Kommunikationen ihm abschnitt und von allen Seiten ihn bestaendig
umschwaermte. Diese ungemeinen Erfolge, die Sertorius in beiden
spanischen Provinzen erfocht, waren im so bedeutsamer, als sie nicht
bloss durch die Waffen errungen wurden und nicht bloss militaerischer
Natur waren. Die Emigrierten als solche waren nicht furchtbar; auch an
einzelnen Erfolgen der Lusitaner unter diesem oder jenem fremden Fuehrer
war wenig gelegen. Aber mit dem sichersten politischen und patriotischen
Takt trat Sertorius, sowie er irgend es vermochte, statt als Condottiere
der gegen Rom empoerten Lusitaner auf als roemischer Feldherr und
Statthalter von Spanien, in welcher Eigenschaft er ja von den ehemaligen
Machthabern dorthin gesandt worden war. Er fing an ^3, aus den Haeuptern
der Emigration einen Senat zu bilden, der bis auf dreihundert Mitglieder
steigen und in roemischen Formen die Geschaefte leiten und die Beamten
ernennen sollte. Er betrachtete sein Heer als ein roemisches und
besetzte die Offiziersstellen ohne Ausnahme mit Roemern. Den Spaniern
gegenueber war er der Statthalter, der kraft seines Amtes Mannschaft
und sonstige Unterstuetzung von ihnen einmahnte; aber freilich ein
Statthalter, der statt des gewohnten despotischen Regiments bemueht
war, die Provinzialen an Rom und an sich persoenlich zu fesseln. Sein
ritterliches Wesen machte ihm das Eingehen auf die spanische Weise
leicht und erweckte bei dem spanischen Adel fuer den wahlverwandten
wunderbaren Fremdling die gluehendste Begeisterung; nach der auch hier
wie bei den Kelten und den Deutschen bestehenden kriegerischen Sitte der
Gefolgschaft schworen Tausende der edelsten Spanier, zu ihrem roemischen
Feldherrn treu bis zum Tode zu stehen, und Sertorius fand in ihnen
zuverlaessigere Waffengefaehrten als in seinen Landsleuten und
Parteigenossen. Er verschmaehte es nicht, auch den Aberglauben der
roheren spanischen Voelkerschaften fuer sich nutzbar zu machen und seine
kriegerischen Plaene als Befehle der Diana durch die weisse Hindin der
Goettin sich zutragen zu lassen. Durchaus fuehrte er ein gerechtes und
gelindes Regiment. Seine Truppen mussten, wenigstens so weit sein Auge
und sein Arm reichten, die strengste Mannszucht halten; so mild er im
allgemeinen im Strafen war, so unerbittlich erwies er sich bei jedem von
seinen Leuten auf befreundetem Gebiet veruebten Frevel. Aber auch auf
dauernde Erleichterung der Lage der Provinzialen war er bedacht; er
setzte die Tribute herab und wies die Soldaten an, sich fuer den Winter
Baracken zu erbauen, wodurch die drueckende Last der Einquartierung
wegfiel und damit eine Quelle unsaeglicher Uebelstaende und Quaelereien
verstopft ward. Fuer die Kinder der vornehmen Spanier ward in Osca
(Huesca) eine Akademie errichtet, in der sie den in Rom gewoehnlichen
hoeheren Jugendunterricht empfingen, roemisch und griechisch reden und
die Toga tragen lernten - eine merkwuerdige Massregel, die keineswegs
bloss den Zweck hatte, von den Verbuendeten die in Spanien nun einmal
unvermeidlichen Geiseln in moeglichst schonender Form zu nehmen, sondern
vor allem ein Ausfluss und eine Steigerung war des grossen Gedankens des
Gaius Gracchus und der demokratischen Partei, die Provinzen allmaehlich
zu romanisieren. Hier zuerst wurde der Anfang dazu gemacht, die
Romanisierung nicht durch Ausrottung der alten Bewohner und Ersetzung
derselben durch italische Emigranten zu bewerkstelligen, sondern die
Provinzialen selbst zu romanisieren. Die Optimaten in Rom spotteten
ueber den elenden Emigranten, den Ausreisser aus der italischen Armee,
den letzten von der Raeuberbande des Carbo; der duerftige Hohn fiel auf
sie selber zurueck. Man rechnete die Massen, die gegen Sertorius ins
Feld gefuehrt worden waren, mit Einschluss des spanischen Landsturms
auf 120000 Mann zu Fuss, 2000 Bogenschuetzen und Schleuderer und 6000
Reiter. Gegen diese ungeheure Uebermacht hatte Sertorius nicht bloss
sich in einer Kette von gluecklichen Gefechten und Siegen behauptet,
sondern auch den groessten Teil Spaniens in seine Gewalt gebracht.
