unteilbaren monarchischen Gewalt ueberhaupt haltbar sein kann.
Eine andere Frage war es, ob die Machthaber, wenigstens fuer jetzt,
entschlossen waren, zusammenzuhalten und gegenseitig sich ohne
Hinterhalt als gleichberechtigt anzuerkennen. Dass dies bei Caesar
insofern der Fall war, als er um den Preis der Gleichstellung mit
Pompeius sich die zur Unterwerfung Galliens notwendige Frist erkauft
hatte, ist frueher dargelegt worden. Aber Pompeius war es schwerlich
jemals auch nur vorlaeufig Ernst mit der Kollegialitaet. Er war eine
von den kleinlichen und gemeinen Naturen, gegen die es gefaehrlich ist,
Grossmut zu ueben: seinem kleinlichen Sinn erschien es sicher als
Gebot der Klugheit, dem unwillig anerkannten Nebenbuhler bei erster
Gelegenheit ein Bein zu stellen, und seine gemeine Seele duerstete nach
der Moeglichkeit, die durch Caesars Nachsicht erlittene Demuetigung ihm
umgekehrt zu vergelten. Wenn aber Pompeius wahrscheinlich nach seiner
dumpfen und traegen Natur niemals recht sich dazu verstanden hatte,
Caesar neben sich gelten zu lassen, so ist doch die Absicht, das
Buendnis zu sprengen, ihm wohl erst allmaehlich zum klaren Bewusstsein
gelangt. Auf keinen Fall wird das Publikum, das ueberhaupt Pompeius' An-
und Absichten gewoehnlich besser durchschaute als er selbst, darin
sich getaeuscht haben, dass wenigstens mit dem Tode der schoenen Julia,
welche in der Bluete ihrer Jahre im Herbst 700 (54) starb und der ihr
einziges Kind bald in das Grab nachfolgte, das persoenliche Verhaeltnis
zwischen ihrem Vater und ihrem Gemahl geloest war. Caesar versuchte, die
vom Schicksal getrennten verwandtschaftlichen Bande wiederherzustellen;
er warb fuer sich um die Hand der einzigen Tochter des Pompeius und trug
diesem seine jetzt naechste Verwandte, seiner Schwester Enkelin Octavia,
als Gemahlin an; allein Pompeius liess seine Tochter ihrem bisherigen
Gatten Faustus Sulla, dem Sohn des Regenten, und vermaehlte sich selber
mit der Tochter des Quintus Metellus Scipio. Der persoenliche Bruch war
unverkennbar eingetreten, und Pompeius war es, der die Hand zurueckzog.
Man erwartete, dass der politische ihm auf dem Fusse folgen
werde; allein hierin hatte man sich getaeuscht: in oeffentlichen
Angelegenheiten blieb vorlaeufig noch ein kollegialisches Einvernehmen
bestehen. Die Ursache war, dass Caesar nicht geradezu das Verhaeltnis
loesen wollte, bevor Galliens Unterwerfung eine vollendete Tatsache
war, Pompeius nicht, bevor durch die Uebernahme der Diktatur die
Regierungsbehoerden und Italien vollstaendig in seine Gewalt gebracht
sein wuerden. Es ist sonderbar, aber wohl erklaerlich, dass die
Machthaber hierbei sich gegenseitig unterstuetzten; Pompeius ueberliess
nach der Katastrophe von Aduatuca im Winter 700 (54) eine seiner
auf Urlaub entlassenen italienischen Legionen leihweise an Caesar;
andererseits gewaehrte Caesar Pompeius seine Einwilligung und seine
moralische Unterstuetzung bei den Repressivmassregeln, die dieser gegen
die stoerrige republikanische Opposition ergriff. Erst nachdem Pompeius
auf diesem Wege im Anfang des Jahres 702 (52) sich das ungeteilte
Konsulat und einen durchaus den Caesars ueberwiegenden Einfluss in der
Hauptstadt verschafft und die saemtliche waffenfaehige Mannschaft in
Italien den Soldateneid in seine Haende und auf seinen Namen abgeleistet
hatte, fasste er den Entschluss, baldmoeglichst mit Caesar foermlich zu
brechen; und die Absicht trat auch klar genug hervor. Dass die nach dem
Auflauf auf der Appischen Strasse stattfindende gerichtliche Verfolgung
eben Caesars alte demokratische Parteigenossen mit schonungsloser Haerte
traf, konnte vielleicht noch als blosse Ungeschicklichkeit hingehen.
