und Hafenplaetze, gaben fuer den Seekrieg, namentlich im kleinen, die
vorteilhaftesten Aussichten. Wie einst Sullas Demokratenhetze geendigt
hatte mit dem Sertorianischen Aufstand, der anfangs Piraten-, dann
Raeuberfehde war und schliesslich doch ein sehr ernstlicher Krieg
ward, so konnte, wenn in der catonischen Aristokratie oder unter
den Anhaengern des Pompeius so viel Geist und Feuer war wie in der
marianischen Demokratie, und wenn in ihr der rechte Seekoenig sich
fand, auf dem noch unbezwungenen Meere wohl ein von Caesars Monarchie
unabhaengiges und vielleicht dieser gewachsenes Gemeinwesen entstehen.
In jeder Hinsicht weit schaerfere Missbilligung verdient der Gedanke,
einen unabhaengigen Nachbarstaat in den roemischen Buergerkrieg
hineinzuziehen und durch ihn eine Konterrevolution herbeizufuehren:
Gesetz und Gewissen verurteilen den Ueberlaeufer strenger als den
Raeuber, und leichter findet die siegreiche Raeuberschar den Rueckweg
zu einem freien und geordneten Gemeinwesen, als die vom Landesfeind
zurueckgefuehrte Emigration. Uebrigens war es auch kaum wahrscheinlich,
dass die geschlagene Partei auf diesem Wege eine Restauration wuerde
bewirken koennen. Der einzige Staat, auf den sie versuchen konnte sich
zu stuetzen, war der der Parther; und von diesem war es wenigstens
zweifelhaft, ob er ihre Sache zu der seinigen machen, und sehr
unwahrscheinlich, dass er gegen Caesar sie durchfechten werde. Die
Zeit der republikanischen Verschwoerungen aber war noch nicht gekommen.
Waehrend also die Truemmer der geschlagenen Partei ratlos vom Schicksal
sich treiben liessen und auch die den Kampf fortzusetzen entschieden
waren nicht wussten, wie noch wo, hatte Caesar, wie immer rasch
entschlossen und rasch handelnd, alles beiseite gelassen, um Pompeius zu
verfolgen, den einzigen seiner Gegner, den er als Offizier achtete, und
denjenigen, dessen persoenliche Gefangennahme die eine und vielleicht
die gefaehrlichere Haelfte seiner Gegner wahrscheinlich paralysiert
haben wuerde. Mit weniger Mannschaft fuhr er ueber den Hellespont -
seine einzelne Barke traf in demselben auf eine feindliche, nach dem
Schwarzen Meere bestimmte Flotte und nahm die ganze, durch die Kunde
von der Pharsalischen Schlacht wie mit Betaeubung geschlagene Mannschaft
derselben gefangen - und eilte, sowie die notwendigsten Anordnungen
getroffen waren, Pompeius in den Osten nach. Dieser war vom
Pharsalischen Schlachtfeld nach Lesbos gegangen, wo er seine Gemahlin
und seinen zweiten Sohn Sextus abholte, und weiter um Kleinasien herum
nach Kilikien und von da nach Kypros gesegelt. Er haette zu seinen
Parteigenossen nach Kerkyra oder Afrika gelangen koennen; allein der
Widerwille gegen seine aristokratischen Verbuendeten und der Gedanke an
die Aufnahme, die nach dem Tage von Pharsalos und vor allem nach seiner
schimpflichen Flucht ihn dort erwartete, scheinen ihn bewogen zu
haben, seinen Weg fuer sich zu gehen und lieber in den Schutz
des Partherkoenigs als in den Catos sich zu begeben. Waehrend er
beschaeftigt war, von den roemischen Steuerpaechtern und Kaufleuten auf
Kypros Geld und Sklaven beizutreiben und einen Haufen von 2000 Sklaven
zu bewaffnen, erhielt er die Nachricht, dass Antiocheia sich fuer Caesar
erklaert habe und der Weg zu den Parthern nicht mehr offen sei. So
