Eine Anzahl Mädchen spielten Blindekuh, auch das Topfschlagen wurde
nicht vergessen. Der kleine Heinrich jagte einen großen Reifen im
Garten umher, und der dicke Otto ließ einen bunten Kreisel tanzen.
Julchen fuhr einen schönen Puppenwagen, und Marie beschäftigte sich mit
allerhand Blumen.
Mitten über dem Garten schwebte ein riesiger Drache, außerdem ließ der
Kaufmann auch noch kleine Luftballons steigen.
Bei all dieser Lust entstand weder Streit unter den zahlreichen Gästen,
noch bemerkte man ein ausgelassenes Verhalten.
Die Kühle des spätern Nachmittags machte endlich dem fröhlichen Treiben
ein Ende, zudem nöthigte auch die sinkende Sonne die fremden Gäste zum
Nachhausegehen.
So verstrich das heitere Fest in ungetrübter Freude, und allen
Theilnehmern blieb es noch lange in freundlicher Erinnerung.
40. Abend.
(Desgleichen.)
Die Sonne ging unter, und Dämmerung senkte sich auf die Erde nieder.
Am Westhimmel strahlte ein leichtes Purpurgewölk, und aus den Fenstern
der Berghütte blitzte der Wiederschein des herrlichen Abendgoldes. Der
Lerchengesang verstummte, ebenso verhallten die Lieder des Waldes.
Die Heerden zogen still nach ihren Ställen, und die Feldarbeiter
schritten ermüdet nach ihren Hütten. Traulich tönte die Abendglocke vom
Kirchlein herüber, und manches fromme Herz ward durch diesen Ruf zum
Gebet gestimmt.
Immer länger dehnten sich die Baumschatten auf dem Rasen dahin, und
immer dichter wob die Dämmerung ihren düstern Schleier. Ueber den
Blumen flatterten bereits die fahlen Nachtschmetterlinge, und in den
Gehöften begannen die Fledermäuse ihren geisterhaften Kreisflug. Immer
stiller ward es rings umher, und immer tiefere Ruhe senkte sich auf die
müde Erde.
41. Maß halten.
(Entgegenstellend.)
Die Schädlichkeit jedweder Unmäßigkeit in leiblichen Genüssen ist
bekannt, dessenungeachtet fallen der letzteren noch viele Menschen zum
Opfer.
Wir sollen uns des Lebens freuen, aber unsere Freude muß in gewissen
Grenzen bleiben. Wir dürfen uns an dem köstlichen Weine erlaben, doch
darf es dabei nicht zu einem Rausche kommen. Wir dürfen unserem Gaumen
durch wohlschmeckende Speisen gütlich thun, gleichwohl darf der Magen
nie damit überfüllt werden.
Der Mensch muß die gehörige Zeit schlafen, das Zuviel ist indeß auch
hier ungesund. Ein naturgemäßer Schlaf stärkt die Glieder, eine zu
lange Ruhe hingegen erschlafft das Nervenleben. Auch der Tanz ist
eine erlaubte Freude, nur darf diese kreisende Bewegung nicht bis zur
Erschöpfung fortgesetzt werden.
Darum genieße Jeder die Freuden dieses Lebens, allein er halte in allen
Dingen Maß.
42. Das Feuer.
(Desgleichen.)
Das Feuer ist eine höchst wohlthätige Gabe des Himmels, aber es hat
auch schon unsägliches Unheil angerichtet. Es erhellt in finsteren
Nächten unser Stübchen, allein ein einziger Funke von ihm kann unsere
ganze Habe vernichten.
Das Feuer macht viele Nahrungsmittel erst genießbar, gleichwohl kann
ein einziger allzuheißer Bissen uns zum Essen unfähig machen. Es
verleiht unserem Zimmer während der kalten Wintertage eine wohlthuende
Wärme, doch haben die glühenden Ofenwände auch schon manchem
Unvorsichtigen schmerzhafte Wunden beigebracht.
Das weithin strahlende Licht der Leuchtthürme bewahrte schon manches
Schiff vor entsetzlichem Unglücke, indeß die Macht der Flammen sehr
vielen Seefahrzeugen einen jammervollen Untergang bereitete.
