und militaerisch weit ansehnlicher war, so war sie dagegen auch weit

minder klar und fest. Die Einheit der Oberleitung, die aus Caesars

Stellung sich von selbst und mit Notwendigkeit ergab, war dem Wesen der

Koalition zuwider; und obwohl Pompeius, zu sehr Soldat, um sich

ueber die Unentbehrlichkeit derselben zu taeuschen, sie der Koalition

aufzuzwingen versuchte und sich vom Senat zum alleinigen und

unumschraenkten Oberfeldherrn zu Lande und zur See ernennen liess, so

konnte doch der Senat selbst nicht beseitigt und ein ueberwiegender

Einfluss auf die politische, ein gelegentliches und darum doppelt

schaedliches Eingreifen in die militaerische Oberleitung ihm nicht

verwehrt werden. Die Erinnerung an den zwanzigjaehrigen, auf beiden

Seiten mit vergifteten Waffen gefuehrten Krieg zwischen Pompeius und der

Verfassungspartei, das auf beiden Seiten lebhaft vorhandene und muehsam

verhehlte Bewusstsein, dass die naechste Folge des erfochtenen Sieges

der Bruch zwischen den Siegern sein werde, die Verachtung, die man

gegenseitig und von beiden Seiten mit nur zu gutem Grund sich zollte,

die unbequeme Anzahl angesehener und einflussreicher Maenner in den

Reihen der Aristokratie und die geistige und sittliche Inferioritaet

fast aller Beteiligten erzeugten ueberhaupt bei den Gegnern Caesars

ein widerwilliges und widersetzliches Zusammenwirken, das mit dem

eintraechtigen und geschlossenen Handeln auf der anderen Seite den

uebelsten Kontrast bildet. Wenn also alle Nachteile der Koalition unter

sich feindlicher Maechte von Caesars Gegnern in ungewoehnlichem Masse

empfunden wurden, so war doch allerdings auch diese Koalition eine sehr

ansehnliche Macht. Die See beherrschte sie ausschliesslich: alle Haefen,

alle Kriegsschiffe, alles Flottenmaterial standen zu ihrer Verfuegung.

Die beiden Spanien, gleichsam Pompeius' Hausmacht so gut wie die beiden

Gallien Caesars, waren ihrem Herrn treu anhaenglich und in den Haenden

tuechtiger und zuverlaessiger Verwalter. Auch in den uebrigen Provinzen,

natuerlich mit Ausnahme der beiden Gallien, waren die Statthalter- und

Kommandantenstellen waehrend der letzten Jahre unter dem Einfluss von

Pompeius und der Senatsminoritaet mit sicheren Maennern besetzt worden.

