Cinco-Villas-Landschaft eine bedeutende Tiefe (5 ~km~ von der Küste
der Potrerillogegend über 1000 ~m~), so tief als das Meer südwestlich
von der Laberinto-Key-Flur ist es aber bei weitem nicht, und nicht
sehr fern von der Küste tauchen daraus verschiedene Bänke (Pazbank,
Xaguabank) bis nahe an die Oberfläche -- in beachtenswerter Weise eine
unterseeische Fortsetzung des äußeren Keygürtels der Laberintoflur
andeutend, und eine gewisse Verbindung zwischen dieser Flur und der
weiter westlich gelegenen Flur, die wir noch zu betrachten haben
werden, herstellend oder aufrecht erhaltend. Vor der Lasa- und
Agabamamündung handelt es sich noch um die Camagueysee; dieselbe
ist auch hier seicht und von Korallenriffen und Keys sowie durch
die Anschwemmungswirkung der Ströme von Schlamm- und Sandbänken
erfüllt. Die beiden Ströme sind aber für kleine Fahrzeuge über ihre
Mündungsbarre hinweg schiffbar, und westlich von beiden liegen durch
Landvorsprünge und Keys gut geschützte Buchten, die wenigstens
mittelgroßen Schiffen (bis 3,5 ~m~ tiefen) verhältnismäßig leichten
Zugang gewähren: die Bucht von Tunas und die Doppelbucht von
Casilda-Masio. Die kulturgeographischen Verhältnisse liegen daselbst
jedenfalls ungleich günstiger als an der Südküste des Camaguey, und
schon in den allerersten Zeiten der spanischen Besiedelung wurde
daher von hier aus das Eindringen in die genannten reichen Thäler
mit gutem Erfolge versucht, so daß Sancti-Spiritus (18000 Einw.), in
einem rechten Seitenthale des Sasaflusses ebenso wie Trinidad (20000
Einw.), am Südwestabhange der nach ihm benannten Bergkette und am
für Kähne schiffbaren Rio Guarabo, den ältesten Städten der Insel
zuzählen und bereits 1514 gegründet worden sind. Die Entwickelung
dieser beiden ersten der „Cinco Villas“ („Fünf Städte“) ist nur durch
die Insurrektionskämpfe immer besonders schwer geschädigt worden,
und Trinidad hat außerdem in früheren Zeiten von Seeräuber- und
Boucaniereinfällen viel zu leiden gehabt. Die kleinen Hafenplätze Tunas
und Casilda sind heute vor allem durch Zucker- und Holzausfuhr namhaft
und sowohl durch Stromschifffahrt als auch durch Eisenbahnen ihrem
Hinterlande verbunden. Weiter westlich, wo die Tiefsee unmittelbar
am Gebirgsfuße liegt, greift aber eine viel schönere Meeresbucht in
die Cinco-Villas-Landschaft ein, ganz ähnlich, wenn auch mit anderer
nordwestlicher Hauptachsenrichtung, wie die Buchten von Santiago
und Guantanamo, und der letzteren auch durch ihre gewaltige Größe
sowie durch ihre Spätlingsrolle in der cubanischen Kulturgeschichte
vergleichbar: die Bucht von Xagua oder Cienfuegos. Die hohen Zinnen
des Siguanea- und Trinidadgebirges thronen über der Bai nur im fernen
westlichen Hintergrunde, gewissermaßen nur als der prächtigste Schmuck
ihres Bildes (Abb. 52), im übrigen umrahmen ihre weite Wasserfläche
die bewaldeten und hier und da mit Landhäusern und Bohios besetzten
Abhänge einer mäßig hohen (gegen 40 ~m~) Kalksteintafel (Abb. 53),
und an der rechten Seite des Arimao sowie zu beiden Seiten des
Rio Caunao und des Rio Damuji (Abb. 54) breiten sich flachwellige
oder völlig ebene Niederungen von hoher Fruchtbarkeit aus, und das
ganze Innere ist sowohl zu Lande als auch streckenweise in flachen
Booten auf den genannten Strömen bequem erreichbar. Die Bai ist
sehr tief (5 bis 10 ~m~) und sicher, ihr Eingang ist aber eng (180
~m~) und durch Gezeitenströmungen schwierig; der letztere Umstand
hat es wohl hauptsächlich verschuldet, daß sie in den Zeiten
ausschließlicher Segelschiffahrt nur als Nothafen aufgesucht wurde.
