frueheren ausgedehnten Machtfuelle noch die Verwaltung der wichtigsten

kleinasiatischen Provinzen, so dass es innerhalb der weiten roemischen

Grenzen kaum noch einen Fleck Landes gab, der ihm nicht gehorcht

haette, und die Fuehrung eines Krieges, von dem man, wie von Alexanders

Heerfahrt, wohl sagen konnte, wo und wann er begann, aber nicht, wo und

wann er enden moege. Niemals noch, seit Rom stand, war solche Gewalt

in den Haenden eines einzigen Mannes vereinigt gewesen. Die

Gabinisch-Manilischen Antraege beendigten den Kampf zwischen dem Senat

und der Popularpartei, den vor siebenundsechzig Jahren die

Sempronischen Gesetze begonnen hatten. Wie die Sempronischen Gesetze die

Revolutionspartei zunaechst als politische Opposition konstituierten, so

ging dieselbe mit den Gabinisch- Manilischen ueber aus der Opposition

in das Regiment; und wie es ein grossartiger Moment gewesen war, als

mit der vergeblichen Interzession des Octavius der erste Bruch in

die bestehende Verfassung geschah, so war es nicht minder ein

bedeutungsvoller Augenblick, als mit dem Ruecktritt des Trebellius das

letzte Bollwerk des senatorischen Regiments zusammenbrach. Auf

beiden Seiten ward dies wohl empfunden, und selbst die schlaffen

Senatorenseelen zuckten auf in diesem Todeskampf; aber es lief doch die

Verfassungsfehde in gar anderer und gar viel kuemmerlicherer Weise zu

Ende, als sie angefangen hatte. Ein in jedem Sinne adliger Juengling

hatte die Revolution eroeffnet; sie ward beschlossen durch kecke

Intriganten und Demagogen des niedrigsten Schlages. Wenn andererseits

die Optimaten mit gemessenem Widerstand, mit einer selbst auf den

verlorenen Posten ernst ausharrenden Verteidigung begonnen hatten,

so endigten sie mit der Initiative zum Faustrecht, mit grosswortiger

Schwaeche und jaemmerlichem Eidbruch. Es war nun erreicht, was einst als

ein kecker Traum erschienen war: der Senat hatte aufgehoert zu regieren.