Die lustig lodernde Pechfackel verherrlicht das Friedensfest, der
brennende Pechkranz hingegen ist ein Schrecken des Krieges. Tausende
von Lichtern verleihen bei festlichen Gelegenheiten einer Stadt den
höchsten Glanz, gleichwohl kann ein einziges Flämmchen davon sie in
einen Schutthaufen verwandeln. Der Anblick eines feuerspeienden Berges
gewährt ein überwältigendes Schauspiel, die Verheerungen der glühenden
Lava jedoch sind entsetzlich anzusehen.
So wollen wir denn für die Wohlthat des Feuers dankbar sein, aber seine
Gefahren sollen von uns nie unbeachtet bleiben.
43. Die Schule.
(Begründend.)
Die Schulzeit vergeht schnell, deshalb mußt Du sie gewissenhaft
benutzen.
Sei in jeder Stunde streng aufmerksam, denn das Leben erfordert
mancherlei Kenntnisse. Uebe Dich sorgfältig in allerlei Fertigkeiten,
weil Du dadurch Dein Fortkommen in der Welt finden kannst.
Oberflächlich Gelerntes vergißt sich bald wieder, deswegen präge Dir
jede Lection recht gründlich ein.
Die Schule sucht den ganzen Menschen zu bilden, mithin muß sich ihr
auch jeder Schüler mit all seinen Kräften widmen. Beherzige deshalb vor
allen Dingen die heiligen Lehren der Religion, denn daraus gehet das
Leben. Ein rechtschaffener Charakter ist ein sicherer Wanderstab, daher
eigne Dir schon in der Schule sittliche Grundsätze an. Ein frommes Herz
ist der größte Schatz auf Erden, deshalb nimm die Heilswahrheiten aus
dem Munde Deines Lehrers gläubig in Dich auf. Die Schule will eben
nicht blos Dein irdisches Glück begründen, demnach sorgt sie auch für
Deine Seele.
Da Du nun Solches weißt, so richte Dein Verhalten danach ein.
44. Die Kartoffel.
(Desgleichen.)
Die Kartoffel ist das Brod der Armen, deshalb ist Franz Drake durch
Einführung derselben zu einem Volkswohlthäter geworden.
In Deutschland tauchte sie zum ersten Male unter Karl’s V. Regierung
auf, mithin fällt ihre Einbürgerung in die Mitte des 16. Jahrhunderts.
Der Werth dieser Frucht wurde geraume Zeit nicht recht gewürdigt,
daher verzögerte sich die allgemeine Verbreitung derselben. Manchen
Regierungen dauerte dies allerdings zu lange, deswegen suchten sie den
Kartoffelanbau durch Zwangsmaßregeln zu fördern.
Die Kartoffel hat in der Regel die Gestalt eines Apfels, daher nennt
man sie in einigen Gegenden Erdäpfel. Weil ihr Mehl viel Nahrungsstoff
enthält, mischt man es oft mit Getreidemehl zu Brod.
Die Kartoffel enthält auch Klebstoff, mithin kann sie zur
Gummibereitung verwendet werden. Sie birgt ferner eine gewisse
Süßigkeit, und somit findet sie sogar Eingang in Zuckerfabriken. In der
Viehwirthschaft spielt sie eine ganz bedeutende Rolle, denn sie ist ein
vorzügliches Mästmittel.
Der Kartoffelbau ist übrigens leicht, da diese Frucht fast in jedem
Boden gedeiht.
Wiederholung.
(Zusammenstellend, entgegenstellend, begründend.)
45. Die Jagd.
Das Jagdhorn erscholl, und die Jäger brachen auf. Die Hühnerhunde
bellten, auch die kleinen Dachse erhoben ihre Stimme.
Blitzender Reif lag auf den Fluren, zudem drohten die Wolken mit
Schnee. Wol blies ein eisiger Wind von Westen nach Osten, aber der
Waidmann fürchtet sich vor Kälte nicht.
Die Jäger gingen jetzt auseinander, jeder indeß behielt Linie. Die
Hunde drängten vor, allein man hielt sie noch zurück. Bald fielen
einzelne Schüsse, aber es fiel kein Hase. Die Ladungen hatten gefehlt,
weil man aus zu großer Ferne geschossen hatte. Später traf jeder Schuß,
denn die Jäger waren jetzt ihrer Beute näher.
Das Revier war endlich abgejagt, deshalb blies man zum Rückzuge. Das
Jagdglück hatte sich günstig gezeigt, darum genoß man nun unter großer
Heiterkeit das Mittagsbrod.
