Eine Stunde lang saß das Kind mit den blassen Wangen am Hügel.

Thränen unsäglichen Schmerzes rannen über dieselben herab. Seufzer

über den unersetzlichen Verlust entstiegen der Kindesbrust. Ein Gebet

herzinnigen Dankes für die Liebe der Entschlafenen bewegte die Lippen.

Die Strahlen der warmen Frühlingssonne grüßten freundlich den

Hügel. Die Goldworte eines tröstenden Bibelspruches blitzten hell

vom Leichensteine herüber. An ihnen richtete sich das Gemüth des

wehklagenden Kindes sichtlich auf. Ein Lichtstrahl aus himmlischer

Höhe schien damit in sein Gemüth zu dringen. Die Thränen um die theure

Dahingeschiedene rannen spärlicher. Auf dem blassen Antlitze des Kindes

lagerte sich der Friede der stillen Gottergebung. Jenes Wort der

heiligen Schrift aber hieß: „Ich will euch wiedersehen und euer Herz

soll sich freuen.“

84. Dämmerung.

(Zwei Doppelbeifügungen nach dem Subject.)

Ein Tag +des schönen Frühlings im letztverflossenen Jahre+ ging zu

Ende. Das Gewölk +über den majestätischen Berggipfeln jenseits des

sanftbewegten Sees+ erglänzte im Purpurgolde. Das Lied der gefiederten

Sänger des frischgrünen Waldes verstummte. Dagegen erhoben nun die

Quaker im dichten Schilfe der nahen Lache ihre Stimme.

Die Heerden der reichen Güter der umliegenden Ortschaften verließen die

Weideplätze. Das Geläute der dumpfen Glocken hüpfender Rinder hallte

melancholisch daher. Die Bebauer der fruchtbaren Felder am diesseitigen

Seeufer zogen ebenfalls heimwärts.

Das Glöcklein der hölzernen Kapelle eines nachbarlichen Dorfes mahnte

zum Abendgebete. Die Häupter der biederen Bebauer jener gottgesegneten

Fluren entblößten sich. Das Gebet des lieben Heilandes Jesu Christi

entstieg stumm ihren Herzen.

Immer dichter zogen sich die Schatten der lieblichen Thäler längs

der murmelnden Bäche zusammen. Die Sterne am nördlichen Saume des

tiefblauen Himmels blickten bereits hernieder. Ein Bild des seligen

Friedens aus höheren Welten bot ringsum die Natur.

85. Der Schneemann.

(Alle Arten einfacher Beifügungen.)

Der alte Winterkönig war eingezogen. Ein blitzendes Schneegewand deckte

die Erde. Lange Eiszapfen zierten die Dächer. Gefrorene Fensterscheiben

glänzten an den Hütten.

Da eilten mehrere Knaben in den Garten. Ihre Hände begannen sogleich zu

arbeiten. Der Zweck der Arbeit war ein Schneemann.

Der Knabe Richard leitete den Bau. Robert’s Hände leisteten am meisten.

Der Sohn des Arztes konnte nur zusehen.

Bald stand ein Schneemann ohne Tadel da. Der Drang zu schaffen war

gestillt.

86. Der junge Storch.

(Alle möglichen Beifügungen vor und nach dem Subject.)

Ein +fleißiger+ Schüler +der ersten Klasse einer gewöhnlichen

Dorfschule der sächsischen Kreisdirection Dresden+ schrieb in einem

Aufsatze unter Anderem Folgendes:

Unser junger Storch auf dem bemoosten Dache der alten Scheune lugte

neugierig in die Welt hinaus. Dieser anerkannte Liebling aller

erwachsenen Glieder unserer großen Familie war etwa drei Monate alt.

Ein neckischer Einfall des ältesten Knechtes meines guten Vaters gab

ihm den Namen Davidel. Dieser sonderbare Name des jungen Storches

unseres kleinen Gutes wurde bald im Dorfe bekannt. Sogar einige große

Knaben aus dem nahen Nachbardorfe des freundlichen Gebirgsthales hatten

ihn erfahren.

Das drollige Benehmen des schmucken Kindes unseres bejahrten

Storchpaares wurde oft belacht. Am meisten freuten sich über ihn die

beiden bausbäckigen Mädchen des neuen Pfarrers unserer zahlreichen

Gemeinde. Auch die drei erwachsenen Söhne des reichen Barons auf der

reizenden Villa am romantischen Dorfende sahen zuweilen stundenlang

seinem Gebaren zu.