Seit den zwanziger Jahren des XIX. Jahrhunderts siedelten aber auch
hier zahlreiche französische Pflanzer an, und durch sie sowie durch
später hinzugekommene spanische und amerikanische Pflanzer hat sich das
Hinterland der Bai sozusagen in ein einziges ungeheures Zuckerrohrfeld
verwandelt, die Ingenios der Gegend aber sind hinsichtlich ihrer
Ausstattung mit Maschinen sowie hinsichtlich ihrer Förderung die
hervorragendsten von ganz Cuba geworden (Caracas von 1895 mit einer
Jahresförderung von 45,6 Millionen Centnern Zucker, Constancia mit
29,5 Millionen u. s. w.). In sehr bemerkenswerter Weise ist die
Gegend auch von den Verwüstungen der Revolutionskämpfe viel weniger
betroffen worden, als andere Gegenden. Die Stadt Cienfuegos (30000
Einw.) aber, die als die jüngste der cubanischen „Fünf Städte“ erst
im Jahre 1830 an der Ostseite der Bucht angelegt worden ist und die
sich durch ihre Physiognomie mehr als jede andere in Cuba als eine
Schöpfung der Neuzeit bekundet (Abb. 55 und 56), hat als Zucker- und
Melasseausfuhrhafen sowie durch ihre sonstige Handelsblüte ihre beiden
älteren Schwestern an der karibischen Seite der Cinco-Villas-Landschaft
beträchtlich überflügelt. Als helfende Sammelpunkte der
Erzeugnisse des Inneren sowie als Knotenpunkte von den wichtigsten
Zuckerrohreisenbahnen (Abb. 57), die für die Gegend charakteristisch
sind, und von denen manche Ingenios an die 50 ~km~ besitzen, seien
daneben erwähnt Rodas (2000 Einw.), zugleich an der Eisenbahn nach
Cardenas und Habana und am Endpunkte der Damujischiffahrt; Camarones
(2500 Einw.), am Caunao; und Palmira (2000 Einw.) sowie Cruces (1500
Einw.), an der Eisenbahn nach Santa Clara und Sagua la Grande.
[Illustration: Abb. 64. +Hafenansicht von Habana.+]
[Sidenote: Der Sabana-Archipel.]
[Sidenote: Die Nordküste der Cinco-Villas-Landschaft.]
Die ungeheure Sumpfniederung der sogenannten Ciénaga de Zapata,
die sich westlich von der Cienfuegosbucht ausbreitet, wurde von
dem spanischen Kolonialregimente derselben Provinz zugerechnet,
wie Cienfuegos -- der Provinz Santa Clara --, vom geographischen
Gesichtspunkte aus wird sie aber besser der Vuelta Arriba zugewiesen,
die westlich an Las Villas grenzt. Wir wenden uns von neuem der
Nordküste Cubas zu und betrachten die Cinco-Villas-Landschaft auch
von dieser Seite her. Wir gewahren da vor allen Dingen, wie die lange
Kette der Koralleninseln und Riffe, die bei Nuevitas beginnt, sich
westwärts von dem Isthmus von Moron weiter fortsetzt, zugleich aber
auch in viel kleinere Glieder auflöst und festonartig wieder und
wieder an die Hauptinsel angeknüpft erscheint. Die Seichtsee, die
durch die Keys von dem hier auch noch ziemlich tiefen Bahamakanale
(475 ~m~) geschieden wird, setzt sich auf diese Weise aus einer ganzen
Reihe von einzelnen Becken zusammen, die verschiedene Namen führen:
Buenavistabai hinter dem Cayo Frances und den Cayos de Santa Maria;
Caibarcenbai hinter dem verhältnismäßig großen, dreigliedrigen Cayo
Fragoso; Saguabai hinter der Gruppe des kleinen Cayo Cristo; Guinesbai
hinter dem Cayo Verde und Cayo Sotavento; Santa-Clara-Bai hinter dem
Cayo de Cadiz und Cayo de Cinco Leguas; Cardenasbai hinter dem Cayo
Cruz del Padre und der Hicacoshalbinsel, an der die ganze reichlich 400
~km~ lange Keykette von Nordcuba ihren Abschluß endlich findet. Auch
die hydrographische Aufnahme dieser Keyflur ist eine unvollständige
geblieben. Es ist aber sicher, daß ein tieferes Fahrwasser als 1-3
~m~ bis zur Küste des Hauptlandes nirgends vorhanden ist, wenn auch
einzelne Durchfahrten zwischen den äußeren Keys etwas tiefer sind.
