^8 Der Verlust der Leuchtturminsel muss in der Luecke Bell. Alex. 12

ausgefallen sein, da die Insel anfaenglich ja in Caesars Gewalt war

(civ. 3,112; Bell. Alex. 8). Der Damm muss bestaendig in der Gewalt

der Feinde gewesen sein, da Caesar mit der Insel nur durch Schiffe

verkehrte. ----------------------------------------- Dieser

alexandrinische Aufstand, so geringfuegig er an sich war und so wenig

er innerlich zusammenhing mit den weltgeschichtlichen Ereignissen, die

zugleich im roemischen Staate sich vollzogen, griff dennoch insofern in

dieselben folgenreich ein, als er den Mann, der alles in allem war und

ohne den nichts gefoerdert und nichts geloest werden konnte, vom Oktober

706 (48) bis zum Maerz 707 (47) noetigte, seine eigentlichen Aufgaben

liegen zu lassen, um mit Juden und Beduinen gegen einen Stadtpoebel

zu kaempfen. Die Folgen des persoenlichen Regiments fingen an, sich

fuehlbar zu machen. Man hatte die Monarchie; aber ueberall herrschte

die entsetzlichste Verwirrung und der Monarch war nicht da. Ebenwie die

Pompeianer waren augenblicklich auch die Caesarianer ohne obere Leitung;

