auszustatten, so dass er durch seine ungeheuren Requisitionen den

befreundeten Provinzialen fast ebenso laestig fiel wie die Korsaren. Die

Erfolge waren entsprechend. In den kampanischen Gewaessern brachte die

Flotte des Antonius eine Anzahl Piratenschiffe auf. Mit den Kretensern

aber, die mit den Piraten Freundschaft und Buendnis gemacht hatten

und seine Forderung, von dieser Gemeinschaft abzulassen, schroff

zurueckwiesen, kam es zum Gefecht; und die Ketten, die Antonius

vorsorglich auf seinen Schiffen in Vorrat gelegt hatte, um die

gefangenen Flibustier damit zu fesseln, dienten dazu, den Quaestor

und die uebrigen roemischen Gefangenen an die Masten der eroberten

roemischen Schiffe zu schliessen, als die kretischen Feldherren

Lasthenes und Panares aus dem bei ihrer Insel den Roemern gelieferten

Seetreffen triumphierend nach Kydonia zuruecksteuerten. Antonius,

nachdem er mit seiner leichtsinnigen Kriegfuehrung ungeheure Summen

vergeudet und nicht das geringste ausgerichtet hatte, starb im Jahre 683

(71) auf Kreta. Teils der schlechte Erfolg seiner Expedition, teils die

Kostbarkeit des Flottenbaus, teils der Widerwille der Oligarchie

gegen jede umfassendere Beamtenkompetenz bewirkten, dass man nach der

faktischen Beendigung dieser Unternehmung durch Antonius' Tod keinen

Oberadmiral wieder ernannte und auf die alte Weise zurueckkam, jeden

Statthalter in seiner Provinz fuer die Unterdrueckung der Piraterie

sorgen zu lassen; wie denn zum Beispiel die von Lucullus hergestellte

Flotte hierfuer im Aegaeischen Meer taetig war. Nur was die Kreter

anbetrifft, schien eine Schmach wie die vor Kydonia erlittene doch

selbst diesem gesunkenen Geschlecht allein durch die Kriegserklaerung

beantwortet werden zu koennen. Dennoch haetten die kretischen Gesandten,

die im Jahre 684 (70) in Rom mit der Bitte erschienen, die Gefangenen

zuruecknehmen und das alte Buendnis wieder herstellen zu wollen, fast

einen guenstigen Senatsbeschluss erlangt; was die ganze Korporation eine

Schande nannte, das verkaufte bereitwillig fuer klingenden Preis der

einzelne Senator. Erst nachdem ein foermlicher Senatsbeschluss die

Anlehen der kretischen Gesandten bei den roemischen Bankiers klaglos

gestellt, das heisst nachdem der Senat sich selber in die Unmoeglichkeit

versetzt hatte, sich bestechen zu lassen, kam das Dekret zustande,

dass die kretischen Gemeinden ausser den roemischen Ueberlaeufern, die

Urheber des vor Kydonia veruebten Frevels, die Fuehrer Lasthenes und

Panares, den Roemern zu geeigneter Bestrafung zu uebergeben, ferner

saemtliche Schiffe und Boote von vier oder mehr Rudern auszuliefern, 400

Geiseln zu stellen und eine Busse von 4000 Talenten (6250000 Taler) zu

zahlen haetten, wofern sie den Krieg zu vermeiden wuenschten. Als die

Gesandten sich zur Eingebung solcher Bedingungen nicht bevollmaechtigt

erklaerten, wurde einer der Konsuln des naechsten Jahres bestimmt, nach

Ablauf seines Amtsjahres nach Kreta abzugehen, um dort entweder das

Geforderte in Empfang zu nehmen oder den Krieg zu beginnen. Demgemaess

erschien im Jahre 685 (69) der Prokonsul Quintus Metellus in den

kretischen Gewaessern. Die Gemeinden der Insel, voran die groesseren

Staedte Gortyna, Knossos, Kydonia, waren entschlossen, lieber mit den

Waffen sich zu verteidigen, als jenen uebermaessigen Forderungen sich zu

fuegen. Die Kretenser waren ein ruchloses und entartetes Volk, mit deren

oeffentlicher und privater Existenz der Seeraub so innig verwachsen war

wie der Landraub mit dem Gemeinwesen der Aetoler; allein sie glichen den

Aetolern wie ueberhaupt in vielen Stuecken so auch in der Tapferkeit,

und es sind denn auch diese beiden griechischen Gemeinden die einzigen,

die den Kampf um die Unabhaengigkeit mutig und ehrenhaft gefuehrt haben.

