Eine ziemliche Zahl angesehener Glieder der dankbaren Kirchfahrt

überreichte dem hochgeachteten Verkünder des göttlichen Wortes eine

wunderschöne Prachtbibel mit schwerem Goldbeschlage.

Die bemittelten Jünglinge des kleinen Nebendorfes N. schenkten ihrem

alten Beichtvater eine silberne Dose von dem berühmtesten Goldarbeiter

der fernen Residenz.

Und so wurden dem überraschten Jubelgreise noch verschiedene Geschenke

der kostbarsten Art von seinen theilnehmenden Kirchkindern überbracht.

Der gefeierte Alte freute sich der herrlichen Festgaben seiner

geliebten Gemeinde.

Noch mehr aber freute sich der Freudenthränen weinende Seelenhirt über

die ungekünstelte Theilnahme der braven Herzen seiner von ihm treu

gehüteten Heerde.

Ein allgemeines Volksvergnügen zu Ehren des seltenen Tages gab dem

schönen Feste aufrichtiger Dankbarkeit einen heiteren Abschluß.

2. Ergänzung der Eigenschaftswörter.

109. Judas.

(Im zweiten Falle.)

Judas war schon längst +des Geizes+ verdächtig. Er war nie +der Armen+

eingedenk. Sein Herz zeigte sich +alles Mitleids+ quitt.

Nie war er sich der Liebe seines Herrn bewußt. Wohl aber schien er

der Heuchelei fähig zu sein. Diese Eigenschaften machten ihn der Huld

seines Herrn unwürdig.

Judas ging seines Heils verlustig. Er machte sich des heillosesten

Verrathes schuldig. Und so wurde er einer schweren Sünde theilhaftig.

Er war der Pläne der schändlichen Pharisäer kundig. Einer Belohnung

ihrerseits durfte er gewiß sein. So beging er den schändlichen Verrath.

Aber jede böse That ist ihrer Strafe gewiß. Judas wurde sich seines

Verbrechens bewußt. Die Reue folgte. Sein Gemüth war alles Haltes

ledig. Sein Herz war aller Hoffnung auf Vergebung bar. Er wurde endlich

der quälenden Gewissensbisse müde. Sein Ende war Selbstmord. Immerhin

aber ist dieser gefallene Jünger des Mitleids bedürftig.

110. Strenge Zucht.

(Dritter Fall.)

Strenge Zucht ist +manchem Kinde+ lästig. Schon ein leiser Tadel

ist ihm ärgerlich. Ernste Zurechtweisungen werden ihm widerlich. Am

unangenehmsten ist ihm die Ruthe. Diese aber ist manchen Kindern gerade

sehr nützlich. Jede Strafe ist überhaupt dem Empfänger heilsam.

Das Kind ist dem Vater lieb. Des Kindes Seelenwohl ist ihm nicht

gleichgiltig. Seine Erziehung ist ihm wichtig. Er selbst ist dem

Strafen abhold. Das Züchtigen wird ihm schwer. Bleibt aber das Kind

dem Guten nicht treu; wird ihm der Gehorsam zu schwer; ist ihm die

Wahrheitsliebe nicht eigen; ist ihm der Fleiß zu unbequem; dann straft

er. Dadurch soll dem Kinde das Vergehen bewußt werden. Es soll ihm leid

sein. Es soll den Untugenden in Zukunft feind bleiben.

111. Die alte Linde.

(Im vierten Fall.)

Hinter meinem Vaterhause stand eine Linde. Sie mochte wohl +hundert

Jahre+ alt sein. Sie stand auf einem Hügel. Derselbe war etwa +zehn

Meter+ erhaben. Der Stamm der Linde war zwei Meter dick. Sie war im

Ganzen etwa fünfzig Meter hoch. Der Umfang ihrer Aeste war dreißig

Meter breit.

Später wurde diese Linde gefällt. Ihr Holz war an die dreißig Thaler

werth. Der Kessel, in dem sie gestanden hatte, war drei Meter tief.

Zudem war das Loch wenigstens fünf Meter breit.

Der Lindenstamm sollte nun zerschnitten werden. Aber die Säge langte

nicht zu. Ihr Bügel stand zwanzig Centimeter zu niedrig. Das Sägenblatt

war sechzig Centimeter zu kurz. Man mußte deshalb den Stamm wenden.

