nationalen Reaktion des Orients gegen die Okzidentalen hat er den neuen

Kampf des Ostens gegen den Westen eroeffnet; und das Gefuehl, dass

man mit seinem Tode nicht am Ende, sondern am Anfang sei, blieb den

Besiegten wie den Siegern. Pompeius inzwischen war, nachdem er im Jahre

689 (65) mit den Voelkern des Kaukasus gekriegt hatte, zurueckgegangen

in das Pontische Reich und bezwang daselbst die letzten noch Widerstand

leistenden Schloesser, welche, um dem Raeuberunwesen zu steuern,

geschleift, die Schlossbrunnen durch hineingewaelzte Felsbloecke

unbrauchbar gemacht wurden. Von da brach er im Sommer 690 (64) nach

Syrien auf, um dessen Verhaeltnisse zu ordnen. Es ist schwierig, den

aufgeloesten Zustand, in dem die syrischen Landschaften damals sich

befanden, anschaulich darzulegen. Zwar hatte infolge der Angriffe

Luculls der armenische Statthalter Magadates im Jahre 685 (69), diese

Provinzen geraeumt, und auch die Ptolemaeer, so gern sie die Versuche

ihrer Vorfahren, die syrische Kueste zu ihrem Reiche zu fuegen, erneuert

haben wuerden, scheuten sich doch, durch die Okkupation Syriens die

roemische Regierung zu reizen, um so mehr als diese noch nicht einmal

fuer Aegypten ihren mehr als zweifelhaften Rechtstitel reguliert hatte

und von den syrischen Prinzen mehrfach angegangen worden war, sie als

die legitimen Erben des erloschenen Lagidenhauses anzuerkennen. Aber

wenn auch die groesseren Maechte sich augenblicklich saemtlich der

Einmischung in die Angelegenheiten Syriens enthielten, so litt das Land

doch weit mehr, als es unter einem grossen Krieg haette leiden koennen,

durch die end- und ziellosen Fehden der Fuersten, Ritter und Staedte.