In der jenseitigen Provinz sah sich Metellus beschraenkt auf die
unmittelbar von seinen Truppen besetzten Gebietsteile; hier hatten alle
Voelkerschaften, die es konnten, Partei fuer Sertorius ergriffen. In der
diesseitigen gab es nach den Siegen des Hirtuleius kein roemisches
Heer mehr. Sertorianische Emissaere durchstreiften das ganze gallische
Gebiet; schon fingen auch hier die Staemme an, sich zu regen, und
zusammengerottete Haufen, die Alpenpaesse unsicher zu machen. Die See
endlich gehoerte ebensosehr den Insurgenten wie der legitimen Regierung,
da die Verbuendetem jener, die Korsaren, in den spanischen Gewaessern
fast so maechtig waren wie die roemischen Kriegsschiffe. Auf dem
Vorgebirge der Diana (jetzt Denia zwischen Valencia und Alicante)
richtet Sertorius jenen eine feste Station ein, wo sie teils den
roemischen Schiffen auflauerten, die den roemischen Seestaedten und dem
Heer ihren Bedarf zufuehrten, teils den Insurgenten die Waren abnahmen
oder lieferten, teils deren Verkehr mit Italien und Kleinasien
vermittelten. Dass diese allzeit fertigen Vermittler von der lohenden
Brandstaette ueberall hin die Funken trugen, war in hohem Grade
besorgniserregend, zumal in einer Zeit, wo ueberall im Roemischen
Reiche so viel Brennstoff aufgehaeuft war.
---------------------------------------------------- ^3 Wenigstens die
Grundzuege dieser Organisation muessen in die Jahre 674 (80), 675 (79),
676 (78) fallen, wenngleich die Ausfuehrung ohne Zweifel zum guten
Teil erst den spaeteren Jahren angehoert.
---------------------------------------------------- In diese
Verhaeltnisse hinein traf Sullas ploetzlicher Tod (676 78). Solange
der Mann lebte, auf dessen Stimme ein geuebtes und zuverlaessiges
Veteranenheer jeden Augenblick sich zu erheben bereit war, mochte die
Oligarchie den fast, wie es schien, entschiedenen Verlust der spanischen
Provinzen an die Emigranten sowie die Wahl des Fuehrers der Opposition
daheim zum hoechsten Beamten des Reiches allenfalls als voruebergehende
Missgeschicke ertragen und, freilich in ihrer kurzsichtigen Art, aber
doch nicht ganz mit Unrecht, darauf sich verlassen, dass entweder die
Opposition es nicht wagen werde, zum offenen Kampfe zu schreiten, oder
dass, wenn sie es wage, der zweimalige Erretter der Oligarchie dieselbe
zum dritten Male herstellen werde. Jetzt war der Stand der Dinge ein
anderer geworden. Die demokratischen Heisssporne in der Hauptstadt,
laengst ungeduldig ueber das endlose Zoegern und angefeuert durch die
glaenzenden Botschaften aus Spanien, draengten zum Losschlagen, und
Lepidus, bei dem augenblicklich die Entscheidung stand, ging mit
dem ganzen Eifer des Renegaten und mit der ihm persoenlich eigenen
Leichtfertigkeit darauf ein. Einen Augenblick schien es, als solle an
der Fackel, die den Scheiterhaufen des Regenten anzuendete, auch der
Buergerkrieg sich entflammen; indes Pompeius' Einfluss und die
Stimmung der Sullanischen Veteranen bestimmten die Opposition, das
Leichenbegaengnis des Regenten noch ruhig voruebergehen zu lassen.
