[Illustration: Abb. 82. +Ostrand des Yumurithales.+]

[Sidenote: Das Bergland östlich von Habana.]

Sowohl südlich als auch östlich von ihr steigt dann wieder wirkliches

Gebirgsland auf, und dem Auge erscheint dasselbe aus der Ferne, und

vielerorten kaum minder in der unmittelbaren Nähe, als geradezu

großartig. In seinen tieferen Lagen allenthalben in einen dichten

Mantel von üppigem Tropengrün gehüllt, und im Vordergrunde beinahe

immer herrliche Königspalmenhaine tragend, zeigt es uns doch höher

oben zugleich auch so zahlreiche kahle, weißleuchtende Felswände und

so vielgestaltige Zinnen, Zacken und Hörner, daß wir meinen, es müsse

sich um eine sehr ansehnliche Erhebung über den Meeresspiegel handeln.

Thatsächlich sind es aber auch nur Hügelgebirge, deren Gipfel kaum 300

~m~ Höhe erreichen, mit denen wir es zu thun haben -- im Süden eine

lose Aneinanderreihung kleiner Sierren und Tafelberg- und Lomagruppen,

zwischen denen sich ähnliche flachwellige Thalgegenden ausbreiten,

wie die erwähnte größere und tiefere, welche das Guanabacoabergland

begrenzt; und im Osten ein dichtes Gedränge solcher Ketten und

Gruppen, die teils durch tief eingerissene Thalschluchten mit wilden

Kalkfelspartien, teils durch mehr oder minder weite Roterdeebenen

(„Llanuras“) voneinander getrennt sind. Das erstere Bergland, das wir

als Bergland von Managua bezeichnen, begreift vor allem die weithin

sichtbaren Tetas de Managua (223 ~m~) und die Sierra de Camoa (272

~m~) in sich und dacht sich westwärts zum Isthmus von Batabano,

südwärts zur Niederung des Matamanogolfes und ostwärts zu den großen

Roterdeebenen von Guines und Aguacate ab, an den meisten Orten mit

stark abgeböschten, aber immerhin deutlich bemerkbaren Stufen. Es

bildet einerseits das Quellgebiet des westlich von Habana mündenden Rio

Almendares (im Unterlaufe Chorrera genannt) und andererseits dasjenige

des Rio de Guines (Mayabeque), der sich östlich von Batabano in den

Matamanogolf ergießt, und die den betreffenden Gewässern und den sie

schwellenden Regengüssen inne wohnende Energie ist es offenbar vor

allen Dingen gewesen, welche das Bergland zu dem gemacht hat, was

es heute ist. Der Almendares bezeugt diese Energie wenige Kilometer

oberhalb seiner Mündung noch nachdrücklich genug, und auch sein

Hochwasser steigt bisweilen auch dort noch gegen 12 ~m~ über sein

Niederwasser (Abb. 80). Bei der vorherrschenden Kalksteinnatur war

es übrigens auch hier in sehr bedeutendem Maßstabe die unterirdische

Erosion, welche die Wirkung hervorrief, und neben der großen Zahl

bekannter Höhlen, die das Gebirge durchsetzen, und die zum Teil erst

an seinem letzten Stufenabsatze ans Tageslicht ausgehen, ist dabei

wahrscheinlich eine noch beträchtlichere Zahl unbekannter sowie

zusammengebrochener vorzeitlicher in Anschlag zu bringen. Hier weisen

wir nur auf die großen Höhlen von Las Comas (Tapaste) hin, die im

letzten Aufstande ein wichtiges Insurgentenversteck bildeten, sowie auf

die Höhlen von Cotilla und Toribacoa. Wirtschaftsgeographisch ist das

Managuabergland gleich dem Guanabacoaberglande vorwiegend eine Stätte

der Viehzucht, und der Zuckerrohrbau sowie daneben die Fruchtkultur

(Abb. 81) und der Tabakbau sind nur in der Randgegend bedeutend, vor

allem bei Santiago de las Vegas (6000 Einw.), bei Bejucal (8000 Einw.),

bei San Antonio des las Vegas (1200 Einw.), bei Melena del Sur (1000

Einw.), und bei Guines (7000 Einw.). Diese Orte sind gleichzeitig

Hauptstationen der das Bergland im weiten Bogen umkreisenden Eisenbahn,

und Guines dankt seine Bedeutung vor allen Dingen dem Netze von

Bewässerungskanälen, das seine Ebene durchzieht. Das nahe bei Habana

gelegene Santa Maria del Rosario ist durch seine Heilquellen namhaft.