Die fürsorgenden Eltern unseres lieben Freundes mit den dünnen

Klapperbeinen brachten ihm des Tages mehr als einmal einen Frosch. Ein

solcher fetter Braten aus dem sumpfigen Grunde des fernen Erlenwaldes

war ihm stets sehr willkommen. Der endliche Tod eines solchen Quakers

während der tiefen Stille warmer Sommernächte war übrigens ein kurzer.

Das verzweifelte Zappeln der grünen Beine des armen Schluckers dauerte

kaum eine Minute.

Unsere stille Freude an dem munteren Firstenbewohner der niederen

Scheune nahm indeß plötzlich ein Ende. Sein erster Ausflug auf die

umliegenden Wiesen unserer umfangreichen Flur brachte ihm den Tod. Die

sechs scharfen Krallen eines gierigen Raubvogels aus dem zwei gute

Stunden entfernten Felsengebirge umklammerten ihn. Ein wuchtiger Stoß

des mörderischen Schnabels jenes mächtigen Ungeheuers durchbohrte ihm

die Hirnschale.

B. Erweiterung des Prädikates.

87. Wilhelm.

(Das Prädikat ein Hauptwort mit Beifügung.)

(Aus einem Briefe.)

Wilhelm hat einen +hellen+ Kopf. Sein Wesen hat +viel+ Einnehmendes. Er

war stets ein Muster der Schule. Er ist deshalb auch der Liebling des

Lehrers. Bald wird er der Oberste der Klasse werden. Diese Beförderung

ist dann sein Lohn. Sie ist auch meine Freude. Wilhelm ist ja mein

Freund.

Wilhelm wird einmal Lehrer der Rechnenkunst. Er hat auffallende Lust

dazu. Gewiß wird er ein Rechnenlehrer ohne Tadel. Vielleicht wird er

gar einmal der Rechnenmeister Adam Riese der Zweite.

88. Der Affe.

(Das Prädikat ein Hauptwort mit mehreren Beifügungen.)

Der Affe ist das +drolligste+ Thier +unserer zoologischen Gärten+. Sein

neckisches Wesen wird oft +der Gegenstand allgemeinen Gelächters+. Die

Affenkäfige sind daher auch die stärksten Anziehungspunkte der lieben

Kinderwelt.

Die Kletterbewegungen der Affen sind oft wahre Kunststücke der höheren

Turnerei. Ihre Schwänze haben dabei den nützlichen Dienst einer fünften

Hand.

Der Affe hat fast stets einen ausgezeichneten Appetit nach süßem

Naschwerke. Seine Freßweise hat den entschiedenen Charakter

heißhungriger Gier.

Er ist kein friedliebender Freund seiner mitgefangenen Kameraden.

Schnell wird er oft ein leibhaftiges Bild des heftigsten Jähzorns.

Seine Zähne sind dabei die gefährlichen Dolche seiner heimtückischen

Rachsucht.

Wohl aber ist der Affe ein großer Freund der schönen Tugend der

Reinlichkeit. Diese Reinlichkeitsliebe ist eine der rühmlichsten

Eigenschaften des gesammten Affengeschlechts.

Der Nachahmungstrieb ist eine allbekannte Eigenschaft der Vierhänder.

Er wurde freilich schon oft die traurige Ursache der lebenslänglichen

Gefangenschaft des südländischen Thieres.

89. Hochmuth.

(Möglichste Erweiterung des Subjects und Prädikats, insofern beide blos

Hauptwörter sind.)

+Jener alte+ Nachtwächter +des kleinen Dorfes Muschelthal an dem

bewaldeten Fuße des steilen Kuffenberges+ ist der einzige Bruder des

reichen Fabrikherrn Hartkopf in dem freundlichen Städtchen Clervaux an

der Aube.

Der greise Wächter in den finsteren Nächten hat kaum die einfache

Nothdurft des täglichen Lebens in seiner ärmlichen Hütte am einsamen

Dorfende. Der verwöhnte Gaumen des vornehmen Bruders dagegen hat stets

eine glänzende Auswahl der leckersten Speisen aus den entlegensten

Fruchtgärten der südlichen Länder.

