bereitwillig auf dergleichen geschmacklosen Schwindel ein. Ihr genuegte
nicht der pomphafte Triumphalzug, der am 28. und 29. September 593
(61), dem sechsundvierzigsten Geburtstag Pompeius des Grossen, durch die
Gassen Roms sich bewegte, verherrlicht, um von den Kleinodien aller Art
zu schweigen, durch die Kroninsignien Mithradats und durch die Kinder
der drei maechtigsten Koenige Asiens, des Mithradates, Tigranes und
Phraates: sie lohnte ihrem Feldherrn, der zweiundzwanzig Koenige
besiegt, dafuer mit koeniglichen Ehren und verlieh ihm den goldenen
Kranz und die Insignien der Magistratur auf Lebenszeit. Die ihm zu Ehren
geschlagenen Muenzen zeigen gar die Weltkugel zwischen dem dreifachen,
aus den drei Weltteilen heimgebrachten Lorbeer und ueber ihr schwebend
jenen dem Triumphator ueber Afrika, Spanien und Asien von der
Buergerschaft verehrten Goldkranz. Es kann solchen kindischen
Huldigungen gegenueber nicht wundernehmen, dass auch im
entgegengesetzten Sinne Stimmen laut wurden. Unter der roemischen
vornehmen Welt war es eine gelaeufige Rede, dass das eigentliche
Verdienst der Unterwerfung des Ostens Lucullus zukomme und Pompeius
nur nach dem Osten gegangen sei, um Lucullus zu verdraengen und die
von fremder Hand gebrochenen Lorbeeren um die eigene Stirn zu flechten.
Beides war vollstaendig falsch; nicht Pompeius, sondern Glabrio ward
nach Asien gesandt, um Lucullus abzuloesen, und wie wacker auch Lucullus
gefochten, es war Tatsache, dass, als Pompeius den Oberbefehl uebernahm,
die Roemer all ihre frueheren Erfolge wieder eingebuesst und keinen
Fussbreit pontischen Bodens innehatten. Mehr zum Ziele traf der Spott
der Hauptstaedter, die nicht ermangelten, dem maechtigen Besieger des
Erdballs die Namen der von ihm ueberwundenen Grossmaechte als Spitznamen
beizulegen und ihn bald als "Sieger von Salem" bald als "Emir"
(Arabarches), bald als den roemischen Sampsikeramos begruessten. Der
unbefangene Urteiler wird indes weder in jene Ueberschwenglichkeiten
noch in diese Verkleinerungen einstimmen. Lucullus und Pompeius haben,
indem sie Asien unterwarfen und ordneten, sich nicht als Helden und
Staatsschoepfer bewaehrt, aber wohl als einsichtige und kraeftige
Heerfuehrer und Statthalter. Als Feldherr bewies Lucullus nicht gemeine
Talente und ein an Verwegenheit grenzendes Selbstvertrauen, Pompeius
militaerische Einsicht und eine seltene Zurueckhaltung, wie denn kaum
je ein General mit solchen Streitkraeften und einer so vollkommen
freien Stellung so vorsichtig aufgetreten ist wie Pompeius im Osten. Die
glaenzendsten Aufgaben trugen von allen Seiten sich ihm gleichsam selber
an: er konnte nach dem Kimmerischen Bosporus und gegen das Rote Meer hin
aufbrechen; er hatte Gelegenheit, den Parthern den Krieg zu erklaeren;
die aufstaendischen Landschaften Aegyptens luden ihn ein, den von
Rom nicht anerkannten Koenig Ptolemaeos vom Thron zu stossen und das
Testament Alexanders in Vollzug zu setzen; aber Pompeius ist weder nach