Dass das neue Gesetz gegen die Wahlumtriebe, indem es bis 684 (70)
zurueckgriff, auch die bedenklichen Vorgaenge bei Caesars Bewerbung um
das Konsulat miteinschloss, mochte gleichfalls nicht mehr sein, obgleich
nicht wenige Caesarianer darin eine bestimmte Absicht zu erkennen
meinten. Aber auch bei dem besten Willen konnte man nicht mehr die Augen
verschliessen, als Pompeius sich zum Kollegen im Konsulat nicht seinen
frueheren Schwiegervater Caesar erkor, wie es der Lage des Sache
entsprach und vielfach gefordert ward, sondern in seinem neuen
Schwiegervater Scipio sich einen von ihm voellig abhaengigen Figuranten
an die Seite setzte; noch weniger, als Pompeius sich gleichzeitig die
Statthalterschaft beider Spanien auf weitere fuenf Jahre, also bis 709
(45) verlaengern und fuer die Besoldung seiner Truppen sich aus der
Staatskasse eine ansehnliche feste Summe auswerfen liess, nicht nur,
ohne fuer Caesar die gleiche Verlaengerung des Kommandos und die gleiche
Geldbewilligung zu bedingen, sondern sogar durch die gleichzeitig
ergangenen neuen Regulative ueber die Besetzung der Statthalterschaften
von weitem hinarbeitend auf eine Abberufung Caesars vor dem frueher
verabredeten Termin. Unverkennbar waren diese Uebergriffe darauf
berechnet, Caesars Stellung zu untergraben und demnaechst ihn zu
stuerzen. Der Augenblick konnte nicht guenstiger sein. Nur darum hatte
Caesar in Luca Pompeius so viel eingeraeumt, weil Crassus und dessen
syrische Armee bei einem etwaigen Bruch mit Pompeius notwendig in
Caesars Waagschale fielen; denn auf Crassus, der seit der sullanischen
Zeit mit Pompeius aufs tiefste verfeindet und fast ebensolange mit
Caesar politisch und persoenlich verbuendet war, und der nach seiner
Eigentuemlichkeit allenfalls, wenn er nicht selbst Koenig von Rom werden
konnte, auch damit sich begnuegt haben wuerde, des neuen Koenigs von Rom
Bankier zu sein, durfte Caesar ueberhaupt zaehlen und auf keinen
Fall besorgen, ihn sich gegenueber als Verbuendeten seiner Feinde zu
erblicken. Die Katastrophe von Juni 791 (53), in der Heer und Feldherr
in Syrien zu Grunde gingen, war darum auch fuer Caesar ein furchtbar
schwerer Schlag. Wenige Monate spaeter loderte in Gallien, ebenda es
vollstaendig unterworfen schien, die nationale Insurrektion gewaltiger
empor als je und trat zum erstenmal hier gegen Caesar ein ebenbuertiger
Gegner in dem Arvernerkoenig Vercingetorix auf. Wieder einmal hatte
das Geschick fuer Pompeius gearbeitet: Crassus war tot, ganz Gallien im
Aufstand, Pompeius faktisch Diktator von Rom und Herr des Senats - was
haette kommen moegen, wenn er jetzt, statt in weite Ferne hinein gegen
Caesar zu intrigieren, kurzweg die Buergerschaft oder den Senat
zwang, Caesar sofort aus Gallien abzurufen! Aber Pompeius hat es nie
verstanden, das Glueck bei der Locke zu fassen. Er kuendigte den Bruch
deutlich genug an; bereits 702 (52) liessen seine Handlungen darueber
keinen Zweifel und schon im Fruehjahr 703 (51) sprach er seine Absicht,
mit Caesar zu brechen, unverhohlen aus; aber er brach nicht und liess