Bei Kydonia, wo Metellus seine drei Legionen ans Land setzte, stand eine

kretische Armee von 24000 Mann unter Lasthenes und Panares bereit, ihn

zu empfangen; es kam zu einer Schlacht im offenen Felde, in der der Sieg

nach hartem Kampf den Roemern blieb. Allein die Staedte trotzten dem

roemischen Feldherrn nichtsdestoweniger hinter ihren Mauern; Metellus

musste sich entschliessen, eine nach der andern zu belagern. Zuerst ward

Kydonia, wohin die Truemmer der geschlagenen Armee sich geworfen hatten,

nach langer Belagerung von Panares gegen das Versprechen freien Abzuges

fuer sich selber uebergeben. Lasthenes, der aus der Stadt entwichen war,

musste zum zweiten Male in Knossos belagert werden, und da auch diese

Festung im Begriff war zu fallen, vernichtete er seine Schaetze und

entschluepfte abermals nach Orten, welche, wie Lyktos, Eleutherna und

andere, die Verteidigung noch fortsetzten. Zwei Jahre (686, 687 68, 67)

vergingen, bevor Metellus der ganzen Insel Herr und damit der letzte

Fleck freier griechischer Erde in die Gewalt der uebermaechtigen

Roemer gekommen war; die kretischen Gemeinden, wie sie zuerst von allen

griechischen die freie Stadtverfassung und die Seeherrschaft bei sich

entwickelt hatten, sollten auch die letzten von allen jenen, einst das

Mittelmeer erfuellenden griechischen Seestaaten sein, die der roemischen

Kontinentalmacht erlagen. Alle Rechtsbedingungen waren erfuellt,

um wiederum einen der ueblichen pomphaften Triumphe zu feiern; das

Geschlecht der Meteller konnte seinen makedonischen, numidischen,

dalmatischen, baliarischen Titeln mit gleichem Recht den neuen

kretischen beifuegen, und Rom besass einen stolzen Namen mehr.

