ausgemachte Tatsache; bereits wurde eifrig gehadert ueber die Besetzung
von Caesars Oberpontifikat und Auftraege nach Rom gesandt, um fuer
die naechsten Wahlen Haeuser am Markt zu mieten. Als Pompeius Bedenken
zeigte, den Bach, der beide Heere schied und den Caesar mit seinem
viel schwaecheren Heer zu passieren sich nicht getraute, seinerseits
zu ueberschreiten, erregte dies grossen Unwillen; Pompeius, hiess es,
zaudere nur mit der Schlacht, um noch etwas laenger ueber so viele
Konsulare und Praetorier zu gebieten und seine Agamemnonrolle zu
verewigen. Pompeius gab nach; und Caesar, der in der Meinung, dass es
nicht zum Kampf kommen werde, eben eine Umgehung der feindlichen Armee
entworfen hatte und dazu gegen Skotussa aufzubrechen im Begriff war,
ordnete ebenfalls seine Legionen zur Schlacht, als er die Pompeianer
sich anschicken sah, sie auf seinem Ufer ihm anzubieten. Also ward, fast
auf derselben Walstatt, wo hundertfuenfzig Jahre zuvor die Roemer
ihre Herrschaft im Osten begruendet hatten, am 9. August 706 (48) die
Schlacht von Pharsalos geschlagen. Pompeius lehnte den rechten Fluegel
an den Enipeus, Caesar ihm gegenueber den linken an das vor dem Enipeus
sich ausbreitende durchschnittene Terrain; die beiden anderen Fluegel
standen in die Ebene hinaus, beiderseits gedeckt durch die Reiterei
und die leichten Truppen. Pompeius' Absicht war, sein Fussvolk in
der Verteidigung zu halten, dagegen mit seiner Reiterei die schwache
Reiterschar, die, nach deutscher Art mit leichter Infanterie gemischt,
ihr gegenueberstand, zu zersprengen und sodann Caesars rechten Fluegel
in den Ruecken zu nehmen. Sein Fussvolk hielt den ersten Stoss der
feindlichen Infanterie mutig aus und es kam das Gefecht hier zum Stehen.
Labienus sprengte ebenfalls die feindliche Reiterei nach tapferem, aber
kurzem Widerstand auseinander und entwickelte sich linkshin, um das
Fussvolk zu umgehen. Aber Caesar, die Niederlage seiner Reiterei
voraussehend, hatte hinter ihr auf der bedrohten Flanke seines rechten
Fluegels etwa 2000 seiner besten Legionaere aufgestellt. Wie die
feindlichen Reiter, die Caesarischen vor sich hertreibend, heran und um
die Linie herum jagten, prallten sie ploetzlich auf diese unerschrocken
gegen sie anrueckende Kernschar und, durch den unerwarteten und
ungewohnten Infanterieangriff ^7 rasch in Verwirrung gebracht, sprengten
sie mit verhaengten Zuegeln vom Schlachtfeld. Die siegreichen Legionaere
hieben die preisgegebenen feindlichen Schuetzen zusammen, rueckten
dann auf den linken Fluegel des Feindes los und begannen nun ihrerseits
dessen Umgehung. Zugleich ging Caesars bisher zurueckgehaltenes drittes
Treffen auf der ganzen Linie zum Angriff vor. Die unverhoffte Niederlage
der besten Waffe des Pompeianischen Heeres, wie sie den Mut der Gegner
hob, brach den der Armee und vor allem den des Feldherrn. Als Pompeius,
der seinem Fussvolk von Haus aus nicht traute, die Reiter zurueckjagen
sah, ritt er sofort von dem Schlachtfeld zurueck in das Lager, ohne auch
nur den Ausgang des von Caesar befohlenen Gesamtangriffs abzuwarten.
Seine Legionen fingen an zu schwanken und bald ueber den Bach in das
Lager zurueckzuweichen, was nicht ohne schweren Verlust bewerkstelligt
ward. Der Tag war also verloren und mancher tuechtige Soldat gefallen,
die Armee indes noch im wesentlichen intakt und Pompeius' Lage weit
minder bedenklich als die Caesars nach der Niederlage von Dyrrhachion.