Das andere Bergland, das wir Bergland von Jaruco nennen, und das in den

Montes de Don Martin (300 ~m~) und in der Sierra de Sibarima gipfelt,

fällt gleich dem Guanabacoaberglande steil zum Meere ab, während es

sich im Südwesten eng an das Managuabergland anlehnt und auch im Osten

nur unvollständig gegen das benachbarte Bergland von Canasi abgegrenzt

werden kann. Die Stromthäler des Rio Jaruco und des Rio Santa Auz,

die es in südöstlicher Richtung durchschneiden, sind außerordentlich

malerisch, und die Roterdeebenen von Jaruco (2500 Einw.), Bainoa

Aguacate (2000 Einw.) und Jibacoa enthalten eine beträchtliche Zahl

großer Ingenios.

[Illustration: Abb. 83. +Yumuridurchbruch.+]

[Sidenote: Yumurithal.]

Ähnliches gilt auch von dem prächtig bewaldeten Berglande von Madruga,

jenseits der reichen Ebenen von Guines und Aguacate, dem besonders die

Montes de la Esperanza und die Lomas de Jiquima (341 ~m~) zugehören,

und desgleichen von dem gegen Nordost hin damit verwachsenen

Berglande von Canasi, in dem sich das schöne Bergpaar des Palenque und

des Pan de Matanzas (386 ~m~) als der letzte Rest einer ehemaligen

Hochstufe des ursprünglichen Terrassenbaues auffällig über die Sierra

de Camarones (193 ~m~) erhebt, und in dessen nordöstliche Kalksteinmesa

(die Cumbremesa etwa 70 ~m~ hoch) das berühmte Yumurithal (Abb. 82)

eingegraben ist. Das letztere große Kesselthal, dessen ebene Sohle

sich nur schwach über den Meeresspiegel erhebt, dürfte schwerlich wohl

anders gebildet worden sein, als durch unterirdische Erosion und durch

nachfolgenden Höhleneinsturz, und eine ähnliche Entstehungsgeschichte

glauben wir überhaupt vielen der berührten, von steilen Berghängen

umwandeten Roterdeebenen zuschreiben zu müssen. Kleinere Kesselthäler

von der Art der Karstdolinen -- die natürliche Begleiterscheinung der

Höhlen -- sind in keinem der angegebenen Gebirge selten, und ganz im

allgemeinen darf man füglich die cubanische Kalksteinlandschaft als

eine durch das Tropenklima modifizierte Karstlandschaft bezeichnen.

Die Schichtung des Kalksteins ist in den genannten Gebirgen vielfach

stark gestört, und ganz besonders ist dies auch der Fall an dem

Yumuridurchbruche (Abb. 83) durch die Cumbremesa, meist scheinen diese

Störungen aber die Folge von Höhleneinstürzen zu sein.

Denselben Familiencharakter und dieselben hohen natürlichen Reize

besitzt schließlich auch noch das Hügelgebirge von Limonar, zwischen

Matanzas und Cardenas, dem die Tetas de Camarioca (340 ~m~) und

die Lomas Grandes sowie die bekannten schönen Tropfsteinhöhlen von

Bellamar an dem hohen Ostgestade der Matanzasbai (Abb. 84) zuzurechnen

sind. Der Eisenbahnbau stieß in den zuletzt genannten Hügelgebirgen

auf erhebliche Schwierigkeiten, da sowohl zahlreiche Strom- und

Schluchtüberbrückungen als auch verschiedene Felsdurchstiche nötig

waren.

[Sidenote: Zuckerrohrfelder.]

