umher. Dabei war im Frühlinge und Herbste ihr Hauptabsehen auf das
Wegfangen von Singvögeln gerichtet. Diese Schändlichkeit führten sie
durch Aufstellen von Leimruthen, Netzen, Sprenkeln und andern Schlingen
aus. Mit den armen Gefangenen aber gingen sie nicht selten äußerst roh
und herzlos um. Oft marterten sie die unglücklichen Thierchen aus purer
Laune und Schadenfreude auf das entsetzlichste. Schließlich wurden
dieselben in ein enges Leinwandsäckchen oder gar in einen Strumpf
gesteckt.
So wanderten die Aermsten zum Verkaufe oder zum Verschenken aus ihrem
Paradiese hinaus. Die Freiheit und den grünen Wald sah keiner der
Unglücklichen wieder. Lebenslänglicher Kerker oder ein elender Tod ward
ihr Loos.
Zum Glück und zur Freude aller Gutgesinnten legte man endlich den
bösen Knaben ihr gottloses Treiben. Sie wurden eingezogen, verhört,
verurtheilt und auf zwei Jahre in eine Strafanstalt abgeführt.
Zu ihrem eigenen Heile kehrten sie aus dieser Anstalt nach überstandner
Buße als gebesserte, gute und brauchbare Menschen zurück.
19. Die Luft.
(Fortsetzung.)
Die Luft besteht aus Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und
Kohlensäure. Stickstoff und Sauerstoff sind in großer Menge in ihr
vorhanden.
Viele Merkmale und Eigenschaften hat sie mit andern Körpern gemein. Sie
ist undurchdringlich, durchsichtig, schwer und elastisch. Sie nimmt
verschiedene Grade der Kälte und der Wärme an. Deshalb berührt sie uns
zuweilen heiß, warm, lau, kalt, sogar eisig kalt.
Die Luft durchdringt die winzigsten Zellen der Thierkörper und der
Pflanzen. Sie findet sich ebensowohl in der Tiefe des Meeres als im
Innern des größten Felsenberges. Für alles Leben und Gedeihen ist sie
die erste Bedingung.
Ihre Bewegungen und Strömungen sind stets wechselnder Natur. Als lindes
Säuseln weht sie durch Hain und Flur. Als scharfer Zug pfeift sie durch
Fenster und Thüren. Aehrenfelder, einzelne Baumgipfel und ganze Wälder
bewegt der Wind.
Er setzt die Windmühle und die Segelschiffe in Bewegung. Er trägt den
leichten Drachen und die schwere Wolke. Pfeifend und heulend saust er
als Sturm daher. Als Orkan richtet er in Obstgärten, in Wäldern, auf
dem Meere, in Dörfern und Städten oft gewaltige Verheerungen an.
Die Luft vermittelt jeden Schall, jeden Laut, jeden Ton, jeden Knall.
Ihre Wellen tragen das Murmeln der Bäche, das Summen der Käfer,
das Lied der Nachtigall an unser Ohr. Auf ihren Schwingen rollt der
knirschende Donner und der dumpfe Knall der schweren Geschütze dahin.
Sie vermittelt unsern Herzen das Flehen des Armen, das Seufzen des
Leidenden, den Hülferuf des Verunglückten, den Trost theilnehmender
Freunde.
So belebt sie nutzbringend und segenspendend das unendliche All.
20. Einfache Kost.
(Fortsetzung.)
Wasser, Salz und Brod macht die Wangen roth. Das ist ein altes und
ein wahres Sprichwort. Wo blieben sonst die markigen Gestalten, die
kräftigen Arme und die blühenden Gesichter der armen Gebirgsbewohner?
Die Tafeln der Grafen, Herzöge, Könige und Kaiser möchten brechen unter
der Last der feinsten Leckerbissen. Sind diese Herren aber deshalb etwa
die gesündesten und kräftigsten Menschen? Starb nicht schon mancher
Fürst in der Blüthe seiner Jahre, im kräftigsten Mannesalter?
Möge der Arme darum nicht neidisch weder nach den Kapaunen, Austern und
Torten, noch nach den Weinhumpen und Methgläsern der Reichen blicken.
