Zufuhr aufzureiben. Indes Pompeius erzwang gegen Perpenna den Uebergang

ueber den Ebro und nahm Stellung am Fluss Pallantia bei Saguntum,

unweit des Vorgebirgs der Diana, von wo aus, wie schon gesagt ward, die

Sertorianer ihre Verbindungen mit Italien und dem Osten unterhielten. Es

war Zeit, dass Sertorius selber erschien und die Ueberlegenheit seiner

Truppenzahl und seines Genies gegen die groessere Tuechtigkeit der

Soldaten seines Gegners in die Waagschale warf. Um die Stadt Lauro (am

Xucar suedlich von Valencia), die sich fuer Pompeius erklaert hatte

und deshalb von Sertorius belagert ward, konzentrierte der Kampf

sich laengere Zeit. Pompeius strengte sich aufs aeusserste an, sie

zu entsetzen; allein nachdem vorher ihm mehrere Abteilungen einzeln

ueberfallen und zusammengehauen worden waren, sah sich der grosse

Kriegsmann, ebenda er die Sertorianer umzingelt zu haben meinte und

schon die Belagerten eingeladen hatte, dem Abfangen der Belagerungsarmee

zuzuschauen, ploetzlich vollstaendig ausmanoevriert und musste, um

nicht selber umzingelt zu werden, die Einnahme und Einaescherung der

verbuendeten Stadt und die Abfuehrung der Einwohner nach Lusitanien

von seinem Lager aus ansehen - ein Ereignis, das eine Reihe schwankend

gewordener Staedte im mittleren und oestlichen Spanien wieder an

Sertorius festzuhalten bestimmte. Gluecklicher focht inzwischen

Metellus. In einem heftigen Treffen bei Italica (unweit Sevilla),

das Hirtuleius unvorsichtig gewagt hatte und in dem beide Feldherrn

persoenlich ins Handgemenge kamen, Hirtuleius auch verwundet ward,

schlug er diesen und zwang ihn, das eigentliche roemische Gebiet zu

raeumen und sich nach Lusitanien zu werfen. Dieser Sieg gestattete

Metellus, sich mit Pompeius zu vereinigen. Die Winterquartiere 678/79

(76/75) nahmen beide Feldherren an den Pyrenaeen. Fuer den naechsten

Feldzug 679 (75), beschlossen sie, den Feind in seiner Stellung bei

Valentia gemeinschaftlich anzugreifen. Aber waehrend Metellus heranzog,

bot Pompeius, um die Scharte von Lauro auszuwetzen und die gehofften

Lorbeeren womoeglich allein zu gewinnen, vorher dem feindlichen

Hauptheer die Schlacht an. Mit Freuden ergriff Sertorius die

Gelegenheit, mit Pompeius zu schlagen, bevor Metellus eintraf. Am Flusse

Sucro (Xucar) trafen die Heere aufeinander; nach heftigem Gefecht ward

Pompeius auf dem rechten Fluegel geschlagen und selbst schwer verwundet

vom Schlachtfelde weggetragen. Zwar siegte Afranius mit dem linken und

nahm das Lager der Sertorianer, allein waehrend der Pluenderung von

Sertorius ueberrascht, ward auch er gezwungen zu weichen. Haette

Sertorius am folgenden Tage die Schlacht zu erneuern vermocht, Pompeius'

Heer waere vielleicht vernichtet worden. Allein inzwischen war Metellus

herangekommen, hatte das gegen ihn aufgestellte Korps des Perpenna

niedergerannt und dessen Lager genommen; es war nicht moeglich, die

Schlacht gegen die beiden vereinigten Heere wiederaufzunehmen. Die

Erfolge des Metellus, die Vereinigung der feindlichen Streitkraefte,

das ploetzliche Stocken nach dem Sieg verbreiteten Schrecken unter den

Sertorianern, und wie es bei spanischen Heeren nicht selten vorkam,

verlief infolge dieses Umschwungs der Dinge sich der groesste Teil der

sertorianischen Soldaten. Indes die Entmutigung verflog so rasch wie

sie gekommen war; die weisse Hindin, die die militaerischen Plaene des

Feldherrn bei der Menge vertrat, war bald wieder populaerer als je;