Pantikapaeon noch nach Petra, weder nach Ktesiphon noch nach Alexandreia
gezogen; durchaus pflueckte er nur diejenigen Fruechte, die ihm von
selber in die Hand fielen. Ebenso schlug er alle seine Schlachten
zur See wie zu Lande mit einer erdrueckenden Uebermacht. Waere diese
Maessigung hervorgegangen aus dem strengen Einhalten der erteilten
Instruktionen, wie Pompeius vorzugehen pflegte, oder auch aus der
Einsicht, dass Roms Eroberungen irgendwo eine Grenze finden muessten und
neuer Gebietszuwachs dem Staat nicht foerderlich sei, so wuerde sie
ein hoeheres Lob verdienen, als die Geschichte es dem talentvollsten
Offizier erteilt; allein wie Pompeius war, ist seine Zurueckhaltung
ohne Zweifel einzig das Resultat des ihm eigentuemlichen Mangels an
Sicherheit und an Initiative - Maengel freilich, die dem Staate in
diesem Falle weit nuetzlicher wurden als die entgegengesetzten Vorzuege
seines Vorgaengers. Allerdings sind auch von Lucullus wie von Pompeius
sehr arge Fehler begangen worden. Lucullus erntete deren Fruechte
selbst, indem sein unbesonnenes Verfahren ihm alle Resultate seiner
Siege wieder entriss; Pompeius ueberliess es seinen Nachfolgern, die
Folgen seiner falschen Politik gegen die Parther zu tragen. Er konnte
diese entweder bekriegen, wenn er dessen sich getraute, oder mit
ihnen Frieden halten und, wie er versprochen, den Euphrat als Grenze
anerkennen; zu jenem war er zu zaghaft, zu diesem zu eitel, und so kam
er denn zu der einfaeltigen Perfidie, die gute Nachbarschaft, die
der Hof von Ktesiphon wuenschte und seinerseits uebte, durch die
masslosesten Uebergriffe unmoeglich zu machen, dennoch aber dem Feinde
zu gestatten, sich die Zeit des Bruches und der Vergeltung selber
waehlen zu duerfen. Als Verwalter Asiens erwarb Lucullus ein mehr als
fuerstliches Vermoegen, und auch Pompeius empfing als Lohn fuer seine
Organisation von dem Koenig von Kappadokien, von der reichen Stadt
Antiocheia und anderen Herren und Gemeinden grosse Barsummen und noch
ansehnlichere Schuldverschreibungen. Indes dergleichen Erpressungen
waren fast eine gewohnheitsmaessige Steuer geworden, und beide
Feldherren bewiesen doch nicht gerade in wichtigeren Fragen sich
kaeuflich, liessen auch womoeglich sich von der Partei bezahlen, deren
Interessen mit denen Roms zusammenfielen. Wie die Zeiten einmal waren,
hindert dies nicht, die Verwaltung beider Maenner als eine relativ
loebliche und zunaechst im Interesse Roms, demnaechst in dem der
Provinzialen gefuehrte zu bezeichnen. Die Verwandlung der Klienten in
Untertanen, die bessere Regulierung der Ostgrenze, die Begruendung eines
einheitlichen und starken Regiments waren segensreich fuer die Herrscher
wie fuer die Beherrschten. Der finanzielle Gewinn, den Rom machte, war
unermesslich; die neue Vermoegenssteuer, die mit Ausnahme einzelner,
besonders befreiter Gemeinden all jene Fuersten, Priester und Staedte
nach Rom zu zahlen hatten, steigerte die roemischen Staatseinnahmen fast
um die Haelfte ihres bisherigen Betrags. Freilich litt Asien schwer.