Aber wenn die einzelnen alten Maenner, die noch die ersten Stuerme der

Revolution gesehen, die Worte der Gracchen vernommen hatten, jene

Zeit und diese miteinander verglichen, so fanden sie alles inzwischen

veraendert, Landschaft und Buergerschaft, Staatsrecht und Kriegszucht,

Leben und Sitte, und wohl mochte schmerzlich laecheln, wer die

Ideale der Gracchenzeit mit ihrer Realisierung verglich. Indes solche

Betrachtungen gehoerten der Vergangenheit an. Fuer jetzt und wohl

auch fuer die Zukunft war der Sturz der Aristokratie eine vollendete

Tatsache. Die Oligarchen glichen einer vollstaendig aufgeloesten Armee,

deren versprengte Haufen noch eine andere Heeresmasse verstaerken,

aber selbst nirgends mehr das Feld halten, noch auf eigene Rechnung ein

Gefecht wagen konnten. Aber indem der alte Kampf zu Ende lief, bereitete

zugleich ein neuer sich vor: der Kampf der beiden bisher zum Sturz der

aristokratischen Staatsverfassung verbuendeten Maechte, der buergerlich

demokratischen Opposition und der immer uebermaechtiger aufstrebenden

Militaergewalt. Pompeius' Ausnahmestellung war schon nach dem

Gabinischen, um wie viel mehr nach dem Manilischen Gesetz mit einer

republikanischen Staatsordnung unvereinbar. Er war, wie schon damals

die Gegner mit gutem Grund sagten, durch das Gabinische Gesetz nicht zum

Admiral, sondern zum Reichsregenten bestellt worden; nicht mit Unrecht

heisst er einem mit den oestlichen Verhaeltnissen vertrauten Griechen

"Koenig der Koenige". Wenn er dereinst, wiederum siegreich und mit

erhoehtem Ruhm, mit gefuellten Kassen, mit schlagfertigen und ergebenen

Truppen zurueckkehrt aus dem Osten, nach der Krone die Hand ausstreckte

- wer wollte dann ihm in den Arm fallen? Sollte etwa gegen den ersten

Feldherrn seiner Zeit und seine erprobten Legionen der Konsular Quintus

Catulus die Senatoren aufbieten? Oder der designierte Aedil Gaius

Caesar die staedtische Menge, deren Augen er soeben an seinen

dreihundertzwanzig silbergeruesteten Fechterpaaren geweidet hatte? Bald

werde man, rief Catulus, abermals auf die Felsen des Kapitols fluechten

muessen, um die Freiheit zu retten. Es war nicht die Schuld des

Propheten, wenn der Sturm nicht, wie er meinte, von Osten kam, sondern

das Schicksal, buchstaeblicher als er selbst es ahnte seine Worte

erfuellend, das vernichtende Unwetter wenige Jahre spaeter aus dem

Keltenland heranfuehrte. 4. Kapitel Pompeius und der Osten Wir haben

frueher gesehen, wie trostlos im Osten zu Lande und zur See die

Angelegenheiten Roms standen, als im Anfang des Jahres 687 (67) Pompeius

zunaechst die Fuehrung des Krieges gegen die Piraten mit beinahe

unumschraenkter Machtvollkommenheit uebernahm. Er begann damit, das

ungeheure ihm ueberwiesene Gebiet in dreizehn Bezirke zu teilen und

jeden derselben einem seiner Unterfeldherren zu ueberweisen, um daselbst

Schiffe und Mannschaften zu ruesten, die Kuesten abzusuchen und die

Piratenboote aufzubringen oder einem der Kollegen ins Garn zu jagen.

Er selbst ging mit dem besten Teil der vorhandenen Kriegsschiffe, unter

denen auch diesmal die rhodischen sich auszeichneten, frueh im Jahr in

See und reinigte zunaechst die sizilischen, afrikanischen und sardischen

Gewaesser, um vor allem die Getreidezufuhr aus diesen Provinzen nach

Italien wieder in Gang zu bringen. Fuer die Saeuberung der spanischen

und gallischen Kuesten sorgten inzwischen die Unterfeldherren. Es war

bei dieser Gelegenheit, dass der Konsul Gaius Piso von Rom aus die

Aushebungen zu hemmen versuchte, welche Pompeius' Legat Marcus Pomponius

kraft des Gabinischen Gesetzes in der Provinz Narbo veranstaltete - ein

unkluges Beginnen, dem zu steuern und zugleich die gerechte Erbitterung

der Menge gegen den Konsul in den gesetzlichen Schranken zu halten

Pompeius voruebergehend wieder in Rom erschien. Als nach vierzig Tagen

im westlichen Becken des Mittelmeers die Schiffahrt ueberall freigemacht

war, ging Pompeius mit seinen sechzig besten Fahrzeugen weiter in das

oestliche Meer, zunaechst nach dem Ur- und Hauptsitz der Piraterie, den

lykischen und kilikischen Gewaessern. Auf die Kunde von dem Herannahen

der roemischen Flotte verschwanden nicht bloss die Piratenkaehne

ueberall von der offenen See; auch die starken lykischen Festen

Antikragos und Kragos ergaben sich, ohne ernstlichen Widerstand zu

leisten. Mehr noch als die Furcht oeffnete Pompeius' wohlberechnete

Milde die Tore dieser schwer zugaenglichen Seeburgen. Seine Vorgaenger

hatten jeden gefangenen Seeraeuber ans Kreuz heften lassen; er gab ohne

Bedenken allen Quartier und behandelte namentlich die auf den genommenen

Piratenbooten vorgefundenen gemeinen Ruderer mit ungewohnter Nachsicht.