Es wurde eine andere Linde gepflanzt. Diese war freilich etwa

neunundneunzig Jahre jünger.

112. Der Knochen.

(Ergänzung der Eigenschaftswörter durch ein Verhältnißwort.)

Im Hofe, erzählte ein Vater, lag ein fetter Knochen. Links von ihm

kauerte eine Katze. Rechts davon saß Ammi. Beide waren +auf den

Knochen+ förmlich versessen. Der Magen einer Katze ist überhaupt

stets gierig +auf Fraß+. Ihre Augen sind lüstern nach jedem Stückchen

Fleische. Sie ist daher fortwährend zum Naschen bereit.

Nicht weniger war Ammi auf den Knochen erpicht. Auch Hundemagen sind ja

auf Fleisch zuweilen sehr begierig.

Lange saßen die beiden Gegner einander gegenüber. Die Katze schien

auf einen kühnen Sprung vorbereitet zu sein. Ebenso schien auch Ammi

auf einen Gewaltstreich gefaßt. War er doch auch zum Apportiren wohl

abgerichtet.

Man mußte auf den Ausgang gespannt sein. Da plötzlich krümmt die Katze

den Rücken. Somit sind ihre Füße zum Sprunge eingerichtet. Ihr Auge

sprüht förmlich Funken. Sie ist wie von einem bösen Geiste besessen.

Ein gewaltiger Satz -- und der Knochen ist in ihrer Gewalt. Im Nu

sitzt sie damit auf dem Baume. Sie ist stolz auf ihre Beute.

Ammi scheint einen Augenblick vom Schreck ergriffen zu sein. Bald aber

kommt er wieder zur Besinnung. Er ist ergrimmt über die Frechheit der

Katze. Er ist entrüstet über die eigene Dummheit. Aber Alles zu spät.

Ihm bleibt blos das Nachsehen.

113. Der Löwenbändiger.

(Wiederholung der Ergänzungen der Eigenschaftswörter.)

Die Straßenecken sind von neugierigem Publikum umstanden. Ein breiter

Anschlagbogen ist mit großer Schrift bedruckt.

Ein Löwenbändiger will heute Abend eine Vorstellung geben. Solchen

grassen Schauspielen ist das Volk sehr zugethan. Die Sucht nach

Schauerlichem war stets der großen Menge eigen. Freilich ist dieser Zug

des Menschen nicht recht würdig.

Die angezeigte Stunde schlug. Das Volk versammelte sich.

Der Löwenkäfig war drei Meter hoch. Zudem war er sechs Meter lang und

vier Meter tief. Das Eisengitter schien mehrere Zentner schwer zu sein.

So war der Käfig für einen Löwen sehr bequem. Das majestätische Thier

aber schien über die gaffende Menge etwas erregt zu sein. Ihr Tumult

war ihm ärgerlich. Er schien des Beschauens förmlich müde zu werden.

Endlich erschien der Löwenbändiger. Er mußte wohl aller Furcht ledig

sein. Gewiß war er sich seiner Uebermacht über das Thier bewußt. Er

trug ein Lamm unter dem Arme.

Das Publikum war über sein Erscheinen erfreut. Es war ja auf die

Vorstellung äußerst gespannt.

Der Löwe wurde ob des Lämmchens etwas unruhig. Seine Augen wurden nach

dem Braten lüstern. Aber er blieb des Gehorsams eingedenk. Er war ja

auf Selbstbeherrschung abgerichtet. Und er war ihrer auch vollkommen

mächtig.

Das Lämmchen wird ob des Unholds keineswegs ängstlich. Es ist an den

Anblick gewöhnt. Es scheint sich seiner Unantastbarkeit bewußt zu sein.

Der Löwe gehorcht aufs Wort. Er ist zu allen Sprüngen willig. Er ist zu

jeder Unterwürfigkeit bereit. Nicht einer einzigen Widersetzlichkeit

macht er sich schuldig. Der Stock würde ihm sonst auch gewiß sein.

So ist er schließlich einer Belohnung sicher. Und ein Stück rohes

Pferdefleisch ist seinem Magen sehr erwünscht.

Die Vorstellung lief ohne Unfall ab. Der kühne Löwenbändiger schien dem

Händeklatschen der erstaunten Menge nicht feind zu sein. Ihr Beifall

war ihm angenehm. Dankend trat er ab.