Pompeius legte an Geld und Kleinodien einen Betrag von 15 Mill. Talern
(200 Mill. Sesterzen) in die Staatskasse nieder und verteilte 29
Millionen (16000 Talente) unter seine Offiziere und Soldaten; wenn
man hierzu die bedeutenden von Lucullus heimgebrachten Summen, die
nichtoffiziellen Erpressungen der roemischen Armee und den Betrag der
Kriegsschaeden selbst rechnet, so ist die finanzielle Erschoepfung des
Landes begreiflich. Die roemische Besteuerung Asiens war vielleicht an
sich nicht schlimmer als die der frueheren Regenten, aber lastete doch
insofern schwerer auf dem Lande, als die Abgaben fortan in das Ausland
gingen und nur zum kleineren Teil wieder in Asien verwandt wurden; und
auf jeden Fall war sie in den alten wie in den neugewonnenen Provinzen
basiert auf die systematische Ausbeutung der Landschaften zu Gunsten
Roms. Aber die Verantwortung hierfuer trifft weit weniger die Feldherren
persoenlich als die Parteien daheim, auf die jene Ruecksicht zu nehmen
hatten; Lucullus war sogar energisch bemueht, dem wucherischen Treiben
der roemischen Kapitalisten in Asien Schranken zu setzen, und sein
Sturz ward wesentlich mit hierdurch herbeigefuehrt. Wie sehr es beiden
Maennern Ernst damit war, die heruntergekommenen Landschaften wieder in
die Hoehe zu bringen, beweist ihre Taetigkeit da, wo keine Ruecksichten
der Parteipolitik ihnen die Haende banden, namentlich ihre Fuersorge
fuer die kleinasiatischen Staedte. Wenn auch noch Jahrhunderte spaeter
manches in Ruinen liegende asiatische Dorf an die Zeiten des grossen
Krieges erinnerte, so mochte doch Sinope wohl mit dem Jahr der
Wiederherstellung durch Lucullus eine neue Aera beginnen und fast alle
ansehnlicheren Binnenstaedte des Pontischen Reiches Pompeius als ihren
Stifter dankbar verehren. Die Einrichtung des roemischen Asien durch
Lucullus und Pompeius darf bei all ihren unleugbaren Maengeln eine
im ganzen verstaendige und loebliche genannt werden; wie schwere
Uebelstaende aber auch ihr anhaften mochten, den vielgeplagten Asiaten
musste sie schon darum willkommen sein, weil sie zugleich kam mit dem
so lange und so schmerzlich entbehrten inneren und aeusseren Frieden.
Es blieb auch im wesentlichen Friede im Orient, bis der von Pompeius mit
der ihm eigenen Zaghaftigkeit nur angedeutete Gedanke, die Landschaften
oestlich vom Euphrat zum Roemischen Reiche zu fuegen, von der neuen
Triarchie der roemischen Machthaber energisch, aber ungluecklich
wiederaufgenommen ward und bald darauf der Buergerkrieg wie alle anderen
so auch die oestlichen Provinzen in seinen verhaengnisvollen Strudel
hineinzog. Dass in der Zwischenzeit die Statthalter Kilikiens bestaendig
mit den Bergvoelkern des Amanos, die von Syrien mit den Schwaermen
der Wueste zu fechten hatten und namentlich in diesem Kriege gegen die
Beduinen manche roemische Truppe aufgerieben ward, ist ohne weitere
Bedeutung. Bemerkenswerter ist der eigensinnige Widerstand, den
die zaehe juedische Nation den Eroberern entgegensetzte. Teils des
abgesetzten Koenigs Aristobulos Sohn Alexandros, teils Aristobulos
selbst, dem es nach einiger Zeit gelang, aus der Gefangenschaft zu
entkommen, erregten waehrend der Statthalterschaft des Aulus Gabinius
(697-700 57-54) drei verschiedene Aufstaende gegen die neuen Machthaber,
deren jedem die von Rom eingesetzte Regierung des Hochpriesters Hyrkanos
ohnmaechtig erlag. Es war nicht politische Ueberlegung, sondern der
unbesiegbare Widerwille des Orientalen gegen das unnatuerliche Joch, der
sie zwang, gegen den Stachel zu loecken; wie denn auch der letzte und
gefaehrlichste dieser Aufstaende, zu welchem die durch die aegyptischen
Krisen veranlasste Wegziehung der syrischen Okkupationsarmee den