Kein großer Dampfer kann sich also der Landschaft der Cinco Villas
hier nähern, und die Hauptströmungen des Weltverkehrs können sie von
der Bahamaseite nicht so stark und unmittelbar berühren, wie von der
caribischen Seite, so daß man sagen könnte, die Landschaft wende ihr
kulturgeographisches Antlitz von Nordamerika ab und Mittel- sowie
Südamerika zu. Ein ziemlich guter und durch einen Leuchtturm deutlich
markierter Zugang zur Küste ist indes beim Cayo Frances vorhanden, und
gewöhnliche Schoner sowie kleine Dampfer (von 2,7 ~m~ Tiefgang) können
durch ihn bis Caibarien gelangen. Nicht viel ungünstiger liegen die
Verhältnisse sodann auch westlich von dem Cayo Tragoso (bei der Boca
de Marcos) und zu beiden Seiten des kleinen, wieder einen Leuchtturm
tragenden Cristekay (bei der Canete-, Marillanes- und Serondurchfahrt),
wo die Mündungen des kleinen und großen Saguaflusses von flach
gehenden Fahrzeugen (bis gegen 2 ~m~) erreicht werden können und wo
dergleichen Fahrzeuge auf dem letzteren Flusse sogar ein beträchtliches
Stück (35 ~km~) ins Binnenland vordringen. Weiter westlich endlich
läßt die Cardenasbai zwischen dem Cruz del Padre- und Piedraskey noch
größere Schiffe (von 3,3 ~m~ Tiefgang) als die Caibarienbai zu; da wir
die westliche Grenzlinie der Cinco-Villas-Landschaft nicht anders zu
ziehen wissen, als quer über die isthmusartige Verschmälerung Cubas
zwischen der Cienfuegosbai und der Guinesbai, bezugsweise östlich
von dem Zapatasumpfe, so kommt die Cardenasbai an dieser Stelle noch
nicht in Betracht. Viel besser als bei dem Camaguey ist es übrigens
bei der Cinco-Villas-Landschaft um die Zugänglichkeit der Nordseite
in jedem Falle bestellt, und sowohl der Küstenverkehr als auch der
kleinere Hochseeverkehr hat sich daselbst in viel bedeutenderem Umfange
entwickeln können.
[Illustration: Abb. 65. +Habana und die Atares- oder Tallapiedrabucht.+]
[Illustration: Abb. 66. +In der Vorstadt von Habana.+]
Zudem ist die Hauptküste der Cinco-Villas zwar auch niedrig und
vorwiegend von Mangroven- und Binsensumpf eingenommen, sehr breit
und mit zahlreichen Lagunen übersät ist der Sumpfgürtel aber nur an
der großen Sagua, und anderweit ist er mehrfach von höherem Lande
unterbrochen, ja zum Teil treten wirkliche kleine Gebirge nahe genug
an das Meer, um von den Seefahrern gut gesehen und als Landmarken
benutzt werden zu können; so namentlich die Tetas de Buenavista,
östlich von Remedios, und die Sierra Morena, nordwestlich von Quemado
de Guines. Eine kleine Strecke landein liegt aber beinahe allenthalben
fruchtbare Schwarz- und Roterdeniederung, die ursprünglich teils von
Savannen, teils von lichtem Walde bestanden war -- auch hier öfter
von Fächerpalmen („~Guano blanco~“ = ~Thrinax argentea~, „~Palma
cana~“ = ~Sabal umbraculifera~ u. s. w.) als von Königspalmen, die
sich aber auch hier unter der Hand des Menschen und durch den rohen
cubanischen Ochsenpflug (Abb. 58) in bedeutendem Umfange in ergiebige
Zuckerrohrfelder verwandelt hat. Namentlich an der Buenavista- und
Caibarien- sowie an der Guinesbai sehen wir daher eine große Zahl der
erwähnten Zuckereisenbahnen und Zuckereisenbahnzüge quer durch die
Niederung zur Küste streben, um dort an kleinen Verladeplätzen ihre
Last an Lastenschiffe oder Küstenfahrer zur Weiterbeförderung nach
Caibarien oder nach der Saguamündung oder nach irgend einem anderen
weiteren Ziele abzugeben. An den Gehängen und an den Thälern der Tetas
de Buenavista bei Remedios, sowie auch in denjenigen der Lomas von
Quemado de Guines und der Sierra Morena ist dazu auch der Tabakbau
schon seit alten Zeiten belangreich, und wo die Savanne gegenwärtig
noch in dem Naturzustande verharrt, da weiden auch hier stattliche
Rinderherden.
