(Pomp. 41, 42) und wird durch Florus (1, 39) und Josephus (bel. Iud.
14, 3, 3 u. 4) bestaetigt. Wenn Koenig Aretas unter den von Pompeius
Besiegten in den Bulletins figuriert, so genuegte hierfuer sein
durch Pompeius veranlasster Abzug von Jerusalem.
------------------------------------------ Bei weitem folgenreicher
als diese neuen Beziehungen der Roemer zu den Armeniern, Iberern,
Bosporanern und Nabataeern war die Nachbarschaft, in welche sie durch
die Okkupation Syriens zu dem parthischen Staate traten. So geschmeidig
die roemische Diplomatie gegen Phraates aufgetreten war, als noch der
pontische und der armenische Staat aufrecht standen, so willig damals
sowohl Lucullus als Pompeius ihm den Besitz der Landschaften jenseits
des Euphrat zugestanden hatten, so schroff stellte jetzt der neue
Nachbar sich neben den Arsakiden; und wenn die koenigliche Kunst, die
eigenen Fehler zu vergessen, es ihm gestattete, mochte Phraates wohl
jetzt sich der warnenden Worte Mithradats erinnern, dass der Parther
durch das Buendnis mit den Okzidentalen gegen die stammverwandten Reiche
erst diesen und sodann sich selber das Verderben bereite. Roemer und
Parther im Bunde hatten Armenien zugrunde gerichtet; als es gestuerzt
war, kehrte Rom, seiner alten Politik getreu, die Rollen um und
beguenstigte den gedemuetigten Feind auf Kosten des allzumaechtigen
Bundesgenossen. Schon die auffallende Bevorzugung gehoert hierher, die
der Vater Tigranes seinem Sohne, dem Verbuendeten und Tochtermann des
Partherkoenigs, gegenueber bei Pompeius fand; es war eine unmittelbare
Beleidigung, als bald nachher auf Pompeius' Befehl der juengere Tigranes
mit seiner Familie zur Haft gebracht und selbst dann nicht freigegeben
ward, als sich Phraates bei dem befreundeten Feldherrn fuer seine
Tochter und seinen Schwiegersohn verwandte. Aber Pompeius blieb hierbei
nicht stehen. Die Landschaft Korduene, auf welche sowohl Phraates als
Tigranes Ansprueche erhoben, wurde auf Pompeius' Befehl durch roemische
Truppen fuer den letzteren okkupiert und die im Besitz befindlichen
Parther ueber die Grenze hinausgeschlagen, ja bis nach Arbela in
Adiabene verfolgt, ohne dass die Regierung von Ktesiphon auch nur vorher
gehoert worden waere (689 65). Weitaus am bedenklichsten jedoch war
es, dass die Roemer keineswegs geneigt schienen, die traktatenmaessig
festgestellte Euphratgrenze zu respektieren. Mehrmals marschierten
roemische, von Armenien nach Syrien bestimmte Abteilungen quer durch
Mesopotamien; der arabische Emir Abgaros von Osrhoene ward unter
auffallend guenstigen Bedingungen in die roemische Klientel aufgenommen;
ja Oruros, das im oberen Mesopotamien etwa zwischen Nisibis und
dem Tigris 50 deutsche Meilen oestlich von dem kommagenischen
Euphratuebergang liegt, ward bezeichnet als oestlicher Grenzpunkt
der roemischen Herrschaft, vermutlich der mittelbaren, insofern die
groessere und fruchtbarere noerdliche Haelfte Mesopotamiens von den
Roemern ebenso wie Korduene dem Armenischen Reiche zugelegt worden war.