es entschied ueberall die Faehigkeit der einzelnen Offiziere und vor

allen Dingen der Zufall. In Kleinasien stand bei Caesars Abreise nach

Aegypten kein Feind. Indes hatte Caesars Statthalter daselbst, der

tuechtige Gnaeus Domitius Calvinus, Befehl erhalten, dem Koenig

Pharnakes wiederabzunehmen, was derselbe den Verbuendeten des Pompeius

ohne Auftrag entrissen hatte; und da dieser, ein starrkoepfiger und

uebermuetiger Despot wie sein Vater, die Raeumung Klein- Armeniens

beharrlich verweigerte, so blieb nichts uebrig, als gegen

ihn marschieren zu lassen. Calvinus hatte von den drei ihm

zurueckgelassenen, aus pharsalischen Kriegsgefangenen gebildeten

Legionen zwei nach Aegypten absenden muessen; er ergaenzte die

Luecke durch eine eiligst aus den im Pontus domizilierten Roemern

zusammengeraffte und zwei nach roemischer Art exerzierte Legionen des

Deiotarus und rueckte in Klein-Armenien ein. Allein das bosporanische,

in zahlreichen Kaempfen mit den Anwohnern des Schwarzen Meeres erprobte

Heer erwies sich tuechtiger als das seinige. In dem Treffen bei

Nikopolis ward Calvinus' pontisches Aufgebot zusammengehauen und liefen

die galatischen Legionen davon; nur die eine alte Legion der Roemer

schlug mit maessigem Verlust sich durch. Statt Klein-Armenien zu

erobern, konnte Calvinus nicht einmal verhindern, dass Pharnakes sich

seiner pontischen "Erbstaaten" wieder bemaechtigte und ueber deren

Bewohner, namentlich die ungluecklichen Amisener, die ganze Schale

seiner scheusslichen Sultanslaunen ausgoss (Winter 706/07 48/47). Als

dann Caesar selbst in Kleinasien eintraf und ihm sagen liess, dass der

Dienst, den Pharnakes ihm persoenlich geleistet, indem er Pompeius

keine Hilfe gewaehrt habe, nicht in Betracht kommen duerfe gegen den

dem Reiche zugefuegten Schaden und dass vor jeder Unterhandlung er

die Provinz Pontus raeumen und das geraubte Gut zurueckstellen muesse,

erklaerte er sich zwar bereit zu gehorchen; aber wohl wissend, wie guten

Grund Caesar hatte, nach dem Westen zu eilen, machte er dennoch keine

ernstlichen Anstalten zur Raeumung. Er wusste nicht, dass Caesar abtat,

was er angriff. Ohne weiter zu verhandeln, nahm Caesar die eine von

Alexandreia mitgebrachte Legion und die Truppen des Calvinus und

Deiotarus zusammen und rueckte gegen Pharnakes' Lager bei Ziela. Wie

die Bosporaner ihn kommen sahen, durchschritten sie keck den tiefen

Bergspalt, der ihre Front deckte, und griffen den Huegel hinauf

die Roemer an. Caesars Soldaten waren noch mit dem Lagerschlagen

beschaeftigt und einen Augenblick schwankten die Reihen; allein die

kriegsgewohnten Veteranen sammelten sich rasch und gaben das Beispiel

zum allgemeinen Angriff und zum vollkommenen Siege (2. August 707 47).

In fuenf Tagen war der Feldzug beendigt - zu dieser Zeit, wo jede Stunde

kostbar war, ein unschaetzbarer Gluecksfall. Mit der Verfolgung des

Koenigs, der ueber Sinope heimgegangen war, beauftragte Caesar des

Pharnakes illegitimen Bruder, den tapferen Mithradates von Pergamon,

welcher zum Lohn fuer die in Aegypten geleisteten Dienste an Pharnakes'

Stelle die bosporanische Koenigskrone empfing. Im uebrigen wurden die

syrischen und kleinasiatischen Angelegenheiten friedlich geschlichtet,

die eigenen Bundesgenossen reich belohnt, die des Pompeius im ganzen

mit Geldbussen oder Verweisen entlassen. Nur der maechtigste unter den

Klienten des Pompeius, Deiotarus, wurde wieder auf sein angestammtes

enges Gebiet, den tolistobogischen Gau, beschraenkt. An seiner Stelle

ward mit Klein-Armenien Koenig Ariobarzanes von Kappadokien belehnt, mit

dem von Deiotarus usurpierten Vierfuerstentum der Trokmer aber der neue

Koenig des Bosporus, welcher wie von vaeterlicher Seite dem pontischen,

so von muetterlicher einem der galatischen Fuerstengeschlechter

entstammte. Auch in Illyrien hatten, waehrend Caesar in Aegypten war,

sehr ernsthafte Auftritte sich zugetragen. Die delmatische Kueste war

seit Jahrhunderten ein wunder Fleck der roemischen Herrschaft und die

Bewohner mit Caesar seit den Kaempfen um Dyrrhachion in offener Fehde;

im Binnenland aber wimmelte es noch von dem thessalischen Kriege her von

versprengten Pompeianern. Indes hatte Quintus Cornificius mit den

aus Italien nachrueckenden Legionen sowohl die Eingeborenen wie die

Fluechtlinge im Zaum gehalten und zugleich der in diesen rauben Gegenden

so schwierigen Verpflegung der Truppen genuegt. Selbst als der

tuechtige Marcus Octavius, der Sieger von Curicta, mit einem Teil der

Pompeianischen Flotte in diesen Gewaessern erschien, um hier zur See und

zu Lande den Krieg gegen Caesar zu leiten, wusste Cornificius, gestuetzt

auf die Schiffe und den Hafen der Iadestiner (Zara), nicht bloss sich

zu behaupten, sondern bestand auch selbst zur See gegen die Flotte des

Gegners manches glueckliche Gefecht. Aber als der neue Statthalter von

Illyrien, der von Caesar aus dem Exil zurueckberufene Aulus Gabinius,

mit fuenfzehn Kohorten und 3000 Reitern im Winter 706/07 (48/47) auf

dem Landweg in Illyrien eintraf, wechselte das System der Kriegfuehrung.

