In Paris hat der Marquis +de Sade+ seine Studien für die beiden
berüchtigten Romane „Justine“ und „Juliette“ gemacht. Hier hat er
den grössten Teil des Inhalts derselben erlebt und erdacht. Pariser
Ereignisse und Zustände haben fortwährend seine Phantasie befruchtet,
und die Vorbilder für die Schilderungen einzelner Verhältnisse in
seinen Werken sind leicht zu finden. Dies wird sich in geradezu
überraschender Weise aus der Betrachtung der Prostitution und des
Geschlechtslebens in Paris ergeben. Von Paris gilt ja heute noch,
was +Montesquieu+ im 106ten persischen Briefe sagt, dass es die
„sinnlichste Stadt der Welt“ sei, wo man die „raffiniertesten
Vergnügungen“ ersinnt. Die Schilderungen der grossen Bordelle bei
+Sade+ mit ihren ingeniösen Einrichtungen beziehen sich fast durchweg
auf Pariser Bordelle. Die meisten Heldinnen in seinen Romanen sind
Pariser Dirnen. Es wird daher angemessen sein, dass wir diese
Verhältnisse zunächst ins Auge fassen.