Nichtsdestoweniger stand die Macht der Roemer auf dem Mittelmeer nie

tiefer, die der Korsaren nie hoeher als in diesen Jahren. Wohl mochten

die Kiliker und Kreter der Meere, die in dieser Zeit bis 1000 Schiffe

gezaehlt haben sollen, des Isaurikers wie des Kretikers und ihrer

nichtigen Siege spotten. Wie nachdruecklich die Seeraeuber in den

Mithradatischen Krieg eingriffen und wie die hartnaeckige Gegenwehr der

pontischen Seestaedte ihre besten Kraefte aus dem Korsarenstaat zog,

ward bereits erzaehlt. Aber derselbe machte auch auf eigene Hand kaum

minder grossartige Geschaefte. Fast unter den Augen der Flotte Luculls

ueberfiel im Jahre 685 (69) der Pirat Athenodoros die Insel Delos,

zerstoerte deren vielgefeierte Heiligtuemer und Tempel und fuehrte die

ganze Bevoelkerung fort in die Sklaverei. Die Insel Lipara bei Sizilien

zahlte den Piraten jaehrlich einen festen Tribut, um von aehnlichen

Ueberfaellen verschont zu bleiben. Ein anderer Piratenchef, Herakleon,

zerstoerte im Jahre 682 (72) das in Sizilien gegen ihn ausgeruestete

Geschwader und wagte es, mit nicht mehr als vier offenen Booten in den

Hafen von Syrakus einzufahren. Zwei Jahre spaeter stieg sein Kollege

Pyrganion in demselben Hafen sogar an das Land, setzte daselbst sich

fest und schickte von dort aus Streifpartien in die Insel, bis ihn der

roemische Statthalter endlich zwang, sich wiedereinzuschiffen. Das

war man am Ende nachgerade gewohnt, dass alle Provinzen Geschwader

ausruesteten und Strandwachen aufstellten oder doch fuer beides

steuerten, und dennoch die Korsaren so regelmaessig erschienen, um die

Provinzen auszupluendern wie die roemischen Statthalter. Aber selbst den

geweihten Boden Italiens respektierten jetzt die unverschaemten Frevler

nicht mehr: von Kroton fuehrten sie den Tempelschatz der Lakinischen

Hera mit sich fort; sie landeten in Brundisium, Misenum, Caieta, in den

etruskischen Haefen, ja in Ostia selbst; sie brachten die vornehmsten

roemischen Offiziere als Gefangene auf, unter andern den Flottenfuehrer

der kilikischen Armee und zwei Praetoren mit ihrem ganzen Gefolge, mit

den gefuerchteten Beilen und Ruten selbst und allen Abzeichen ihrer

Wuerde; sie entfuehrten aus einer Villa bei Misenum die eigene Schwester

des zur Vernichtung der Piraten ausgesandten roemischen Oberadmirals

Antonius; sie vernichteten im Hafen von Ostia die gegen sie

ausgeruestete und von einem Konsul befehligte roemische Kriegsflotte.

Der latinische Bauersmann, der Reisende auf der Appischen Strasse, der

vornehme Badegast in dem irdischen Paradiese von Baiae waren ihrer Habe

und ihres Lebens fuerder keinen Augenblick sicher; aller Handel und

aller Verkehr stockte; die entsetzlichste Teuerung herrschte in Italien

und namentlich in der von ueberseeischem Korn lebenden Hauptstadt.

Die Mitwelt wie die Geschichte sind freigebig mit Klagen ueber

unertraeglichen Notstand; hier duerfte die Bezeichnung passen. Es ist

bisher geschildert worden, wie der von Sulla restaurierte Senat die

Grenzbewachung in Makedonien, die Disziplin ueber die Klientelkoenige

Kleinasiens, wie er endlich die Seepolizei geuebt hat; die Resultate

waren nirgends erfreulich. Nicht bessere Erfolge erzielte die Regierung

in einer anderen, vielleicht noch dringenderen Angelegenheit, der

Ueberwachung des provinzialen und vor allem des italischen Proletariats.

Der Krebsschaden des Sklavenproletariats zehrte an dem Marke aller

Staaten des Altertums und um so mehr, je maechtiger sie emporgeblueht

waren; denn Macht und Reichtum des Staats fuehrten unter den bestehenden

Verhaeltnissen regelmaessig zu einer unverhaeltnismaessigen Vermehrung

der Sklavenmenge. Natuerlich litt demnach Rom darunter schwerer als

irgendein anderer Staat des Altertums. Schon die Regierung des sechsten

Jahrhunderts hatte gegen die Banden entlaufener Hirten- und Feldsklaven

Truppen schicken muessen. Die unter den italischen Spekulanten mehr und

mehr um sich greifende Plantagenwirtschaft hatte das gefaehrliche

Uebel ins unendliche gesteigert; in der Zeit der Gracchischen und

der Marianischen Krise und mit denselben in engem Zusammenhang hatten

Sklavenaufstaende an zahlreichen Punkten des Roemischen Reiches

stattgehabt, in Sizilien sogar zu zwei blutigen Kriegen (619-622 und

652-654 135-132 und 102-100) sich entwickelt. Aber das Dezennium der

Restaurationsherrschaft nach Sullas Tode ward die goldene Zeit wie

fuer die Flibustier zur See so fuer die gleichartigen Banden auf dem

Festland, vor allem in der bisher noch verhaeltnismaessig leidlich

geordneten italischen Halbinsel. Von einem Landfrieden konnte daselbst

kaum mehr die Rede sein. In der Hauptstadt und den minder bevoelkerten

Landschaften Italiens waren Raeubereien alltaeglich, Mordtaten haeufig.