Statt wie sein Vorgaenger sich auf den kleinen Krieg zu beschraenken,

unternahm der kuehne taetige Mann sogleich, trotz der rauben Jahreszeit,

mit seiner gesamten Streitmacht eine Expedition in die Gebirge. Aber die

unguenstige Witterung, die Schwierigkeit der Verpflegung und der

tapfere Widerstand der Delmater rieben das Heer auf; Gabinius musste

den Rueckzug antreten, ward auf diesem von den Delmatern angegriffen

und schmaehlich geschlagen, und erreichte mit den schwachen Ueberresten

seiner stattlichen Armee muehsam Salome, wo er bald darauf starb. Die

meisten illyrischen Kuestenstaedte ergaben sich hierauf der Flotte des

Octavius; die an Caesar festhielten, wie Salome und Epidauros (Ragusa

vecchia), wurden von der Flotte zur See, zu Lande von den Barbaren so

heftig bedraengt, dass die Uebergabe und die Kapitulation der in Salome

eingeschlossenen Heerestruemmer nicht mehr fern schien. Da liess der

Kommandant des brundisischen Depots, der energische Publius Vatinius,

in Ermangelung von Kriegsschiffen gewoehnliche Boote mit Schnaebeln

versehen und sie mit den aus den Hospitaelern entlassenen Soldaten

bemannen und lieferte mit dieser improvisierten Kriegsflotte der weit

ueberlegenen Octavianischen bei der Insel Tauris (Torcola zwischen

Lelina und Curzola) ein Treffen, in dem die Tapferkeit des Anfuehrers

und der Schiffssoldaten wie so oft ersetzte, was den Schiffen abging,

und die Caesarianer einen glaenzenden Sieg erfochten. Marcus Octavius

verliess diese Gewaesser und begab sich nach Afrika (Fruehjahr 707 47);

die Delmater setzten zwar noch Jahre lang mit grosser Hartnaeckigkeit

sich zur Wehr, allein es war dies nichts als ein oertlicher

Gebirgskrieg. Als Caesar aus Aegypten zurueckkam, hatte sein

entschlossener Adjutant die in Illyrien drohende Gefahr bereits

beseitigt. Um so ernster stand es in Afrika, wo die Verfassungspartei

vom Anfang des Buergerkrieges an unumschraenkt geherrscht und ihre Macht

fortwaehrend gesteigert hatte. Bis zur Pharsalischen Schlacht hatte

hier eigentlich Koenig Juba das Regiment gefuehrt; er hatte Curio

ueberwunden, und die Kraft des Heeres waren seine fluechtigen Reiter und

seine zahllosen Schuetzen; der Pompeianische Statthalter Varus spielte

neben ihm eine so subalterne Rolle, dass er sogar diejenigen Soldaten

Curios, die sich ihm ergeben hatten, dem Koenig hatte ausliefern

und deren Hinrichtung oder Abfuehrung in das innere Numidien hatte

mitansehen muessen. Dies aenderte sich nach der Pharsalischen Schlacht.

An eine Flucht zu den Parthern dachte, mit Ausnahme des Pompeius selbst,

kein namhafter Mann der geschlagenen Partei. Ebensowenig versuchte

man, die See mit vereinten Kraeften zu behaupten; Marcus Octavius'

Kriegfuehrung in den illyrischen Gewaessern stand vereinzelt und war

ohne dauernden Erfolg. Die grosse Majoritaet der Republikaner wie der

Pompeianer wandte sich nach Afrika, wo allein noch ein ehrenhafter und

verfassungsmaessiger Kampf gegen den Usurpator moeglich schien.