in kurzer Zeit trat in der gleichen Gegend, suedlich von Saguntum

(Murviedro), das fest an Rom hielt, Sertorius mit einer neuen Armee den

Roemern entgegen, waehrend die sertorianischen Kaper den Roemern die

Zufuhr von der Seeseite erschwerten und bereits im roemischen Lager

der Mangel sich bemerklich machte. Es kam abermals zur Schlacht in den

Ebenen des Turiaflusses (Guadalaviar), und lange schwankte der Kampf.

Pompeius mit der Reiterei ward von Sertorius geschlagen und sein

Schwager und Quaestor, der tapfere Lucius Memmius, getoetet; dagegen

ueberwand Metellus den Perpenna und schlug den gegen ihn gerichteten

Angriff der feindlichen Hauptarmee siegreich zurueck, wobei er selbst

im Handgemenge eine Wunde empfing. Abermals zerstreute sich hierauf

das Sertorianische Heer. Valentia, das Gaius Herennius fuer Sertorius

besetzt hielt, ward eingenommen und geschleift. Roemischerseits mochte

man einen Augenblick der Hoffnung sich hingeben mit dem zaehen

Gegner fertig zu sein. Die Sertorianische Armee war verschwunden; die

roemischen Truppen, tief in das Binnenland eingedrungen, belagerten den

Feldherrn selbst in der Festung Clunia am oberen Duero. Allein waehrend

sie vergeblich diese Felsenburg umstanden, sammelten sich anderswo die

Kontingente der insurgierten Gemeinden; Sertorius entschluepfte aus der

Festung und stand noch vor Ablauf des Jahres wieder als Feldherr an

der Spitze einer Armee. Wieder mussten die roemischen Feldherrn mit der

trostlosen Aussicht auf die unausbleibliche Erneuerung der sisypheischen

Kriegsarbeit die Winterquartiere beziehen. Es war nicht einmal moeglich,

sie in dem wegen der Kommunikation mit Italien und dem Osten so

wichtigen, aber von Freund und Feind entsetzlich verheerten Gebiet von

Valentia zu nehmen; Pompeius fuehrte seine Truppen zunaechst in das

Gebiet der Vasconen ^7 (Biscaya) und ueberwinterte dann in dem

der Vaccaeer (um Valladolid), Metellus gar in Gallien.

--------------------------------------------- ^7 In den neu gefundenen

Sallustischen Bruchstuecken, welche dem Ende des Feldzuges von 75

anzugehoeren scheinen, gehoeren hierher die Worte: Romanus [exer]citus

(des Pompeius) frumenti gra[tia r]emotus in Vascones i .. [it]emque

Sertorius mon ...o, cuius multum in[terer]at, ne ei perinde Asiae

[iter et Italiae intercluderetur].

--------------------------------------------- Fuenf Jahre waehrte also

der Sertorianische Krieg und noch war weder hueben noch drueben ein Ende

abzusehen. Unbeschreiblich litt unter demselben der Staat. Eine

Bluete der italischen Jugend ging in den aufreibenden Strapazen dieser

Feldzuege zugrunde. Die oeffentlichen Kassen entbehrten nicht bloss

die spanischen Einnahmen, sondern hatten auch fuer die Besoldung und

Verpflegung der spanischen Heere jaehrlich sehr ansehnliche Summen

nach Spanien zu senden, die man kaum aufzubringen wusste. Dass Spanien

veroedete und verarmte und die so schoen daselbst sich entfaltende

roemische Zivilisation einen schweren Stoss erhielt, versteht sich

von selbst, zumal bei einem so erbittert gefuehrten und nur zu oft die

Vernichtung ganzer Gemeinden veranlassenden Insurrektionskrieg. Selbst

die Staedte, die zu der in Rom herrschenden Partei hielten, hatten

unsaegliche Not zu erdulden; die an der Kueste gelegenen mussten durch

die roemische Flotte mit dem Notwendigen versehen werden, und die Lage

der treuen binnenlaendischen Gemeinden war beinahe verzweifelt.