46. Der Brudermord.
(Desgleichen.)
Kain bestellte eines Tages seinen Acker, und Abel hütete seine Schafe.
Beide waren Brüder, aber ihre Gemüthsart war sehr verschieden.
Kain’s Brust erfüllte die Mißgunst, weshalb er wol auch stets mit Neid
auf seinen Bruder blicken mochte. Den Abel beseelte Frömmigkeit, auch
trug sein ganzes Wesen das Gepräge der Sanftmuth.
Beide Brüder zündeten eines Tages Feuer an, denn jeder gedachte dem
lieben Gott ein Opfer zu bringen. Kain opferte Früchte des Feldes, Abel
dagegen verbrannte ein Schaf.
Die Opferfeuer züngelten gleichmäßig empor, die Rauchsäulen indeß
nahmen eine verschiedene Richtung an. Der Rauch von Abel’s Opfer
stieg in geraden Linien zum Himmel hinauf, der von Kain’s Opferaltare
hingegen wälzte sich in dichten Wolken auf der Erde hin.
Das sah Kain, und sein Herz ergrimmte. Sein Bruder dünkte ihm ein
besonderer Liebling Jehovah’s zu sein, somit aber war er ihm ein Dorn
im Auge.
Der entsetzliche Neid trieb ihn nicht nur zum Hasse, sondern seine
lieblose Seele wurde auch sofort mit Zorneswuth erfüllt.
Kain dachte in diesem Augenblick weder an den allwissenden Gott, noch
kümmerten ihn die Eltern daheim. Die Mörderkeule zuckte nieder, und
sein Bruder Abel stürzte todt zu Boden.
47. Entstehung des Brodes.
(Mit und ohne Bindewörter.)
Das Feld wird bestellt, der Landmann streut Samen aus, der Himmel gibt
Regen und Sonnenschein, die Saaten gehen auf, sie grünen und wachsen,
der Sommer bringt sie zur Reife, der Schnitter mäht sie ab, die Scheune
nimmt die vollen Garben auf, der Dreschflegel stäubt die Aehren, der
Mühlstein zermalmt die Körner, der Bäcker knetet den Teig, der Backofen
vollendet das Gebäck und der Mensch genießt das Brod.
48. Ein Haus.
(Desgleichen.)
Das Haus hat zu kleine Fenster, sein Dach ist nur von Stroh, der Garten
darum hat keine Obstbäume, auch ist das Futter darin nicht gut, die
ganze Lage ist zu winterlich und die Umgebung zu einförmig, darum kaufe
ich das Grundstück nicht.
49. Eine Luftschifffahrt.
(Mit und ohne Bindewort. Zusammenstellend, entgegenstellend und
begründend.)
Der Luftballon hatte seine Füllung erhalten, sein Leib war mächtig
geschwollen, fast wie ungeduldig drängte er nach der Abreise.
Wir stiegen drei Mann hoch in die von Weidenruthen geflochtene Gondel,
und ich nahm sofort auf einem kleinen Sessel Platz. Wir freuten
uns auf die seltene Fahrt, aber dennoch klopften unsere Herzen vor
Bänglichkeit. Das Luftmeer ist an Gefahren dem Weltmeere gleich, denn
auch jenes hat keine Balken.
Ein Signal erscholl, die Stricke wurden gelöst, der Ballon erhob
sich. Die versammelte Menge wünschte uns glückliche Fahrt, Hunderte
von Tüchern winkten uns den Abschiedsgruß, Tausende von Augen folgten
unserem Fluge.
Unser Luftschiffskapitän warf eine Anzahl Gedichte auf die Zuschauer
hinunter, auch schoß er ein Pistol in die Luft hinaus ab. Die Menge
tief unten jauchzte dabei laut auf, mich durchrieselte ein bängliches
Frösteln.
Unser Luftfahrzeug schlug anfänglich die Richtung nach Osten ein, bald
indeß wurde es von dem Winde nach Süden getrieben. Pfeilschnell stieg
es empor, dennoch erfolgte sein Flug gänzlich geräuschlos.
