nicht. Bibulus machte die Nachlaessigkeit, die er sich hatte zu Schulden

kommen lassen, nachtraeglich durch verdoppelte Anstrengungen zum

Teil wieder gut. Nicht bloss brachte er von den heimkehrenden

Transportschiffen gegen dreissig auf, die er saemtlich mit Mann und Maus

verbrennen liess, sondern er richtete auch laengs des ganzen von Caesar

besetzten Kuestenstrichs, von der Insel Sason (Saseno) bis zu den Haefen

von Kerkyra, den sorgfaeltigsten Wachtdienst ein, so beschwerlich auch

die rauhe Jahreszeit und die Notwendigkeit, den Wachtschiffen alle

Beduerfnisse, selbst Holz und Wasser, von Kerkyra zuzufuehren,

denselben machten; ja sein Nachfolger Libo - er selbst unterlag bald

den ungewohnten Strapazen - sperrte sogar eine Zeitlang den Hafen von

Brundisium, bis ihn von der kleinen Insel vor demselben, auf der er

sich festgesetzt hatte, der Wassermangel wieder vertrieb. Es war Caesars

Offizieren nicht moeglich, ihrem Feldherrn den zweiten Transport der

Armee nachzufuehren. Ebensowenig gelang ihm selbst die Wegnahme von

Dyrrhachion. Pompeius erfuhr durch einen der Friedensboten Caesars von

dessen Vorbereitungen zur Fahrt nach der epirotischen Kueste und darauf

den Marsch beschleunigend warf er sich noch eben zu rechter Zeit in

diesen wichtigen Waffenplatz. Caesars Lage war kritisch. Obwohl er in

Epirus so weit sich ausbreitete, als es bei seiner geringen Staerke nur

irgend moeglich war, so blieb die Subsistenz seiner Armee doch

schwierig und unsicher, waehrend die Feinde, im Besitz der Magazine von

Dyrrhachion und Herren der See, Ueberfluss an allem hatten. Mit seinem

vermutlich wenig ueber 20000 Mann starken Heer konnte er dem wenigstens

doppelt so zahlreichen Pompeianischen keine Schlacht anbieten, sondern

musste sich gluecklich schaetzen, dass Pompeius methodisch zu Werke ging

und, statt sofort die Schlacht zu erzwingen, zwischen Dyrrhachion und

Apollonia am rechten Ufer des Apsos, Caesar auf dem linken gegenueber,

das Winterlager bezog, um mit dem Fruehjahr, nach dem Eintreffen der

Legionen von Pergamon, mit unwiderstehlicher Uebermacht den Feind

zu vernichten. So verflossen Monate. Wenn der Eintritt der besseren

Jahreszeit, die dem Feinde starken Zuzug und den freien Gebrauch seiner

Flotte brachte, Caesar noch in derselben Lage fand, so war er, mit

seiner schwachen Schar zwischen der ungeheuren Flotte und dem dreifach

ueberlegenen Landheer der Feinde in den epirotischen Felsen eingekeilt,

allem Anscheine nach verloren; und schon neigte der Winter sich zu Ende.