aenderte er seinen Plan und ging unter Segel nach Aegypten, wo in dem
Heere eine Menge seiner alten Soldaten dienten und die Lage und die
reichen Hilfsmittel des Landes Zeit und Gelegenheit gewaehrten, den
Krieg zu reorganisieren. In Aegypten hatten nach Ptolemaeos Auletes'
Tode (Mai 703 51) dessen Kinder, die etwa sechzehnjaehrige Kleopatra
und der zehnjaehrige Ptolemaeos Dionysos, nach dem Willen ihres Vaters
gemeinschaftlich und als Gatten, den Thron bestiegen; allein bald hatte
der Bruder oder vielmehr dessen Vormund Potheinos die Schwester aus dem
Reiche getrieben und sie genoetigt, eine Zuflucht in Syrien zu
suchen, von wo aus sie Anstalten traf, um in ihr vaeterliches Reich
zurueckzugelangen. Ptolemaeos und Potheinos standen eben, um gegen sie
die Ostgrenze zu decken, mit der ganzen aegyptischen Armee bei Pelusion,
als Pompeius bei dem Kasischen Vorgebirge vor Anker ging und den Koenig
ersuchen liess, ihm die Landung zu gestatten. Der aegyptische Hof,
laengst von der Katastrophe bei Pharsalos unterrichtet, war im Begriffe,
Pompeius zurueckzuweisen; allein der Hofmeister des Koenigs, Theodotos,
wies darauf hin, dass in diesem Falle Pompeius wahrscheinlich seine
Verbindungen in der aegyptischen Armee benutzen werde, um dieselbe
aufzuwiegeln; es sei sicherer und auch mit Ruecksicht auf Caesar
vorzuziehen, wenn man die Gelegenheit wahrnehme, um Pompeius aus der
Welt zu schaffen. Dergleichen politische Raesonnements verfehlten bei
den Staatsmaennern der hellenischen Welt nicht leicht ihre Wirkung. Der
General der koeniglichen Truppen, Achillas, und einige von Pompeius'
ehemaligen Soldaten fuhren mit einem Kahn an Pompeius' Schiff heran und
luden ihn ein, zum Koenig zu kommen und, da das Fahrwasser seicht sei,
ihre Barke zu besteigen. Im Aussteigen stach der Kriegstribun Lucius
Septimius ihn hinterruecks nieder, unter den Augen seiner Gattin und
seines Sohnes, welche von dem Verdeck ihres Schiffes aus dem Morde
zusehen mussten, ohne retten oder raechen zu koennen (28. September
706 48). An demselben Tage, an dem er dreizehn Jahre zuvor, ueber
Mithradates triumphierend, in die Hauptstadt eingezogen war, endigte
auf einer oeden Duene des unwirtlichen kasischen Strandes durch die Hand
eines seiner alten Soldaten der Mann, der ein Menschenalter hindurch
der Grosse geheissen und Jahre lang Rom beherrscht hatte. Ein guter
Offizier, uebrigens aber von mittelmaessigen Gaben des Geistes und
des Herzens, hatte das Schicksal mit dreissigjaehriger daemonischer
Bestaendigkeit alle glaenzenden muehelosen Aufgaben nur darum ihm zu
loesen gewaehrt, alle von anderen gepflanzten und gepflegten Lorbeeren
nur darum ihm zu brechen gestattet, nur darum alle Bedingungen zur
Erlangung der hoechsten Gewalt ihm entgegengetragen, um an ihm ein
Beispiel falscher Groesse aufzustellen, wie die Geschichte kein zweites
kennt. Unter allen klaeglichen Rollen gibt es keine klaeglichere
als die, mehr zu gelten als zu sein; und es ist das Verhaengnis der
Monarchie, da doch kaum alle tausend Jahre in dem Volke ein Mann
aufsteht, welcher Koenig nicht bloss heisst, sondern auch ist,
dass diese Klaeglichkeit unvermeidlich an ihr haftet. Wenn dies
Missverhaeltnis zwischen Scheinen und Sein vielleicht nie so schroff
hervorgetreten ist wie in Pompeius, so mag der ernste Gedanke wohl
