nat. 5, 20, 85; 21, 86; 6, 28, 142); wovon auch Plutarch (Luc. 21)

berichtet, dass Tigranes, die Sitten der Zeltaraber umwandelnd, sie

seinem Reiche naeher ansiedelte, um durch sie des Handels sich zu

bemaechtigen. Vermutlich ist dies so zu verstehen, dass die Beduinen,

die gewohnt waren, durch ihr Gebiet Handelsstrassen zu eroeffnen und

auf diesen feste Durchgangszoelle zu erheben (Strab. 14, 748), dem

Grosskoenig als eine Art von Zollkontrolleuren dienen und an der

Euphratpassage fuer ihn und fuer sich Zoelle erheben sollten. Diese

"osrhoenischen Araber" (Orei Arabes), wie sie Plinius nennt, muessen

auch die Araber am Berg Amanos sein, die Afranius ueberwand (Plut.

Pomp. 39). --------------------------------------------------------

Bescheidener trat Koenig Mithradates auf. Er enthielt sich in Kleinasien

der Uebergriffe und begnuegte sich, was kein Traktat ihm verbot, seine

Herrschaft am Schwarzen Meere fester zu begruenden und die Landschaften,

die das Bosporanische jetzt unter seiner Oberhoheit von seinem

Sohn Machares beherrschte Koenigreich von dem Pontischen trennten,

allmaehlich in bestimmtere Abhaengigkeit zu bringen. Aber auch er wandte

alle Anstrengungen darauf, seine Flotte und sein Heer instand zu setzen

und namentlich das letztere nach roemischem Muster zu bewaffnen und zu

organisieren, wobei die roemischen Emigranten, die in grosser Zahl an

seinem Hofe verweilten, ihm wesentliche Dienste leisteten. Den Roemern

war nichts daran gelegen, in die orientalischen Angelegenheiten noch

weiter verwickelt zu werden, als sie es bereits waren. Es zeigt

sich dies namentlich mit schlagender Deutlichkeit darin, dass die

Gelegenheit, die in dieser Zeit sich darbot, das Aegyptische Reich auf

friedlichem Wege unter unmittelbare roemische Herrschaft zu bringen,

vom Senat verschmaeht ward. Die legitime Deszendenz des Ptolemaeos Lagos

Sohns war zu Ende gegangen, als der nach dem Tode des Ptolemaeos Soter

II. Koenigs Lathyros von Sulla eingesetzte Koenig Alexandros II., ein

Sohn Koenigs Alexandros I., wenige Tage nach seiner Thronbesteigung

bei einem Auflauf in der Hauptstadt getoetet ward (673 81). Dieser

Alexandros hatte in seinem Testament ^2 zum Erben die roemische Gemeinde

eingesetzt. Die Echtheit dieses Dokuments ward zwar bestritten; allein

diese erkannte der Senat an, indem er auf Grund desselben die in Tyros

fuer Rechnung des verstorbenen Koenigs niedergelegten Summen erhob.

Nichtsdestoweniger gestattete er zwei notorisch illegitimen Soehnen des

Koenigs Lathyros, dem einen, Ptolemaeos XI., der neue Dionysos oder der

Floetenblaeser (Auletes) genannt, Aegypten, dem andern, Ptolemaeos dem

Kyprier, Kypros tatsaechlich in Besitz zu nehmen; sie wurden zwar vom

Senat nicht ausdruecklich anerkannt, aber doch auch keine bestimmte

Forderung auf Herausgabe der Reiche an sie gerichtet. Die Ursache,

weshalb der Senat diesen unklaren Zustand fortdauern liess und nicht

dazu kam, in bindender Weise auf Aegypten und Kypros zu verzichten, war

ohne Zweifel die ansehnliche Rente, welche jene gleichsam auf Bittbesitz

herrschenden Koenige fuer die Fortdauer desselben den roemischen

Koteriehaeuptern fortwaehrend zahlten. Allein der Grund, jenem lockenden

Erwerb ueberhaupt zu entsagen, liegt anderswo. Aegypten gab durch

seine eigentuemliche Lage und seine finanzielle Organisation jedem dort

befehligenden Statthalter eine Geld- und Seemacht und ueberhaupt eine

unabhaengige Gewalt in die Haende, wie sie mit dem argwoehnischen

und schwaechlichen Regiment der Oligarchie sich schlechterdings nicht

vertrug; von diesem Standpunkt aus war es verstaendig, dem

unmittelbaren Besitz der Nillandschaft zu entsagen.