Allein nur um so offener traf man sodann die Einleitung zur abermaligen
Revolution. Bereits hallte der Markt der Hauptstadt wider von Anklagen
gegen den "karikierten Romulus" und seine Schergen. Noch bevor der
Gewaltige die Augen geschlossen hatte, wurden von Lepidus und
seinen Anhaengern der Umsturz der Sullanischen Verfassung, die
Wiederherstellung der Getreideverteilungen, die Wiedereinsetzung der
Volkstribune in den vorigen Stand, die Zurueckfuehrung der gesetzwidrig
Verbannten, die Rueckgabe der konfiszierten Laendereien offen als
das Ziel der Agitation bezeichnet. Jetzt wurden mit den Geaechteten
Verbindungen angeknuepft; Marcus Perpenna, in der cinnanischen Zeit
Statthalter von Sizilien, fand sich ein in der Hauptstadt. Die Soehne
der Sullanischen Hochverraeter, auf denen die Restaurationsgesetze
mit unertraeglichem Drucke lasteten, und ueberhaupt die namhafteren
marianisch gesinnten Maenner wurden zum Beitritt aufgefordert; nicht
wenige, wie der junge Lucius Cinna, schlossen sich an; andere freilich
folgten dem Beispiele Gaius Caesars, der zwar auf die Nachricht von
Sullas Tode und Lepidus' Plaenen aus Asien heimgekehrt war, aber nachdem
er den Charakter des Fuehrers und der Bewegung genauer kennengelernt
hatte, vorsichtig sich zurueckzog. In der Hauptstadt ward auf Lepidus'
Rechnung in den Weinhaeusern und den Bordellen gezecht und geworben.
Unter den etruskischen Missvergnuegten endlich ward eine
Verschwoerung gegen die neue Ordnung der Dinge angezettelt ^4.
---------------------------------------------------------- ^4 Die
folgende Erzaehlung beruht wesentlich auf dem Bericht des Licinianus,
der, so truemmerhaft er auch gerade hier ist, dennoch ueber
die Insurrektion des Lepidus wichtige Aufschluesse gibt.
--------------------------------------------------------- Alles dies
geschah unter den Augen der Regierung. Der Konsul Catulus sowie
die verstaendigeren Optimaten drangen darauf, sofort entschieden
einzuschreiten und den Aufstand im Keime zu ersticken; allein die
schlaffe Majoritaet konnte sich nicht entschliessen, den Kampf zu
beginnen, sondern versuchte so lange wie moeglich, durch ein System von
Transaktionen und Konzessionen sich selber zu taeuschen. Lepidus
ging zunaechst auf dasselbe auch seinerseits ein. Das Ansinnen, die
Zurueckgabe der den Volkstribunen entzogenen Befugnisse zu beantragen,
wies er nicht minder ab wie sein Kollege Catulus. Dagegen wurde die
Gracchische Kornverteilung in beschraenktem Umfang wiederhergestellt.