dabei verweilen, dass er eben in gewissem Sinn die Reihe der roemischen
Monarchen eroeffnet. Als Caesar, Pompeius' Spuren folgend, auf der
Reede von Alexandreia eintraf, war bereits alles vorueber. Mit tiefer
Erschuetterung wandte er sich ab, als ihm der Moerder das Haupt des
Mannes auf das Schiff entgegentrug, der sein Schwiegersohn und lange
Jahre sein Genosse in der Herrschaft gewesen und den lebend in seine
Gewalt zu bringen er nach Aegypten gekommen war. Die Antwort auf die
Frage, wie Caesar mit dem gefangenen Pompeius verfahren sein wuerde,
hat der Dolch des voreiligen Moerders abgeschnitten; aber wenn die
menschliche Teilnahme, die in Caesars grosser Seele noch neben dem
Ehrgeiz Raum fand, ihm die Schonung des ehemaligen Freundes gebot, so
forderte auch sein Interesse, denselben auf andere Art zu annullieren
als durch den Henker. Pompeius war zwanzig Jahre lang der anerkannte
Gebieter von Rom gewesen; eine so tief gewurzelte Herrschaft geht nicht
unter mit dem Tode des Herrn. Pompeius' Tod loeste die Pompeianer nicht
auf, sondern gab ihnen statt eines bejahrten, unfaehigen und vernutzten
Hauptes an dessen beiden Soehnen Gnaeus und Sextus zwei Fuehrer, welche
beide jung und ruehrig und von denen der zweite eine entschiedene
Kapazitaet war. Der neugegruendeten Erbmonarchie heftete sogleich
parasitisch sich das erbliche Praetendententum an, und es war sehr
zweifelhaft, ob bei diesem Wechsel der Personen Caesar nicht mehr
verlor, als er gewann. Indes in Aegypten hatte Caesar jetzt nichts
weiter zu tun, und Roemer und Aegypter erwarteten, dass er sofort
wieder unter Segel gehen und sich an die Unterwerfung Afrikas und an
das unermessliche Organisationswerk machen werde, das ihm nach dem Siege
bevorstand. Allein Caesar, seiner Gewohnheit getreu, wo er einmal in dem
weiten Reiche sich befand, die Verhaeltnisse sogleich und persoenlich
endgueltig zu regeln, und fest ueberzeugt, dass weder von der roemischen
Besatzung noch von dem Hofe irgendein Widerstand zu erwarten sei,
ueberdies in dringender Geldverlegenheit, landete in Alexandreia mit den
zwei ihn begleitenden, auf 3200 Mann zusammengeschmolzenen Legionen und
800 keltischen und deutschen Reitern, nahm Quartier in der koeniglichen
Burg und ging daran, die noetigen Summen beizutreiben und die
aegyptische Erbfolge zu ordnen, ohne sich stoeren zu lassen durch
Potheinos' naseweise Bemerkung, dass Caesar doch ueber diese
Kleinigkeiten nicht seine so wichtigen eigenen Angelegenheiten
versaeumen moege. Gegen die Aegypter verfuhr er dabei gerecht und selbst
nachsichtig. Obwohl der Beistand, den sie Pompeius geleistet hatten,
zur Auflegung einer Kriegskontribution berechtigte, ward doch das
erschoepfte Land damit verschont und unter Erlass dessen, was auf die im
Jahre 695 (59) stipulierte und seitdem erst etwa zur Haelfte abbezahlte
Summe weiter rueckstaendig war, lediglich eine Schlusszahlung von 10
Mill. Denaren (3 Mill. Taler) gefordert. Den beiden kriegfuehrenden
Geschwistern ward die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten
anbefohlen und beide zur Untersuchung und Entscheidung des Streites vor
den Schiedsherrn geladen. Man fuegte sich; der koenigliche Knabe befand
sich bereits in der Burg und auch Kleopatra stellte dort sich ein.
