25. Ethnologische und historische Vorbilder.

Der Marquis +de Sade+ war ein scharfer Beobachter. Ausserdem hatte

er während seines Gefängnislebens die Kenntnis der zeitgenössischen

Litteratur sich in einem grossen Umfange zu eigen gemacht. Es ist daher

kein Wunder, dass wir die Spuren beider Eigenschaften in seinen Werken

antreffen. Was uns am charakteristischsten erscheint, ist die grosse

Rolle, welche bei +Sade+ die +Ethnologie+ spielt. Auch das ist kein

Zufall. Die ersten Anfänge der Völkerkunde gehören dem 18. Jahrhundert

und speziell Frankreich an, wo J. F. +Lafitau+ im Jahre 1724 das erste

bedeutende Werk dieser Art in seinen „Mœurs des Sauvages américains

comparées aux mœurs des premiers temps“ veröffentlichte,[428] über das

sich +Voltaire+ in einer Schrift von ähnlicher Art sehr anerkennend

äussert. („Essai sur les mœurs et l’esprit des nations“ 1756). Weiter

förderten dieses grosse Interesse an der Kenntnis wilder Völker

die zahlreichen Reiseexpeditionen hervorragender französischer

Gelehrter im 18. Jahrhundert. Wir nennen nur die bekannten Namen

eines +Bouguer+, +La Condamine+, +Bougainville+, +La Pérouse+,

+Marchand+, +d’Auteroche+, +Duhalde+, +Charlevoix+, +Savary+, +Le

Vaillant+, +Volney+, +Dumont+. Man fing an -- zwar noch in roher und

primitiver Weise -- die Sitten und Gewohnheiten der einzelnen Völker

zu vergleichen und die Entwicklungsgeschichte der Menschheit zu

studieren. Dabei gefiel man sich in einer gewissen Verherrlichung der

europäischen Civilisation. Die Wilden waren noch nicht die „besseren

Menschen“ unseres +Seume+. +Lafitau+ schreibt: „Ich habe mit grosser

Betrübnis in den meisten Berichten gelesen, dass diejenigen, welche

über die Sitten wilder Völker geschrieben haben, sie uns geschildert

haben als Menschen, welche kein irgendwie religiöses Gefühl besitzen,

keine Kenntnis einer Gottheit, keine Persönlichkeit, der sie irgend

welchen Kultus widmen, wie Menschen, welche weder Gesetze, noch eine

Obrigkeit, noch irgend eine Form der Regierung haben, mit einem Worte

als Menschen, welche von Menschen ungefähr nichts haben als nur die

Gestalt. Man hat sich gewöhnt, eine Vorstellung von den Wilden zu

entwerfen, welche sie nicht von den Tieren unterscheidet.“[429]