Durchaus und mit grosser Entschiedenheit ergriffen die Klientelstaaten

Partei gegen Caesar und fuer Pompeius. Die bedeutendsten Fuersten und

Staedte waren in den verschiedenen Abschnitten seiner mannigfaltigen

Wirksamkeit zu Pompeius in die engsten persoenlichen Beziehungen

getreten - wie er denn in dem Kriege gegen die Marianer der

Waffengenosse der Koenige von Numidien und Mauretanien gewesen war

und das Reich des ersteren wiederaufgerichtet hatte; wie er im

Mithradatischen Kriege ausser einer Menge anderer kleinerer geistlicher

und weltlicher Fuerstentuemer die Koenigreiche Bosporus, Armenien und

Kappadokien wiederhergestellt, das galatische des Deiotarus geschaffen

hatte; wie zunaechst auf seine Veranlassung der Aegyptische Krieg

unternommen und durch seinen Adjutanten die Lagidenherrschaft neu

befestigt worden war. Selbst die Stadt Massalia in Caesars eigener

Provinz verdankte wohl auch diesem manche Verguenstigungen, aber

Pompeius vom Sertorianischen Kriege her eine sehr ansehnliche

Gebietserweiterung, und es stand ausserdem die hier regierende

Oligarchie mit der roemischen in einem natuerlichen und durch vielfache

Zwischenbeziehungen befestigten Bunde. Diese persoenlichen Ruecksichten

und Verhaeltnisse sowie die Glorie des Siegers in drei Weltteilen,

welche in diesen abgelegeneren Teilen des Reiches die des Eroberers von

Gallien noch weit ueberstrahlte, schadeten indes hier Caesar vielleicht

weniger noch als die daselbst nicht unbekannt gebliebenen An- und

Absichten des Erben des Gaius Gracchus ueber die Notwendigkeit

der Reunion der abhaengigen Staaten und die Nuetzlichkeit der

Provinzialkolonisationen. Keiner unter den abhaengigen Dynasten sah von

dieser Gefahr sich naeher bedroht als Koenig Juba von Numidien. Nicht

bloss war er vor Jahren, noch bei Lebzeiten seines Vaters Hiempsal, mit

Caesar persoenlich aufs heftigste zusammengeraten, sondern es hatte auch

kuerzlich derselbe Curio, der jetzt unter Caesars Adjutanten fast den

ersten Platz einnahm, bei der roemischen Buergerschaft den Antrag auf

Einziehung des Numidischen Reiches gestellt. Sollte endlich es so

weit kommen, dass die unabhaengigen Nachbarstaaten in den roemischen

Buergerkrieg eingriffen, so war der einzige wirklich maechtige, der der

Parther, durch die zwischen Pakoros und Bibulus angeknuepfte Verbindung

tatsaechlich bereits mit der aristokratischen Partei alliiert, waehrend

Caesar viel zu sehr Roemer war, um aus Parteiinteressen sich mit den

Ueberwindern seines Freundes Crassus zu verkuppeln. Was Italien anlangt,

so war, wie schon gesagt, die grosse Majoritaet der Buergerschaft Caesar

abgeneigt; vor allem natuerlich die gesamte Aristokratie mit ihrem sehr

betraechtlichen Anhang, nicht viel minder aber auch die hohe Finanz, die

nicht hoffen durfte, bei einer durchgreifenden Reform des Gemeinwesens

ihre parteiischen Geschworenengerichte und ihr Erpressungsmonopol

zu konservieren. Ebenso antidemokratisch gesinnt waren die kleinen

Kapitalisten, die Landgutsbesitzer und ueberhaupt alle Klassen, die