Aber wenn Caesar in den Wechselfaellen seiner Geschicke es gelernt
hatte, dass das Glueck auch seinen Guenstlingen wohl auf Augenblicke
sich zu entziehen liebt, um durch Beharrlichkeit von ihnen abermals
bezwungen zu werden, so kannte Pompeius das Glueck bis dahin nur als
die bestaendige Goettin und verzweifelte an sich und an ihr, als sie
ihm entwich; und wenn in Caesars grossartiger Natur die Verzweiflung nur
immer maechtigere Kraefte entwickelte, so versank Pompeius' duerftige
Seele unter dem gleichen Druck in den bodenlosen Abgrund der
Kuemmerlichkeit. Wie er einst im Kriege mit Sertorius im Begriff gewesen
war, das anvertraute Amt im Stiche lassend vor dem ueberlegenen Gegner
auf und davon zu gehen, so warf er jetzt, da er die Legionen ueber den
Bach zurueckweichen sah, die verhaengnisvolle Feldherrnschaerpe von sich
und ritt auf dem naechsten Weg dem Meere zu, um dort ein Schiff sich zu
suchen. Seine Armee, entmutigt und fuehrerlos - denn Scipio, obwohl von
Pompeius als Kollege im Oberkommando anerkannt, war doch nur dem Namen
nach Oberfeldherr -, hoffte hinter den Lagerwaellen Schutz zu finden;
aber Caesar gestattete ihr keine Rast: rasch wurde die hartnaeckige
Gegenwehr der roemischen und thrakischen Lagerwachen ueberwaeltigt und
die Masse genoetigt, sich in Unordnung die Anhoehen von Krannon und
Skotussa hinaufzuziehen, an deren Fusse das Lager geschlagen war.
Sie versuchte, auf diesen Huegeln sich fortbewegend Larisa
wiederzuerreichen; allein Caesars Truppen, weder der Beute noch der
Muedigkeit achtend und auf besseren Wegen in die Ebene vorrueckend,
verlegten den Fluechtigen den Weg; ja, als am spaeten Abend die
Pompeianer ihren Marsch einstellten, vermochten ihre Verfolger es
noch, eine Schanzlinie zu ziehen, die den Fluechtigen den Zugang zu dem
einzigen in der Naehe befindlichen Bach verschloss. So endigte der Tag
von Pharsalos. Die feindliche Armee war nicht bloss geschlagen,
sondern vernichtet. 15000 der Feinde lagen tot oder verwundet auf dem
Schlachtfeld, waehrend die Caesarianer nur 200 Mann vermissten; die
noch zusammengebliebene Masse, immer noch gegen 20000 Mann, streckte
am Morgen nach der Schlacht die Waffen; nur einzelne Trupps, darunter
freilich die namhaftesten Offiziere, suchten eine Zuflucht in den
Bergen; von den elf feindlichen Adlern wurden neun Caesar ueberbracht.
Caesar, der schon am Tage der Schlacht die Soldaten erinnert hatte,
im Feinde nicht den Mitbuerger zu vergessen, behandelte die Gefangenen
nicht wie Bibulus und Labienus es taten; indes auch er fand doch noetig,
jetzt die Strenge walten zu lassen. Die gemeinen Soldaten wurden in
das Heer eingereiht, gegen die Leute besseren Standes Geldbussen oder
Vermoegenskonfiskationen erkannt; die gefangenen Senatoren und namhaften
Ritter erlitten, mit wenigen Ausnahmen, den Tod. Die Zeiten der
Gnade waren vorbei; je laenger er waehrte, desto ruecksichtsloser
und unversoehnlicher waltete der Buergerkrieg.
------------------------------------------ ^6 Die genaue Bestimmung
des Schlachtfeldes ist schwierig. Appian (bist. 2, 75) setzt dasselbe
ausdruecklich zwischen (Neu-) Pharsalos (jetzt Fersala) und den Enipeus.