Dort fanden die Truemmer der bei Pharsalos zersprengten Armee, die

Besatzungstruppen von Dyrrhachion, Kerkyra und dem Peloponnes, die Reste

der illyrischen Flotte sich allmaehlich zusammen; es trafen dort ein

der zweite Oberfeldherr Metellus Scipio, die beiden Soehne des Pompeius,

Gnaeus und Sextus, der politische Fuehrer der Republikaner Marcus Cato,

die tuechtigen Offiziere Labienus, Afranius, Petreius, Octavius und

andere. Wenn die Kraefte der Emigration verringert waren, so hatte

dagegen ihr Fanatismus sich womoeglich noch gesteigert. Man fuhr nicht

bloss fort, die Gefangenen und selbst die Parlamentaere Caesars zu

ermorden, sondern Koenig Juba, in dem die Erbitterung des Parteimannes

mit der Wut des halbbarbarischen Afrikaners zusammenfloss, stellte die

Maxime auf, dass in jeder der Sympathien mit dem Feinde verdaechtigen

Gemeinde die Buergerschaft ausgerottet und die Stadt niedergebrannt

werden muesse, und fuehrte auch gegen einige Ortschaften, zum Beispiel

das unglueckliche Vaga bei Hadrumetum, diese Theorie in der Tat

praktisch durch. Ja dass nicht die Hauptstadt der Provinz selber, das

bluehende, ebenwie einst Karthago von den numidischen Koenigen laengst

mit scheelem Auge angesehene Utica, von Koenig Juba dieselbe Behandlung

erfuhr und dass man gegen die, allerdings nicht mit Unrecht, der

Hinneigung zu Caesar beschuldigte Buergerschaft mit Vorsichtsmassregeln

sich begnuegte, hatte sie nur Catos energischem Auftreten zu danken. Da

weder Caesar selbst noch einer seiner Statthalter das geringste gegen

Afrika unternahm, so hatte die Koalition vollkommen Zeit, sich

dort politisch und militaerisch zu reorganisieren. Vor allem war es

notwendig, die durch Pompeius' Tod erledigte Oberfeldherrnstelle aufs

neue zu besetzen. Koenig Juba hatte nicht uebel Lust, die Stellung, die

er bis auf die Pharsalische Schlacht in Afrika gehabt, auch ferner zu

behaupten; wie er denn ueberhaupt nicht mehr als Klient der Roemer,

sondern als gleichberechtigter Verbuendeter oder gar als Schutzherr

auftrat und zum Beispiel es sich herausnahm, roemisches Silbergeld mit

seinem Namen und Wappen zu schlagen, ja sogar den Anspruch erhob, allein

im Lager den Purpur zu fuehren und den roemischen Heerfuehrern ansann,

den purpurnen Feldherrnmantel abzulegen. Metellus Scipio ferner

forderte den Oberbefehl fuer sich, weil Pompeius ihn, mehr aus

schwiegersoehnlichen als aus militaerischen Ruecksichten, im

thessalischen Feldzug als sich gleichberechtigt anerkannt hatte.

Die gleiche Forderung erhob Varus als - freilich selbsternannter -

Statthalter von Afrika, da der Krieg in seiner Provinz gefuehrt werden

sollte. Endlich die Armee begehrte zum Fuehrer den Propraetor Marcus

Cato. Offenbar hatte sie recht. Cato war der einzige Mann, der fuer das

schwere Amt die erforderliche Hingebung, Energie und Autoritaet besass;

wenn er kein Militaer war, so war es doch unendlich besser, einen

Nichtmilitaer, der sich zu bescheiden und seine Unterfeldherrn handeln

zu lassen verstand, als einen Offizier von unerprobter Faehigkeit, wie

Varus, oder gar einen von erprobter Unfaehigkeit, wie Metellus Scipio,

zum Oberfeldherrn zu bestellen. Indes die Entscheidung fiel schliesslich

auf ebendiesen Scipio, und Cato selbst war es, der sie im wesentlichen

bestimmte. Es geschah dies nicht, weil er jener Aufgabe sich nicht

gewachsen fuehlte oder weil seine Eitelkeit bei dem Ausschlagen mehr

ihre Rechnung fand als bei dem Annehmen; noch weniger, weil er Scipio

liebte oder achtete, mit dem er vielmehr persoenlich verfeindet war und

der ueberall bei seiner notorischen Untuechtigkeit einzig durch seine

Schwiegervaterschaft zu einer gewissen Bedeutung gelangt war; sondern

einzig und allein, weil sein verbissener Rechtsformalismus lieber die

Republik von Rechts wegen zugrunde gehen liess, als sie auf irregulaere

Weise rettete. Als er nach der Pharsalischen Schlacht auf Kerkyra mit

Marcus Cicero zusammentraf, hatte er sich erboten, diesem, der noch von

seiner kilikischen Statthalterschaft her mit der Generalschaft behaftet

war, als dem hoeherstehenden Offizier, wie es Rechtens war, das Kommando

in Kerkyra zu uebertragen und den ungluecklichen Advokaten, der

seine Lorbeeren vom Amanos jetzt tausendmal verwuenschte, durch

diese Bereitwilligkeit fast zur Verzweiflung, aber auch alle halbwegs

einsichtigen Maenner zum Erstaunen gebracht. Die gleichen Prinzipien

wurden hier geritten, wo etwas mehr darauf ankam; Cato erwog die Frage,

wem die Oberfeldherrnstelle gebuehre, als handelte es sich um ein

Ackerfeld bei Tusculum, und sprach sie dem Scipio zu. Durch diesen

Ausspruch wurde seine eigene und die Kandidatur des Varus beseitigt.