Alle Hoffnung beruhte immer noch auf der Transportflotte: dass diese

durch die Blockade sich durchschlich oder durchschlug, war kaum zu

hoffen; aber nach der ersten freiwilligen Tollkuehnheit war diese zweite

durch die Notwendigkeit geboten. Wie verzweifelt Caesar selbst seine

Lage erschien, beweist sein Entschluss, da die Flotte immer nicht kam,

allein auf einer Fischerbarke durch das Adriatische Meer nach Brundisium

zu fahren, um sie zu holen; was in der Tat nur darum unterblieb, weil

sich kein Schiffer fand, die verwegene Fahrt zu unternehmen. Indes es

bedurfte seines persoenlichen Erscheinens nicht, um den treuen Offizier,

der in Italien kommandierte, Marcus Antonius, zu bestimmen, diesen

letzten Versuch zur Rettung seines Herrn zu machen. Abermals lief die

Transportflotte, mit vier Legionen und 800 Reitern an Bord, aus dem

Hafen von Brundisium aus und gluecklich fuehrte ein starker Suedwind sie

an Libos Galeeren vorueber. Allein derselbe Wind, der hier die Flotte

rettete, machte es ihr unmoeglich, wie ihr befohlen war, an der

apolloniatischen Kueste zu landen, und zwang sie, an Caesars und

Pompeius' Lager vorbeizufahren und noerdlich von Dyrrhachion nach Lissos

zu steuern, welche Stadt zu gutem Glueck noch zu Caesar hielt. Als

sie an dem Hafen von Dyrrhachion vorueberfuhr, brachen die rhodischen

Galeeren auf, um sie zu verfolgen, und kaum waren Antonius' Schiffe in

den Hafen von Lissos eingefahren, als auch das feindliche Geschwader vor

demselben erschien. Aber eben in diesem Augenblick schlug ploetzlich der

Wind um und warf die verfolgenden Galeeren wieder zurueck in die

offene See und zum Teil an die felsige Kueste. Durch die wunderbarsten

Glueckszufaelle war die Landung auch des zweiten Transportes

gelungen. Noch standen zwar Antonius und Caesar etwa vier Tagemaersche

voneinander, getrennt durch Dyrrhachion und die gesamte feindliche

Armee; indes Antonius bewerkstelligte gluecklich den gefaehrlichen

Marsch um Dyrrhachion herum durch die Paesse des Graba Balkan und ward

von Caesar, der ihm entgegengegangen war, am rechten Ufer des Apsos

aufgenommen. Pompeius, nachdem er vergeblich versucht hatte, die

Vereinigung der beiden feindlichen Armeen zu verhindern und das Korps

des Antonius einzeln zum Schlagen zu zwingen, nahm eine neue Stellung

bei Asparagion an dem Flusse Genusas (Uschkomobin), der dem Apsos

parallel zwischen diesem und der Stadt Dyrrhachion fliesst, und hielt

hier sich wieder unbeweglich. Caesar fuehlte jetzt sich stark genug,

eine Schlacht zu liefern; aber Pompeius ging nicht darauf ein. Dagegen

gelang es Caesar, den Gegner zu taeuschen und unversehens mit seinen

besser marschierenden Truppen sich, aehnlich wie bei Ilerda, zwischen

das feindliche Lager und die Festung Dyrrhachion zu werfen, auf die

dieses sich stuetzte. Die Kette des Graba Balkan, die in der Richtung

von Osten nach Westen streichend am Adriatischen Meere in der schmalen

dyrrhachinischen Landzunge endigt, entsendet drei Meilen oestlich

von Dyrrhachion in suedwestlicher Richtung einen Seitenarm, der in

bogenfoermiger Richtung ebenfalls zum Meere sich wendet, und der Haupt-

und der Seitenarm des Gebirges schliessen zwischen sich eine kleine,

um eine Klippe am Meeresstrand sich ausbreitende Ebene ein. Hier nahm

Pompeius jetzt sein Lager, und obwohl die Caesarische Armee ihm den

Landweg nach Dyrrhachion verlegt hielt, blieb er doch mit Hilfe seiner

Flotte fortwaehrend mit dieser Stadt in Verbindung und ward von dort

mit allem Noetigen reichlich und bequem versehen, waehrend bei den

Caesarianern, trotz starker Detachierungen in das Hinterland und trotz

aller Anstrengungen des Feldherrn, ein geordnetes Fahrwesen und damit

eine regelmaessige Verpflegung in Gang zu bringen, es doch mehr als

knapp herging und Fleisch, Gerste, ja Wurzeln sehr haeufig die Stelle