Von den beiden Gewaessern, die hier allein von einiger Bedeutung und
unzweifelhaft der Apidanos und Enipeus der Alten sind, dem Sofadhitiko
und dem Fersaliti, hat jener seine Quellen auf den Bergen von Thaumakoi
(Dhomoko) und den Dolopischen Hoehen, dieser auf dem Othrys, und fliesst
nur der Fersaliti bei Pharsalos vorbei; da nun aber der Enipeus
nach Strabon (9 p. 432) auf dem Othrys entspringt und bei Pharsalos
vorbeifliesst, so ist der Fersaliti mit vollem Recht von W. M. Leake
(Travels in Northern Greece. Bd. 4. London 1835, S. 320) fuer den
Enipeus erklaert worden und die von Goeler befolgte Annahme, dass der
Fersaliti der Apidanos sei, unhaltbar. Damit stimmen auch alle sonstigen
Angaben der Alten ueber beide Fluesse. Nur muss freilich mit Leake
angenommen werden, dass der durch die Vereinigung des Fersaliti und
des Sofadhitiko gebildete, zum Peneios gehende Fluss von Vlokho bei
den Alten, wie der Sofadhitiko, Apidanos hiess: was aber auch um so
natuerlicher ist als wohl der Sofadhitiko, nicht aber der Fersaliti
bestaendig Wasser hat (Leake, Bd. 4, S. 321). Zwischen Fersala also und
dem Fersaliti muss Altpharsalos gelegen haben, wovon die Schlacht den
Namen traegt. Demnach ward die Schlacht am linken Ufer des Fersaliti
gefochten, und zwar so, dass die Pompeianer, mit dem Gesicht nach
Pharsalos stehend, ihren rechten Fluegel an den Fluss lehnten (Caes.
civ. 3, 83. Frontin. strat. 2, 3, 22). Aber das Lager der Pompeianer
kann hier nicht gestanden haben, sondern nur am Abhang der Hoehen von
Kynoskephalae am rechten Ufer des Enipeus, teils weil sie Caesar den Weg
nach Skotussa verlegten, teils weil ihre Rueckzugslinie offenbar ueber
die oberhalb des Lagers befindlichen Berge nach Larisa ging; haetten
sie, nach Leakes (Bd. 4, S. 482) Annahme, oestlich von Pharsalos am
linken Ufer des Enipeus gelagert, so konnten sie nimmermehr durch diesen
gerade hier tief eingeschnittenen Bach (Leake, Bd. 4, S. 469) nordwaerts
gelangen und Pompeius haette statt nach Larisa, nach Lamia fluechten
muessen. Wahrscheinlich schlugen also die Pompeianer am rechten Ufer des
Fersaliti ihr Lager und passierten den Fluss, sowohl um zu schlagen, als
um nach der Schlacht wieder in ihr Lager zu gelangen von wo sie sodann
sich die Abhaenge von Krannon und Skotussa hinaufzogen, die ueber dem
letzteren Orte zu den Hoehen von Kynoskephalae sich gipfeln. Unmoeglich
war dies nicht. Der Enipeus ist ein schmaler, langsam fliessender
Bach, den Leake im November zwei Fuss tief fand und der in der heissen
Jahreszeit oft ganz trocken liegt (Leake, Bd. 1, S. 448 und Bd. 4,
S. 472; vgl. Lucan. 6, 373), und die Schlacht ward im Hochsommer
geschlagen. Ferner standen die Heere vor der Schlacht drei
Viertelmeilen auseinander (App. civ. 2, 65), so dass die Pompeianer alle
Vorbereitungen treffen und auch die Verbindung mit ihrem Lager durch
Bruecken gehoerig sichern konnten. Waere die Schlacht in eine voellige
Deroute ausgegangen, so haette freilich der Rueckzug an und ueber den
Fluss nicht ausgefuehrt werden koennen, und ohne Zweifel aus diesem
Grunde verstand Pompeius nur ungern sich dazu, hier zu schlagen. Der am
weitesten von der Rueckzugsbasis entfernte linke Fluegel der Pompeianer
hat dies auch empfunden; aber der Rueckzug wenigstens ihres Zentrums und
ihres rechten Fluegels ward nicht in solcher Hast bewerkstelligt, dass
er unter den gegebenen Bedingungen unausfuehrbar waere. Caesar und seine
Ausschreiber verschweigen die Ueberschreitung des Flusses, weil dieselbe
die uebrigens aus der ganzen Erzaehlung hervorgehende Kampfbegierde der
Pompeianer zu deutlich ins Licht stellen wuerde, und ebenso die fuer
diese guenstigen Momente des Rueckzugs. ^7 In diesen Zusammenhang
gehoert die bekannte Anweisung Caesars an seine Soldaten, nach den
Gesichtern der feindlichen Reiter zu stossen. Die Infanterie, welche
hier in ganz irregulaerer Weise offensiv gegen die Kavallerie auftrat,
der mit den Saebeln nicht beizukommen war, sollte ihre Pila nicht
abwerfen, sondern sie als Handspeere gegen die Reiter brauchen und, um
dieser sich besser zu erwehren, damit nach oben zu stossen (Plut. Pomp.