Bei zufriedenem Sinn und Hunger ist auch die einfache Kartoffel
eine leckere Speise. Gaumenkitzel und Zungenweide sind ja oft nur
eingebildete Dinge.
Dein Mahl aus einfachem Gemüse und Schwarzbrod erscheint vielleicht
sogar manchem Reichen als genußreich. Möglicherweise haben ihm die
allzu fetten Speisen den Magen geschwächt oder gar schon verdorben.
Einfache, aber kräftige Kost ist unter allen Umständen der Gesundheit
am dienlichsten.
21. Zwei Brüder.
(Fortsetzung.)
Hans und Otto waren Brüder. Heiterkeit und Frohsinn, sowie
Verträglichkeit bildeten die Hauptmerkmale ihres Charakters. Fleiß, wie
auch Ordnungsliebe zeigte jeder. Nicht nur der Vater, sondern auch die
Mutter waren stolz auf diese Kinder.
Hans galt für einen guten Turner und Schwimmer. Otto leistete viel im
Zeichnen und Malen. Ersterer sah frisch und blühend aus. Letzterer war
etwas blaß und hager. Beide lernten und arbeiteten um die Wette.
Diese treuen, strebsamen Brüder waren bei Jedermann beliebt. Der Fleiß
des Hans und des Otto wurden andern Kindern zum Vorbilde aufgestellt.
Otto’s Zeichnungen und Bilder bewunderte man. Von dem Muthe und der
Gewandtheit des Hans erzählte man sich überall.
Große und kleine Kinder gingen mit Respekt an diesen Knaben vorüber.
Beide jedoch blieben bescheiden und demüthig. So brav und gut sollten
alle Knaben und Mädchen sein.
II. Mehrfache Zusammenziehungen.
22. Zwei berühmte Sänger.
(Subjecte, Ergänzungen, Beifügungen etc.)
Nachtigall und Grasmücke sind liebliche Wald- und Singvögel. Sie lieben
das niedere, schattige Gebüsch an Flüssen und Teichen.
Ihr einfaches, schlichtes Kleid kann sich weder mit dem bunten Gefieder
des Gimpels, noch mit dem vielfarbigen Gewande des Finken messen. Ihr
wundervoller, herrlicher Gesang aber macht sie zu Lieblingen bei Jung
und Alt.
Weich und harmonisch ertönen ihre Weisen aus dem düstern
Strauchwerke und aus den niedern Baumgipfeln hervor. Ihre melodie-
und gefühlsreichen Lieder ergreifen jedes unverdorbene und sinnige
Menschenherz mit unwiderstehlicher Macht und seltsamem Zauber. Ihnen
lauscht zur Früh- und Abenddämmerung der Wanderer auf staubiger Straße
oder auf holperigem Waldpfade. Ihren flötenden, oft schwermüthigen
Accorden leiht selbst der müde Waldarbeiter und der die Waldmusik
längst gewohnte Waidmann noch sein Ohr.
Und doch haben gerade Nachtigall und Grasmücke unter den Menschen
die unbarmherzigsten, gefährlichsten Feinde. Aus purer Gewinnsucht
und schnödem Eigennutze stellt man ihnen an allen Orten und Enden
nach. Selbst die zu ihrer Sicherheit und ihrem Schutze hier und da
erlassenen strengen, oft außerordentlich strengen Gesetze vermögen
diese Zierden des Waldes, diese Lieblinge aller Naturfreunde nicht ganz
vor Nachstellung und Gefangennahme zu schützen.
23. Der Winter.
(Fortsetzung.)
Horst und Alfred erwarteten mit sehnsüchtigen Blicken und förmlicher
Ungeduld den ersten Schnee. Stundenlang, ja halbe Tage lang
schauten sie zu den hohen, breiten Fenstern hinaus nach dem grauen,
wolkenbedeckten Himmel.
Längst schon hatten sie ihre Schlitten und Schlittenpeitschen aus ihren
Schlupfwinkeln hervorgeholt und in Bereitschaft gestellt. Nicht blos
bereits seit Tagen, sondern sogar seit Wochen schwärmten sie in ihren
Gesprächen und Träumen von Schneeballschlachten, Schneemännern und
Rutschpartien.
