Ich wurde ärgerlich. „~Mononk, esoû hun ech awer net gebroßelt.~“

Der Oheim reckte sich vor mir in seiner ganzen Länge. „~Dât gléwen

ech. Mä du hoûs him net genug an sei Krom geschwât.~“

„~Dât ka sin.~“

Wir waren bei den ersten Häusern angelangt. Da lenkte der Oheim das

Gespräch ab.

Ich lauschte hinüber nach dem ~Mäsch~-Hause, etwas verdrießlich,

gedrückt.

Hatte ich mich geirrt? Mir war, als hätte ich ihre Stimme gehört....

Nein, es war nichts....

Wir kamen näher. Leise, feierlich klang es herüber:

„Stille Nacht, heilige Nacht,

Alles schläft, einsam wacht

Nur das traute hochheilige Paar

holder Knabe im lockigen Haar....“

* * * * *

„~Eng schén Stömm~,“ bemerkte der Oheim.

„~Jô, Mononk.~“

Das war nicht mehr das schwermütige Lied von der unglücklichen

Liebe.... nicht mehr, wie gestern Abend.

Also hat ~Sisi~ sich doch gefügt.... also doch....

Als der Oheim die beiden Briefe gelesen hatte, war er beruhigt.

„~Um Neimârt wèrde mer jo héeren, wé et stêt~,“ meinte er.

Natürlich käme er auch hin. Und wenn alles gut stände, würde er einige

Tage später zu den Berelsleuten gehen. Dann würde er auch wohl das

„Jawort“ erhalten.

So war das Weihnachtsfest doch noch ein Hoffnungsfest geworden.

Und so erwartete ich vom neuen Jahr, was das alte nicht eingelöst hatte.

Aus blauem Himmel lächelte die Sonne dem neuen Jahre. Das hatte seinen

schönsten Winterschmuck angelegt. Im Rauhreif glitzerten die Bäume.

So kam das neue Jahr zu uns ins Merschertal, festlich, feierlich.

Auch in meiner Seele war es festlich, hoffnungsfreudig.

Was ~Berta~ wohl schreiben wird?... .....................

Der Briefträger kam sehr spät; erst nach Mittag.

„~Prosit neit Jährchen, Här Welsch!~“ Er reichte mir die

Postsachen.

Ich musterte schnell die Adressen, suchte. Wirklich, da war ihr Brief.

Ich riß hastig den Umschlag auf und las....

Herrje, wie ~Berta~ das so schön sagen konnte von den herzlichen

Neujahrsgrüßen, der treuen Liebe und dem Wiedersehen in Luxemburg.

Ich sprang ins Haus.

„~Hei aß de Bréf!~“

Die Mutter las. Der Vater setzte die Brille auf. „~A wât aß nach

kommt?~“

Ach ja, die andern Briefe. Ich schaute. Die interessierten mich wenig.

Einige Neujahrskarten von Kameraden, einige Prospekte....

„~A wât aß dât elei dann?~“ Aus einem großen Umschlage zog mein

Vater eine bunte, farbige Karte. Er drückte ein wenig daran und

blätterte. Die Karte öffnete sich und wurde zu einem schönen, mit rotem

und grünem Seidenpapier gefüllten Blumenstrauß.

„~D’aß nach ewell eng deier Neijorschkart~,“ meinte er. „~A vu

wêm aß dé?~“

Ich schaute. Vom ~Sisi~ war sie, vom ~Mäsch Sisi~....

„~Bonne et heureuse année, Sisi.~“ so stand unter der bunten Karte.

Mein Vater schüttelte den Kopf und lachte.

„~An hei, kuck hei, elo könt dei Wandmôtor jo och!~“

Ich las. In den nächsten Tagen würde die Sendung eintreffen, meldete

die Firma.

„~Mä, d’schreift schén~,“ bemerkte die Mutter, die noch immer ganz

vertieft in ~Bertas~ Brief war und nun erst aufschaute.

Sie reichte meinem Vater den Brief. „~Hei, liés! D’mengt ên, d’Sâch

mîßt gutt stôn!~“

Dann sah sie nach den übrigen Briefschaften. „~Aß dât dem Sisi seng

Kârt?~“ Sie musterte die bunte Karte. Ein Lächeln spielte um ihren

Mund....

So blickte ich voller Hoffnung in das neue Jahr. Es lag nicht mehr

verschlossen vor mir. Nein, ich sah hell und klar in die Zukunft. Die

hatte ihr Tor geöffnet, ein ganz klein wenig, an dem Tage, wo ich

~Bertas~ Brief erhielt. Heute war dieser Spalt größer geworden.

Durch die Oeffnung schaute ich hinüber in die kommenden Monate. Die

schienen mir voll Sonne und Seligkeit.

Diese Zuversicht erwärmte meine Seele und färbte nachts meine Träume

mit dem Glanze des jungen Frühlings.

So ging die Zeit, in der ich arbeitete und wirkte und wartete auf mein

Glück.

So gingen die Nächte, in denen ich träumte und mich sehnte nach meinem

Glück.

Und so kam der Tag des Luxemburger Neumarktes.

Vor dem Bahnhof trafen wir uns.

~Berta~ trug den grauen Mantel und das kleidsame Pelzkäppchen, wie

damals bei meinem Besuche.

Wie eine Prinzessin war sie in dieser einfachen, schönen Kleidung.

Schon von weitem erkannte ich sie in dem Strom der fremden Menschen.

~Berta~ sprach schweren Herzens von den Briefen, von dem

aufgeschobenen Besuche und dem Grolle ihres Vaters.

Der Vater ist also wirklich gegen uns.

Er ist gegen mich, weil ich ihm für seine ~Berta~ nicht ganz

passe. Weil ich zu neuzeitlich, zu modern bin. Und weil unser Betrieb

zu fein eingerichet ist.

„~Esoû aß mei Papp~,“ sagte ~Berta~ besorgt. Eine Träne

leuchtete in ihren schönen schwarzen Augen.

„~Da kann ère Papp mech net recht leiden?~“

Berta antwortete nicht auf meine Frage, sondern blickte mich

flehentlich an.

„~Wa mir mat enên bestoûd wären, da wöllt mei Schwor och alles esoû

fein angerìcht hun, mengt mei Papp. An dât kascht ze vill Geld.~“

Sie atmete tief, schwer. Und sie drückte sich an mich, als würde sie

fürchten, mich zu verlieren.

„~Esoû, aß dât d’Ursach?~“

Wir schritten still durch die belebte Straße hinüber in den ruhigen,

fast menschenleeren Park.

„~Aß dât d’Ursâch eleng?~“ Ich blickte sie fragend an. „~Aß

neischt gént mech geschriwen gin?~“

Berels Berta: Eine Bauerngeschichte aus dem Luxemburgischen · 第 9 / 25 题