Gegen Menschenraub an fremden Sklaven wie an freien Leuten erging

- vielleicht in dieser Epoche - ein besonderer Volksschluss; gegen

gewaltsame Besitzentziehung von Grundstuecken ward um diese Zeit eine

eigene summarische Klage neu eingefuehrt. Diese Verbrechen mussten

besonders deswegen gefaehrlich erscheinen, weil sie zwar gewoehnlich

begangen wurden von dem Proletariat, aber als moralische Urheber und

Teilnehmer an dem Gewinn auch die vornehme Klasse in grossem Umfang

dabei mittaetig war. Namentlich der Menschen- und der Ackerraub wurde

sehr haeufig durch die Aufseher der grossen Gueter veranlasst und durch

die daselbst vereinigten haeufig bewaffneten Sklavenscharen ins Werk

gesetzt; und gar mancher hochangesehene Mann verschmaehte nicht, was

einer seiner diensteifrigen Sklavenaufseher so fuer ihn erwarb wie

Mephisto fuer Faust die Linden Philemons. Wie die Dinge standen, zeigt

die verschaerfte Bestrafung der durch bewaffnete Banden veruebten

Eigentumsfrevel, welche einer der besseren Optimaten, Marcus Lucullus,

als Vorstand der hauptstaedtischen Rechtspflege um das Jahr 676 (78)

einfuehrte ^5, mit der ausgesprochenen Absicht, die Eigentuemer der

grossen Sklavenherden durch die Gefahr sich dieselben aberkannt zu

sehen, zu nachdruecklicherer Beaufsichtigung derselben anzuhalten. Wo

also im Auftrag der vornehmen Welt gepluendert und gemordet ward, lag es

diesen Sklaven- und Proletariermassen nahe, das gleiche Geschaeft fuer

eigene Rechnung zu treiben; es genuegte ein Funke, um den furchtbaren

Brennstoff in Flammen zu setzen und das Proletariat in eine

Insurrektionsarmee zu verwandeln. Die Veranlassung fand sich bald.