Da endlich wirbelten die ersten feinen, zarten Schneeflöckchen in
anmuthigem Tanze und in dichtem Gedränge auf Dach und Baum, auf Hof und
Garten herab. Horst und Alfred schrieen laut und freudig auf über das
längst ersehnte und längst erhoffte Naturereigniß.
Nach zwei Tagen und drei Nächten lag der Schnee in den Gärten und
Feldern nicht blos zoll-, sondern sogar ellenhoch. Nun wurden von den
beiden Knaben und ihren Freunden und Gespielen Schlittenbahnen angelegt
und große, dickmauerige Schneeschanzen errichtet. Diese ziemlich fest
und äußerst geschickt angelegten Bollwerke suchte man dann unter Vivat-
und Hurrahgeschrei zu erstürmen. Dabei flogen die großen und kleinen
Bomben hinüber und herüber. Viele von ihnen zerplatzten zur Freude und
zum Jubel der kleinen Schaar auf dem Rücken, an den Köpfen und wol gar
an den Nasen der Gegner.
Zur Abwechselung wurde nach beendigter Schlacht oder nach längerer
Schlittenfahrtbelustigung ein hoher, breitschultriger Schneemann
erbaut. Wohlausgesuchte und geeignet geformte Steinkohle bildete seine
Augen und seine Nase. Zähne und Lippen verlieh man ihm mittels rother
Tuchläppchen und kleiner Eiszapfen.
Die Schöpfung eines solch riesigen Schneemannes weckte unter den
kleinen Knaben außerordentlich fleißige und emsige Hände und viel
Freude und Jubel.
So trieben sie es alle Tage und wurden des langen und zugleich harten
Winters nicht müde. Bei aller dieser Freude und bei all diesem
Vergnügen vernachlässigten sie aber nie ihre Schularbeiten und ihre
sonstigen häuslichen Beschäftigungen.
24. Stolz und Eitelkeit.
(Fortsetzung.)
Stolz und Eitelkeit verderben bei Kindern und Erwachsenen nicht
blos den Charakter, sondern beflecken auch das Herz. Stolze und
Eitle blicken mit Geringschätzung und Nichtachtung auf Arme und
Gebrechliche, überhaupt auf Niedrigstehende herab. Ihr Gemüth
verschließt sich aus lauter Dünkel und Hochmuth der Theilnahme, dem
Mitleide, der Barmherzigkeit. Dabei werden sie in engeren und weiteren
Gesellschaftskreisen unangenehm und darum lästig.
Welcher Verständige und Vernünftige möchte wol gern mit solchen
eingebildeten Narren und hochfahrenden Thoren näheren und wol gar
freundschaftlichen Umgang haben?
Der Hochmüthige lebt sich unbestritten und unleugbar auch selbst
zur Last und Qual. Wie erregt und ärgert ihn jeder fremde Vorzug
des Standes, der Bildung, der körperlichen Schönheit, der Kleidung,
jedes fremde Lob, jede fremde Ehre oft auf Tage und Wochen hinaus!
Wie mitunter peinlich ängstlich ist er früh und spät auf die Pflege
seiner Haut, seiner Zähne, seiner Haare, vielleicht sogar seiner Nägel
bedacht! Wie späht die Eitelkeit auf den Straßen und in Gesellschaften,
sowie in Modezeitungen und andern derartigen Blättern nach der neuesten
Form der Kopfbedeckung, dem neuesten Schnitte der Kleider, wol gar nach
der neuesten Farbe der Handschuhe! An allen Orten und in allen Kreisen
will sie gesehen und bewundert sein.
Welch ein unruhiges, trauriges Leben! Laßt uns lieber zu unserer Ehre
und zu unserem Ruhme unsern schönsten Schmuck in Einfachheit und
Bescheidenheit suchen und finden.
III. Arten der Zusammenziehung.
25. Ein Kampf.
(Zusammenstellend.)