des gewohnten Weizens vertreten massten. Da der phlegmatische Gegner

beharrlich bei seiner Passivitaet blieb, unternahm Caesar, den

Hoehenkreis zu besetzen, der die von Pompeius eingenommene Strandebene

umschloss, um wenigstens die ueberlegene feindliche Reiterei

festzustellen und ungestoerter gegen Dyrrhachion operieren zu koennen,

womoeglich aber den Gegner entweder zur Schlacht oder zur Einschiffung

zu noetigen. Von Caesars Truppen war beinahe die Haelfte ins Binnenland

detachiert; es schien fast abenteuerlich, mit dem Rest eine vielleicht

doppelt so zahlreiche, konzentriert aufgestellte, auf die See und die

Flotte gestuetzte Armee gewissermassen belagern zu wollen. Dennoch

schlossen Caesars Veteranen unter unsaeglichen Anstrengungen das

Pompeianische Lager mit einer drei und eine halbe deutsche Meile langen

Postenkette ein und fuegten spaeter, ebenwie vor Alesia, zu dieser

inneren Linie noch eine zweite aeussere hinzu, um sich vor Angriffen von

Dyrrhachion aus und vor den mit Hilfe der Flotte so leicht ausfuehrbaren

Umgehungen zu schuetzen. Pompeius griff mehrmals einzelne dieser

Verschanzungen an, um womoeglich die feindliche Linie zu sprengen,

allein durch eine Schlacht die Einschliessung zu hindern versuchte er

nicht, sondern zog es vor, auch seinerseits um sein Lager herum eine

Anzahl Schanzen anzulegen und dieselben durch Linien miteinander zu

verbinden. Beiderseits war man bemueht, die Schanzen moeglichst weit

vorzuschieben und die Erdarbeiten rueckten unter bestaendigen Gefechten

nur langsam vor. Zugleich schlug man auf der entgegengesetzten Seite des

Caesarischen Lagers sich herum mit der Besatzung vor Dyrrhachion; durch

Einverstaendnisse innerhalb der Festung hoffte Caesar sie in seine

Gewalt zu bringen, ward aber durch die feindliche Flotte daran

verhindert. Unaufhoerlich ward an den verschiedensten Punkten - an einem

der heissesten Tage an sechs Stellen zugleich - gefochten und in der

Regel behielt in diesen Scharmuetzeln die erprobte Tapferkeit der

Caesarianer die Oberhand; wie denn zum Beispiel einmal eine einzige

Kohorte sich gegen vier Legionen mehrere Stunden lang in ihrer Schanze

hielt, bis Unterstuetzung herbeikam. Ein Haupterfolg ward auf keiner

Seite erreicht; doch machten sich die Folgen der Einschliessung den

Pompeianern allmaehlich in drueckender Weise fuehlbar. Die Stauung der

von den Hoehen in die Ebene sich ergiessenden Baeche noetigte sie,

sich mit sparsamem und schlechtem Brunnenwasser zu begnuegen. Noch

empfindlicher war der Mangel an Futter fuer die Lasttiere und die

Pferde, dem auch die Flotte nicht genuegend abzuhelfen vermochte; sie

fielen zahlreich und es half nur wenig, dass die Pferde durch die Flotte

nach Dyrrhachion geschafft wurden, da sie auch hier nicht ausreichend

Futter fanden. Lange konnte Pompeius nicht mehr zoegern, sich durch

einen gegen den Feind gefuehrten Schlag aus seiner unbequemen Lage zu

befreien. Da ward er durch keltische Ueberlaeufer davon in Kenntnis

gesetzt, dass der Feind es versaeumt habe, den Strand zwischen seinen

beiden 600 Fuss voneinander entfernten Schanzenketten durch einen

Querwall zu sichern, und baute hierauf seinen Plan. Waehrend er

die innere Linie der Verschanzungen Caesars vom Lager aus durch die

Legionen, die aeussere durch die auf Schiffe gesetzten und jenseits der

feindlichen Verschanzungen gelandeten leichten Truppen angreifen liess,

landete eine dritte Abteilung in dem Zwischenraum zwischen beiden Linien

und griff die schon hinreichend beschaeftigten Verteidiger derselben im

Ruecken an. Die zunaechst am Meer befindliche Schanze wurde genommen

und die Besatzung floh in wilder Verwirrung; mit Muehe gelang es dem

Befehlshaber der naechsten Schanze, Marcus Antonius, diese zu behaupten

und fuer den Augenblick dem Vordringen der Pompeianer ein Ziel zu