Diese Beurteilungsweise wilder Völker findet man auch bei +Sade+. Er

rechtfertigt durch die Laster und Grausamkeiten, welche man bei ihnen

findet, diejenigen seiner Zeit. So zählt er alle die Völker auf,

welche sich durch grosse +Schamlosigkeit+ auszeichnen, um dadurch der

von ihm gepredigten Unzucht eine feste Unterlage zu geben. (Juliette

I, 122-28). +James Cook+ hat in der Südsee überall die +Paederastie+

verbreitet gefunden. Folglich ist dieselbe gut. („Philosophie dans le

Boudoir“ I, 201). Ja, wenn man mit einem Ballon den Mond erreichen

könnte, würde man sie dort ebenfalls finden, da sie allen Menschen im

Naturzustande eigentümlich ist. Die +Grausamkeit der Frauen+ ist in

der ganzen Welt eine und dieselbe. Zingua, Königin von Angola (ein

mit Vorliebe von +Sade+ immer und immer wieder genanntes Scheusal),

die „grausamste aller Frauen“ opferte ihre Geliebten nach dem

Genusse, liess Krieger mit einander kämpfen und gab sich dem Sieger

hin, und liess in einem grossen Mörser alle vor dem dreissigsten

Jahre geschwängerten Frauen zerstampfen. (Phil. dans le Boud. I,

156). Zoë, die Gemahlin eines chinesischen Kaisers, fand das grösste

Vergnügen daran, Verbrecher vor ihren Augen hinrichten zu lassen, und

liess Sklaven opfern, während sie dabei mit ihrem Gatten der Liebe

pflegte. Je grösser die Grausamkeiten waren, um so grösser war ihre

Wollust. Sie erfand jene hohe Erzsäule, in der man den Delinquenten

lebendig röstete (ibidem). Theodora amüsierte sich bei der Castration

von Männern. (Ib. S. 157.) Auch erzählt +Sade+ öfter die bekannte

Geschichte des +Amerigo Vespucci+ (den er freilich nicht nennt), dass

die Frauen von Florida ihren Männern kleine giftige Insekten ans Glied

setzten, die durch ihren Stich dasselbe anschwellen liessen, und neben

heftigem Schmerz und Geschwürsbildung auch eine unersättliche Libido

verursachten. (Phil. dans le Boud. I, 157).[430] So bringt +Sade+

für alle Laster ethnologische Beispiele in Fülle bei, für Giftmord,

Prostitution, Anthropophagie, sexuelle Entartungen, Malthusianismus,

Atheismus u. s. w. Die Bibel liefert ihm viel Material. Dann kommen

die Lappen, die Afrikaner, die Asiaten, die Türken, die Chinesen,

Angola, die Neger der Pfefferküste. Er kennt alles. Er citiert +Cook’s+

Reisen, +Paw’s+ „Recherches sur les Indiens, Egyptiens, Arméniens“

(Anthropophagie), die „Coutumes de tous les peuples“. Er weiss, dass

es in Lappland, in der Tartarei, in Amerika eine „Ehre ist, seine Frau

zu prostituieren“, dass die Illyrier besondere Wollustorgien feiern

in grosser Versammlung, dass der Ehebruch bei den Griechen florierte,

und die Römer sich ihre eignen Frauen unter einander liehen; dass

seine geliebte Zingua ein Gesetz erliess, das die „vulgivaguibilité“

der Weiber vorschrieb. Sparta, Formosa, Otaheiti, Cambodja, China,

Japan, Pegu, Cucuana, Riogabar, Schottland, die Balearen, die

Massageten liefern ihm eine Menge von überzeugenden Beispielen für die

Richtigkeit seiner Lehren. Aus +Peloutier’s+ berühmter „Geschichte

der Celten“ (Berlin 1754) beweist er, dass das von Roland geübte

„jeu de coupe-corde“, das Hängen aus Wollust, schon von den Celten

geübt wurde (Justine IV, 201) und versteigt sich sogar an dieser

Stelle zu folgendem charakteristischen halb wahren Ausspruch: „Fast

alle Ausschweifungen, die in der ‚Justine‘ beschrieben wurden, waren

früher ein Teil religiöser Ceremonien und wurden von unseren Vorfahren

geübt wie z. B. die Flagellation.“ Für die Geisselung beruft er sich

auch noch auf das seither oft citierte Werk von +Brantôme+, wobei er

ausnahmsweise aufs genaueste die von ihm benutzte Ausgabe angiebt:

Brantôme „Vies des Dames galantes“ Tome I. édition de Londres 1666.

(Juliette II, 133).

Alle bizarren Ideen, alle merkwürdigen Einfälle berüchtigter erotischer

Scheusale verwertet +Sade+. So erklärt Noirceuil, dass er zweimal an

einem Tage heiraten will, und zwar um 10 Uhr früh als Frau verkleidet

einen Mann, um 12 Uhr als Mann einen Knaben, der als Frau verkleidet

ist. Juliette dagegen will in derselben Kirche zu derselben Zeit als

Mann verkleidet eine Tribade heiraten, die als Frau verkleidet ist

und eine andere Tribade, die als Mann verkleidet ist. So übertrifft

er durch diese vierfache Verbindung +Nero+, der den Tigellinus als

Frau und den Sporus als Mann heiratete. (Juliette VI, 319). Juliette,

die im Nachahmungstalent nicht hinter Noirceuil zurückbleiben will,

macht ein Stückchen der Kaiserin +Theodora+ nach. Sie streut sich

Gerstenkörner auf die Geschlechtsteile und lässt sich dieselben von

Gänsen aufpicken, was ihr eine unendliche Wonne bereitet (Juliette IV,

341).