-------------------------------------------------------- ^2 Die

streitige Frage, ob dies angebliche oder wirkliche Testament von

Alexander I. (+ 666 88) oder Alexander II. (+ 673 81) herruehre, wird

gewoehnlich fuer die erste Alternative entschieden. Allein die Gruende

sind unzulaenglich; denn Cicero (leg. agr. 1, 4, 12; 15, 38; 16, 41)

sagt nicht, dass Aegypten im Jahre 666 (88), sondern dass es in

oder nach diesem Jahr an Rom gefallen sei; und wenn man daraus, dass

Alexander I. im Ausland, Alexander II. in Alexandreia umkam, gefolgert

hat, dass die in dem fraglichen Testament erwaehnten in Tyros lagernden

Schaetze dem ersteren gehoert haben werden, so ist uebersehen, dass

Alexander II. neunzehn Tage nach seiner Ankunft in Aegypten getoetet

ward (J. A. Letronne, Recueil des inscriptions grecques et latines de

l'Egypte. Bd. 2, Paris 1848, S. 20), wo seine Kasse noch sehr wohl in

Tyros sein konnte. Entscheidend ist dagegen der Umstand, dass der zweite

Alexander der letzte echte Lagide war, da bei den aehnlichen Erwerbungen

von Pergamon Kyrene und Bithynien Rom stets von dem letzten Spross

der berechtigten Herrscherfamilie eingesetzt worden ist. Das alte

Staatsrecht, wie es wenigstens fuer die roemischen Klientelstaaten

massgebend gewesen ist, scheint dem Regenten das letztwillige

Verfuegungsrecht ueber sein Reich nicht unbedingt, sondern nur

in Ermangelung erbberechtigter Agnaten zugestanden zu haben. Vgl.

Gutschmids Anmerkung zu der deutschen Uebersetzung von S. Sharper,

Geschichte Aegyptens. Bd. 2, S. 17. Ob das Testament echt oder falsch

war, ist nicht auszumachen und auch ziemlich gleichgueltig;

besondere Gruende, eine Faelschung anzunehmen, liegen nicht vor.

----------------------------------------------------- Weniger laesst

es sich rechtfertigen, dass der Senat es unterliess, in die

kleinasiatischen und syrischen Angelegenheiten unmittelbar einzugreifen.

Die roemische Regierung erkannte zwar den armenischen Eroberer nicht als

Koenig von Kappadokien und Syrien an; aber sie tat doch auch nichts,

um ihn zurueckzudraengen, wie nahe immer der Krieg, den sie 676 (78)