69. 71; Plut. Caes. 45; App, civ. 2, 76, 78; Flor. epit. 2, 13;
Oros. hist. 6, 15; irrig Frontin strat. 4, 7, 32). Die anekdotenhafte
Umwandlung dieser Instruktion, dass die Pompeianischen Reiter durch die
Furcht vor Schmarren im Gesicht zum Weglaufen sollten gebracht werden
und auch wirklich "die Haende vor die Augen haltend" (Plutarch)
davongaloppiert seien, faellt in sich selbst zusammen: denn sie hat nur
dann eine Pointe, wenn die Pompeianische Reiterei hauptsaechlich aus dem
jungen Adel Roms, den "artigen Taenzern", bestand; und dies ist
falsch. Hoechstens kann es sein, dass der Lagerwitz jener einfachen
und zweckmaessigen militaerischen Ordre diese sehr unsinnige,
aber allerdings lustige Wendung gab.
-------------------------------------------------------- Es dauerte
einige Zeit, bevor die Folgen des 9. August 706 (48) vollstaendig sich
uebersehen liessen. Was am wenigsten Zweifel litt, war der Uebertritt
aller derer, die zu der bei Pharsalos ueberwundenen Partei nur als zu
der maechtigeren sich geschlagen hatten, auf die Seite Caesars; die
Niederlage war eine so voellig entscheidende, dass dem Sieger alles
zufiel, was nicht fuer eine verlorene Sache streiten wollte oder musste.
Alle die Koenige, Voelker und Staedte, die bisher Pompeius' Klientel
gebildet hatten, riefen jetzt ihre Flotten- und Heereskontingente
zurueck und verweigerten den Fluechtlingen der geschlagenen Partei die
Aufnahme - so Aegypten, Kyrene, die Gemeinden Syriens, Phoenikiens,
Kilikiens und Kleinasiens, Rhodos, Athen und ueberhaupt der ganze Osten.