Ueberaus häufig citirt +Sade+ den berüchtigten Marschall +Gilles Laval

de Retz+ (+Rais+ -- z. B. Justine II, 171); Philosophie dans le Boudoir

I, 153 -- über den +Bossard+ und +de Maulle+ eine ausgezeichnete

Monographie geliefert haben.[431] Dieser „Ritter Blaubart“, ein Mann

von schöner, eleganter Erscheinung und grosser Gelehrsamkeit, verlässt

im 27. Jahre „den Hof, die bisherige, erfolggekrönte militärische

Laufbahn, verstösst Weib und Kind, verschwindet auf seinem einsamen

Schlosse, treibt unsinnige Verschwendung, ergiebt sich mystischen

Studien, Teufelsbeschwörungen und Aehnlichem, verfällt dann sexuellen

Ausschweifungen, wird Paederast, Kinderräuber, Mörder, Sadist,

Leichenschänder u. s. w.“[432]. Dieses Ungeheuer lockte nach und nach

140 Kinder in sein Schloss, wo sie in scheusslicher Weise ermordet

wurden. Das Opfer wurde niedergeworfen, entweder durch einen Knecht

oder durch +Gilles de Retz+ selber, der Hals abgeschnitten, wobei

+Gilles+ den Anblick des zuckenden Körpers wollüstig genoss. Dann

schnitt er die Extremitäten ab, öffnete Brust oder Bauch und riss die

Eingeweide heraus. Bisweilen setzte er sich auf den Körper des Opfers,

um den Todeskampf zu fühlen, „plus content de jouir des tortures,

des larmes, de l’effroi et du sang que de tout autre plaisir“. Auch

köpfte er den Leichnam, nahm den Kopf in die Hände, betrachtete ihn

mit wollüstigen Blicken und küsste ihn leidenschaftlich.[433] Der

vom Beichtvater des Marschalls aufgezeichneten Beichte entnehmen wir

noch die folgenden Details: „Egidius de Rays, sponte dixit, quamplures

pueros in magno numero, cujus amplius non est certus, cepisse et

capi fecisse, ipsosque pueros occidisse et occidi fecisse, seque cum

ipsis +vicium et peccatum sodomiticum+ commisisse,.. tam ante quam

post mortem ipsorum et in ipsa morte damnabiliter... cum quibus etiam

languentibus vicium sodomiticum committebat et exercebat mode supra

dicto.“ Gilles pflegte oft zu seinen Komplizen zu sagen: „Niemand

auf der Welt versteht oder könnte auch nur verstehen, was ich in

meinem Leben gethan habe. Es giebt Niemanden, der es thun könnte.“

Mit ähnlichem Stolze sprechen die Helden +Sade’s+ über ihre Unthaten.

Schon +Eulenburg+ hat hervorgehoben, dass der Marquis +de Sade+ nicht

nur dem Marschall +Retz+ an „verschiedenen Stellen von ‚Justine et

Juliette‘ begeisterte Nachrufe widmet“, sondern dass er ihm auch

„würdige Genossen“ giebt, u. a. in jenem Jérôme (Bd. 3 der Justine),

der als Schlossherr in Sicilien durch seine Agentin Clementia überall

Kinder aufgreifen und ankaufen lässt, um sie ganz im Stile des +Gilles

de Rais+ zu Tode zu martern.[434]

+Das eigene Zeitalter des Marquis de Sade war aber überreich an

einer Fülle ähnlicher Gestalten! Sade+ schildert, wenn er auch auf

ethnologische Vorbilder und Persönlichkeiten einer fernen Vergangenheit

zur Ergänzung des von ihm gezeichneten Sittenbildes zurückgreift,

immer doch noch mehr seine eigene Zeit mit all ihren wilden Trieben,

ihrer Wollust und ihrem Blutdurst. „Wie viele geheime, privilegierte

Verbrecher“, sagt J. +Michelet+, „gab es, die man nicht zu verfolgen

wagte! Die Mächtigen oder die durch Mächtige Geschützten überliessen

sich entsetzlichen Phantasien, die sie oft zum Morde führten“.[435]

+Michelet+ erzählt, dass ein Parlamentsrat ein junges Mädchen grausam

misshandelte und darauf vergewaltigte. Er tötete seinen Kutscher, der

sein Komplize war. Später, als die Sache doch ruchbar wurde, sich

selbst.