Die Grenze zwischen Roemern und Parthern ward also statt des Euphrat
die grosse syrisch-mesopotamische Wueste; und auch dies schien nur
vorlaeufig. Den parthischen Gesandten, die kamen, um auf das Einhalten
der allerdings, wie es scheint, nur muendlich abgeschlossenen Vertraege
hinsichtlich der Euphratgrenze zu dringen, gab Pompeius die zweideutige
Antwort, dass Roms Gebiet sich so weit erstrecke wie sein Recht. Ein
Kommentar zu dieser Rede schien der auffaellige Verkehr zwischen dem
roemischen Oberfeldherrn und den parthischen Satrapen der Landschaft
Medien und selbst der fernen Provinz Elymais (zwischen Susiana, Medien
und Persien im heutigen Luristan) ^5. Die Statthalter dieses letzteren,
gebirgigen, kriegerischen und entlegenen Landes waren von je her
bestrebt gewesen, eine von dem Grosskoenig unabhaengige Stellung zu
gewinnen; um so verletzender und bedrohlicher war es fuer die parthische
Regierung, wenn Pompeius von diesem Dynasten die dargebotene Huldigung
annahm. Nicht minder war es bezeichnend, dass der Titel des "Koenigs
der Koenige", der dem Partherkoenig bis dahin auch von den Roemern im
offiziellen Verkehr zugestanden worden war, jetzt auf einmal von ihnen
mit dem einfachen Koenigstitel vertauscht ward. Es war das mehr noch
eine Drohung als eine Verletzung der Etikette. Seit Rom die Erbschaft
der Seleukiden getan, schien es fast, als gedenke man dort im gelegenen
Augenblick auf jene alten Zeiten zurueckzugreifen, da ganz Iran und
Turan von Antiocheia aus beherrscht wurden und es doch kein Parthisches
Reich gab, sondern nur eine parthische Satrapie. Der Hof von Ktesiphon
haette also Grund genug gehabt, mit Rom den Krieg zu beginnen; es schien
die Einleitung dazu, dass er im Jahre 690 (64) wegen der Grenzfrage
ihn an Armenien erklaerte. Aber Phraates hatte doch nicht den Mut, eben
jetzt, wo der gefuerchtete Feldherr mit seiner starken Armee an den
Grenzen des Parthischen Reiches stand, mit den Roemern offen zu brechen.
Als Pompeius Kommissarien sandte, um den Streit zwischen Parthien und
Armenien guetlich beizulegen, fuegte Phraates sich der aufgezwungenen
roemischen Vermittlung und liess es sich gefallen, dass ihr
Schiedsspruch den Armeniern Korduene und das noerdliche Mesopotamien
zuwies. Bald nachher schmueckte seine Tochter mit ihrem Sohne und ihrem
Gemahl den Triumph des roemischen Feldherrn. Auch die Parther zitterten
vor der roemischen Uebermacht; und wenn sie nicht wie die Pontiker und
die Armenier den roemischen Waffen erlegen waren, so schien die Ursache
davon nur die zu sein, dass sie es nicht gewagt hatten, den Kampf zu
bestehen. ----------------------------------------------------- ^5 Diese
Auffassung beruht auf der Erzaehlung Plutarchs (Pomp. 36), welche durch
Strabons (16, 744) Schilderung der Stellung des Satrapen von Elymais
unterstuetzt wird. Eine Ausschmueckung davon ist es, wenn in den
Verzeichnissen der von Pompeius besiegten Landschaften und Koenige
Medien und dessen Koenig Dareios aufgefuehrt werden (Diod. fr. Vat. p.
140; App. Mithr. 117); und daraus weiter herausgesponnen ist Pompeius'
Krieg mit den Medern (Vell. 2, 40; App. Mithr. 106, 114) und nun gar der
Zug desselben nach Ekbatana (Oros. hist. 6, 5). Eine Verwechselung mit
der fabelhaften gleichnamigen Stadt auf dem Karmel hat hier schwerlich
stattgefunden; es ist einfach jene unleidliche, wie es scheint aus
Pompeius' grossartigen und absichtlich zweideutigen Bulletins sich
herleitende, Uebertreibung, die aus seiner Razzia gegen die Gaetuler
einen Zug an die afrikanische Westkueste (Plut. Pomp. 38), aus seiner
fehlgeschlagenen Expedition gegen die Nabataeer eine Eroberung der Stadt
Petra, aus seinem Schiedsspruch hinsichtlich der Grenzen Armeniens eine
Feststellung der roemischen Reichsgrenze jenseits Nisibis gemacht hat.
