_Postkarte._
Berlin, den 5. 8. 1916.
(Gefängnis in der Barnimstraße.)
Meine liebe kleine Sonja!
Heute, am 5. August, erhalte ich soeben Ihre beiden Briefe zusammen:
den vom 11. Juli (!!) und den vom 23. Juli. Sie sehen, die Post zu mir
geht länger als nach New York. Inzwischen habe ich auch die Bücher
gekriegt, die Sie mir geschickt hatten und ich danke Ihnen für alles aufs
herzlichste. Es tut mir sehr weh, daß ich Sie in Ihrer Lage verlassen
mußte; wie gern möchte ich mit Ihnen im Feld wieder ein wenig schlendern
oder im Erker in der Küche auf den Sonnenuntergang blicken .... Von Helmi
hatte ich eine ausführliche Karte mit der Reisebeschreibung. Vielen,
vielen Dank auch für Hoelderlin. Aber Sie müssen nicht so mit dem Geld
für mich schmeißen, das ist mir eine Pein. Auch für alle guten Sachen
und die Wicken herzlichen Dank. Schreiben Sie bald, dann kriege ich es
vielleicht noch in diesem Monat. Ich drücke Ihnen fest und warm die
Hand. Bleiben Sie tapfer und lassen Sie sich nicht niederdrücken. Ich
bin in Gedanken bei Ihnen. Grüßen Sie vielmals Karl und die Kinder.
Ihre Rosa.
Pierre Loti ist wunderbar, die andern habe ich noch nicht gelesen.