notgedrungen in Kilikien gegen die Piraten begann, ihr namentlich das

Einschreiten in Syrien legte. In der Tat gab sie, indem sie den Verlust

Kappadokiens und Syriens ohne Kriegserklaerung hinnahm, damit nicht

bloss ihre Schutzbefohlenen, sondern die wichtigsten Grundlagen ihrer

eigenen Machtstellung preis. Es war schon bedenklich, wenn sie in den

griechischen Ansiedlungen und Reichen am Euphrat und Tigris die Vorwerke

ihrer Herrschaft opferte; aber wenn sie die Asiaten am Mittelmeer sich

festsetzen liess, welches die politische Basis ihres Reiches war, so war

dies nicht ein Beweis von Friedensliebe, sondern das Bekenntnis, dass

die Oligarchie durch die Sullanische Restauration wohl oligarchischer,

aber weder klueger noch energischer geworden war, und fuer die roemische

Weltmacht der Anfang des Endes. Auch auf der andern Seite wollte man den

Krieg nicht. Tigranes hatte keine Ursache, ihn zu wuenschen, wenn Rom

ihm auch ohne Krieg all seine Bundesgenossen preisgab. Mithradates, der

denn doch nicht bloss Sultan war und Gelegenheit genug gehabt hatte,

im Glueck und Unglueck Erfahrungen ueber Freunde und Feinde zu machen,

wusste sehr wohl, dass er in einem zweiten roemischen Krieg sehr

wahrscheinlich ebenso allein stehen wuerde wie in dem ersten und dass er

nichts Kluegeres tun konnte, als sich ruhig zu verhalten und sein Reich

im Innern zu staerken. Dass es ihm mit seinen friedlichen Erklaerungen

Ernst war, hatte er in dem Zusammentreffen mit Murena hinreichend

bewiesen; er fuhr fort, alles zu vermeiden, was dazu fuehren musste, die

roemische Regierung aus ihrer Passivitaet herauszudraengen. Allein wie

schon der Erste Mithradatische Krieg sich entsponnen hatte, ohne dass

eine der Parteien ihn eigentlich wuenschte, so entwickelte auch jetzt

aus den entgegengesetzten Interessen sich gegenseitiger Argwohn, aus

diesem gegenseitige Verteidigungsanstalten, und es fuehrten diese

endlich durch ihr eigenes Schwergewicht zum offenen Bruch. Das seit

langem die roemische Politik beherrschende Misstrauen in die eigene

Schlagfertigkeit und Kampfbereitschaft, welches bei dem Mangel stehender

Armeen und dem wenig musterhaften kollegialischen Regiment wohl

erklaerlich ist, machte es gleichsam zu einem Axiom der roemischen

Politik, jeden Krieg nicht bloss bis zur Ueberwaeltigung, sondern bis

zur Vernichtung des Gegners zu fuehren; man war insofern mit dem

Frieden Sullas von Haus aus in Rom so wenig zufrieden wie einst mit den

Bedingungen, die Scipio Africanus den Karthagern gewaehrt hatte. Die

vielfach geaeusserte Besorgnis, dass ein zweiter Angriff des pontischen

Koenigs bevorstehe, ward einigermassen gerechtfertigt durch die

ungemeine Aehnlichkeit der gegenwaertigen Verhaeltnisse mit denen vor

zwoelf Jahren. Wieder traf ein gefaehrlicher Buergerkrieg zusammen mit

ernstlichen Ruestungen Mithradats; wieder ueberschwemmten die Thraker

Makedonien und bedeckten die Korsarenflotten das ganze Mittelmeer;

wieder kamen und gingen die Emissaere, wie einst zwischen Mithradates

und den Italikern, so jetzt zwischen den roemischen Emigranten in

Spanien und denen am Hofe von Sinope. Schon im Anfang des Jahres

677 (77) ward es im Senat ausgesprochen, dass der Koenig nur auf die

Gelegenheit warte, waehrend des italischen Buergerkriegs ueber das

roemische Asien herzufallen; die roemischen Armeen in Asia und Kilikien

wurden verstaerkt, um moeglichen Ereignissen zu begegnen. Andererseits

verfolgte auch Mithradates mit steigender Besorgnis die Entwicklung

der roemischen Politik. Er musste es fuehlen, dass ein Krieg der

Roemer gegen Tigranes, wie sehr auch der schwaechliche Senat davor sich

scheute, doch auf die Laenge kaum vermeidlich sei und er nicht umhin

koennen werde, sich an demselben zu beteiligen. Der Versuch, das immer

noch mangelnde schriftliche Friedensinstrument von dem roemischen Senat

zu erlangen, war in die Wirren der Lepidianischen Revolution gefallen

und ohne Erfolg geblieben; Mithradates fand darin ein Anzeichen der

bevorstehenden Erneuerung des Kampfes. Die Einleitung dazu schien die

Expedition gegen die Seeraeuber, die mittelbar doch auch die Koenige des

Ostens traf, deren Verbuendete sie waren. Noch bedenklicher waren die

schwebenden Ansprueche Roms auf Aegypten und Kypros; es ist bezeichnend,

dass der pontische Koenig den beiden Ptolemaeern, denen der Senat

fortfuhr, die Anerkennung zu weigern, seine beiden Toechter Mithradatis

und Nyssa verlobte. Die Emigranten draengten zum Losschlagen; Sertorius'