Nur die kuehnen kilikischen Seekoenige wagten einen Versuch, wenigstens

ihre eigenen Gewaesser mit den Waffen gegen die Roemer zu behaupten:

nachdem sie ihre Kinder und Frauen und ihre reichen Schaetze in die

Bergschloesser des Taurus gefluechtet hatten, erwarteten sie die

roemische Flotte an der Westgrenze Kilikiens, auf der Hoehe von

Korakesion. Aber Pompeius' wohlbemannte und mit allem Kriegszeug

wohlversehene Schiffe erfochten hier einen vollstaendigen Sieg. Ohne

weiteres Hindernis landete er darauf und begann die Bergschloesser der

Korsaren zu stuermen und zu brechen, waehrend er fortfuhr, ihnen selbst

als Preis der Unterwerfung Freiheit und Leben zu bieten. Bald gab die

grosse Menge es auf, in ihren Burgen und Bergen einen hoffnungslosen

Krieg fortzusetzen und bequemte sich zur Ergebung. Neunundvierzig

Tage nachdem Pompeius in der oestlichen See erschienen, war Kilikien

unterworfen und der Krieg zu Ende. Die rasche Ueberwaeltigung der

Piraterie war eine grosse Erleichterung, aber keine grossartige Tat: mit

den Hilfsmitteln des roemischen Staates, die in verschwenderischem Masse

waren aufgeboten worden, konnten die Korsaren so wenig sich messen

als die vereinigten Diebesbanden einer grossen Stadt mit einer

wohlorganisierten Polizei. Es war naiv, eine solche Razzia als einen

Sieg zu feiern. Aber verglichen mit dem langjaehrigen Bestehen und der

grenzenlosen, taeglich weiter um sich greifenden Ausdehnung des Uebels

ist es erklaerlich, dass die ueberraschend schnelle Ueberwaeltigung der

gefuerchteten Piraten auf das Publikum den gewaltigsten Eindruck machte;

um so mehr, da dies die erste Probe des in einer Hand zentralisierten

Regiments war und die Parteien gespannt darauf harrten, ob es verstehen

werde, besser als das kollegialische zu regieren. Gegen 400 Schiffe

und Boote, darunter 90 eigentliche Kriegsfahrzeuge, wurden teils von

Pompeius genommen, teils ihm ausgeliefert; im ganzen sollen an 1300

Piratenfahrzeuge zugrunde gerichtet und ausserdem die reichgefuellten

Arsenale und Zeughaeuser der Flibustier in Flammen aufgegangen sein.

Von den Seeraeubern waren gegen 10000 umgekommen, ueber 20000 dem

Sieger lebend in die Haende gefallen, wogegen Publius Clodius, der

Flottenfuehrer der in Kilikien stehenden roemischen Armee, und eine

Menge anderer von den Piraten weggefuehrter, zum Teil daheim laengst tot

geglaubter Individuen durch Pompeius ihre Freiheit wiedererlangten. Im

Sommer 687 (67), drei Monate nach dem Beginn des Feldzugs, gingen

Handel und Wandel wieder ihren gewohnten Gang und anstatt der frueheren

Hungersnot herrschte in Italien Ueberfluss. Ein verdriessliches

Zwischenspiel auf der Insel Kreta truebte indes einigermassen diesen

erfreulichen Erfolg der roemischen Waffen. Dort stand schon im zweiten

Jahre Quintus Metellus, beschaeftigt, die im wesentlichen bereits

bewirkte Unterwerfung der Insel zu vollenden, als Pompeius in den

oestlichen Gewaessern erschien. Eine Kollision lag nahe, denn nach dem

Gabinischen Gesetz erstreckte sich Pompeius' Kommando konkurrierend

mit dem des Metellus auf die ganze Ianggestreckte, aber nirgends

ueber zwanzig deutsche Meilen breite Insel; doch war Pompeius so

ruecksichtsvoll, sie keinem seiner Unterbefehlshaber zu ueberweisen.