Die Wolken näherten sich merklich, die Landschaft unter uns trat immer
mehr zurück. Unsere Blicke gewannen ein immer größeres Aussichtsfeld,
dagegen schmolzen die Gegenstände auf der Erde zu immer kleineren
Gestalten zusammen. Die Menschen erschienen nur noch in der Größe
von schwarzen Ameisen, die Flüsse schlängelten sich wie schmale
Silberschnuren dahin, die Wälder glichen großen Tinteklecksen, und die
Berge amen uns wie winzige Hügel vor. Die Luft wurde jetzt nicht nur
mit jeder Sekunde dünner, sondern die Temperatur sank auch merklich
herab, und somit hatten unsere Lungen tüchtig zu arbeiten.
Wir mochten etwa eine Stunde unterwegs sein, da beschloß unser Kapitän
den Rückzug. Er stieg an einer Strickleiter empor, und gleich darauf
entstand ein kleines Geräusch. Er hatte ein Ventil geöffnet, ein Theil
der eingeschlossenen Luft entwich, das Schiff begann zu sinken.
Ich hatte das Landen oft als ziemlich gefahrvoll schildern hören,
deshalb wurde mir jetzt wieder nicht wohl zu Muthe. Zu unsern Gunsten
war vollkommene Windstille eingetreten, kein Lüftchen regte sich.
Der Ballon sank immer tiefer und schwebte jetzt etwa noch thurmhoch
über einer ebenen Flur. Der Anker sank hinab, das Ventil öffnete sich
noch einmal kräftig, die Luft strömte zischend aus, und der gespannte
Riesenleib legte sich allmälig in Falten. Plötzlich gab es eine Art
Stoß, und gleichzeitig erscholl aus dem Munde des Kapitäns ein Hurrah!
Der Ballon stand still, weil der Anker Boden gefaßt hatte. Bald standen
wir wieder auf festem Grunde, und ich war außerordentlich befriedigt,
denn eine solche Luftreise bietet ein unbeschreiblich wunderbares
Schauspiel.
Hauptwiederholung.
(Zusammengezogene und zusammengesetzte Sätze.)
50. Der letzte Klos.
Hans und Görge waren eines Tages die Letzten am Tische. Hans hatte
seinen Sitz auf des Vaters Stuhl eingenommen, der kleine Görge dagegen
kniete auf einer breiten Lehnbank.
In der Schüssel befand sich noch ein einziger Klos und etwas Brühe.
Beides waren die letzten Ueberreste vom Mittagsbrode, denn das
Mittagsmahl war vorüber, und die Tischgäste hatten sich eben entfernt.
Hans und Görge stierten nicht blos sehnsüchtig, sondern auch habgierig
den dicken und zugleich fetten Klos an. Jeder wollte ihn haben, keiner
gönnte ihn dem andern, denn in beider Herzen wohnten Neid und Mißgunst.
Ihre Augen funkelten, ihre Lippen glitschten im Vorgeschmacke des
Leckerbissens. Einer beobachtete heimlich die Miene des andern, keiner
aber wagte irgend eine Bewegung.
Der Appetit und die Ungeduld schienen sich indeß bei beiden Brüdern von
Minute zu Minute zu steigern, zudem konnte ja auch jeden Augenblick die
Mutter kommen und den Speiserest forttragen.
Da endlich streckte Hans beide Hände aus und faßte die Schüssel am
Rande. Im Nu aber packte sie Görge an der entgegengesetzten Seite,
denn er wollte sich den fetten Bissen durchaus nicht so mir nichts dir
nichts entreißen lassen, am allerwenigsten sollte ihn Hans ohne alle
Hindernisse verschlucken dürfen.
Nun aber entspann sich ein ebenso heftiger als lächerlicher Kampf.
Hans zog hin, Görge her, und zwar erfolgte dieses Hinundher zusehends
schneller und mit merklich sich steigernder Erbitterung und Wuth. Der
arme Klos hatte es am übelsten dabei, denn er wurde unbarmherzig in der
Schüssel herumgekollert und hätte vor Angst bersten mögen.
Der brüderliche oder vielmehr unbrüderliche Kampf war jetzt aufs
Höchste gestiegen, die Brühe spritzte nach allen Seiten hin, und der
gute Klos rannte wie verzweifelt an den Schüsselwänden empor. Da aber
trat schnell und unerwartet ein tückisches Ereigniß ein, und Kampf
und Sieg waren entschieden. Plötzlich brach nämlich die Schüssel
mitten entzwei, die schöne Brühe ergoß sich auf das Tischtuch, und
der befreite Klos kugelte vom Tische herab auf den Dielen dahin. In
demselben Augenblicke aber sprang Ami unter dem Ofen hervor, fing den
Klos auf, that einen kräftigen Schluck, und weg war er.