Caesar sprach das Reich Aegypten, dem Testament des Auletes gemaess, den
beiden geschwisterlichen Gatten Kleopatra und Ptolemaeos Dionysos zu
und gab ferner unaufgefordert, unter Kassierung der frueher verfuegten
Einziehung des Kyprischen Reiches, dieses als aegyptische Sekundogenitur
an die juengeren Kinder des Auletes Arsinoe und Ptolemaeos den
Juengeren. Allein im stillen bereitete ein Ungewitter sich vor.
Alexandreia war eine Weltstadt so gut wie Rom, an Einwohnerzahl der
italischen Hauptstadt schwerlich nachstehend, an ruehrigem Handelsgeist,
an Handwerkergeschick, an Sinn fuer Wissenschaft und Kunst ihr weit
ueberlegen; in der Buergerschaft war ein reges nationales Selbstgefuehl
und wenn kein politischer Sinn, doch ein unruhiger Geist, der sie ihre
Strassenkrawalle so regelmaessig und so herzhaft abhalten liess wie
heutzutage die Pariser; man kann sich ihre Empfindungen denken, als sie
in der Residenz der Lagiden den roemischen Feldherrn schalten und
ihre Koenige vor seinem Tribunal Recht nehmen sah. Potheinos und der
koenigliche Knabe, beide begreiflicherweise sehr unzufrieden sowohl mit
der peremtorischen Einmahnung alter Schulden wie mit der Intervention
in dem Thronstreit, welche nur zu Gunsten der Kleopatra ausfallen konnte
und ausfiel, schickten zur Befriedigung der roemischen Forderungen
die Schaetze der Tempel und das goldene Tischgeraet des Koenigs mit
absichtlicher Ostentation zum Einschmelzen in die Muenze; mit tiefer
Erbitterung schauten die aberglaeubisch frommen und der weltberuehmten
Pracht ihres Hofes wie eines eigenen Besitzes sich erfreuenden Aegypter
die nackten Waende ihrer Tempel und die hoelzernen Becher auf der Tafel
ihres Koenigs. Auch die roemische Okkupationsarmee, welche durch den
langen Aufenthalt in Aegypten und die vielen Zwischenheiraten zwischen
den Soldaten und aegyptischen Maedchen wesentlich denationalisiert war
und ueberdies eine Menge alter Soldaten des Pompeius und verlaufener
italischer Verbrecher und Sklaven in ihren Reihen zaehlte, grollte
Caesar, auf dessen Befehl sie ihre Aktion an der syrischen Grenze hatte
einstellen muessen, und seiner Handvoll hochmuetiger Legionaere. Schon
der Auflauf bei der Landung, als die Menge die roemischen Beile in die
alte Koenigsburg tragen sah, und die zahlreichen Meuchelmorde, welche
gegen seine Soldaten in der Stadt veruebt wurden, hatten Caesar darueber
belehrt, in welcher ungeheuren Gefahr er mit seinen wenigen Leuten
dieser erbitterten Menge gegenueber schwebte. Allein die Umkehr war
wegen der in dieser Jahreszeit herrschenden Nordwestwinde schwierig, und
der Versuch der Einschiffung konnte leicht das Signal zum Ausbruch
der Insurrektion werden; ueberhaupt lag es nicht in Caesars Art,
unverrichteter Sache sich davonzumachen. Er beorderte also zwar sogleich
Verstaerkungen aus Asien herbei, trug aber, bis diese eintrafen,
zunaechst die groesste Sicherheit zur Schau. Nie war es lustiger in
seinem Lager hergegangen als waehrend dieser alexandrinischen Rast; und
wenn die schoene und geistreiche Kleopatra mit ihren Reizen ueberhaupt
nicht, und am wenigsten gegen ihren Richter, sparsam war, so schien auch
Caesar unter all seinen Siegen die ueber schoene Frauen am hoechsten
zu schaetzen. Es war ein lustiges Vorspiel zu sehr ernsten Auftritten.