Allein die noch widerstrebenden kretischen Gemeinden, die ihre

unterworfenen Landsleute von Metellus mit der grausamsten Strenge zur

Verantwortung hatten ziehen sehen und dagegen die milden Bedingungen

vernahmen, welche Pompeius den ihm sich ergebenden Ortschaften

des suedlichen Kleinasiens zu stellen pflegte, zogen es vor, ihre

Gesamtunterwerfung an Pompeius einzugeben, der sie auch in Pamphylien,

wo er eben sich befand, von ihren Gesandten entgegennahm und ihnen

seinen Legaten Lucius Octavius mitgab, um Metellus den Abschluss der

Vertraege anzuzeigen und die Staedte zu uebernehmen. Kollegialisch war

dies Verfahren freilich nicht; allein das formelle Recht war durchaus

auf seiten des Pompeius und Metellus im offenbarsten Unrecht, wenn er,

den Vertrag der Staedte mit Pompeius vollstaendig ignorierend, dieselben

als feindliche zu behandeln fortfuhr. Vergeblich protestierte Octavius;

vergeblich rief er, da er selbst ohne Truppen gekommen war, aus Achaia

den dort stehenden Unterfeldherrn des Pompeius, Lucius Sisenna, herbei;

Metellus, weder um Octavius noch um Sisenna sich bekuemmernd, belagerte

Eleutherna und nahm Lappa mit Sturm, wo Octavius selbst gefangengenommen

und beschimpft entlassen, die mit ihm gefangenen Kreter aber dem

Henker ueberliefert wurden. So kam es zu foermlichen Gefechten zwischen

Sisennas Truppen, an deren Spitze nach dieses Fuehrers Tode sich

Octavius stellte, und denen des Metellus; selbst als jene nach Achaia

zurueckkommandiert worden waren, setzte Octavius in Gemeinschaft mit dem

Kreter Aristion den Krieg fort, und Hierapytna, wo beide sich hielten,

ward von Metellus erst nach der hartnaeckigsten Gegenwehr bezwungen. In

der Tat hatte damit der eifrige Optimat Metellus gegen den Oberfeldherrn

der Demokratie auf eigene Hand den foermlichen Buergerkrieg begonnen;

es zeugt von der unbeschreiblichen Zerruettung der roemischen

Staatsverhaeltnisse, dass diese Auftritte zu nichts weiterem fuehrten

als zu einer bitteren Korrespondenz zwischen den beiden Generalen, die

ein paar Jahre darauf wieder friedlich und sogar "freundschaftlich"

nebeneinander im Senate sassen. Pompeius stand waehrend dieser Vorgaenge

in Kilikien; fuer das naechste Jahr, wie es schien, einen Feldzug

vorbereitend gegen die Kretenser oder vielmehr gegen Metellus, in

der Tat des Winkes harrend, der ihn zum Eingreifen in die gruendlich

verwirrten Angelegenheiten des kleinasiatischen Kontinents berief. Was

von Lucullus' Heer nach den erlittenen Verlusten und der Verabschiedung

der Fimbrianischen Legionen noch uebrig war, stand untaetig am oberen

Halys in der Landschaft der Trokmer an der Grenze des pontischen

Gebietes. Den Oberbefehl fuehrte einstweilen immer noch Lucullus, da

sein ernannter Nachfolger Glabrio fortfuhr, in Vorderasien zu saeumen.

Ebenso untaetig lagerten in Kilikien die drei von Quintus Marcius Rex

befehligten Legionen. Das pontische Gebiet war wieder ganz in der Gewalt

des Koenigs Mithradates, der die einzelnen Maenner und Gemeinden,

die den Roemern sich angeschlossen hatten, wie zum Beispiel die Stadt

Eupatoria, mit grausamer Strenge ihren Abfall buessen liess. Zu einer

ernsten Offensive gegen die Roemer schritten die Koenige des Ostens

nicht, sei es dass sie ueberhaupt nicht in ihrem Plan lag, sei es, was

auch behauptet wurde, dass Pompeius' Landung in Kilikien die Koenige

Mithradates und Tigranes bewog, von weiterem Vorgehen abzustehen.