Es scheinen danach nicht wie nach dem Sempronischen Gesetz alle, sondern
nur eine bestimmte Anzahl - vermutlich 40000 - aermere Buerger die
frueheren Spenden, wie sie Gracchus bestimmt hatte, fuenf Scheffel
monatlich fuer den Preis von 6 1/3 Assen (2_ Groschen) empfangen zu
haben - eine Bestimmung, aus der dem Aerar ein jaehrlicher Nettoverlust
von mindestens 300000 Talern erwuchs ^5. Die Opposition, durch diese
halbe Nachgiebigkeit natuerlich ebensowenig befriedigt wie entschieden
ermutigt, trat in der Hauptstadt nur um so schroffer und
gewaltsamer auf; und in Etrurien, dem rechten Herd aller italischen
Proletarierinsurrektionen, brach bereits der Buergerkrieg aus: die
expropriierten Faesulaner setzten sich mit gewaffneter Hand wieder in
den Besitz ihrer verlorenen Gueter und mehrere der von Sulla daselbst
angesiedelten Veteranen kamen bei dem Auflauf um. Der Senat beschloss
auf diese Nachricht, die beiden Konsuln dorthin zu senden, um Truppen
aufzubieten und den Aufstand zu unterdruecken ^6. Es war nicht moeglich,
kopfloser zu verfahren. Der Senat konstatierte der Insurrektion
gegenueber seine Schwachmuetigkeit und seine Besorgnisse durch die
Wiederherstellung des Getreidegesetzes: er gab, um vor dem Strassenlaerm
Ruhe zu haben, dem notorischen Haupte der Insurrektion ein Heer; und
wenn die beiden Konsuln durch den feierlichsten Eid, den man zu ersinnen
vermochte, verpflichtet wurden, die ihnen anvertrauten Waffen
nicht gegeneinander zu kehren, so gehoerte wahrlich die daemonische
Verstocktheit oligarchischer Gewissen dazu, um ein solches Bollwerk
gegen die drohende Insurrektion aufrichten zu moegen. Natuerlich
ruestete Lepidus in Etrurien nicht fuer den Senat, sondern fuer die
Insurrektion, hoehnisch erklaerend, dass der geleistete Eid nur fuer
das laufende Jahr ihn binde. Der Senat setzte die Orakelmaschine in
Bewegung, um ihn zur Rueckkehr zu bestimmen, und uebertrug ihm die
Leitung der bevorstehenden Konsulwahlen: allein Lepidus wich aus,
und waehrend die Boten deswegen kamen und gingen und ueber
Vergleichsvorschlaegen das Amtsjahr zu Ende lief, schwoll seine
Mannschaft zu einem Heer an. Als endlich im Anfang des folgenden
Jahres (677 77) an Lepidus der bestimmte Befehl des Senats erging, nun
ungesaeumt zurueckzukehren, weigerte der Prokonsul trotzig den Gehorsam
und forderte seinerseits die Erneuerung der ehemaligen tribunizischen
Gewalt und die Wiedereinsetzung der gewalttaetig Vertriebenen in ihr
Buergerrecht und ihr Eigentum, ueberdies fuer sich die Wiederwahl zum
Konsul fuer das laufende Jahr, das heisst die Tyrannis in gesetzlicher
Form. Damit war der Krieg erklaert. Die Senatspartei konnte, ausser auf
die Sullanischen Veteranen, deren buergerliche Existenz durch Lepidus
bedroht ward, zaehlen auf das von dem Prokonsul Catulus unter die
Waffen gerufene Heer; und auf die dringenden Mahnungen der Einsichtigen,
namentlich des Philippus, wurde demgemaess die Verteidigung der
Hauptstadt und die Abwehr der in Etrurien stehenden Hauptmacht der
Demokratenpartei dem Catulus vom Senat uebertragen, auch gleichzeitig
Gnaeus Pompeius mit einem anderen Haufen ausgesandt, um seinem
ehemaligen Schuetzling das Potal zu entreissen, das dessen
Unterbefehlshaber Marcus Brutus besetzt hielt. Waehrend Pompeius rasch
seinen Auftrag vollzog und den feindlichen Feldherrn eng in Mutina
einschloss, erschien Lepidus vor der Hauptstadt, um, wie einst Marius,
sie mit stuermender Hand fuer die Revolution zu erobern. Das rechte
Tiberufer geriet ganz in seine Gewalt und er konnte sogar den Fluss
ueberschreiten; auf dem Marsfelde, hart unter den Mauern der Stadt,
wurde die entscheidende Schlacht geschlagen. Allein Catulus siegte;
Lepidus musste zurueckweichen nach Etrurien, waehrend eine andere
Abteilung unter Lepidus' Sohn Scipio sich in die Festung Alba warf.