~E.~ Satzgefüge.
I. Subjectivsätze.
1. Vollständige Subjectivsätze.
51. Natur.
(Der Subjectivsatz steht voran.)
Wer keine Freude an der herrlichen Gottesnatur hat, ist ein gefühlloser
Mensch. Wen ein Sonnenaufgang nicht entzücken kann, verdient nicht
der Sonne Segen. Wessen Herz nicht beim Anblick des Sternenhimmels
die Größe des Schöpfers empfindet, muß keinen Funken Glauben in
sich tragen. Wem der wunderbare Blumenbau nicht die Weisheit Gottes
verkündet, der wird auch durch die Bibel diese Eigenschaft nicht zu
erkennen vermögen.
Wem der Sinn für Natur abgeht, dem entgehen überhaupt unzählige
Freuden. Was die Vöglein singen, ist ihm leerer Schall. Wovon die
murmelnden Bächlein erzählen, kümmert ihn nicht. Wie zauberisch sich
ein Schmetterling aus der Raupe entwickelt, dünkt ihm nicht der
Beachtung werth. Daß der herbstlich gefärbte Laubwald ein reizendes
Bild ist, bleibt seinen Augen verborgen. Worin die Reize einer schönen
Winterlandschaft bestehen, ist seinen blöden Augen ein Räthsel. Worüber
Tausende inmitten des schönen Gottestempels entzückt aufjauchzen, dünkt
ihm vielleicht gar lächerlich.
Wer darum sein Leben mit edlen Freuden würzen will, mache die Natur zu
seiner Freundin.
52. Gottvertrauen.
(Desgleichen.)
Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut. Ob dies Wort von Allen verstanden
wird, ist wol zu bezweifeln. Daß aber vielen Menschen jene Ergebung in
den Willen des Höchsten mangelt, ist dagegen gewiß.
Wozu dieser Mangel oft führt, zeigt uns die Erfahrung.
Dem Gottvertrauen innewohnt, der hat eine mächtige Stütze im Leben.
Was den Gottvertrauenden hinieden auch betrifft, bringt ihn niemals
außer Fassung. Womit ihn der Herr erfreut, veranlaßt ihn zum Danke.
Was das Schicksal ihm auferlegt, wird von ihm geduldig hingenommen.
Warum Gott gerade ihm Leiden sendet, wird in ihm nie ein Gegenstand
kleinmüthiger Frage. Was sein Himmelsvater thut, dünkt ihm wohlgethan.
Der so zum Herrn steht, ist ein echtes Kind Gottes. Den solcher Glaube
beseelt, ist ein wahrer Christ. Wessen Herz von solcher Zuversicht
durchdrungen ist, der steuert sicher auf dem bewegten Strome des Lebens.
53. Der Hund.
(Der Subjectivsatz zuletzt.)
Es ist längst erwiesen, daß schlechte Verpflegung den Hund schließlich
toll macht. Es ist hinlänglich bekannt, daß ein toller Hund unsägliches
Unheil anrichten kann. Es ist oft genug geschildert worden, wie
gräßlich das Ende eines in Tollwuth verfallenen Menschen ist. Trotzdem
ist es aber die große Frage, ob alle Hundebesitzer ihre Pflichten gegen
ihre Thiere gewissenhaft erfüllen.
Der pflegt seinen Hund nicht, der ihm zu geringe Kost reicht. Der
bekümmert sich wenig um die Gesundheit des treuen Thieres, den sein
Bedürfniß zu saufen nicht rührt. Der liebt den lieben Hausfreund kaum,
dem dessen Winseln vor Kälte kein Erbarmen einflößt.
Gib darum Deinem Hunde, was ihm gehört. Reiche ihm, was ihn wirklich
nährt. Wende von ihm ab, was ihm schädlich ist. Muthe ihm nicht zu, was
über seine Kräfte geht. Vergiß nie, wie ihn die Natur gebaut hat.
Der ist ein Thierquäler, der das Alles nicht beachtet. Derjenige sollte
darum auch keinen Hund halten, der seine Bedürfnisse nicht kennt.