------------------------------------------------------- Noch lag es dem
Feldherrn ob, die inneren Verhaeltnisse der neugewonnenen Landschaften
zu regulieren und die Spuren eines dreizehnjaehrigen, verheerenden
Krieges soweit moeglich zu tilgen. Das in Kleinasien von Lucullus
und der ihm beigegebenen Kommission, auf Kreta von Metellus begonnene
Organisationsgeschaeft erhielt den endlichen Abschluss durch Pompeius.
Die bisherige Provinz Asia, die Mysien, Lydien, Phrygien und Karien
umfasste, ward aus einer Grenz- eine Mittelprovinz; neu eingerichtet
wurden die Provinz Bithynien und Pontus, welche gebildet ward aus dem
gesamten ehemaligen Reiche des Nikomedes und der westlichen Haelfte des
ehemaligen pontischen Staates bis an und ueber den Halys; die Provinz
Kilikien, die zwar schon aelter war, aber doch erst jetzt ihrem Namen
entsprechend erweitert und organisiert ward und auch Pamphylien und
Isaurien miteinschloss; die Provinz Syrien und die Provinz Kreta.
Freilich fehlte viel, dass jene Laendermasse als roemischer
Territorialbesitz in dem heutigen Sinne des Wortes haette betrachtet
werden koennen. Form und Ordnung des Regiments blieben im wesentlichen,
wie sie waren; nur trat an den Platz der bisherigen Monarchen die
roemische Gemeinde. Wie bisher bestanden jene asiatischen Landschaften
aus einer bunten Mischung von Domanialbesitzungen, tatsaechlich oder
rechtlich autonomen Stadtgebieten, fuerstlichen und priesterlichen
Herrschaften und Koenigreichen, welche alle fuer die innere Verwaltung
mehr oder minder sich selbst ueberlassen waren, uebrigens aber bald in
milderen, bald in strengeren Formen von der roemischen Regierung und
deren Prokonsuln in aehnlicher Weise abhingen, wie frueher von dem
Grosskoenig und dessen Satrapen. Wenigstens dem Range nach nahm
unter den abhaengigen Dynasten den ersten Platz ein der Koenig von
Kappadokien, dessen Gebiet schon Lucullus durch die Belehnung mit der
Landschaft Melitene (um Malatia) bis an den Euphrat erweitert hatte
und dem Pompeius noch teils an der Westgrenze einige von Kilikien
abgerissene Bezirke von Kastabala bis nach Derbe bei Ikonion, teils an
der Ostgrenze die am linken Euphratufer Melitene gegenueber gelegene,
anfaenglich dem armenischen Prinzen Tigranes zugedachte Landschaft
Sophene verlieh, wodurch also die wichtigste Euphratpassage ganz in die
Gewalt dieses Fuersten kam. Die kleine Landschaft Kommagene zwischen
Syrien und Kappadokien mit der Hauptstadt Samosata (Samsat) blieb als
abhaengiges Koenigtum dem schon genannten Seleukiden Antiochos ^6:
demselben wurden auch die wichtige, den suedlicheren Uebergang ueber
den. Euphrat beherrschende Festung Seleukeia (bei Biradjik) und die
naechsten Striche am linken Ufer des Euphrat zugeteilt und somit dafuer
gesorgt, dass die beiden Hauptuebergaenge ueber den Euphrat mit einem
entsprechenden Gebiet am oestlichen Ufer in den Haenden zweier von Rom
voellig abhaengigen Dynasten blieben. Neben den Koenigen von Kappadokien
und Kommagene und an wirklicher Macht ihnen bei weitem ueberlegen
herrschte in Kleinasien der neue Koenig Deiotarus. Einer der
Vierfuersten des um Pessinus ansaessigen Keltenstammes der Tolistoboger
und von Lucullus und Pompeius mit den anderen kleinen roemischen
Klienten zur Heerfolge aufgeboten, hatte Deiotarus in diesen Feldzuegen,
im Gegensatz zu all den schlaffen Orientalen, seine Zuverlaessigkeit und
seine Tatkraft so glaenzend bewaehrt, dass die roemischen Feldherren zu
seinem galatischen Erbe und seinen Besitzungen in der reichen Landschaft
zwischen Amisos und der Halysmuendung ihm noch die oestliche Haelfte des
ehemals Pontischen Reiches mit den Seestaedten Pharnakia und Trapezus
und das pontische Armenien bis zur kolchischen und grossarmenischen
Grenze als Koenigreich Klein-Armenien verliehen. Bald nachher vermehrte
er sein schon ansehnliches Gebiet noch durch die Landschaft der
keltischen Trokmer, deren Vierfuersten er verdraengte. So ward der
geringe Lehnsmann einer der maechtigsten Dynasten Kleinasiens, dem die
Hut eines wichtigen Teils der Reichsgrenze anvertraut werden konnte.