ungenutzt die Monate verstreichen. Indes wie auch Pompeius zoegerte, die
Krise rueckte doch durch das Schwergewicht der Dinge selbst unaufhaltsam
heran. Der bevorstehende Krieg war nicht etwa ein Kampf zwischen
Republik und Monarchie - die Entscheidung darueber war bereits vor
Jahren gefallen -, sondern ein Kampf um den Besitz der Krone Roms
zwischen Pompeius und Caesar. Aber keiner der Praetendenten fand seine
Rechnung dabei, die rechte Parole auszusprechen; er haette damit den
ganzen sehr ansehnlichen Teil der Buergerschaft, der den Fortbestand
der Republik wuenschte und an dessen Moeglichkeit glaubte, dem Gegner
geradezu ins Lager getrieben. Die alten Schlachtrufe, wie sie Gracchus
und Drusus, Cinna und Sulla angestimmt hatten, wie verbraucht und
inhaltlos sie waren, blieben immer noch gut genug zum Feldgeschrei fuer
den Kampf der beiden um die Alleinherrschaft ringenden Generale; und
wenn auch fuer den Augenblick sowohl Pompeius wie Caesar offiziell sich
zu der sogenannten Popularpartei rechneten, so konnte es doch keinen
Augenblick zweifelhaft sein, dass Caesar das Volk und den demokratischen
Fortschritt, Pompeius die Aristokratie und die legitime Verfassung auf
sein Panier schreiben werde. Caesar hatte keine Wahl. Er war von Haus
aus und sehr ernstlich Demokrat, die Monarchie, wie er sie verstand,
mehr aeusserlich als im Wesen selbst von dem gracchischen Volksregiment
verschieden; und er war ein zu hochsinniger und zu tiefer Staatsmann, um
seine Farbe zu decken und unter einem anderen als seinem eigenen Wappen
zu fechten. Der unmittelbare Nutzen freilich, den dies Feldgeschrei ihm
brachte, war gering; er beschraenkte in der Hauptsache sich darauf,
dass er dadurch der Unbequemlichkeit ueberhoben ward, das Koenigtum beim
Namen zu nennen und mit dem verfemten Worte die Masse der Lauen und
die eigenen Anhaenger zu konsternieren. Positiven Gewinn trug die
demokratische Fahne kaum noch ein, seit die gracchischen Ideale durch
Clodius schaendlich und laecherlich geworden waren; denn wo gab
es jetzt, abgesehen etwa von den Transpadanern, einen Kreis von
irgendwelcher Bedeutung, der durch die Schlachtrufe der Demokratie zur
Teilnahme an dem Kampfe sich haette bestimmen lassen? Damit waere auch
Pompeius' Rolle in dem bevorstehenden Kampf entschieden gewesen, wenn
nicht ohnehin schon es sich von selbst verstanden haette, dass er in
denselben eintreten wusste als der Feldherr der legitimen Republik. Ihn
hatte, wenn je einen, die Natur zum Glied einer Aristokratie bestimmt,
und nur sehr zufaellige und sehr egoistische Motive hatten ihn als
Ueberlaeufer aus dem aristokratischen in das demokratische Lager
gefuehrt. Dass er jetzt wieder auf seine sullanischen Traditionen
zurueckkam, war nicht bloss sachgemaess, sondern in jeder Beziehung von
wesentlichem Nutzen. So verbraucht das demokratische Feldgeschrei war,
von so gewaltiger Wirkung wusste das konservative sein, wenn es von dem
rechten Mann ausging. Vielleicht die Majoritaet, auf jeden Fall der Kern