54. Die Erde.
(Der Subjectivsatz vorn und zuletzt.)
Daß die Erde große Schätze birgt, steht in jeder Naturgeschichte. Es
ist aber sehr fraglich, ob alle schon entdeckt sind.
Wen Diamanten umstrahlen, der dankt sie der Erde. Wem sein Mittagsbrod
auf goldenen Gefäßen gereicht wird, der gedenke des Fundortes dieses
edlen Metalles. Es wäre möglich, daß ihn dieser Gedanke vor Stolz
bewahrte.
Was nur irgend aus Metall gefertigt ist, hat seinen Ursprung im Schooße
der Erde. Einleuchten muß es daher, daß auch die Stecknadel ein
Geschenk der Mutter Erde ist.
Wovon wir unsere Wohnungen bauen, liefert sie uns ebenfalls. Womit wir
uns kleiden, wächst zu einem großen Theile aus ihrem Schooße empor. Was
uns nährt, entsteigt ihrem geheimnißvollen Grunde. Unleugbar ist es
daher, daß sie die Erhalterin alles Lebens ist.
Es ist längst kein Geheimniß mehr, wie der Erdball entstanden. Wol aber
bleibt es eine offene Frage, wie lange er fortbestehen wird. Wo sein
Ziel gesetzt ist, weiß nur sein Schöpfer. Es steht indeß zu hoffen, daß
die Erde während +unseres+ Lebens nicht untergehen wird.
2. Abgekürzte Subjectivsätze.
55. Selbsterkenntniß.
Es ist eine große Weisheit, sich selbst zu kennen. Wenigen aber nur
fällt es ein, sich selbst zu beobachten. Nur Einzelnen ist es bequem,
über sich selbst nachzudenken. Es ziemt indeß besonders dem Christen,
sich stets zu prüfen. Seine eigenen Fehler zu gestehen, schändet
niemals. Sich schuldig zu bekennen, ehrt oft gar.
Es ist ja doch menschlich, sich einmal vergessen zu haben. Ebenso
menschlich ist es, sich zu irren.
Sehr leicht ist es dagegen, Andere zu richten. Manchen scheint es ein
wahres Vergnügen zu sein, fremde Mängel zu enthüllen. Gar Viele finden
eine Freude darin, Anderer Fehler aufzudecken. Ein Splitterrichter zu
sein, ist indeß kein Lob.
Es bleibt stets gefährlich, sich über Andere zu erheben. Sich selbst zu
bekämpfen, ist der allerschwerste Krieg. Sich selbst zu besiegen, ist
der allerschönste Sieg.
Wiederholung.
(Vollständige und abgekürzte Subjectivsätze.)
56. Die Todten.
Daß man die Todten ehrt, ist eine löbliche Sitte. Ihr letztes Ruhebette
zu schmücken, ist nichts Tadelnswerthes. Ihr Begräbniß feierlich zu
gestalten, ist den Angehörigen ein Bedürfniß.
Wer aber hierbei die rechte Grenze überschreitet, dessen Verfahren
verdient Mißbilligung. Es ziemt auch hierbei Maß zu halten.
Wirkliche Kleinode mit ins Grab zu geben, ist eine Verschwendung. Was
der Sarg umschließt, ist ja für immer verloren. Der ruht deshalb nicht
sanfter in der Erde, an dessen Fingern Diamanten funkeln. Was an dem
Geschiedenen auf dem Paradebette blitzt, das erlischt im Grabesdunkel.
Todte zu ehren, ist löblich. Mit Todten Luxus zu treiben, ist
verwerflich. Es wäre rühmlicher, „die Salbe“ zu verkaufen und den Armen
zu geben.
Hauptwiederholungen.
(Zusammengesetzte Sätze und Satzgefüge.)
57. Im Winter.
Bruno setzte sich an das Fenster, Heinrich dagegen nahm am Tische
Platz. Was sie zeither gespielt hatten, war ihnen langweilig geworden.
Es ist ja bekannt, daß selbst das schönste Spiel endlich ermüdet.
Bruno ergötzte sich jetzt an dem wirbelnden Schneefalle, denn der
alte Winterkönig schüttelte die silbernen Flocken mit vollen Händen
herab. Heinrich baute aus Kartenblättern Häuser und Brücken, sogar eine
Festung versuchte er zu errichten.
