[Sidenote: Das Bergland östlich von Habana.]
Sowohl südlich als auch östlich von ihr steigt dann wieder wirkliches
Gebirgsland auf, und dem Auge erscheint dasselbe aus der Ferne, und
vielerorten kaum minder in der unmittelbaren Nähe, als geradezu
großartig. In seinen tieferen Lagen allenthalben in einen dichten
Mantel von üppigem Tropengrün gehüllt, und im Vordergrunde beinahe
immer herrliche Königspalmenhaine tragend, zeigt es uns doch höher
oben zugleich auch so zahlreiche kahle, weißleuchtende Felswände und
so vielgestaltige Zinnen, Zacken und Hörner, daß wir meinen, es müsse
sich um eine sehr ansehnliche Erhebung über den Meeresspiegel handeln.
Thatsächlich sind es aber auch nur Hügelgebirge, deren Gipfel kaum 300
~m~ Höhe erreichen, mit denen wir es zu thun haben -- im Süden eine
lose Aneinanderreihung kleiner Sierren und Tafelberg- und Lomagruppen,
zwischen denen sich ähnliche flachwellige Thalgegenden ausbreiten,
wie die erwähnte größere und tiefere, welche das Guanabacoabergland
begrenzt; und im Osten ein dichtes Gedränge solcher Ketten und
Gruppen, die teils durch tief eingerissene Thalschluchten mit wilden
Kalkfelspartien, teils durch mehr oder minder weite Roterdeebenen
(„Llanuras“) voneinander getrennt sind. Das erstere Bergland, das wir
als Bergland von Managua bezeichnen, begreift vor allem die weithin
sichtbaren Tetas de Managua (223 ~m~) und die Sierra de Camoa (272
~m~) in sich und dacht sich westwärts zum Isthmus von Batabano,
südwärts zur Niederung des Matamanogolfes und ostwärts zu den großen
Roterdeebenen von Guines und Aguacate ab, an den meisten Orten mit
stark abgeböschten, aber immerhin deutlich bemerkbaren Stufen. Es
bildet einerseits das Quellgebiet des westlich von Habana mündenden Rio
Almendares (im Unterlaufe Chorrera genannt) und andererseits dasjenige
des Rio de Guines (Mayabeque), der sich östlich von Batabano in den
Matamanogolf ergießt, und die den betreffenden Gewässern und den sie
schwellenden Regengüssen inne wohnende Energie ist es offenbar vor
allen Dingen gewesen, welche das Bergland zu dem gemacht hat, was
es heute ist. Der Almendares bezeugt diese Energie wenige Kilometer
oberhalb seiner Mündung noch nachdrücklich genug, und auch sein
Hochwasser steigt bisweilen auch dort noch gegen 12 ~m~ über sein
Niederwasser (Abb. 80). Bei der vorherrschenden Kalksteinnatur war
es übrigens auch hier in sehr bedeutendem Maßstabe die unterirdische
Erosion, welche die Wirkung hervorrief, und neben der großen Zahl
bekannter Höhlen, die das Gebirge durchsetzen, und die zum Teil erst
an seinem letzten Stufenabsatze ans Tageslicht ausgehen, ist dabei
wahrscheinlich eine noch beträchtlichere Zahl unbekannter sowie
zusammengebrochener vorzeitlicher in Anschlag zu bringen. Hier weisen
wir nur auf die großen Höhlen von Las Comas (Tapaste) hin, die im
letzten Aufstande ein wichtiges Insurgentenversteck bildeten, sowie auf
die Höhlen von Cotilla und Toribacoa. Wirtschaftsgeographisch ist das
Managuabergland gleich dem Guanabacoaberglande vorwiegend eine Stätte
der Viehzucht, und der Zuckerrohrbau sowie daneben die Fruchtkultur
(Abb. 81) und der Tabakbau sind nur in der Randgegend bedeutend, vor
allem bei Santiago de las Vegas (6000 Einw.), bei Bejucal (8000 Einw.),
bei San Antonio des las Vegas (1200 Einw.), bei Melena del Sur (1000
Einw.), und bei Guines (7000 Einw.). Diese Orte sind gleichzeitig
Hauptstationen der das Bergland im weiten Bogen umkreisenden Eisenbahn,
und Guines dankt seine Bedeutung vor allen Dingen dem Netze von
Bewässerungskanälen, das seine Ebene durchzieht. Das nahe bei Habana
gelegene Santa Maria del Rosario ist durch seine Heilquellen namhaft.