der Buergerschaft, gehoerte der verfassungstreuen Partei an, und ihrer
numerischen und moralischen Staerke nach war dieselbe wohl berufen,
in dem bevorstehenden Praetendentenkampf in maechtiger, vielleicht in
entscheidender Weise zu intervenieren. Es fehlte ihr nichts als ein
Fuehrer. Marcus Cato, ihr gegenwaertiges Haupt, tat als Vormann seine
Schuldigkeit, wie er sie verstand, unter taeglicher Lebensgefahr und
vielleicht ohne Hoffnung auf Erfolg; seine Pflichttreue ist achtbar,
aber der letzte auf einem verlorenen Posten zu sein, ist Soldaten-,
nicht Feldherrnlob. Die gewaltige Reserve, die der Partei der
gestuerzten Regierung wie von selber in Italien erwachsen war, wusste
er weder zu organisieren noch rechtzeitig in den Kampf zu ziehen; und,
worauf am Ende alles ankam, die militaerische Fuehrung hat er aus guten
Gruenden niemals in Anspruch genommen. Wenn anstatt dieses Mannes, der
weder Parteihaupt noch General zu sein verstand, ein Mann von Pompeius'
politischer und militaerischer Bedeutung das Banner der bestehenden
Verfassung erhob, so stroemten notwendig die Munizipalen Italiens
haufenweise demselben zu, um darunter, zwar nicht fuer den Koenig
Pompeius, aber doch gegen den Koenig Caesar fechten zu helfen. Hierzu
kam ein anderes, wenigstens ebenso wichtiges Moment. Es war Pompeius'
Art, selbst wenn er sich entschlossen hatte, nicht den Weg zur
Ausfuehrung seines Entschlusses finden zu koennen. Wenn er den Krieg
vielleicht zu fuehren, aber gewiss nicht zu erklaeren verstand, so war
die catonische Partei sicher unfaehig, ihn zu fuehren, aber sehr
faehig und vor allem sehr bereit gegen die in der Gruendung begriffene
Monarchie den Krieg zu motivieren. Nach Pompeius' Absicht sollte,
waehrend er selbst sich beiseite hielt und in seiner Art bald davon
redete demnaechst in seine spanischen Provinzen abgehen zu wollen, bald
zur Uebernahme des Kommandos am Euphrat sich reisefertig machte, die
legitime Regierungsbehoerde, das heisst der Senat, mit Caesar brechen,
ihm den Krieg erklaeren und mit dessen Fuehrung Pompeius beauftragen,
der dann, dem allgemeinen Verlangen nachgebend, als Beschuetzer der
Verfassung gegen demagogisch-monarchische Wuehlereien, als rechtlicher
Mann und Soldat der bestehenden Ordnung gegen die Wuestlinge und
Anarchisten, als wohlbestallter Feldherr der Kurie gegen den Imperator
von der Gasse aufzutreten und wieder einmal das Vaterland zu retten
gedachte. Also gewann Pompeius durch die Allianz mit den Konservativen,
teils zu seinen persoenlichen Anhaengern eine zweite Armee, teils ein
angemessenes Kriegsmanifest - Vorteile, die allerdings erkauft wurden
um den hohen Preis des Zusammengehens mit prinzipiellen Gegnern. Von den
unzaehligen Uebelstaenden, die in dieser Koalition lagen, entwickelte
sich vorlaeufig nur erst der eine, aber bereits sehr ernste, dass
Pompeius es aus der Hand gab, wann und wie es ihm gefiel, gegen Caesar
loszuschlagen, und in diesem entscheidenden Punkte sich abhaengig machte
von allen Zufaelligkeiten und Launen einer aristokratischen Korporation.