[Sidenote: Remedios. Sagua la Grande.]
In solcher Weise waren in dem nördlichen Küstenstriche der
Cinco-Villas-Landschaft gute natürliche Vorbedingungen für das
Aufblühen von einer ganzen Reihe ansehnlicher Märkte und Ortschaften
gegeben. Der Ehrenplatz unter ihnen gebührt dem alten Juan de los
Remedios (7500 Einw.), der vierten der „Cinco Villas“, deren Begründung
an ursprünglicher Stelle (auf einem Key dicht an der Küste) ins Jahr
1545 zurückreicht, und die mit ihrem Hafen Caibarien (5500 Einw.) einer
der hervorragendsten Zucker- und Tabakausfuhrplätze der Insel ist. Als
Zuckerhafen noch bedeutender ist aber das junge, erst 1859 zur Stadt
erhobene Sagua la Grande (14000 Einw.) das mit beiden Plätzen sowie
auch mit Santa Clara und Habana und mit seinem Vorhafen Isabella durch
Eisenbahnen verbunden ist. Von kleineren Ortschaften des Küstengebietes
sind daneben noch bemerkenswert Yaguajay (1500 Einw.), südlich der
Buenavistabai, Camajuani (2000 Einw.) sowie Calabazas (2000 Einw.),
zwischen Remedios und Sagua, als der Mittelpunkt zahlreicher Ingenios;
und Las Vueltas (1500 Einw.) westlich von Remedios sowie Quemado de
Guines (1500 Einw.) westlich von Sagua, als wichtige Tabakmärkte.
[Illustration: Abb. 67. +Bucht von Regla mit Leichterboot.+]
[Sidenote: Die Ebenen von Santa Clara.]
Das Innere der Cinco-Villas-Landschaft ist auch in seinem nördlichen
Teile, den wir von Caibairien aus bis gegen den oberen Agabama hin und
von Sagua la Grande aus bis Santa Clara und bis an den oberen Damuji
vermittelst Eisenbahn erreichen, ein Bergland. Aus der Gegend von
Moron zieht die Sierra de Jatibonico, die Sierra Matahambre und die
Sierra de Bamburanao gegen Nordwest, bis gegen 550 ~m~ aufsteigend,
und in der Hauptsache Kalksteingebirge von ähnlicher Art, wie die
Sierra de Cubitas und andere, auch wie diese reich an Höhlen sowie an
Flußschwinden (des Rio San Agostin, des Rio Jiquibu u. s. w.) und
Riesenquellen, und wohlbewährte Zufluchtsstätten der Insurgenten. Die
Tetas de Buenavista, die Lomas de Sagua (Loma Malpais, Loma Mamey
u. s. w.) und die Sierra Morena bilden ihre niedrigen Fortsetzungen
entlang der Küstenniederung. In der Sierra de Agabama nördlich von
dem Oberlaufe des mehrfach erwähnten Stromes, sowie in der Sierra de
Escambrey, die die Wasserscheide zwischen dem Rio Agabama und den
beiden Saguas bildet, treten ältere Gesteine mit Erzlagerstätten,
Asphaltbetten u. s. w. in den Vordergrund, und es ist dadurch die
Verbindung mit dem südlichen Gebirgslande gegeben. Zwischen den
genannten Bergzügen und westlich davon liegen flachwellige Ebenen,
die sich in der Gegend von Santa Clara ungefähr 120 ~m~ über
den Meeresspiegel erheben, und die hier und da einen merkwürdig
zerfressenen und zerlöcherten Kalkfelsboden, meist aber einen normalen