+Sade+ erwähnt sehr häufig den Grafen +Charolais+ (z. B. Philosophie

dans le Boudoir I, 153, II, 131), der „Morde aus Wollust begangen

habe“. Dieser Graf von +Charolais+ (1700-1760) „düsteren Angedenkens“

verband nach +Moreau+ den empörendsten Cynismus mit einer kaum

fassbaren Wildheit. Er liebte, Blut bei seinen Orgien fliessen zu

sehen und richtete die ihm zugeführten Courtisanen in grausamer Weise

zu. „Inmitten seiner Ausschweifungen mit seinen Maitressen war ihm

nichts angenehmer, als mit seiner Flinte Dachdecker oder Passanten zu

erschiessen“.[436] Das Herabrollen der Leichen vom Dache bereitete ihm

ein unendliches Vergnügen.[437] Auch der Abbé +de Beauffremont+ soll

die Menschen von den Dächern heruntergeschossen haben.[438] +Sade+ hat

ebenfalls diese eigenartige Monomanie in das Register seiner sexuellen

Perversionen aufgenommen. Juliette erschiesst ihren Vater, während sie

sich mit einem anderen Manne geschlechtlich befriedigt, um den Genuss

zu erhöhen (Juliette III, 115).

Nach +Michelet+ (a. a. O.) liebte dieser +Charolais+ das schöne

Geschlecht nur „im blutigen Zustande“. Sein Vater, der Prinz +von

Condé+, hatte schon ein Vergnügen daran gefunden, Menschen zu

vergiften, so z. B. den Dichter +Santeul+, und hatte auf seine

beiden Söhne, den Herzog von +Bourgogne+ und den Grafen +Charolais+

diese perversen Neigungen vererbt. Beide bedienten sich als einer

Helfershelferin bei ihren Orgien der Madame +de Prie+. Eines Tages

erschien, wie +Michelet+ erzählt, bei derselben eine Madame +de

Saint-S+., die alsbald von den sauberen Herren Prinzen nackt ausgezogen

wurde, et +Charolais+ la roula dans une serviette. Trotz dieses

Erlebnisses liess sich die Unglückliche noch einmal in das Haus der +de

Prie+ locken und wurde diesmal „wie ein Hühnchen gebraten“. Von ihren

schweren äusseren und inneren Brandwunden erholte sie sich erst nach

mehreren Jahren. Ausdrücklich erwähnt +Michelet+, dass der Herzog von

+Bourgogne+ diese grausame Idee hatte. Sollte dieses Scheusal nicht in

dem Herzog Dendemar in der „Juliette“ geschildert sein, der die nackten

Leiber von vier Freudenmädchen mit brennendem Oel begiesst (Juliette I,

352)? Es ist doch sehr wahrscheinlich.

Ganz unverkennbar ist dagegen die folgende Uebereinstimmung und

Entlehnung. Die +Goncourts+ erzählen von dem Herzog von +Richelieu+,

dem Helden der berüchtigten Pastillen, dass es ihm ein besonderes

Vergnügen bereitete, die von ihm gequälten Menschen +weinen+ zu

sehen.[439] Bei +Sade+ (Justine I, 14) kommt ein Grosskaufmann Dubourg

vor, dessen grösster geschlechtlicher Genuss darin besteht, Kinder und

Mädchen weinen zu machen.

