von den Pompeianern aus Furcht vor den naechtlichen Angriffen der

Reiterei wieder aufgegeben ward. Auch am folgenden Tage standen beide

Heere unbeweglich, nur beschaeftigt, die Gegend zu rekognoszieren. Am

fruehen Morgen des dritten brach Caesars Fussvolk auf, um, durch die

pfadlosen Berge zur Seite der Strasse die Stellung der Feinde umgehend,

ihnen den Weg zum Ebro zu verlegen. Der Zweck des seltsamen Marsches,

der anfangs in das Lager vor Ilerda sich zurueckzuwenden schien, ward

von den Pompeianischen Offizieren nicht sogleich erkannt. Als sie ihn

fassten, opferten sie Lager und Gepaeck und rueckten im Gewaltmarsch auf

der Hauptstrasse vor, um den Uferkamm vor den Caesarianern zu gewinnen.

Indes es war bereits zu spaet; schon hielten, als sie herankamen, auf

der grossen Strasse selbst die geschlossenen Massen des Feindes. Ein

verzweifelter Versuch der Pompeianer, ueber die Bergsteile andere Wege

zum Ebro ausfindig zu machen, ward von Caesars Reiterei vereitelt,

welche die dazu vorgesandten lusitanischen Truppen umzingelte und

zusammenhieb. Waere es zwischen der Pompeianischen Armee, die die

feindlichen Reiter im Ruecken, das Fussvolk von vorne sich gegenueber

hatte und gaenzlich demoralisiert war, und den Caesarianern zu einer

Schlacht gekommen, so war deren Ausgang kaum zweifelhaft, und die

Gelegenheit zum Schlagen bot mehrfach sich dar; aber Caesar machte

keinen Gebrauch davon und zuegelte nicht ohne Muehe die ungeduldige

Kampfeslust seiner siegesgewissen Soldaten. Die Pompeianische Armee

war ohnehin strategisch verloren; Caesar vermied es, durch nutzloses

Blutvergiessen sein Heer zu schwaechen und die arge Fehde noch weiter

zu vergiften. Schon am Tage, nachdem es gelungen war, die Pompeianer

vom Ebro abzuschneiden, hatten die Soldaten der beiden Heere miteinander

angefangen zu fraternisieren und wegen der Uebergabe zu unterhandeln,

ja es waren bereits die von den Pompeianern geforderten Bedingungen,

namentlich Schonung der Offiziere, von Caesar zugestanden worden, als

Petreius mit seiner aus Sklaven und Spaniern bestehenden Eskorte ueber

die Unterhaendler zukam und die Caesarianer, deren er habhaft ward,

niedermachen liess. Caesar sandte dennoch die zu ihm in das Lager

gekommenen Pompeianer ungeschaedigt zurueck und beharrte dabei, eine

friedliche Loesung zu suchen. Ilerda, wo die Pompeianer noch Besatzung

und ansehnliche Magazine hatten, ward jetzt das Ziel ihres Marsches;

allein vor sich das feindliche Heer und zwischen sich und der Festung

den Sicoris, marschierten sie, ohne ihrem Ziele naeher zu kommen. Ihre

Reiterei ward allmaehlich so eingeschuechtert, dass das Fussvolk sie in

die Mitte nehmen und Legionen in die Nachhut gestellt werden mussten;