Unter Fuehrung des Achillas und, wie spaeter sich auswies, auf geheimen
Befehl des Koenigs und seines Vormundes, erschien die in Aegypten
stehende roemische Okkupationsarmee unvermutet in Alexandreia; und sowie
die Buergerschaft sah, dass sie kam, um Caesar anzugreifen, machte sie
mit den Soldaten gemeinschaftliche Sache. Mit einer Geistesgegenwart,
die seine fruehere Tolldreistigkeit gewissermassen rechtfertigt, raffte
Caesar schleunigst seine zerstreuten Mannschaften zusammen, bemaechtigte
sich der Person des Koenigs und seiner Minister, verschanzte sich in
der koeniglichen Burg und dem benachbarten Theater, liess, da es an Zeit
gebrach, die in dem Haupthafen unmittelbar vor dem Theater stationierte
Kriegsflotte in Sicherheit zu bringen, dieselbe anzuenden und die den
Hafen beherrschende Leuchtturminsel Pharos durch Boote besetzen. So war
wenigstens eine beschraenkte Verteidigungsstellung gewonnen und der Weg
offen gehalten, um Zufuhr und Verstaerkungen herbeizuschaffen. Zugleich
ging dem Kornmandanten von Kleinasien sowie den naechsten untertaenigen
Landschaften, den Syrern und Nabataeern, den Kretensern und den
Rhodiern, der Befehl zu, schleunigst Truppen und Schiffe nach Aegypten
zu senden. Die Insurrektion, an deren Spitze die Prinzessin Arsinoe und
deren Vertreter, der Eunuch Ganymedes, sich gestellt hatten, schaltete
indes frei in ganz Aegypten und in dem groessten Teil der Hauptstadt,
in deren Strassen taeglich gefochten ward, ohne dass es weder Caesar
gelang, sich freier zu entwickeln und bis zu dem hinter der Stadt
befindlichen Suesswassersee von Marea durchzubrechen, wo er sich mit
Wasser und mit Fourage haette versorgen koennen, noch den Alexandrinern,
der Belagerten Herr zu werden und sie alles Trinkwassers zu berauben;
denn als die Nilkanaele in Caesars Stadtteil durch hineingeleitetes
Seewasser verdorben waren, fand sich unerwartet trinkbares Wasser in
den am Strande gegrabenen Brunnen. Da Caesar von der Landseite nicht
zu ueberwaeltigen war, richteten sich die Anstrengungen der Belagerer
darauf, seine Flotte zu vernichten und ihn von der See abzuschneiden,
auf der die Zufuhr ihm zukam. Die Leuchtturminsel und der Damm, durch
den diese mit dem Festland zusammenhing, teilte den Hafen in eine
westliche und eine oestliche Haelfte, die durch zwei Bogenoeffnungen des
Dammes miteinander in Verbindung standen. Caesar beherrschte die Insel
und den Osthafen, waehrend der Damm und der Westhafen im Besitz der
Buergerschaft war, und seine Schiffe fuhren, da die alexandrinische
Flotte verbrannt war, ungehindert ab und zu. Die Alexandriner, nachdem
sie vergeblich versucht hatten, aus dem Westhafen in den oestlichen
Brander einzufuehren, stellten darauf mit den Resten ihres Arsenals ein
kleines Geschwader her und verlegten damit Caesars Schiffen den Weg, als
dieselben eine Transportflotte mit einer aus Kleinasien nachgekommenen
Legion hereinbugsierten; indes wurden Caesars vortreffliche rhodische
Seeleute des Feindes Herr. Nicht lange darauf nahmen indes die Buerger
die Leuchtturminsel weg ^8 und sperrten von da aus die schmale und
klippige Muendung des Osthafens fuer groessere Schiffe gaenzlich;
so dass Caesars Flotte genoetigt war, auf der offenen Reede vor dem
Osthafen zu stationieren und seine Verbindung mit der See nur noch
an einem schwachen Faden hing. Caesars Flotte, auf jener Reede
zu wiederholten Malen von der ueberlegenen feindlichen Seemacht
angegriffen, konnte weder dem ungleichen Kampf ausweichen, da der
Verlust der Leuchtturminsel ihr den inneren Hafen verschloss, noch
auch das Weite suchen, da der Verlust der Reede Caesar ganz von der See
abgesperrt haben wuerde. Wenn auch die tapfern Legionaere, unterstuetzt
durch die Gewandtheit der rhodischen Matrosen, bisher noch immer diese
Gefechte zu Gunsten der Roemer entschieden hatten, so erneuerten und
steigerten doch die Alexandriner mit unermuedeter Beharrlichkeit ihre
Flottenruestungen; die Belagerten mussten schlagen, so oft es den
Belagerern beliebte, und wurden jene ein einziges Mal ueberwunden, so
war Caesar vollstaendig eingeschlossen und wahrscheinlich verloren.