naechsten Anstoss gab, begann mit der Ermordung der in Palaestina
ansaessigen Roemer. Nicht ohne Muehe gelang es dem tuechtigen
Statthalter, die wenigen Roemer, die diesem Schicksal sich entzogen und
eine vorlaeufige Zuflucht auf dem Berge Garizim gefunden hatten, von den
dort sie blockiert haltenden Insurgenten zu erretten und nach mehreren
hart bestrittenen Feldschlachten und langwierigen Belagerungen den
Aufstand zu bewaeltigen. Infolgedessen ward die Hohenpriestermonarchie
abgeschafft und das juedische Land, wie einst Makedonien, in fuenf
selbstaendige, von optimatisch geordneten Regierungskollegien verwaltete
Kreise aufgeloest, auch Samaria und andere, von den Juden geschleifte
Ortschaften wiederhergestellt, um ein Gegengewicht gegen Jerusalem
zu bilden, endlich den Juden ein schwererer Tribut auferlegt als
den uebrigen syrischen Untertanen Roms. Noch ist es uebrig, auf
das Koenigreich Aegypten nebst dem letzten ihm von den ausgedehnten
Eroberungen der Lagiden uebriggebliebenen Nebenland, der schoenen Insel
Kypros, einen Blick zu werfen. Aegypten war jetzt der einzige wenigstens
dem Namen nach noch unabhaengige Staat des hellenischen Ostens; ebenwie
einst, als die Perser an der oestlichen Haelfte des Mittelmeers sich
festsetzten, Aegypten ihre letzte Eroberung war, saeumten auch die
maechtigen Eroberer aus dem Westen am laengsten mit der Einziehung
dieser reichen und eigenartigen Landschaft. Die Ursache lag, wie bereits
angedeutet wurde, weder in der Furcht vor dem Widerstand Aegyptens noch
in dem Mangel einer geeigneten Veranlassung. Aegypten war ungefaehr
ebenso machtlos wie Syrien und bereits im Jahre 673 (81) in aller
Form Rechtens der roemischen Gemeinde angestorben; das am Hofe von
Alexandreia herrschende Regiment der koeniglichen Garde, welche Minister
und gelegentlich Koenige ein- und absetzte, fuer sich nahm, was ihr
gefiel, und, wenn ihr die Erhoehung des Soldes verweigert ward, den
Koenig in seinem Palast belagerte, war im Lande oder vielmehr in der
Hauptstadt - denn das Land mit seiner Ackersklavenbevoelkerung kam
ueberhaupt kaum in Betracht - ganz und gar nicht beliebt, und wenigstens
eine Partei daselbst wuenschte die Einziehung Aegyptens durch Rom
und tat sogar Schritte, um sie herbeizufuehren. Allein je weniger die
Koenige Aegyptens daran denken konnten, mit den Waffen gegen Rom zu
streiten, desto energischer setzte das aegyptische Gold gegen
die roemischen Reunionsplaene sich zur Wehre; und infolge der
eigentuemlichen despotisch-kommunistischen Zentralisation der
aegyptischen Volkswirtschaft waren die Einkuenfte des Hofes von
Alexandreia der roemischen Staatseinnahme, selbst nach deren Vermehrung
durch Pompeius, noch ungefaehr gleich. Die argwoehnische Eifersucht der
Oligarchie, die weder die Eroberung noch die Verwaltung Aegyptens gern
einem einzelnen goennte, kam hinzu. So vermochten die faktischen Herren
von Aegypten und Kypros durch Bestechung der fuehrenden Maenner im Senat
sich ihre schwankenden Kronen nicht bloss zu fristen, sondern sogar
neu zu befestigen und vom Senat die Bestaetigung ihrer Koenigstitel
zu erkaufen. Allein damit waren sie noch nicht am Ziel. Das formelle
Staatsrecht forderte einen Beschluss der roemischen Buergerschaft; bevor
dieser erlassen war, waren die Ptolemaeer abhaengig von der Laune jedes
demokratischen Machthabers, und sie hatten also den Bestechungskrieg
auch gegen die andere roemische Partei zu eroeffnen, welche als die
maechtigere weit hoehere Preise bedang. Der Ausgang war ungleich. Die
Einziehung von Kypros ward im Jahre 696 (58) vom Volke, das heisst
von den Fuehrern der Demokratie verfuegt, wobei als offizieller Grund,
weshalb dieselbe jetzt vorgenommen werde, die Foerderung der Piraterie