Fast nicht weniger litt die gallische Landschaft, teils durch die

Requisitionen an Zuzug zu Fuss und zu Pferde, an Getreide und Geld,

teils durch die drueckende Last der Winterquartiere, die infolge

der Missernte 680 (74) sich ins unertraegliche steigerte; fast alle

Gemeindekassen waren genoetigt, zu den roemischen Bankiers ihre

Zuflucht zu nehmen und eine erdrueckende Schuldenlast sich aufzubuerden.

Feldherren und Soldaten fuehrten den Krieg mit Widerwillen. Die

Feldherren waren getroffen auf einen an Talent weit ueberlegenen Gegner,

auf einen langweilig zaehen Widerstand, auf einen Krieg sehr ernsthafter

Gefahren und schwer erfochtener, wenig glaenzender Erfolge; es ward

behauptet, dass Pompeius damit umgehe, sich aus Spanien abberufen und

irgend anderswo ein erwuenschteres Kommando sich uebertragen zu lassen.

Die Soldaten waren gleichfalls wenig erbaut von einem Feldzug, in dem es

nicht allein weiter nichts zu holen gab als harte Schlaege und wertlose

Beute, sondern auch ihr Sold ihnen hoechst unregelmaessig gezahlt ward;

Pompeius berichtete Ende 679 (75) an den Senat, dass seit zwei Jahren

der Sold im Rueckstand sei und das Heer sich aufzuloesen drohe. Einen

ansehnlichen Teil dieser Uebelstaende haette die roemische Regierung

allerdings zu beseitigen vermocht, wenn sie es ueber sich haette

gewinnen koennen, den Spanischen Krieg mit minderer Schlaffheit, um

nicht zu sagen mit besserem Willen zu fuehren. In der Hauptsache aber

war es weder ihre Schuld noch die Schuld der Feldherren, dass ein so

ueberlegenes Genie, wie Sertorius war, auf einem fuer den Insurrektions-

und Korsarenkrieg so ueberaus guenstigen Boden aller numerischen und

militaerischen Ueberlegenheit zum Trotz den kleinen Krieg Jahre und

Jahre fortzufuehren vermochte. Ein Ende war hier so wenig abzusehen,

dass vielmehr die Sertorianische Insurrektion sich mit andern

gleichzeitigen Aufstaenden verschlingen und dadurch ihre Gefaehrlichkeit

steigern zu wollen schien. Ebendamals ward auf allen Meeren mit den

Flibustierflotten, ward in Italien mit den aufstaendischen Sklaven, in

Makedonien mit den Voelkerschaften an der unteren Donau gefochten,

und entschloss sich im Osten Koenig Mithradates, mitbestimmt durch die

Erfolge der spanischen Insurrektion, das Glueck der Waffen noch einmal

zu versuchen. Dass Sertorius mit den italischen und makedonischen

Feinden Roms Verbindungen angeknuepft hat, laesst sich nicht bestimmt

erweisen, obwohl er allerdings mit den Marianern in Italien in

bestaendigem Verkehr stand; mit den Piraten dagegen hatte er schon

frueher offenes Buendnis gemacht, und mit dem pontischen Koenig, mit

welchem er laengst durch Vermittlung der an dessen Hof verweilenden

roemischen Emigranten Einverstaendnisse unterhalten hatte, schloss er

jetzt einen foermlichen Allianztraktat, in dem Sertorius dem Koenig die

kleinasiatischen Klientelstaaten, nicht aber die roemische Provinz

Asia abtrat, ueberdies ihm einen zum Fuehrer seiner Truppen geeigneten

Offizier und eine Anzahl Soldaten zu senden versprach, der Koenig

dagegen ihm 40 Schiffe und 3000 Talente (4« Mill. Taler) zu ueberweisen

sich anheischig machte. Schon erinnerten die klugen Politiker in der

Hauptstadt an die Zeit, als Italien sich durch Philippos und durch

Hannibal von Osten und von Westen aus bedroht sah; der neue Hannibal,

meinte man, koenne, nachdem er, wie sein Vorfahr, Spanien durch sich

selbst bezwungen, eben wie dieser mit den Steilkraeften Spaniens in

Italien gar leicht frueher als Pompeius eintreffen, um, wie einst der

Phoeniker, die Etrusker und Samniten gegen Rom unter die Waffen

zu rufen. Indes dieser Vergleich war doch mehr witzig als richtig.

