„So-o-o!“
„Ja! Vor vier Jahren habe ich im Winter in ~Mons~ einen
Maschinenkursus, den die Regierung organisiert hatte, mitgemacht. Mein
Vater hielt darauf und ich auch. Um diese Zeit ist ja doch nur sehr
wenig zu Hause zu tun. Ich lernte den Motor und das Montieren genau
kennen. Und zugleich habe ich mich wieder etwas mehr im Französischen
geübt.“
~Berta~ blickte mich erstaunt von der Seite an. Es gefiel ihr, daß
ich all die Sachen kannte.
Einen Augenblick stockte das Gespräch.
„~A woû hut dir èrt Franzéscht geléert?~“ forschte der Berelsvater
weiter.
Da erzählte ich von der Ackerbauschule und von dem Hofe bei ~Nancy~,
wo ich ein Jahr lang gearbeitet hatte. Es ist gut, wenn man auf einem
Musterbetriebe andere Leute wirtschaften sieht. Sonst ererbt man die
alte Wirtschaftsweise und bleibt ganz im alten Geleise.
Der Eidam nickte mir zu. „~D’get ên en ânere Kiérel~,“ meinte er.
Der Berelsvater schaute wieder einmal groß auf.
„~Dât aß ganz rîchteg~,“ ergänzte die Berelsfrau. „~An doûfir hun ech
drop gehâlen, dat ons zwé Méderchen d’Pensioûn matgemâcht hun.~“
Dann erzählte die Berelsfrau viel über die Pensionszeit der ~Berta~,
und was sie alles da gelernt hatte -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
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~Berta~ hatte unterdessen den Tisch gedeckt. Denn die Uhr zeigte
schon auf halbfünf. Und um sechs ging mein Zug.
Natürlich wollte das ganze Haus mich wieder überreden, zu bleiben. Aber
das ging nicht.
Wir aßen von der saftigen ~Hâm~, vom frischen Braten und tranken
von dem guten ~Grächen~.
Der Abschied kam. Wir wurden ernster und besprachen das Weitere. Wann
die Berelsleute zu uns kommen würden, fragte ich.
„~An enger Woch komme mer~,“ bekräftigte die Berelsmutter.
~Berta~ war etwas befangen. Ein leichtes Rot huschte über ihr
Gesicht. Aber in ihren Augen leuchtete eine selige Freude.
„~Jô, da komme mer, wann d’Wiéder net ze schlecht get~,“ meinte
der Berelsvater. Seine Stimme klang tiefer, tiefer als gewöhnlich.
„~Papa, d’Wiéder get net esoû schlecht!~“ ~Berta~ war
ungeduldig.
Ich blickte ihr tief in die Augen. Sie lächelte.
„~E schéne Groûß fir èr Mamm an ère Papp~,“ flüsterte sie. Und sie
lehnte sich dicht an mich, daß ich die Wärme ihres Atems spürte.
„~Eddé dann, bis iwer âcht Dèch!~“
„~Jô, oder iwer véerzeng Dèch. Mir schreiwen iéch!~“ rief der alte
Berelsvater mit seiner harten, unfreundlichen Stimme.
Wir schritten durch den Hof die Straße hinunter, der Eidam und ich.
Einmal noch schaute ich zurück. Berta stand auf der Türe und winkte. Da
winkte auch ich.
Im ~Hîrzel~ des Scheunentores lag wieder jemand.
Das war der Knecht....
Der reckte noch lange den Hals heraus und witterte -- -- -- -- -- -- --
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Der Eidam gab mir eine gute Strecke das Geleite.
„.... ~Dajé! Loß mer hoffen, daß mer bâl Familjen gin!
Eddi!~“..........
Vom Berge her klangen die Abendglocken. Hell und silbern zitterten sie
durch die stille, kalte Winterluft.
Nun wird ~Berta~ zur Andacht gehen und beten, damit wir uns finden.
~Mei léft, gut, bravt Kand!~
Mir war so wohl, so leicht ums Herz. Und goldiger Laune schritt ich
hinunter durch das frostige Halbdunkel.
Liebeslieder, Heimatslieder zogen mir leise durch die
Seele..............
Der Zug war vollgepfropft mit langweiligen Menschen. Die rochen nach
Bier und Schnaps und protzten mit ihrer Kraft.
„~Hackernondikaß! Ech hun haut véerzeng Humpen gepackt!~“ brüllte
ein kleiner, dickgesetzter Bursche aus der Ecke.
Jeder wollte mehr vertragen können als der andere.
Und sie stritten sich um diese Ehre. Ein sonderbares Vergnügen, diese
Sauferei.
Blutjunge Kerls waren darunter. Von sechzehn, siebzehn Jahren. Das
waren die wildesten.
~Aarem Médercher, dé d’Ongléck hun, esoû ên opzetrommen.~
Bis Luxemburg mußte ich in dieser Gesellschaft ausharren.
Da suchte ich mir ein ruhiges Plätzchen in dem Merscher Zuge. Ich
wollte allein sein mit meinen Gedanken, mit meinen Erlebnissen, mit
meinen Erinnerungen....
