Die Waldarbeiten werden gewöhnlich

~a~) gegen Taglohn,

~b~) im Akkorde, und

~c~) im Minderversteigerungswege vergeben. Von diesen drei Wegen

ist unstreitig der erste auch der beste, und sollte stets Regel

sein. Der Akkord dagegen wäre nur allein bei Fabrikation der Hölzer,

bei Holztransporten, bei kunstmäßigen Weganlagen sowie bei anderen

ähnlichen Arbeiten, welche eine besondere Geschicklichkeit erfordern,

in Anwendung zu bringen.

Als sehr nachtheilig zeigte sich aber bisher sowohl im Walde, als

auch bei anderen Arbeiten, das seit geraumer Zeit eingeführte

Minderversteigerungssystem.

Lebten wir in einer Zeit, wo Mangel an arbeitenden Händen vorhanden

wäre, wo die Arbeit oft um hohe Preise nicht gethan werden könnte, dann

wäre ein solches System gerechtfertiget, so aber muß man, da gerade das

Gegentheil von dieser Voraussetzung vorhanden ist, und da insbesondere

die vorhandene Arbeit mit der Masse von Arbeitskräften in gar keinem

Verhältnisse mehr steht, dasselbe entschieden bekämpfen.

Fassen wir den Zweck dieser Minderversteigerung ins Auge, so können wir

wohl keinen anderen erkennen, als um einen möglichst geringen Preis

eine Arbeit geschehen zu machen. Ist aber ein solches System bezüglich

unserer Waldungen und der Nothwendigkeit, die Armuth zu unterstützen,

zulässig? — Die Erfahrung muß mit „+Nein+“ antworten. Bei einem

solchen Verfahren werden die von den Beamten schon genau berechneten

Kostenvoranschläge, bei der Masse der Arbeit suchenden Menschen, oft

bis ins Unglaubliche heruntergeboten, so zwar, daß es am Tage liegt,

daß die Uebernehmer nicht nur keinen Verdienst, sondern auch oft nicht

einmal für ihre Person zureichende Subsistenzmittel für die Zeit der

Arbeit haben, noch viel weniger aber für ihre armen, hungernden oft

zahlreichen Familien zu Hause. — Haß, Neid, Leidenschaft, Trunk, auch

die bitterste Noth sind bei solchen Versteigerungen die gewöhnlichen

Triebfedern. Eine natürliche +jederzeit unausbleibliche+ Folge davon

ist, daß die Arbeit minder gut ausgeführt, und der aufsehende Beamte

beständig angegangen wird, wegen des schlechten Verdienstes Nachsicht

zu haben. Ist hiemit nun der Sache gedient, hat der Staat einen Gewinn,

wenn z. B. der Meter Waldweg um ein paar Kreuzer billiger, aber so

gemacht wird, daß in kurzer Zeit wieder Reparaturkosten erforderlich

sind, und ist endlich den armen Taglöhnern hiemit geholfen worden,

wenn sie auf diese Art wochenlang gearbeitet haben, ohne hiebei selbst

mit der größten Anstrengung und Entbehrung sich und die Ihrigen

durchbringen zu können? — Muß nicht auf diese Weise die materielle

Noth und die Unzufriedenheit, insbesondere in den Waldgegenden, noch

zunehmen? —

Handelt es sich dagegen um eine größere Arbeit, die auf solche

Weise vergeben wird, und wobei etwas zu verdienen wäre, so tritt der

Wohlhabende als Conkurrent auf, und der arme Taglöhner muß sich alsdann

mit dem Lohne begnügen, welcher ihm von demselben, der nur mit dem

Meter in der Hand auf und ab spazieren geht, gesetzt wird. Daß hiebei,

soviel als thunlich, jeder Kreuzer abgezwackt wird, um recht viel zu

erübrigen, versteht sich von selbst. —

Möchte man sich aus diesen Gründen entschließen, von diesem Systeme,

das des Staates unwürdig und insbesondere unserer Zeit, wo es gilt, zu

helfen, nicht angemessen ist, im Allgemeinen und insbesondere bezüglich

unserer Waldarbeiten ein für allemal gänzlich Umgang zu nehmen.