Er war es aber auch, und er allein, der mit Energie den Anspruechen des

Koenigs Juba entgegentrat und es ihn fuehlen liess, dass der roemische

Adel zu ihm nicht bittend komme wie zu dem Grossfuersten der Parther,

um bei dem Schutzherrn Beistand zu suchen, sondern befehlend und von dem

Untertan Beistand fordernd. Bei dem gegenwaertigen Stande der roemischen

Streitkraefte in Afrika konnte Juba nicht umhin, etwas gelindere Saiten

aufzuziehen, obgleich er freilich bei dem schwachen Scipio es dennoch

durchsetzte, dass die Besoldung seiner Truppen der roemischen Kasse

aufgebuerdet und fuer den Fall des Sieges ihm die Abtretung der Provinz

Afrika zugesichert ward. Dem neuen Oberfeldherrn zur Seite trat wiederum

der Senat der "Dreihundert", der in Utica seinen Sitz aufschlug

und seine gelichteten Reihen durch Aufnahme der angesehensten und

vermoegendsten Maenner des Ritterstandes ergaenzte. Die Ruestungen

wurden, hauptsaechlich durch Catos Eifer, mit der groessten Energie

gefoerdert und jeder waffenfaehige Mann, selbst Freigelassene und

Libyer, in die Legionen eingestellt; wodurch dem Ackerbau die Haende so

sehr entzogen wurden, dass ein grosser Teil der Felder unbestellt blieb,

aber allerdings auch ein imposantes Resultat erzielt ward. Das schwere

Fussvolk zaehlte vierzehn Legionen, wovon zwei bereits durch Varus

aufgestellt, acht andere teils aus den Fluechtigen, teils aus den in der

Provinz Konskribierten gebildet und vier roemisch bewaffnete Legionen

des Koenigs Juba waren. Die schwere Reiterei, bestehend aus den mit

Labienus eingetroffenen Kelten und Deutschen und allerlei darunter

eingereihten Leuten, war ohne Jubas roemisch geruestete Reiterschar 1600

Mann stark. Die leichten Truppen bestanden aus zahllosen Massen

ohne Zaum und Zuegel reitender und bloss mit Wurfspeeren bewaffneter

Numidier, aus einer Anzahl berittener Bogenschuetzen und grossen

Schwaermen von Schuetzen zu Fuss. Dazu kamen endlich Jubas 120 Elefanten

und die von Publius Varus und Marcus Octavius befehligte 55 Segel

starke Flotte. Dem drueckenden Geldmangel wurde einigermassen durch eine

Selbstbesteuerung des Senats abgeholfen, die um so ergiebiger war,

als die reichsten afrikanischen Kapitalisten in denselben einzutreten

veranlasst worden waren. Getreide und andere Vorraete hatte man in

den verteidigungsfaehigen Festungen in ungeheuren Massen aufgehaeuft,

zugleich aus den offenen Ortschaften die Vorraete moeglichst entfernt.