Östlich und südlich von dem Limonargebirge sowie östlich und

südlich von dem Madrugagebirge tritt aber eine allgemeine

Verebnung der Landschaft ein, und es tauchen daselbst nur hier

und da noch unbedeutende Lomazüge auf. Der stark kalkhaltige rote

Verwitterungsboden dieser weiten Ebene, die ostwärts ohne irgend welche

Grenzscheide in die Ebenen der Las-Villas-Landschaft übergeht und die

an der Hauptsache von dem Rio Camarones, dem Rio de Palmas, dem Rio

Hanabana und dem Rio Negro entwässert wird, besitzt im allgemeinen eine

große Fruchtbarkeit, und auf ihm hat die cubanische Zuckerrohrkultur

ihre hervoragendste Heimstätte gefunden. Fast könnte man sagen, daß

die ganze Gegend ein einziges, wogendes Zuckerrohrfeld sei (Abb. 85),

und die aneinander stoßenden Distrikte von Colon und Alfonso XII,

die den Hauptteil der Ebene umfassen, enthalten nicht weniger als

25 Prozent von der Gesamtzahl der cubanischen Ingenios (Abb. 86).

Als die Hauptmittelpunkte der betreffenden Industrie und der Zucker-

und Melasseverfertigung haben wir aber neben Colon (6000 Einw.) und

Alfonso XII (2500 Einw.) namentlich die Eisenbahnknotenpunkte La Union

(2000 Einw.) und Jovellanos (5000 Einw.) sowie Sabanilla del Eda (2000

Einw.), Bolondron (1200 Einw.), Corral Falso (2500 Einw.), Jaguey

Grande (1000 Einw.), Cuevitas (1500 Einw.), Guamutas (2000 Einw.)

Cimarrones (1800 Einw.) und Lagumillas (2500 Einw.) zu verzeichnen.

[Sidenote: Zapata.]

Südlich von diesem ungeheuren Garten, in dem ein guter Teil von

wirtschaftsgeographischen Fähigkeiten Cubas beruht, breitet sich dann,

von zahlreichen großen Lagunen durchsetzt und von dem schleichenden

Rio Gonzalo und Rio Negro durchzogen, die ungeheure Sumpfwildnis der

Cienaga de Zapata aus, die sich durch die Cochinosbucht in eine Ost-

und Westhälfte gliedert, und diese bietet zur Zeit auch ein reiches

Feld für den Naturforscher -- den Botaniker so gut wie den Zoologen

-- aber noch in viel höherem Grade als die Sumpfgürtel des Camaguey

einen trostlosen Boden für die Kultur. An ihrem Südrande erhebt sich

ein trockenerer Landgürtel schwach aus dem Sumpfe heraus, der Boden

ist aber dort im allgemeinen kahle Seborucofläche und ermöglicht

lediglich die Existenz einiger armseliger Ranchos und Rinderherden.

An der Seeseite begleiten die große Cienaga Untiefen und Sandbänke,

sowie weiter westlich Korallenriffe und Keys, und im allgemeinen kann

ihre Küste als vollkommen unnahbar gelten. Auch die weit gegen Süd

geöffnete Cochinosbai und die Cazonesbai machen von dieser Regel keine

Ausnahme. Übrigens setzt sich die Cienaga in einem schmaleren Streifen

entlang dem Golfe von Matamano weiter fort, und Batabano (2500 Einw.)

bleibt auf diese Weise der einzige Landungsplatz, den die Vuelta Arriba

an der Seite des Karibischen Meeres für Schiffe bis 3 ~m~ Tiefgang

besitzt. Sie ist in einem noch höheren Maße als selbst das Camaguey an

dieser Seite ein geschlossenes Land.

[Sidenote: Cardenas.]

Damit die reiche Produktion der Landschaft nicht Habana allein zu

gute komme, ist aber ihre Nordküste wesentlich anders beschaffen.

Auf die große Bucht von Cardenas, die noch dem Bereiche der großen

nördlichen Korallenkeyflur angehört, ist bereits hingewiesen worden. Da

dieselbe Fahrzeuge von hinreichendem Tiefgange aufzunehmen vermag und

mit der Habanabucht den Vorteil der gegen Nordamerika vorgeschobenen

Lage teilt, so nimmt die Ausfuhr der großen Zuckerdistrikte von

Colon und Jorellanos, mit dem sie durch zwei Eisenbahnen verbunden

ist, größtenteils über sie ihren Weg. An ihren Ufern aber nahm die

erst im Jahre 1828 an dem niedrigen Mangroveufer begründete Stadt

Cardenas (25000 Einw.) einen raschen und hohen Aufschwung, als

Zuckerausfuhrhafen mit Cienfuegos wetteifernd, und auch ein ähnliches

unhistorisches, hervorragende Bauten entbehrendes, aber sauberes

Gepräge zur Schau tragend. Mit Habana ebensowie mit Sagua la Grande

und Caibarien steht Cardenas im regelmäßigen Küstendampferverkehr.