Ja, Koenig Pharnakes vom Bosporus trieb den Diensteifer so weit, dass er
auf die Nachricht von der Pharsalischen Schlacht nicht bloss die manches
Jahr zuvor vom Pompeius frei erklaerte Stadt Phanagoria und die Gebiete
der von ihm bestaetigten kolchischen Fuersten, sondern selbst das von
demselben dem Koenig Deiotarus verliehene Koenigreich Klein-Armenien
in Besitz nahm. Fast die einzigen Ausnahmen von dieser allgemeinen
Unterwerfung waren die kleine Stadt Megara, die von den Caesarianern
sich belagern und erstuermen liess, und Koenig Juba von Numidien, der
von Caesar die Einziehung seines Reiches schon laengst und nach dem
Siege ueber Curio nur um so sicherer zu gewaertigen hatte und also
freilich, wohl oder uebel, bei der geschlagenen Partei ausharren
musste. Ebenso wie die Klientelgemeinden sich dem Sieger von Pharsalos
unterwarfen, kam auch der Schweif der Verfassungspartei, alle, die
mit halbem Herzen mitgemacht hatten oder gar, wie Marcus Cicero
und seinesgleichen, nur um die Aristokratie herumtrippelten wie die
Halbhexen um den Blocksberg, herbei, um mit dem neuen Alleinherrscher
ihren Frieden zu machen, den denn auch dessen geringschaetzige Nachsicht
den Bittstellern bereitwillig und hoeflich gewaehrte. Aber der Kern
der geschlagenen Partei transigierte nicht. Mit der Aristokratie war es
vorbei; aber die Aristokraten konnten doch sich nimmermehr zur
Monarchie bekehren. Auch die hoechsten Offenbarungen der Menschheit
sind vergaenglich; die einmal wahre Religion kann zur Luege, die einst
segenhafte Staatsordnung zum Fluche werden; aber selbst das vergangene
Evangelium noch findet Bekenner, und wenn solcher Glaube nicht Berge
versetzen kann wie der Glaube an die lebendige Wahrheit, so bleibt er
doch sich selber bis zu seinem Untergange treu und weicht aus dem Reiche
der Lebendigen nicht, bevor er seine letzten Priester und seine letzten
Buerger sich nachgezogen hat und ein neues Geschlecht, von jenen
Schemen des Gewesenen und Verwesenden befreit, ueber die verjuengte Welt
regiert. So war es in Rom. In welchen Abgrund der Entartung auch
jetzt das aristokratische Regiment versunken war, es war einst ein
grossartiges politisches System gewesen; das heilige Feuer, durch das
Italien erobert und Hannibal besiegt worden war, gluehte, wie getruebt
und verdumpft, dennoch fort in dem roemischen Adel, solange es einen
solchen gab, und machte eine innerliche Verstaendigung zwischen den
Maennern des alten Regiments und dem neuen Monarchen unmoeglich. Ein
grosser Teil der Verfassungspartei fuegte sich wenigstens aeusserlich
und erkannte die Monarchie insofern an, als sie von Caesar Gnade
annahmen und soweit moeglich, sich ins Privatleben zurueckzogen; was
freilich regelmaessig nicht ohne den Hintergedanken geschah, sich damit
auf einen kuenftigen Umschwung der Dinge aufzusparen. Vorzugsweise
taten dies die minder namhaften Parteigenossen; doch zaehlte auch
der tuechtige Marcus Marcellus, derselbe, der den Bruch mit Caesar
herbeigefuehrt hatte, zu diesen Verstaendigen und verbannte sich
freiwillig nach Lesbos. Aber in der Majoritaet der echten Aristokratie
war die Leidenschaft maechtiger als die kuehle Ueberlegung; wobei
freilich auch Selbsttaeuschungen ueber den noch moeglichen Erfolg und
Besorgnisse vor der unvermeidlichen Rache des Siegers mannigfaltig
mitwirkten. Keiner wohl beurteilte mit so schmerzlicher Klarheit und so
frei von Furcht wie von Hoffnung fuer sich die Lage der Dinge wie
Marcus Cato. Vollkommen ueberzeugt, dass nach den Tagen von Ilerda und
Pharsalos die Monarchie unvermeidlich sei, und sittlich fest genug, um
auch diese bittere Wahrheit sich einzugestehen und danach zu handeln,
schwankte er einen Augenblick, ob die Verfassungspartei den Krieg
ueberhaupt noch fortsetzen duerfe, der notwendig fuer eine verlorene
Sache vielen Opfer zumutete, die nicht wussten, wofuer sie sie brachten.