All seine geschäftlichen Unternehmungen im großen Bereiche der

vielzweigigen Eisenfabrikation waren von den günstigsten Umständen

begleitete Griffe in das launenhafte Rad des menschlichen Glückes.

Dieser beneidenswerthe Schwelger an reichbesetzter Tafel ist indeß

die erbärmliche Kreatur des grenzenlosesten Hochmuths. Dadurch aber

wird der glückliche Besitzer aller äußern Annehmlichkeiten des

irdischen Lebens zum schnöden Verleugner der heiligsten Pflichten des

menschlichen Herzens. Der stolze Inhaber jener großartigen Fabrik im

fernen Frankreich hat nicht die geringste Spur von brüderlicher Liebe

zu dem armen Nachtwächter. Dieser schwächliche Greis wird sicher noch

ein bemitleidenswerther Bewohner des heimatlichen Armenhauses. Der

gewaltige Reichthum des hartherzigen Bruders ist nicht einmal ein

schwacher Halm der Hoffnung auf einstigen Schutz vor einem traurigen

Ende. Des armen Alten letzter Freund wird der von allem Uebel erlösende

Friedensbote aus den seligen Räumen des ewigen Himmels sein.

Ergänzungen.

1. Des Zeitwortes.

~A.~ Einfache.

90. Der Schmetterling.

Im ersten Falle.

Das Schmetterlingsei ward +eine Raupe+. Die Raupe wurde eine Puppe.

Die Puppe wird ein Schmetterling. Diese Verwandlung bleibt ein

Naturräthsel. Sie bleibt ein Wunder. Des Wunders Schöpfer heißt Gott.

91. Ohne Glauben.

Im zweiten Falle.

Der Ungläubige entsagt +der Kindschaft mit Gott+. Er vergißt die

Wohlthaten des Himmelsvaters. Er spottet der göttlichen Gnade. Seine

Hand entsagt der Hilfe von oben. Er gedenkt nicht des Endes. Sein Herz

entbehrt alles Trostes. Der Ungläubige bedarf unserer zurechtweisenden

Hand.

92. Der echte Christ.

Im dritten Falle.

Der echte Christ glaubt +dem Evangelio+. Das Gesetz des Herrn befiehlt

+ihm+. Er gehorcht dem Gesetze. Sein ganzes Leben gehört dem Höchsten.

Sein Herz vertraut dem allgütigen Himmelsvater. Es folgt ihm. Es dankt

ihm. Dem Allgütigen gebührt ja alle Ehre.

Der falsche Christ zürnt dem Gläubigen. Er mißtraut ihm. Er flucht ihm

wol gar. Er schadet seiner Ehre.

Der fromme Christ verzeiht einem solchen Uebermüthigen. Er vergibt

seinem Feinde. Er lebt seinem göttlichen Vorbilde nach.

93. Jakob.

Im vierten Falle.

Jakob besaß +viel Schlauheit+. Er überlistete +den Esau+. Dadurch

erhielt er +das Recht der Erstgeburt+. Er betrog seinen blinden Vater.

Dadurch erschlich er den väterlichen Segen.

Gott aber strafte den Sünder. Den Esau erfaßte die Wuth. Er ballte die

Fäuste. Seine Lippen schäumten Zorn. Er haßte den Bruder. Er wollte die

erlittene Schmach rächen. Seine Hand wollte den Betrüger erwürgen.

Rebekka vernahm den Racheschwur. Entsetzen ergriff ihr Mutterherz. Sie

erkannte die Gefahr. Sie fürchtete den Erzürnten. Sie rief den Jakob.

Schnell war ein Rettungsplan geschmiedet. Ihr Liebling mußte die Flucht

ergreifen.

Auch Rebekka belog nun den blinden Alten. Sie scheute diese Sünde

nicht. Die Lüge sollte Jakob’s Sicherheit bewirken.

Jakob trat die schwere Reise an. Er hatte großen Kummer zu tragen. Er

mußte die zärtlich liebende Mutter verlassen. Er mußte alle häuslichen

Bequemlichkeiten entbehren. Er mußte die theure Heimat meiden. Eine

schwere Schuld belastete sein Herz. Ihn drückte das böse Gewissen. Die

Reue quälte sein Gemüth. Vielleicht feuchteten Thränen seine Augen.

So verfolgte die Strafe den Sünder. So zeigte der Herr seinen gerechten

Arm.