Im Wege des Akkordes und beim Taglohne können alle Armen einer Gegend

möglichst berücksichtiget, und um nicht zu hohe Preise gute und

dauerhafte Arbeiten gemacht werden.

Bezüglich der Waldkulturen ist aber hier noch zu erwähnen, daß die

Kulturorte, wenn sich dieselben hiezu eigenschaften, und keine andere

erhebliche Hindernisse vorhanden sind, den Armen zur mehrjährigen

landwirthschaftlichen Benützung zu überlassen wären, wodurch denselben

eine wohlthätige Unterstützung zugewendet, und das Gelingen sowie die

Wohlfeilheit der Kultur hiemit befördert werden würde. —

Was aber die Abtretung von Wald zu Feld betrifft, so hat solche, wo

sie bei uns stattgefunden hat, niemals den Erfolg gehabt, den man,

allgemein in Folge einseitiger Anschauung und Kenntnisse anzunehmen,

so gerne bereit ist. — Die Erträge solcher abgetretenen Grundstücke

des bunten Sandsteingebirges der Pfalz nehmen mit jedem Jahre ab, wenn

solche nicht, wie es nur den wohlhabenderen und größeren Oekonomen

möglich ist, in ganz gutem Stande erhalten werden; dagegen vermehren

sich durch diese Waldminderung und die Zunahme wenig ergiebiger Felder

die Ansprüche der immer wachsenden Population auf Forstprodukte

aller Art und insbesondere auf die Waldstreu. — Viele dieser zu Feld

abgegebenen Waldtheile bleiben am Ende, da sich deren Anbau nicht

mehr reichlich genug lohnt, wieder öde liegen, und ein anderer Theil

hievon, der gut ist, wandert bei dem permanenten Nothstande unter den

unteren Klassen unaufhaltsam doch wieder in die Hände der wohlhabenden

Gutsbesitzer.

Wenn die Population übrigens auf eine solche Weise, wie im letzten

Decennium, in unseren Waldgegenden ferner zunimmt so ist wohl nicht

abzusehen, wie dem Proletariate +auf eine zureichende Weise+ in Zukunft

geholfen werden soll. Alle hier aufgeführten Mittel werden dann nicht

mehr im Stande sein, die Devastation unserer Hauptwälder abzuhalten,

alle Anstrengungen des Staates und der Privaten werden nicht vermögend

sein, der Noth der unteren Volksklassen, die mit deren Zunahme und

ihrer Entsittlichung gleichen Schritt geht, mit Erfolg zu begegnen. —

In der Umgegend des Wohnortes vom Verfasser, in einer katholischen und

einer protestantischen Pfarrei, von nicht ganz 2500 Seelen, findet

+jährlich+ blos unter Protestanten und Katholiken, sohin mit Ausschluß

der Juden und anderer Confessionen, nach Abzug der Verstorbenen eine

reine Mehrung von 60 bis 65 Köpfen statt.[24] Von diesem Zuwachse

kommen aber zwei Drittel auf das Proletariat, und ein Drittel erst

auf die besseren Bürgerklassen. Wenn auch in anderen Gegenden das

Verhältniß sich vielleicht etwas anders gestalten mag, so haben wir in

unseren Waldgegenden, insbesondere wenn wir noch erwägen, wie und unter

welchen Einflüssen die Mehrzahl dieser Kinder aufwächst, doch volle

Ursache, für die Zukunft sehr besorgt zu sein.