Stellung in Spanien, die zu erkunden Mithradates unter passenden

Vorwaenden Boten in das Pompeianische Hauptquartier abordnete, und die

in der Tat eben um diese Zeit imposant war, eroeffnete dem Koenig die

Aussicht, nicht wie in dem ersten Krieg gegen die beiden roemischen

Parteien, sondern mit der einen gegen die andere zu fechten. Ein

guenstigerer Moment konnte kaum gehofft werden, und am Ende war es immer

besser, den Krieg zu erklaeren, als ihn sich erklaeren zu lassen. Da

starb im Jahre 679 (75) Koenig Nikomedes III. Philopator von Bithynien

und hinterliess als der letzte seines Stammes - denn ein von der Nysa

geborener Sohn war oder hiess unecht - sein Reich im Testament den

Roemern, welche diese mit der roemischen Provinz grenzende und laengst

von roemischen Beamten und Kaufleuten erfuellte Landschaft in Besitz zu

nehmen nicht saeumten. Gleichzeitig wurde auch Kyrene, das bereits

seit dem Jahr 658 (96) den Roemern angefallen war, endlich als Provinz

eingerichtet und ein roemischer Statthalter dorthin geschickt (679

75). Diese Massregeln in Verbindung mit den um dieselbe Zeit an der

Suedkueste von Kleinasien gegen die Piraten ausgefuehrten Angriffen

muessen in dem Koenige Besorgnisse erregt haben; die Einziehung

Bithyniens namentlich machte die Roemer zu unmittelbaren Nachbarn des

Pontischen Reiches; und dies vermutlich gab den Ausschlag. Der Koenig

tat den entscheidenden Schritt und erklaerte im Winter 679/80 (75/74)

den Roemern den Krieg. Gern haette Mithradates die schwere Arbeit nicht

allein uebernommen. Sein naechster und natuerlicher Bundesgenosse war

der Grosskoenig Tigranes; allein der kurzsichtige Mann lehnte den

Antrag seines Schwiegervaters ab. So blieben nur die Insurgenten und

die Piraten. Mithradates liess es sich angelegen sein, mit beiden

durch starke, nach Spanien und nach Kreta entsandte Geschwader sich

in Verbindung zu setzen. Mit Sertorius ward ein foermlicher Vertrag

abgeschlossen, durch den Rom an den Koenig Bithynien, Paphlagonien,

Galanen und Kappadokien abtrat - freilich lauter Erwerbungen, die erst

auf dem Schlachtfeld ratifiziert werden mussten. Wichtiger war die

Unterstuetzung, die der spanische Feldherr dem Koenig durch Sendung

roemischer Offiziere zur Fuehrung seiner Heere und Flotten gewaehrte.

Die taetigsten unter den Emigranten im Osten, Lucius Magius und Lucius

Fannius, wurden von Sertorius zu seinen Vertretern am Hofe von Sinope

bestellt. Auch von den Piraten kam Hilfe; sie stellten in grosser Anzahl

im Pontischen Reich sich ein, und namentlich durch sie scheint es dem

Koenige gelungen zu sein, eine durch die Zahl wie durch die Tuechtigkeit

der Schiffe imponierende Seemacht zu bilden. Die Hauptstuetze blieben

die eigenen Streitkraefte, mit denen der Koenig, bevor die Roemer in

Asien eintreffen wuerden, sich ihrer Besitzungen daselbst bemaechtigen

zu koennen hoffte, zumal da in der Provinz Asia die durch die

Sullanische Kriegssteuer hervorgerufene finanzielle Not, in Bithymen der

Widerwille gegen das neue roemische Regiment, in Kilikien und Pamphylien

der von dem kuerzlich beendigten verheerenden Krieg zurueckgebliebene

Brandstoff einer pontischen Invasion guenstige Aussichten eroeffnete.