------------------------------------------------- ^5 Aus diesen

Bestimmungen hat sich der Begriff des Raubes als eines besonderen

Verbrechens entwickelt, waehrend das aeltere Recht den Raub unter dem

Diebstahl mitbegriff. -------------------------------------------------

Die Fechterspiele, die unter den Volkslustbarkeiten in Italien jetzt

den ersten Rang behaupteten, hatten die Errichtung zahlreicher Anstalten

namentlich in und um Capua herbeigefuehrt, worin diejenigen Sklaven

teils aufbewahrt, teils eingeschult wurden, die bestimmt waren, zur

Belustigung der souveraenen Menge zu toeten oder zu sterben - natuerlich

grossenteils tapfere kriegsgefangene Leute, die es nicht vergessen

hatten, einst gegen die Roemer im Felde gestanden zu haben. Eine

Anzahl solcher verzweifelter Menschen brach aus einer der capuanischen

Fechterschulen aus (681 73) und warf sich auf den Vesuv. An ihrer Spitze

standen zwei keltische Maenner, die mit ihren Sklavennamen Krixos und

Oenomaos genannt werden, und der Thraker Spartacus. Dieser, vielleicht

ein Sproessling des edlen, in der thrakischen Heimat wie in Pantikapaeon

sogar zu koeniglichen Ehren gelangten Geschlechts der Spartokiden,

hatte unter den thrakischen Hilfstruppen im roemischen Heer gedient,

war desertiert und als Raeuber in die Berge gegangen und hier

wiedereingefangen und fuer die Kampfspiele bestimmt worden. Die

Streifereien dieser kleinen, anfaenglich nur vierundsiebzig Koepfe

zaehlenden, aber rasch durch Zulauf aus der Umgegend anschwellenden

Schar wurden den Bewohnern der reichen kampanischen Landschaft bald so

laestig, dass dieselben, nachdem sie vergeblich versucht hatten, sich

selber ihrer zu erwehren, gegen sie Hilfe von Rom erbaten. Es erschien

eine schleunig zusammengeraffte Abteilung von 3000 Mann unter Fuehrung

des Clodius Glaber und besetzte die Aufgaenge zum Vesuv, um die

Sklavenschar auszuhungern. Aber die Raeuber wagten es trotz ihrer

geringen Anzahl und ihrer mangelhaften Bewaffnung, ueber jaehe Abhaenge

hinabkletternd die roemischen Posten zu ueberfallen; und als die elende

Miliz den kleinen Haufen verzweifelter Maenner unvermutet auf sich

eindringen sah, gab sie Fersengeld und verlief sich nach allen Seiten.

Dieser erste Erfolg verschaffte den Raeubern Waffen und steigenden

Zulauf. Wenngleich auch jetzt noch ein grosser Teil von ihnen nichts

fuehrte als zugespitzte Knuettel, so fand die neue und staerkere

Abteilung der Landwehr, zwei Legionen unter dem Praetor Publius

Varinius, die von Rom her in Kampanien einrueckte, sie schon fast wie

ein Kriegsheer in der Ebene lagernd. Varinius hatte einen schwierigen

Stand. Seine Milizen, genoetigt, dem Feind gegenueber zu biwakieren,

wurden durch die feuchte Herbstwitterung und die dadurch erzeugten

Krankheiten arg mitgenommen; und schlimmer noch als die Epidemien

lichteten Feigheit und Unbotmaessigkeit die Reihen. Gleich zu Anfang

lief eine seiner Abteilungen vollstaendig auseinander, so dass die

Fluechtigen nicht etwa auf das Hauptkorps zurueck, sondern geradewegs

nach Hause gingen. Als sodann der Befehl gegeben ward, gegen die

feindlichen Verschanzungen vorzugehen und anzugreifen, weigerte sich der

groesste Teil der Leute, ihm Folge zu leisten. Nichtsdestoweniger brach

Varinius mit denen, die standhielten, gegen die Raeuberschar auf; allein

er fand sie nicht mehr, wo er sie suchte. In tiefster Stille war sie

aufgebrochen und hatte sich suedwaerts gegen Picentia (Vicenza bei

Amalfi) gewendet, wo Varinius sie zwar einholte, aber es doch nicht

wehren konnte, dass sie ueber den Silarus zurueckwich bis in das innere

Lucanien, das gelobte Land der Hirten und der Raeuber. Auch dorthin

folgte Varinius und hier endlich stellte der verachtete Feind sich zum

Treffen. Alle Verhaeltnisse, unter denen der Kampf stattfand, waren

zum Nachteil der Roemer; die Soldaten, so ungestuem sie kurz zuvor die

Schlacht gefordert hatten, schlugen dennoch sich schlecht; Varinius ward

vollstaendig besiegt, sein Pferd und die Insignien seiner Amtswuerde

gerieten mit dem roemischen Lager selbst in Feindeshand. Massenweise

stroemten die sueditalischen Sklaven, namentlich die tapferen halbwilden

Hirten, unter die Fahne der so unverhofft erschienenen Erloeser; nach

den maessigen Angaben stieg die Zahl der bewaffneten Insurgenten auf

40000 Mann. Kampanien, soeben geraeumt, ward rasch wieder eingenommen,

das daselbst unter dem Quaestor des Varinius, Gaius Thoranius,

zurueckgebliebene roemische Korps zersprengt und aufgerieben. Im ganzen

Sueden und Suedwesten Italiens war das offene Land in den Haenden der

siegreichen Raeuberhauptleute; selbst ansehnliche Staedte, wie Consentia

im bruttischen Land, Thurii und Metapont in Lucanien, Nola und Nuceria

in Kampanien, wurden von ihnen erstuermt und erlitten alle Greuel, die

siegreiche Barbaren ueber wehrlose Zivilisierte, entfesselte Sklaven

ueber ihre gewesenen Herren zu bringen vermoegen. Dass ein Kampf wie

dieser ueberhaupt rechtlos und mehr eine Metzelei als ein Krieg war,

versteht sich leider von selbst: die Herren schlugen jeden gefangenen

Sklaven von Rechts wegen ans Kreuz; diese machten natuerlich gleichfalls

ihre Gefangenen nieder oder zwangen gar in noch hoehnischerer Vergeltung

die kriegsgefangenen Roemer, im Fechtspiel einander selber zu morden;

wie dies spaeter mit dreihundert derselben bei der Leichenfeier eines im

Kampfe gefallenen Raeuberhauptmanns geschah. In Rom war man mit Recht in

Besorgnis ueber den immer weiter um sich greifenden verheerenden Brand.