Der berüchtigte Anthropophage +Blaize Ferrage+, genannt Seyé, scheint

ebenfalls dem Marquis +de Sade+ als Vorbild gedient zu haben. Dieser

Mensch „hauste 1779 und 1780 in den französischen Gebirgsabhängen der

Pyrenäen“ tötete Männer, Frauen und besonders junge Mädchen; Männer

ass er nur aus Hunger, hingegen benutzte er die Frauen vor dem Morde

zu sexuellen Genüssen, und es wurde berichtet, dass er besonders an

Kindern seine Wollust auf die brutalste Weise befriedigte. Am 12.

Dezember 1782 zum Tode durch das Rad verurteilt, wurde er, erst 25

Jahre alt, schon am folgenden Tage hingerichtet.[440] +Sade+ schildert

ebenfalls einen solchen Anthropophagen, der wie +Ferrage+ im +Gebirge+

sein Wesen treibt. Das ist Minski, der „Eremit der Apenninen“ (Juliette

III, 313).

+Brunet+ erwähnt noch mehrere sadistische Typen des 18.

Jahrhunderts.[441] Ein vornehmer Pole, Verfasser verschiedener

historischer Werke, der Graf von +Potocki+, soll Missethaten „dans le

genre de ceux du marquis +de Sade+“ begangen haben und infolgedessen

aus seinem Vaterlande verbannt worden sein. In +Lyon+ waren vor

der Revolution die Sitten so verderbt, dass zahlreiche sadistische

Attentate sich ereigneten, und +Michelet+ mit Recht in seiner

„Geschichte der französischen Revolution“ behauptet, dass „nicht ohne

Grund ein nur zu berühmter Schriftsteller mehrere Episoden eines

verabscheuungswürdigen Romans in Lyon sich abspielen lasse“.

Wir können diese Bemerkung +Brunet’s+ noch durch eine merkwürdige

Stelle bei +Sade+ bekräftigen. Im vierten Bande der „Justine“ entflieht

die Titelheldin nach Lyon, wo sie einen gewissen Saint-Florent

wiedertrifft, der die von ihm deflorierten jungen Mädchen sofort durch

einen Mädchenhändler verkaufen lässt. An dieser Stelle sagt +Sade+

ausdrücklich, dass +dieser Mädchenhändler von Lyon eine historische

Persönlichkeit sei. Es sei keine Fabel+ (Justine IV, 64-71).

+Jean Paul Marat+, auf den der Marquis +de Sade+ am 29. September 1793

eine noch erhaltene emphatische Gedenkrede hielt, dieser ohne Zweifel

Blutdürstigste unter den grossen Revolutionären, wird dem Marquis

manche Ideen, die wir in dessen Romanen finden, eingegeben haben. Er

„geberdete sich wie ein Trunkener, der sich im Blute berauscht hat

und von dem Dunst des vergossenen Blutes zu immer rasenderer Gier

gereizt wird.“ Vor allem riet er in seinem „Ami du peuple“ die grossen

+Massenmorde+ an und forderte immer wieder zu deren Wiederholung

auf.[442] Wir werden die Pläne derartiger Massenmorde mehr als einmal

in den Romanen des Marquis +de Sade+ antreffen.

Sonderbar ist die Behauptung des oben erwähnten phantasievollen

deutschen Autors, dass „Justine“ und „Juliette“ „eigentlich nichts

als eine Autobiographie des Marquis +de Sade+“ seien, dass Justine

identisch sei mit der Mademoiselle +Aroût+, Juliette mit der Gräfin +de

Bray+.[443]

Ebenso merkwürdig ist, dass der Geschmack an menschlichen Excrementen,

der in +Sade’s+ Romanen eine so grosse Rolle spielt und der ja auch

heute noch als besonderes psychopathologisches Phaenomen vorkommt, auch

historisch in einer eigentümlichen Weise belegt werden kann. Unter

+Ludwig+ XIV. trug der Intendant +Bullion+ immer eine goldene Dose bei

sich, die, statt mit Tabak, mit menschlichen Faeces gefüllt war![444]

In einer obscönen Schrift „Merdiana, ou Manuel des chieurs“[445] ist

ein Mann dargestellt, wie er „tabak à la rose“ fabriciert.

Der Marquis de Sade und seine Zeit. · 第 55 / 180 题