Sie lächelte. „~Jô kommt. Vun éch hölt hién éschter eppes un.~“

Als wir hinausgingen, verabschiedete er sich „~Dajè, eddé

Kanner~.“ Er drückte ~Berta~ und mir die Hand, nickte mit

dem Kopfe und blinzelte mit dem rechten Auge, wie er immer tat, wenn

er guter Laune war. „~Eddé, ech loßen éch jong Leit nach e beschen

elèng. Dir hutt jo och neischt dergént.~“ Er schmunzelte. „~An

ech hun wirklech och nach eppes Geschäften.~“

Wir gingen über den Wilhelmsplatz, sahen uns die vielen schönen

Geschäfte an, fanden manches, das wir uns später für unsern Haushalt

anschaffen würden und plauderten von der Zukunft.

~Berta~ hatte noch einige Einkäufe zu besorgen. Die erledigten

wir zusammen. Und ich kaufte ihr noch ein Dutzend Blutorangen für

die Mutter und ein Päckchen Gebäck für ihre Schwester und die kleine

Nichte. Für ~Berta~ suchte ich eine schöne ~Bonbonnière~ aus

mit einem Vergißmeinnicht auf dem Deckel. Darunter stand in großen

goldenen Buchstaben: „~Elle te dira que je ne t’oublie pas!~“

~Berta~ lächelte und dankte mit einem treuen, lieben Blick.

So vergingen die paar kurzen Stunden. Als der Zug hinauseilte ins

Syrtal, hatte sich der Entschluß in zwei Herzen festgesetzt: wir werden

uns finden, wir müssen uns finden.

Sanft entschlief der Tag. Und mit silbernem Monde und goldenen Sternen

kam die Nacht.

Nie in meinem Leben werde ich diesen schönen Tag vergessen....

„~Da wärd de Mononk d’Sâch an d’Rei kréen.~“ Die Augen meiner

Mutter glänzten. Zufriedenheit lag auf ihrem welken Gesichte.

Ich erzählte weiter. Meine Worte brachten Freude in unser Haus. Und

auch meine Mutter gewann ihre Zuversicht wieder.

„~Los mer eis awer net zevill an de Kapp setzen~,“ meinte mein

Vater. „~Ech trauen dem Aalen nömmen hallef.~“

Ich war nicht so kleingläubig.

Nein, der Berelsvater muß einwilligen, muß, muß.... Wie sollte der

gegen sein ganzes Haus ankämpfen.... Gegen seine Frau und seine

Kinder.... Nein, er muß einwilligen. Das wird ihm der Oheim schon

beibringen....

Ich blieb voller Hoffnung; und ungeduldig wartete ich auf die Nachricht

vom Oheim.

„~Hén wärd woûl den nächste Sondég mat der Norîcht kommen~,“

meinte die Mutter.

Dann kam etwas ganz Unerwartetes.

Vom Berelsvater erhielt ich Donnerstags folgenden Brief:

Herr ~Welsch~!

Ich tue Ihnen zu wissen, daß Sie sich nicht mehr um meine Tochter

~Berta~ zu bemühen brauchen, und wenn ich vorher etwas von

der Zusammenkunft in Luxemburg gewußt hätte, so wäre meine Tochter

nicht hingekommen. Das können Sie mir glauben, und Sie können

sich anderswo eine moderne Frau suchen, da mit meinem Willen

niemals etwas aus der Sache wird. Ich hoffe nun hiermit mit Ihnen

abgerechnet zu haben.

~Jean Baptist Berels.~

Eiskalt kroch es mir über den Rücken. Eine Weile starrte ich auf den

Unglücksbrief.

„~Jesses, Jesses! Wât aß dîr?~“

Die Mutter stand auf der Haustür und blickte mich besorgt an.

„~Wât aß dîr?~“

Ich suchte mich zu beherrschen.

„~Neîscht, Mamm! Neîscht!~“ Ich atmete schwer.

„~Neischt! Kommt.~“ Wir gingen hinein ins Haus.

Langsam entfaltete ich den Brief und las mit zitternder Stimme.

Die Mutter sank auf einen Stuhl und stützte den Kopf schwer in die Hand.

„~D’aß gefélt, Piér! D’aß neischt mé ze wöllen~,“ sagte sie

traurig, niedergeschlagen.

Es folgte eine lange Pause.

Die alte Wanduhr tickte trostlos, gleichgültig. Und müde fuhr der

Nordwind durch die kahlen Bäume des Hausgartens.

Der Vater blickte starr vor sich hin, ging schweren Schrittes durch die

Stube, trat ans Fenster, trommelte an den Scheiben.