Hauptwiederholung.

114. Der Dieb.

(Erw. Subj. u. Präd. Ergänz. d. Zeit- u. Eigenschaftsw.)

Der älteste Sohn des braven Zutreibers des verschiedenen Schlachtviehes

in der belebten Stadt R. war des schlauen Diebstahls einer goldenen

Taschenuhr verdächtig.

Deshalb wurde dieser längstbekannte Freund des leichtsinnigen

Umhertreibens des freien Verkehrs mit seinen liederlichen Genossen

verlustig.

Die düstere Zelle des einsamen Gefängnißthurmes inmitten der alten

Stadtmauer schien freilich dem großen Verehrer eines ungebundenen

Lebens nicht angenehm zu sein.

Der kluge Vorsitzende des städtischen Gerichts war auf ein freches

Ableugnen der gesetzwidrigen That von seiten des durchtriebenen

Burschen vorbereitet.

Das gesammte Personal des löblichen Schöppengerichts war indeß von der

nichtswürdigen Veruntreuung fremden Eigenthums durch jenen schlauen

Jünger der gefährlichen Taschendiebe überzeugt.

Das kecke Ableugnen des schmählichen Vergehens mußte daher dem

verstockten Uebertreter des siebenten Gebotes nur nachtheilig sein.

Die gesammte Bewohnerschaft der mittelgroßen Stadt war auf das endliche

Strafurtheil der gewissenhaften Richter gespannt.

Die schließliche Bestrafung mit zehn langen Monaten schwerer Arbeit

auf dem strengen Zuchthause der nahen Festung N. war für jenes räudige

Mitglied der menschlichen Gesellschaft nicht zu hart.

Der Umstand des Ortes.

115. Eine Stätte der Armuth.

(Wo? Umstands- und Verhältnißwörter.)

Das enge Stübchen der alten Mutter Beate bot ein trauriges Bild. +In

einem düsteren Winkel+ erblickte man ein Häufchen halbvermodertes

Stroh. +Auf demselben+ lagen einige zerlumpte Kleidungsstücke. Hier

schlief die arme Alte. Oberhalb ihres Kopfes hatte ihre Katze ihr

Nachtlager aufgeschlagen.

Neben dieser elenden Ruhestatt der bejahrten Beate stand ein morsches

Tischchen. An diesem saß sie gewöhnlich. Dabei huschelte die Katze

hinter ihrem Rücken. Der Tisch war zugleich der Aufbewahrungsort für

die ärmlichen Nahrungsmittel. Hier lag ein Laib Brod. Vorn war derselbe

mit Schimmel bedeckt, hinten hatten ihn die Mäuse benagt. Dort stand

ein Rest gekochter Kartoffeln. Mitten auf dem Tische erblickte man

eine thönerne Kaffeekanne. Vor ihr stand eine halbzerbrochene Tasse.

Zwischen beiden sah man ein Häuflein grobes Salz.

Dicht bei der Thür knisterte ein kleiner Blechofen. Eine Hand

voll dürrer Aeste lag zu seinen Füßen. An der einen Wand hing ein

verblichenes Christusbild. Unter ihm war ein handgroßer Spiegel

befestigt. Rechts davon erblickte man das Bildniß des Landesvaters.

Links davon sah man ein aus einem Kalender geschnittenes

Schlachtenbild. Die Wände selbst befanden sich in einem sehr kläglichen

Zustande. Oben drang das Regenwetter herein. Unten war das Gebälk vom

Moder zerfressen. Ueber dem einzigen Fensterchen zeigte sich sogar ein

fast einen Centimeter breiter Riß.

So fand das Auge nirgends eine kleine Befriedigung. Ueberall trat ihm

das Bild der Armuth entgegen.

116. Sturax.

(Wohin? Umstands- und Verhältnißwörter.)

Der alte Schäfer Thomas hatte einen vortrefflichen Jagdhund. Er hieß

Sturax. Sturax war ein überaus kluges Thier. Er kannte die besten

Weideplätze ganz genau. Bald trieb er deshalb die Schafe +links+ dahin.

Bald führte er sie +rechts+. Jetzt mußten sie +vorwärts+ gehen. Nach

einer Weile drängte er sie seitswärts. Er selbst rannte dabei stets hin

und her. In diesem Augenblicke eilte er +dorthin+, im nächsten jagte er

wieder hierhin.