Das andere Bergland, das wir Bergland von Jaruco nennen, und das in den
Montes de Don Martin (300 ~m~) und in der Sierra de Sibarima gipfelt,
fällt gleich dem Guanabacoaberglande steil zum Meere ab, während es
sich im Südwesten eng an das Managuabergland anlehnt und auch im Osten
nur unvollständig gegen das benachbarte Bergland von Canasi abgegrenzt
werden kann. Die Stromthäler des Rio Jaruco und des Rio Santa Auz,
die es in südöstlicher Richtung durchschneiden, sind außerordentlich
malerisch, und die Roterdeebenen von Jaruco (2500 Einw.), Bainoa
Aguacate (2000 Einw.) und Jibacoa enthalten eine beträchtliche Zahl
großer Ingenios.
[Illustration: Abb. 83. +Yumuridurchbruch.+]
[Sidenote: Yumurithal.]
Ähnliches gilt auch von dem prächtig bewaldeten Berglande von Madruga,
jenseits der reichen Ebenen von Guines und Aguacate, dem besonders die
Montes de la Esperanza und die Lomas de Jiquima (341 ~m~) zugehören,
und desgleichen von dem gegen Nordost hin damit verwachsenen
Berglande von Canasi, in dem sich das schöne Bergpaar des Palenque und
des Pan de Matanzas (386 ~m~) als der letzte Rest einer ehemaligen
Hochstufe des ursprünglichen Terrassenbaues auffällig über die Sierra
de Camarones (193 ~m~) erhebt, und in dessen nordöstliche Kalksteinmesa
(die Cumbremesa etwa 70 ~m~ hoch) das berühmte Yumurithal (Abb. 82)
eingegraben ist. Das letztere große Kesselthal, dessen ebene Sohle
sich nur schwach über den Meeresspiegel erhebt, dürfte schwerlich wohl
anders gebildet worden sein, als durch unterirdische Erosion und durch
nachfolgenden Höhleneinsturz, und eine ähnliche Entstehungsgeschichte
glauben wir überhaupt vielen der berührten, von steilen Berghängen
umwandeten Roterdeebenen zuschreiben zu müssen. Kleinere Kesselthäler
von der Art der Karstdolinen -- die natürliche Begleiterscheinung der
Höhlen -- sind in keinem der angegebenen Gebirge selten, und ganz im
allgemeinen darf man füglich die cubanische Kalksteinlandschaft als
eine durch das Tropenklima modifizierte Karstlandschaft bezeichnen.
Die Schichtung des Kalksteins ist in den genannten Gebirgen vielfach
stark gestört, und ganz besonders ist dies auch der Fall an dem
Yumuridurchbruche (Abb. 83) durch die Cumbremesa, meist scheinen diese
Störungen aber die Folge von Höhleneinstürzen zu sein.
Denselben Familiencharakter und dieselben hohen natürlichen Reize
besitzt schließlich auch noch das Hügelgebirge von Limonar, zwischen
Matanzas und Cardenas, dem die Tetas de Camarioca (340 ~m~) und
die Lomas Grandes sowie die bekannten schönen Tropfsteinhöhlen von
Bellamar an dem hohen Ostgestade der Matanzasbai (Abb. 84) zuzurechnen
sind. Der Eisenbahnbau stieß in den zuletzt genannten Hügelgebirgen
auf erhebliche Schwierigkeiten, da sowohl zahlreiche Strom- und
Schluchtüberbrückungen als auch verschiedene Felsdurchstiche nötig
waren.
[Sidenote: Zuckerrohrfelder.]