„~Den âle Berelspapp schengt mir e groûßt Rendvéh ze sin~... ~E

richtegt âlt Pèrd~...“ Aerger und Verachtung klangen aus seinen

Worten.

„~D’wèrd woûl ên eppes gént eis geschriewen hun~,“ meinte die

Mutter und sah mich unglücklich an.

Ich verspürte eine große Leere im Herzen. Und ich sah alles

zusammenfallen, was ich in den letzten Wochen mit so viel Liebe

aufgebaut hatte.

Das Mittagessen schmeckte schlecht. Aufgeregt löffelte ich die Suppe

hinunter. Unachtsam und müde zerschnitt ich das Fleisch.

Mein Vater sank wieder in den Lehnstuhl hinter dem Ofen, stützte die

Stirne in die flache Hand, sog an der Pfeife und sprach kein Wort.

Eine tote Ruhe lag über unserm Hause und machte mich elend und

verlassen.

Den ganzen Nachmittag arbeitete ich in der Scheune mit den Knechten.

Wir reinigten Getreide. Und ich ging erst zurück ins Haus, als die

Mutter zum Essen rief.

Traurige Wintertage. Dicker Nebel liegt über dem Merschertal.

Schmutziges Schneewasser sickert durch die Straße, dringt in das Leder

der Schuhe und trägt den Husten in die Häuser.

Solche Tage sind drückend, abspannend, zehrend.

Ich fühlte mich vereinsamt, verlassen, verstoßen.

Erst jetzt spürte ich, wie sehr ich an ~Berta~ hing, wie sehr ich

sie liebte.

Seit diesem Luxemburger Markttag war ihr Bild nicht mehr aus meinem

Herzen gewichen.

Ich konnte es kaum fassen, daß ich sie nun verloren hätte.... Für immer

verloren....

Alle Hoffnung hatte dieser Brief vernichtet, grausam vernichtet.

Langsam krochen die Tage dahin. Draußen im Hofe, in den Ställen oder in

der Scheune war es noch erträglich. Aber im leeren Hause packte mich

immer das Grauen.

Ich fühlte den Kummer der Mutter. Ich merkte den verbissenen Groll des

Vaters.

Den ganzen Tag kamen dieselben traurigen Gedanken. Und abends fühlte

ich mich noch verlassener.

Dann suchte ich mir Arbeit, eine geräuschvolle Beschäftigung, womit ich

die beklemmende Einsamkeit verscheuchen konnte.

Ich brachte einzelne Teile des Windmotors in die Stube, studierte deren

Arbeitsweise, nahm die Stücke auseinander, setzte sie wieder zusammen,

hämmerte, schraubte, ölte. Und ich ließ die Reguliervorrichtung der

Windscheibe funktionieren.

Am Samstag Abend hielt ich es im Hause nicht mehr aus. Da ging ich

hinunter ins Wirtshaus. Dort saßen die Amerikaner und sangen traurige

Abschiedslieder.

Mir war die Heimat zum Ekel geworden. Sie erdrückte mich. Und ich

beneidete meine Kameraden, die bald in fernem Lande eine neue Heimat

finden sollten.

Ich blieb lange bei den Amerikanern.

Spät kam ich nach Hause.

Es folgte eine schlaflose Nacht. In wildem Traum sah ich unsere Familie

altern, aussterben -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

-- -- -- -- Müde, gebrochen stand ich auf. Dumpf hämmerte der Kopf. Und

müde kam ich zum Morgentisch.

Die Mutter sah mich besorgt an.

„~Haut wèrd woûl dei Mononk kommen, da gin mer eppes mé gewoûr~,“ sagte

sie tröstlich. Sie brachte mir eine Tasse Fleischbrühe mit einem Ei.

„~Do, drénk dât, da get et der besser.~“

Ein trauriger Sonntagmorgen.

Dumpf läuteten die Glocken. Wie Totenglocken. In gedrückter Stimmung

ging ich zur Kirche. Die Gesänge klagten wie im Leichendienste. Ich

setzte mich in einen der letzten Stühle und stützte den Kopf schwer

in die Hand. Und immer wieder kamen trübe Gedanken, die mich noch

unglücklicher machten.

Was ist das Leben? Nichts. Nichts als Kummer und Trauer und Verfallen.