94. Der Lügner.

(Rückbezügliche Zeitwörter. Vierter Fall.)

Moritz entehrte +sich+, indem er der Lüge Freund war. Hatte er +sich+

einmal beschmutzt, bemühte er sich, die Schuld auf Andere zu schieben.

Er beklagte sich wol gar, daß ihn ein gewisser Knabe mit Koth beworfen

habe.

Diese Lügenhaftigkeit verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Einmal

beschäftigte sich Moritz im Schlafzimmer. Dort befanden sich

Streichhölzchen. Mit diesen spielte er. Die Hölzchen aber entzündeten

sich. Das Feuer griff schnell um sich. Vergebens strengte er sich an,

es zu löschen. Es ließ sich nicht mehr dämpfen. Schon bewegte es sich

an einem Vorhange empor.

Moritz entsetzt sich. Er will sich entfernen. Er möchte sich am

liebsten verstecken. Da tritt sein Vater herein. Dieser besinnt sich

nicht lange. Er faßt sich schnell und reißt den Vorhang herunter. Dabei

verbrennt er sich zwar, aber der Schmerz läßt sich ertragen. Die Flamme

züngelt noch einmal empor. Bald aber hat sie sich doch unterdrücken

lassen.

Moritz erdreistet sich aufs neue zu lügen. Darüber betrübt sich der

Vater. Er läßt sich jedoch nicht täuschen. Er überzeugt sich, daß

Moritz das Unheil angerichtet habe. Dieser sieht sich bald überführt.

Die Strafe blieb natürlich nicht aus. Moritz schämte sich. Zum Glück

änderte er sich bald. Er legte die Lügen ab. Er besserte sich.

95. Der Verschwender.

(Alle vier Fälle. Einfache Ergänzung.)

Valentin war +der Sohn eines reichen Edelmannes+. Sein Vater hatte

mehrere Güter. Er hieß ein Millionär. Alle diese Schätze wurden

Valentin’s Eigenthum. Der reiche Erbe aber wurde ein Verschwender.

Sein Charakter entbehrte +aller Grundsätze+. Er vergaß die Mahnungen

seines seligen Vaters. Er achtete nicht der Mahnungen der Vernunft. Er

spottete jeder Arbeit.

Valentin huldigte +allen Untugenden+. All sein Denken galt den

sinnlichen Genüssen. Er fröhnte allen erdenklichen Leidenschaften. Aber

die Strafe folgte dem Laster. Valentin schadete seiner Gesundheit.

Er verlor +alle Achtung+. Sein Vermögen ging den Krebsgang. Seine

guten Freunde verließen ihn. Die Gläubiger dagegen suchten ihn auf.

Schließlich verhaftete ihn das Gericht. Den einstigen Millionär

beherbergte ein Gefängniß. Valentin erhielt eine lange Freiheitsstrafe.

Endlich hatte er sie verbüßt. Aber er war nun ein Bettler. Jetzt erst

gedachte er der wohlgemeinten Rathschläge seines Vaters. Sein Gemüth

erlag der Reue. Er starb den Tod eines Untergegangenen.

96. König und Volk.

(Die Ergänzung durch Hauptwörter mit Verhältnißwörtern.)

Ein König lebt +seiner Stellung gemäß+. Er glänzt infolge seiner Würde.

Kraft seiner Macht regiert er. Vermöge seines Heeres schützt er.

Zufolge seiner Gewalt kann er strafen. Er straft laut der Gesetze.

Das Volk steht +unter dem Gesetze+. Der brave Unterthan lebt nach

den gegebenen Verordnungen. Er schweigt zu den Reden der Aufrührer.

Seine Gedanken stimmen für den Frieden. Er denkt an die Schrecken

einer Revolution. Sie drängt zu schrecklichen Greueln. Sie führt durch

Menschenblut.

97. Im Sturme.

(Die Ergänzung ein Zeitwort in reiner Form.)

Der alte Donnergott beliebt +zu grollen+. Der Himmel beginnt +zu

dunkeln+. Der Sturm fängt an zu toben. Das Schiff sucht zu entkommen.

Es strebt einzulaufen. Das Fahrzeug hebt an zu kämpfen. Es scheint zu

bersten. Es droht zu sinken. Der Kapitän aber hofft dennoch zu siegen.

