Dein Bedürfniß, täglich mit Deinem Gott reden zu müssen, verdränge

daher nie den Trieb zur Arbeit. Bei dem Triebe, durch rührige

Thätigkeit Dein Auskommen zu sichern, vergiß aber auch nie das Gebet.

Wiederholung.

3. Vollständige und abgekürzte Beifügesätze.

77. Napoleon I.

Napoleon, der Große genannt, war seiner Zeit der Gefürchtete von ganz

Europa. Sein Eroberungsgelüste, welches keine Grenzen kannte, erfüllte

manchen andern Herrscher mit Zittern. Seine Siege, für ihn selbst

freilich oft recht opferschwer, wurden in den deutschen Staaten mit

Entsetzen vernommen.

Ein Fürst nach dem andern mußte sich unter sein Scepter, das einer

blutigen Geißel glich, beugen. Ein Land nach dem andern fiel seinem

Kriegsglücke, das allerdings durch sein großes Feldherrntalent bedingt

wurde, zum Opfer.

Somit schien er sein Ziel, Weltherrscher zu werden, wirklich erreichen

zu sollen. Der König aller Könige aber, der allmächtige Weltenlenker,

gebot endlich den stolzen Wellen. Der Stern, der zeither über dem

Haupte des großen Kaisers glänzte, verdüsterte sich.

In der deutschen Nation, durch die Noth geeinigt, zog sich ein schweres

Gewitter über ihm zusammen. Seine Macht, die jetzt in höchster Blüthe

stand, wurde gebrochen. Auf Leipzigs Ebenen, den ewig denkwürdigen,

erlitt er eine seiner furchtbarsten Niederlagen. Eine kleine Insel,

welche mitten im Meere liegt, wurde dem Ueberwundenen von seinen

Siegern zum Asyl angewiesen. Auf St. Helena beschloß endlich Napoleon,

der gefangene Kaiser, sein sturmbewegtes Leben.

Hauptwiederholung.

4. Subjectiv-, Prädikat- und Beifügesätze.

78. Die Sklaven.

Daß es noch immer Sklaven gibt, ist eine beklagenswerthe Thatsache.

Auch der Neger ist, was wir sind. Er gehört zu den Menschen, den

Ebenbildern Gottes.

Furchtbar schrecklich ist das Loos, das den armen Sklaven beschieden

ist. Was des Menschen höchstes Glück ausmacht, ist ihnen für das ganze

Leben genommen. Die Freiheit, die goldene, kennen sie nicht. Unter

einer Arbeitslast, die oft ihre Kräfte übersteigt, müssen sie ihre Tage

verbringen. Die Pflicht, derzufolge sie sich dem Willen ihres Herrn

bedingungslos zu unterwerfen haben, wird ihnen meist mit der Knute

gelehrt.

Die allerscheußlichsten Scenen, die ein Menschenauge nur sehen kann,

bietet ein Sklavenmarkt. Da stehen die armen Schwarzen, mit teuflischer

List eingefangen, gleich Opferthieren. Was in ihrem Innern vorgeht,

prägt sich in ihren Mienen aus. Ihren Ohren kann nicht entgehen, wie um

sie gefeilscht wird.

Ihre allergrößte Besorgniß ist, daß sie von ihren Angehörigen getrennt

werden könnten. Auch das Herz, das der Allvater in die Negermutter

gelegt, umfängt ja ihr Kind mit zärtlicher Liebe. Auch das Negerkind,

obgleich in der Wildniß aufgewachsen, erkennt seine Eltern als die

besten Freunde.

Dank sei denjenigen Staaten, welche innerhalb ihrer Grenzen das Unwesen

der Sklaverei abgeschafft haben. Ob dies noch in diesem Jahrhunderte

allenthalben geschehen wird, ist sehr die Frage. O laßt doch die armen

Sklaven wieder werden, was sie einst waren! Erhebt sie wieder zu freien

Menschen, die gleiche Rechte mit uns allen haben.

IV. Ergänzungssätze.

1. Vollständige Ergänzungssätze.

79. Saat und Ernte.

(Im 4. Falle.)

Was der Mensch säet, das wird er ernten. Möchte ein Jeder beachten, daß

in diesem Satze ein sehr ernster Fingerzeig für das Leben liegt.