die Beschaffung von Wasser und Fourage ward immer schwieriger; schon

musste man die Lasttiere niederstossen, da man sie nicht ernaehren

konnte. Endlich fand die umherirrende Armee sich foermlich

eingeschlossen, den Sicoris im Ruecken, vor sich das feindliche

Heer, das Wall und Graben um sie herumzog. Sie versuchte den Fluss zu

ueberschreiten, aber Caesars deutsche Reiter und leichte Infanterie

kamen in der Besetzung des entgegenstehenden Ufers ihr zuvor. Alle

Tapferkeit und alle Treue konnten die unvermeidliche Kapitulation

nicht laenger abwenden (2. August 705 49). Caesar gewaehrte nicht bloss

Offizieren und Soldaten Leben und Freiheit und sowohl den Besitz der

ihnen noch gebliebenen Habe wie auch die Zurueckgabe der bereits ihnen

abgenommenen, deren vollen Wert er selber seinen Soldaten zu erstatten

uebernahm, sondern waehrend er die in Italien gefangenen Rekruten

zwangsweise in seine Armee eingereiht hatte, ehrte er diese alten

Legionaere des Pompeius durch die Zusage, dass keiner wider seinen

Willen genoetigt werden solle, in sein Heer einzutreten. Er forderte

nur, dass ein jeder die Waffen abgebe und sich in seine Heimat verfuege.

Demgemaess wurden die aus Spanien gebuertigen Soldaten, etwa der dritte

Teil der Armee, sogleich, die italischen an der Grenze des Jen- und

Diesseitigen Galliens verabschiedet. Das Diesseitige Spanien fiel mit

der Aufloesung dieser Armee von selbst in die Gewalt des Siegers. Im

Jenseitigen, wo Marcus Varro fuer Pompeius den Oberbefehl fuehrte,

schien es diesem, als er die Katastrophe von Ilerda erfuhr,

das raetlichste, sich in die Inselstadt Gades zu werfen und die

betraechtlichen Summen, die er durch Einziehung der Tempelschaetze und

der Vermoegen angesehener Caesarianer zusammengebracht hatte, die nicht

unbedeutende von ihm aufgestellte Flotte und die ihm anvertrauten

zwei Legionen dorthin in Sicherheit zu bringen. Allein auf das blosse

Geruecht von Caesars Ankunft erklaerten die namhaftesten Staedte der

Caesar seit langem anhaenglichen Provinz sich fuer diesen und verjagten

die Pompeianischen Besatzungen oder bestimmten sie zu gleichem Abfall:

so Corduba, Carmo und Gades selbst. Auch eine der Legionen brach auf

eigene Hand nach Hispalis auf und trat mit dieser Stadt zugleich auf

Caesars Seite. Als endlich selbst Italica dem Varro die Tore sperrte,

entschloss dieser sich zu kapitulieren. Ungefaehr gleichzeitig unterwarf

sich auch Massalia. Mit seltener Energie hatten die Massalioten nicht

bloss die Belagerung ertragen, sondern auch die See gegen Caesar

behauptet; es war ihr heimisches Element und sie durften hoffen, auf

diesem kraeftige Unterstuetzung von Pompeius zu empfangen, welcher ja

das Meer ausschliesslich beherrschte. Indes Caesars Unterfeldherr, der

tuechtige Decimus Brutus, derselbe, der ueber die Veneter den ersten

Seesieg im Ozean erfochten hatte, wusste rasch eine Flotte herzustellen

und, trotz der wackeren Gegenwehr der feindlichen, teils aus

albioekischen Soldknechten der Massalioten, teils aus Hirtensklaven des

Domitius bestehenden Flottenmannschaft, durch seine tapferen, aus den

Legionen auserlesenen Schiffssoldaten die staerkere massaliotische

Flotte zu ueberwinden und die groessere Haelfte der Schiffe zu versenken

oder zu erobern. Als dann ein kleines Pompeianisches Geschwader unter

Lucius Nasidius aus dem Osten ueber Sizilien und Sardinien im Hafen

von Massalia eintraf, erneuerten die Massalioten noch einmal ihre

Seeruestung und liefen zugleich mit den Schiffendes Nasidius gegen

Brutus aus. Haetten in dem Treffen, das auf der Hoehe von Tauroeis

(La Ciotat, oestlich von Marseille) geschlagen ward, die Schiffe

des Nasidius mit demselben verzweifelten Mut gestritten, den die

massaliotischen an diesem Tage bewiesen, so moechte das Ergebnis

desselben wohl ein verschiedenes gewesen sein; allein die Flucht

der Nasidianer entschied den Sieg fuer Brutus und die Truemmer der

Pompeianischen Flotte fluechteten nach Spanien. Die Belagerten waren von

der See vollstaendig verdraengt. Auf der Landseite, wo Gaius Trebonius

die Belagerung leitete, ward auch nachher noch die entschlossenste

Gegenwehr fortgesetzt; allein trotz der haeufigen Ausfaelle der

albioekischen Soeldner und der geschickten Verwendung der ungeheuren,

in der Stadt aufgehaeuften Geschuetzvorraete rueckten endlich doch

die Arbeiten der Belagerer bis an die Mauer vor und einer der Tuerme

stuerzte zusammen. Die Massalioten erklaerten, dass sie die Verteidigung

aufgaeben, aber mit Caesar selbst die Kapitulation abzuschliessen

wuenschten, und ersuchten den roemischen Befehlshaber, bis zu Caesars

Ankunft die Belagerungsarbeiten einzustellen. Trebonius hatte von Caesar

gemessenen Befehl, die Stadt so weit irgend moeglich zu schonen; er

gewaehrte den erbetenen Waffenstillstand. Allein da die Massalioten ihn

zu einem tueckischen Ausfall benutzten, in dem sie die eine Haelfte der

fast unbewachten roemischen Werke vollstaendig niederbrannten, begann

von neuem und mit gesteigerter Erbitterung der Belagerungskampf.

Der tuechtige Befehlshaber der Roemer stellte mit ueberraschender

Schnelligkeit die vernichteten Tuerme und den Damm wieder her; bald

waren die Massalioten abermals vollstaendig eingeschlossen. Als Caesar,

von der Unterwerfung Spaniens zurueckkehrend, vor ihrer Stadt ankam,

fand er dieselbe teils durch die feindlichen Angriffe, teils durch

Hunger und Seuchen aufs Aeusserste gebracht und zum zweitenmal, und

diesmal ernstlich, bereit, auf jede Bedingung zu kapitulieren. Nur

Domitius, der schmaehlich missbrauchten Nachsicht des Siegers eingedenk,

bestieg einen Nachen und schlich sich durch die roemische Flotte, um

fuer seinen unversoehnlichen Groll ein drittes Schlachtfeld zu suchen.

Caesars Soldaten hatten geschworen, die ganze maennliche Bevoelkerung

der treubruechigen Stadt ueber die Klinge springen zu lassen und

forderten mit Ungestuem von dem Feldherrn das Zeichen zur Pluenderung.

Allein Caesar, seiner grossen Aufgabe, die hellenisch-italische

Zivilisation im Westen zu begruenden auch hier eingedenk, liess sich

nicht zwingen, zu der Zerstoerung Korinths die Fortsetzung zu liefern.

Massalia, von jenen einst so zahlreichen freien und seemaechtigen

Staedten der alten ionischen Schiffernation die von der Heimat am

weitesten entfernte und fast die letzte, in der das hellenische

Seefahrerleben noch rein und frisch sich erhalten hatte, wie denn auch

die letzte griechische Stadt, die zur See geschlagen hat - Massalia

musste zwar seine Waffen- und Flottenvorraete an den Sieger abliefern

und verlor einen Teil seines Gebietes und seiner Privilegien, aber

behielt seine Freiheit und seine Nationalitaet und blieb, wenn auch

materiell in geschmaelerten Verhaeltnissen, doch geistig nach wie vor

der Mittelpunkt der hellenischen Kultur in der fernen, eben jetzt zu

neuer geschichtlicher Bedeutung gelangenden keltischen Landschaft.

Waehrend also in den westlichen Landschaften der Krieg nach manchen

bedenklichen Wechselfaellen schliesslich sich durchaus zu Caesars

Gunsten entschied und Spanien und Massalia unterworfen, die feindliche

Hauptarmee bis auf den letzten Mann gefangengenommen wurde, hatte auch

auf dem zweiten Kriegsschauplatze, auf welchem Caesar es notwendig

gefunden, sofort nach der Eroberung Italiens die Offensive zu ergreifen,

die Waffenentscheidung stattgefunden. Es ward schon gesagt, dass die

Pompeianer die Absicht hatten, Italien auszuhungern. Die Mittel dazu

hatten sie in Haenden. Sie beherrschten die See durchaus und arbeiteten

allerorts, in Gades, Utica, Messana, vor allem im Osten, mit grossem

Eifer an der Vermehrung ihrer Flotte; sie hatten ferner die saemtlichen

Provinzen inne, aus denen die Hauptstadt ihre Subsistenzmittel zog:

Sardinien und Korsika durch Marcus Cotta, Sizilien durch Marcus Cato,

Afrika durch den selbst ernannten Oberfeldherrn Titus Attius Varus und

ihren Verbuendeten, den Koenig Juba von Numidien. Es war fuer Caesar

unumgaenglich noetig, diese Plaene des Feindes zu durchkreuzen und

demselben die Getreideprovinzen zu entreissen. Quintus Valerius ward

mit einer Legion nach Sardinien gesandt und zwang den Pompeianischen

Statthalter, die Insel zu raeumen. Die wichtigere Unternehmung, Sizilien

und Afrika dem Feinde abzunehmen, wurde unter Beistand des tuechtigen

und kriegserfahrenen Gaius Caninius Rebilus dem jungen Gaius Curio

anvertraut. Sizilien ward von ihm ohne Schwertstreich besetzt; Cato,

ohne rechte Armee und kein Mann des Degens, raeumte die Insel, nachdem

er in seiner rechtschaffenen Art die Sikelioten vorher gewarnt hatte,

sich nicht durch unzulaenglichen Widerstand nutzlos zu kompromittieren.

Curio liess zur Deckung dieser fuer die Hauptstadt so wichtigen Insel

die Haelfte seiner Truppen zurueck und schiffte sich mit der anderen,

zwei Legionen und 500 Reitern, nach Afrika ein. Hier durfte er erwarten,

ernsteren Widerstand zu finden: ausser der ansehnlichen und in ihrer

Art tuechtigen Armee Jubas hatte der Statthalter Varus aus den in

Afrika ansaessigen Roemern zwei Legionen gebildet und auch ein kleines

Geschwader von zehn Segeln aufgestellt. Mit Hilfe seiner ueberlegenen

Flotte bewerkstelligte indes Curio ohne Schwierigkeit die Landung

zwischen Hadrumetum, wo die eine Legion der Feinde nebst ihren

Kriegsschiffen, und Utica, vor welcher Stadt die zweite Legion unter

Varus selbst stand. Curio wandte sich gegen die letztere und schlug sein

Lager unweit Utica, ebenda, wo anderthalb Jahrhunderte zuvor der

aeltere Scipio sein erstes Winterlager in Afrika genommen hatte. Caesar,

genoetigt, seine Kerntruppen fuer den Spanischen Krieg zusammenzuhalten,

hatte die sizilisch-afrikanische Armee groesstenteils aus den vom Feind

uebernommenen Legionen, namentlich den Kriegsgefangenen von Corfinium,

zusammensetzen muessen; die Offiziere der Pompeianischen Armee in

Afrika, die zum Teil bei denselben in Corfinium ueberwundenen Legionen

gestanden hatten, liessen jetzt kein Mittel unversucht, ihre alten,

nun gegen sie fechtenden Soldaten zu ihrem ersten Eidschwur wieder

zurueckzubringen. Indes Caesar hatte in seinem Stellvertreter sich nicht

vergriffen. Curio verstand es, ebensowohl die Bewegung des Heeres und

der Flotte zu lenken, als auch persoenlichen Einfluss auf die Soldaten

zu gewinnen; die Verpflegung war reichlich, die Gefechte ohne Ausnahme

gluecklich. Als Varus, in der Voraussetzung, dass es den Truppen Curios

an Gelegenheit fehlte, auf seine Seite ueberzugehen, hauptsaechlich, um

ihnen diese zu verschaffen, sich entschloss, eine Schlacht zu liefern,

rechtfertigte der Erfolg seine Erwartungen nicht. Begeistert durch die

feurige Ansprache ihres jugendlichen Fuehrers schlugen Curios Reiter die

feindlichen in die Flucht und saebelten im Angesichte beider Heere die

mit den Reitern ausgerueckte leichte Infanterie der Feinde nieder; und

ermutigt durch diesen Erfolg und durch Curios persoenliches Beispiel,

gingen auch seine Legionen durch die schwierige, die beiden Linien