etwas zu verlieren hatten; nur dass freilich in diesen Schichten die

Sorge um die naechsten Zinstermine und um Saaten und Ernten in der

Regel jede andere Ruecksicht ueberwog. Die Armee, ueber die Pompeius

verfuegte, bestand hauptsaechlich in den spanischen Truppen, sieben

krieggewohnten und in jeder Hinsicht zuverlaessigen Legionen, wozu

die weiter in Syrien, Asia, Makedonien, Afrika, Sizilien und sonst

befindlichen, freilich schwachen und sehr zerstreuten Truppenabteilungen

kamen. In Italien standen unter den Waffen zunaechst nur die zwei von

Caesar kuerzlich abgegebenen Legionen, deren Effektivbestand sich nicht

ueber 7000 Mann belief und deren Zuverlaessigkeit mehr als

zweifelhaft war, da sie, ausgehoben im Diesseitigen Gallien und alte

Waffengefaehrten Caesars, ueber die unfeine Intrige, durch die man sie

das Lager hatte wechseln machen, in hohem Grade missvergnuegt waren und

ihres Feldherrn, der die fuer den Triumph jedem Soldaten versprochenen

Geschenke ihnen vor ihrem Abmarsch grossmuetig vorausgezahlt hatte,

sehnsuechtig gedachten. Allein abgesehen davon, dass die spanischen

Truppen mit dem Fruehjahr entweder auf dem Landweg durch Gallien

oder zur See in Italien eintreffen konnten, konnten in Italien die

Mannschaften der von den Aushebungen von 699 (55) noch uebrigen drei

Legionen sowie das im Jahre 702 (52) in Pflicht genommene italische

Aufgebot aus dem Urlaub einberufen werden. Mit Einrechnung dieser

stellte sich die Zahl der Pompeius im ganzen zur Verfuegung stehenden

Truppen, ohne die sieben Legionen in Spanien und die in den andern

Provinzen zerstreuten zu rechnen, bloss in Italien auf zehn Legionen

^2 oder gegen 60000 Mann, so dass es eben keine Uebertreibung war, wenn

Pompeius behauptete, nur mit dem Fusse stampfen zu duerfen, um den Boden

mit Bewaffneten zu bedecken. Freilich bedurfte es wenn auch kurzer,

doch einiger Frist, um diese Truppen zu mobilisieren; die Anstalten

dazu sowie zur Effektuierung der neuen, infolge des Ausbruchs des

Buergerkrieges vom Senat angeordneten Aushebungen waren aber auch

bereits ueberall im Gange. Unmittelbar nach dem entscheidenden

Senatsbeschluss (7. Januar 705 49), mitten im tiefen Winter, waren die

angesehensten Maenner der Aristokratie in die verschiedenen Landschaften

abgegangen, um die Einberufung der Rekruten und die Anfertigung von

Waffen zu beschleunigen. Sehr empfindlich war der Mangel an Reiterei,

da man fuer diese gewohnt war, sich gaenzlich auf die Provinzen und

namentlich die keltischen Kontingente zu verlassen; um wenigstens einen

Anfang zu machen, wurden dreihundert Caesar gehoerende Gladiatoren aus

den Fechtschulen von Capua entnommen und beritten gemacht, was indes

so allgemeine Missbilligung fand, dass Pompeius diese Truppe wieder

aufloeste und dafuer aus den berittenen Hirtensklaven Apuliens 300

Reiter aushob. ------------------------------------------------ ^2 Diese

Ziffer gab Pompeius selbst an (Caes. civ. 1, 6) und es stimmt damit,

dass er in Italien etwa 60 Kohorten oder 30000 Mann einbuesste und

25000 nach Griechenland ueberfuehrte (Caes, civ. 3, 10).