Jeder vernünftige Mensch muß darum stets reiflich erwägen, was er

thut. Er muß jederzeit bedenken, wie sich die Folgen seiner Handlungen

gestalten können. Er muß mit Ruhe überlegen, wohin seine Schritte

möglicherweise führen.

Der ist kein Weiser, den das Alles nicht kümmert. Diejenigen sind darum

auch nicht zu bedauern, die jenen Fingerzeig nicht beachten.

Der Müßiggänger muß wissen, wohin die Faulheit endlich bringt. Der

Verschwender muß einsehen, daß durch unsinnige Ausgaben auch der größte

Reichthum vernichtet werden kann. Dem Schwelger muß die Erfahrung

gelehrt haben, daß durch ein wüstes Leben die leibliche Gesundheit

untergraben wird. Der Spieler darf sich nie verhehlen, daß die

Spielwuth die Brücke zu vielen andern Lastern ist.

Von den toll in den Tag Hineinlebenden weiß man nie, wo die Fahrt zu

Ende geht. Wie Mancher hat es schon am Ende seiner Tage bitter bereut,

bösen Samen auf seine Lebensbahn gestreut zu haben.

Bedenke darum in frühester Jugend schon, was Dir einmal frommen kann.

Träume Dir nie, Du seist vor all jenen Thorheiten sicher. Was Dich in

Versuchungsstunden schützen kann, findest Du in der Religion.

Vergiß nie, was Du in diesem Artikel gelesen hast.

80. Die kranke Freundin.

(Desgleichen.)

Johanna erfuhr eines Tages, daß ihre Freundin krank sei. Sie vernahm

auch, worin die Krankheit bestand. Daß der Zustand der Freundin

keineswegs ungefährlich erscheine, hatte ihr deren Arzt gesagt.

Da überlegte denn nun Johanna, womit sie der Kranken eine Freude

bereiten könne. Das freilich konnte sie der am Magen Leidenden nicht

anbieten, was diese in gesunden Tagen gern aß.

Endlich fiel ihr ein, daß die Freundin die Feldblumen sehr liebe.

Johanna wußte, wo die schönsten zu suchen seien. Sie fand daher sehr

bald, was sie suchte. Das gute Mädchen verstand es ausgezeichnet, aus

diesen einfachen Kindern der Flur einen reizenden Strauß zu binden.

Die Kranke errieth sogleich, woher die sinnige Gabe komme. Die Freude

über dieselbe bewirkte, daß sich jene auf einige Zeit wohler fühlte.

Einige Tage später erfuhr Johanna, daß ihre Freundin auf dem Wege

der Genesung sei. Wieder einige Tage darauf schrieb diese ihr sogar

eigenhändig, daß sie nächsten Sonntag wieder ausgehen werde. Zugleich

versprach sie, daß ihr erster Besuch Johanna gelten solle.

81. Lebensregeln.

(Im 3. Falle.)

Wer sich Dir anvertraut, dem leihe Dein Ohr. Wen Du dagegen nicht

kennst, dem vertraue kein Geheimniß. Wer einer Gabe bedürftig ist, dem

verschließe Deine Hand nicht. Der Dir dafür nicht dankt, dem gib noch

einmal.

Wer Dich haßt, dem reiche kein Messer. Dem aber weiche nicht aus, der

Dir die Hand zur Versöhnung bieten will. Danke dem, der Dich grüßt. Der

Dich indeß nicht grüßt, dem zürne nicht.

Wer seine Ehre lieb hat, dem muß auch der böse Schein verhaßt sein. Wer

aber von der Welt falsch beurtheilt wird, dem muß sein unbeflecktes

Gewissen zum Troste dienen.

82. Mütterliche Lehren.

(Desgleichen.)

Mutter Regine mußte heute dem die Hand zum Abschiede reichen, der

bisher ihr Liebling gewesen war. Wer ihre Liebe zu ihrem ältesten Sohn

kannte, dem sind ihre heißen Thränen gewiß erklärlich vorgekommen. Wer

auf die Wanderschaft geht, dem kann ja Mancherlei zustoßen.

Regine befahl in dieser Trennungsstunde den noch unerfahrenen Sohn

dem, der jedes Menschen Geschick mit Weisheit lenkt. Darauf legte

sie dem Scheidenden noch Folgendes ans Herz: „Wandere allezeit mit

dem im Herzen, der auch im finstern Thale unser Stab ist. Wer das

Gottvertrauen nicht fahren läßt, dem ist des Himmels Beistand immer

nahe.