Damit war der Aufstand im wesentlichen zu Ende. Mutina ergab sich an
Pompeius; Brutus wurde trotz des ihm zugestandenen sicheren Geleits
nachtraeglich auf Befehl des Pompeius getoetet. Ebenso ward Alba nach
langer Belagerung durch Hunger bezwungen und der Fuehrer gleichfalls
hingerichtet. Lepidus, durch Catulus und Pompeius von zwei Seiten
gedraengt, lieferte am etrurischen Gestade noch ein Treffen, um nur den
Rueckzug sich zu ermoeglichen, und schiffte dann in dem Hafen Cosa
nach Sardinien sich ein, von wo aus er der Hauptstadt die Zufuhr
abzuschneiden und die Verbindung mit den spanischen Insurgenten
zu gewinnen hoffte. Allein der Statthalter der Insel leistete ihm
kraeftigen Widerstand, und er selbst starb nicht lange nach seiner
Landung an der Schwindsucht (677 77), womit in Sardinien der Krieg
zu Ende war. Ein Teil seiner Soldaten verlief sich; mit dem Kern der
Insurrektionsarmee und mit wohlgefuellten Kassen begab sich der gewesene
Praetor Marcus Perpenna nach Ligurien und von da nach Spanien zu der
Sertorianern. ----------------------------------------------- ^5 Unter
dem Jahre 676 (78) berichtet Licinianus (p. 23 Pertz, p. 42 Bonn):
(Lepidus) [Ie]gem frumentari[am] nullo resistente l[argi]tus est ut
annon[ae] quinque modi popu[lo da]rentur. Danach hat also das Gesetz der
Konsuln des Jahres 681 (73) Marcus Terentius Lucullus und Gaius Cassius
Varus, welches Cicero (Verr. 3, 70, 136; 5, 21, 52) erwaehnt und auf das
auch Sallust (hist. 3, 61, 19 Dietsch) sich bezieht, die fuenf Scheffel
nicht erst wiederhergestellt, sondern nur durch Regulierung der
sizilischen Getreideankaeufe die Kornspenden gesichert und vielleicht im
einzelnen manches geaendert. Dass das Sempronische Gesetz jedem in Rom
domizilierenden Buerger gestattete, an den Getreidespenden teilzunehmen,
steht fest. Allein die spaetere Getreideverteilung hat diesen Umfang
nicht gehabt; denn da das Monatkorn der roemischen Buergerschaft wenig
mehr als 33000 Medimnen = 198000 roem. Scheffel betrug (Cic. Verr. 3,
30, 72), so empfingen damals nur etwa 40000 Buerger Getreide, waehrend
doch die Zahl der in der Hauptstadt domizilierenden Buerger sicher weit
betraechtlicher war. Diese Einrichtung ruehrt wahrscheinlich aus
dem Octavischen Gesetze her, das im Gegensatze zu der uebertriebenen
Sempronischen eine "maessige, fuer den Staat ertraegliche und fuer das
gemeine Volk notwendige Spendung" (Cic. off. 2, 21, 72; Brut. 62,
222) einfuehrte; und allem Anschein nach ist ebendies Gesetz die von
Licinianus erwaehnte lex frumentaria. Dass Lepidus sich auf einen
solchen Ausgleichsvorschlag einliess, stimmt zu seinem Verhalten
in Betreff der Restitution des Tribunats. Ebenso passt es zu den
Verhaeltnissen, dass die Demokratie durch die hiermit herbeigefuehrte
Regulierung der Kornverteilung sich keineswegs befriedigt fand (Sallust
a. a. O.). Die Verlustsumme ist danach berechnet, dass das Getreide
mindestens den doppelten Wert hatte; wenn die Piraterie oder andere
Ursachen die Kornpreise in die Hoehe trieben, musste sich ein noch
weit betraechtlicherer Schaden herausstellen. ^6 Aus den Truemmern des
Licinianischen Berichts (p. 44 Bonn) geht auch dies hervor, dass der
Beschluss des Senats: "uti Lepidus et Catulus decretis exercitibus
maturrume proficiscerentur" (Sall. hist. 1, 14 Dietsch) - nicht
von einer Entsendung der Konsuln vor Ablauf des Konsulats in ihre
prokonsularischen Provinzen zu verstehen ist, wozu es auch an jedem
Grunde gefehlt haben wuerde, sondern von der Sendung nach Etrurien gegen
die aufstaendischen Faesulaner, ganz aehnlich wie im Catilinarischen
Kriege der Konsul Gaius Antonius ebendorthin geschickt ward. Wenn
Philippus bei Sallust (hist. 1, 84, 4) sagt dass Lepidus ob seditionem
provinciam cum exercitu adeptus est so ist dies damit vollstaendig im
Einklang; denn das ausserordentliche konsularische Kommando in Etrurien
ist ebensowohl eine provincia wie das ordentliche prokonsularische
im Narbonensischen Gallien.