setzen; aber, abgesehen von dem ansehnlichen Verlust, blieb die

aeusserste Schanze am Meer in den Haenden der Pompeianer und die Linie

durchbrochen. Um so eifriger ergriff Caesar die Gelegenheit, die

bald darauf sich ihm darbot, eine unvorsichtig sich vereinzelnde

Pompeianische Legion mit dem Gros seiner Infanterie anzugreifen. Allein

die Angegriffenen leisteten tapferen Widerstand, und in dem mehrmals zum

Lager groesserer und kleinerer Abteilungen benutzten und kreuz und quer

von Waellen und Graeben durchzogenen Terrain, auf dem gefochten ward,

kam Caesars rechter Fluegel nebst der Reiterei ganz vom Wege ab statt

den linken im Angriff auf die Pompeianische Legion zu unterstuetzen,

geriet er in einen engen, aus einem der alten Lager zum Fluss

hingefuehrten Laufgraben. So fand Pompeius, der den Seinigen zu Hilfe

mit fuenf Legionen eiligst herbeikam, die beiden Fluegel der Feinde

voneinander getrennt und den einen in einer gaenzlich preisgegebenen

Stellung. Wie die Caesarianer ihn anruecken sahen, ergriff sie ein

panischer Schreck; alles stuerzte in wilder Flucht zurueck, und wenn

es bei dem Verlust von 1000 der besten Soldaten blieb und Caesars Armee

nicht eine vollstaendige Niederlage erlitt, so hatte sie dies nur dem

Umstand zu danken, dass auch Pompeius sich auf dem durchschnittenen

Boden nicht frei entwickeln konnte und ueberdies, eine Kriegslist

besorgend, seine Truppen anfangs zurueckhielt. Aber auch so waren es

unheilvolle Tage. Nicht bloss hatte Caesar die empfindlichsten Verluste

erlitten und seine Verschanzungen, das Resultat einer viermonatlichen

Riesenarbeit, auf einen Schlag eingebuesst: er war durch die letzten

Gefechte wieder genau auf den Punkt zurueckgeworfen, von welchem er

ausgegangen war. Von der See war er vollstaendiger verdraengt als je,

seit des Pompeius aeltester Sohn Gnaeus Caesars wenige, im Hafen

von Orikon lagernde Kriegsschiffe durch einen kuehnen Angriff

teils verbrannt, teils weggefuehrt und bald nachher die in Lissos

zurueckgebliebene Truppenflotte gleichfalls in Brand gesteckt hatte;

jede Moeglichkeit, von Brundisium noch weitere Verstaerkungen zur

See heranzuziehen, war damit fuer Caesar verloren. Die zahlreiche

Pompeianische Reiterei, jetzt ihrer Fesseln entledigt, ergoss sich in

die Umgegend und drohte Caesar die stets schwierige Verpflegung der

Armee voellig unmoeglich zu machen. Caesars verwegenes Unternehmen,

gegen einen seemaechtigen, auf die Flotte gestuetzten Feind ohne Schiffe

offensiv zu operieren, war vollstaendig gescheitert. Auf dem

bisherigen Kriegsschauplatz fand er sich einer unbezwinglichen

Verteidigungsstellung gegenueber und weder gegen Dyrrhachion noch gegen

das feindliche Heer einen ernstlichen Schlag auszufuehren imstande;

dagegen hing es jetzt nur von Pompeius ab, gegen den bereits in seinen

Subsistenzmitteln sehr gefaehrdeten Gegner unter den guenstigsten

Verhaeltnissen zum Angriff ueberzugehen. Der Krieg war an einem

Wendepunkt angelangt. Bisher hatte Pompeius, allem Anscheine nach, das

Kriegsspiel ohne eigenen Plan gespielt und nur nach dem jedesmaligen

Angriff seine Verteidigung bemessen; und es war dies nicht zu tadeln,

da das Hinziehen des Krieges ihm Gelegenheit gab, seine Rekruten

schlagfaehig zu machen, seine Reserven heranzuziehen und das

Uebergewicht seiner Flotte im Adriatischen Meer immer vollstaendiger zu

entwickeln. Caesar war nicht bloss taktisch, sondern auch strategisch

geschlagen. Diese Niederlage hatte zwar nicht diejenige Folge, die

Pompeius nicht ohne Ursache erhoffte: zu einer sofortigen voelligen

Aufloesung der Armee durch Hunger und Meuterei liess die eminente

soldatische Energie der Veteranen Caesars es nicht kommen. Allein

es schien doch nur von dem Gegner abzuhaengen, durch zweckmaessige

Verfolgung seines Sieges die volle Frucht desselben zu ernten.