durch die Kyprioten angegeben ward. Marcus Cato, von seinen Gegnern mit
der Ausfuehrung dieser Massregel beauftragt, kam nach der Insel ohne
Heer; allein es bedurfte dessen auch nicht. Der Koenig nahm Gift; die
Einwohner fuegten sich, ohne Widerstand zu leisten, dem unvermeidlichen
Verhaengnis und wurden dem Statthalter von Kilikien untergeordnet. Der
ueberreiche Schatz von fast 7000 Talenten (fast 13 Mill. Taler), den
der ebenso habsuechtige wie geizige Koenig sich nicht hatte ueberwinden
koennen, fuer die zur Rettung seiner Krone erforderlichen Bestechungen
anzugreifen, fiel mit dieser zugleich an die Roemer und fuellte in
erwuenschter Weise die leeren Gewoelbe ihres Aerars. Dagegen gelang es
dem Bruder, der in Aegypten regierte, die Anerkennung durch Volksschluss
von den neuen Herren Roms im Jahre 695 (59) zu erkaufen; der Kaufpreis
soll 6000 Talente (11 Mill. Taler) betragen haben. Die Buergerschaft
freilich, laengst gegen den guten Floetenblaeser und schlechten Regenten
erbittert und nun durch den definitiven Verlust von Kypros und den
infolge der Transaktionen mit den Roemern unertraeglich gesteigerten
Steuerdruck aufs aeusserste gebracht (696 58), jagte ihn dafuer aus
dem Lande. Als der Koenig darauf, gleichsam wie wegen Entwaehrung des
Kaufobjekts, sich an seine Verkaeufer wandte, waren diese billig genug
einzusehen, dass es ihnen als redlichen Geschaeftsmaennern obliege, dem
Ptolemaeos sein Reich wiederzuverschaffen; nur konnten die Parteien sich
nicht einig werden, wem der wichtige Auftrag, Aegypten mit bewaffneter
Hand zu besetzen, nebst den davon zu erhoffenden Sporteln zukommen
solle. Erst als die Triarchie auf der Konferenz von Luca sich neu
befestigte, wurde zugleich auch diese Angelegenheit geordnet, nachdem
Ptolemaeos noch sich zur Erlegung weiterer 10000 Talente (18 Mill.
Taler) verstanden hatte: der Statthalter Syriens, Aulus Gabinius,
erhielt jetzt von den Machthabern Befehl, sofort zur Zurueckfuehrung des
Koenigs die noetigen Schritte zu tun. Die Buergerschaft von Alexandreia
hatte inzwischen des vertriebenen Koenigs aeltester Tochter Berenike die
Krone aufgesetzt und ihr in der Person eines der geistlichen Fuersten
des roemischen Asien, des Hochpriesters von Komana Archelaos, einen
Gemahl gegeben, der Ehrgeiz genug besass, um an die Hoffnung, den Thron
der Lagiden zu besteigen, seine gesicherte und ansehnliche Stellung zu
setzen. Seine Versuche, die roemischen Machthaber fuer sich zu gewinnen,
blieben ohne Erfolg; aber er schrak auch nicht zurueck vor dem Gedanken,
sein neues Reich mit den Waffen in der Hand selbst gegen die Roemer
behaupten zu muessen. Gabinius, ohne ostensible Vollmacht, den Krieg
gegen Aegypten zu beginnen, aber von den Machthabern dazu angewiesen,
nahm die angebliche Foerderung der Piraterie durch die Aegypter und den
Flottenbau des Archelaos zum Vorwand und brach ungesaeumt auf gegen die
aegyptische Grenze (699 55). Der Marsch durch die Sandwueste zwischen
Gaza und Pelusion, an der so manche gegen Aegypten gerichtete Invasion
gescheitert war, ward diesmal gluecklich zurueckgelegt, was besonders
.dem raschen und geschickten Fuehrer der Reiterei, Marcus Antonius,
verdankt ward. Auch die Grenzfestung Pelusion wurde von der dort
stehenden juedischen Besatzung ohne Gegenwehr uebergeben. Vorwaerts
dieser Stadt trafen die Roemer auf die Aegypter, schlugen sie, wobei
Antonius wiederum sich auszeichnete, und gelangten, die erste roemische
Armee, an den Nil. Hier hatten Flotte und Heer der Aegypter zum letzten
entscheidenden Kampfe sich aufgestellt; aber die Roemer siegten abermals
und Archelaos selbst fand mit vielen der Seinigen kaempfend den Tod.
