische Sorte erwähnt.

Auch Kulturen der _Mastix-Pistacie_ bestanden schon im frühen Altertum.

Die _Mandel_ (_nuces_ oder _avellanae graecae_) wurde im Altertum

besonders in Griechenland kultiviert. Der _Weinstock_ wurde durch die

Phönizier zuerst nach den Inseln des Archipelagus und von dort durch

eine Kolonie von Phokiern nach Marseille gebracht. Nach den ersten

griechischen Feldzügen dehnte sich der Weinbau über ganz Süditalien

aus und schon im V. Jahrh. v. Chr. war Italien das Hauptweinland.

_Citrus medica_, die schon ~Theophrast~ beschreibt, wurde im I. Jahrh.

n. Chr. in Italien akklimatisiert, _Pomeranze_ und _Zitrone_ kamen

aber erst zur Zeit der Kreuzzüge nach Italien. (Der Apfel des Paris,

die Äpfel der Hesperiden waren _Quitten_.) Die Kultur der _Orangen_

(_Hesperides_), der ersten und lange Zeit einzigen Gewächshauspflanze,

besang ~Jovianus Pontanus~ in dem Werke +Hesperidum libri+ II, Flor.

1514. Dieser Kultur gedenkt auch ~Monardes~ (1565).

Der Anbau der _Feige_ in Italien scheint in die Zeiten der griechischen

Kolonisation zurückzureichen. Der erste Anbau der _Feige_ in

Griechenland fällt in die späthomerische Zeit (~Hehn~). Die _Mandel_

ist wohl zur Zeit ~Catos~ eingeführt worden. Den Anbau des _Ölbaums_

lernten die Römer von den Griechen zur Zeit der ~Tarquinier~ kennen.

Der _Granatbaum_ war in Italien seit ~Catos~ Zeiten allgemein

verbreitet. Aber erst die Araber brachten das _Zuckerrohr_, die

_Mannaesche_ (?) und die _Baumwollstaude_ nach Sizilien (~Wenrich~).

Im Altertum war +Kreta+ ein bekanntes und zeitweise berühmtes Zentrum

der Arzneipflanzenkultur, gegen dessen Arzneipflanzenmonopol in

späterer Zeit vielfach angekämpft wurde mit der Begründung, daß auch

außerhalb Kretas sicher ebensogute Arzneipflanzen gezogen werden können

(s. Geschichte).

Von den Rhizotomen und wohl auch den Pharmakopolen der Griechen

dürfen wir annehmen, daß sie einige der Pflanzen, die sie den Ärzten

lieferten, anbauten. Daß dies bei den Römern geschah, ist sicher. Das

ersehen wir schon aus den Werken der römischen Schriftsteller über

Landwirtschaft, ~Cato~, ~Varro~, ~Vergil~, ~Columella~, ~Palladius~

u. a., von denen im historischen Teile die Rede sein wird. Bei

~Palladius~ z. B. wird bereits die Kultur von _Anis_, _Coriander_,

_Cydonia_, _Malve_, _Serpyllum_, _Inula_, _Foeniculum_ direkt erwähnt.

Während sich zur Zeit des ~Tarquinius~ (571 v. Chr.) noch kein

_Ölbaum_ in Italien befand, scheint Marseille schon um 600 v. Chr.

solche besessen zu haben, die wohl von den Phöniziern dahin gebracht

wurden. Unter ~Appius Claudius~ waren aber die Ölbaumkulturen in

Italien schon so zahlreich, daß 249 v. Chr. 12 Pfund Öl nur 8 Pfennige

kosteten und unter ~Pompejus~ schon Öl exportiert werden konnte. Die

Gewinnung des _Olivenöls_ schildert ~Plinius~ ausführlich.

Und auch im Orient stoßen wir schon in sehr früher Zeit auf Anfänge

einer Heilpflanzenkultur. Die _Crocus_kultur z. B. läßt sich in Persien

bis ins X. Jahrh. verfolgen (~Edrisi~ und ~Istachri~). Der Kalender des

~Harib~ berichtet von Arzneipflanzenkulturen in Spanien im X. Jahrh.

Es wurde dort _Melisse_, _Majoran_, _Reis_, _Crocus_, _Zuckerrohr_,

_Mohn_, _Senf_ gebaut, und ~Harib~ gibt an, wann diese zu pflanzen oder

zu säen und wann sie zu ernten sind.

Handbuch der Pharmakognosie(#71451) · 第 3 / 33 段