Er befiehlt zu kappen. Er verordnet zu kreuzen. Das Matrosenvolk indeß

fürchtet zu stranden. Es wünscht zu ankern.

Da mahnt der Kapitän zu gehorchen. Endlich beginnt er zu fluchen. Er

droht zu züchtigen. Er gedenkt sogar zu schießen.

Der Kapitän verfügt aufs neue zu kreuzen. Die Matrosen beschließen zu

gehorchen. Es gelingt endlich anzulegen. Das Schiff ist gerettet.

98. Die Wahrheit.

(Einfache Ergänzung. Alle vier Fälle.)

Die Wahrheit siegt kraft ihrer Macht. -- Sie stammt aus dem Himmel. --

Christus zeugte von ihr. -- Er starb sogar für sie. -- Was hatte er zu

dulden!

99. Die Eisenbahn.

(Wiederholung aller Ergänzungen mit Verhältnißwörtern.)

Ein Eisenbahnzug wird vermöge der Dampfkraft bewegt. Die Wagen rollen

auf eisernen Geleisen dahin. Man staunt über die Fahrgeschwindigkeit.

Die Mitfahrenden wähnen zu fliegen.

Die Eisenbahnen wirken auf alle Handelsverhältnisse wohlthätig ein.

Sie halten auf strenge Pünktlichkeit. Die Fahrten hängen nicht von der

Witterung ab.

Ihr Nutzen wird von dem Publikum auch verstanden. Die Eisenbahnen

streben daher nach immer größerer Ausdehnung.

Eine Eisenbahnfahrt leidet zwar auch an Schattenseiten. Die Zeitungen

berichten sehr oft von Eisenbahnunfällen. Zuweilen rennt ein Zug an

den andern. Wagen kommen aus den Geleisen. Infolge dieser Ereignisse

verunglücken namentlich viele Bahnbeamte. Manche verunglücken freilich

auch zufolge ihrer Unvorsichtigkeit. Viele denken gar nicht mehr an die

Gefahr. Sie bauen leider zu sehr auf ihre Sicherheit. Einzelne wagen in

dieser Hinsicht wol gar zu freveln.

Trotz alledem aber steht der Segen der Eisenbahnen weit über ihren

Nachtheilen.

Hauptwiederholung.

100. Der Geburtstag.

(Erweitertes Subject. Prädikat und einfache Ergänzung.)

Das einzige Söhnchen eines reichen Kaufmanns in dem schöngelegenen

Dorfe S. feierte seinen achten Geburtstag.

Der freundliche Vater des lieben Knaben hatte alle artigen Gespielen

der nächsten Nachbarschaft eingeladen.

Sein biederes Vaterherz war dem frohen Treiben einer lustigen

Kinderschaar hold.

Auch der lieben Mutter des munteren Willi gefiel ein solch heiteres

Kränzchen aus dem glücklichen Reiche lebensfroher Kinder.

Der hellerleuchtete Salon des wohlhabenden Kaufmanns nahm das fröhliche

Völkchen der zahlreichen Festgeladenen auf.

Der bunte Kranz der lebendigen Schaar entwickelte ein jubelndes Leben.

Die umsichtigen Eltern des blondlockigen Geburtstagskindes hatten für

allerhand Unterhaltungen aus dem großen Bereiche der kindlichen Spiele

gesorgt.

Sogar der alte Onkel des gefeierten Willi hatte eine allerliebste

Auswahl verschiedener Belustigungsgegenstände mitgebracht.

Die heitere Kinderschaar des traulichen Kreises folgte der freundlichen

Einladung zum Spiele.

Doppelte Ergänzung.

101. Der Thierquäler.

(Im vierten und zweiten und vierten und dritten Falle.)

Ein Herr beschuldigte +einen Fuhrmann der Thierquälerei+. Der

Fuhrmann zieh ihn dafür der Lüge. Der Herr aber überführte ihn der

Schandthat. Er versicherte sich seiner Person. Schließlich übergab er

den Thierquäler der Polizei. Die Polizei aber überlieferte den rohen

Menschen dem Gerichte.

Der Fuhrmann suchte den Richter seiner Unschuld zu versichern. Jener

Herr belehrte indeß den Mann des Gesetzes eines Besseren. Der Richter

verwies den Angeklagten seiner Lüge. Er überhob ihn schließlich aller

weiteren Selbstvertheidigung.