------------------------------------------------ Ueber Lepidus
also hafte die Oligarchie gesiegt; dagegen sah sie sich durch die
gefaehrliche Wendung des Sertorianischen Krieges zu Zugestaendnissen
genoetigt, die den Buchstaben wie den Geist der Sullanischen Verfassung
verletzten. Es war schlechterdings notwendig, ein starkes Heer und
einen faehigen Feldherrn nach Spanien zu senden; und Pompeius gab sehr
deutlich zu verstehen, dass er diesen Auftrag wuensche oder vielmehr
fordere. Die Zumutung war stark. Es war schon uebel genug, dass man
diesen geheimen Gegner in dem Drange der Lepidianischen Revolution
wieder zu einem ausserordentlichen Kommando hatte gelangen lassen;
aber noch viel bedenklicher war es, mit Beseitigung aller von Sulla
aufgestellten Regeln der Beamtenhierarchie einem Manne, der noch kein
buergerliches Amt bekleidet hatte, eine der wichtigsten ordentlichen
Provinzialstatthalterschaften in einer Art zu uebertragen, wobei
an Einhaltung der gesetzlichen Jahresfrist nicht zu denken war. Die
Oligarchie hatte somit, auch abgesehen von der ihrem Feldherrn
Metellus schuldigen Ruecksicht, wohl Ursache, diesem neuen Versuch des
ehrgeizigen Juenglings, seine Sonderstellung zu verewigen, allen Ernstes
sich zu widersetzen; allein leicht war dies nicht. Zunaechst fehlte es
ihr durchaus an einem fuer den schwierigen spanischen Feldherrnposten
geeigneten Mann. Keiner der Konsuln des Jahres bezeigte Lust, sich mit
Sertorius zu messen, und man musste es hinnehmen, was Lucius Philippus
in voller Ratsversammlung sagte, dass unter den saemtlichen namhaften
Senatoren nicht einer faehig und willig sei, in einem ernsthaften
Kriege zu kommandieren. Vielleicht haette man dennoch hierueber sich
hinweggesetzt und nach Oligarchenart, da man keinen faehigen Kandidaten
hatte, die Stelle mit irgendeinem Lueckenbuesser ausgefuellt, wenn
Pompeius den Befehl bloss gewuenscht und nicht ihn an der Spitze einer
Armee gefordert haette. Catulus' Weisungen, das Heer zu entlassen, hatte
er bereits ueberhoert; es war mindestens zweifelhaft, ob die des Senats
eine bessere Aufnahme finden wuerden, und die Folgen eines Bruchs
konnte niemand berechnen - gar leicht konnte die Schale der Aristokratie
emporschnellen, wenn in die entgegengesetzte das Schwert eines bekannten
Generals fiel. So entschloss sich die Majoritaet zur Nachgiebigkeit.