rotbraunen oder graubraunen Verwitterungsboden zeigen. Die Stromthäler
der beiden Saguas sind in diese Ebene ziemlich tief eingeschnitten,
und mit ihren schönen Königspalmenhainen und Bambusbüschen bilden sie
die ästhetischen Glanzpunkte der Landschaft. Im übrigen neigen die
Ebenen auch hier stark zu Savannenbildung, und daneben bedeckt Guaven-,
Mimosen- und Palmettogebüsch weite Strecken. Von Wirtschaftszweigen
sind der Tabakbau und die Viehzucht weitaus am besten entwickelt und
nur nordwestlich von Santa Clara zugleich auch der Zuckerrohrbau.
Mit Verkehrswegen ist das Innere der Landschaft nur in seiner
Westhälfte besser ausgestattet als das Camaguey, in der Osthälfte
ist das Fortkommen ganz im allgemeinen ein sehr schweres, und selbst
der Camino Central dient besser zum Reiten und Lastentransport als
zum Fahren. Wandelnde Futtergrashaufen, aus denen vielfach kaum die
Ohren des darunter begrabenen Pferdes oder Maultieres herausschauen
(Abb. 59), mit Wasserkrügen oder mit Holzkohlenkörben schwer beladene
Esel u. dergl. begegnen dem Reisenden in den Ortschaften der
Cinco-Villas-Landschaft noch öfter als anderswo in Cuba.
[Illustration: Abb. 68. +Mangogarten und Landstraße bei Bejucal.+]
[Sidenote: Santa Clara. Santo Domingo.]
Santa Clara oder landesüblicher Villa Clara (20000 Einw.), ziemlich
genau mittwegs zwischen Cienfuegos, Caibarien und der Saguamündung
und in dem Quellengebiete der beiden Saguas gelegen, wurde als die
zweitjüngste der „Fünf Städte“ im Jahre 1683 begründet. Seinen
verhältnismäßig neuzeitlichen Charakter offenbart es namentlich durch
den Mangel schöner Kirchenbauten. Als Tabakmarkt (mit 315 Tabakvegas
in seiner Umgebung) sowie als östlicher Endpunkt des wohlentwickelten
cubanischen Eisenbahnnetzes hat es hervorragende Handelsbedeutung, und
im übrigen ist es Statthaltersitz der gleichnamigen Provinz, die sich
im allgemeinen mit der Cinco-Villas-Landschaft deckt. Als Mittelpunkte
zahlreicher Viehzuchtgeschäfte sind daneben erwähnenswert Placetas
(2000 Einw.), mit Eisenbahnverbindungen nach Caibarien und Sagua,
und Cartagena (1000 Einw.) am oberen Damujiflusse, als Mittelpunkte
des Tabakbaues San Diego del Valle nördlich und Manicaragua südlich
von der Hauptstadt; als Mittelpunkte des Zuckerbaues sowie als
Eisenbahnknotenpunkte Esperanza (1500 Einw.) und Santo Domingo (3500
Einw.). Die beiden letzten Orte (Abb. 60) sind zugleich auch durch ihre
Fruchtpräservenindustrie (Guavapräserven) berühmt, die auf Cuba leicht
noch eine wichtige Zukunft haben könnte. Für die Landschaft insgesamt
hat Santo Domingo zudem auch noch Bedeutung als ihr hauptsächlichster
Ausgangspunkt zu Lande gegen die Vuelta Arriba hin.
[Illustration: Abb. 69. +Straße in Alt-Habana.+]
VIII.
[Sidenote: Die Floridastraße.]