Sertorius war bei weitem nicht stark genug, um das Riesenunternehmen

Hannibals zu erneuern; er war verloren, wenn er Spanien verliess, an

dessen Landes- und Volkseigentuemlichkeit all seine Erfolge hingen,

und auch hier mehr und mehr genoetigt, der Offensive zu entsagen.

Sein bewundernswertes Fuehrergeschick konnte die Beschaffenheit seiner

Truppen nicht aendern; der spanische Landsturm blieb, was er war,

unzuverlaessig wie die Welle und der Wind, bald in Massen bis zu

150000 Koepfen versammelt, bald wieder auf eine Handvoll Leute

zusammengeschmolzen; in gleicher Weise blieben die roemischen Emigranten

unbotmaessig, hoffaertig und eigensinnig. Die Waffengattungen, die

laengeres Zusammenhalten der Korps erfordern, wie namentlich die

Reiterei, waren natuerlich in seinem Heer sehr ungenuegend vertreten.

Seine faehigsten Offiziere und den Kern seiner Veteranen rieb der Krieg

allmaehlich auf, und auch die zuverlaessigsten Gemeinden fingen an,

der Plackerei durch die Roemer und der Misshandlung durch die

Sertorianischen Offiziere muede zu werden und Zeichen der Ungeduld und

der schwankenden Treue zu geben. Es ist bemerkenswert, dass Sertorius,

auch darin Hannibal gleich, niemals ueber die Hoffnungslosigkeit seiner

Stellung sich getaeuscht hat; er liess keine Gegenheil voruebergehen,

um einen Vergleich herbeizufuehren und waere jeden Augenblick bereit

gewesen, gegen die Zusicherung, in seiner Heimat friedlich leben zu

duerfen, seinen Kommandostab niederzulegen. Allein die politische

Orthodoxie weiss nichts von Vergleich und Versoehnung. Sertorius durfte

nicht rueckwaerts noch seitwaerts; unvermeidlich musste er weiter auf

der einmal betretenen Bahn, wie sie auch schmaler und schwindelnder

ward. Pompeius' Vorstellungen in Rom, denen Mithradates' Auftreten im

Osten Nachdruck gab, hatten Erfolg. Er erhielt vom Senat die noetigen

Gelder zugesandt und Verstaerkung durch zwei frische Legionen. So gingen

die beiden Feldherren im Fruehjahr 680 (74) wieder an die Arbeit und

ueberschritten aufs neue den Ebro. Das oestliche Spanien war infolge

der Schlachten am Xucar und Guadalaviar den Sertorianern entrissen;

der Kampf konzentrierte sich fortan am oberen und mittleren Ebro um

die Hauptwaffenplaetze der Sertorianer Calagurris, Osca, Ilerda. Wie

Metellus in den frueheren Feldzuegen das Beste getan hatte, so gewann er

auch diesmal die wichtigsten Erfolge. Sein alter Gegner Hirtuleius, der

ihm wieder entgegentrat, ward vollstaendig geschlagen und fiel selbst

mit seinem Bruder - ein unersetzlicher Verlust fuer die Sertorianer.