So ward also die republikanische Opposition, nachdem sie sich Jahre
lang mit der Zuschauerrolle hatte begnuegen muessen und kaum hatte wagen
duerfen zu pfeifen, jetzt durch den bevorstehenden Bruch der Machthaber
wieder auf die politische Schaubuehne zurueckgefuehrt. Es war dies
zunaechst der Kreis, der in Cato seinen Mittelpunkt fand, diejenigen
Republikaner, die den Kampf fuer die Republik und gegen die Monarchie
unter allen Umstaenden und je eher desto lieber zu wagen entschlossen
waren. Der klaegliche Ausgang des im Jahre 698 (56) gemachten Versuchs
hatte sie belehrt, dass sie fuer sich allein den Krieg weder zu fuehren
noch auch nur hervorzurufen imstande waren; maenniglich war es bekannt,
dass selbst in dem Senat zwar die ganze Koerperschaft mit wenigen
vereinzelten Ausnahmen der Monarchie abgeneigt war, allein die
Majoritaet doch das oligarchische Regiment nur dann restaurieren wollte,
wenn es ohne Gefahr sich restaurieren liess, womit es denn freilich gute
Weile hatte. Gegenueber einesteils den Machthabern, andernteils dieser
schlaffen Majoritaet, die vor allen Dingen und um jeden Preis
Frieden verlangte und jedem entschiedenen Handeln, am meisten einem
entschiedenen Bruch mit dem einen oder dem anderen der Machthaber
abgeneigt war, lag fuer die Catonische Partei die einzige Moeglichkeit,
zu einer Restauration des alten Regiments zu gelangen, in der Koalition
mit dem minder gefaehrlichen der Herrscher. Wenn Pompeius sich zu der
oligarchischen Verfassung bekannte und fuer sie gegen Caesar zu streiten
sich erbot, so konnte und musste die republikanische Opposition ihn
als ihren Feldherrn anerkennen und mit ihm im Bunde die furchtsame
Majoritaet zur Kriegserklaerung zwingen. Dass es Pompeius mit seiner
Verfassungstreue nicht voller Ernst war, konnte zwar niemand entgehen;
aber halb, wie er in allem war, war es ihm doch auch keineswegs so wie
Caesar zum deutlichen und sicheren Bewusstsein gekommen, dass es das
erste Geschaeft des neuen Monarchen sein muesse, mit dem oligarchischen
Geruempel gruendlich und abschliessend aufzuraeumen. Auf alle Faelle
bildete der Krieg ein wirklich republikanisches Heer und wirklich
republikanische Feldherren heran, und es konnte dann, nach dem Siege
ueber Caesar, unter guenstigeren Aussichten dazu geschritten werden,
nicht bloss einen der Monarchen, sondern die im Werden begriffene
Monarchie selbst zu beseitigen. Verzweifelt wie die Sache der Oligarchie
stand, war das Anerbieten des Pompeius, mit ihr sich zu verbuenden, fuer
sie die moeglichst guenstige Fuegung. Der Abschluss der Allianz zwischen
Pompeius und der catonischen Partei erfolgte verhaeltnismaessig rasch.
Schon waehrend Pompeius' Diktatur hatte beiderseits eine bemerkenswerte
Annaeherung stattgefunden. Pompeius ganzes Verhalten in der Milonischen
Krise, seine schroffe Zurueckweisung des die Diktatur ihm antragenden
Poebels, seine bestimmte Erklaerung, nur vom Senat dies Amt annehmen zu
wollen, seine unnachsichtige Strenge gegen die Ruhestoerer jeder Art und
namentlich gegen die Ultrademokraten, die auffallende Zuvorkommenheit,
womit er Cato und dessen Gesinnungsgenossen behandelte, schienen ebenso
darauf berechnet, die Maenner der Ordnung zu gewinnen, wie sie fuer den
Demokraten Caesar beleidigend waren. Andererseits hatten auch Cato und
seine Getreuen den Antrag, Pompeius die Diktatur zu uebertragen,
statt ihn mit gewohntem Rigorismus zu bekaempfen, unter unwesentlichen
Formaenderungen zu dem ihrigen gemacht; zunaechst aus den Haenden des
Bibulus und Cato hatte Pompeius das ungeteilte Konsulat empfangen.