Ein Staar und ein Sperling stritten sich um den Besitz eines
Nistkastens. Derselbe bot allerdings nicht blos alle mögliche
Bequemlichkeit, sondern auch viel Raum. Zudem hing er hoch und
sicher. Sowohl während der Früh- als der Mittags- und der langen
Nachmittagsstunden konnte ihn die Sonne bescheinen. Somit erschien
er den beiden Vögeln zum Brüten und zur Kinderzucht außerordentlich
geeignet. Beide setzten daher auch für die Eroberung desselben Blut und
Leben ein.
Der Kampf wurde mit Wuth und Erbitterung geführt.
Bald schlugen, hackten und bissen sich die hitzigen Gegner auf den
Aesten und Zweigen, bald auf dem Dache des Nistkastens, bald auf dem
Rasen des Gartens umher. Graue und schwarze Federn wirbelten zahlreich
nach links und rechts. Wuth und Schmerzgeschrei zeterte durch die Luft.
Eine Menge anderer Vögel eilte theils aus Neugier, theils vor Schreck
herbei.
Wol drei bis fünf Minuten dauerte die entsetzliche Fehde. Erschöpft
und blutend ergriff endlich der Staar die Flucht. Der allerdings auch
verwundete und schrecklich zerzauste Spatz aber zog triumphirend und
fast wie hohnlachend in das eroberte Luftschloß ein.
Wollt ihr ihn etwa ob seiner Heldenthat schmähen oder verurtheilen?
26. Die Erzväter.
(Desgleichen.)
Abraham, Isaak und Jakob waren Erzväter. Sie alle führten nicht blos
zum Scheine, sondern in Wahrheit ein frommes, gottesfürchtiges Leben.
Weder Glück noch Unglück vermochte ihre Gottestreue wankend zu machen.
Sie standen nicht allein in ihrer Familie, sondern auch in ihrer
weiteren Umgebung als wahre Muster im Gehorsam, in der Demuth und im
Gottvertrauen da. Die Israeliten zollen ihnen darum noch heute große
Achtung und Verehrung.
Alle drei Männer standen aber auch unter besonderem Schutze und in
besonderer Gnade Jehovah’s. Er segnete sie mit leiblichen und geistigen
Gütern. Mit Muth und Kraft wußten sie daher stets Leid und Trübsal zu
ertragen. Mußte doch Isaak noch in seinen alten Tagen und besonders
während seiner Blindheit bittern Undank und schmachvolle Täuschung
erfahren. Welch tiefes Herzeleid und welch unendliches Weh mußte Vater
Jakob infolge des Neides und der Rachsucht seiner eigenen Kinder
empfinden! Immer indeß führte ihr Herr und Gott jene Männer durch
Kummer, Noth und Thränen zu neuer Freude, neuem Glücke.
Die Lebensgeschichten dieser Gottesmänner sind im lieben, heiligen
Bibelbuche ebenso getreulich als auch ausführlich niedergeschrieben.
Sie zu lesen und zu erwägen ist für Kopf und Herz heilsam.
27. Das Meer.
(Entgegenstellend.)
Der Anblick des Meeres kann zu Zeiten mit erhebender Bewunderung, aber
auch mit erschütterndem Entsetzen erfüllen.
Es beplätschert den Strand mit freundlichem Wellenspiel, tobt aber auch
in wilder Brandung. Seine Straßen sind zwar breit, indeß nicht selten
gefahrvoll. Meeressturm, gleichwohl auch Meeresstille können äußerst
unheilbringend werden.
Das Reisen auf dem Oceane ist allerdings reich an Genüssen, hingegen
auch stets gewagt. Die riesigsten Segelschiffe, doch auch die
mächtigsten Dampfer können verunglücken.
Trotzdem geht der Matrose nie mit Zagen, sondern stets mit Freuden
aufs neue in See. Der wettergebräunte Seemann vermag in Stunden
schwerer Noth lange zu fluchen, allein endlich auch zu beten. Er
traut allerdings seiner Kraft, dessenungeachtet zuletzt aber auch der
schützenden Hand Gottes.
Das Meerwasser ist zwar hell und klar, dennoch für den Menschen
ungenießbar. Viele seiner Bewohner sind uns bekannt, indeß noch lange
nicht alle. Es birgt unendlich viel erklärliche Naturerscheinungen,
aber auch noch viel Geheimnisse.
28. Geld.
(Desgleichen.)