Im späteren Herbste durfte sich die Heerde überallhin zerstreuen.

Einige Schafe begaben sich dann nach dem nahen Waldrande. Andere

grasten an einem Bache fort. Eine Anzahl kletterte auf die Hügel.

Einzelne zogen sich unter Gebüsch zurück.

An solchen Tagen legte sich Sturax meist zu den Füßen des alten Thomas.

Ohne Auftrag lief er dann nirgends hin. Seine Augen aber flogen dabei

hinüber und herüber. Sie verfolgten die einzelnen Schafe bergauf und

thalab.

Endlich sank dann die Sonne hinter die fernen Gebirgshäupter.

Dämmerung lagerte sich über die Flur. Da gab Thomas das Zeichen zur

Heimkehr. Sogleich trieb Sturax die zerstreute Heerde zu dem Hirten

zurück. Langsam schritt dieser nun voraus. Geduldig folgte die Heerde

durch Dick und Dünn. Hierbei übte Sturax wieder das Wächteramt nach

allen Seiten hin.

So gelangte die Schaar endlich vor den Schafstall. Aber auch hier trat

der treue Hund noch nicht ab. Er begleitete sein Volk noch in den Stall

hinein.

117. Treibjagd.

(Woher? Umstandswörter und Verhältnißwörter.)

Die Jäger standen in einem weiten Kreise postirt. Der Schnee fiel in

dichten Massen +hernieder+. Das störte sie nicht.

Bald erscholl das Lärmen der Treiber daher. Einige kamen +von den

Anhöhen herab+. Andere kletterten von den nahen Felsen herunter. Von

links schrillten Pfeifen. Von rechts nahten die Fuchsklappern. Wieder

wo andersher ertönte Peitschengeknall.

Das gescheuchte Wild stürzte von allen Seiten herbei. Aus dem Walde

kamen eine Menge Hasen. Rehe fegten über die kahlen Stoppelfelder

daher. Ein feister Hirsch jagte von seitwärts auf die Jäger zu.

Mochten aber die armen Thiere von daher oder dorther kommen, das Blei

aus dem Rohre der Jäger brachte ihnen den Tod.

Wiederholung der Ortsbestimmung.

118. Die Elbe.

(Wo? Wohin? Woher?)

Die Elbe entspringt auf dem Riesengebirge. Sie fließt zunächst durch

den östlichen Theil Böhmens. Bei dem Städtchen Melnik wird sie

schiffbar. Auf ihrem Rücken schaukeln hier schon bedeutende Kähne.

Unweit Schandau tritt sie nach Sachsen ein. Sachsen empfängt also den

herrlichen Strom aus Böhmen.

In der Nähe des Städtchens Strehla verläßt er den sächsischen Staat

wieder. Von hier an lenkt er seinen Lauf westlich. Sein Sinn steht nach

Magdeburg. Dort bildet die Elbe eine sehr belebte Handelsstraße. Von

Magdeburg weg steuert sie weiter nach Norden. Endlich windet sie sich

aus der nördlichen Ebene heraus. Dicht bei Hamburg nimmt sie noch eine

bedeutende Breite an. Mehrere Meilen von dieser Stadt ergießt sie sich

dann in die Nordsee.

Die Elbe nimmt auf ihrem langen Laufe viel Nebenflüsse auf. Eine große

Zahl kommt von Westen daher. Andere strömen ihr von Osten her zu.

Ihre Ufer sind fast überall sehr fruchtbar. Die reizendsten derselben

liegen zwischen Bodenbach und Schandau. Die Elbwellen tragen eine

Menge Kaufmannsgüter nach Süden. Aus der Tiefe dieses Flusses holt der

Fischer manche Delicatesse für unsern Tisch. An seinem Gestade liegt

manche schöne Stadt. Ueber seinen Spiegel führt manche schöne Brücke.

In seine Fluten taucht zur Sommerzeit manch liebes Menschenkind.

119. Die Luft.

(Fortsetzung.)

Luft gibt es überall. Sie befindet sich sogar im Wasser. Sie dringt in

den kleinsten Raum. Sie kommt aus dem winzigsten Pflanzenzellchen.