Vasallen geringerer Bedeutung waren die uebrigen zahlreichen galatischen
Vierfuersten, von denen einer, der Trokmerfuerst Bogodiatarus, wegen
seiner im Mithradatischen Kriege bewaehrten Tuechtigkeit von Pompeius
mit der ehemals pontischen Grenzstadt Mithradation beschenkt ward;
der Fuerst von Paphlagonien, Attalos, der sein Geschlecht auf das alte
Herrscherhaus der Pylaemeniden zurueckfuehrte; Aristarchos und andere
kleine Herren im kolchischen Gebiet; Tarkondimotos, der im oestlichen
Kilikien in den Bergtaelern des Amanos gebot; Ptolemaeos Mennaeos' Sohn,
der fortfuhr, in Chalkis am Libanos zu herrschen; der Nabataeerkoenig
Aretas als Herr von Damaskos; endlich die arabischen Emirs in den
Landschaften dies- und jenseits des Euphrat, Abgaros in Osrhoene,
den die Roemer, um ihn als vorgeschobenen Posten gegen die Parther zu
benutzen, auf alle Weise in ihr Interesse zu ziehen sich bemuehten,
Sampsikeramos in Hemesa, Alchaudonios der Rhambaeer, ein anderer Emir in
Bostra. Dazu kamen ferner die geistlichen Herren, die im Osten haeufig
gleich den weltlichen Dynasten ueber Land und Leute geboten, und an
deren in dieser Heimat des Fanatismus fest gegruendeter Autoritaet zu
ruetteln oder auch nur die Tempel ihrer Schaetze zu berauben die Roemer
klueglich sich enthielten: der Hochpriester der Goettin Mutter in
Pessinus; die beiden Hochpriester der Goettin Ma in dem kappadokischen
Komana (am oberen Saros) und in der gleichnamigen pontischen Stadt
(Guemenek bei Tokat), welche beide Herren in ihren Landschaften nur dem
Koenig an Macht nachstanden und deren jeder noch in viel spaeterer
Zeit ausgedehnte Liegenschaften mit eigener Gerichtsbarkeit und an
sechstausend Tempelsklaven besass - mit dem pontischen Hochpriesteramt
ward Archelaos, der Sohn des gleichnamigen, von Mithradates zu
den Roemern uebergegangenen Feldherrn, von Pompeius belehnt -; der
Hochpriester des Venasischen Zeus in dem kappadokischen Amt Morimene,
dessen Einkuenfte sich auf jaehrlich 23300 Taler (15 Talente) beliefen;
der "Erzpriester und Herr" desjenigen Gebiets im Rauhen Kilikien, wo
Teukros, des Aias Sohn, dem Zeus einen Tempel gegruendet hatte, welche
seine Nachkommen kraft Erbrechts vorstanden; der "Erzpriester und
Herr des Volkes" der Juden, dem Pompeius, nachdem er die Mauern der
Hauptstadt und die koeniglichen Schatz- und Zwingburgen im Lande
geschleift hatte, unter ernstlicher Verwarnung, Friede zu halten und
nicht weiter auf Eroberungen auszugehen, die Vorstandschaft seiner
Nation zurueckgab. Neben diesen weltlichen und geistlichen Potentaten
standen die Stadtgemeinden. Zum Teil waren dieselben zu groesseren
Verbaenden zusammengeordnet, welche einer verhaeltnismaessigen
Selbstaendigkeit sich erfreuten, wie namentlich der wohlgeordnete
und zum Beispiel der Teilnahme an der wuesten Piratenwirtschaft stets
ferngebliebene Bund der dreiundzwanzig lykischen Staedte; wogegen
die zahlreichen vereinzelt stehenden Gemeinden, selbst wenn sie