Viel Geld macht zwar reich, aber nicht immer glücklich. Es ist wohl ein
Tröster in der Noth, indeß in vielen Fällen kein Helfer.
Der Besitz viel blinkenden Erzes verschafft nicht selten dem
Menschen Ehre, dessenungeachtet aber keinen sittlichen Werth. Das
Geld erschließt die Thür zu vielen Genüssen, jedoch auch das Thor zu
mancherlei Sünden und Lastern. Es erfreut nicht blos, sondern verführt
auch. In das eine Herz pflanzt der Mammon den Sinn des Mitleids und der
Wohlthätigkeit, in das andere dagegen die Wurzel des Stolzes und des
Dünkels.
So ist er unser Freund, gleichwohl auch unser Feind. Wir können durch
ihn in vieler Hinsicht frei, aber auch Sklaven werden. Wir wollen daher
unser Geld zwar zusammenhalten, allein niemals das Herz daran hängen.
29. Der Maikäfer.
(Begründung.)
Die Maikäfer sind sehr gefräßig, darum schädlich. Sie erscheinen fast
alle zu gleicher Zeit, deshalb in großer Menge. Sie suchen im Frühlinge
das junge Blätterwerk und deswegen die Gipfel der Eichen und Kastanien
auf.
Sie zeugen viel Eier, demnach eine zahlreiche Nachkommenschaft. Ihre
Larven ruhen tief in der Erde, folglich wohlgeborgen.
Ihre wohlgenährten, mithin fetten Leiber dienen vielen Vögeln zur
Nahrung. Sie sind auch für manche Menschen eine Delicatesse und also
nicht ganz ohne Nutzen.
30. Die Bibel.
(Desgleichen.)
Die Bibel ist ein vor Jahrtausenden geschriebenes und daher uraltes
Buch. Sie ist durch von Gott erleuchtete Männer verfaßt, darum heilig
und ehrwürdig.
Sie enthält unsere ganze Christenreligion, mithin einen unendlichen
Schatz von Lehren und Wahrheit. Sie soll unser Licht und unsere
Leuchte, somit ein Führer durch das Leben sein. Sie gibt uns die
Zusicherung der göttlichen Liebe und Fürsorge und demnach Kraft und
Muth in gefahrvollen Stunden und Tagen. Ihre frommen Sprüche erfüllen
das Herz mit Vertrauen und Zuversicht auf die ewige Huld und Gnade,
daher auch mit Trost und Ergebung im Unglück.
Viele Kapitel darin besingen die Wunderwerke, folglich auch die Macht
und Weisheit des Schöpfers. Die Bibel sollte vor allen andern Büchern
in jeder Christenfamilie heimisch sein und deswegen überhaupt den
allgemeinsten Eingang gefunden haben. Jeder Getaufte, mithin auch der
ärmste der Armen müßte dieses heilige Gotteswort besitzen.
Der wirkliche Jünger Jesu mag sie zu keiner Zeit, also auch nicht in
den Tagen der Freude entbehren. Werde der heiligen Schrift ihre Würde
und Weihe und somit der Menschheit ein unwägbarer Schatz erhalten!
Hauptwiederholung.
Alle Arten der Zusammenziehungen.
31. Die Katze.
Die Katze ist ein nützliches und oft sehr nothwendiges Hausthier. Ihr
Geruch und ihr Gesicht sind scharf. Sie ist im Springen und Klettern
sehr gewandt.
Ihr Charakter zeigt von Schlauheit, aber auch von Falschheit. Sie
schmeichelt oft, doch kratzt sie auch leicht. Man muß ihr deshalb nicht
trauen, sondern mißtrauen.
Die Katze fängt nicht blos Mäuse, sondern auch Ratten. Sie jagt nicht
nur im Hause, sondern auch auf dem Felde. Nicht allein Mäuse und
Ratten, sondern auch die Vögel fliehen vor ihr.
Die Katze ist schnell, demnach letzteren sehr gefährlich. Ihr Gang ist
völlig geräuschlos, mithin für ihre Raubzüge von großem Vortheile. Ihr
Gebiß ist scharf, darum eine tödtliche Waffe.
Die Katze ist ein getreuer Wächter gegen viele kleine Diebe, deshalb
ein weitverbreitetes Hausthier.