Sofort nach dieser Schlacht ergab sich die Hauptstadt und damit
war jeder Widerstand am Ende. Das unglueckliche Land ward seinem
rechtmaessigen Zwingherrn ueberliefert: das Henken und Koepfen,
womit ohne des ritterlichen Antonius' Dazwischenkunft Ptolemaeos die
Wiederherstellung des legitimen Regiments bereits in Pelusion zu feiern
begonnen haben wuerde, ging nun ungehemmt seinen Gang, und vor allen
anderen ward die unschuldige Tochter von dem Vater auf das Schafott
gesandt. Die Bezahlung des mit den Machthabern vereinbarten Lohnes
scheiterte an der absoluten Unmoeglichkeit, dem ausgesogenen Lande die
verlangten ungeheuren Summen abzupressen, obwohl man dem armen Volke den
letzten Pfennig nahm; dafuer aber, dass das Land wenigstens ruhig blieb,
sorgte die in der Hauptstadt zurueckgelassene Besatzung von roemischer
Infanterie und keltischer und deutscher Reiterei, welche die
einheimischen Praetorianer abloeste und uebrigens nicht ungluecklich
ihnen nacheiferte. Die bisherige Hegemonie Roms ueber Aegypten ward
damit in eine unmittelbare militaerische Okkupation verwandelt und die
nominelle Fortdauer des einheimischen Koenigtums war nicht so sehr eine
Bevorzugung des Landes als eine zwiefache Belastung. 5. Kapitel Der
Parteienkampf waehrend Pompeius' Abwesenheit Mit dem Gabinischen Gesetze
wechselten die hauptstaedtischen Parteien die Rollen. Seit der erwaehlte
Feldherr der Demokratie das Schwert in der Hand hielt, war seine Partei
oder was dafuer galt auch in der Hauptstadt uebermaechtig. Wohl stand
die Nobilitaet noch geschlossen zusammen und gingen nach wie vor aus
der Komitialmaschine nur Konsuln hervor, die nach dem Ausdrucke der
Demokraten schon in den Windeln zum Konsulate designiert waren; die
Wahlen zu beherrschen und hier den Einfluss der alten Familien zu
brechen, vermochten selbst die Machthaber nicht. Aber leider fing das
Konsulat, ebenda man es so weit gebracht hatte, die "neuen Menschen"
so gut wie vollstaendig davon auszuschliessen, selber an, vor dem neu
aufgehenden Gestirn der; exzeptionellen Militaergewalt zu erbleichen.
Die Aristokratie empfand es, wenn sie auch nicht gerade es sich gestand;
sie gab sich selber verloren. Ausser Quintus Catulus, der mit achtbarer
Festigkeit auf seinem wenig erfreulichen Posten als Vorfechter einer
ueberwundenen Partei bis zu seinem Tode (694 60) ausharrte, ist aus
den obersten Reihen der Nobilitaet kein Optimat zu nennen, der die
Interessen der Aristokratie mit Mut und Stetigkeit vertreten haette.