An Pompeius war es, die Offensive zu ergreifen, und er war dazu

entschlossen. Es boten sich ihm drei verschiedene Wege dar, um seinen

Sieg fruchtbar zu machen. Der erste und einfachste war, von der

ueberwundenen Armee nicht abzulassen und, wenn sie aufbrach, sie zu

verfolgen. Ferner konnte Pompeius Caesar selbst und dessen Kerntruppen

in Griechenland stehen lassen und selber, wie er laengst vorbereitet

hatte, mit der Hauptarmee nach Italien ueberfahren, wo die Stimmung

entschieden antimonarchisch war und die Streitmacht Caesars, nach

Entsendung der besten Truppen und des tapfern und zuverlaessigen

Kommandanten zu der griechischen Armee, nicht gar viel bedeuten wollte.

Endlich konnte der Sieger sich auch in das Binnenland wenden, die

Legionen des Metellus Scipio an sich liehen und versuchen, die im

Binnenlande stehenden Truppen Caesars aufzuheben. Es hatte naemlich

dieser, unmittelbar nachdem der zweite Transport bei ihm eingetroffen

war, teils, um die Subsistenzmittel fuer seine Armee herbeizuschaffen,

starke Detachements nach Aetolien und Thessalien entsandt, teils

ein Korps von zwei Legionen unter Gnaeus Domitius Calvinus auf der

Egnatischen Chaussee gegen Makedonien vorgehen lassen, das dem auf

derselben Strasse von Thessalonike her anrueckenden Korps des Scipio

den Weg verlegen und womoeglich es einzeln schlagen sollte. Schon hatten

Calvinus und Scipio sich bis auf wenige Meilen einander genaehert,

als Scipio sich ploetzlich rueckwaerts wandte und, rasch den Haliakmon

(Jadsche Karasu) ueberschreitend und dort sein Gepaeck unter Marcus

Favonius zuruecklassend, in Thessalien eindrang, um die mit der

Unterwerfung des Landes beschaeftigte Rekrutenlegion Caesars unter

Lucius Cassius Longinus mit Uebermacht anzugreifen. Longinus aber zog

sich ueber die Berge nach Ambrakia auf das von Caesar nach Aetolien

gesandte Detachement unter Gnaeus Calvisius Sabinus zurueck, und Scipio

konnte ihn nur durch seine thrakischen Reiter verfolgen lassen, da

Calvinus seine unter Favonius am Haliakmon zurueckgelassene Reserve

mit dem gleichen Schicksale bedrohte, welches er selbst dem Longinus

zu bereiten gedachte. So trafen Calvinus und Scipio am Haliakmon wieder

zusammen und lagerten hier laengere Zeit einander gegenueber. Pompeius

konnte zwischen diesen Plaenen waehlen; Caesar blieb keine Wahl. Er

trat nach jenem ungluecklichen Gefechte den Rueckzug auf Apollonia an.