Rascher als Pompeius selbst es gehofft haben mochte, verwirklichte das

Manilische Gesetz seine im stillen genaehrten Hoffnungen: Glabrio und

Rex wurden abberufen und die Statthalterschaften Pontus-Bithynien

und Kilikien mit den darin stehenden Truppen sowie die Fuehrung des

Pontisch-Armenischen Krieges nebst der Befugnis, mit den Dynasten des

Ostens nach eigenem Gutduenken Krieg, Frieden und Buendnis zu machen,

auf Pompeius uebertragen. Ueber die Aussicht auf so reiche Ehren und

Spolien vergass Pompeius gern die Zuechtigung eines uebellaunigen und

seine sparsamen Lorbeerblaetter neidisch huetenden Optimaten, gab

den Zug gegen Kreta und die fernere Verfolgung der Korsaren auf und

bestimmte auch seine Flotte zu Unterstuetzung des Angriffs, den er gegen

die Koenige von Pontus und Armenien entwarf. Doch verlor er ueber diesen

Landkrieg die immer wieder aufs neue ihr Haupt erhebende Piraterie

keineswegs voellig aus den Augen. Ehe er Asien verliess (691 63), liess

er daselbst noch die noetigen Schiffe gegen die Korsaren instand setzen;

auf seinen Antrag ward das Jahr darauf fuer Italien eine aehnliche

Massregel beschlossen und die dazu noetige Summe vom Senat bewilligt.

Man fuhr fort, die Kuesten mit Reiterbesatzungen und kleinen Geschwadern

zu decken. Wenn man auch, wie schon die spaeter zu erwaehnenden

Expeditionen gegen Kypros 696 (58) und gegen Aegypten 699 (55) beweisen,

der Piraterie nicht durchaus Herr ward, so hat dieselbe doch nach der

Expedition des Pompeius unter allen Wechselfaellen und politischen

Krisen Roms niemals wieder so ihr Haupt emporheben und so voellig die

Roemer an der See verdraengen koennen, wie es unter dem Regiment der

verrotteten Oligarchie geschehen war. Die wenigen Monate, die vor dem

Beginn des kleinasiatischen Feldzugs noch uebrig waren, wurden von dem

neuen Oberfeldherrn mit angestrengter Taetigkeit zu diplomatischen

und militaerischen Vorbereitungen benutzt. Es gingen Gesandte an

Mithradates, mehr um zu kundschaften, als um eine ernstliche Vermittlung

zu versuchen. Am pontischen Hofe hoffte man, dass der Koenig der

Parther, Phraates, durch die letzten bedeutenden Erfolge, die die

Verbuendeten ueber Rom davongetragen hatten, sich zum Eintritt in

das pontisch-armenische Buendnis bestimmen lassen werde. Dem

entgegenzuwirken gingen roemische Boten an den Hof von Ktesiphon;

und ihnen kamen die inneren Wirren zu Hilfe, die das armenische

Herrscherhaus zerrissen. Des Grosskoenigs Tigranes gleichnamiger Sohn

hatte sich gegen seinen Vater empoert, sei es dass er den Tod des

Greises nicht abwarten mochte, sei es dass der Argwohn desselben, der

schon mehreren seiner Brueder das Leben gekostet hatte, ihn die einzige

Moeglichkeit der Rettung in der offenen Empoerung sehen liess. Vom Vater

ueberwunden, hatte er mit einer Anzahl vornehmer Armenier sich an den

Hof des Arsakiden gefluechtet und intrigierte dort gegen den Vater. Es

war zum Teil sein Werk, dass Phraates den Lohn fuer den Beitritt,

der ihm von beiden Seiten geboten ward, den gesicherten Besitz

Mesopotamiens, lieber aus der Hand der Roemer nahm und den mit Lucullus

hinsichtlich der Euphratgrenze abgeschlossenen Vertrag mit Pompeius

erneuerte, ja sogar darauf einging, mit den Roemern gemeinschaftlich

gegen Armenien zu operieren. Noch groesseren Schaden als durch die

Foerderung des Buendnisses zwischen den Roemern und den Parthern tat der

juengere Tigranes den Koenigen Tigranes und Mithradates dadurch, dass

sein Aufstand eine Spaltung zwischen ihnen selbst hervorrief. Der

Grosskoenig naeherte im geheimen den Argwohn, dass der Schwiegervater

bei der Schilderhebung seines Enkels - die Mutter des juengeren

Tigranes, Kleopatra, war die Tochter Mithradats - die Hand im Spiel

gehabt haben moege, und wenn es auch darueber nicht zum offenen Bruch

kam, so war doch das gute Einverstaendnis der beiden Monarchen eben in

dem Augenblick gestoert, wo sie desselben am dringendsten bedurften.