Die Abwesenheit Caesars, die schwierige Stimmung seiner Legionen, die

Gaerung in Spanien und Italien hoben allmaehlich die Stimmung, und die

Erinnerung an die Pharsalische Schlacht fing an, neuen Siegeshoffnungen

zu weichen. Die von Caesar in Aegypten verlorene Zeit raechte nirgend

sich schwerer als hier. Haette er unmittelbar nach Pompeius' Tode

sich nach Afrika gewendet, so wuerde er daselbst ein schwaches,

desorganisiertes und konsterniertes Heer und vollstaendige Anarchie

unter den Fuehrern vorgefunden haben; wogegen jetzt, namentlich durch

Catos Energie, eine der bei Pharsalos geschlagenen an Zahl gleiche

Armee unter namhaften Fuehrern und unter einer geregelten Oberleitung in

Afrika stand. Es schien ueberhaupt ueber dieser afrikanischen Expedition

Caesars ein eigener Unstern zu walten. Noch vor seiner Einschiffung nach

Aegypten hatte Caesar in Spanien und Italien verschiedene Massregeln zur

Einleitung und Vorbereitung des afrikanischen Krieges angeordnet; aus

allen war aber nichts als Unheil entsprungen. Von Spanien aus sollte,

Caesars Anordnung zufolge, der Statthalter der suedlichen Provinz,

Quintus Cassius Longinus, mit vier Legionen nach Afrika uebersetzen,

dort den Koenig Bogud von Westmauretanien ^9 an sich ziehen und mit ihm

gegen Numidien und Afrika vorgehen. Aber jenes nach Afrika bestimmte

Heer schloss eine Menge geborener Spanier und zwei ganze ehemals

Pompeianische Legionen in sich; Pompeianische Sympathien herrschten

in der Armee wie in der Provinz, und das ungeschickte und tyrannische

Auftreten des Caesarischen Statthalters war nicht geeignet, sie zu

beschwichtigen. Es kam foermlich zum Aufstande; Truppen und Staedte

ergriffen Partei fuer oder gegen den Statthalter; schon war es darauf

oder daran, dass die, welche gegen den Statthalter Caesars sich erhoben

hatten, offen die Fahne des Pompeius aufsteckten; schon hatte Pompeius'

aeltester Sohn Gnaeus, um diese guenstige Wendung zu benutzen, sich von

Afrika nach Spanien eingeschifft, als die Desavouierung des Statthalters

durch die angesehensten Caesarianer selbst und das Einschreiten des

Befehlshabers der noerdlichen Provinz den Aufstand eben noch rechtzeitig

unterdrueckten. Gnaeus Pompeius, der unterwegs mit einem vergeblichen

Versuch, sich in Mauretanien festzusetzen, Zeit verloren hatte, kam zu

spaet; Gaius Trebonius, den Caesar nach seiner Heimkehr aus dem Osten

zur Abloesung des Cassius nach Spanien sandte (Herbst 707 47), fand

ueberall unweigerlichen Gehorsam. Aber natuerlich war ueber diesen

Irrungen von Spanien aus nichts geschehen, um die Organisation der

Republikaner in Afrika zu stoeren; ja es war sogar, infolge der

Verwicklungen mit Longinus, Koenig Bogud von Westmauretanien, der auf

Caesars Seite stand und wenigstens Koenig Juba einige Hindernisse haette

in den Weg legen koennen, mit seinen Truppen nach Spanien

abgerufen worden.

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^9 Die Staatengestaltung im nordwestlichen Afrika waehrend dieser Zeit

liegt sehr im Dunkel. Nach dem Jugurthinischen Kriege herrschte Koenig

Bocchus von Mauretanien wahrscheinlich vom westlichen Meere bis zum

Hafen von Saldae, in dem heutigen Marokko und Algier; die von den

mauretanischen Oberkoenigen wohl von Haus aus verschiedenen Fuersten

von Tingis (Tanger), die schon frueher vorkommen (Plut. Sert. 9) und zu

denen vermutlich Sallusts (hist. 3, 31 Kritz) Leptasta und Ciceros

(Vat. 5, 12) Mastanesosus gehoeren, moegen in beschraenkten Grenzen

selbstaendig gewesen oder auch bei ihm zu Lehen gegangen sein; aehnlich

wie schon Syphax ueber viele Stammfuersten gebot (App. Pun. 10) und um

diese Zeit in dem benachbarten Numidien Cirta, wahrscheinlich doch unter

Jubas Oberherrlichkeit, von dem Fuersten Massinissa besessen ward (App.

civ. 4, 54). Um 672 (82) finden wir an Bocchus' Stelle einen Koenig

Bocud oder Bogud (Oros. hist. 5, 21, 14), des Bocchus Sohn. Von 705

(49) an erscheint das Reich geteilt zwischen dem Koenig Bogud, der die

westliche, und dem Koenig Bocchus, der die oestliche Haelfte besitzt und

auf welche die spaetere Scheidung Mauretaniens in Boguds Reich oder den

Staat von Tingis und Bocchus' Reich oder den Staat von Jol

(Caesarea) zurueckgeht (Plin. nat. 5, 2, 19, vergl. Bell. Afr. 23).