Ein kleinerer Hafenplatz an derselben Bucht, der ebenfalls von

amerikanischen Zuckerschonern besucht wird, ist Siguapa.

[Sidenote: Matanzas.]

Westlich von der schmalen und niedrigen, mit Salzteichen besetzten

Hicacoshalbinsel ist die Küste entlang dem Nordabfalle des Berglandes

von Limonar ziemlich hoch und den größten Fahrzeugen bequem nahbar, und

bei gutem Wetter bieten die kleinen Buchten von Veradero und Comacho

brauchbare Ankerplätze. Höheren Verkehrsansprüchen genügt aber die

mächtige und tiefe Matanzasbucht (Abb. 87 und 88), die durch von Osten

her (von der Punta Maya) vorspringende Korallenriffe besser gegen den

Seegang geschützt ist, als ihre weite Öffnung erwarten läßt, und die

in ihren inneren Teilen zauberhaft schöne Landschaftsbilder bietet --

in dieser Beziehung die Habanabucht wesentlich übertreffend. In dem

in die Bucht mündenden Rio San Juan, der aus dem Madrugagebirge kommt

(Abb. 89), können auch ziemlich große Boote, die Ladung nehmen wollen,

unmittelbar vor den Lagerhäusern ankern. Die Stadt Matanzas (56000

Einw.), die wir bereits auf der Karte von Ortelius (1587) verzeichnet

finden und die ursprünglich, wie ihr Name sagt, nichts war als eine

Rinderschlachtstätte, hat sich solchergestalt ebenfalls eines großen

Teiles der Zuckerausfuhr der Vuelta Arriba bemächtigen können, und

sie steht in dieser Beziehung Cardenas sowie Cienfuegos noch sehr

beträchtlich voran. Durch ihre allgemeine Physiognomie, besonders

durch ihre prächtige Plaza (Abb. 90 u. 91), durch mehrere schöne

Kirchenbauten und durch zahlreiche freundliche Quintas und Gärten in

ihren Vororten ein Bild hoher Blüte darbietend, hat sie durch die

letzte Insurrektion schwerer gelitten als jede andere.

[Illustration: Abb. 84. +Die Höhle von Bellamar.+]

Westlich von der Matanzasbucht sind an der sehr geradlinig verlaufenden

Steilküste des Berglandes von Canasi, Jaruco und Guanabacoa zwar so

gut wie gar keine Gefahren für die Schiffahrt vorhanden, ebensowenig

aber auch gute Zugänge in das Innere, und auf diese Weise hat Habana

außer von Matanzas und Cardenas keinen weiteren Wettbewerb in seiner

Eigenschaft als Haupthafen der Vuelta Arriba zu bestehen.

[Illustration: Abb. 85. +Zuckerrohrfeld in der Vuelta Arriba.+]

X.

[Sidenote: Landschaftseinteilung im westlichen Cuba.]

[Sidenote: Unterirdische Flußläufe und Höhlengänge.]