Zugleich betrieb Pompeius die Ruestungen mit Energie. Die asiatischen

Bundes- und Klientelgemeinden wurden gemahnt, den vertragsmaessigen

Zuzug zu leisten. Oeffentliche Anschlaege forderten die entlassenen

Veteranen der Legionen Fimbrias auf, als Freiwillige wieder unter die

Fahnen zurueckzutreten, und durch grosse Versprechungen und den Namen

des Pompeius liess ein ansehnlicher Teil derselben in der Tat sich

bestimmen, dem Rufe zu folgen. Die gesamte Streitmacht, die unter

Pompeius' Befehlen vereinigt war, mochte mit Ausschluss der

Hilfsvoelker sich auf etwa 40-50000 Mann belaufen ^1.

---------------------------------------------- ^1 Pompeius verteilte

unter seine Soldaten und Offiziere als Ehrengeschenk 384 Mill. Sesterzen

(= 16000 Talente; App. Mithr. 116); da die Offiziere 100 Mill. empfingen

(Plin. nat. 37, 2, 16), von den gemeinen Soldaten aber jeder 6000

Sesterzen (Plin., App.), so zaehlte das Heer noch bei dem Triumph etwa

40000 Mann. --------------------------------------------- Im Fruehjahr

688 (66) begab sich Pompeius nach Galatien, um den Oberbefehl ueber die

Truppen Luculls zu uebernehmen und mit ihnen in das pontische Gebiet

einzuruecken, wohin die kilikischen Legionen angewiesen waren zu folgen.

In Danala, einer Ortschaft der Trokmer, trafen die beiden Feldherren

zusammen; die Versoehnung aber, die die beiderseitigen Freunde

zu bewirken gehofft hatten, ward nicht erreicht. Die einleitenden

Hoeflichkeiten gingen bald ueber in bittere Eroerterungen und diese in

heftigen Wortwechsel; man schied verstimmter, als man gekommen war. Da

Lucullus fortfuhr, gleich als waere er noch im Amte, Ehrengeschenke zu

machen und Laendereien zu verteilen, so erklaerte Pompeius alle nach

seinem Eintreffen von seinem Amtsvorgaenger vollzogenen Handlungen

fuer nichtig. Formell war er in seinem Recht; sittlichen Takt in der

Behandlung eines verdienten und mehr als genug gekraenkten Gegners

durfte man bei ihm nicht suchen. Sowie es die Jahreszeit erlaubte,

ueberschritten die roemischen Truppen die pontische Grenze. Gegen sie

stand hier mit 30000 Mann zu Fuss und 3000 Reitern Koenig Mithradates.