~D.~ Zusammengesetzte Sätze.
I. Ohne Bindewörter.
32. Der Morgen.
(Zusammenstellend.)
Der Osthimmel röthete sich, der Morgen begann zu dämmern. Die Hähne
krähten, die Tauben hoben an zu girren. Die Kühe rasselten mit ihren
Ketten, die jungen Rosse wieherten im Stalle. Die Staare ließen ihren
Frühpsalm ertönen, die Lerchen stiegen trillernd in die Luft.
Die Frühglocke ertönte, ihr frommes Morgenlied hallte treulich das Thal
entlang. Die Gehöfte belebten sich, auf dem schmalen Dorfwege zeigten
sich bereits einzelne Landbewohner.
Jetzt war die Sonne über die fernen Berge emporgestiegen, die ganze
Natur lag verklärt im Morgenglanze. Die Blumen erschlossen ihre lieben
Augen, die Thauperlen blitzten tausendfältig an den Halmen. Die Heerden
zogen unter lieblichem Glockengeläute auf die fetten Triften, die
Ackersleute führten ihre munteren Gespanne zum Pfluge.
So zeigte sich überall neugestärkte Kraft, so entwickelte sich
allenthalben Frische und Lebenslust.
33. Auf dem Meere.
(Desgleichen.)
Der Himmel verdunkelte sich, es ward unheimlich still. Die Seeadler
kreischten, die Sturmvögel umschwirrten bereits das Schiff.
Immer dunkler ward der Himmel, näher zog das schwarze Gewölk. Man hört
ein fernes Brausen, es erhebt sich der Sturm. Blitze zucken, Donner
grollen, die Wellen thürmen sich hoch auf.
Das Schiff wird hin und her geworfen, das Steuerruder droht zu brechen.
Der Kapitän commandirt unaufhörlich, die Matrosen fliegen eilend hin
und her. Man zieht die Segel ein, die Luken werden geschlossen.
Der Sturm tobt immer wilder, die Wellen gehen immer höher. Plötzlich
gibt es einen gewaltigen Stoß, die Masten krachen, die Wände bersten,
das Wasser strömt unaufhaltsam ein, das Schiff sinkt. Binnen einer
Viertelstunde ist nur die Hauptmastspitze noch von ihm zu sehen, die
ganze Bemannung hat ihr Grab in den Wellen gefunden.
34. Der junge Graf.
(Entgegenstellend.)
Ein Haushofmeister gebot seinem vornehmen Schüler zu schweigen, der
junge Graf plauderte fort. Der Ungehorsame sollte Latein treiben, er
tändelte mit Briefmarken.
Der Lehrer wiederholte bald darauf seinen Befehl sehr ernst, Junker
Armin spielte gleichgiltig weiter. Ersterer drohte jetzt mit
Bestrafung, der junge Graf lächelte.
Der Hauslehrer besaß viel Geduld, jetzt ging sie zu Ende. Er hatte den
jungen Grafen lange genug mit Güte behandelt, heute sollte derselbe
seinen ganzen Ernst empfinden lernen.
Der Ungehorsame fürchtete nichts Schlimmes, er täuschte sich. Bald
darauf rief ein Diener zur Mittagsmahlzeit, der junge Graf erhielt
keine Einladung. Nach Tische fuhr die gesammte gräfliche Familie
spazieren, Armin mußte zu Hause bleiben. Armin hatte jeden Abend
zwanzig französische Wörter zu lernen, heute mußte er deren noch einmal
so viel seinem Gedächtnisse einprägen.
35. Eine Feuersbrunst.
(Desgleichen.)
Die Nacht eines schönen Octobertages war freundlich ins Thal gezogen,
sie sollte einen traurigen Ausgang nehmen.
Gegen zwölf Uhr schlugen die Flammen aus dem dürren Strohdache einer
alten Mühle, Niemand darin bemerkte es. Schon sprühten einzelne Funken
durch die kleinen Fenster, die Mühlbewohner schliefen noch fest.
Die Feuerglocke ertönte, ihr Ruf kam leider viel zu spät. Man setzte
die Dorfspritze in Bewegung, die Gluth war nicht mehr zu bezwingen.
