Künstler

Herr von Kuckuck sitzt immer auf dem Fenstersims und schnappt mit seinem

zugespitzten Mund alle meine todtraurigen Worte auf, die sonst im Zimmer

liegen blieben, und ich würde schließlich in der Überschwemmung von

Todtrauer ertrinken. Auch sieht er so spaßig bei der Fütterung aus, ich

muß manchmal hell auflachen. Mein Mann kann von Kuckuck nicht ausstehen.

»Er ist eine Beleidigung neben dir.« Aber ich muß immer einen Hofnarr

haben, das ist so ein uraltes, erbübertragenes Gelüste. Er folgt mir

überall hin -- auf dem Salzfaß sitzt er in der Küche, wenn ich am Herd

stehe und mit dem Quirl dem Feuer behilflich bin -- ich meine wegen des

Weichwerdens der Erbsen -- -- ich trage goldene Pantoffel, aber in

meinen seidenen Strümpfen sind schon Löcher. Herr von Kuckuck wird

merkwürdig düster, immer wenn er auf dem Salzfaß sitzt und meinem Kochen

zusieht. Er erzählt von Prinzessinnen, die in Goldpantoffeln und

Seidenstrümpfen kochen und scheuern müssen und sich die Hände blutig

reiben und aber der Himmel ihnen alle Sterne schulde. Ich glaube, ich

bin im Anfang aus einem goldenen Stern, aus einem funkelnden

Riesenpalast auf die schäbige Erde gefallen -- meine leuchtenden

Blutstropfen können vor Durst nicht ausblühen, sie verkümmern immer vor

dem Tage der Pracht, und mein Mann erzählte mir dasselbe, und darum

haben wir uns geheiratet. »Wenn sich mein Budget besser gestaltet,« sagt

Herr von Kuckuck, »so braucht Prinzessin keine Erbsen mehr zu kochen.«

Er verspricht es feierlich, zwei große Tropfen fallen aus seinen Augen,

die sind lila, und die Feierlichkeit kleidet ihn so: eine Burleske, die

plötzlich auf geraden, rabenschwarzen Beinen steht. Ich rieche zu gern

Ananas -- ich glaube, wenn ich mir täglich eine Ananas kaufen könnte,

ich würde die hervorragendste Dichterin sein. Alles hängt von Kuckucks

Budget ab. Mein Mann der wünscht sich gar nichts mehr, er denkt morgens

schon heimlich an seine Zigarette, die er im Bett rauchen wird. Die

Lampe zuckt, es ist alles so dünn im Zimmer. »Herein!« Eine Erbse klopft

an meinen Magen. Kleine Beinchen bekommen die Erbsen und wackeln mit

ihren dicken Wasserköpfen -- eine plumpst den Berg herunter. »Bist du

aufgewacht?« Mein Mann fragt und hebt den Zigarrenbecher vom Boden auf

-- dann streichelt seine Ananashand mein Gesicht -- die Finger tragen

alle Notenköpfe -- sie singen -- und immer, wenn das hohe C kommt, sägt

mein Arm über seine Brust und seinen Leib -- ich nehme die Gedärme

hervor -- eine Schlangenbändigerin bin ich -- dudelsack Ladudel ludelli

liii!!!! Ich schiebe die Schlangen vorsichtig wieder in seinen Körper,

die kleinste hat sich fest um meinen Finger gesogen, aber sie ist die

hauptsächlichste Schlange, sonst kann er keine indischen Vogelnester

mehr essen. Ich gleite die Kissen herab, mein Kopf liegt in einem weißen

Bach, alle Fische tragen Ketten von Erbsen um den Hals und schwimmen

hinter mir über die flaue Matratze. Mein Mann wartet schon im Sessel. Im

Rahmen über dem Schrank hängt von Kuckuck und über ihm sein Onkel

Pankratius, einer der gestrengen drei Herren, und zählt -- Budget lauter

goldene Schnäbel. Es wird alles so grau -- ich habe solche Angst, ich

verkrieche mich in die Achselhöhle meines Mannes. Auf dem Sofa sitzt ein

Jüngling, er hat große, braune, spöttische Augen, die lächeln

schüchtern. »Wer bist du!« ruft mein Mann. »Ich bin der Schatten Ihrer

Frau und habe Theologie studiert.«

Gesichte: Essays und andere Geschichten · 第 10 / 87 题