Die maßlose Güterzertrümmerung, der unbehinderte Aufenthalt von

schlechten Subjekten in den Gemeinden, und insbesondere die

unbeschränkte Ansässigmachung haben bei uns in unseren Waldgegenden

aufs Nachtheiligste gewirkt. Von allen Seiten hat sich das Proletariat,

da nur ein paar Gulden Bürgereinzuggeld zu bezahlen sind, (die Meisten

bleiben es schuldig, und viele Andere halten sich auch ohne die

Bezahlung dieses Einzuggeldes in fremden Gemeinden auf) herbeigezogen,

um sich auf leichte und bequeme Weise auf Kosten des Waldes zu

ernähren.[25] Was die unbeschränkte Ansässigmachung aber betrifft,

so muß man dieselbe, so lange das Proletariat so demoralisirt wie

gegenwärtig ist, als höchst verderblich für unsere Waldungen sowohl,

als überhaupt für die staatliche Gesellschaft bezeichnen. Was

kümmert sich der Proletarier darum, ob er 3 oder 10 Kinder hat, sein

Raisonnement ist: „Die sollen sehen, wie sie durchkommen,“ — oder er

ist der Meinung, daß die besitzende bürgerliche Gesellschaft, da er

in keinem Besitze sei, ~eo ipso~ die Pflicht der Unterhaltung habe.

Jeden Menschenfreund muß es in der Seele betrüben, wenn man sieht, wie

hier der Mensch noch unter das Thier, das die zärtlichste Sorgfalt

für seine Jungen bis zum Alter, wo letztere dieser Hülfe nicht mehr

bedürfen, unermüdet und auf jede Weise an den Tag legt, gesunken ist.

Kaum daß die Kinder des Proletariers laufen können, so beginnt auch

schon die Thätigkeit der Eltern, dieselben, wo sie doch in ihrer

zarten Jugend noch die sorgsamste Pflege und Erziehung erheischten,

zum Umherstreichen, Betteln, und selbst zu Entwendungen aller Art

aufzumuntern, und sie auf diese Weise geistig, sittlich und körperlich

vom Grunde aus zu verderben.

Ist es nicht Pflicht des Staates, fragt man, durch modifizirende

Gesetzgebung dem Uebelstande der unbeschränkten Ansässigmachung zu

begegnen?

Schon die +wohlbegründete+ Besorgniß, daß das Proletariat, bei gleicher

nummerischer Zunahme, über die besseren Bürger die Oberhand gewinnen

wird, muß den gesetzgebenden Gewalten diese Pflicht auferlegen. Man

wende nur nicht ein, daß die unbeschränkte Ansässigmachung im Interesse

der Sittlichkeit nothwendig sei, und daß zum Beweise dieses im

jenseitigen Bayern weit mehr uneheliche Kinder zur Welt kämen, als in

der Pfalz.

Diese Annahme verräth aber nur eine oberflächliche Anschauung

und Täuschung. Daß im jenseitigen Bayern mehr uneheliche

Geburten vorkommen, liegt zum Theil in der dort bestehenden

Ansässigmachungs-Beschränkung, während hier in der Pfalz die Kinder,

wo diese nicht besteht, meist auf eheliche Weise erzeugt werden. Daß

aber die Sittlichkeit im Allgemeinen bei dem Proletariate der Pfalz

höher stehe, als bei jenem der jenseitigen Kreise, von denen man eine

größere Sittlichkeit jedoch ebenfalls nicht behaupten will, muß der

Verfasser aus eigener Anschauung und Erfahrung mit gutem Gewissen

verneinen. Jedenfalls wird die Zunahme der Population +in den unteren

Volksklassen+ der jenseitigen Kreise (eheliche und uneheliche Geburten

zusammengenommen) verhältnißmäßig eine weit geringere sein, als im

Kreise der Pfalz. —

Die Erhaltung unserer Waldungen erfordert es aber +dringend und

abermals dringend+, daß einmal eine Beschränkung der Ansässigmachung

wenigstens in unseren armen Waldgegenden eintrete, daß durch beengende

Maßregeln der Einzug des fremden besitzlosen Proletariats in die

Gemeinden vermindert, der unerlaubte Aufenthalt daselbst nicht ferner

geduldet, und daß endlich vom Staate dafür gesorgt werde, daß die

zum allgemeinen Verderben in fast allen Gemeinden vorhandenen, ganz

demoralisirten, schlechten Subjekte in Stand gesetzt werden, baldigst

auswandern, und so ihre uns verderbliche Thätigkeit auf die Urwälder

Nordamerikas übertragen zu können.[26] —

[Illustration]

Das Proletariat und die Waldungen, mit besonderer Berücksichtigung der bayerischen Rhein-Pfalz. · 第 15 / 16 题