Traue dagegen nicht Jedem, der sich Dir als Freund anbietet. Der Weise

mißtraut dem am meisten, der ihm am meisten schmeichelt. Gib jederzeit

Ehre, dem Ehre gebührt. Wer Dich vor einer Thorheit warnt, dem küsse

die Hand. Vergib dem, der Dich einmal beleidigen sollte.

Der Dich zum Zorne reizt, dem gehe aus dem Wege. Wem Du in irgend einer

Weise helfen kannst, dem versage Deine Dienste nie. Wer Dir selbst

dient, dem bleibe den Dank nicht schuldig.

Entfliehe denen, die verbotene Wege gehen wollen. Wer sich unter die

Wölfe begibt, dem ist bald das Heulen gelehrt. Wem das Diebeshandwerk

gefällt, dem kann ein Strick zum Halsband werden. Wer dagegen immer auf

Gottes Wegen wandelt, dem wird es allezeit wohlgehen.“

83. Kindespflicht.

(Im 2. Falle.)

Der alte Vater Erasmus bedurfte, daß ihn eine liebende Hand pflegte.

Zudem war er es auch würdig, daß ihm von seinen Kindern dieser

Liebesdienst erwiesen werde. Niemand vermochte ihn zu beschuldigen, daß

er gegen dieselben je eine Pflicht versäumt habe.

Trotz alledem aber wurde sein ältester Sohn dessen überführt, daß er

den guten Alten ungebührlich behandelt habe. Der Undankbare versicherte

dessenungeachtet ganz trotzig, daß er unschuldig sei.

Eines Tages ließ ihn der Geistliche des Ortes zu sich kommen und

ermahnte ihn mit folgenden Worten: „Erinnere Dich dessen, der einst als

der beste Sohn auf der Erde wandelte. Sei doch eingedenk alles dessen,

was Dein Vater an Dir gethan hat. Werde Dir überhaupt bewußt, wie

treulich Dich Deine Eltern einst gepflegt haben. Vergiß es nie, was sie

für unzählige Opfer um Deinetwillen brachten.

Befleißige Dich daher, daß Du Deinem Vater all seine Liebe vergeltest.

Freue Dich, daß Du ihn überhaupt noch besitzest. Zudem bedenke, daß

auch Du einmal älter wirst.“

Diese Rede ging dem Sohne zu Herzen. Er klagte sich jetzt selbst an,

daß er der Pflichten gegen seinen Vater vergessen habe. Er zieh sich

selbst, daß er bisher ein höchst undankbares Kind gewesen sei. Und von

dieser Stunde an blieb er eingedenk dessen, was das vierte Gebot von

jedem Kinde fordert.

84. Ein edler Fürst.

(Der Ergänzungssatz umschreibt ein Hauptwort mit Verhältnißwort.)

Ein edler Fürst lebt nur dafür, daß es seinem Volke wohlgehe. Er

trachtet zunächst darnach, daß die Landesgesetze immer vollkommener

werden. Er hält aber auch darauf, daß man sie allenthalben erfülle. Er

forscht, worin ein Nothstand seine Ursache haben könne. Darauf trachtet

er, daß die Quelle des Uebels verstopft werde.

Ein edler Fürst kümmert sich, daß ein Jeder vor dem Gesetze gleiche

Rechte habe. Er erkundigt sich angelegentlich, wie der Stand der

Volksbildung sei. Er freut sich, wenn die Schulen immer größere

Fortschritte erzielen. Er verwendet sich auch dafür, daß die Kunst zu

immer größerer Blüthe gelange.

Ein edler Fürst sorgt getreulich für die, welche im Dienste des

Vaterlandes zu Schaden gekommen sind. Er übt Gnade an denjenigen, die

in Verblendung am Gesetze sündigten.

Er glaubt, daß über ihn noch ein Höherer waltet. Diesen König aller

Könige aber bittet er, daß er ihm Weisheit schenke.

85. Der alte Räuberhauptmann.

(Der Ergänzungssatz umschreibt eine Zeitwort in abhängiger Form.)

Ein alter Räuberhauptmann fürchtete, daß er sein Leben noch auf dem

Schaffote enden werde. Er wünschte daher, daß er bald sterben möge. Er

verlangte sogar, daß man ihm Gift beibringe.