Die faktischen Herren im Seleukidenreich waren derzeit die Beduinen,

die Juden und die Nabataeer. Die unwirtliche, quell- und baumlose

Sandsteppe, die von der Arabischen Halbinsel aus bis an und ueber den

Euphrat sich hinziehend gegen Westen bis an den syrischen Gebirgszug und

seinen schmalen Kuestensaum, gegen Osten bis zu den reichen Niederungen

des Tigris und des unteren Euphrat reicht, diese asiatische Sahara ist

die uralte Heimat der Soehne Ismaels; seit es eine Ueberlieferung

gibt, finden wir dort den "Bedawin", den "Sohn der Wueste", seine Zelte

schlagen und seine Kamele weiden oder auch auf seinem geschwinden

Ross Jagd machen, bald auf den Stammfeind, bald auf den wandernden

Handelsmann. Beguenstigt frueher durch Koenig Tigranes, der sich

ihrer fuer seine handelspolitischen Plaene bediente, nachher durch die

vollstaendige Meisterlosigkeit in dem syrischen Lande, breiteten diese

Kinder der Wueste ueber das noerdliche Syrien sich aus; namentlich

spielten diejenigen Staemme hier politisch fast die erste Rolle, die

durch die Nachbarschaft der zivilisierten Syrer die ersten Anfaenge

einer geordneten Existenz in sich aufgenommen hatten. Die namhaftesten

unter diesen Emiren waren Abgaros, der Haeuptling des Araberstammes

der Mardaner, den Tigranes um Edessa und Karrhae im oberen Mesopotamien

angesiedelt hatte; dann westlich vom Euphrat Sampsikeramos, Emir der

Araber von Hemesa (Homs) zwischen Damaskos und Antiocheia und Herr der

starken Festung Arethusa; Azizos, das Haupt einer anderen, in derselben

Gegend streifenden Horde; Alchaudonios, der Fuerst der Rhambaeer, der

schon mit Lucullus sich in Verbindung gesetzt hatte, und andere

mehr. Neben diesen Beduinenfuersten waren ueberall dreiste Gesellen

aufgetreten, die es den Kindern der Wueste in dem edlen Gewerbe der

Wegelagerung gleich- oder auch zuvortaten: so Ptolemaeos Mennaeos' Sohn,

vielleicht der maechtigste unter diesen syrischen Raubrittern und einer

der reichsten Maenner dieser Zeit, der ueber das Gebiet der Ityraeer -

der heutigen Drusen - in den Taelern des Libanos wie an der Kueste und

ueber die noerdlich vorliegende Marsyasebene mit den Staedten Heliopolis

(Baalbek) und Chalkis gebot und 8000 Reiter aus seiner Tasche besoldete;

so Dionaysios und Kinyras, die Herren der Seestaedte Tripolis (Tarablus)

und Byblos (zwischen Tarablus und Beirut); so der Jude Silas in Lysias,

einer Festung unweit Apameia am Orontes. Im Sueden Syriens dagegen

schien der Stamm der Juden sich um diese Zeit zu einer politischen Macht

konsolidieren zu wollen. Durch die fromme und kuehne Verteidigung des

uralten juedischen Nationalkultus, den der nivellierende Hellenismus der

syrischen Koenige bedrohte, war das Geschlecht der Hasmonaeer oder

der Makkabi nicht bloss zum erblichen Prinzipal und allmaehlich zu

koeniglichen Ehren gelangt, sondern es hatten auch die fuerstlichen

Hochpriester erobernd nach Norden, Osten und Sueden um sich gegriffen.

Als der tapfere Jannaeos Alexandros starb (675 79) erstreckte sich das

Juedische Reich gegen Sueden ueber das ganze philistaeische Gebiet

bis an die aegyptische Grenze, gegen Suedosten bis an die des

Nabataeerreiches von Petra, von welchem Jannaeos betraechtliche Strecken

am rechten Ufer des Jordan und des Toten Meeres abgerissen hatte, gegen

Norden ueber Samaria und die Dekapolis bis zum See Genezareth; schon

machte er hier Anstalt, Ptolemais (Acco) einzunehmen und die Uebergriffe

der Ityraeer erobernd zurueckzuweisen. Die Kueste gehorchte den Juden

vom Berg Karmel bis nach Rhinokorura mit Einschluss des wichtigen Gaza

- nur Askalon war noch frei -, so dass das einst vom Meer fast

abgeschnittene Gebiet der Juden jetzt mit unter den Freistaetten der

Piraterie aufgefuehrt werden konnte. Wahrscheinlich haetten, zumal da

der armenische Sturm, eben als er sich den Grenzen Judaeas nahte, durch

Lucullus' Dazwischenkunft von dieser Landschaft abgewendet ward, die

begabten Herrscher des Hasmonaeischen Hauses ihre Waffen noch weiter

getragen, wenn nicht die Machtentwicklung dieses merkwuerdigen,

erobernden Priesterstaates durch innere Spaltungen im Keime geknickt

worden waere. Der konfessionelle und der nationale Unabhaengigkeitssinn,

deren energische Vereinigung den Makkabaeerstaat ins Leben gerufen

hatte, traten rasch wieder aus- und sogar gegeneinander. Der juedischen

Orthodoxie oder dem sogenannten Pharisaeismus genuegte die freie

Religionsuebung, wie sie den syrischen Herrschern abgetrotzt worden war;

ihr praktisches Ziel war eine von dem weltlichen Regiment wesentlich

absehende, aus den Orthodoxen in aller Herren Laendern zusammengesetzte

Judengemeinschaft, welche in der jedem gewissenhaften Juden obliegenden

Steuer fuer den Tempel zu Jerusalem und in den Religionsschulen und

geistlichen Gerichten ihre sichtbaren Vereinigungspunkte fand.