Pompeius folgte. Der Marsch von Dyrrhachion nach Apollonia auf einer

schwierigen, von mehreren Fluessen durchschnittenen Strasse war keine

leichte Aufgabe fuer eine geschlagene und vom Feinde verfolgte Armee;

indes die geschickte Leitung ihres Feldherrn und die unverwuestliche

Marschfaehigkeit der Soldaten noetigten Pompeius nach viertaegiger

Verfolgung, dieselbe als nutzlos einzustellen. Er hatte jetzt sich zu

entscheiden zwischen der italischen Expedition und dem Marsch in das

Binnenland; und so raetlich und lockend auch jene schien, so manche

Stimmen auch dafuer sich erhoben, er zog es doch vor, das Korps des

Scipio nicht preiszugeben, um so mehr, als er durch diesen Marsch

das des Calvinus in die Haende zu bekommen hoffte. Calvinus stand

augenblicklich auf der Egnatischen Strasse bei Herakleia Lynkestis,

zwischen Pompeius und Scipio und, nachdem Caesar sich auf Apollonia

zurueckgezogen, von diesem weiter entfernt als von der grossen Armee des

Pompeius, zu allem dem ohne Kenntnis von den Vorgaengen bei Dyrrhachion

und von seiner bedenklichen Lage, da nach den bei Dyrrhachion erlangten

Erfolgen die ganze Landschaft sich zu Pompeius neigte und die Boten

Caesars ueberall aufgegriffen wurden. Erst als die feindliche Hauptmacht

bis auf wenige Stunden sich ihm genaehert hatte, erfuhr Calvinus aus den

Erzaehlungen der feindlichen Vorposten selbst den Stand der Dinge. Ein

rascher Aufbruch in suedlicher Richtung gegen Thessalien zu entzog ihn

im letzten Augenblick der drohenden Vernichtung; Pompeius musste sich

damit begnuegen, Scipio aus seiner gefaehrdeten Stellung befreit zu

haben. Caesar war inzwischen unangefochten nach Apollonia gelangt.

Sogleich nach der Katastrophe von Dyrrhachion hatte er sich

entschlossen, wenn moeglich den Kampf von der Kueste weg in das

Binnenland zu verlegen, um die letzte Ursache des Fehlschlagens seiner

bisherigen Anstrengungen, die feindliche Flotte, aus dem Spiel zu

bringen. Der Marsch nach Apollonia hatte nur den Zweck gehabt, dort, wo

seine Depots sich befanden, seine Verwundeten in Sicherheit zu bringen

und seinen Soldaten die Loehnung zu zahlen; sowie dies geschehen war,

brach er, mit Hinterlassung von Besatzungen in Apollonia, Orikon und

Lissos, nach Thessalien auf. Nach Thessalien hatte auch das Korps des

Calvinus sich in Bewegung gesetzt; und die aus Italien, jetzt auf dem

Landwege durch Illyrien, anrueckenden Verstaerkungen, zwei Legionen

unter Quintus Cornificius, konnte er gleichfalls hier leichter noch

als in Epirus an sich ziehen. Auf schwierigen Pfaden im Tale des Aoos

aufwaertssteigend und die Bergkette ueberschreitend, die Epirus von

Thessalien scheidet, gelangte er an den Peneios; ebendorthin ward

Calvinus dirigiert und die Vereinigung der beiden Armeen also auf dem

kuerzesten und dem Feinde am wenigsten ausgesetzten Wege bewerkstelligt.

Sie erfolgte bei Aeginion unweit der Quelle des Peneios. Die erste

thessalische Stadt, vor der die jetzt vereinigte Armee erschien,

Gomphoi, schloss ihr die Tore; sie ward rasch erstuermt und der

Pluenderung preisgegeben, und dadurch geschreckt unterwarfen sich die

uebrigen Staedte Thessaliens, sowie nur Caesars Legionen vor den Mauern

sich zeigten. Ueber diesen Maerschen und Gefechten und mit Hilfe der,

wenn auch nicht allzureichlichen, Vorraete, die die Landschaft am

Peneios darbot, schwanden allmaehlich die Spuren und die Erinnerungen

der ueberstandenen unheilvollen Tage. Unmittelbare Fruechte also

hatten die Siege von Dyrrhachion fuer die Sieger nicht viele getragen.

Pompeius, mit seiner schwerfaelligen Armee und seiner zahlreichen

Reiterei, hatte dem beweglichen Feind in die Gebirge zu folgen nicht

vermocht; Caesar wie Calvinus hatten der Verfolgung sich entzogen

und beide standen vereinigt und in voller Sicherheit in Thessalien.