Seine Leute verneinten indeß, daß sie ihm in diesem Falle gehorchen

müßten. Der alte Sünder hoffte nun von Tag zu Tag, daß er erkranken

möchte.

Eines Abends glaubte er auch wirklich, daß sein Körper fiebere. Er

bildete sich sogar ein, daß er bereits phantasire. Er wähnte, daß er

merklich ermatte. Aber er begehrte nicht, daß man ihm etwas Stärkendes

zu trinken gebe. Er vermied sogar mit allem Ernste, daß er in einen

Schlaf verfalle. Die Krankheit war indeß nicht zum Tode. Seine Natur

nöthigte ihn, daß er genesen mußte. Der Himmel zwang ihn, daß er noch

am Leben bleibe.

86. An der Indianergrenze.

(Der Ergänzungssatz in unbestimmter Redeweise.)

Ein Farmer erfuhr, daß ein Haufen räuberischer Indianer im Anzuge sei.

Sein Nachbar versicherte, daß er schon einige in der Nähe gesehen habe.

Ein Kuhhirte wollte sogar wissen, daß die Räuber gegen fünfzig Mann

stark wären. Ein zufällig dazukommender Reisender behauptete wieder,

daß es die Indianer auf eine ganz andere Gegend abgesehen hätten.

Man einigte sich indeß, daß man in jedem Falle Vertheidigungsmaßregeln

ergreifen müsse. Es wurde daher beschlossen, daß sich jeder Anwohner

bewaffne. Zu gleicher Zeit aber wurde auch befohlen, daß keiner

unnöthiger Weise von der Waffe Gebrauch machen solle. Ebenso wurde

angeordnet, daß Niemand vorläufig seine Behausung verlassen dürfe.

Namentlich empfahl der Fremde, daß ein Angriff erst abgewartet werde.

Zum Glück konnte bald darauf ein Abgesandter berichten, daß der

Indianerschwarm jedenfalls vorüberziehe. Er wollte sich überzeugt

haben, daß die Horde auf das nächste kleine Städtchen zusteuere. Man

glaubte indeß, daß man trotzdem immer noch auf der Hut sein müsse.

Erst den nächsten Morgen nahm man an, daß nun alle Gefahren vorüber

seien. Der Farmer gebot, daß Jeder seine Waffe wieder aus der Hand

lege. Damit solle indeß nicht gesagt sein, daß die Räuberhorde nicht

später wiederkehren könne.

2. Abgekürzte Ergänzungssätze.

87. Der Tollkühne.

Joseph bildete sich ein, ein vorzüglicher Schwimmer zu sein. Er

wünschte deshalb, einmal seine Bravour zeigen zu können.

Eines Tages kündete er seinen Kameraden an, über den nahen, breiten

Strom schwimmen zu wollen. Sie riethen ihm indeß, davon abzusehen. Sie

beschlossen sogar, seinem Wagestücke gar nicht zuzusehen.

Joseph aber blieb dabei, seine Kraftprobe auszuführen. Er versicherte,

keine Furcht zu kennen. Er bat deshalb die Kameraden, ihn zu begleiten.

Diese kamen endlich überein, ihm zum Flusse zu folgen. Der Tollkühne

berechnete nicht, dem reißenden Strome nicht gewachsen zu sein. Das

Schicksal verurtheilte ihn, seine Verwegenheit mit dem Leben zu büßen.

Wiederholung.

(Verschiedene Arten der Ergänzungssätze.)

88. Der feuerspeiende Berg.

Des Försters zehnjähriger Wilibald wußte recht gut, daß das Pulver

ein gefährliches Ding ist. Sein Vater hatte ihm wiederholt gesagt,

was für großes Unglück schon durch unvorsichtigen Umgang mit diesem

Schießmaterial herbeigeführt worden sei.

Wilibald aber folgte dem nicht, der ihn schon oft gewarnt hatte. Er

blieb dessen nicht eingedenk, was ihm sein Vater sagte.

Einmal nahm er sich vor, einen Sandhaufen in einen feuerspeienden

Berg zu verwandeln. Er vermeinte, daß dies mit Schießpulver leicht

ausführbar sei.

Wilibald war dessen gewiß, daß sein Vater heute erst spät heimkehren

werde. Er hoffte deshalb, sein Werk ganz ungestört vollbringen zu

können.

Das Unglück wollte, daß der Förster gerade an diesem Tage sein

Pulverhorn hatte an der Wand hängen lassen. Wer die Sorgsamkeit des

Försters kannte, mußte diese Unvorsichtigkeit fast unerklärlich finden.

