Contarino. Man klopfte. Die Weibsperson sprang hinaus, öffnete die Thür
und kam todtenblaß wieder zurükgestürzt in unser Zimmer und rief:
flieht! flieht!
Falieri. Nun?
Contarino. Bewafnet und bewehrt traten Polizeioffiziere und Sbirren
herein, und an ihrer Spizze der Fremdling von Florenz mit dem Degen in
der Faust.
Alle. Flodoard? Flodoard?
Contarino. Flodoard!
Falieri. Welcher Teufel führt den dahin?
Parozzi. Hagel und Wetter, warum war ich nicht bei dir!
Memmo. Da siehst du nun, Parozzi, da siehst du's, daß Flodoard kein
feiges Weiberherz hat?
Falieri. Still, laß ihn erzählen!
Contarino. Wir standen, wie angedonnert, da, und keiner rührte sich. Im
Namen der Republik und des Dogen, ergebt euch! schrie Flodoard! Der
Satan ergiebt sich dir eher, als wir! rief ihm mein Gondelier zu und
grif nach einem Degen; die andern rissen die Flinten von der Wand und
ich zog die Klinge und schlug die Lampen um, damit keiner den andern
sähe. Aber der Mond schimmerte trüb durch die Fensterscheiben. -- Ich
dachte, hier wirds heißen: mit gefangen mit gehangen! und gieng dem
Flodoard mit der Klinge zu Leibe. Aber meine Schläge glitten jedesmal
von seinem Säbel ab, der wie ein Bliz um ihn herumflirrte. Ich schlug
wie ein Rasender um mich her, aber hier ward meine Kunst zu Schanden,
und eh ichs mir versah schlizte er mir die Brust auf. Ich fühlte die
Wunde, sprang zurük, es fielen ein paar Schüsse, im Pulverbliz erkannte
ich eine unbesezte Nebenthür, ich entwischte glüklich in die eine
Kammer, schlug mit einem Faustschlag ein Fenster durch, sprang hinunter,
lief einen Hofraum durch, überkletterte ein Paar Zäune, kam an den
Kanal, ein Gondelier fuhr mich zum Marcusplaz und nun rannt ich zu Fus
hieher. Da habt ihr das vermaledeite Abentheuer!
Parozzi. (aufspringend) Ich werde rasend.
Falieri. Alles, alles geht mit uns den fürchterlichen Krebsgang!
Memmo. Der Himmel warnt uns!
Contarino. Kleinigkeiten! So muß es sein. Je mehr Hindernisse, je größer
mein Muth!
Falieri. Haben dich die Banditen erkannt?
Contarino. Nein, sie wissen nicht wer ich bin, noch wer sie zum Morde
des herzoglichen Kleeblatts besolden wollte.
Memmo. Ich danke Gott, daß du so glüklich davon gekommen bist.
Falieri. Aber wie hat Flodoard den Aufenthalt der Banditen erfahren, da
er doch in Venedig fremd ist?
Contarino. Wahrscheinlich durchs Ohngefähr, wie ich. -- Aber meine
Brustwunde soll er noch bezahlen!
Falieri. Flodoard macht sich zu schnell merkwürdig.
Parozzi. (hebt den Becher auf) Sein Tod!
Contarino. (trinkt) Gift für ihn!
Falieri. Ich muß mit ihm bekannter werden.
Contarino. He, Memmo, schaff Geld! wann fährt dein Alter dahin?