Aber wenn er sich entschloss, weiter gegen die Monarchie zu kaempfen,
nicht um den Sieg, sondern um rascheren und ehrenvolleren Untergang, so
suchte er doch soweit moeglich in diesen Krieg keinen hineinzuziehen,
der den Untergang der Republik ueberleben und mit der Monarchie sich
abfinden mochte. Solange die Republik nur bedroht gewesen, meinte er,
habe man das Recht und die Pflicht gehabt, auch den lauen und schlechten
Buerger zur Teilnahme an dem Kampfe zu zwingen; aber jetzt sei es
sinnlos und grausam, den einzelnen zu noetigen, dass er mit der
verlorenen Republik sich zugrunde richte. Nicht bloss entliess er selbst
jeden, der nach Italien heimzukehren begehrte; als der wildeste unter
den wilden Parteimaennern, Gnaeus Pompeius der Sohn, auf die Hinrichtung
dieser Leute, namentlich des Cicero drang, war es einzig Cato, der sie
durch seine sittliche Autoritaet verhinderte. Auch Pompeius begehrte
keinen Frieden. Waere er ein Mann gewesen, der es verdiente, an dem
Platze zu stehen, wo er stand, so moechte man meinen, er habe es
begriffen, dass, wer nach der Krone greift, nicht wieder zurueck kann
in das Geleise der gewoehnlichen Existenz und darum fuer den, der
fehlgegriffen, kein Platz mehr auf der Erde ist. Allein schwerlich
dachte Pompeius zu gross, um eine Gnade zu erbitten, die der Sieger
vielleicht hochherzig genug gewesen waere, ihm nicht zu versagen,
sondern vielmehr wahrscheinlich dazu zu gering. Sei es, dass er es nicht
ueber sich gewann, Caesar sich anzuvertrauen, sei es, dass er in seiner
gewoehnlichen unklaren und unentschiedenen Weise, nachdem der erste
unmittelbare Eindruck der Katastrophe von Pharsalos geschwunden war,
wieder anfing, Hoffnung zu schoepfen, Pompeius war entschlossen, den
Kampf gegen Caesar fortzusetzen und nach dem Pharsalischen noch ein
anderes Schlachtfeld sich zu suchen. So ging also, wie Caesar immer
durch Klugheit und Maessigung den Groll seiner Gegner zu beschwichtigen
und ihre Zahl zu mindern bemueht war, der Kampf nichtsdestoweniger
unabaenderlich weiter. Allein die fuehrenden Maenner hatten fast alle
bei Pharsalos mitgefochten, und obwohl sie, mit Ausnahme von Lucius
Domitius Ahenobarbus, der auf der Flucht niedergemacht ward, saemtlich
sich retteten, wurden sie doch nach allen Seiten hin versprengt, weshalb
sie nicht dazu kamen, einen gemeinschaftlichen Plan fuer die Fortsetzung
des Feldzuges zu verabreden. Die meisten von ihnen gelangten, teils
durch die oeden makedonischen und illyrischen Gebirge, teils mit Hilfe
der Flotte, nach Kerkyra, wo Marcus Cato die zurueckgelassene Reserve
kommandierte. Hier fand unter Catos Vorsitz eine Art Kriegsrat statt,
dem Metellus Scipio, Titus Labienus, Lucius Afranius, Gnaeus Pompeius
der Sohn und andere beiwohnten; allein teils die Abwesenheit des
Oberfeldherrn und die peinliche Ungewissheit ueber sein Schicksal,
teils die innere Zerfahrenheit der Partei verhinderte eine gemeinsame
Beschlussfassung, und es schlug schliesslich jeder den Weg ein, der
ihm fuer sich oder fuer die gemeine Sache der zweckmaessigste zu sein
schien. Es war in der Tat in hohem Grade schwierig, unter den vielen
Strohhalmen, an die man etwa sich anklammern konnte, denjenigen zu
bezeichnen, der am laengsten ueber Wasser halten wuerde. Makedonien und
Griechenland waren durch die Schlacht von Pharsalos verloren. Zwar
hielt Cato, nachdem er auf die Nachricht von der Niederlage Dyrrhachion
sogleich geraeumt hatte, nach Kerkyra, Rutilius Lupus noch den
Peloponnes eine Zeitlang fuer die Verfassungspartei. Einen Augenblick
schien es auch, als wollten die Pompeianer sich in Patrae auf dem
Peloponnes verteidigen; allein die Nachricht von Calenus' Anruecken