trennende Talschlucht vor zum Angriff, den die Pompeianer aber nicht

erwarteten, sondern schimpflich in ihr Lager zurueckflohen und auch

dies die Nacht darauf raeumten. Der Sieg war so vollstaendig, dass Curio

sofort dazu schritt, Utica zu belagern. Als indes die Meldung

eintraf, dass Koenig Juba mit seiner gesamten Heeresmacht zum Entsatz

heranrueckte, entschloss sich Curio, ebenwie bei Syphax' Eintreffen

Scipio getan, die Belagerung aufzuheben und in Scipios ehemaliges Lager

zurueckzugehen, bis aus Sizilien Verstaerkung nachkommen werde. Bald

darauf lief ein zweiter Bericht ein, dass Koenig Juba durch Angriffe

seiner Nachbarfuersten veranlasst worden sei, mit seiner Hauptmacht

wieder umzukehren, und den Belagerten nur ein maessiges Korps unter

Saburra zur Hilfe sende. Curio, der bei seinem lebhaften Naturell nur

sehr ungern sich entschlossen hatte zu rasten, brach nun sofort wieder

auf, um mit Saburra zu schlagen, bevor derselbe mit der Besatzung

von Utica in Verbindung treten koenne. Seiner Reiterei, die am Abend

voraufgegangen war, gelang es in der Tat, das Korps des Saburra am

Bagradas bei naechtlicher Weile zu ueberraschen und uebel zuzurichten;

und auf diese Siegesbotschaft beschleunigte Curio den Marsch der

Infanterie, um durch sie die Niederlage zu vollenden. Bald erblickte man

auf den letzten Abhaengen der gegen den Bagradas sich senkenden Anhoehen

das Korps des Saburra, das mit den roemischen Reitern sich herumschlug;

die heranrueckenden Legionen halfen, dasselbe voellig in die Ebene

hinabdraengen. Allein hier wendete sich das Gefecht. Saburra stand

nicht, wie man meinte, ohne Rueckhalt, sondern nicht viel mehr als eine

deutsche Meile entfernt von der numidischen Hauptmacht. Bereits trafen

der Kern des numidischen Fussvolks und 2000 gallische und spanische

Reiter auf dem Schlachtfeld ein, um Saburra zu unterstuetzen, und der

Koenig selbst mit dem Gros der Armee und sechzehn Elefanten war im

Anmarsch. Nach dem Nachtmarsch und dem hitzigen Gefecht waren von den

roemischen Reitern augenblicklich nicht viel ueber 200 beisammen,

und diese sowie die Infanterie von den Strapazen und dem Fechten aufs

aeusserste erschoepft, alle in der weiten Ebene, in die man sich hatte

verlocken lassen, rings eingeschlossen von den bestaendig sich mehrenden

feindlichen Scharen. Vergeblich suchte Curio, handgemein zu werden;

die libyschen Reiter wichen, wie sie pflegten, sowie eine roemische

Abteilung vorging, um, wenn sie umkehrte, sie zu verfolgen. Vergeblich

versuchte er, die Hoehen wiederzugewinnen; sie wurden von den

feindlichen Reitern besetzt und versperrt. Es war alles verloren. Das

Fussvolk ward niedergehauen bis auf den letzten Mann. Von der Reiterei

gelang es einzelnen sich durchzuschlagen; und Curio haette wohl sich zu

retten vermocht, aber er ertrug es nicht, ohne das ihm anvertraute Heer

allein vor seinem Herrn zu erscheinen, und starb mit dem Degen in der

Hand. Selbst die Mannschaft, die im Lager vor Utica sich zusammenfand,

und die Flottenbesatzung, die sich so leicht nach Sizilien haette retten

koennen, ergaben sich unter dem Eindruck der fuerchterlich raschen

Katastrophe den Tag darauf an Varus (August oder September 705 49). So

endigte die von Caesar angeordnete sizilisch-afrikanische Expedition.