Östlich und südlich von dem Limonargebirge sowie östlich und
südlich von dem Madrugagebirge tritt aber eine allgemeine
Verebnung der Landschaft ein, und es tauchen daselbst nur hier
und da noch unbedeutende Lomazüge auf. Der stark kalkhaltige rote
Verwitterungsboden dieser weiten Ebene, die ostwärts ohne irgend welche
Grenzscheide in die Ebenen der Las-Villas-Landschaft übergeht und die
an der Hauptsache von dem Rio Camarones, dem Rio de Palmas, dem Rio
Hanabana und dem Rio Negro entwässert wird, besitzt im allgemeinen eine
große Fruchtbarkeit, und auf ihm hat die cubanische Zuckerrohrkultur
ihre hervoragendste Heimstätte gefunden. Fast könnte man sagen, daß
die ganze Gegend ein einziges, wogendes Zuckerrohrfeld sei (Abb. 85),
und die aneinander stoßenden Distrikte von Colon und Alfonso XII,
die den Hauptteil der Ebene umfassen, enthalten nicht weniger als
25 Prozent von der Gesamtzahl der cubanischen Ingenios (Abb. 86).
Als die Hauptmittelpunkte der betreffenden Industrie und der Zucker-
und Melasseverfertigung haben wir aber neben Colon (6000 Einw.) und
Alfonso XII (2500 Einw.) namentlich die Eisenbahnknotenpunkte La Union
(2000 Einw.) und Jovellanos (5000 Einw.) sowie Sabanilla del Eda (2000
Einw.), Bolondron (1200 Einw.), Corral Falso (2500 Einw.), Jaguey
Grande (1000 Einw.), Cuevitas (1500 Einw.), Guamutas (2000 Einw.)
Cimarrones (1800 Einw.) und Lagumillas (2500 Einw.) zu verzeichnen.
[Sidenote: Zapata.]
Südlich von diesem ungeheuren Garten, in dem ein guter Teil von
wirtschaftsgeographischen Fähigkeiten Cubas beruht, breitet sich dann,
von zahlreichen großen Lagunen durchsetzt und von dem schleichenden
Rio Gonzalo und Rio Negro durchzogen, die ungeheure Sumpfwildnis der
Cienaga de Zapata aus, die sich durch die Cochinosbucht in eine Ost-
und Westhälfte gliedert, und diese bietet zur Zeit auch ein reiches
Feld für den Naturforscher -- den Botaniker so gut wie den Zoologen
-- aber noch in viel höherem Grade als die Sumpfgürtel des Camaguey
einen trostlosen Boden für die Kultur. An ihrem Südrande erhebt sich
ein trockenerer Landgürtel schwach aus dem Sumpfe heraus, der Boden
ist aber dort im allgemeinen kahle Seborucofläche und ermöglicht
lediglich die Existenz einiger armseliger Ranchos und Rinderherden.
An der Seeseite begleiten die große Cienaga Untiefen und Sandbänke,
sowie weiter westlich Korallenriffe und Keys, und im allgemeinen kann
ihre Küste als vollkommen unnahbar gelten. Auch die weit gegen Süd
geöffnete Cochinosbai und die Cazonesbai machen von dieser Regel keine
Ausnahme. Übrigens setzt sich die Cienaga in einem schmaleren Streifen
entlang dem Golfe von Matamano weiter fort, und Batabano (2500 Einw.)
bleibt auf diese Weise der einzige Landungsplatz, den die Vuelta Arriba
an der Seite des Karibischen Meeres für Schiffe bis 3 ~m~ Tiefgang
besitzt. Sie ist in einem noch höheren Maße als selbst das Camaguey an
dieser Seite ein geschlossenes Land.
[Sidenote: Cardenas.]
Damit die reiche Produktion der Landschaft nicht Habana allein zu
gute komme, ist aber ihre Nordküste wesentlich anders beschaffen.
Auf die große Bucht von Cardenas, die noch dem Bereiche der großen
nördlichen Korallenkeyflur angehört, ist bereits hingewiesen worden. Da
dieselbe Fahrzeuge von hinreichendem Tiefgange aufzunehmen vermag und
mit der Habanabucht den Vorteil der gegen Nordamerika vorgeschobenen
Lage teilt, so nimmt die Ausfuhr der großen Zuckerdistrikte von
Colon und Jorellanos, mit dem sie durch zwei Eisenbahnen verbunden
ist, größtenteils über sie ihren Weg. An ihren Ufern aber nahm die
erst im Jahre 1828 an dem niedrigen Mangroveufer begründete Stadt
Cardenas (25000 Einw.) einen raschen und hohen Aufschwung, als
Zuckerausfuhrhafen mit Cienfuegos wetteifernd, und auch ein ähnliches
unhistorisches, hervorragende Bauten entbehrendes, aber sauberes
Gepräge zur Schau tragend. Mit Habana ebensowie mit Sagua la Grande
und Caibarien steht Cardenas im regelmäßigen Küstendampferverkehr.