Sertorius, den die Ungluecksbotschaft erreichte, als er selbst im

Begriff war, die ihm gegenueberstehenden Feinde anzugreifen, stiess den

Boten nieder, damit die Nachricht die Seinigen nicht entmutigte; aber

lange war die Kunde nicht zu verbergen. Eine Stadt nach der andern ergab

sich. Metellus besetzte die keltiberischen Staedte Segobriga (zwischen

Toledo und Cuenca) und Bilbilis (bei Calatayud). Pompeius belagerte

Pallantia (Palencia oberhalb Valladolid), das aber Sertorius entsetzte

und den Pompeius noetigte, sich auf Metellus zurueckzuziehen; vor

Calagurris (Calahorra am oberen Ebro), wohin Sertorius sich geworfen,

erlitten sie beide empfindliche Verluste. Dennoch konnten sie, als sie

in die Winterquartiere gingen, Pompeius nach Gallien, Metellus in seine

eigene Provinz, auf betraechtliche Erfolge zuruecksehen; ein grosser

Teil der Insurgenten hatte sich gefuegt oder war mit den Waffen

bezwungen worden. In aehnlicher Weise verlief der Feldzug des folgenden

Jahres (681 78); in diesem war es vor allem Pompeius, der langsam, aber

stetig das Gebiet der Insurrektion einschraenkte. Der Rueckschlag des

Niedergangs ihrer Waffen auf die Stimmung im Insurgentenlager blieb

nicht aus. Wie Hannibals wurden auch Sertorius' kriegerische Erfolge

notwendig immer geringer; man fing an, sein militaerisches Talent in

Zweifel zu ziehen; er sei nicht mehr der alte, hiess es, er verbringe

der Tag beim Schmaus oder beim Becher und verschleudere die Gelder wie

die Stunden. Die Zahl der Ausreisser, der abfallenden Gemeinden mehrte

sich. Bald kamen Plaene der roemischen Emigranten gegen das Leben des

Feldherrn bei diesem zur Anzeige; sie klangen glaublich genug, zumal

da so manche Offiziere der Insurgentenarmee, namentlich Perpenna, nur

widerwillig sich unter den Oberbefehl des Sertorius gefuegt hatten und

seit langem von den roemischen Statthaltern dem Moerder des feindlichen

Oberfeldherrn Amnestie und ein hohes Blutgeld ausgelobt war. Sertorius

entzog auf jene Inzichten hin die Hut seiner Person den roemischen

Soldaten und gab sie erlesenen Spaniern. Gegen die Verdaechtigen

selbst schritt er mit furchtbarer, aber notwendiger Strenge ein

und verurteilte, ohne wie sonst Ratmaenner zuzuziehen, verschiedene

Angeschuldigte zum Tode; den Freunden, hiess es darauf in den Kreisen

der Missvergnuegten, sei er jetzt gefaehrlicher als den Feinden. Bald

ward eine zweite Verschwoerung entdeckt, die ihren Sitz in seinem

eigenen Stabe hatte; wer zur Anzeige gebracht ward, musste fluechtig

werden oder sterben, aber nicht alle wurden verraten und die uebrigen

Verschworenen, unter ihnen vor allem Perpenna, fanden hierin nur einen

Antrieb, sich zu eilen. Man befand sich im Hauptquartier zu Osca. Hier

ward auf Perpennas Veranstaltung dem Feldherrn ein glaenzender Sieg