Das Strafurtheil beraubte den Fuhrmann seiner Freiheit. Es überwies

ihn dem Gefängnisse. Das Fluchen des Verurtheilten entband ihn der

Verbüßung der Strafe nicht. Nur die Milde des Richters entließ ihn

schließlich der Haft.

102. Oskar.

(Rückbezügliche Zeitwörter. Im dritten und vierten Falle.)

Der begabte Oskar ließ +sich+ an einem Schauladen +von einem schönen

Bilde+ fesseln. Er erbaute +sich+ förmlich +an der herrlichen

Zeichnung+. Er nahte sich der Kunstschöpfung wiederholt mit stiller

Bewunderung.

Bald darauf besprach er sich mit seinem Vater. Der Vater entschloß

sich zum Leihen des Bildes. Oskar verpflichtet sich dafür zum Copiren

desselben. Er fürchtet sich nicht vor der Schwierigkeit.

Tagtäglich widmet er sich nun der Künstlerarbeit. Zwei Wochen quält er

sich mit dem Anlegen der Figuren. Drei Wochen plagt er sich mit der

Schattirung. Endlich ist die Copie fertig. Welch ein Genie spricht sich

in ihr aus! Sie läßt sich kaum von dem Originale unterscheiden.

Der Vater betrachtet sie. Er giebt sich lange dem Staunen hin. Endlich

spricht er zu Oskar: „Mein Sohn! Du neigst Dich ganz zur Kunst hin. Du

sollst Dich ihr auch ergeben dürfen.“

103. Eine Verirrung.

(Rückbeziehung. Vierter und zweiter Fall.)

Der Korporal Schimmel befleißigte +sich der größten Pünktlichkeit+.

Er entledigte +sich aller dienstlichen Aufträge+ aufs sorgfältigste.

Er entäußerte sich oft sogar seiner freien Zeit. Seine soldatische

Ausbildung entzog sich jedem Tadel. Während seiner ganzen Dienstzeit

durfte er sich keiner Pflichtverletzung anklagen.

Später wurde er Offizier. Leider schämte er sich nun seiner niederen

Abkunft. Er erinnerte sich nicht gern mehr seiner armen Eltern. Er

enthielt sich sogar des Besuchs derselben.

Erst nach vielen Jahren besann er sich eines Besseren. Er entschlug

sich der stolzen Gedanken. Die dankbare Kindesliebe bemächtigte sich

wieder seines Herzens.

104. Bestrafte Eitelkeit.

(Doppelte Ergänzung. Vierter und vierter Fall.)

Otto’s Sparbüchse hatte sich wieder +um einige Thaler+ bereichert. Da

erklärte sich der eitle Knabe +für den Ankauf einer Taschenuhr+. Bald

auch setzte er sich in den Besitz einer solchen Zeitmesserin. Fast

alle Augenblicke sah er sich die Uhr an. Bald aber wunderte er sich

über ihren Gang. Sie kehrte sich wenig an die rechte Zeit. Sie ließ

sich zuweilen sogar an das Gehen erinnern.

Da entschloß sich Otto zur Selbsthilfe. Er wagte sich an das innere

Werk. Endlich machte er sich gar an die Räder.

Die Uhr aber rächte sich für diese Kühnheit. Sie bewegte sich nicht

mehr von der Stelle. Otto ärgerte sich über diese Tücke. Die Uhr

kümmerte sich indeß nicht um seinen Groll. Sie blieb stehen. Sie war

schlecht.

Otto mußte sich als einen Betrogenen betrachten. Er sah sich jetzt um

sein schönes Geld gebracht.

Er ließ sich die Eitelkeit blenden. Lange noch grämte er sich über

seine Thorheit.

105. Großmuth.

(Ergänzung. Dritter und vierter Fall.)

Ein schwer verwundeter Zuave entsendete +einem deutschen Freiwilligen+

noch +einen Schuß+. Der Freiwillige hätte dem braunen Gesellen eine

Kugel erwidern können. Sie würde diesem sicher das Herz durchbohrt

haben. Aber der Deutsche verzieh dem tückischen Feinde die That. Er

entriß ihm blos das Gewehr. Zudem schnallte er ihm den Säbel ab. Darauf

aber verkündete er dem Zuaven die Gefangenschaft.