Was habe ich davon, daß ich fleißig war? Was haben meine Eltern davon,

daß sie sich abgerackert haben? Was nützt es mir nun, daß ich ein

strebsamer, neuzeitlicher Bauer geworden bin? Nichts. Gar nichts. Weil

ich bei tüchtigen Landwirten gelernt habe, weil ich unsern Betrieb

modern eingerichtet habe, weil ich nicht bin, wie andere rückständige

Landwirte, darum, gerade darum soll ich das Mädchen nicht bekommen.

Gerade darum. Das ärgerte mich.

Ich wurde unzufrieden mit meinem Leben, unzufrieden mit den Menschen,

unzufrieden mit meinem Berufe -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

-- -- -- -- --

Als ich das Haus erreicht hatte, war der Oheim schon angekommen. Er

brachte keinen Trost. Alles was er sagte, machte mich noch elender.

Langsam, mit gedämpfter Stimme erzählte er. Als ob wir einen

Schwerkranken im Hause hätten, so war das Gespräch.

Noch nie habe ich mich so unglücklich gefühlt wie bei diesem Berichte

des Oheims.

Unruhig ging mein Vater auf und ab. Ungeduldig rückte er an den Stühlen.

„~Aß dén âle Kérel wirklech esoû e Rendvéh?~“ rief er aufgeregt,

mit heftiger Stimme.

Der Oheim nickte.

„~Jämp, dann aß dén neischt fir an eis Familgen. Dann aß et och gutt,

dat d’Sâch an d’Brech gêt.~“

Er richtete sich in seiner ganzen Länge auf. „~Wann den âle Berels

esoû en Ochs aß, da soll hé sei Médchen behâlen.~“

Dabei fuchtelte er mit der Hand, als mache er über dem Berelshause

einen Totensarg zu.

Langsam erstarb der Tag.

Immer wieder kam das Gespräch auf die verfehlte Heiratsgeschichte und

auf meine Zukunft.

„~Et wär dach gutt, wann sech bâl eppes Passendes fir eise Jämp fanne

gév~,“ meinte die Mutter beim Abschiede des Oheims.

Ein klarer Morgen war auf eine stürmische Nacht gefolgt. Die Sonne

stand am blauen Himmel über dem Grünewalde. Kleine Wolken trieben nach

Westen dem großen Meere zu.

Nachlässig schritt ich durch den Hof, gleichgültig besorgte ich die

Pferdefütterung.

„Amerika, du Edelmann,

Euro-opa, du Bettelmann....“

Verschwommen klangen die Töne herauf aus dem Dorfe. Drunten sangen die

Amerikaner. Sie machten heute den großen Abschiedsgang von Haus zu Haus.

Ich stieß die obere Türe des Pferdestalles auf und blickte hinunter

zum Kirchplatz. Dort kamen sie. Viele Leute standen vor den Häusern,

drückten ihnen die Hand und trugen schwer an der Trennung. Ein solcher

Auswandertag ist ein großer Sterbetag für das ganze Dorf.

„Euro-opa, du Bettelmann....“

Leiernd klagte die Harmonika die alte Weise.

Am liebsten würde ich mit ihnen ziehen in die weite Ferne, über das

große Meer.

~Schmitts Mischi, Theis Jäng an Kirchens Piér~, die haben es jetzt

gut. Die können die alte Heimat abschütteln und sich eine neue gründen

auf neuer Erde.

„In Amerika, da ist gut sein,

Da findet ein jeder sein Schätzelein!“

So ist es auch. Da würde ich auch bald mein Glück finden. Und ich

könnte all den Kummer abschütteln, vergessen.

Was ist die Heimat? Heimat ist doch nicht Hof, nicht Feld. Nein, Heimat

ist Glück, Heimat ist Frieden.

In meinem Dorfe habe ich meine Heimat verloren. Ein Fremder bin ich auf

heimatlicher Scholle....

„In Amerika, da ist gut sein,

Da trinken wir Bier und Champagnerwein....“

Kräftiger klang das Lied herauf.

Ich summte leise mit, schloß die Türe des Stalles und ging hinüber

durch den Hof auf die Straße....

Lauter wurde das Singen, das Lachen. Es war eine traurige Freude. Wie

Blumen auf den Allerseelengräbern....

„~Bonjour, jongen Här!~“

Hinter mir stand ein großer, älterer Mann in Ledergamaschen, mit einem

Händlerstock.

„~Bonjour!~“ Er nickte freundlich.

„~Ech hun héeren, der hät esoû e schéne Foûl~!“

„~Jô, mä dén aß net fêl.~“

„~Dât aß schoûd. Kann ech en awer vleicht gesinn?~“

„~Jô, kommt.~“

Ich schritt voran. Der Fremde musterte das schöne Tier, ging hinüber zu

den Arbeitspferden, lobte die praktische Anordnung der Fohlenställe,

der Deckenanlage, der Ventilation....