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Bedenklicher noch waren die Vorgaenge unter den Truppen, die Caesar im

suedlichen Italien hatte zusammenziehen lassen, um mit ihnen nach Afrika

ueberzuschiffen. Es waren groesstenteils die alten Legionen, die in

Gallien, Spanien, Thessalien Caesars Thron begruendet hatten. Den Geist

dieser Truppen hatten die Siege nicht gebessert, die lange Rast in

Unteritalien vollstaendig zerruettet. Die fast uebermenschlichen

Zumutungen, die der Feldherr an sie machte und deren Folgen in den

schrecklich gelichteten Reihen nur zu grell hervortraten, liessen selbst

in diesen Eisenmaennern einen Sauerteig des Grolls zurueck, der nur

der Zeit und Ruhe bedurfte, um die Gemueter in Gaerung zu bringen. Der

einzige Mann, der ihnen imponierte, war seit einem Jahre fern und fast

verschollen, ihre vorgesetzten Offiziere aber scheuten weit mehr sich

vor den Soldaten als diese vor ihnen und sahen den Weltbesiegern jede

Brutalitaet gegen ihre Quartiergeber und jede Indisziplin nach. Als nun

der Befehl, sich nach Sizilien einzuschiffen, kam und der Soldat das

ueppige Wohlleben in Kampanien wieder mit einer dritten, der spanischen

und thessalischen an Drangsalen sicher nicht nachstehenden

Kampagne vertauschen sollte, rissen die allzulange gelockerten und

allzuploetzlich wiederangezogenen Zuegel. Die Legionen weigerten sich

zu gehorchen, bevor die versprochenen Geschenke ihnen gezahlt seien,

und wiesen die von Caesar gesandten Offiziere mit Hohnreden, ja mit

Steinwuerfen zurueck. Ein Versuch, den beginnenden Aufstand durch

Steigerung der versprochenen Summen zu daempfen, hatte nicht bloss

keinen Erfolg, sondern die Soldaten brachen massenweise auf, um die

Erfuellung der Versprechungen in der Hauptstadt von dem Feldherrn zu

erpressen. Einzelne Offiziere, die die meuterischen Rotten unterwegs

zurueckzuhalten versuchten, wurden erschlagen. Es war eine furchtbare

Gefahr. Caesar liess die wenigen in der Stadt befindlichen Soldaten die

Tore besetzen, um die mit Recht befuerchtete Pluenderung wenigstens fuer

den ersten Anlauf abzuwehren, und erschien ploetzlich unter dem tobenden

Haufen mit der Frage, was sie begehrten. Man rief: den Abschied.

Augenblicklich ward er, wie gebeten, erteilt. Wegen der Geschenke,

fuegte Caesar hinzu, welche er fuer den Triumph seinen Soldaten zugesagt

habe, sowie wegen der Aecker, die er ihnen nicht versprochen, aber

bestimmt gehabt, moechten sie an dem Tage, wo er mit den anderen

Soldaten triumphieren werde, sich bei ihm melden; an dem Triumphe

selbst freilich koennten sie, als vorher entlassen, natuerlich

nicht teilnehmen. Auf diese Wendung waren die Massen nicht gefasst;

ueberzeugt, dass Caesar ihrer fuer den afrikanischen Feldzug nicht

entraten koenne, hatten sie den Abschied nur gefordert, um, wenn er

ihnen verweigert werde, daran ihre Bedingungen zu knuepfen. Halb

Römische Geschichte — Buch 5 · 第 47 / 68 段