Es ward beschlossen, das naechste Jahr (682 72) beide Konsuln gegen die

furchtbaren Bandenchefs auszusenden. In der Tat gelang es dem Praetor

Quintus Arrius, einem Unterfeldherrn des Konsuls Lucius Genius, den

keltischen Haufen, der unter Krixos von der Masse des Raeuberheers

sich gesondert hatte und auf eigene Hand brandschatzte, in Apulien am

Garganus zu fassen und zu vernichten. Aber um so glaenzendere Siege

erfocht Spartacus im Apennin und im noerdlichen Italien, wo der Konsul

Gnaeus Lentulus, waehrend er die Raeuber zu umzingeln und aufzuheben

vermeinte, sodann sein Kollege Gellius und der soeben noch siegreiche

Praetor Arrius, endlich bei Mutina der Statthalter des Diesseitigen

Gallien, Gaius Cassius (Konsul 681 73), und der Praetor Gnaeus Manlius

einer nach dem andern seinen Streichen erlagen. Die kaum bewaffneten

Sklavenrotten waren der Schreck der Legionen; die Kette der Niederlagen

erinnerte an die ersten Jahre des Hannibalischen Krieges. Was haette

kommen moegen, wenn nicht entlaufene Fechtersklaven, sondern die

Volkskoenige aus den Bergen der Auvergne oder des Balkan an der Spitze

der siegreichen Scharen gestanden haetten, ist nicht zu sagen; wie

die Bewegung einmal war, blieb sie trotz ihrer glaenzenden Siege ein

Raeuberaufstand und unterlag weniger der Uebermacht ihrer Gegner als

der eignen Zwietracht und Planlosigkeit. Die Einigkeit gegen

den gemeinschaftlichen Feind, die in den frueheren sizilischen

Sklavenkriegen in so bemerkenswerter Weise hervorgetreten war, wird in

diesem italischen vermisst, wovon wohl die Ursache darin zu suchen ist,

dass die sizilischen Sklaven in dem gemeinsamen Syrohellenismus einen

gleichsam nationalen Einigungspunkt fanden, die italischen dagegen

in die beiden Massen der Hellenobarbaren und der Keltogermanen sich

schieden. Die Spaltung zwischen dem Kelten Krixos und dem Thraker

Spartacus - Oenomaos war gleich in einem der ersten Gefechte gefallen

- und aehnlicher Hader laehmte die Benutzung der errungenen Erfolge

und verschaffte den Roemern manchen wichtigen Sieg. Aber noch weit

nachteiliger als die keltisch-germanische Unbotmaessigkeit wirkte auf

das Unternehmen der Mangel eines festen Planes und Zieles. Wohl stand

Spartacus, nach dem Wenigen zu schliessen, was wir von dem seltenen

Mann erfahren, hierin ueber seiner Partei. Er verriet neben seinem

strategischen ein nicht gemeines Organisationstalent, wie denn gleich

von Haus aus die Gerechtigkeit, mit der er seiner Schar vorstand und die

Beute verteilte, wenigstens ebensosehr wie seine Tapferkeit die Augen

der Masse auf ihn gelenkt hatte. Um dem empfindlichen Mangel an Reiterei

und an Waffen abzuhelfen, versuchte er mit Hilfe der in Unteritalien

aufgegriffenen Pferdeherden, sich eine Kavallerie zu schulen und zu

disziplinieren und, sowie er den Hafen von Thurii in die Haende bekam,

von dort aus Eisen und Kupfer, ohne Zweifel durch Vermittlung der

Piraten, sich zu verschaffen. Aber in den Hauptsachen vermochte auch

er nicht die wilden Horden, die er anfuehrte, auf feste Endziele

hinzulenken. Gern haette er den tollen Bacchanalien der Grausamkeit