Man konnte aber auch wieder dem eine solche einmalige Vergeßlichkeit

verzeihen, dem es im Kopfe oft vor Amtssorgen schwirrte.

Wilibald erinnerte sich, das Pulverhorn gesehen zu haben. Er fand daher

sehr bald, was er suchte.

Den Sandhaufen hatte er bereits mit einer röhrenartigen Oeffnung

versehen. Dahinein schüttete er, was sich im Pulverhorne vorfand. Schon

freute er sich darauf, wie der Berg Feuer speien werde. Er erwartete,

daß die Feuergarbe einen Meter hoch steigen würde.

Der kleine Vesuv bedurfte jetzt nur noch, daß ein Stück brennender

Schwamm darauf gelegt werde. Bald hatte Wilibald beschafft, was eben

noch fehlte. Ungeduldig sah er dem entgegen, was nun eintreten sollte.

Er harrte indeß vergebens, daß das Schauspiel seinen Anfang nehme.

Endlich hielt er es für angezeigt, einmal nachzusehen. Er glaubte sich

versichern zu müssen, daß der Schwamm verlöscht sei.

Wer aber unvorsichtig ist, dem kann gar Schlimmes begegnen. Wilibald

bemühte sich, sich genau von der Ursache des Nichtentzündens zu

überzeugen. In diesem Augenblicke aber erfolgte, was erfolgen sollte.

Das Schicksal fügte es leider, daß ihm die Pulverflamme gerade in die

Augen schlug. Er verlor auf der Stelle sein Augenlicht.

Wem nicht zu rathen ist, dem ist freilich auch nicht zu helfen.

Hauptwiederholung.

(Subjectiv-, Prädikat-, Beifüge- und Ergänzungssätze.)

89. Das Reisen.

Wem Gott will eine Gunst erweisen, der wird von ihm in die weite Welt

geschickt.

Das Reisen gewährt zunächst eins der größten Vergnügen, die für Geld

zu haben sind. Es verleiht Vielen eine Bildung, die selbst das Studium

der gelehrtesten Bücher nicht geben kann. So Mancher ist durch vieles

Reisen erst geworden, was er werden sollte.

In der weiten Welt lernt der Mensch erst kennen, was für Wunder der

Herr geschaffen hat. In der Fremde überzeugen ihn tausend Dinge, daß

auch der Mensch in seinen Thaten groß sein kann.

Wer reist, muß freilich seine Augen hübsch offen behalten. Wer Gewinn

vom Reisen haben will, muß auch die Ohren fein spitzen. Er muß sich

befleißigen, mit Verstand zu reisen. Ein Wandern, dem kein bestimmter

Plan zu Grunde liegt, hat wenig Zweck.

Auch die Kunst, mit rechtem Nutzen zu reisen, will freilich erst

erlernt sein. Die ersten Ausflüge in die Welt kosten deshalb, was

man Lehrgeld zu nennen pflegt. Man muß lernen, sich den gegebenen

Verhältnissen zu fügen. Man muß auszurechnen verstehen, wie man überall

am billigsten wegkommen kann. Man darf aber auch wieder gewisse Opfer,

ohne welche zu besondern Sehenswürdigkeiten kein Zutritt gewährt wird,

nicht scheuen.

Außerordentlich mannichfaltig sind die Verkehrsmittel, welche das

Reisen ungemein erleichtern. Wer will, der kann jetzt binnen wenig

Tagen in weit entlegene Länder versetzt werden. Es bedarf nur, daß er

den Dampfwagen besteigt.

Das Verlangen, die weite Welt zu sehen, verallgemeint sich von Jahr zu

Jahr. Wahrhaft erfreulich ist es, auf den Bahnhöfen täglich die große

Menge Reisender zu sehen.

Trotzdem aber gibt es noch Leute genug, die lieber in behaglicher Ruhe

auf ihrer Ofenbank sitzen bleiben. Sie ziehen den Glanz der blitzenden

Thaler im Geldkasten, ihrem Abgotte, dem Anblicke der reizendsten

Alpenlandschaft vor. Manche wieder sind geradezu zu faul dazu, ihren

Gesichtskreis durch Aufsuchen von noch nie Gesehenem zu erweitern. Sie

wollen lieber bleiben, wie sie sind. Wir aber sagen, daß dies eine

Schande für sie ist.