Ein kleinerer Hafenplatz an derselben Bucht, der ebenfalls von
amerikanischen Zuckerschonern besucht wird, ist Siguapa.
[Sidenote: Matanzas.]
Westlich von der schmalen und niedrigen, mit Salzteichen besetzten
Hicacoshalbinsel ist die Küste entlang dem Nordabfalle des Berglandes
von Limonar ziemlich hoch und den größten Fahrzeugen bequem nahbar, und
bei gutem Wetter bieten die kleinen Buchten von Veradero und Comacho
brauchbare Ankerplätze. Höheren Verkehrsansprüchen genügt aber die
mächtige und tiefe Matanzasbucht (Abb. 87 und 88), die durch von Osten
her (von der Punta Maya) vorspringende Korallenriffe besser gegen den
Seegang geschützt ist, als ihre weite Öffnung erwarten läßt, und die
in ihren inneren Teilen zauberhaft schöne Landschaftsbilder bietet --
in dieser Beziehung die Habanabucht wesentlich übertreffend. In dem
in die Bucht mündenden Rio San Juan, der aus dem Madrugagebirge kommt
(Abb. 89), können auch ziemlich große Boote, die Ladung nehmen wollen,
unmittelbar vor den Lagerhäusern ankern. Die Stadt Matanzas (56000
Einw.), die wir bereits auf der Karte von Ortelius (1587) verzeichnet
finden und die ursprünglich, wie ihr Name sagt, nichts war als eine
Rinderschlachtstätte, hat sich solchergestalt ebenfalls eines großen
Teiles der Zuckerausfuhr der Vuelta Arriba bemächtigen können, und
sie steht in dieser Beziehung Cardenas sowie Cienfuegos noch sehr
beträchtlich voran. Durch ihre allgemeine Physiognomie, besonders
durch ihre prächtige Plaza (Abb. 90 u. 91), durch mehrere schöne
Kirchenbauten und durch zahlreiche freundliche Quintas und Gärten in
ihren Vororten ein Bild hoher Blüte darbietend, hat sie durch die
letzte Insurrektion schwerer gelitten als jede andere.
[Illustration: Abb. 84. +Die Höhle von Bellamar.+]
Westlich von der Matanzasbucht sind an der sehr geradlinig verlaufenden
Steilküste des Berglandes von Canasi, Jaruco und Guanabacoa zwar so
gut wie gar keine Gefahren für die Schiffahrt vorhanden, ebensowenig
aber auch gute Zugänge in das Innere, und auf diese Weise hat Habana
außer von Matanzas und Cardenas keinen weiteren Wettbewerb in seiner
Eigenschaft als Haupthafen der Vuelta Arriba zu bestehen.
[Illustration: Abb. 85. +Zuckerrohrfeld in der Vuelta Arriba.+]
X.
[Sidenote: Landschaftseinteilung im westlichen Cuba.]
[Sidenote: Unterirdische Flußläufe und Höhlengänge.]