------------------------------------------------- In der Staatskasse war

Ebbe wie gewoehnlich; man war beschaeftigt, aus den Gemeindekassen und

selbst den Tempelschaetzen der Munizipien den unzureichenden Barbestand

zu ergaenzen. Unter diesen Umstaenden ward zu Anfang Januar 705 (49) der

Krieg eroeffnet. Von marschfaehigen Truppen hatte Caesar nicht mehr als

eine Legion, 5000 Mann Infanterie und 300 Reiter, bei Ravenna, das auf

der Chaussee etwa 50 deutsche Meilen von Rom entfernt war; Pompeius zwei

schwache Legionen, 7000 Mann Infanterie und eine geringe Reiterschar,

unter Appius Claudius' Befehlen bei Luceria, von wo man, ebenfalls

auf der Chaussee, ungefaehr ebensoweit nach der Hauptstadt hatte. Die

anderen Truppen Caesars, abgesehen von den rohen, noch in der Bildung

begriffenen Rekrutenabteilungen, standen zur Haelfte an der Saone und

Loire, zur Haelfte in Belgien, waehrend Pompeius' italische Reserven

bereits von allen Seiten in den Sammelplaetzen eintrafen; lange bevor

auch nur die Spitze der transalpinischen Heerhaufen Caesars in Italien

einruecken konnte, wusste hier ein weit ueberlegenes Heer bereit stehen,

sie zu empfangen. Es schien eine Torheit, mit einem Haufen von der

Staerke des Catilinarischen und augenblicklich ohne wirksame Reserve

angreifend vorzugehen gegen eine ueberlegene und stuendlich anwachsende

Armee unter einem faehigen Feldherrn; allein es war eine Torheit im

Geiste Hannibals. Wenn der Anfang des Kampfes bis zum Fruehjahr sich

hinauszog, so ergriffen Pompeius' spanische Truppen im Transalpinischen,

seine italischen im Cisalpinischen Gallien die Offensive, und Pompeius,

als Taktiker Caesar gewachsen, an Erfahrung ihm ueberlegen, war in einem

solchen regelmaessig verlaufenden Feldzug ein furchtbarer Gegner. Jetzt

liess er vielleicht, gewohnt, mit ueberlegenen Massen langsam und

sicher zu operieren, durch einen durchaus improvisierten Angriff sich

deroutieren; und was Caesars dreizehnte Legion nach der ernsten Probe

des gallischen Ueberfalls und der Januarkampagne im Bellovakerland nicht

aus der Fassung bringen konnte, die Ploetzlichkeit des Krieges und

die Muehsal des Winterfeldzuges, masste die Pompeianischen aus alten

Caesarischen Soldaten oder auch schlecht geuebten Rekruten bestehenden

und noch in der Bildung begriffenen Heerhaufen desorganisieren. So

rueckte denn Caesar in Italien ein ^3. Zwei Chausseen fuehrten damals

aus der Romagna nach Sueden: die Aemilisch-Cassische, die von Bononia

ueber den Apennin nach Arretium und Rom, und die Popillisch-Flaminische,

die von Ravenna an der Kueste des Adriatischen Meeres nach Fanum und,

dort sich teilend, in westlicher Richtung durch den Furlopass nach Rom,

in suedlicher nach Ancona und weiter nach Apulien lief. Auf der ersteren

gelangte Marcus Antonius bis Arretium; auf der zweiten drang Caesar

selbst vor. Widerstand ward nirgends geleistet: die vornehmen

Werbeoffiziere waren keine Militaers, die Rekrutenmassen keine Soldaten,

die Landstaedter nur besorgt, nicht in eine Belagerung verwickelt zu

werden. Als Curio mit 1500 Mann auf Iguvium anrueckte, wo ein paar

tausend umbrische Rekruten unter dem Praetor Quintus Minucius

Thermus sich gesammelt hatten, suchten, auf die blosse Meldung seines

Anmarsches, General und Soldaten das Weite; und aehnlich ging es im

kleinen ueberall. Caesar hatte die Wahl, entweder gegen Rom, dem seine

Reiter in Arretium bereits auf 28 deutsche Meilen sich genaehert hatten,

oder gegen die bei Luceria lagernden Legionen zu marschieren. Er waehlte

das letztere. Die Konsternation der Gegenpartei war grenzenlos. Pompeius

erhielt die Meldung von Caesars Anmarsch in Rom; er schien anfangs die

Hauptstadt verteidigen zu wollen, aber als die Nachricht von Caesars

Einruecken in das Picenische und von seinen ersten Erfolgen daselbst

einlief, gab er sie auf und befahl die Raeumung. Ein panischer Schreck,

vermehrt durch das falsche Geruecht, dass vor den Toren sich Caesars

Reiter gezeigt haetten, kam ueber die vornehme Welt. Die Senatoren,

denen angezeigt worden war, dass man jeden in der Hauptstadt

Zurueckbleibenden als Mitschuldigen des Rebellen Caesar behandeln werde,

stroemten scharenweise aus den Toren. Die Konsuln selbst hatten so

vollstaendig den Kopf verloren, dass sie nicht einmal die Kassen in

Sicherheit brachten; als Pompeius sie aufforderte, dies nachzuholen,

wozu ausreichend Zeit war, liessen sie ihm zuruecksagen, dass sie es

fuer sicherer hielten, wenn er zuvor Picenum besetze! Man war ratlos;