Ich vergaß meine griesgrämige Laune und führte den Händler in den

Kuhstall und in die Jungviehställe.

Mein Vater hatte uns vom Stubenfenster aus beobachtet; er kam herüber

und schloß sich uns an.

„In Amerika, da ist gut sein,

Da schießen wir Has’n und wilde Schwein.“

Lauter klangen die Töne im Hofe.

Wir traten an die Stalltüre. Drüben kamen die Kameraden. Sie sangen,

johlten wirr durcheinander, drückten meinem Vater die Hand, sprachen

von Glück und Gesundheit und Wiedersehen.

Und die Harmonika leierte das alte Wanderlied.

Ich nahm Abschied vom Fremden und schloß mich den Amerikanern an.

Seit gestern waren die Amerikaner fort. Eine Messe hatte der Pfarrer

noch für sie gelesen. Viele Leute hatten diesem Gottesdienst beigewohnt.

Und doch stand den Kameraden eine schlechte Fahrt bevor. Das Barometer

zeigte Sturm. Von Luxemburg her brauste ein wilder Wind durchs

Merschertal, schüttelte an den kahlen Bäumen und riß die Schiefer von

den Dächern.

So haben auch die Kameraden noch Kämpfe zu bestehen, ehe sie die neue

Heimat finden....

Auch ich muß noch kämpfen. Auch ich muß noch leiden. Aber ich will

siegen.

Schwermütige Einsamkeit in dem Dorfe. Das feuchte, nasse Wetter hatte

die Influenza in viele Häuser getragen. Die Kinder hockten beim Ofen

und husteten. Die alten Leute wärmten sich den fröstelnden Rücken und

die schlotterigen Kniee und suchten die böse Krankheit mit Kamillentee

und der ~Quetschendröpp~ zu heilen....

Auch ich war krank.

Kamillentee und Zimmerwärme brachten mir keine Heilung.

Die stille Winterruhe drückte schwer auf meine leidende Seele.

Könnte ich nur einmal mit ~Berta~ sprechen! Könnte ich nur wissen,

wie es dem guten Mädchen geht! Ob sie auch so viel leidet?

Könnte ich nur das wissen, nur das! Es wäre mir schon Trost.

Ich suchte Arbeit, anstrengende Arbeit. Wenn nichts mehr in der Scheune

oder den Ställen zu tun war, ging ich mit den Knechten in den Wald.

Dort fällten wir Bäume, schichteten Korden.

So war es mir recht. Nur keine Mußestunden. Durch Arbeit den Schmerz

betäuben, das war das beste -- -- -- -- -- -- --

Langsam starb eine Woche dahin.

Noch einige Tage, dann kam der Februarmarkt in Luxemburg. Vielleicht

könnte ich ~Berta~ dort wiedersehen....

Ich fuhr hin.

Unruhig ging ich vor dem Bahnhof auf und ab. Aus der großen Halle kamen

immer wieder Leute.

Aber ~Berta~ war nicht zu finden. Traurig schritt ich über die

neue Brücke zur Stadt. Und meine Gedanken verloren sich in weiter

Ferne, wanderten, flogen über das große Meer zu den Kameraden. Die

waren nun seit einigen Tagen in dem reichen Lande.... Wo schon so viele

das Glück gefunden....

„~Bonjour, Här Welsch!~“

Ein Fremder reichte mir die Hand. Es war ein bekanntes Gesicht. Im

ersten Augenblick wußte ich nicht recht, wo ich es schon gesehen hatte.

„~A, dir set den Här, dén eis firun drei Wochen de Foûl wollt

ofkafen.~“

„~Maija. Scheckt hién sech gut?~“

„~Ausgezéchend.~“

Neben dem Manne ging ein großes, blondes Mädchen. Ich schaute hinüber

und grüßte. Zwei tiefblaue Augen erwiderten meinen Blick. Das tat mir

wohl. Es lag etwas Ruhiges, Stilles darin.

Traurige Menschen brauchen Sonnenschein. Ihr Blick war Sonne und Wärme.

„~D’aß méng Duôchter~,“ bemerkte der Fremde.

„~An dât aß den Här, dên dé schéin Ställ an dé schéin Véhwêden

huôt.~“

Ich drückte ihr die Hand. „~Esoû schéin aß et net bei eis, mä d’aß

praktesch~,“ fügte ich hinzu, um seine Worte etwas abzuschwächen.