berichtet, den seine Truppen erfochten haetten; und bei der zur Feier

dieses Sieges von Perpenna veranstalteten festlichen Mahlzeit erschien

denn auch Sertorius, begleitet, wie er pflegte, von seinem spanischen

Gefolge. Gegen den sonstigen Brauch im Sertorianischen Hauptquartier

ward das Fest bald zum Bacchanal; wueste Reden flogen ueber den Tisch,

und es schien, als wenn einige der Gaeste Gelegenheit suchten, einen

Wortwechsel zu beginnen; Sertorius warf sich auf seinem Lager zurueck

und schien den Laerm ueberhoeren zu wollen. Da klirrte eine Trinkschale

auf den Boden: Perpenna gab das verabredete Zeichen. Marcus Antonius,

Sertorius' Nachbar bei Tische, fuehrte den ersten Streich gegen ihn,

und da der Getroffene sich umwandte und sich aufzurichten versuchte,

stuerzte der Moerder sich ueber ihn und hielt ihn nieder, bis die

uebrigen Tischgaeste, saemtlich Teilnehmer der Verschwoerung, sich auf

die Ringenden warfen und den wehrlosen, an beiden Armen festgehaltenen

Feldherrn erstachen (682 72). Mit ihm starben seine treuen Begleiter. So

endigte einer der groessten, wo nicht der groesste Mann, den Rom bisher

hervorgebracht, ein Mann, der unter gluecklicheren Umstaenden vielleicht

der Regenerator seines Vaterlandes geworden sein wuerde, durch den

Verrat der elenden Emigrantenbande, die er gegen die Heimat zu fuehren

verdammt war. Die Geschichte liebt die Coriolane nicht; auch mit diesem

hochherzigsten, genialsten, bedauernswertesten unter allen hat sie keine

Ausnahme gemacht. Die Erbschaft des Gemordeten dachten die Moerder zu

tun. Nach Sertorius' Tode machte Perpenna als der hoechste unter

den roemischen Offizieren der spanischen Armee Ansprueche auf den

Oberbefehl. Man fuegte sich, aber misstrauend und widerstrebend. Wie man

auch gegen Sertorius bei seinen Lebzeiten gemurrt hatte, der Tod setzte

den Helden wieder in sein Recht ein, und gewaltig brauste der Unwille

der Soldaten auf, als bei der Publikation seines Testaments unter

den Namen der Erben auch der des Perpenna verlesen ward. Ein Teil

der Soldaten, namentlich die lusitanischen, verliefen sich; die

zurueckgebliebenen beschlich die Ahnung, dass mit Sertorius' Tode der

Geist und das Glueck von ihnen gewichen sei. Bei der ersten Begegnung

mit Pompeius wurden denn auch die elend gefuehrten und mutlosen

Insurgentenhaufen vollstaendig zersprengt und unter anderen Offizieren

auch Perpenna gefangen eingebracht. Durch die Auslieferung der

Korrespondenz des Sertorius, die zahlreiche angesehene Maenner in

Italien kompromittiert haben wuerde, suchte der Elende sich das Leben zu

erkaufen; indes Pompeius befahl, die Papiere ungelesen zu verbrennen

und ueberantwortete ihn sowie die uebrigen Insurgentenchefs dem

Scharfrichter. Die entkommenen Emigranten verliefen sich und gingen

groesstenteils in die mauretanischen Wuesten oder zu den Piraten.