Das Leben der Inwohner wurde endlich noch gerettet, ihre Habe ging
verloren. Der Abend hatte sie als glückliche Menschen begrüßt, der
Morgen sah sie als Bettler.
36. Frühling.
(Begründend.)
Der Frühling nahte, die Menschenherzen athmeten fröhlich auf. Die
Sonne schien wärmer, der Schnee schmolz. Der Frost entwich aus dem
Erdreiche, frische Pflanzenkeime trieben hervor. Die Luft wehte mild
über die Fluren, die Zugvögel kamen herbei. Einzelne Blumen erschlossen
bereits ihre Honigkelche, die Oede der Wiesen verschwand. Die Bäume
bedeckten sich mit Blüthen, die Bienen verließen ihre Zellen.
Warmer Regen strömte nieder, die Saaten sproßten empor. Alles Leben
erwachte aus dem Winterschlafe, überall zeigte sich verjüngte Kraft.
37. Die Sündfluth.
(Desgleichen.)
Die 120 Gnadenjahre waren um, das göttliche Strafgericht begann.
Der Regen strömte unaufhörlich hernieder, die Gewässer traten über
ihre Ufer. Die Fluthen wälzten sich die Thäler entlang, die Menschen
flüchteten auf die Berge.
Die tobenden Wogen stiegen von Tag zu Tag höher, alle Sünder fanden
ihren Tod. Noah’s Familie allein blieb übrig, sie war dem Herrn treu
gewesen.
Wiederholung.
(Zusammenstellend, entgegenstellend, begründend.)
38. Eine Dampfwagenfahrt.
Die Bahnhofsglocke läutete, die Passagiere stiegen in die Wagen. Die
Locomotive pfiff, der Zug setzte sich in Bewegung.
Anfangs bewegte er sich ganz langsam, nach wenig Sekunden rollte er
schon bedeutend schnell, bald sauste er mit voller Kraft dahin. Die
Telegraphenstangen huschten blitzschnell vorüber, die Fruchtäcker
drängten sich gleich schmalen Bändern an einander, die Waldbäume
schienen zu tanzen.
Der Zug durchschnitt herrliche Landschaften, sie konnten nur flüchtig
genossen werden. Er jagte ja mit Windeseile dahin, das Auge konnte
keinen Ruhepunkt gewinnen.
Inmitten der Fahrt erscholl plötzlich ein Nothsignal, die Fahrgäste
erschraken.
Die Schaffner bremsten augenblicklich, Alles drängte an die
Wagenfenster, Einzelne schrieen laut auf, Andere wollten durchaus
hinausspringen.
Ein Unglück erfolgte nicht, der Zug blieb ruhig stehen. In der Maschine
war blos eine kleine Röhre gesprungen, ein solcher Vorfall bringt
selten Gefahr. Der Schaden ward ausgebessert, das Abfahrtssignal
schrillte aufs neue, bald ratterte der Zug wieder die Schienen entlang.
Die Fahrt ging glücklich weiter, die Aufregung unter den Fahrgästen
währte noch lange.
II. Mit Bindewörtern.
39. Ein Doppelfest.
(Zusammenstellend.)
In dem Garten des Kaufmanns Löbel herrschte eines Tages ein lustiges
Treiben, und dieses Treiben gab für den Beobachter ein liebliches Bild.
Der Kaufmann hatte nämlich zwei Söhne, und beide Knaben feierten heute
einen Festtag. Bruno beging sein Wiegenfest, und Hugo feierte seinen
Namenstag.
Zu diesem Feste nun hatten sie nicht blos ihre liebsten Schulkameraden
eingeladen, sondern die Eltern hatten auch noch die Kinder der
Nachbarschaft herbeigezogen. Es standen den muntern Gästen nicht
allein allerhand Spiele zur Verfügung. sondern es war auch für einen
wohlgedeckten Tisch gesorgt.
Bald vertheilte man sich zu den verschiedenen Unterhaltungen, und
die Lust nahm ihren Anfang. Die großen Knaben griffen zunächst zu
den Armbrüsten, und die jüngeren Gäste eilten zuerst nach den großen
Gummibällen.