Ob sie heute noch Erlaubniß zum Schlittenfahren erhalten würden,
war beiden Brüdern zweifelhaft. Sich draußen im frischen Schnee
herumtummeln zu dürfen, wäre ihnen freilich sehr erwünscht gewesen. Wer
je einmal diese Winterlust genossen hat, wird ihnen diesen Wunsch nicht
verdenken.
Endlich trat der Vater ein, und sein heiteres Gesicht ließ die Knaben
Hoffnung schöpfen. Was sie hofften, ging in Erfüllung.
Wen das Schlittenfahren reizte, der konnte gehen. Wem eine
Schneebataille erwünscht schien, der hatte die Erlaubniß dazu. Wie sich
überhaupt die beiden Brüder draußen vergnügen wollten, blieb ihnen
überlassen.
So viel Freiheit hatten sie nicht erwartet, denn sie kannten die
gewöhnliche Strenge des Vaters. Das aber ist die größte Freude, die uns
unerwartet kommt.
Bruno und Heinrich eilten hinaus. Wo der Schnee am tiefsten lag, wußten
sie schon. Wozu die Schneewehen für die Kinder da sind, war ihnen
ebenfalls gar wohl bekannt. Daß sie auf der Pfarrwiese zahlreiche
Gesellschaft treffen würden, ließ sich vermuthen.
Wol an zwei Stunden tummelten sich beide Brüder nach Herzenslust in
der freien Winterflur umher, und bei dieser Belustigung gab es keine
Langeweile.
II. Prädikatsätze.
58. Gott und der Mensch.
Gott ist, der er war. Gott ist auch, der er sein wird. Er bleibt, der
er stets gewesen.
Der Mensch dagegen bleibt nicht, der er war. Wol aber wird er einst,
was er war.
Auch ich werde wieder, was ich einst gewesen. Der Leib verwandelt sich
in Erde. Somit wird so manches Menschen höchster Stolz im Grabe, was er
im Leben gleichgiltig mit Füßen trat. Eine große Thorheit ist es, daß
man dies zu oft vergißt.
Die Gräber sind es, woran des Lebens ernsteste Gedanken geschrieben
stehen. Die größte Weisheit ist, daß man diese Schrift zu lesen
versteht. Sie ist übrigens derartig, daß sie Jeder lesen +kann+.
Demuth sei es daher, wonach wir stets trachten wollen.
Hauptwiederholung.
(Subjectiv- und Prädikatsätze.)
59. Ein trauriger Pfad.
Gefährlich ist es, des Lasters Bahn zu gehen. Was anfänglich genußreich
erschien, wird gar zu oft die Ursache bitterer Schmerzen. Worüber der
Sinnenmensch früher jubelte, erscheint ihm später nicht selten als
Gegenstand der Reue.
Der Lasterhafte wird endlich, was der Sklave an der Kette ist. Er ist
somit, was er um Alles in der Welt nicht sein will. Sein Bestes zu
bedenken, kommt ihm nicht in den Sinn. Das Ende seiner Lebensweise zu
erwägen, vermeidet er absichtlich.
Sich selbst zu beherrschen, mangelt ihm die Kraft. Wozu ihn sein
Gelüste treibt, wird seine nächste Aufgabe. Wohin der Rausch führen
könne, kümmert ihn nicht.
Aber der anfangs blumenreiche Lasterpfad bleibt nicht, wie er war. Was
anfänglich Rosen waren, sind zuletzt nur noch Dornen. Was den Körper zu
oft erquickt, richtet ihn zu Grunde. Was den Geist rauschartig aufregt,
stumpft ihn ab.
Der Schwelger wird als Jüngling, was der Greis in späteren Tagen ist.
Der Fluch der Sünde ist es, worin er seinen Untergang findet.
III. Beifügesätze.
1. Vollständige Beifügesätze.
60. Ein Schulkreuz.
(Der Beifügesatz zuletzt.)
Theodor gehörte zu den Schülern, die dem Lehrer Noth machen. Er zeigte
ein Betragen, das keineswegs löblich war. In seinem ganzen Wesen lag
ein Stumpfsinn, der ihn für jeden Tadel gleichgiltig machte. Aus
seinem Auge aber sprach dabei eine gewisse Tücke, die ihn als einen
gefährlichen Nachbar erscheinen ließ.