Wenn so schon zu Anfang des Jahres 702 (52) die Catonische Partei und
Pompeius wenigstens stillschweigend sich verstanden, so durfte das
Buendnis als foermlich abgeschlossen gelten, als bei den Konsulwahlen
fuer 703 (51) zwar nicht Cato selbst gewaehlt ward, aber doch neben
einem unbedeutenden Manne der Senatsmajoritaet einer der entschiedensten
Anhaenger Catos, Marcus Claudius Marcellus. Marcellus war
kein stuermischer Eiferer und noch weniger ein Genie, aber ein
charakterfester und strenger Aristokrat, eben der rechte Mann, um, wenn
mit Caesar der Krieg begonnen werden sollte, denselben zu erklaeren. Wie
die Verhaeltnisse lagen, kann diese nach den unmittelbar vorher gegen
die republikanische Opposition ergriffenen Repressivmassregeln so
auffallende Wahl kaum anders erfolgt sein als mit Einwilligung oder
wenigstens unter stillschweigender Zulassung des derzeitigen Machthabers
von Rom. Langsam und schwerfaellig, wie er pflegte, aber unverwandt
schritt Pompeius auf den Bruch zu. In Caesars Absicht lag es dagegen
nicht, in diesem Augenblicke mit Pompeius sich zu ueberwerfen. Zwar
ernstlich und auf die Dauer konnte er die Herrschergewalt mit keinem
Kollegen teilen wollen, am wenigsten mit einem so untergeordneter Art,
wie Pompeius war, und ohne Zweifel war er laengst entschlossen, nach
Beendigung der gallischen Eroberung die Alleinherrschaft fuer sich zu
nehmen und noetigenfalls mit den Waffen zu erzwingen. Allein ein Mann
wie Caesar, in dem der Offizier durchaus dem Staatsmann untergeordnet
war, konnte nicht verkennen, dass die Regulierung des staatlichen
Organismus durch Waffengewalt denselben in ihren Folgen tief und oft
fuer immer zerruettet, und musste darum, wenn irgend moeglich, die
Verwicklung durch friedliche Mittel oder wenigstens ohne offenbaren
Buergerkrieg zu loesen suchen. War aber dennoch der Buergerkrieg nicht
zu vermeiden, so konnte er doch nicht wuenschen, jetzt dazu gedraengt
zu werden, wo in Gallien der Aufstand des Vercingetorix eben alles
Erreichte aufs neue in Frage stellte und ihn vom Winter 701/02 (53/52)
bis zum Winter 702/03 (52/51) unausgesetzt beschaeftigte, wo Pompeius
und die grundsaetzlich ihm feindliche Verfassungspartei in Italien
geboten. Darum suchte er das Verhaeltnis mit Pompeius und damit den
Frieden aufrecht zu halten und, wenn irgend moeglich, in friedlicher
Weise zu dem bereits in Luca ihm zugesicherten Konsulat fuer 706 (48) zu
gelangen. Ward er alsdann nach abschliessender Erledigung der keltischen
Angelegenheiten in ordnungsgemaesser Weise an die Spitze des Staates
gestellt, so konnte er, der dem Staatsmann Pompeius noch weit
entschiedener ueberlegen war als dem Feldherrn, wohl darauf rechnen,
ohne besondere Schwierigkeit diesen in der Kurie und auf dem
Forum auszumanoevrieren. Vielleicht war es moeglich, fuer seinen
schwerfaelligen, unklaren und hoffaertigen Nebenbuhler irgendeine
ehrenvolle und einflussreiche Stellung zu ermitteln, in der dieser sich
zu annullieren zufrieden war; die wiederholten Versuche Caesars, sich
mit Pompeius verschwaegert zu halten, mochten darauf abzielen,
eine solche Loesung anzubahnen und in der Sukzession der aus beider
Nebenbuhler Blut herstammenden Sproesslinge die letzte Schlichtung des
alten Haders herbeizufuehren. Die republikanische Opposition blieb dann
fuehrerlos, also wahrscheinlich ebenfalls ruhig und der Friede
ward erhalten. Gelang dies nicht und mussten, wie es allerdings
wahrscheinlich war, schliesslich die Waffen entscheiden, so verfuegte