Die Luft lenkt ihre Strömungen nach allen Himmelsgegenden. Sie bläst

aus allen Winkeln der Windrose. Luft ist selbst noch im sogenannten

luftleeren Raume enthalten.

Sie erhält allenthalben das Leben. Selbst in das todte Steinreich

trägt sie Schöpfungskraft. Sie fächelt säuselnd durch die Haine. Sie

rauscht als Wind durch die Gipfel. Sie wüthet als Sturm in den Wäldern.

Sie braust als Orkan vom Meere herüber.

Des Windes Sausen hörest Du. Du weißt indeß nicht, von wannen er kommt

und wohin er fährt.

Hauptwiederholung.

120. Die neue Gutsherrschaft.

(Subject, Prädicat, Ergänzungen. Ortsbestimmungen.)

Eine mit zwei muthigen Apfelschimmeln bespannte Karosse aus der

berühmten Wagenbaufabrik der königlichen Residenz brachte dem

dichtbevölkerten Dorfe W. bei der fabrikreichen Stadt Ch. die neue

Gutsherrschaft den mit Ehrenpforten geschmückten Dorfweg daher.

Die zahlreiche Jugend des großen Schulbezirks widmete dem jungen Paare

aus einem altadligen Geschlechte am fahnengeschmückten Eingange des

frohbewegten Ortes einen mehrstimmigen Gesang nach einer reizenden

Composition des alten Cantors.

Der ehrwürdige Pfarrer des wohlhabenden Kirchspiels sprach unter

einer riesigen Linde inmitten des weitgedehnten Dorfes der mit Jubel

begrüßten Gutsherrschaft die herzlichsten Glückwünsche der gesammten

Gemeinde aus.

Der beliebte Seelsorger nannte von seinem altarähnlichen Tritte herab

den jungen Herrn einen bekannten Freund christlicher Sitte.

An dem dichtbekränzten Thore des umfangreichen Rittergutes überreichte

der bejahrte Schulze des betreffenden Ortes dem nunmehrigen Schutzherrn

der zahlreichen Bewohnerschaft ein kostbares Jagdgewehr neuester

Einrichtung.

Der liebenswürdigen Gemahlin des jungen Herrn dagegen schenkte die

schmucke Tochter des reichsten Bauers des festgestimmten Ortes auf dem

weiten Hofe des alterthümlichen Rittersitzes ein mächtiges Butterfaß

mit silbernen Reifen.

An der beflaggten Thür des sogenannten Herrenhauses übergab wiederum

die männliche Dienerschaft des gnädigen Herrn dem neuvermählten Paare

einen geschnitzten Holzteller mit einem hausbackenen Brode.

Der männlichschöne Graf freute sich im tiefsten Grunde seines

gefühlvollen Herzens der vielen Beweise vertrauensvoller Gesinnung von

seiten der biederen Ortsbewohner.

Diese sinnige Feier ihres heutigen Einzugs in ihren neuen Wohnsitz

blieb dem ehrenwerthen Paare eine freundliche Erinnerung auf den bunten

Blättern ihrer beiderseitigen Lebensgeschichte.

Der Umstand der Zeit.

121. Ein Brief.

(Wann? Umstands- und Verhältnißwörter.)

Lieber Theodor!

+Vorgestern+ ist unsere Reise nach Amerika zur Gewißheit geworden.

+Ueber ein Kleines+ wirst Du mich also nicht mehr sehen. Mein Vater

verkauft +bereits+ unsere Möbeln. Unser Haus ist unlängst in die Hände

meines Onkels übergegangen. Derselbe wird nächstens auch meines Vaters

Geschäft übernehmen. Sie sind heute um den Kaufpreis einig geworden.

Auch ich habe soeben ein Verkaufsgeschäft abgeschlossen. Nachbars Otto

erhält nämlich heute noch meine Kaninchen. In einer Stunde werden sie

abgeholt. Für mein Eichhörnchen wird sich hoffentlich auch bald ein

Liebhaber finden. Ich habe schon mein Absehen auf Jemand gerichtet.

Es muß indeß nicht Alles sogleich verkauft sein. Es hat noch bis zum

ersten Juni Zeit damit.