Die cubanische Tabakkammer läßt als wirkliche Vuelta Abajo nur die

Gegend zwischen dem Rio Hondo und dem Rio Cuyaguateje gelten und

als „halbe Vuelta“ -- „Semi-Vuelta“ -- die von Artemisa westwärts,

während sie den Landstrich unmittelbar südwestlich von Habana als

die „Partidos“ (etwa mit „Übergangsland“ zu übersetzen) bezeichnet,

und es läßt sich nicht verkennen, daß diese Einteilung der

westlichsten cubanischen Landschaft eine gewisse Begründung in den

physikalisch-geographischen Verhältnissen hat. Die Partidosgegend

kann man ebenso gut Batabanoisthmusgegend nennen, und dieselbe ist

in der That ein Mittelding zwischen der regelmäßig gegliederten

Stufenlandschaft der Vuelta Abajo und dem wirren Durcheinander von

Berg- und Thalformen der Vuelta Arriba, wie sie auch zugleich die

Stelle bezeichnet, an der das Endglied des cubanischen Inselkörpers

allmählich in seine von der allgemeinen abweichende südwestliche

Längsachseneinrichtung einlenkt. Wer sich von der Chorreramündung bei

Habana in gerader Linie auf Guanajay zu bewegt, dem wird der Stufenbau

allerdings ziemlich klar, denn von der 10-12 ~m~ hohen Seborucofläche

am Meeresrande geht es da rasch empor auf eine ausgedehnte höhere

Fläche von ungefähr 50 ~m~ Erhebung und von dieser wieder auf die 200

~m~ hohe Mauer der Sierra de Anafe, die wir vor Mariel vom Meere aus

gesehen haben. Die kleinen Lomas um den Ariguanabosee und in dem Rio

San Antonio (Abb. 92) sind aber denjenigen der Vuelta Arriba durchaus

ähnlich, und eine Überraschung bereitet uns eigentlich nur die See

selbst sowie sein ebengenannter Abfluß. Bis 10 ~m~ tief, nahe an 10

~km~ lang, 2,5 ~km~ breit und von etwa 15 ~qkm~ Flächengehalt, hat

derselbe in dem Innern von Cuba nirgends ein ebenbürtiges Seitenstück,

und höchstens könnte man von einer Anzahl viel kleinerer Wasserkörper

in dem Hügellande der Vuelta Arriba und in der Cinco-Villas-Landschaft

behaupten, daß sie denselben Familiencharakter tragen; so etwa von der

Laguna de Coabillas, südwestlich von Colon. Dagegen liegen ähnlich

ausgedehnte Lagunen allerdings hier und da in der Küstennähe, vor allem

in der Cienaga de Zapata (die große Laguna de Tesoro, nördlich von

der Cochinosbai), und in dem äußersten Südwesten von der Vuelta Abajo

(die Laguna Siguanea, Laguna Jovero und andere). Ebenso merkwürdig als

naturästhetisch reizvoll ist an dem Ariguanabosee seine Gliederung

durch von Nord und Süd vorspringende Halbinseln und Landspitzen sowie

durch kleine Hügelinseln dergestalt, daß er aus mehreren ostwestlich

aneinander gereihten Einzelbecken zusammengesetzt zu sein scheint.

Noch merkwürdiger und interessanter ist es aber, daß er mit einem

Systeme unterirdischer Flußläufe und Höhlengänge in Verbindung steht.