dann Caesar als Konsul in Rom ueber die gehorsame Senatsmajoritaet und
konnte die Koalition der Pompeianer und der Republikaner erschweren, ja
vielleicht vereiteln und den Krieg weit schicklicher und vorteilhafter
fuehren, als wenn er jetzt als Prokonsul von Gallien gegen den Senat und
dessen Feldherrn marschieren liess. Allerdings hing das Gelingen dieses
Planes davon ab, dass Pompeius gutmuetig genug war, jetzt noch Caesar zu
dem ihm in Luca zugesicherten Konsulat fuer 706 (48) gelangen zu lassen;
aber selbst wenn er fehlschlug, war es fuer Caesar immer noch
nuetzlich, die groesste Nachgiebigkeit tatsaechlich und wiederholt
zu dokumentieren. Teils ward dadurch Zeit gewonnen, um inzwischen im
Keltenland zum Ziele zu kommen, teils blieb den Gegnern die gehaessige
Initiative des Bruches und also des Buergerkriegs, was sowohl der
Senatsmajoritaet und der Partei der materiellen Interessen, also auch
namentlich den eigenen Soldaten gegenueber fuer Caesar vom groessten
Belang war. Hiernach handelte er. Er ruestete freilich: durch neue
Aushebungen im Winter 702/03 (52/51) stieg die Zahl seiner Legionen,
einschliesslich der von Pompeius entlehnten, auf elf. Aber zugleich
billigte er ausdruecklich und oeffentlich Pompeius' Verhalten waehrend
der Diktatur und die durch ihn bewirkte Wiederherstellung der Ordnung
in der Hauptstadt, wies die Warnungen geschaeftiger Freunde als
Verleumdungen zurueck, rechnete jeden Tag, um den es gelang, die
Katastrophe zu verzoegern, sich zum Gewinn, uebersah, was
sich uebersehen liess, und ertrug, was ertragen werden konnte,
unerschuetterlich festhaltend nur an der einen und entscheidenden
Forderung, dass, wenn mit dem Jahre 705 (49) seine Statthalterschaft zu
Ende ging, das nach republikanischem Staatsrecht zulaessige, von seinem
Kollegen vertragsmaessig zugestandene zweite Konsulat fuer das Jahr
706 (48) ihm zuteil werde. Ebendies wurde das Schlachtfeld des jetzt
beginnenden diplomatischen Krieges. Wenn Caesar genoetigt wurde,
entweder sein Statthalteramt vor dem letzten Dezember 705 (49)
niederzulegen oder die Uebernahme des hauptstaedtischen Amtes ueber
den 1. Januar 706 (48) hinauszuschieben, er also eine Zeitlang zwischen
Statthalterschaft und Konsulat ohne Amt, folglich der - nach roemischem
Recht nur gegen den amtlosen Mann zulaessigen - Kriminalanklage
ausgesetzt blieb, so hatte, da Cato laengst bereit stand, ihn peinlich
zu belangen, und da Pompeius ein mehr als zweifelhafter Beschuetzer
war, das Publikum guten Grund, ihm in diesem Fall das Schicksal Milos zu
prophezeien. Um aber jenes zu erreichen, gab es fuer Caesars Gegner
ein sehr einfaches Mittel. Nach der bestehenden Wahlordnung war jeder
Bewerber um das Konsulat verpflichtet, vor der Wahl, also ein halbes
Jahr vor dem Amtsantritt, sich persoenlich bei dem wahlleitenden
Beamten zu melden und die Einzeichnung seines Namens in die offizielle
Kandidatenliste zu bewirken. Es mag bei den Vertraegen von Luca als
selbstverstaendlich angesehen worden sein, dass Caesar von dieser
rein formellen und sehr oft den Kandidaten erlassenen Verpflichtung
dispensiert werde; allein das desfaellige Dekret war noch nicht
ergangen, und da Pompeius jetzt im Besitz der Dekretiermaschine war,
hing Caesar in dieser Hinsicht von dem guten Willen seines Nebenbuhlers
ab. Unbegreiflicherweise gab Pompeius diese vollkommen sichere Stellung
freiwillig auf; mit seiner Einwilligung und waehrend seiner Diktatur
702 (52) ward durch ein tribunizisches Gesetz Caesar die persoenliche