also ward grosser Kriegsrat in Teanum Sidicinum gehalten (23. Januar),

dem Pompeius, Labienus und beide Konsuln beiwohnten. Zunaechst lagen

wieder Vergleichsvorschlaege Caesars vor: selbst jetzt noch erklaerte

dieser sich bereit, sein Heer sofort zu entlassen, seine Provinzen den

ernannten Nachfolgern zu uebergeben und sich in regelrechter Weise

um das Konsulat zu bewerben, wofern Pompeius nach Spanien abgehe

und Italien entwaffnet werde. Die Antwort war, dass man, wenn Caesar

sogleich in seine Provinz zurueckkehre, sich anheischig mache,

die Entwaffnung Italiens und die Abreise des Pompeius durch einen

ordnungsmaessig in der Hauptstadt zu fassenden Senatsbeschluss

herbeizufuehren; was vielleicht nicht eine plumpe Prellerei, sondern

eine Annahme des Vergleichsvorschlags sein sollte, jedenfalls aber der

Sache nach das Gegenteil war. Die von Caesar gewuenschte persoenliche

Zusammenkunft mit Pompeius lehnte dieser ab und musste sie ablehnen, um

nicht durch den Anschein einer neuen Koalition mit Caesar das schon rege

Misstrauen der Verfassungspartei noch mehr zu reizen. Die Kriegfuehrung

anlangend einigte man in Teanum sich dahin, dass Pompeius das

Kommando der bei Luceria stehenden Truppen, auf denen trotz ihrer

Unzuverlaessigkeit doch alle Hoffnung beruhte, uebernehmen, mit diesen

in seine und Labienus' Heimat, in Picenum, einruecken, dort wie einst

vor fuenfunddreissig Jahren den Landsturm persoenlich zu den Waffen

rufen und an der Spitze der treuen picenischen und der kriegsgewohnten,

ehemals Caesarischen Kohorten versuchen solle, dem Vordringen des

Feindes eine Schranke zu setzen. Es kam nur darauf an, ob die picenische

Landschaft sich so lange hielt, bis Pompeius zu ihrer Verteidigung

herankam. Bereits war Caesar mit seiner wiedervereinigten Armee auf der

Kuestenstrasse ueber Ancona in dieselbe eingedrungen. Auch hier waren

die Ruestungen in vollem Gange; gleich in der noerdlichsten picenischen

Stadt Auximum stand ein ansehnlicher Haufe von Rekruten unter Publius

Attius Varus beisammen; allein auf Ersuchen der Munizipalitaet raeumte

Varus die Stadt, noch ehe Caesar erschien, und eine Handvoll von dessen

Soldaten, die den Trupp unweit Auximum einholten, zerstreuten ihn

vollstaendig nach kurzem Gefecht - es war das erste in diesem Kriege.

Ebenso raeumten bald darauf Gaius Lucilius Hirrus mit 3000 Mann

Camerinum, Publius Lentulus Spinther mit 5000 Asculum. Die Pompeius ganz

ergebenen Mannschaften liessen zum groessten Teil Haus und Hof willig im

Stich und folgten den Fuehrern ueber die Grenze: die Landschaft

selbst aber war schon verloren, als der zur vorlaeufigen Leitung der

Verteidigung von Pompeius gesandte Offizier Lucius Vibullius Rufus, kein

vornehmer Senator, aber ein kriegskundiger Militaer, daselbst eintraf;

er musste sich begnuegen, die geretteten etwa 6000 bis 7000 Rekruten

den unfaehigen Werbeoffizieren abzunehmen und sie vorlaeufig nach dem

naechsten Sammelplatz zu fuehren. Dies war Corfinium, der Mittelpunkt

der Aushebungen im albensischen, marsischen und paelignischen Gebiet;

die hier versammelte Rekrutenmasse von beilaeufig 15000 Mann war das

Kontingent der streitbarsten und der zuverlaessigsten Landschaften

Italiens und der Kern des in der Bildung begriffenen Heeres der

Verfassungspartei. Als Vibullius hier eintraf, war Caesar noch mehrere

Tagemaersche zurueck; es war nichts im Wege, Pompeius' Instruktionen

gemaess sofort aufzubrechen und die geretteten picenischen nebst den

in Corfinium gesammelten Rekruten dem Hauptheer in Apulien zuzufuehren.