Die Größe sowie die Schwankungen seines Wasservolumens lassen sich aus

den oberflächlich einströmenden kleinen Bächen nicht begreifen und

ebenso wenig auch das Wasservolumen des Rio San Antonio, der ihm an der

Ostseite entströmt und der eine kleine Strecke unterhalb der Stadt San

Antonio de los Baños plötzlich unter einem großen Ceibabaume spurlos

verschwindet. Übrigens steht dieser Fluß mit seiner Schwinde in der

Gegend keineswegs allein, sondern ähnlich wie er verliert sich auch

der Rio de Guanajay, der seine Quellen in der höhlenreichen Sierra de

Anafe hat, und der den Ariguanabosee im Westen umfließt. Andererseits

aber stoßen wir 14-18 ~km~ südlich von dem See auf zahlreiche große

Höhlen, die teilweise mit Wasser gefüllt sind, wie die Cueva de Agua

bei Guira de Melena, und an einfachen Wiesenquellen („~ojos de agua~“

Wasseraugen) und Naturbrunnen („Pozos“) fehlt es in der Gegend so wenig

als anderweit in Cuba. Die Anzeichen, daß der Ariguanabosee gleichwie

sein kleinerer Nachbarsee im Norden (die Laguna de la Pastora, die

ihm ihren Abfluß zusendet) durch eine Folge von Höhleneinstürzen

entstanden sei, sind hiernach sehr starke, wenn nicht geradezu

zwingende. Gegenwärtig ist die kleine Doppellagune De la Pastora durch

die Sinkstoffe, welche ihre Zuflüsse in der Regenzeit von der Sierra de

Anafe herabbringen, in rascher Ausfüllung begriffen, und in einer nahen

Zukunft wird dadurch der großen Zahl der cubanischen Roterdeebenen eine

neue hinzugefügt worden sein; und ähnlich, obzwar langsamer, schreitet

der Ausfüllungsprozeß auch bei dem Ariguanabosee fort, so daß man ihm

das gleiche Schicksal voraussagen muß. Bieten die beiden Seen damit

aber nicht einen ganz guten Schlüssel zur Lösung des Rätsels, das sich

an die fruchtbaren cubanischen Roterdeebenen überhaupt knüpft? Die

große Mehrzahl dieser Ebenen, deren tischplattengleiche Oberfläche oft

so seltsam mit der unvermittelt daraus auftauchenden Umrandung von

Steilhängen und Felswänden kontrastiert, dürfte unserer Meinung nach

ebenfalls nicht anders entstanden sein, als durch den Zusammenbruch

von Höhlengewölben und durch das Durchgangsstadium einer längeren

Wasserbedeckung, in der die ruhige Ablagerung der „~terra rossa~“

bewirkt wurde. Nicht weniger als an die Roterdeebenen des cubanischen

Binnenlandes haben wir aber beim Hinblicke auf den Ariguanabosee an die

nierenförmigen Hafenbuchten zurückzudenken, die eine andere gesellige

Erscheinung bilden, welche der Insel Cuba in einem hohen Grade

charakteristisch ist. Denken wir uns den Ariguanabosee zusammen mit

der Laguna de la Pastora nur 8-10 ~km~ nordwärts gerückt, dergestalt

daß sie dicht am Meere liegen, und lassen wir dann die trennende

Schranke aus Korallenkalk, die sie noch von letzterem trennt, durch

die dagegen donnernde Brandung oder durch ein Erdbeben oder durch

einen allmählichen Senkungsprozeß des ganzen Küstenstriches fallen, so

erhalten wir eine weitere nierenförmige Hafenbucht, so schön, als wir

sie wünschen können, und an der betreffenden Stelle gleichzeitig eine

bedenkliche kulturgeographische Rivalin der Habanabucht.

[Illustration: Abb. 86. +Außenhof eines Ingenio.+]

Eine der berührten Roterdeebenen, die die angegebene

Entstehungsgeschichte gehabt haben dürfte, breitet sich südwestlich

von der Sierra de Anafe um Guanajay aus. Südlich von dem Ariguanabosee

aber verflacht sich die Partidosgegend ganz ähnlich, wie das anstoßende

Hügelland von Managua, und bei Guira de Melena und Guanimar ist auch

derselbe letzte Stufenabsatz zur sumpfigen Küstenniederung bemerkbar

(mit den bereits erwähnten Höhlenöffnungen) wie dort.

[Sidenote: San Antonio.]

Als das berühmteste Tabakland der Welt kann die Vuelta Abajo

dem Reisenden, der nicht in alle Geheimnisse des fraglichen

Wirtschaftszweiges eingeweiht ist, recht wohl schon hier erscheinen,

denn die Zahl der Tabakvegas (Abb. 5 und 93) ist eine sehr große. Zur

Erzeugung des feinsten Krautes ist der Boden aber nicht geeignet, und

ebenso bedeutend als der Tabak- ist in der Gegend der Zuckerrohrbau,

ja an ihrem Südrande stehen sogar noch eine beträchtliche Zahl von

Kaffeepflanzungen in Blüte. Für den Hauptort der Gegend, San Antonio

de los Baños (8000 Einw., Abb. 94), spielen außer ihren berühmten

Heilquellen die beiden letzteren Kulturen die Hauptrolle, für die

Stadt Guanajay (6000 Einw., Abb. 95) dagegen neben dem Zuckerrohr- in

sehr hervorragender Weise der Tabakbau. Die schönsten Kaffeegärten

aber finden sich von alters her bei Alquizar und Guira de Melena, und

alle diese Orte sowie auch der beliebte Sommerfrischen- und Seebadeort

Marianao (10000 Einw.) sind mit Habana durch Eisenbahnen sowie durch

verhältnismäßig gute Landstraßen verbunden.

[Sidenote: Sierra de los Organos.]

Cuba · 第 9 / 11 段