die Selbstregierung verbrieft erhalten hatten, tatsaechlich von den
roemischen Statthaltern durchaus abhaengig waren. Die Roemer verkannten
es nicht, dass mit der Aufgabe, den Hellenismus zu vertreten und im
Osten Alexanders Marken zu schirmen und zu erweitern, vor allem die
Hebung des staedtischen Wesens ihnen zur Pflicht geworden war; denn wenn
die Staedte ueberall die Traeger der Gesittung sind, so fasste vor
allem der Antagonismus der Orientalen und Okzidentalen in seiner
ganzen Schaerfe sich zusammen in dem Gegensatz der orientalischen,
militaerisch- despotischen Lebenshierarchie und des
hellenisch-italischen gewerb- und handeltreibenden staedtischen
Gemeinwesens. Lucullus und Pompeius, sowenig sie auch sonst auf die
Nivellierung der Zustaende im Osten ausgingen, und sosehr auch der
letztere in Detailfragen die Anordnungen seines Vorgaengers zu meistern
und zu aendern geneigt war, trafen doch vollstaendig zusammen in dem
Grundsatz, das staedtische Wesen in Kleinasien und Syrien bach
Kraeften zu foerdern. Kyzikos, an dessen kraeftiger Gegenwehr die
erste Heftigkeit des letzten Krieges sich gebrochen hatte, empfing von
Lucullus eine betraechtliche Erweiterung seines Gebietes. Das pontische
Herakleia, wie energisch es auch den Roemern widerstanden hatte, erhielt
dennoch sein Gebiet und seine Haefen zurueck, und Cottas barbarisches
Wueten gegen die unglueckliche Stadt erfuhr im Senat den schaerfsten
Tadel. Lucullus hatte es tief und aufrichtig beklagt, dass das Schicksal
ihm das Glueck versagt hatte, Sinope und Amisos von der Verheerung durch
die pontische und die eigene Soldateska zu erretten; er tat wenigstens,
was er vermochte, um sie wiederherzustellen, erweiterte ansehnlich ihre
Gebiete, bevoelkerte sie aufs neue teils mit den alten Bewohnern, die
auf seine Einladung scharenweise in die geliebte Heimat zurueckkehrten,
teils mit neuen Ansiedlern hellenischer Abstammung und sorgte fuer den
Wiederaufbau der zerstoerten Gebaeude. In gleichem Sinn und in noch
groesserem Massstab verfuhr Pompeius. Schon nach der Ueberwindung der
Piraten hatte er die Gefangenen, deren Zahl 20000 ueberstieg, statt nach
dem Beispiel seiner Vorgaenger sie zu kreuzigen, angesiedelt teils
in den veroedeten Staedten des Ebenen Kilikien, wie in Mallos,
Adana, Epiphaneia, und besonders in Soloi, das seitdem den Namen der
Pompeiusstadt (Pompeiopolis) fuehrte, teils in Dyme in Achaia, ja sogar
in Tarent. Die Piratenkolonisierung fand vielfachen Tadel ^7, da sie
gewissermassen auf das Verbrechen eine Belohnung zu setzen schien; in
der Tat war sie politisch und sittlich wohl gerechtfertigt, denn wie die
Dinge damals standen, war die Piraterie etwas anderes als Raeuberei und
die Gefangenen billig, nach Kriegsrecht zu behandeln. Vor allen Dingen
aber liess Pompeius es sich angelegen sein, in den neuen roemischen
Provinzen das staedtische Wesen emporzubringen. Wie staedtearm
das Pontische Reich war, ward schon bemerkt; die meisten Distrikte