Reise also, wer reisen kann. Das Reisen ist eine Lust, die kaum durch

eine andere zu ersetzen ist.

V. Anführungssätze.

1. Wörtlich.

90. Die Bibel der Natur.

(Der Hauptsatz voran.)

Gleich der heiligen Schrift ruft uns auch die Natur zu: „Merke auf

meine Rede!“ Der zuckende Blitz verkündet uns: „Alles Leben stehet in

Gottes Hand!“ Die Lilie des Feldes tröstet: „Gott sorgt auch für dich!“

Das welkende Blatt legt uns die Worte an’s Herz: „Alles Irdische

vergeht!“ Ernst murmelt uns das Bächlein entgegen: „Mein unaufhaltsames

Dahinrollen ist ein Bild von Deiner Lebenstage Lauf.“

Das Würmchen im Staube spricht: „Groß sind die Werke des Herrn!“ Die

Lerche in blauer Höhe jubelt: „Preise mit mir die Güte des Schöpfers!“

Der der Puppe sich entwindende Falter versichert uns: „Auch Du wirst

auferstehen!“ Der majestätische Sternenhimmel predigt uns: „Hier sind

noch viele Wohnungen!“

91. Beim Brande.

(Der Haupts. zuletzt.)

„Feuer!“ erscholl es mitten in der Nacht. „Eilt zu retten!“ mahnte die

Feuerglocke.

„Wo brennt es?“ rief ich zum Fenster hinaus.

„Das Pfarrhaus muß in hellen Flammen stehen“, antwortete mir eine

Stimme.

„Es kann auch die Schule sein!“ sagte eine andere.

„Keins von beiden“, versichert der zufällig vorübereilende Nachtwächter.

„Ich muß zu Hilfe eilen“, sagte ich zu den Meinigen.

„Das Erbgericht brennt!“ rief mir beim Austritt aus meinem Hause ein

Vorübergehender zu.

„Dieser hat Recht!“ dachte ich beim Anblicke der auflodernden Flammen

für mich.

Ich eilte dem Brande zu. Die Feuerwehr war bereits in voller

Thätigkeit. Aber welch ein Lärm!

„Zuerst das Vieh retten!“ schrie der Eine.

„Drei Mann aufs Dach des Nachbarhauses!“ befahl ein Anderer.

„Eine Leiter hierher!“ kreischte eine heisere Stimme.

„Richtet den Spritzenstrahl mehr nach der Giebelmauer!“ commandirte der

Feuerlöschdirector.

„Mehr Wasser herbeischaffen!“ riefen die Spritzenleute.

Das Hauptgebäude des Erbgerichts brannte nieder.

„Die Verhütung größeren Unglücks ist hauptsächlich der Windstille zu

verdanken“, hörte man allgemein aussprechen.

92. Zwiespalt.

(Der Hauptsatz in der Mitte.)

„Womit“, fragte Kunz seine Kameraden auf dem Spielplatze, „werden wir

uns denn heute die Zeit vertreiben?“

„Laßt uns“, sagte Hilmar, „Ball werfen.“

„Ball“, fiel Lambert schnell ein, „spiele ich nicht mit!“

„Nun, so wollen wir“, versetzte Hilmar wieder, „den Drachen steigen

lassen.“

„Zum Drachensteigenlassen“, bemerkte Ewald, „habe ich wieder keine

Lust.“

„Vielleicht“, schlug Hilmar aufs neue vor, „holen wir dann heute einmal

alle unsere Reifen herbei?“

„Das Reifenspiel“, fiel Feodor spöttisch ein, „ist ja hauptsächlich

eine Beschäftigung für Mädchen!“

„So laßt uns“, nahm hier Kunz wieder das Wort, „Soldaten spielen!“

„Das“, entgegnete Lambert, „wäre mein allerletzter Zeitvertreib!“

„Auf diese Weise“, sagte jetzt Günther, „kommen wir freilich heute zu

keinem Zeitvertreibe. Lieber“, fügte er noch hinzu, „mag da jeder für

sich spielen!“

Und so wurde es auch zuletzt.

Wiederholung.

(Alle drei Fälle abwechselnd.)

93. Die Weidenraupe.

„Wo kommst Du her?“ fragte Alban den ihm begegnenden Alexander.

