Eine Weile herrschte Stille.
„~A wât séd èr Mamm dann?~“
Da schaute sie mich glücklich an. Ihre tiefschwarzen Augen leuchteten.
„~Menger Mamm gefâlt dir ganz gut~....“
~Berta~ ging ganz nahe neben mir. Unsere Hände faßten sich.
„~An ech hun éch ganz gér esoû. An ech wöll kên aneren, kên
aneren~.... ~Do kann mei Papp so’en, wât e wöllt~....“
Das sagte sie ganz langsam. Jedem Wort gab sie eine bedächtige
Betonung. Wie ein Schwur klang ihr Bekenntnis.
Ich zog das liebe gute Mädchen in meine Arme.
„~Berta, ech loßen dech och nie, nie!~“...
Sie lehnte zärtlich den Kopf an meine Schulter. Ihre leuchtenden Augen
schauten sehnsüchtig in die meinen.
„~Ech dech och nie~,“ lispelte sie leise.
Ich hielt sie fest umschlungen. „~Berta, vun haut un so’e mir ömmer
„Du“ zu enâner. Wölls du?~“....
„~Ganz gêr, Jämp.~“ Sie drückte meinen Arm fest an ihre Seite.
Ein Sonnenstrahl huschte durch die kahlen Bäume und streute Gold in den
winterlichen Park.
Wir vergaßen für einen Augenblick unsere Sorgen und schritten glücklich
über den stillen Weg.
Drüben auf der Straße spielte der Orgelmann die alte Weise von der
jungen Liebe:
„Jeder Druck der Hände deutlich mirs beschrieb,
Und der sagt, s’ist wahr, s’ist klar: ich hab dich lieb!“....
„~Aß et esoû, Berta?~“
„~Jô, Jämp!~“
Ihre Augen strahlten. Ihre Wangen glühten. Und ich zog sie an mich und
küßte sie heiß, leidenschaftlich....
Langsam schritten wir am Amaliendenkmal vorbei, hinüber in die
Neutorstraße.
Bauernjungen kamen vom Jahrmarkt, kräftige, kerngesunde Gestalten. Sie
stießen sich in die Hüfte und sahen sehnsüchtig nach meinem schönen
Mädchen.
Studenten gingen vorüber. Dünne, schmächtige Kerls.
„~Hei, kuck sie zwé!~“ So hörte ich den einen zu seinem Kameraden
sagen. „~D’aß e flott Médchen!~“
Die Studenten blieben stehen, drehten sich um, blickten uns nach und
zogen den Mund spitz zusammen.
„~Jô, esoû hu mîr der wéneg an der Stâd.~“ Das sagte einer laut,
daß Berta es hören mußte. Ein tiefes Rot huschte über ihre Wangen.
Eine freche Bande, diese Studenten. Aber Recht hatten sie.... Wie die
~Berta~, gibt es nicht viele in der Stadt.
~Berta~ wollte schon mit dem Mittagszuge nach Hause fahren. So
würde der Vater nichts von der Zusammenkunft merken.
Das gefiel mir nicht. Nein, sie durfte so früh nicht fort dieses erste
Mal. Das konnte nicht sein an diesem schönen heiligen Tage.
Sie blickte mich groß, angstvoll in die Augen. „~Da get mei Papp
granzég~,“ meinte sie schüchtern.
„~Da loß dé granzen. Hé wöllt jo dach net onst Gleck. Dât musse mir
ons selver sichen.~“
Endlich willigte sie ein.
Wir gingen hinunter in die Stadt, durch die Großstraße, über den
Wilhelmsplatz, zum „Goldenen Anker.“
Das Haus war voll lärmender Menschen. Wir setzten uns gleich an den
Tisch. Wir aßen, ohne viel zu plaudern. Bisweilen suchten sich unsere
Blicke.
„~Hei bleiwe mer net lâng~,“ meinte ~Berta, „d’sen ze vill Leit
hei. D’Könnt e Könnigen eis gesinn, an dohém mengem Papp eppes so’en.
An da wär d’Feier am Stréi.~“
Ich nickte.
„~Jô, Berta, Du huôs Recht. Mä, mir mussen nach e bösche wârden, mei
Mononk sollt mech nach hei fannen.~“
„~Dei Mononk?~“
„~Jô, Berta!~“
Da sah sie mich voll Vertrauen an.
„~Da bleiwe mer.~“ Sie war gleich einverstanden.
Der Oheim kam bald, ließ sich einen Kirsch geben und bestellte
eine Flasche Bordeaux. Es wurde recht gemütlich in unserer kleinen
Gesellschaft. Der Oheim hatte das richtige Zeug zum ~Hellechsman~.
Und er hatte auch bald gemerkt, wie der Wind wehte.
„~Joffer Berta, ech kommen nach an deser Woch bei ère Papp, da kucken
ech, dat d’Sâch an d’Rei gêt.~“