Dieser von dem staatlichen Leben sich abwendenden, mehr und mehr

in theologischer Gedankenlosigkeit und peinlichem Zeremonialdienst

erstarrenden Orthodoxie gegenueber standen die Vertreter der nationalen

Unabhaengigkeit, erstarkt in den gluecklichen Kaempfen gegen die

Fremdherrschaft, vorschreitend zu dem Gedanken einer Wiederherstellung

des juedischen Staates, die Vertreter der alten grossen Geschlechter,

die sogenannten Sadduzaeer, teils dogmatisch, indem sie nur die

heiligen Buecher selber gelten liessen und den Vermaechtnissen der

Schriftgelehrten, das ist der kanonischen Tradition, nur Autoritaet,

nicht Kanonizitaet zusprachen ^2; teils und vor allem politisch, indem

sie anstatt des fatalistischen Zuwartens auf den starken Arm des Herrn

Zebaoth das Heil der Nation erwarten lehrten von den Waffen dieser

Welt und von der innerlichen und aeusserlichen Staerkung des in den

glorreichen Makkabaeerzeiten wiederaufgerichteten Davidischen Reiches.

Jene Orthodoxen fanden ihren Halt in der Priesterschaft und der

Menge; sie bestritten den Hasmonaeern die Legitimitaet ihrer

Hohenpriesterschaft und fochten gegen die boesen Ketzer mit der ganzen

ruecksichtslosen Unversoehnlichkeit, womit die Frommen fuer den Besitz

irdischer Gueter zu streiten gewohnt sind. Die staatliche Partei dagegen

stuetzte sich auf die von den Einfluessen des Hellenismus beruehrte

Intelligenz, auf das Heer, in dem zahlreiche pisidische und kilikische

Soeldner dienten, und auf die tuechtigeren Koenige, welche hier mit

der Kirchengewalt rangen, aehnlich wie ein Jahrtausend spaeter die

Hohenstaufen mit dem Papsttum. Mit starker Hand hatte Jannaeos die

Priesterschaft niedergehalten; unter seinen beiden Soehnen kam es (685f.

69) zu einem Buerger- und Bruderkrieg, indem die Pharisaeer sich dem

kraeftigen Aristobulos widersetzten und versuchten, unter der nominellen

Herrschaft seines Bruders, des gutmuetigen und schlaffen Hyrkanos, ihre

Zwecke zu erreichen. Dieser Zwist brachte nicht bloss die juedischen

Eroberungen ins Stocken, sondern gab auch auswaertigen Nationen

Gelegenheit, sich einzumischen und dadurch im suedlichen Syrien eine

gebietende Stellung zu gewinnen. Zunaechst gilt dies von den Nabataeern.

Diese merkwuerdige Nation ist oft mit ihren oestlichen Nachbarn, den

schweifenden Arabern, zusammengeworfen worden, aber naeher als den

eigentlichen Kindern Ismaels ist sie dem aramaeischen Zweige verwandt.