Es ward schlechterdings noetig, einen Versuch zur Wiedergewinnung der
Leuchtturminsel zu machen. Der zwiefache Angriff, der durch Boote von
der Hafen-, durch die Kriegsschiffe von der Seeseite her gemacht ward,
brachte in der Tat nicht bloss die Insel, sondern auch den unteren Teil
des Dammes in Caesars Gewalt; erst bei der zweiten Bogenoeffnung des
Dammes befahl Caesar anzuhalten und den Damm hier gegen die Stadt zu
durch einen Querwall zu sperren. Allein waehrend hier um die Schanzenden
ein hitziges Gefecht sich entspann, entbloessten die roemischen Truppen
den unteren, an die Insel anstossenden Teil des Dammes; unversehens
landete hier eine Abteilung Aegypter, griff die auf dem Damm am Querwall
zusammengedraengten roemischen Soldaten und Matrosen von hinten an und
sprengte die ganze Masse in wilder Verwirrung in das Meer. Ein Teil ward
von den roemischen Schiffen aufgenommen; die meisten ertranken. Etwa 400
Soldaten und eine noch groessere Zahl von der Flottenmannschaft wurden
das Opfer dieses Tages; der Feldherr selbst, der das Schicksal der
Seinigen geteilt, hatte sich auf sein Schiff und, als dieses von
Menschen ueberschwert sank, schwimmend auf ein anderes retten muessen.
Indes so empfindlich auch der erlittene Verlust war, er ward durch
den Wiedergewinn der Leuchtturminsel, die samt dem Damm bis zur ersten
Bogenoeffnung in Caesars Haenden blieb, reichlich aufgewogen. Endlich
kam der ersehnte Entsatz. Mithradates von Pergamon, ein tuechtiger
Kriegsmann aus der Schule des Mithradates Eupator, dessen natuerlicher
Sohn er zu sein behauptete, fuehrte zu Lande von Syrien her eine
buntscheckige Armee heran: die Ityraeer des Fuersten von Libanos,
die Beduinen des Jamblichos, Sampsikeramos' Sohn, die Juden unter dem
Minister Antipatros, ueberhaupt die Kontingente der kleinen Haeuptlinge
und Gemeinden Kilikiens und Syriens. Von Pelusion, das Mithradates
am Tage seiner Ankunft zu besetzen geglueckt war, schlug er, um das
durchschnittene Terrain des Delta zu vermeiden und den Nil vor seiner
Teilung zu ueberschreiten, die grosse Strasse nach Memphis ein, wobei
seine Truppen von den besonders in diesem Teil Aegyptens zahlreich
ansaessigen Juden vielfache landsmannschaftliche Unterstuetzung
empfingen. Die Aegypter, jetzt den jungen Koenig Ptolemaeos an der
Spitze, welchen Caesar in der vergeblichen Hoffnung, die Insurrektion
durch ihn zu beschwichtigen, zu den Seinigen entlassen hatte, entsandten
ein Heer auf dem Nil, um Mithradates auf dessen jenseitigem Ufer
festzuhalten. Dasselbe traf auch, noch jenseits Memphis bei dem
sogenannten Judenlager, zwischen Omion und Heliopolis, auf den Feind;
allein Mithradates, geuebt, in roemischer Weise zu manoevrieren und zu
lagern, gewann dennoch unter gluecklichen Gefechten das andere Ufer
bei Memphis. Caesar andererseits, sowie er von dem Eintreffen der
Entsatzarmee Kunde erhielt, fuehrte einen Teil seiner Truppen auf
Schiffen an die Spitze des Sees von Marea westlich von Alexandreia
und marschierte um diesen herum und den Nil hinab dem flussaufwaerts