Der Schmerz der Wunde hatte dem Afrikaner die Wangen gebleicht. Ein

brennender Durst erschwerte ihm das Sprechen. Der Freiwillige reichte

ihm die Feldflasche. Auch ein Stück Brod gab er dem Hungrigen. Wie

mundete dem Erschöpften der Schluck Wein! Wie schmeckte ihm der Bissen

Brod!

Der Freiwillige indeß zeigte dem Gefangenen noch mehr Großmuth. Er

verband ihm seine Wunde. Er trug ihm sein Gepäck. Er bot ihm sogar

seinen Arm an.

Solcher Edelsinn rührt dem Wüstensohne das Herz. Er drückt dem

Deutschen die Hand. Er will ihm sogar die Hand küssen. Der Freiwillige

indeß entzieht ihm dieselbe.

Der Freiwillige übergab den Gefangenen dem nächsten Feldgendarm. Darauf

aber bot er den feindlichen Reihen aufs neue die Stirn. Aufs neue

zeigte er dem Feinde seinen Heldenmuth.

106. Der Geiz.

(Wiederholung der Doppelergänzungen.)

Der Geiz beraubt den Menschen vieler Freuden. Er verdüstert ihm das

ganze Leben. Er taucht das Herz in eisige Kälte. Er fesselt seine Beute

an den todten Geldkasten. Der Geizige erbarmt sich nicht einmal seines

Viehes.

107. Michel.

(Fortsetzung.)

Der alte Diener Michel bewies seinem Herrn große Treue. Dafür schenkte

ihm dieser auch volles Vertrauen. Er nannte ihn seine rechte Hand.

Er bezeichnete ihn als seinen Vertrauten. Er würdigte ihn sogar der

Mitwissenschaft seiner Vermögensverhältnisse.

Ueber diese Auszeichnung ärgerten sich die anderen Diener. Sie ergingen

sich in neidischen Bemerkungen. Sie erlaubten sich wol gar Schimpfreden.

Der alte Michel aber enthielt sich aller Gegenbeleidigungen. Er

befleißigte sich der großmüthigsten Geduld. Er suchte die Mißgünstigen

nicht einmal eines Besseren zu belehren.

Endlich zeigte Jemand dem Herrn das ungebührliche Verhalten jener

Diener an. Der Herr dankte diesem für diese Mittheilung. Gleich darauf

besprach er sich mit dem Alten. Michel bewahrte sich dabei vor jeder

Anklage.

Ueber diese Biederkeit freute sich der Herr abermals. Jene Diener aber

erhielten von ihm harte Strafe. Er entließ sie ihrer Stellung.

108. Eine Jubelfeier.

(Wiederholung. Subjecte, Prädikate, Ergänzungen erweitert.)

Der allgütige Vater aller Menschenkinder ließ den ehrwürdigen Pfarrer

des großen Fabrikdorfes W. an der gebirgigen Grenze des böhmischen

Landes den schönen Tag seines fünfzigjährigen Amtsantrittes erleben.

Die sämmtlichen Einwohner des belebten Ortes zollten dem greisen Hirten

ihrer Seelen die aufrichtigste Theilnahme ihrer biederen Herzen.

Selbst die verschiedenen Kreise der wohlgesitteten Schuljugend

bezeugten dem freundlichen Inspector ihrer geliebten Bildungsstätte den

ungeheucheltsten Antheil an seinem seltenen Glücke.

Die wohlhabenden Bewohner des umfangreichen Kirchspiels hatten es sich

bedeutende Opfer an baarem Gelde kosten lassen.

Die heutige Feier eines so bedeutungsvollen Festes sollte auf die

gesammte Einwohnerschaft einen bleibenden Eindruck machen. Das

gutgeschulte Musikchor des bevölkerten Ortes brachte dem frohbewegten

Jubelgreise eine erhebende Morgenmusik nach Compositionen alter Meister.

Auch die weithallenden Glocken des fahnengeschmückten Thurmes sendeten

dem gottbegnadigten Priester der ehrsamen Gemeinde die jubelnden Grüße

ihrer ehernen Zungen.

Mehrere große Ehrenpforten mit sinnigen Inschriften gaben den

verschiedenen Aufgängen zu dem mit frischen Blumenkränzen gesäumten

Gotteshause ein festliches Gepräge.

Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch für den deutschen Sprachunterricht in der Volksschule · 第 7 / 18 段