Dieser aramaeische oder, nach der Benennung der Okzidentalen, syrische

Stamm muss von seinen aeltesten Sitzen um Babylon, wahrscheinlich des

Handels wegen, in sehr frueher Zeit eine Kolonie an die Nordspitze des

Arabischen Meerbusens ausgefuehrt haben: dies sind die Nabataeer auf der

Sinaitischen Halbinsel zwischen dem Golf von Suez und Aila und in der

Gegend von Petra (Wadi Musa). In ihren Haefen wurden die Waren

vom Mittelmeer gegen indische umgesetzt; die grosse suedliche

Karawanenstrasse, die von Gaza zur Euphratmuendung und dem Persischen

Meerbusen lief, fuehrte durch die Hauptstadt der Nabataeer Petra, deren

heute noch prachtvolle Felspalaeste und Felsengraeber deutlicheres

Zeugnis von der nabataeischen Zivilisation ablegen als die fast

verschollene Ueberlieferung. Die Pharisaeerfuehrer, denen nach

Priesterart der Sieg ihrer Partei um den Preis der Unabhaengigkeit und

Integritaet des Landes nicht zu teuer erkauft schien, ersuchten den

Koenig der Nabataeer, Aretas, um Hilfe gegen Aristobulos, wofuer sie

alle von Jannaeos ihm entrissenen Eroberungen an ihn zurueckzugeben

verhiessen. Daraufhin war Aretas mit angeblich 50000 Mann in das

juedische Land eingerueckt und, verstaerkt durch den Anhang der

Pharisaeer, hielt er den Koenig Aristobulos in seiner Hauptstadt

belagert. ----------------------------------------------------- ^2

So verwarfen die Sadduzaeer die Engel- und Geisterlehre und die

Auferstehung der Toten. Die meisten ueberlieferten Differenzpunkte

zwischen Pharisaeern und Sadduzaeern beziehen sich auf untergeordnete

rituelle, juristische und Kalenderfragen. Charakteristisch ist es, dass

die siegenden Pharisaeer diejenigen Tage, an denen sie in den einzelnen

Kontroversen definitiv die Oberhand behalten oder ketzerische Mitglieder

aus dem Oberkonsistorium ausgestossen hatten, in das Verzeichnis

der Gedenk- und Festtage der Nation eingetragen haben.

