AUS WRONKE

_Postkarte._[3]

Wronke, 24. 8. 1916.

Liebe Sonitschka, daß ich jetzt nicht bei Ihnen sein kann! Die Sache

trifft mich schwer. Aber, bitte, behalten Sie den Kopf oben, manches

wird schon anders, als es jetzt aussieht. _Jetzt müssen Sie aber fort_

-- irgendwo aufs Land, ins Grüne, wo es schön ist und wo Sie Pflege

finden. Es hat keinen Sinn und Zweck, daß Sie jetzt weiter hier sitzen

und immer mehr herunterkommen. Bis zur letzten Instanz können wieder

Wochen vergehen. Bitte, gehen Sie sobald wie irgend möglich.... Für Karl

wird es sicher auch eine Erleichterung sein, wenn er Sie auf Erholung

weiß. Tausend Dank für Ihre lieben Zeilen vom 10. und für die guten

Gaben. Sicher werden wir nächstes Frühjahr zusammen im Feld und im

Botanischen herumstreifen, ich freue mich jetzt schon darauf. Aber jetzt

gehen Sie fort von hier, Sonitschka! Können Sie nicht zum Bodensee,

damit Sie ein bißchen den Süden spüren!? Bevor Sie gehen, möchte ich Sie

unbedingt sehen, machen Sie eine Eingabe in der Kommandantur. Schreiben

Sie bald wieder eine Zeile. Bleiben Sie ruhig und heiter trotz alledem!

Ich umarme Sie.

Briefe aus dem Gefängnis · 第 14 / 26 题