Sie erreichte insofern ihren Zweck, als durch die Besetzung Siziliens in

Verbindung mit der von Sardinien wenigstens dem dringendsten Beduerfnis

der Hauptstadt abgeholfen ward; die vereitelte Eroberung Afrikas, aus

welcher die siegende Partei keinen weiteren wesentlichen Gewinn zog, und

der Verlust zweier unzuverlaessiger Legionen liessen sich verschmerzen.

Aber ein unersetzlicher Verlust fuer Caesar, ja fuer Rom, war

Curios frueher Tod. Nicht ohne Ursache hatte Caesar dem militaerisch

unerfahrenen und wegen seines Lotterlebens berufenen jungen Mann das

wichtigste selbstaendige Kommando anvertraut; es war ein Funken von

Caesars eigenem Geist in dem feurigen Juengling. Auch er hatte wie

Caesar den Becher der Lust bis auf die Hefen geleert; auch er ward nicht

darum Staatsmann, weil er Offizier war, sondern es gab seine politische

Taetigkeit ihm das Schwert in die Hand; auch seine Beredsamkeit war

nicht die der gerundeten Perioden, sondern die Beredsamkeit des tief

empfundenen Gedankens; auch seine Kriegfuehrung ruhte auf dem raschen

Handeln mit geringen Mitteln; auch sein Wesen war Leichtigkeit und

oft Leichtfertigkeit, anmutige Offenherzigkeit und volles Leben im

Augenblick. Wenn, wie sein Feldherr von ihm sagt, Jugendfeuer und hoher

Mut ihn zu Unvorsichtigkeiten hinrissen und wenn er, um nicht einen

verzeihlichen Fehler sich verzeihen zu lassen, allzu stolz den Tod nahm,

so fehlen Momente gleicher Unvorsichtigkeit und gleichen Stolzes auch

in Caesars Geschichte nicht. Man darf es beklagen, dass es dieser

uebersprudelnden Natur nicht vergoennt war, auszuschaeumen und sich

aufzubewahren fuer die folgende, an Talenten so bettelarme, dem

schrecklichen Regiment der Mittelmaessigkeiten so rasch verfallende

Generation. Inwiefern diese Kriegsvorgaenge des Jahres 705 (49) in

Pompeius' allgemeinen Feldzugsplan eingriffen, namentlich welche Rolle

in diesem nach dem Verlust Italiens den wichtigen Heereskoerpern im

Westen zugeteilt war, laesst sich nur vermutungsweise bestimmen. Dass

Pompeius die Absicht gehabt, seinem in Spanien fechtenden Heer zu Lande

ueber Afrika und Mauretanien zu Hilfe zu kommen, war nichts als ein

im Lager von Ilerda umherlaufendes abenteuerliches und ohne Zweifel

durchaus grundloses Geruecht. Viel wahrscheinlicher ist es, dass er bei

seinem frueheren Plan, Caesar im Dies- und Jenseitigen Gallien von zwei

Seiten anzugreifen, selbst nach dem Verlust von Italien noch beharrte

und einen kombinierten Angriff zugleich von Spanien und Makedonien aus

beabsichtigte. Vermutlich sollte die spanische Armee so lange an

den Pyrenaeen sich defensiv verhalten, bis die in der Organisation

begriffene makedonische gleichfalls marschfaehig war; worauf dann beide

zugleich aufgebrochen sein und, je nach den Umstaenden, entweder an

der Rhone oder am Po sich die Hand gereicht, auch die Flotte

vermutlich gleichzeitig versucht haben wuerde, das eigentliche Italien

zurueckzuerobern. In dieser Voraussetzung, wie es scheint, hatte Caesar

zunaechst sich darauf gefasst gemacht, einem Angriff auf Italien zu

begegnen. Einer der tuechtigsten seiner Offiziere, der Volkstribun

Marcus Antonius, befehligte hier mit propraetorischer Gewalt. Die

suedoestlichen Haefen Sipus, Brundisium, Tarent, wo am ersten ein