--------------------------------------------------- Unter dem Faust-

und Fehderecht, die also von einem Ende Syriens zum andern herrschten,

litten natuerlich vor allen Dingen die groesseren Staedte, wie

Antiocheia, Seleukeia, Damaskos, deren Buerger in ihrem Feldbau wie

in ihrem See- und Karawanenhandel sich gelaehmt sahen. Die Buerger

von Byblos und Berytos (Beirut) vermochten weder ihre Aecker noch

ihre Schiffe vor den Ityraeern zu schuetzen, die von ihren Berg- und

Seekastellen aus Land und Meer gleich unsicher machten. Die von Damaskos

suchten der Angriffe der Ityraeer und des Ptolemaeos dadurch sich zu

erwehren, dass sie sich den entfernteren Koenigen der Nabataeer oder

der Juden zu eigen gaben. In Antiocheia mischten sich Sampsikeramos

und Azizos in die inneren Fehden der Buergerschaft und fast waere die

hellenische Grossstadt schon jetzt der Sitz eines arabischen Emirs

geworden. Es waren Zustaende, die an die koeniglosen Zeiten des

deutschen Mittelalters erinnern, als Nuernberg und Augsburg nicht in des

Koenigs Recht und Gericht, sondern einzig in ihren Waellen noch Schutz

fanden; ungeduldig harrten die syrischen Kaufbuerger des starken Arms,

der ihnen Frieden und Verkehrssicherheit wiedergab. An einem legitimen

Koenig uebrigens fehlte es in Syrien nicht; man hatte deren sogar zwei

oder drei. Ein Prinz Antiochos aus dem Hause der Seleukiden war

von Lucullus als Herr der noerdlichsten syrischen Provinz Kommagene

eingesetzt worden, Antiochos der Asiate, dessen Ansprueche auf den

syrischen Thron sowohl bei dem Senat als bei Lucullus Anerkennung

gefunden hatten, war nach dem Abzug der Armenier in Antiocheia

aufgenommen und daselbst als Koenig anerkannt worden. Ihm war dort

sogleich ein dritter Seleukidenprinz, Philippos, als Nebenbuhler

entgegengetreten, und es hatte die grosse, fast wie die alexandrinische

bewegliche und oppositionslustige Buergerschaft von Antiocheia sowie

dieser und jener benachbarte arabische Emir sich eingemischt in

den Familienzwist, der nun einmal von der Herrschaft der Seleukiden

unzertrennlich schien. War es ein Wunder, dass die Legitimitaet

den Untertanen zum Spott und zum Ekel ward und dass die sogenannten

rechtmaessigen Koenige noch etwas weniger im Lande galten als die

kleinen Fuersten und Raubritter? In diesem Chaos Ordnung zu schaffen,

bedurfte es weder genialer Konzeptionen noch gewaltiger Machtentfaltung,

wohl aber der klaren Einsicht in die Interessen Roms und seiner

Untertanen, und der kraeftigen und folgerechten Aufrichtung und

Aufrechthaltung der als notwendig erkannten Institutionen. Die

Legitimitaetspolitik des Senats hatte sich sattsam prostituiert; den

Feldherrn, den die Opposition ans Regiment gebracht, durften nicht

dynastische Ruecksichten leiten, sondern er hatte einzig darauf

zu sehen, dass das Syrische Reich in Zukunft weder durch Zwist der

Praetendenten noch durch die Begehrlichkeit der Nachbarn der roemischen

Klientel entzogen werde. Dazu aber gab es nur einen Weg: dass die

roemische Gemeinde durch einen von ihr gesandten Satrapen mit kraeftiger

Hand die Zuegel der Regierung erfasse, die den Koenigen des regierenden

Hauses mehr noch durch eigene Verschuldung als durch aeussere Unfaelle

seit langem tatsaechlich entglitten waren. Den Weg schlug Pompeius ein.

Antiochos der Asiate erhielt auf seine Bitte, ihn als den angestammten

Herrscher Syriens anzuerkennen, die Antwort, dass Pompeius einem

Koenige, der sein Reich weder zu behaupten noch zu regieren wisse, die

Herrschaft nicht einmal auf die Bitte seiner Untertanen, geschweige denn

gegen deren bestimmt ausgesprochene Wuensche zurueckgeben werde. Mit

diesem Briefe des roemischen Prokonsuls war das Haus des Seleukos von

dem Throne gestossen, den es seit zweihundertfuenfzig Jahren eingenommen

hatte. Antiochos verlor bald darauf sein Leben durch die Hinterlist

des Emirs Sampsikeramos, als dessen Klient er in Antiocheia den Herrn

spielte; seitdem ist von diesen Schattenkoenigen und ihren Anspruechen

nicht weiter die Rede. Wohl aber war es, um das neue roemische Regiment

zu begruenden und eine leidliche Ordnung in die verwirrten Verhaeltnisse

zu bringen, noch erforderlich, mit Heeresmacht in Syrien einzuruecken

und all die Stoerer der friedlichen Ordnung, die waehrend der

vieljaehrigen Anarchie emporgewachsen waren, durch die roemischen

Legionen zu schrecken oder niederzuwerfen. Schon waehrend der Feldzuege

im Pontischen Reiche und am Kaukasus hatte Pompeius den Angelegenheiten

Syriens seine Aufmerksamkeit zugewandt und einzelne Beauftragte und

Abteilungen wo es not tat eingreifen lassen. Aulus Gabinius - derselbe,

der als Volkstribun Pompeius nach dem Osten gesandt hatte - war schon

689 (65) an den Tigris und sodann quer durch Mesopotamien nach Syrien

marschiert, um die verwickelten Verhaeltnisse im juedischen Lande zu

schlichten. Ebenso war das schwer bedraengte Damaskos bereits durch

Lollius und Metellus besetzt worden. Bald nachher traf ein anderer

Adjutant des Pompeius, Marcus Scaurus, in Judaea ein, um die immer neu

wieder daselbst ausbrechenden Fehden beizulegen. Auch Lucius Afrianus,

der waehrend Pompeius' Expedition nach dem Kaukasus das Kommando ueber

die roemischen Truppen in Armenien fuehrte, hatte von Korduene (dem

noerdlichen Kurdistan) aus sich in das obere Mesopotamien begeben und,

nachdem er durch die hilfreiche Teilnahme der in Karrhae angesiedelten

Hellenen den gefaehrlichen Weg durch die Wueste gluecklich zurueckgelegt

hatte, die Araber in Osrhoene zur Botmaessigkeit gebracht. Gegen Ende

des Jahres 690 (64), langte dann Pompeius selbst in Syrien an ^3

und verweilte dort bis zum Sommer des folgenden Jahres, entschlossen

durchgreifend und fuer jetzt und kuenftig die Verhaeltnisse ordnend.