herankommenden Mithradates entgegen. Die Vereinigung erfolgte, ohne dass
der Feind sie zu hindern versucht haette. Caesar rueckte dann in das
Delta, wohin der Koenig sich zurueckgezogen hatte, warf, trotz des
tiefeingeschnittenen Kanals vor ihrer Front, die aegyptische Vorhut
im ersten Anlauf und stuermte sofort das aegyptische Lager selbst. Es
befand sich am Fuss einer Anhoehe zwischen dem Nil, von dem nur ein
schmaler Weg es trennte, und schwer zugaenglichen Suempfen. Caesar liess
zugleich von vorn und seitwaerts auf dem Weg am Nil das Lager berennen
und waehrend dieses Sturmes ein drittes Detachement die Anhoehen hinter
dem Lager ungesehen ersteigen. Der Sieg war vollstaendig; das Lager
ward genommen und was von den Aegyptern nicht unter den feindlichen
Schwertern fiel, ertrank bei dem Versuch, zu der Nilflotte zu entkommen.
Mit einem der Boote, die mit Menschen ueberladen sanken, verschwand auch
der junge Koenig in den Wellen seines heimischen Stromes. Unmittelbar
vom Schlachtfeld rueckte Caesar von der Landseite her geradeswegs an
der Spitze seiner Reiterei in den von den Aegyptern besetzten Teil
der Hauptstadt. Im Trauergewande, ihre Goetterbilder in den Haenden,
empfingen ihn um Friede bittend die Feinde, die Seinigen aber, da
sie ihn von der anderen Seite, als von der er ausgezogen als Sieger
wiederkehren sahen, mit grenzenlosem Jubel. Das Schicksal der Stadt, die
den Herrn der Welt in seinen Plaenen zu kreuzen gewagt und um ein Haar
seinen Untergang herbeigefuehrt hatte, lag in Caesars Hand; allein
er war zu sehr Regent, um empfindlich zu sein, und verfuhr mit den
Alexandrinern wie mit den Massalioten. Caesar, hinweisend auf die arg
verwuestete und bei Gelegenheit des Flottenbrandes ihrer Kornmagazine,
ihrer weltberuehmten Bibliothek und anderer bedeutender oeffentlicher
Gebaeude beraubte Stadt, ermahnte die Einwohnerschaft, sich kuenftig
allein der Kuenste des Friedens ernstlich zu befleissigen und die Wunden
zu heilen, die sie sich selber geschlagen; uebrigens begnuegte er sich,
den in Alexandreia angesessenen Juden dieselben Rechte zu gewaehren,
deren die griechische Stadtbevoelkerung genoss, und anstatt der
bisherigen, wenigstens dem Namen nach den Koenigen von Aegypten
gehorchenden roemischen Okkupationsarmee eine foermliche roemische
Besatzung, zwei der daselbst belagerten und eine dritte spaeter aus
Syrien nachgekommene Legion, unter einem von ihm selbst ernannten
Befehlshaber nach Alexandreia zu legen. Zu diesem Vertrauensposten ward
absichtlich ein Mann ausersehen, dessen Geburt es ihm unmoeglich machte,
denselben zu missbrauchen, Rufio, ein tuechtiger Soldat, aber eines
Freigelassenen Sohn. Das Regiment Aegyptens unter Roms Oberhoheit
erhielten Kleopatra und deren juengerer Bruder Ptolemaeos; die
Prinzessin Arsinoe ward, um nicht den nach orientalischer Art
der Dynastie ebenso ergebenen wie gegen den einzelnen Dynasten
gleichgueltigen Aegyptern abermals als Vorwand fuer Insurrektionen
zu dienen, nach Italien abgefuehrt; Kypros wurde wieder ein Teil der
roemischen Provinz Kilikien. ---------------------------------------