Einem Teil derselben eroeffnete bald darauf das Plotische Gesetz, das

namentlich der junge Caesar eifrig unterstuetzte, die Rueckkehr in

die Heimat; diejenigen aber, die von ihnen an dem Morde des Sertorius

teilgenommen hatten, starben, mit Ausnahme eines einzigen, saemtlich

eines gewaltsamen Todes. Osca und ueberhaupt die meisten Staedte, die

im Diesseitigen Spanien noch zu Sertorius gehalten hatten, oeffneten

dem Pompeius jetzt freiwillig ihre Tore; nur Uxama (Osma), Clunia und

Calagurris mussten mit den Waffen bezwungen werden. Die beiden

Provinzen wurden neu geordnet; in der jenseitigen erhoehte Metellus den

schuldigsten Gemeinden die Jahrestribute; in der diesseitigen schaltete

Pompeius belohnend und bestrafend, wie zum Beispiel Calagurris seine

Selbstaendigkeit verlor und unter Osca gelegt ward. Einen Haufen

Sertorianischer Soldaten, der in den Pyrenaeen sich zusammengefunden

hatte, bewog Pompeius zur Unterwerfung und siedelte ihn nordwaerts der

Pyrenaeen bei Lugudunum (St. Bertrand im Departement Haute- Garonne) als

die Gemeinde der "Zusammengelaufenen" (convenae) an. Auf der Passhoehe

der Pyrenaeen wurden die roemischen Siegeszeichen errichtet; am Ende des

Jahres 683 (71) zogen Metellus und Pompeius mit ihren Heeren durch die

Strassen der Hauptstadt, um den Dank der Nation fuer die Besiegung der

Spanier dem Vater Jovis auf dem Kapitol darzubringen. Noch ueber das

Grab hinaus schien Sullas Glueck mit seiner Schoepfung zu sein und

dieselbe besser zu schirmen als die zu ihrer Hut bestellten unfaehigen

und schlaffen Waechter. Die italische Opposition hatte durch die

Unfaehigkeit und Vorschnelligkeit ihres Fuehrers, die Emigration durch

inneren Zwist sich selber gesprengt. Diese Niederlagen, obwohl weit

mehr das Werk ihrer eigenen Verkehrtheit und Zerfahrenheit als der

Anstrengungen ihrer Gegner, waren doch ebensoviele Siege der Oligarchie.

Noch einmal waren die kurulischen Stuehle befestigt. 2. Kapitel Die

Sullanische Restaurationsherrschaft Als nach Unterdrueckung der den

Senat in seiner Existenz bedrohenden Cinnanischen Revolution es der

restaurierten Senatsregierung moeglich ward, der inneren und aeusseren

Sicherheit des Reiches wiederum die erforderliche Aufmerksamkeit zu

widmen, zeigten sich der Angelegenheiten genug, deren Loesung nicht

verschoben werden konnte, ohne die wichtigsten Interessen zu verletzen

und gegenwaertige Unbequemlichkeiten zu kuenftigen Gefahren anwachsen

zu lassen. Abgesehen von der sehr ernsten Verwicklung in Spanien war

es schlechterdings notwendig teils die Barbaren in Thrakien und

den Donaulaendern, die Sulla bei seinem Marsch durch Makedonien nur

oberflaechlich hatte zuechtigen koennen, nachhaltig zu Paaren zu treiben

und die verwirrten Verhaeltnisse an der Nordgrenze der griechischen

Halbinsel militaerisch zu regulieren, teils den ueberall, namentlich

aber in den oestlichen Gewaessern herrschenden Flibustierbanden

gruendlich das Handwerk zu legen, teils endlich in die unklaren

kleinasiatischen Verhaeltnisse eine bessere Ordnung zu bringen. Der

Friede, den Sulla im Jahre 670 (84) mit Koenig Mithradates von Pontos

abgeschlossen hatte und von dem der Vertrag mit Murena 673 (81)

wesentlich eine Wiederholung war, trug durchaus den Stempel eines

notduerftig fuer den Augenblick hergestellten Provisoriums; und das

Verhaeltnis der Roemer zu Koenig Tigranes von Armenien, mit dem sie doch

faktisch Krieg gefuehrt hatten, war in diesem Frieden ganz unberuehrt

geblieben. Mit Recht hatte Tigranes darin die stillschweigende Erlaubnis

gefunden, die roemischen Besitzungen in Asien in seine Gewalt zu

bringen. Wenn dieselben nicht preisgegeben bleiben sollten, war es

notwendig in Guete oder Gewalt mit dem neuen Grosskoenig Asiens sich

abzufinden. Betrachten wir, nachdem in dem vorhergehenden Kapitel die

mit dem demokratischen Treiben zusammenhaengende Bewegung in Italien

und Spanien und deren Ueberwaeltigung durch die senatorische Regierung

dargestellt wurde, in diesem das aeussere Regiment, wie die von Sulla

eingesetzte Behoerde es gefuehrt oder auch nicht gefuehrt hat. Man

erkennt noch Sullas kraeftige Hand in den energischen Massregeln, die

in der letzten Zeit seiner Regentschaft der Senat ungefaehr gleichzeitig

gegen die Sertorianer, gegen die Dalmater und Thraker und gegen

die kilikischen Piraten verfuegte. Die Expedition nach der

griechisch-illyrischen Halbinsel hatte den Zweck, teils die barbarischen

Staemme botmaessig oder doch zahm zu machen, die das ganze Binnenland

vom Schwarzen bis zum Adriatischen Meere durchstreiften und unter denen

vornehmlich die Besser (im grossen Balkan), wie man damals sagte, selbst

Römische Geschichte — Buch 5 · 第 3 / 68 段