Im Stich gelassen von seinen Verbuendeten und mit verstaerkter Macht

und Energie von Rom angegriffen, machte er einen Versuch, Frieden zu

erwirken; allein von unbedingter Unterwerfung, die Pompeius forderte,

wollte er nichts hoeren - was konnte der ungluecklichste Feldzug ihm

Schlimmeres bringen? Um sein Heer, groesstenteils Schuetzen und

Reiter, nicht dem furchtbaren Stoss der roemischen Linieninfanterie

preiszugeben, wich er langsam vor dem Feinde zurueck und noetigte die

Roemer, ihm auf seinen Kreuz- und Quermaerschen zu folgen, wobei er, wo

Gelegenheit dazu war, mit seiner ueberlegenen Reiterei der feindlichen

standhielt und den Roemern durch die Erschwerung der Verpflegung nicht

geringe Drangsale bereitete. Ungeduldig gab endlich Pompeius es auf, die

pontische Armee zu begleiten und ging, den Koenig stehen lassend, daran,

das Land zu unterwerfen: er rueckte an den oberen Euphrat, ueberschritt

ihn und betrat die oestlichen Provinzen des Pontischen Reiches. Aber

auch Mithradates folgte auf das linke Euphratufer nach, und in der

Anaitischen oder Akilisenischen Landschaft angelangt, verlegte er den

Roemern den Weg bei der festen und mit Wasser wohl versehenen Burg

Dasteira, von wo aus er mit seinen leichten Truppen das Blachfeld

beherrschte. Pompeius, immer noch der kilikischen Legionen entbehrend

und ohne sie nicht stark genug, um sich in dieser Lage zu behaupten,

musste ueber den Euphrat zurueckgehen und in dem waldigen, von

Felsschluchten und Tieftaelern vielfach durchschnittenen Terrain des

pontischen Armenien vor den Reitern und Bogenschuetzen des Koenigs

Schutz suchen. Erst als die Truppen aus Kilikien eintrafen und es

moeglich machten, nun mit Uebermacht die Offensive wiederaufzunehmen,

ging Pompeius wieder vor, umschloss das Lager des Koenigs mit einer

Postenkette von fast vier deutschen Meilen Laenge und hielt ihn hier

foermlich blockiert, waehrend die roemischen Detachements die Gegend

weit umher durchstreiften. Die Not im pontischen Lager war gross;

schon musste die Bespannung niedergestossen werden, endlich nach

fuenfundvierzigtaegigem Verweilen liess der Koenig seine Kranken und

Verwundeten, da er sie weder retten konnte, noch dem Feinde in die

Haende fallen lassen wollte, durch die eigenen Leute niedermachen und

brach zur Nachtzeit in moeglichster Stille auf gegen Osten. Vorsichtig

folgte Pompeius durch das unbekannte Land; schon naeherte der Marsch

sich der Grenze, die Mithradates' und Tigranes' Gebiete voneinander

schied. Als der roemische Feldherr erkannte, dass Mithradates nicht

innerhalb seines Gebietes den Kampf zur Entscheidung zu bringen, sondern

den Feind in die grenzenlosen Fernen des Ostens sich nachzuziehen

gedenke, entschloss er sich, dies nicht zu gestatten. Die beiden Heere

lagerten hart aneinander. Waehrend der Mittagsrast brach das roemische

auf, ohne dass der Feind es bemerkte, umging ihn und besetzte die

vorwaerts liegenden und einen vom Feinde zu passierenden Engpass

beherrschenden Anhoehen am suedlichen Ufer des Flusses Lykos (Jeschil

Irmak) unweit des heutigen Enderes, da wo spaeter Nikopolis erbaut ward.

Den folgenden Morgen brachen die Pontiker in gewohnter Weise auf

und, den Feind wie bisher hinter sich vermutend, schlugen sie nach

zurueckgelegtem Tagesmarsch ihr Lager eben in dem Tale, dessen

Hoehenring die Roemer besetzt hatten. Ploetzlich erscholl in der Stille

der Nacht rings im Kreise um sie der gefuerchtete Schlachtruf der

Legionen und regneten von allen Seiten die Geschosse in die asiatischen

Heerhaufen, in denen Soldaten und Tross, Wagen, Pferde, Kamele sich

durcheinander schoben und in deren dichtem Knaeuel trotz der Dunkelheit

kein Geschoss fehlging. Als die Roemer sich verschossen hatten,

stuermten sie von den Hoehen herab auf die in dem Scheine des

inzwischen aufgegangen Mondes sichtbar gewordenen und fast wehrlos ihnen

preisgegebenen Scharen, und was nicht von dem Eisen der Feinde fiel,

ward in dem fuerchterlichen Gedraenge unter den Hufen und Raedern

zermalmt. Es war das letzte Schlachtfeld, auf welchem der greise Koenig

mit den Roemern gestritten hat. Mit drei Begleitern, zweien seiner

Römische Geschichte — Buch 5 · 第 12 / 68 段