Kappadokiens hatten noch ein Jahrhundert spaeter keine Staedte, sondern
nur Bergfestungen als Zufluchtsort fuer die ackerbauende Bevoelkerung
im Kriege: im ganzen oestlichen Kleinasien wird es, abgesehen von den
sparsam gesaeten griechischen Kolonien an den Kuesten, zu dieser
Zeit nicht anders gewesen sein. Die Zahl der von Pompeius in diesen
Landschaften neu gegruendeten Staedte wird einschliesslich der
kilikischen Ansiedlungen auf neununddreissig angegeben, von denen
mehrere zu hoher Bluete gelangten. Die namhaftesten dieser Ortschaften
in dem ehemaligen Pontischen Reiche sind Nikopolis, die "Siegesstadt",
gegruendet an dem Orte, wo Mithradates die letzte einschneidende
Niederlage erlitt - das schoenste Siegesdenkmal des trophaeenreichen
Feldherrn; Megalopolis, nach Pompeius' Beinamen genannt, an der Grenze
von Kappadokien und Klein-Armenien, das spaetere Sebasteia (jetzt
Siwas); Ziela, wo die Roemer die unglueckliche Schlacht lieferten,
eine um den dasigen Tempel der Anaitis entstandene und bisher dem
Hochpriester derselben eigene Ortschaft, der Pompeius staedtische
Form und staedtisches Recht gab; Diopolis, frueher Kabeira, spaeter
Neo-Caesarea (Niksar), gleichfalls eine der Walstaetten des letzten
Krieges; Magnopolis oder Pompeiopolis, das wiederhergestellte Eupatoria
am Zusammenfluss des Lykos und des Iris, urspruenglich von Mithradates
erbaut, aber wegen des Abfalls der Stadt zu den Roemern wieder von ihm
zerstoert; Neapolis, sonst Phazemon, zwischen Amaseia und dem Halys. Die
meisten dieser Stadtgruendungen wurden nicht durch Kolonisten aus
der Ferne bewirkt, sondern durch Niederlegung der Doerfer und
Zusammenziehung ihrer Bewohnerin den neuen Mauerring; nur in Nikopolis
siedelte Pompeius die Invaliden und Bejahrten seiner Armee an, die es
vorzogen, statt spaeter in Italien, hier sofort eine Heimat sich
zu gruenden. Aber auch an anderen Orten entstanden auf den Wink
des Machthabers neue Brennpunkte der hellenischen Zivilisation. In
Paphlagonien bezeichnete ein drittes Pompeiupolis die Staette, wo
Mithradates' Armee im Jahre 666 (88) den grossen Sieg ueber die Bithyner
erfocht. In Kappadokien, das vielleicht mehr als irgendeine andere
Provinz durch den Krieg gelitten hatte, wurden die Residenz Mazaka
(spaeter Caesarea, jetzt Kayseri) und sieben andere Ortschaften von
Pompeius wiederhergestellt und staedtisch eingerichtet. In Kilikien und
Koilesyrien zaehlte man zwanzig von Pompeius angelegte Staedte. In den
von den Juden geraeumten Distrikten erhob sich Gadara in der Dekapolis
auf Pompeius' Befehl aus seinen Truemmern und ward die Stadt Seleukis
gegruendet. Bei weitem der groesste Teil des auf dem asiatischen
Kontinent zur Verfuegung stehenden Domaniallandes muss von Pompeius fuer
seine neuen Ansiedlungen verwandt worden sein, wogegen auf Kreta, um
das Pompeius sich wenig oder gar nicht kuemmerte, der roemische
Domanialbesitz ziemlich ausgedehnt geblieben zu sein scheint.