Allein in Corfinium kommandierte der designierte Nachfolger Caesars in

der Statthalterschaft des Jenseitigen Gallien, Lucius Domitius, einer

der borniertesten Starrkoepfe der roemischen Aristokratie; und dieser

weigerte sich nicht bloss, Pompeius' Befehlen Folge zu leisten,

sondern verhinderte auch den Vibullius, wenigstens mit der picenischen

Mannschaft nach Apulien abzuruecken. So fest hielt er sich ueberzeugt,

dass Pompeius nur aus Eigensinn zaudere und notwendig zum Entsatz

herbeikommen muesse, dass er kaum sich ernstlich auf die Belagerung

gefusst machte und nicht einmal die in die umliegenden Staedte verlegten

Rekrutenhaufen in Corfinium zusammenzog. Pompeius aber erschien nicht

und aus guten Gruenden; denn seine beiden unzuverlaessigen Legionen

konnte er wohl als Rueckhalt fuer den picenischen Landsturm verwenden,

aber nicht mit ihnen allein Caesar die Schlacht anbieten. Dafuer kam

nach wenigen Tagen Caesar (14. Februar). Zu den Truppen desselben war

in Picenum die zwoelfte und vor Corfinium die achte von den

transalpinischen Legionen gestossen, und ausserdem wurden teils aus den

gefangenen oder freiwillig sich stellenden Pompeianischen Mannschaften,

teils aus den ueberall sofort ausgehobenen Rekruten drei neue Legionen

gebildet, so dass Caesar vor Corfinium bereits an der Spitze einer Armee

von 40000 Mann, zur Haelfte gedienter Leute, stand. Solange Domitius auf

Pompeius' Eintreffen hoffte, liess er die Stadt verteidigen; als dessen

Briefe ihn endlich enttaeuscht hatten, beschloss er nicht etwa, auf

dem verlorenen Posten auszuharren, womit er seiner Partei den groessten

Dienst geleistet haben wuerde, auch nicht einmal zu kapitulieren,

sondern, waehrend dem gemeinen Soldaten der Entsatz als nahe

bevorstehend angekuendigt ward, selber mit den vornehmen Offizieren in

der naechsten Nacht auszureissen. Indes selbst diesen sauberen Plan ins

Werk zu setzen verstand er nicht. Sein verwirrtes Benehmen verriet ihn.

Ein Teil der Mannschaften fing an zu meutern: die marsischen Rekruten,

die eine solche Schaendlichkeit ihres Feldherrn nicht fuer moeglich

hielten, wollten gegen die Meuterer kaempfen; aber auch sie mussten sich

widerwillig von der Wahrheit der Anschuldigung ueberzeugen, worauf denn

die gesamte Besatzung ihren Stab festnahm und ihn, sich und die Stadt

an Caesar uebergab (20. Februar). Das 3000 Mann starke Korps in Alba

und 1500 in Tarracina gesammelte Rekruten streckten hierauf die Waffen,

sowie Caesars Reiterpatrouillen sich zeigten; eine dritte Abteilung

in Sulmo von 3500 Mann war bereits frueher genoetigt worden zu

kapitulieren. ----------------------------------------------- ^3 Der

Senatsbeschluss war vom 7. Januar; am 18. wusste man schon in Rom seit

mehreren Tagen, dass Caesar die Grenze ueberschritten habe (Cic. Att.

7, 10; 9, 10, 4); der Bote brauchte von Rom nach Ravenna allermindestens

drei Tage. Danach faellt der Aufbruch um den 12. Januar, welcher

nach der gangbaren Reduktion dem julianischen 24. November 704 (50)

entspricht. ----------------------------------------------- Pompeius

hatte Italien verloren gegeben, sowie Caesar Picenum eingenommen hatte;