Während der letzten Tage ist eine merkwürdige Veränderung mit mir

vorgegangen. Ich hatte sonst diese Thiere unendlich lieb. Jetzt kann

ich sie gleichgiltig hingeben. Vor vier Wochen bot mir ein Engländer

zwei Thaler für das Eichhörnchen. Neulich wollte er sogar drei Thaler

dafür geben. Ich hätte es ihm damals um keinen Preis abgelassen. Und

nun habe ich zehn Groschen dafür erhalten.

So herrscht gegenwärtig in meinem Hause ein eigenthümliches Leben. Vor

acht Tagen noch befand sich Alles darin in schönster Ordnung. Jetzt

geht es bunt durcheinander. Hoffentlich wird nach kurzer Zeit alles

Entbehrliche verkauft sein. In den letzten Tagen unseres Hierseins

werden wir freilich ein ziemlich ungemüthliches Leben führen müssen.

Ich tröste mich indeß während dieser Zeit mit den Worten meines Vaters.

Er sagte kürzlich: Einst wird’s besser!

Zu nächstem Sonntage werde ich Dich noch einmal besuchen. Später würde

mir ein Besuch nicht gut mehr möglich sein. Ich werde jedenfalls

vormittags gegen neun Uhr bei Dir eintreffen. Vielleicht brauche ich

erst abends heimzukehren.

Sitzen wir dann zusammen in der Laube, wird Dir noch Mancherlei von

seiner bevorstehenden Reise erzählen

Dein Bruno.

122. Der Gemsjäger.

(Wie lange? Seit wann? Umstands- und Verhältnißwörter.)

Ein Gebirgsreisender begleitete einen alten Gemsjäger +bei drei

Stunden+. Dabei erzählte der Alte +fortwährend+ von seinem Jagdleben.

„Ich bin“, sagte er unter Anderem, „seit acht Tagen von heim fort. Von

früh bis abends durchstöbere ich das Gebirge. Dabei gibt es natürlich

unaufhörlich zu steigen. Ueberdies ist man jederzeit jeder Witterung

ausgesetzt. Auch hat man fast immer mit Gefahren zu kämpfen. Namentlich

muß man auf den hohen Felsenpfaden stets auf der Hut sein. Ich habe

einmal über zwei Stunden über einem Abgrunde gehangen. Ein andermal bin

ich beinahe drei Tage ohne einen Trunk Wasser gewesen.

Die Gemsjagd ist überhaupt nicht Jedermanns Ding. Der Gemsjäger muß

oft tagelang hinter einem Verstecke aushalten. Er muß stundenlang

regungslos liegen können. Dabei muß natürlich ununterbrochen

ausgeschaut werden. Er muß ja jederzeit einer Gemse gewärtig sein. Und

das gibt unausgesetzt Aufregung.

Trotz alledem aber wird die Gemsjagd ewig ihre Reize behalten. Ich

selbst bin schon gegen vierzig Jahre Gemsjäger. Und ich werde es

bleiben bis an mein Ende.“

123. Ein alter Krieger.

(Wie oft? Umstands- und Verhältnißwörter.)

Der alte Nachtwächter Schmiedel war ein vielerfahrener Mann. Er war

+dreimal+ mit ins Feld gezogen. Er hatte +gegen zehnmal+ im Feuer

gestanden. +Jederzeit+ mußte er zu den Tapfersten gezählt werden.

Merkwürdigerweise war er jedesmal ohne Verwundung davongekommen.

Er erzählte übrigens selten von seinen Heldenthaten. Nur dann und wann

vermochte ihn ein guter Freund zur Mittheilung seiner Erlebnisse zu

bewegen. Zuweilen gedachte er dabei mit Seufzen der blutigen Jahre.

Manchmal pries er wieder jene große Zeit.

Schmiedel hatte also dem Vaterlande oft große Dienste geleistet. Er

hatte demselben mitunter große Opfer gebracht. Und jetzt? Jetzt mußte

er täglich in nächtlicher Stille das Dorf bewachen. Jetzt mußte er

Nacht für Nacht die einsame Runde machen. Nicht über zwölfmal das

ganze Jahr hindurch hatte er eine Nacht frei. Und welches war sein

Gehalt? Er erhielt allmonatlich vier Thaler. Das macht jährlich

achtundvierzig Thaler.

So ist gewöhnlich Undank der Welt Lohn. Die einstigen Thaten der

heldenmüthigen Krieger werden nicht selten später vergessen.

124. Moses.

(Wiederholung aller Zeitbestimmungen.)