An Vorraeten fehlte es nicht; in den koeniglichen Speichern lagen zwei

Millionen Medimnen Getreide. Flotte und Mannschaft waren zahlreich und

wohlgeuebt, namentlich die bastarnischen Soldknechte eine auserlesene,

selbst italischen Legionaeren gewachsene Schar. Auch diesmal war es der

Koenig, der die Offensive begann. Ein Korps unter Diophantos ruckte in

Kappadokien ein, um die Festungen daselbst zu besetzen und den Roemern

den Weg in das Pontische Reich zu verlegen; der von Sertorius gesandte

Fuehrer, der Propraetor Marcus Marius, ging in Gemeinschaft mit dem

pontischen Offizier Eumachos nach Phrygien, um die roemische Provinz

und das Taurusgebirge zu insurgieren; die Hauptarmee, ueber 100000

Mann nebst 16000 Reitern und 100 Sichelwagen, gefuehrt von Taxiles und

Hermokrates unter der persoenlichen Oberleitung des Koenigs, und die

von Aristonikos befehligte Kriegsflotte von 400 Segeln bewegten sich

die kleinasiatische Nordkueste entlang, um Paphlagonien und Bithymen zu

besetzen. Roemischerseits ward zur Fuehrung des Krieges in erster Reihe

der Konsul des Jahres 680 (74), Lucius Lucullus, ausersehen, der als

Statthalter von Asien und Kilikien an die Spitze der in Kleinasien

stehenden vier Legionen und einer fuenften von ihm aus Italien

mitgebrachten gestellt und angewiesen ward, mit dieser auf 30000 Mann

zu Fuss und 1600 Reiter sich belaufenden Armee durch Phrygien in das

Pontische Reich einzudringen. Sein Kollege Marcus Cotta ging mit der

Flotte und einem anderen roemischen Korps nach der Propontis, um Asia

und Bithynien zu decken. Endlich wurde eine allgemeine Armierung der

Kuesten, namentlich der von der pontischen Flotte zunaechst bedrohten

thrakischen, angeordnet und die Saeuberung der saemtlichen Meere

und Kuesten von den Piraten und ihren pontischen Genossen

ausserordentlicherweise einem einzigen Beamten uebertragen, wofuer die

Wahl auf den Praetor Marcus Antonius fiel, den Sohn des Mannes, der

dreissig Jahre zuvor zuerst die kilikischen Korsaren gezuechtigt

hatte. Ausserdem stellte der Senat dem Lucullus eine Summe von 72 Mill.

Sesterzen (5« Mill. Talern) zur Verfuegung, um davon eine Flotte zu

erbauen; was Lucullus indes ablehnte. Aus allem sieht man, dass die

roemische Regierung in der Vernachlaessigung des Seewesens den Kern des

Uebels erkannte und hierin wenigstens so weit Ernst machte, als ihre

Dekrete reichten. So begann im Jahre 680 (74) der Krieg auf allen

Punkten. Es war ein Unglueck fuer Mithradates, dass eben im Moment

seiner Kriegserklaerung der Wendepunkt im Sertorianischen Kriege

eintrat, wodurch von vornherein eine seiner hauptsaechlichsten

Hoffnungen ihm zugrunde ging und es der roemischen Regierung moeglich

ward, ihre ganze Macht auf den See- und den kleinasiatischen Krieg zu

verwenden. In Kleinasien dagegen erntete Mithradat die Vorteile der

Offensive und der weiten Entfernung der Roemer von dem unmittelbaren

Kriegsschauplatz. Dem Sertorianischen Propraetor, der in der roemischen

Provinz Asia vorangestellt ward, oeffneten eine betraechtliche Anzahl

kleinasiatischer Staedte die Tore und metzelten wie im Jahre 666 (88)