Vielleicht waere es das richtigste gewesen, wenn Pompeius jetzt ohne

weiteres mit seiner Hauptmacht zu Schiff nach Italien gegangen waere,

wo der Erfolg kaum zweifelhaft war. Indes vorlaeufig ging nur eine

Abteilung der Flotte nach Sizilien und Italien ab. Man betrachtete im

Lager der Koalition durch die Schlachten von Dyrrhachion die Sache mit

Caesar als so vollstaendig entschieden, dass es nur galt, die Fruechte

der Siege zu ernten, das heisst, die geschlagene Armee aufzusuchen

und abzufangen. An die Stelle der bisherigen uebervorsichtigen

Zurueckhaltung trat ein durch die Umstaende noch weniger

gerechtfertigter Uebermut; man achtete es nicht, dass man in der

Verfolgung doch eigentlich gescheitert war, dass man sich gefasst halten

musste, in Thessalien auf eine voellig erfrischte und reorganisierte

Armee zu treffen und dass es nicht geringe Bedenken hatte, vom Meere

sich entfernend und auf die Unterstuetzung der Flotte verzichtend, dem

Gegner auf das von ihm gewaehlte Schlachtfeld zu folgen. Man war

eben entschlossen, um jeden Preis mit Caesar zu schlagen und darum

baldmoeglichst und auf dem moeglichst bequemen Wege an ihn zu kommen.

Cato uebernahm das Kommando in Dyrrhachion, wo eine Besatzung von

achtzehn Kohorten, und in Kerkyra, wo 300 Kriegsschiffe zurueckblieben:

Pompeius und Scipio begaben sich, jener wie es scheint die Egnatische

Chaussee bis Pella verfolgend und dann die grosse Strasse nach Sueden

einschlagend, dieser vom Haliakmon aus durch die Paesse des Olymp,

an den unteren Peneios und trafen bei Larisa zusammen. Caesar

stand suedlich davon in der Ebene, die zwischen dem Huegelland von

Kynoskephalae und dem Othrysgebirge sich ausbreitet und von dem

Nebenfluss des Peneios, dem Enipeus, durchschnitten wird, am linken Ufer

desselben bei der Stadt Pharsalos; ihm gegenueber, am rechten Ufer des

Enipeus am Abhang der Hoehen von Kynoskephalae, schlug Pompeius sein

Lager ^6. Pompeius' Armee war vollstaendig beisammen; Caesar dagegen

erwartete noch das frueher nach Aetolien und Thessalien detachierte,

jetzt unter Quintus Fufius Calenus in Griechenland stehende Korps von

fast zwei Legionen und die auf dem Landweg von Italien ihm nachgesandten

und bereits in Illyrien angelangten zwei Legionen des Cornificius.

Pompeius' Heer, elf Legionen oder 47000 Mann und 7000 Pferde stark,

war dem Caesar an Fussvolk um mehr als das Doppelte, an Reiterei um das

Siebenfache ueberlegen; Strapazen und Gefechte hatten Caesars Truppen

so dezimiert, dass seine acht Legionen nicht ueber 22000 Mann unter den

Waffen, also bei weitem nicht die Haelfte des Normalbestandes zaehlten.

Pompeius' siegreiche, mit einer zahllosen Reiterei und guten Magazinen

versehene Armee hatte Lebensmittel in Fuelle, waehrend Caesars Truppen

notduerftig sich hinhielten und erst von der nicht fernen Getreideernte

bessere Verpflegung erhofften. Die Stimmung der Pompeianischen Soldaten,

die in der letzten Kampagne den Krieg kennen und ihrem Fuehrer vertrauen

gelernt hatten, war die beste. Alle militaerischen Gruende sprachen

auf Pompeius' Seite dafuer, da man nun einmal in Thessalien Caesar

gegenueberstand, mit der Entscheidungsschlacht nicht lange zu zoegern;

und mehr wohl noch als diese wog im Kriegsrat die Emigrantenungeduld der

vielen vornehmen Offiziere und Heerbegleiter. Seit den Ereignissen von

Römische Geschichte — Buch 5 · 第 44 / 68 段