Landungsversuch zu erwarten war, hatten eine Besatzung von drei Legionen

erhalten. Ausserdem zog Quintus Hortensius, des bekannten Redners

ungeratener Sohn, eine Flotte im Tyrrhenischen, Publius Dolabella eine

zweite im Adriatischen Meere zusammen, welche teils die Verteidigung

unterstuetzten, teils fuer die bevorstehende Ueberfahrt nach

Griechenland mitverwandt werden sollten. Falls Pompeius versuchen

wuerde, zu Lande in Italien einzudringen, hatten Marcus Licinius

Crassus, der aelteste Sohn des alten Kollegen Caesars, die Verteidigung

des Diesseitigen Galliens, des Marcus Antonius juengerer Bruder Gaius

die von Illyricum zu leiten. Indes der vermutete Angriff liess lange

auf sich warten. Erst im Hochsommer des Jahres ward man in Illyrien

handgemein. Hier stand Caesars Statthalter Gaius Antonius mit seinen

zwei Legionen auf der Insel Curicta (Veglia, im Golf von Quarnero),

Caesars Admiral Publius Dolabella mit 40 Schiffen in dem schmalen

Meerarm zwischen dieser Insel und dem Festland. Das letztere Geschwader

griffen Pompeius' Flottenfuehrer im Adriatischen Meer, Marcus Octavius

mit der griechischen, Lucius Scribonius Libo mit der illyrischen

Flottenabteilung an, vernichteten saemtliche Schiffe Dolabellas und

schnitten Antonius auf seiner Insel ab. Ihn zu retten, kamen aus Italien

ein Korps unter Basilus und Sallustius und das Geschwader des Hortensius

aus dem Tyrrhenischen Meer; allein weder jenes noch dieses vermochten

der weit ueberlegenen feindlichen Flotte etwas anzuhaben. Die Legionen

des Antonius mussten ihrem Schicksal ueberlassen werden. Die Vorraete

gingen zu Ende, die Truppen wurden schwierig und meuterisch; mit

Ausnahme weniger Abteilungen, denen es gelang, auf Floessen das Festland

zu erreichen, streckte das Korps, immer noch fuenfzehn Kohorten stark,

die Waffen und ward auf den Schiffen Libos nach Makedonien gefuehrt, um

dort in die Pompeianische Armee eingereiht zu werden, waehrend

Octavius zurueckblieb, um die Unterwerfung der von Truppen entbloessten

illyrischen Kueste zu vollenden. Die Delmater, jetzt in diesen Gegenden

die bei weitem maechtigste Voelkerschaft, die wichtige Inselstadt Issa

(Lissa) und andere Ortschaften ergriffen die Partei des Pompeius; allein

die Anhaenger Caesars behaupteten sich in Salome (Spalato) und Lissos

(Alessio) und hielten in der ersteren Stadt nicht bloss die Belagerung

mutig aus, sondern machten, als sie aufs Aeusserste gebracht waren,

einen Ausfall mit solchem Erfolg, dass Octavius die Belagerung aufhob

und nach Dyrrhachion abfuhr, um dort zu ueberwintern. Dieser in

Illyricum von der Pompeianischen Flotte erfochtene Erfolg, obwohl an

sich nicht unbedeutend, wirkte doch auf den Gesamtgang des Feldzuges

wenig ein; und zwerghaft gering erscheint er, wenn man erwaegt, dass

die Verrichtungen der unter Pompeius' Oberbefehl stehenden Land- und

Seemacht waehrend des ganzen ereignisreichen Jahres 705 (49) sich auf

diese einzige Waffentat beschraenkten und dass vom Osten her, wo der

Feldherr, der Senat, die zweite grosse Armee, die Hauptflotte, ungeheure

militaerische und noch ausgedehntere finanzielle Hilfsmittel der Gegner

Caesars vereinigt waren, da, wo es not tat, in jenen allentscheidenden

Römische Geschichte — Buch 5 · 第 42 / 68 段