Der kleine Moses war lange das Angstkind seiner Eltern. Seine Mutter

hielt ihn geraume Zeit versteckt. Sein kindliches Weinen erfüllte sie

gewiß sehr oft mit Zittern. Es konnte ja jeden Augenblick von den

ägyptischen Kindesmördern gehört werden. Um sein Leben wäre es dann

geschehen gewesen.

Seit Wochen schon mochte die geängstigte Mutter über einen Rettungsplan

nachdenken. Nächtelang mochte sie darüber sinnen. Täglich mochte sie

den lieben Gott um einen glücklichen Gedanken bitten.

Der Knabe entwickelte sich bereits merklich. Seine Stimme wurde von Tag

zu Tag heller. Noch immer aber fand die arme Mutter keinen Rettungsweg.

Und so steigerte sich fast stündlich ihre Sorge um sein Leben.

Durchstreiften doch Pharao’s Knechte wiederholt die israelitischen

Hütten.

Da endlich kam der Geängsteten ein glücklicher Gedanke. Er sollte auch

sogleich ausgeführt werden. Sie holte alsbald Weidenruthen herbei.

Schon nach wenig Stunden war ein Körbchen geflochten. Darauf klebte sie

es mit Pech aus. Jetzt füllte sie es zur Hälfte mit Stroh. Und so stand

die seltsame Wiege bald fix und fertig da.

In dieses Körbchen legte nun die Mutter ihren Liebling. In aller

Frühe des nächsten Tages erblickte man es zwischen dem hohen Grase

des Nils. Gerade an dieser Stelle kam ja selten ein Aegypter vorbei.

Nur die menschenfreundliche Königstochter nahm gewöhnlich ihren

Spaziergang in diese Gegend. Ueberdies mußte auch die Schwester des

Knaben unausgesetzt Wache halten. Sie mußte fortwährend nach dem

Kleinen sehen. Auch sollte sie zuweilen der Mutter über sein Befinden

berichten. Ueberdies sah die Mutter gewiß selbst manchmal nach ihm.

Hier nun wurde das Kind wenige Stunden darauf von der Königstochter

entdeckt. Diese besann sich ob ihres Thuns keinen Augenblick. Das

Kind wurde sofort einer Amme zur Erziehung übergeben. Die Amme war

bekanntlich des Kindes eigene Mutter.

Zehnmal hätte diese der edlen Prinzessin vor Freuden die Hand küssen

mögen. Unzählige Male mag die glückliche Mutter dem lieben Gott für die

Rettung ihres Kindes gedankt haben.

Nach einer Reihe von Jahren nahm die Prinzessin den nun zum Jünglinge

erwachsenen Findling als ihren Sohn an. Von jetzt an führte er den

Namen Moses.

Moses bewahrte seinem Volke stets ein theilnehmendes Herz. Er besuchte

es fast täglich bei seiner Sklavenarbeit. Leider wurde er eines Tages

aus Liebe zu seinen Brüdern zum Todtschläger. Er hätte sein Gewissen

vor der That fragen sollen. Es räth jederzeit das Rechte.

Moses mochte wol von Jugend an etwas jähzornig sein. In der Wüste

dachte er später gewiß zuweilen an seine That zurück. Sicher hat er sie

hundertmal bereut.

Hauptwiederholung.

125. Jäger und Müller.

(Subject, Prädicat, Ortsbestimmung. Ergänzungen.)

Der braune Hund des herrschaftlichen Jägers hatte den ersten Dienstag

nach dem heiligen Osterfeste auf dem grünen Gemeindeanger des kleinen

Dorfes K. dem reichen Müller der neugebauten Mühle eine fette Henne aus

dem theuern Geschlechte der Perserhühner erbissen.

Die nächste Mittwoch darauf erschlug der rachsüchtige Müller dem

unschuldigen Jäger unweit des alten Gottesackers hinter dem niedrigen

Kirchlein eine junge Gans mit schwarzen Flügeln.

Zudem nannte der jähzornige Mühlenbesitzer den braven Herrn jenes

Hundes denselben Tag noch in dem vielbesuchten Gasthause zum braunen

Stier einen elenden Pfuscher des edlen Waidwerkes.

Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch für den deutschen Sprachunterricht in der Volksschule · 第 8 / 18 段