--------------------------------------------------- ^6 Der Krieg, den
dieser Antiochos mit Pompeius gefuehrt haben soll (App. Mithr. 106,
117), stimmt sehr wenig zu dem Vertrag, den derselbe mit Lucullus
abschloss (Dio 36, 4) und seinem ungestoerten Verbleiben in der
Herrschaft; vermutlich ist auch er bloss daraus herausgesponnen, dass
Antiochos von Kommagene unter den von Pompeius unterworfenen Koenigen
figurierte. ^7 Hierauf zielt vermutlich Ciceros Vorwurf (off. 3, 12,
49): piratas immunes habemus, socios vectigales; insofern naemlich jene
Piratenkolonien wahrscheinlich von Pompeius zugleich mit der Immunitaet
beschenkt wurden, waehrend bekanntlich die von Rom abhaengigen
Provinzialgemeinden durchschnittlich steuerpflichtig waren.
--------------------------------------------------- Nicht minder wie auf
Gruendung neuer Ortschaften war Pompeius darauf bedacht, die bestehenden
Gemeinden zu ordnen und zu heben. Die eingerissenen Missbraeuche und
Usurpationen wurden nach Vermoegen abgestellt; ausfuehrliche und fuer
die verschiedenen Provinzen mit Sorgfalt entworfene Gemeindeordnungen
regelten im einzelnen das Munizipalwesen. Eine Reihe der ansehnlichsten
Staedte ward mit neuen Privilegien beschenkt. Die Autonomie erhielten
Antiocheia am Orontes, die bedeutendste Stadt des roemischen Asien und
nur wenig zurueckstehend hinter dem aegyptischen Alexandreia und hinter
dem Bagdad des Altertums, der Stadt Seleukeia im Parthischen Reiche,
ferner die Nachbarstadt von Antiocheia, das persische Seleukeia, das
damit fuer seine mutige Gegenwehr gegen Tigranes den Lohn empfing; Gaza
und ueberhaupt alle von der juedischen Herrschaft befreite Staedte; in
Vorderasien Mytilene; Phanagoria am Schwarzen Meer. So war der Bau des
asiatischen Roemerstaates vollendet, der mit seinen Lehnkoenigen und
Vasallen, den gefuersteten Priestern und der Reihe ganz- und halbfreier
Staedte lebhaft erinnert an das Heilige Roemische Reich Deutscher
Nation. Er war kein Wunderwerk, weder hinsichtlich der ueberwundenen
Schwierigkeiten, noch hinsichtlich der erreichten Vollendung, und ward
es auch nicht durch all die grossen Worte, mit denen in Rom die vornehme
Welt zu Gunsten des Lucullus, die lautere Menge zum Preise des Pompeius
freigebig waren. Pompeius namentlich liess sich feiern und feierte sich
selbst in einer Weise, dass man ihn fast fuer noch schwachkoepfiger
haette halten moegen, als er in der Tat war. Wenn die Mytilenaeer
ihm eine Bildsaeule errichteten als ihrem Erretter und Gruender, als
demjenigen, der die den Erdkreis erfuellenden Kriege sowohl zu Lande wie
zur See beendigt, so mochte eine solche Huldigung fuer den Bezwinger der
Piraten und der Reiche des Ostens nicht allzu ueberschwenglich scheinen.
Aber die Roemer uebertrafen diesmal die Griechen. Pompeius' eigene
Triumphalinschriften rechneten 12 Millionen unterworfener Seelen und
1538 eroberte Staedte und Burgen heraus - es schien, als solle die
Quantitaet die Qualitaet ersetzen - und erstreckten den Kreis seiner
Siege vom Maeotischen zum Kaspischen, von diesem zum Roten Meer, von
welchen drei Meeren er keines je mit Augen gesehen hat; ja wenn er
es auch nicht geradezu sagte, so veranlasste er doch das Publikum zu
meinen, dass die Einziehung Syriens, die wahrlich keine Heldentat war,
den ganzen Osten bis nach Baktrien und Indien zum Roemischen Reiche
gebracht habe - in so nebelhafte Ferne verschwamm in seinen Angaben die
Grenzlinie seiner oestlichen Eroberungen. Die demokratische Servilitaet,