„Ich komme“, gab dieser zum Bescheid, „von der Raupenjagd.“

„Und wie steht es mit der Ausbeute?“ fragte Alban weiter.

Darauf erwiderte der Gefragte mit einem gewissen Stolze: „Einen sehr

interessanten Fund habe ich gemacht!“

„Wie so?“ versetzte Alban neugierig.

„Ich habe“, sagte Alexander hocherfreut, „eine Weidenraupe gefunden.“

„O Du Glücklicher!“ rief Alban fast etwas neidisch. Gleich darauf aber

fügte er hinzu: „Wo wirst Du denn diese Raupe sich verpuppen lassen?“

„Die Weidenraupe“, belehrte jener, „muß man in ein Glas mit Sägespänen

aus Weidenholz setzen!“

„Wozu das?“ fragte Alban.

Darauf erwiderte Alexander: „Weil diese Raupe meist vom Weidenholze

lebt! Zu dem“, setzte er noch hinzu, „verpuppt sie sich auch stets in

Holzspänen.“

„Wie lange liegt sie denn als Puppe?“ fragte Alban wieder.

Mit etwas verwunderter Miene erwiderte Alexander: „Weißt Du denn das

nicht selbst aus der Naturgeschichte?“

„Das habe ich wirklich wieder vergessen“, war die Antwort.

„Sie braucht“, fuhr Alexander fort, „volle drei Jahre zu ihrer

Entwickelung zum Falter.“

„Entsetzlich lange“, staunte Alban. „Den Schmetterling aber“, bat er,

„laß mich dann ja gleich sehen!“

„Das soll geschehen“, versicherte Alexander.

2. Nicht wörtlich.

94. Das Wetter.

(Der Hauptsatz zuletzt.)

Eines Tages trafen sich vier Bauern auf dem Felde. Mit dem Wetter könne

man dies Frühjahr doch eigentlich gar nicht zufrieden sein, äußerte

Melchior.

Das sei auch seine Ansicht, sagte Samuel. -- Er müsse für seine

sandigen Fluren etwas mehr Regen wünschen, setzte Wenzel hinzu. -- Ihm

wären einige Tage Sonnenschein jetzt lieb, meinte Weinrich.

Die Wärme lasse diesmal außerordentlich lange auf sich warten, bemerkte

Melchior wieder. -- Für seine Saaten aber komme das kühle Wetter gerade

recht gelegen, hielt Samuel entgegen.

Ihm sei ein Gedanke beigekommen, bemerkte jetzt Wenzel.

Wenzel möge reden, meinten alle.

Der liebe Gott werde es wol nie allen recht machen können, lautete

Wenzel’s Gedanke.

95. Am Krankenbette.

(Der Hauptsatz voran.)

Zwei Aerzte wurden an das Krankenbette eines Kindes gerufen.

Der jüngere Arzt meinte, die argen Kopfschmerzen des Kindes könnten

von schlechter Verdauung herrühren. Dem hielt die Mutter des Kindes

entgegen, von einem Magenübel ihrer Marie habe sie noch nie auch nur

die leiseste Spur entdeckt.

Der ältere Arzt war der Ansicht, es läge hier eine Erkältung zu Grunde.

Dazu bemerkte der Vater, das Kind sei seit länger als acht Tagen nicht

aus der Stube gekommen.

Beide Aerzte einigten endlich ihre Ansichten dahin, der Kopfschmerz

habe seine Ursache in einem bedeutenden Blutandrange nach dem Gehirn.

Der junge Arzt schlug nun vor, die Patientin solle in naßkalte

Tücher eingepackt werden. Der ältere dagegen äußerte, hier sei ein

niederschlagendes Pülverchen ganz am Platze.

Um des lieben Friedens willen beschlossen endlich die zwei Herren, man

wolle von beiden Mitteln Gebrauch machen.

96. Der Fund.

(Der Hauptsatz in der Mitte.)

Ein armer Dienstmann fand auf der Straße einen Brillantring. Endlich,

murmelte er für sich, habe er doch einmal Glück gehabt. Der Ring,

meinte er, sei wenigstens seine zwanzig Thaler werth. Der Verkauf

desselben, dachte er weiter, könne keine großen Schwierigkeiten bieten.

Er brauche ja nur damit, überlegte er kurz, zum nächsten Goldarbeiter

zu gehen.

Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch für den deutschen Sprachunterricht in der Volksschule · 第 15 / 18 段