die bei ihnen ansaessigen roemischen Familien nieder; die Pisider,

Isaurer, Kiliker ergriffen gegen Rom die Waffen. Die Roemer hatten an

den bedrohten Punkten augenblicklich keine Truppen. Einzelne tuechtige

Maenner versuchten wohl auf ihre eigene Hand dieser Aufwiegelung

der Provinzialen zu steuern - so verliess auf die Kunde von diesen

Ereignissen der junge Gaius Caesar Rhodos, wo er seiner Studien wegen

sich aufhielt, und warf sich mit einer rasch zusammengerafften Schar

den Insurgenten entgegen; allein viel konnten solche Freikorps

nicht ausrichten. Wenn nicht der tapfere Vierfuerst des um Pessinus

ansaessigen Keltenstammes der Tolistoboger, Deiotarus, die Partei der

Roemer ergriffen und gluecklich gegen die pontischen Feldherrn gefochten

haette, so haette Lucullus damit beginnen muessen, das Binnenland der

roemischen Provinz dem Feind wiederabzunehmen. Auch so aber verlor

er mit der Beruhigung der Landschaft und mit der Zurueckdraengung des

Feindes eine kostbare Zeit, die durch die geringen Erfolge, welche seine

Reiterei dabei erfocht, nichts weniger als verguetet ward. Unguenstiger

noch als in Phrygien gestalteten sich die Dinge fuer die Roemer an der

Nordkueste Kleinasiens. Hier hatte die grosse Armee und die Flotte der

Pontiker sich Bithyniens vollstaendig bemeistert und den roemischen

Konsul Cotta genoetigt, mit seiner wenig zahlreichen Mannschaft und

seinen Schiffen in den Mauern und dem Hafen von Kalchedon Schutz

zu suchen, wo Mithradates sie blockiert hielt. Indes war diese

Einschliessung insofern ein guenstiges Ereignis fuer die Roemer, als,

wenn Cotta die pontische Armee vor Kalchedon festhielt und Lucullus

ebendahin sich wandte, die saemtlichen roemischen Streitkraefte bei

Kalchedon sich vereinigen und schon hier statt in dem ferneren und

unwegsamen pontischen Land, die Waffenentscheidung erzwingen konnten.

Lucullus schlug auch die Strasse nach Kalchedon ein; allein Cotta,

um noch vor dem Eintreffen des Kollegen auf eigene Hand eine Grosstat

auszufuehren, liess seinen Flottenfuehrer Publius Rutilius Nudus einen

Ausfall machen, der nicht bloss mit einer blutigen Niederlage der

Roemer endigte, sondern auch den Pontikern es moeglich machte, den

Hafen anzugreifen, die Kette, die denselben sperrte, zu sprengen und

saemtliche daselbst befindliche roemische Kriegsschiffe, gegen siebzig

an der Zahl, zu verbrennen. Auf die Nachricht von diesen Unfaellen,

die Lucullus am Fluss Sangarios erhielt, beschleunigte derselbe seinen

Marsch, zur grossen Unzufriedenheit seiner Soldaten, welche nach ihrer

Meinung Cotta nichts anging und die weit lieber ein unverteidigtes Land

gepluendert als ihre Kameraden siegen gelehrt haetten. Sein Eintreffen

machte die erlittenen Unfaelle zum Teil wieder gut: der Koenig hob

die Belagerung von Kalchedon auf, ging aber nicht nach Pontos zurueck,

sondern suedwaerts in die altroemische Provinz, wo er an der Propontis

und am Hellespont sich ausbreitete, Lampsakos besetzte und die grosse

und reiche Stadt Kyzikos zu belagern begann. Immer fester verrannte

er sich also in die Sackgasse, die er eingeschlagen hatte, statt, was

allein fuer ihn Erfolg versprach, die weiten Entfernungen gegen die

Roemer ins Spiel zu bringen. In Kyzikos hatte die alte hellenische

Gewandtheit und Tuechtigkeit sich so rein erhalten wie an wenigen

anderen Orten; ihre Buergerschaft, obwohl sie in der ungluecklichen

Doppelschlacht von Kalchedon an Schiffen und Mannschaft starke Einbusse

erlitten hatte, leistete dennoch den entschlossensten Widerstand.