Eben ihre talentvollsten und gefeiertsten Maenner, wie Quintus Metellus
Pius und Lucius Lucullus, abdizierten tatsaechlich und zogen sich,
soweit es irgend schicklicherweise anging, auf ihre Villen zurueck, um
ueber Gaerten und Bibliotheken, ueber Vogelhaeusern und Fischteichen den
Markt und das Rathaus moeglichst zu vergessen. Noch viel mehr gilt dies
natuerlich von der juengeren Generation der Aristokratie, die entweder
ganz in Luxus und Literatur unterging oder der aufgehenden Sonne sich
zuwandte. Ein einziger unter den Juengeren machte hiervon eine Ausnahme:
es ist Marcus Porcius Cato (geboren 659 95), ein Mann vom besten Willen
und seltener Hingebung, und doch eine der abenteuerlichsten und eine
der unerfreulichsten Erscheinungen in dieser an politischen Zerrbildern
ueberreichen Zeit. Ehrlich und stetig, ernsthaft im Wollen und im
Handeln, voll Anhaenglichkeit an sein Vaterland und die angestammte
Verfassung, aber ein langsamer Kopf und sinnlich wie sittlich ohne
Leidenschaft, haette er allenfalls einen leidlichen Staatsrechenmeister
abgeben moegen. Ungluecklicherweise aber geriet er frueh unter die
Gewalt der Phrase, und, teils beherrscht von den Redensarten der Stoa,
wie sie in abstrakter Kahlheit und geistloser Abgerissenheit in der
damaligen vornehmen Welt im Umlauf waren, teils von dem Exempel seines
Urgrossvaters, den zu erneuern er fuer seine besondere Aufgabe hielt,
fing er an, als Musterbuerger und Tugendspiegel in der suendigen
Hauptstadt umherzuwandeln, gleich dem alten Cato auf die Zeiten zu
schelten, zu Fuss zu gehen statt zu reiten, keine Zinsen zu nehmen,
soldatische Ehrenzeichen abzulehnen und die Wiederherstellung der guten
alten Zeit damit einzuleiten, dass er nach Koenig Romulus' Vorgang ohne
Hemd ging. Eine seltsame Karikatur seines Ahnen, des greisen Bauern,
den Hass und Zorn zum Redner machten, der den Pflug wie das Schwert
meisterlich fuehrte, der mit seinem bornierten, aber originellen und
gesunden Menschenverstand in der Regel den Nagel auf den Kopf traf,
war dieser junge kuehle Gelehrte, dem die Schulmeisterweisheit von den
Lippen troff und den man immer mit dem Buche in der Hand sitzen sah,
dieser Philosoph, der weder das Kriegs- noch sonst irgendein Handwerk
verstand, dieser Wolkenwandler im Reiche der abstrakten Moral. Dennoch
gelangte er zu sittlicher und dadurch selbst zu politischer Bedeutung.
In einer durchaus elenden und feigen Zeit imponierten sein Mut und
seine negativen Tugenden der Menge; er machte sogar Schule, und es
gab einzelne - freilich waren sie danach -, die die lebendige
Philosophenschablone weiter kopierten und abermals karikierten. Auf
derselben Ursache beruht auch sein politischer Einfluss. Da er der
einzige namhafte Konservative war, der wo nicht Talent und Einsicht,
doch Ehrlichkeit und Mut besass und immer bereitstand, wo es noetig und
nicht noetig war, seine Person in die Schanze zu schlagen, so ward
er, obwohl weder sein Alter noch sein Rang noch sein Geist ihn dazu
berechtigten, dennoch bald der anerkannte Vormann der Optimatenpartei.
Wo das Ausharren eines einzelnen entschlossenen Mannes entscheiden
konnte, hat er auch wohl einen Erfolg erzielt und in Detailfragen,
namentlich finanzieller Art, oft zweckmaessig eingegriffen, wie er denn
in keiner Senatssitzung fehlte und mit seiner Quaestur in der Tat Epoche
machte, auch solange er lebte das oeffentliche Budget im einzelnen
kontrollierte und natuerlich denn auch darueber mit den Steuerpaechtern
in bestaendigem Kriege lebte. uebrigens fehlte ihm zum Staatsmann nicht
mehr als alles. Er war unfaehig, einen politischen Zweck auch nur zu
begreifen und politische Verhaeltnisse zu ueberblicken; seine ganze
Taktik bestand darin, gegen jeden Front zu machen, der von dem