nur wollte er die Einschiffung so lange wie moeglich verzoegern, um von

den Mannschaften zu retten, was noch zu retten war. Langsam hatte

er demnach sich nach dem naechsten Hafenplatz Brundisium in Bewegung

gesetzt. Hier fanden die beiden Legionen von Luceria und was Pompeius in

dem menschenleeren Apulien an Rekruten in der Eile hatte zusammenraffen

koennen, sowie die von den Konsuln und sonstigen Beauftragten in

Kompanien ausgehobenen und eiligst nach Brundisium gefuehrten Leute sich

ein; ebendahin begab sich eine Menge politischer Fluechtlinge, unter

ihnen die angesehensten Senatoren in Begleitung ihrer Familien. Die

Einschiffung begann; allein die vorraetigen Fahrzeuge genuegten nicht,

um die ganze Masse, die sich doch noch auf 25000 Koepfe belief, auf

einmal zu transportieren. Es blieb nichts uebrig, als das Heer zu

teilen. Die groessere Haelfte ging vorauf (4. Maerz), mit der kleineren

von etwa 10000 Mann erwartete Pompeius in Brundisium die Rueckkehr der

Flotte; denn wie wuenschenswert fuer einen etwaigen Versuch, Italien

wieder einzunehmen, auch der Besitz von Brundisium war, so getraute

man sich doch nicht, den Platz auf die Dauer gegen Caesar zu halten.

Inzwischen traf Caesar vor Brundisium ein; die Belagerung begann. Caesar

versuchte vor allem, die Hafenmuendung durch Daemme und schwimmende

Bruecken zu schliessen, um die rueckkehrende Flotte auszusperren; allein

Pompeius liess die im Hafen liegenden Handelsfahrzeuge armieren und

wusste die voellige Schliessung des Hafens so lange zu verhindern, bis

die Flotte erschien und die von Pompeius, trotz der Wachsamkeit der

Belagerer und der feindlichen Gesinnung der Stadtbewohner, mit grosser

Geschicklichkeit bis auf den letzten Mann unbeschaedigt aus der Stadt

herausgezogenen Truppen aus Caesars Bereich nach Griechenland entfuehrte

(17. Maerz). An dem Mangel einer Flotte scheiterte wie die Belagerung

selbst, so auch die weitere Verfolgung. In einem zweimonatlichen

Feldzug, ohne ein einziges ernstliches Gefecht, hatte Caesar eine Armee

von zehn Legionen so aufgeloest, dass mit genauer Not die kleinere

Haelfte derselben in verwirrter Flucht ueber das Meer entkommen, die

ganze italische Halbinsel aber mit Einschluss der Hauptstadt nebst der

Staatskasse und allen daselbst aufgehaeuften Vorraeten in die Gewalt

des Siegers geraten war. Nicht ohne Grund klagte die geschlagene Partei

ueber die schauerliche Raschheit, Einsicht und Energie des "Ungeheuers".

Indes es liess sich fragen, ob Caesar durch die Eroberung Italiens mehr

gewann oder mehr verlor. In militaerischer Hinsicht wurden zwar jetzt

sehr ansehnliche Hilfsquellen nicht bloss den Gegnern entzogen, sondern

auch fuer Caesar fluessig gemacht; schon im Fruehjahr 705 (49) zaehlte

seine Armee infolge der ueberall angeordneten massenhaften Aushebungen

ausser den neun alten eine bedeutende Anzahl von Rekrutenlegionen.

Andererseits aber wurde es jetzt nicht bloss noetig, in Italien eine

ansehnliche Besatzung zurueckzulassen, sondern auch Massregeln zu

treffen gegen die von den seemaechtigen Gegnern beabsichtigte Sperrung

des ueberseeischen Verkehrs und die infolgedessen namentlich der

Hauptstadt drohende Hungersnot, wodurch Caesars bereits hinreichend

verwickelte militaerische Aufgabe noch weiter sich komplizierte.

Finanziell war es allerdings von Belang, dass es Caesar geglueckt war,

der hauptstaedtischen Kassenbestaende sich zu bemaechtigen; aber die

hauptsaechlichsten Einnahmequellen, namentlich die Abgaben aus dem

Orient, waren doch in den Haenden des Feindes und bei den so sehr

vermehrten Beduerfnissen fuer das Heer sowie der neuen Verpflichtung,

fuer die darbende hauptstaedtische Bevoelkerung zu sorgen, zerrannen

die vorgefundenen ansehnlichen Summen so schnell, dass Caesar sich bald

genoetigt sah, den Privatkredit anzusprechen, und, da er unmoeglich

Römische Geschichte — Buch 5 · 第 40 / 68 段