„~Wât praktesch aß, aß och ömmer schéin~,“ sagte das Mädchen mit

freundlicher, heller Stimme.

„~Mèngt der, Joffer!~“ Ich lächelte und wollte mich verabschieden.

Ob ich noch einen Augenblick Zeit hätte, bat der Fremde. Er möchte mich

noch einiges fragen.

„~Wann ech éch en Déngst lêschte kann, dann huôlen ech mer Zeit.~“

„~Dât aß schién vun éch.~“

Er erkundigte sich über die Anlage unserer Viehweide, über die

Grasmischung, die Wasserversorgung, die Kosten....

Das blonde Mädchen interessierte sich sehr für alles, was ich sagte.

„~Ketty, dât häst du misse gesinn~,“ unterbrach er meine

Erklärungen.

Also ~Ketty~ hieß sie. Und sie war etwas hellblonder als ~Mäsch

Sisi~.

Wir sprachen weiter über die Viehweiden.

Ich zeichnete die Einteilung der Weideflächen und die Anlage der

Wasserzufuhr mit dem Stocke in den Schnee. Ganz gespannt folgte die

~Joffer Ketty~ meinen Worten.

„~A wât der Deiwel mâcht der do?~“ Hinter uns stand der Oheim.

Er trat heran. „~Da sed dir och op de Mârt kommt, Här

Hallesch?~.... ~An hei aß secher èr Joffer~?“

Herr ~Hallesch~ nickte: „~Meija~“.

„~Ei, wé groûß an dichteg! Wann der esoû daks an Stâd kémt, Joffer,

wé ère Papp, dann hätt ech éch well mé lâng kannt.~“

Ein bescheidenes Lächeln huschte über ihr rosiges Gesicht.

„~Ère Papp an ech, mir kennen eis schon lâng. Mir gesinn eis daks

op der Bourse. Mir hun schon oft e klenge Fruchthandel mat enên

gemâcht~.... ~Den Här Hallesch~,“ dabei wandte er sich an

mich, „~dén hoût éng gutt Millen un der Syr. An och nach en dichtegt

Bauerewésen derbei. Jämp~,“ er klopfte mir auf die Schulter, „~bei

dém kannst du nach eppes léeren~.“

Der Halleschmüller winkte ab..... „~Mä~..... ~dé jongen

Här~....“

„~D’aß mei Növi~,“ fiel der Oheim ins Gespräch.

„.... ~Mä ére Növi hoût séng Sâch séer fein âgerîcht. Ech sin elo bei

him an der Schoûl.~“

„~Nên, Här Hallesch. Ech biéden éch!~“....

Wieder blickte das Mädchen mich treuherzig an.

Der Oheim begann zu trippeln. „~Hei gin et kâl Féß. Loß e mer bis bei

de Brosius go’en.~“

Herr ~Hallesch~ ging mit meinem Oheim voraus.

~Ketty~ war etwas befangen. Sie hustete verlegen, begann gleich

ein ernstes Gespräch, und erkundigte sich nach unserer Jungviehweide.

Mit welchem Alter wir die Tiere hinausließen? Was wir neben der Weide

fütterten? Das alles fragte sie mit dem Interesse der sorgsamen

Hausmutter.

Die beiden Alten blieben bisweilen einen Augenblick stehen, streckten

die Köpfe zusammen und schienen wichtige Sachen zu besprechen.

Im ~Hôtel Brosius~ bestellte der Oheim drei ~Mißerchen~ Wein

und für die ~Joffer Ketty~ ein Gläschen ~Porto~.

Die Stimmung war gemütlich. Der Halleschmüller fragte noch nach der

Windmotoreinrichtung, fand die Anlage sehr zweckmäßig und lobte mein

neuzeitliches Bestreben.

Als wir uns trennten, schüttelte er mir treuherzig die Hand. „~Dajé,

eddé, mir gesinn eis vleicht nach derno!~“

„~Eddé, Här Welsch!~“ Mehr sagte die ~Joffer Ketty~ nicht. In

ihren blauen Augen stand Güte und Milde.

Wir gingen die Philippstraße hinauf.

„~A wé aß et dann mat der Freierei?~“ leitete der Oheim

unvermittelt das Gespräch ein.

Er blickte mich prüfend an.

„~Wé soll et da sin? Ech hun d’Berta net gesinn. D’aß net hei.~“

„~Soû!~“

Der Oheim beobachtete mich eine Weile von der Seite.

„~Muß et da grad d’Berta sin? D’get jo nach vill Médercher.~“

Berels Berta: Eine Bauerngeschichte aus dem Luxemburgischen · 第 11 / 25 题