genuegte, um sie von hier zu verscheuchen. Kerkyra zu behaupten wurde
ebensowenig versucht. An der italischen und sizilischen Kueste hatten
die nach den Siegen von Dyrrhachion dorthin entsandten Pompeianischen
Geschwader gegen die Haefen von Brundisium, Messana und Vibo nicht
unbedeutende Erfolge errungen und in Messana namentlich die ganze in der
Ausruestung begriffene Flotte Caesars niedergebrannt; allein die hier
taetigen Schiffe, groesstenteils kleinasiatische und syrische, wurden
infolge der Pharsalischen Schlacht von ihren Gemeinden abberufen, so
dass die Expedition damit von selber ein Ende nahm. In Kleinasien und
Syrien standen augenblicklich gar keine Truppen, weder der einen noch
der anderen Partei, mit Ausnahme der bosporanischen Armee des Pharnakes,
die, angeblich fuer Rechnung Caesars, verschiedene Landschaften der
Gegner desselben eingenommen hatte. In Aegypten stand zwar noch ein
ansehnliches roemisches Heer, gebildet aus den dort von Gabinius
zurueckgelassenen und seitdem aus italischen Landstreichern und
syrischem oder kilikischem Raeubergesindel rekrutierten Truppen;
allein es verstand sich von selbst und ward durch die Rueckberufung
der aegyptischen Schiffe bald offiziell bestaetigt, dass der Hof von
Alexandreia keineswegs die Absicht hatte, bei der geschlagenen Partei
auszuhalten oder gar ihr seine Truppenmacht zur Verfuegung zu stellen.
Etwas guenstigere Aussichten boten sich den Besiegten im Westen dar. In
Spanien waren unter der Bevoelkerung die Pompeianischen Sympathien
so maechtig, dass die Caesarianer den von dort aus gegen Afrika
beabsichtigten Angriff deswegen unterlassen mussten und eine
Insurrektion unausbleiblich schien, sowie ein namhafter Fuehrer auf der
Halbinsel sich zeigen wuerde. In Afrika aber hatte die Koalition oder
vielmehr der eigentliche Machthaber daselbst, Koenig Juba von Numidien,
seit dem Herbst 705 (49) ungestoert geruestet. Wenn also der ganze Osten
durch die Schlacht von Pharsalos der Koalition verloren war, so konnte
sie dagegen in Spanien wahrscheinlich und sicher in Afrika den Krieg
in ehrenhafter Weise weiterfuehren; denn die Hilfe des laengst
der roemischen Gemeinde untertaenigen Koenigs von Numidien gegen
revolutionaere Mitbuerger in Anspruch zu nehmen, war fuer den Roemer
wohl eine peinliche Demuetigung, aber keineswegs ein Landesverrat. Wem
freilich in diesem Kampfe der Verzweiflung weder Recht noch Ehre etwas
weiter galt, der mochte auch, sich selber ausserhalb des Gesetzes
erklaerend, die Raeuberfehde eroeffnen oder, mit unabhaengigen
Nachbarstaaten in Buendnis tretend, den Landesfeind in den inneren
Streit hineinziehen oder endlich, die Monarchie mit den Lippen
bekennend, die Restauration der legitimen Republik mit dem Dolch des
Meuchelmoerders betreiben. Dass die Ueberwundenen austraten und der
neuen Monarchie absagten, war wenigstens der natuerliche und insofern
richtigste Ausdruck ihrer verzweifelten Lage. Das Gebirge und vor allem
das Meer waren in jener Zeit seit Menschengedenken wie die Freistatt
allen Frevels, so auch die des unertraeglichen Elends und des
unterdrueckten Rechtes; Pompeianern und Republikanern lag es nahe, der
Monarchie Caesars, die sie ausstiess, in den Bergen und auf den Meeren
trotzig den Krieg zu machen, und namentlich nahe, die Piraterie in
groesserem Massstab, in festerer Geschlossenheit, mit bestimmteren
Zielen aufzunehmen. Selbst nach der Abberufung der aus dem Osten
gekommenen Geschwader besassen sie noch eine sehr ansehnliche eigene
Flotte, waehrend Caesar immer noch so gut wie ohne Kriegsschiffe war;
und ihre Verbindung mit den Delmatern, die im eigenen Interesse gegen