Die cubanische Tabakkammer läßt als wirkliche Vuelta Abajo nur die
Gegend zwischen dem Rio Hondo und dem Rio Cuyaguateje gelten und
als „halbe Vuelta“ -- „Semi-Vuelta“ -- die von Artemisa westwärts,
während sie den Landstrich unmittelbar südwestlich von Habana als
die „Partidos“ (etwa mit „Übergangsland“ zu übersetzen) bezeichnet,
und es läßt sich nicht verkennen, daß diese Einteilung der
westlichsten cubanischen Landschaft eine gewisse Begründung in den
physikalisch-geographischen Verhältnissen hat. Die Partidosgegend
kann man ebenso gut Batabanoisthmusgegend nennen, und dieselbe ist
in der That ein Mittelding zwischen der regelmäßig gegliederten
Stufenlandschaft der Vuelta Abajo und dem wirren Durcheinander von
Berg- und Thalformen der Vuelta Arriba, wie sie auch zugleich die
Stelle bezeichnet, an der das Endglied des cubanischen Inselkörpers
allmählich in seine von der allgemeinen abweichende südwestliche
Längsachseneinrichtung einlenkt. Wer sich von der Chorreramündung bei
Habana in gerader Linie auf Guanajay zu bewegt, dem wird der Stufenbau
allerdings ziemlich klar, denn von der 10-12 ~m~ hohen Seborucofläche
am Meeresrande geht es da rasch empor auf eine ausgedehnte höhere
Fläche von ungefähr 50 ~m~ Erhebung und von dieser wieder auf die 200
~m~ hohe Mauer der Sierra de Anafe, die wir vor Mariel vom Meere aus
gesehen haben. Die kleinen Lomas um den Ariguanabosee und in dem Rio
San Antonio (Abb. 92) sind aber denjenigen der Vuelta Arriba durchaus
ähnlich, und eine Überraschung bereitet uns eigentlich nur die See
selbst sowie sein ebengenannter Abfluß. Bis 10 ~m~ tief, nahe an 10
~km~ lang, 2,5 ~km~ breit und von etwa 15 ~qkm~ Flächengehalt, hat
derselbe in dem Innern von Cuba nirgends ein ebenbürtiges Seitenstück,
und höchstens könnte man von einer Anzahl viel kleinerer Wasserkörper
in dem Hügellande der Vuelta Arriba und in der Cinco-Villas-Landschaft
behaupten, daß sie denselben Familiencharakter tragen; so etwa von der
Laguna de Coabillas, südwestlich von Colon. Dagegen liegen ähnlich
ausgedehnte Lagunen allerdings hier und da in der Küstennähe, vor allem
in der Cienaga de Zapata (die große Laguna de Tesoro, nördlich von
der Cochinosbai), und in dem äußersten Südwesten von der Vuelta Abajo
(die Laguna Siguanea, Laguna Jovero und andere). Ebenso merkwürdig als
naturästhetisch reizvoll ist an dem Ariguanabosee seine Gliederung
durch von Nord und Süd vorspringende Halbinseln und Landspitzen sowie
durch kleine Hügelinseln dergestalt, daß er aus mehreren ostwestlich
aneinander gereihten Einzelbecken zusammengesetzt zu sein scheint.
Noch merkwürdiger und interessanter ist es aber, daß er mit einem
Systeme unterirdischer Flußläufe und Höhlengänge in Verbindung steht.
Die Größe sowie die Schwankungen seines Wasservolumens lassen sich aus
den oberflächlich einströmenden kleinen Bächen nicht begreifen und
ebenso wenig auch das Wasservolumen des Rio San Antonio, der ihm an der
Ostseite entströmt und der eine kleine Strecke unterhalb der Stadt San
Antonio de los Baños plötzlich unter einem großen Ceibabaume spurlos
verschwindet. Übrigens steht dieser Fluß mit seiner Schwinde in der
Gegend keineswegs allein, sondern ähnlich wie er verliert sich auch
der Rio de Guanajay, der seine Quellen in der höhlenreichen Sierra de
Anafe hat, und der den Ariguanabosee im Westen umfließt. Andererseits
aber stoßen wir 14-18 ~km~ südlich von dem See auf zahlreiche große
Höhlen, die teilweise mit Wasser gefüllt sind, wie die Cueva de Agua
bei Guira de Melena, und an einfachen Wiesenquellen („~ojos de agua~“
Wasseraugen) und Naturbrunnen („Pozos“) fehlt es in der Gegend so wenig
als anderweit in Cuba. Die Anzeichen, daß der Ariguanabosee gleichwie