„~Endlech!~“ Das war das erste Wort der Mutter, als ich eintrat.
„~Wât aß mir haut Zeit lang gin!~“
Wir gingen in die warme Stube. Nun mußte ich erzählen und Antwort
stehen.
Das tat ich gern und leicht und lachenden Mundes.
Es war schon halb elf. Wir plauderten immer noch von den kommenden
Zeiten.
„~Da mâch an deser Woch alles gut an d’Reih~,“ sagte der Vater
noch beim Schlafengehen. „~Vun der éschter Impressioûn hängt vill
of. An dû wês, elo am Enn vom Johr gin Kniécht mé lidderèg. Kuk hinnen
doûfir mé op d’Fangeren!~“
In den folgenden Tagen war ich sehr geschäftig. Ueberall war noch zu
säubern und zu ordnen.
Vom ersten Augenblick an muß es den Berelsleuten bei uns gefallen. So
wollte ich es.
In der Scheune lag noch ein Haufen Weizen vom Samstag. Der sollte in
diesen Tagen gereinigt und abgeliefert werden. Ich ließ ihn liegen.
Wegen des Berelsvaters. Damit der sehe, was wir alles zu verkaufen
haben. Alte Leute muß man zu ködern wissen.
Mit den Knechten war ich strenger als sonst. In Ställen, Scheune und
Schuppen mußte alles in bester Ordnung sein.
Wenn der Berelsvater das sieht, wird er staunen.
Eine Drillmaschine hat er ja auch noch nicht. Da werde ich ihm die
unserige zeigen.
Und dann erst die Motor-Einrichtung. Schade, daß der Besuch an einem
Sonntag stattfindet. Sonst könnte ich ihm alles in Betrieb setzen.
Na, vielleicht lasse ich den Motor nur mit der Schrotmühle laufen. Das
macht nicht so viel Spektakel.
Die Schrotmühle möchte ich ihm jedenfalls zeigen. Wegen des Eidams und
des Futterautomaten.
Der wird ~Berta~ gefallen, dieser Futterautomat mit der
Selbsttränkanlage.
Da ist wenig Arbeit, viel weniger als früher. Und rentabel ist es auch.
Natürlich muß es richtig gemacht werden. Und richtig gemacht wird es
schon. Dafür sorge ich.
Und wenn das Wetter gut ist, gehen wir noch in den Jungviehpark und
hinauf in die neue, große Weide, wo wir nächstes Jahr den Windmotor
aufstellen. Von da aus kann ich ihm einen Ueberblick über unsere Flur
geben. Auch werde ich ihm dort zeigen, wo wir das meiste Land haben.
Dann sieht er, wie bequem unser Betrieb ist.
Das alles muß ihm gefallen.
Jeden Tag wartete ich auf einen Brief der Berelsleute.
Es kam nichts.
Ich wurde verdrießlich. Die Tage lasteten schwer auf mir und nahmen mir
alle Freude.
Mein Vater ging mißgestimmt aus und ein.
Die Mutter suchte mich zu beruhigen.
„~Sie wêrde woûl mâr schreiwen~,“ sagte sie jeden Abend.
So hoffte ich auf den kommenden Tag.
So verbrachte ich unruhige Nächte.
Ob der Brief wohl morgen kommt?
Erst Samstags schrieben sie.
Ich riß den Brief erregt auf und las.... Der Brief zitterte in meiner
Hand. Und ein Zittern ging mir durch den Körper.
„~Nondikaß! A woûfir schreiwt dén esoû e Bréf?~“ Kalt lief es mir
den Rücken herunter. „~Woûfir schreiwt dén esoû e Bréf?~“
Ich spürte ein Stechen in der Brust.
Und Lebenslust und Freude fielen von mir ab wie Blüten vom
sturmgeschüttelten Aste. Ich knitterte an dem Brief und wollte ihn in
Stücke zerreißen.
„~Hun se geschriewen?~“ rief die Mutter herüber von der Haustüre.
Aerger stieg mir im Halse herauf und würgte mich an der Kehle. Mein
Atem stockte. Die Lunge keuchte.
„~Kommen se net?~“ rief sie wieder.
Da reichte ich ihr den Brief. „~Do liést, Mamm.~“.................
Wir schritten langsam ins Haus.
Der Vater kam uns entgegen.
„~Hun se geschriewen?~“
„~Jô, Papp!~“
Die Mutter las. Ihre Hand zitterte.
„~D’aß gefèhlt, Piér! D’aß gefèhlt!~“ Sie schüttelte den Kopf.
„~Mä, wât schreiwen se dann?~“ Der Vater war ärgerlich. „~Liéß
emol hârt, wat se schreiwen!~“
Da las ich mit zitternder Stimme in abgerissenen Sätzen:
Geehrter Herr ~Welsch~!
Ich tue Ihnen zu wissen, daß wir die Sache einstweilen wegen des
schlechten Wetters ausgesetzt haben, und daß ich mir mit der
~Berta~ die Sache anders überlegt habe. Sie ist übrigens noch
jung und kann noch ganz gut ein Jahr warten.