Zurueckgehend auf die Zustaende des Reiches in den besseren Zeiten der

Seleukidenherrschaft, wurden alle usurpierten Gewalten beseitigt, die

Raubherren aufgefordert, ihre Burgen zu uebergeben, die arabischen

Scheichs wieder auf ihr Wuestengebiet beschraenkt, die Verhaeltnisse

der einzelnen Gemeinden definitiv geregelt. Diesen strengen Befehlen

Gehorsam zu verschaffen, standen die Legionen bereit, und ihr

Einschreiten erwies sich insbesondere gegen die verwegenen Raubritter

als notwendig. Silas, der Herr von Lysias, der Herr von Tripolis,

Dionysios, der Herr von Byblos, Kinyras, wurden in ihren Burgen

gefangengenommen und hingerichtet, die Berg- und Seeschloesser der

Ityraeer gebrochen, Ptolemaeos Mennaeos' Sohn in Chalkis gezwungen, mit

1000 Talenten (1827000 Taler) Loesegeld sich Freiheit und Herrschaft

zu erkaufen. Im uebrigen fanden die Befehle des neuen Machthabers

meistenteils widerstandslosen Gehorsam. Nur die Juden schwankten. Die

frueher von Pompeius gesandten Vermittler, Gabinius und Scaurus, hatten

- beide, wie es heisst, mit bedeutenden Summen bestochen - im Streite

der beiden Brueder Hyrkanos und Aristobulos zu Gunsten des letzteren

entschieden, auch den Koenig Aretas veranlasst, die Belagerung von

Jerusalem aufzuheben und sich in seine Heimat zu begeben, wobei er

auf dem Rueckweg noch von Aristobulos eine Niederlage erlitt. Als

aber Pompeius in Syrien eintraf, kassierte er die Anordnungen seiner

Untergebenen und wies die Juden an, ihre alte Hochpriesterverfassung,

wie der Senat sie um 593 (61) anerkannt hatte, wieder einzufuehren und

wie auf das Fuerstentum selbst, so auch auf alle von den Hasmonaeischen

Fuersten gemachten Eroberungen zu verzichten. Es waren die Pharisaeer,

welche eine Gesandtschaft von zweihundert ihrer angesehensten Maenner

an den roemischen Feldherrn gesandt und von ihm den Sturz des Koenigtums

ausgewirkt hatten; nicht zum Vorteil der eigenen Nation, aber wohl zu

dem der Roemer, die der Natur der Sache nach auch hier zurueckkommen

mussten auf die alten Rechte der Seleukiden und eine erobernde Macht,

wie die des Jannaeos war, innerhalb ihres Reiches nicht dulden konnten.

Aristobulos schwankte, ob es besser sei, das Unvermeidliche geduldig

ueber sich ergehen zu lassen oder mit den Waffen in der Hand dem

Verhaengnis zu erliegen; bald schien er im Begriff, sich Pompeius zu

unterwerfen, bald die nationale Partei unter den Juden zum Kampfe gegen

die Roemer aufzurufen. Als endlich, da schon die Legionen vor den Toren

standen, er sich dem Feinde ergab, weigerte sich der entschlossenere

oder fanatisiertere Teil seiner Armee, den Befehlen des unfreien

Koenigs Folge zu leisten. Die Hauptstadt unterwarf sich; den steilen

Tempelfelsen verteidigte jene fanatische Schar drei Monate hindurch mit

todesmutiger Hartnaeckigkeit, bis endlich waehrend der Sabbathruhe der

Belagerten die Belagerer eindrangen, des Heiligtums sich bemaechtigten

und die Anstifter dieser verzweifelten Gegenwehr, soweit sie nicht unter

den roemischen Schwertern gefallen waren, unter die Beile der Liktoren

sandten. Damit ging der letzte Widerstand in den neu zum

roemischen Staat gezogenen Gebieten zu Ende.

----------------------------------------- ^3 Den Winter 689/90 (65/64)

brachte Pompeius noch in der Naehe des Kaspischen Meeres zu (Dio 37,

7). Im Jahre 690 (64) unterwarf er zunaechst im Pontischen Reiche die

letzten noch Widerstand leistenden Burgen und zog dann langsam, ueberall

die Verhaeltnisse regelnd, gegen Sueden. Dass die Ordnung Syriens 690

(64) begann, bestaetigt sich dadurch, dass die syrische Provinzialaera

mit diesem Jahre anhebt und durch Ciceros Angabe hinsichtlich Kommagenes

(ad. Q. fr. 2. 12, 2; vgl. Dio 37, 7). Den Winter 691/90 (64/63) scheint

Pompeius in Antiocheia sein Hauptquartier gehabt zu haben (Ios. bel.