Nicht vom Volke, das hier, wo es um die Bekleidung eines Privatmannes
mit der hoechsten Amtsgewalt sich handelte, verfassungsmaessig haette
befragt werden muessen, sondern vom Senate empfing Pompeius die
prokonsularische Gewalt und den Oberbefehl im diesseitigen Spanien und
ging vierzig Tage nach dessen Empfang, im Sommer 677 (77), ueber die
Alpen. Zunaechst fand der neue Feldherr im Keltenland zu tun, wo zwar
eine foermliche Insurrektion nicht ausgebrochen, aber doch an mehreren
Orten die Ruhe ernstlich gestoert worden war; infolgedessen Pompeius
den Kantons der Volker- Arekomiker und der Helvier ihre Selbstaendigkeit
entzog und sie unter Massalia legte. Auch ward von ihm durch Anlegung
einer neuen Alpenstrasse ueber den Kottischen Berg (Mont Genevre; 2,
105) eine kuerzere Verbindung zwischen dem Potal und dem Keltenlande
hergestellt. ueber dieser Arbeit verfloss die gute Jahreszeit: erst
spaet im Herbst ueberschritt Pompeius die Pyrenaeen. Sertorius hatte
inzwischen nicht gefeiert. Er hatte Hirtuleius in die jenseitige Provinz
entsandt, um Metellus in Schach zu halten, und war selbst bemueht,
seinen vollstaendigen Sieg in der diesseitigen zu verfolgen und sich auf
Pompeius' Empfang vorzubereiten. Die einzelnen keltiberischen Staedte,
die hier noch zu Rom hielten, wurden angegriffen und eine nach der
andern bezwungen; zuletzt, schon mitten im Winter, war das feste
Contrebia (suedoestlich von Saragossa) gefallen. Vergeblich hatten die
bedraengten Staedte Boten ueber Boten an Pompeius gesandt: er liess sich
durch keine Bitten aus seinem gewohnten Geleise langsamen Vorschreitens
bringen. Mit Ausnahme der Seestaedte, die durch die roemische Flotte
verteidigt wurden, und der Distrikte der Indigeten und Laletaner
im nordoestlichen Winkel Spaniens, wo Pompeius, als er endlich die
Pyrenaeen ueberschritten, sich festsetzte und seine ungeuebten Truppen,
um sie an die Strapazen zu gewoehnen, den Winter hindurch biwakieren
liess, war am Ende des Jahres 677 (77) das ganze diesseitige Spanien
durch Vertrag oder Gewalt von Sertorius abhaengig geworden, und die
Landschaft am oberen und mittleren Ebro blieb seitdem die festeste
Stuetze seiner Macht. Selbst die Besorgnis, die das frische roemische
Heer und der gefeierte Name des Feldherrn in der Insurgentenarmee
hervorrief, hatte fuer dieselbe heilsame Folgen. Marcus Perpenna, der
bis dahin als Sertorius im Range gleich auf ein selbstaendiges Kommando
ueber die von ihm aus Ligurien mitgebrachte Mannschaft Anspruch gemacht
hatte, wurde auf die Nachricht von Pompeius' Eintreffen in Spanien von
seinen Soldaten genoetigt, sich unter die Befehle seines faehigeren
Kollegen zu stellen. Fuer den Feldzug des Jahres 678 (76) verwandte
Sertorius gegen Metellus wieder das Korps das Hirtuleius, waehrend
Perpenna mit einem starken Heer am unteren Laufe des Ebro sich
aufstellte, um Pompeius den Uebergang ueber diesen Fluss zu wehren, wenn
er, wie zu erwarten war, in der Absicht, Metellus die Hand zu reichen,
in suedlicher Richtung und, der Verpflegung seiner Truppen wegen, an
der Kueste entlang marschieren wuerde. Zu Perpennas Unterstuetzung war
zunaechst das Korps des Gaius Herennius bestimmt; weiter landeinwaerts,
am oberen Ebro, holte Sertorius selbst die Unterwerfung einzelner,
roemisch gesinnter Distrikte nach und hielt zugleich sich dort bereit,
nach den Umstaenden Perpenna oder Hirtuleius zu Hilfe zu eilen.
Auch diesmal war seine Absicht darauf gerichtet, jeder Hauptschlacht
auszuweichen und den Feind durch kleine Kaempfe und Abschneiden der