sein kleinerer Nachbarsee im Norden (die Laguna de la Pastora, die
ihm ihren Abfluß zusendet) durch eine Folge von Höhleneinstürzen
entstanden sei, sind hiernach sehr starke, wenn nicht geradezu
zwingende. Gegenwärtig ist die kleine Doppellagune De la Pastora durch
die Sinkstoffe, welche ihre Zuflüsse in der Regenzeit von der Sierra de
Anafe herabbringen, in rascher Ausfüllung begriffen, und in einer nahen
Zukunft wird dadurch der großen Zahl der cubanischen Roterdeebenen eine
neue hinzugefügt worden sein; und ähnlich, obzwar langsamer, schreitet
der Ausfüllungsprozeß auch bei dem Ariguanabosee fort, so daß man ihm
das gleiche Schicksal voraussagen muß. Bieten die beiden Seen damit
aber nicht einen ganz guten Schlüssel zur Lösung des Rätsels, das sich
an die fruchtbaren cubanischen Roterdeebenen überhaupt knüpft? Die
große Mehrzahl dieser Ebenen, deren tischplattengleiche Oberfläche oft
so seltsam mit der unvermittelt daraus auftauchenden Umrandung von
Steilhängen und Felswänden kontrastiert, dürfte unserer Meinung nach
ebenfalls nicht anders entstanden sein, als durch den Zusammenbruch
von Höhlengewölben und durch das Durchgangsstadium einer längeren
Wasserbedeckung, in der die ruhige Ablagerung der „~terra rossa~“
bewirkt wurde. Nicht weniger als an die Roterdeebenen des cubanischen
Binnenlandes haben wir aber beim Hinblicke auf den Ariguanabosee an die
nierenförmigen Hafenbuchten zurückzudenken, die eine andere gesellige
Erscheinung bilden, welche der Insel Cuba in einem hohen Grade
charakteristisch ist. Denken wir uns den Ariguanabosee zusammen mit
der Laguna de la Pastora nur 8-10 ~km~ nordwärts gerückt, dergestalt
daß sie dicht am Meere liegen, und lassen wir dann die trennende
Schranke aus Korallenkalk, die sie noch von letzterem trennt, durch
die dagegen donnernde Brandung oder durch ein Erdbeben oder durch
einen allmählichen Senkungsprozeß des ganzen Küstenstriches fallen, so
erhalten wir eine weitere nierenförmige Hafenbucht, so schön, als wir
sie wünschen können, und an der betreffenden Stelle gleichzeitig eine
bedenkliche kulturgeographische Rivalin der Habanabucht.
[Illustration: Abb. 86. +Außenhof eines Ingenio.+]
Eine der berührten Roterdeebenen, die die angegebene
Entstehungsgeschichte gehabt haben dürfte, breitet sich südwestlich
von der Sierra de Anafe um Guanajay aus. Südlich von dem Ariguanabosee
aber verflacht sich die Partidosgegend ganz ähnlich, wie das anstoßende
Hügelland von Managua, und bei Guira de Melena und Guanimar ist auch
derselbe letzte Stufenabsatz zur sumpfigen Küstenniederung bemerkbar
(mit den bereits erwähnten Höhlenöffnungen) wie dort.
[Sidenote: San Antonio.]
Als das berühmteste Tabakland der Welt kann die Vuelta Abajo
dem Reisenden, der nicht in alle Geheimnisse des fraglichen
Wirtschaftszweiges eingeweiht ist, recht wohl schon hier erscheinen,
denn die Zahl der Tabakvegas (Abb. 5 und 93) ist eine sehr große. Zur
Erzeugung des feinsten Krautes ist der Boden aber nicht geeignet, und
ebenso bedeutend als der Tabak- ist in der Gegend der Zuckerrohrbau,
ja an ihrem Südrande stehen sogar noch eine beträchtliche Zahl von
Kaffeepflanzungen in Blüte. Für den Hauptort der Gegend, San Antonio
de los Baños (8000 Einw., Abb. 94), spielen außer ihren berühmten
Heilquellen die beiden letzteren Kulturen die Hauptrolle, für die
Stadt Guanajay (6000 Einw., Abb. 95) dagegen neben dem Zuckerrohr- in
sehr hervorragender Weise der Tabakbau. Die schönsten Kaffeegärten
aber finden sich von alters her bei Alquizar und Guira de Melena, und
alle diese Orte sowie auch der beliebte Sommerfrischen- und Seebadeort
Marianao (10000 Einw.) sind mit Habana durch Eisenbahnen sowie durch
verhältnismäßig gute Landstraßen verbunden.
[Sidenote: Sierra de los Organos.]