Iud. 14, 3, 1 u. 2, wo die Verwirrung von Niese im Hermes 11, 1877, S.

471 berichtigt worden ist). -----------------------------------------

Das von Lucullus begonnene Werk hatte Pompeius vollendet: die bisher

formell selbstaendigen Staaten Bithynien, Pontus und Syrien waren mit

dem roemischen vereinigt, die seit mehr als hundert Jahren als notwendig

erkannte Vertauschung des schwaechlichen Klientelsystems mit der

unmittelbaren Herrschaft ueber die wichtigeren abhaengigen Gebiete

war endlich verwirklicht worden, sowie der Senat gestuerzt und die

Gracchische Partei ans Ruder gekommen war. Man hatte im Osten neue

Grenzen erhalten, neue Nachbarn, neue freundliche und feindliche

Beziehungen. Neu traten unter die mittelbar roemischen Gebiete ein das

Koenigreich Armenien und die kaukasischen Fuerstentuemer, ferner das

Reich am Kimmerischen Bosporus, der geringe Ueberrest der ausgedehnten

Eroberungen Mithradates Eupators, jetzt unter der Regierung seines

Sohnes und Moerders Pharnakes ein roemischer Klientelstaat; nur die

Stadt Phanagoria, deren Befehlshaber Kastor das Signal zum Aufstand

gegeben hatte, wurde dafuer von den Roemern als frei und unabhaengig

anerkannt. Nicht gleicher Erfolge konnte man gegen die Nabataeer sich

ruehmen. Koenig Aretas hatte zwar, dem Begehren der Roemer sich fuegend,

das juedische Land geraeumt; allein Damaskos war noch in seinen

Haenden und das Nabataeerland nun gar hatte noch kein roemischer Soldat

betreten. Um dies zu unterwerfen oder mindestens doch den neuen Nachbarn

im arabischen Lande zu zeigen, dass jetzt am Orontes und am Jordan die

roemischen Adler geboten und dass die Zeit vorbei war, wo die syrischen

Landschaften als herrenloses Gut zu brandschatzen jedem freistand,

begann Pompeius im Jahre 691 (63) eine Expedition gegen Petra; allein

aufgehalten durch den Aufstand der Juden, der waehrend dieses Zuges

zum Ausbruch kam, ueberliess er seinem Nachfolger Marcus Scaurus nicht

ungern die Ausfuehrung der schwierigen Unternehmung gegen die fern

inmitten der Wueste gelegene Nabataeerstadt ^4. In der Tat sah auch

Scaurus sich bald genoetigt, unverrichteter Sache umzukehren. Er musste

sich begnuegen, in den Wuesten am linken Ufer des Jordan die Nabataeer

zu bekriegen, wo er sich auf die Juden zu stuetzen vermochte, aber doch

auch nur sehr unbedeutende Erfolge davontrug. Schliesslich ueberredete

der gewandte juedische Minister Antipatros aus Idumaea den Aretas, sich

die Gewaehr seiner saemtlichen Besitzungen mit Einschluss von Damaskos

von dem roemischen Statthalter um eine Geldsumme zu erkaufen; und dies

ist denn der auf den Muenzen des Scaurus verherrlichte Friede, wo

Koenig Aretas, das Kamel am Zuegel, kniefaellig, dem Roemer den Oelzweig

darreichend erscheint. ------------------------------------------- ^4

Zwar lassen Orosius (6, 6) und Dio (37, 15), ohne Zweifel beide nach

Livius, Pompeius bis nach Petra gelangen, auch wohl die Stadt einnehmen

oder gar das Rote Meer erreichen; allein dass er im Gegenteil bald nach

Empfang der Nachricht von dem Tode Mithradats, die ihm auf dem Marsche

Römische Geschichte — Buch 5 · 第 14 / 68 段