Kyzikos lag auf einer Insel unmittelbar dem Festland gegenueber und

durch eine Bruecke mit demselben verbunden. Die Belagerer bemaechtigten

sich sowohl des Hoehenzuges auf dem Festland, der an der Bruecke endigt,

und der hier gelegenen Vorstadt, als auch auf der Insel selbst der

beruehmten Dindymenischen Hoehen, und auf der Festland- wie auf der

Inselseite boten die griechischen Ingenieure alle ihre Kunst auf, den

Sturm moeglich zu machen. Allein die Bresche, die endlich zu machen

gelang, wurde waehrend der Nacht wieder von den Belagerten geschlossen

und die Anstrengungen der koeniglichen Armee blieben ebenso fruchtlos

wie die barbarische Drohung des Koenigs, die gefangenen Kyzikener vor

den Mauern toeten zu lassen, wenn die Buergerschaft noch laenger die

Uebergabe verweigere. Die Kyzikener setzten die Verteidigung mit Mut

und Glueck fort; es fehlte nicht viel, so haetten sie im Laufe der

Belagerung den Koenig selbst gefangengenommen. Inzwischen hatte

Lucullus sich einer sehr festen Position im Ruecken der pontischen

Armee bemaechtigt, die ihm zwar nicht gestattete, der bedraengten Stadt

unmittelbar zu Hilfe zu kommen, aber wohl dem Feinde alle Zufuhr zu

Lande abzuschneiden. So stand die ungeheure, mit dem Tross auf 300000

Koepfe geschaetzte Mithradatische Armee, weder imstande zu schlagen,

noch zu marschieren, fest eingekeilt zwischen der unbezwinglichen Stadt

und dem unbeweglich stehenden roemischen Heer und fuer allen ihren

Bedarf einzig angewiesen auf die See, die zum Glueck fuer die Pontiker

ihre Flotte ausschliesslich beherrschte. Aber die schlechte Jahreszeit

brach herein; ein Unwetter zerstoerte einen grossen Teil der

Belagerungsbauten; der Mangel an Lebensmitteln und vor allem an

Pferdefutter fing an unertraeglich zu werden. Die Lasttiere und der

Tross wurden unter Bedeckung des groessten Teils der pontischen Reiterei

weggesandt mit dem Auftrag, um jeden Preis sich durchzuschleichen oder

durchzuschlagen; aber am Fluss Rhyndakos oestlich von Kyzikos holte

Lucullus sie ein und hieb den ganzen Haufen zusammen. Eine andere

Reiterabteilung unter Metrophanes und Lucius Fannius musste nach langer

Irrfahrt im westlichen Kleinasien wieder in das Lager vor Kyzikos

zurueckkehren. Hunger und Seuchen raeumten unter den pontischen Scharen

fuerchterlich auf. Als der Fruehling herankam (681 73), verdoppelten die

Belagerten ihre Anstrengungen und nahmen die auf dem Dindymon angelegten

Schanzen; es blieb dem Koenig nichts uebrig, als die Belagerung

aufzuheben und mit Hilfe der Flotte zu retten, was zu retten war. Er

selber ging mit der Flotte nach dem Hellespont, erlitt aber teils bei

der Abfahrt, teils unterwegs durch Stuerme betraechtliche Einbusse.

Eben dahin brach auch das Landheer unter Hermaeos und Marius auf, um

in Lampsakos und von dessen Mauern geschuetzt sich einzuschiffen. Ihr

Gepaeck liessen sie im Stich, sowie die Kranken und Verwundeten, die

von den erbitterten Kyzikenern saemtlich niedergemacht wurden. Unterwegs

fuegte ihnen Lucullus beim Uebergang ueber die Fluesse Aesepos und

Granikos sehr ansehnlichen Verlust zu; doch erreichten sie ihr Ziel: die

pontischen Schiffe entfuehrten die Ueberreste der grossen Armee und

die lampsakenische Buergerschaft selbst aus dem Bereiche der Roemer.

Lucullus' folgerechte und bedaechtige Kriegfuehrung hatte nicht bloss

die Fehler seines Kollegen wieder gutgemacht, sondern auch, ohne eine

Römische Geschichte — Buch 5 · 第 5 / 68 段