gewehrt, die die Raeuber in den eingenommenen Staedten sich gestatteten

und die die hauptsaechliche Ursache waren, weshalb keine italische Stadt

freiwillig mit den Insurgenten gemeinschaftliche Sache machte; aber der

Gehorsam, den der Raeuberhauptmann im Kampfe fand, hoerte mit dem Siege

auf und seine Vorstellungen und Bitten waren vergeblich. Nach den im

Apennin 682 (72) erfochtenen Siegen stand dem Sklavenheer nach jeder

Richtung hin der Weg frei. Spartacus selbst soll beabsichtigt haben, die

Alpen zu ueberschreiten, um sich und den Seinigen die Rueckkehr in ihre

keltische oder thrakische Heimat zu oeffnen; wenn der Bericht gegruendet

ist, so zeigt er, wie wenig der Sieger seine Erfolge und seine Macht

ueberschaetzte. Da die Mannschaft sich weigerte, dem reichen Italien so

rasch den Ruecken zu wenden, schlug Spartacus den Weg nach Rom ein

und soll daran gedacht haben, die Hauptstadt zu blockieren. Indes auch

diesem zwar verzweifelten, aber doch planmaessigen Beginnen zeigten die

Scharen sich abgeneigt; sie zwangen ihren Fuehrer, da er Feldherr sein

wollte, Raeuberhauptmann zu bleiben und ziellos weiter in Italien auf

Pluenderung umherzuziehen. Rom mochte sich gluecklich preisen, dass

es also kam; auch so aber war guter Rat teuer. Es fehlte an geuebten

Soldaten wie an erprobten Feldherren; Quintus Metellus und Gnaeus

Pompeius waren in Spanien, Marcus Lucullus in Thrakien, Lucius Lucullus

in Kleinasien beschaeftigt, und zur Verfuegung standen nur rohe

Milizen und hoechstens mittelmaessige Offiziere. Man bekleidete mit dem

ausserordentlichen Oberbefehl in Italien den Praetor Marcus Crassus,

der zwar kein namhafter Feldherr war, aber doch unter Sulla mit Ehren

gefochten und wenigstens Charakter hatte, und stellte ihm eine wenn

nicht durch ihre Qualitaet, doch durch ihre Zahl imponierende Armee von

acht Legionen zur Verfuegung. Der neue Oberfeldherr begann damit, die

erste Abteilung, die wieder mit Wegwerfung ihrer Waffen vor den Raeubern

davonlief, nach der ganzen Strenge der Kriegsgesetze zu behandeln und

den zehnten Mann davon hinrichten zu lassen; worauf in der Tat die

Legionen sich wieder etwas mehr zusammennahmen. Spartacus, in dem

naechsten Gefecht besiegt, zog sich zurueck und suchte durch Lucanien

nach Rhegion zu gelangen. Ebendamals beherrschten die Piraten nicht

bloss die sizilischen Gewaesser, sondern selbst den Hafen von Syrakus;

mit Hilfe ihrer Boote gedachte Spartacus ein Korps nach Sizilien zu

werfen, wo die Sklaven nur auf einen Anstoss warteten, um zum dritten

Male loszuschlagen. Der Marsch nach Rhegion gelang, allein die Korsaren,

vielleicht geschreckt durch die von dem Praetor Gaius Verres auf

Sizilien eingerichteten Strandwachen, vielleicht auch von den Roemern

bestochen, nahmen von Spartacus den bedungenen Lohn, ohne ihm

die Gegenleistung dafuer zu gewaehren. Crassus inzwischen war dem

Raeuberheer bis etwa an die Krathismuendung gefolgt und liess, aehnlich

wie Scipio vor Numantia, seine Soldaten, da sie nicht schlugen, wie

Römische Geschichte — Buch 5 · 第 8 / 68 段