Um ein Urteil über das kulturgeographische Gepräge der westcubanischen
Landschaften zu gewinnen, nähern wir uns der Insel von derselben Seite,
von welcher der Hauptstrom der amerikanischen Reisenden und Nachrichten
in sie einzufließen pflegt, und von welcher im Gefolge derselben
schließlich die amerikanischen Kriegsschiffe herankamen, um die
„Perle der Antillen“ ihren vierhundertjährigen Besitzern zu entreißen
-- von Key West her. Das Meer, das wir dabei zu queren haben -- die
Floridastraße mit dem durch sie hindurchsetzenden Golfstrom -- ist für
die Regel nicht ganz so ruhig und sanft, als Kolumbus es zwischen den
Bahamainseln und der Nordostküste Cubas fand, aber es ist schmal, und
eine neunstündige Dampferfahrt bringt uns darüber hinweg.
Als ein ungeheuer weit gegen Ost und West ausgezogener, auch in der
winterlichen Trockenzeit für die Regel von starkem Cumulusgewölk
überlagerter Landstreifen, der uns von vornherein einen Begriff gibt
von der gewaltigen Längserstreckung der Insel, taucht Cuba da vor
unseren Blicken aus der bewegten blauen Flut auf. Und der Streifen ist
merkwürdig genug gegliedert, um unser Auge gefesselt zu halten und uns
zu seiner genaueren Prüfung herauszufordern. Indem wir gegen Südwest,
in der Richtung auf Mariel und Bahia Honda, gewendet stehen, erblicken
wir eine Stufenlandschaft von seltener Reinheit und Deutlichkeit. Eine
niedrige Wand, die völlig horizontal verläuft, erhebt sich 30 oder
40 ~m~ über den Meeresspiegel, rechts steigt aber mit steiler Rampe
eine höhere Wand über dieselbe, 120 oder 150 ~m~ hoch, und in ihrer
ganzen Ausdehnung ebenfalls horizontal, und über diese wieder ragt
noch weiter rechts, in ähnlichem Winkel aufsteigend und den ganzen Bau
krönend, eine höchste Wand, an Länge bedeutender und wohl gegen 400
~m~ hoch, oben aber auch ohne irgend welche sichtbare Störung ihres
ebenen, mauergleichen Verlaufes, bis sie plötzlich weit im Westen
ohne Vermittelung einer Zwischenstufe zur Niederstufe abstürzt. Wären
die Ausmaße des Ganzen nicht zu riesenhaft, so könnte man an das
kunstvolle, regelstrenge Gefüge eines menschlichen Baumeisters denken.
Ein grundverschiedenes Bild gewahren wir aber, wenn wir unseren Blick
gegen Südost, gegen Guanobacoa und Jaruco hin, schweifen lassen. Da
sehen wir die angegebene niedrige Wand sich sanft und allmählich gegen
Ost hin erheben, um welliger und welliger zu werden und endlich in
einer Hügellandschaft zu gipfeln, die nahezu die Höhe der Mittelstufe
des Terrassenbaues hat; dann folgt ein rascher, aber keineswegs
steiler Abfall zur Höhe der Niederstufe, dann ein allein stehender
Brotlaibberg, und endlich in beträchtlichem Abstand von diesem ein
Doppelgipfel von der Art der ostcubanischen Sillas (Sattelberge) und
etwas höher als die Mittelstufe der Terrasse.
[Illustration: Abb. 70. +Fruchtverkäufer in Habana.+]
[Sidenote: Das nordwestliche Cuba.]
Der ganze Grundplan, nach dem Cuba aufgebaut und in seiner
gegenwärtigen oroplastischen Gestalt zugerichtet worden ist, liegt
da gewissermaßen klar vor unseren Augen -- noch übersichtlicher
und verständlicher als bei Baracoa und Punta Caleta. Auch in ihrem
westlichen Teile ist die Insel offenbar nicht durch ein fortlaufendes,
sondern durch ein ruckweises, von längeren Ruhepausen unterbrochenes
Aufsteigen aus dem Meere -- bezugsweise durch ein Zurückweichen des
letzteren -- gebildet worden, und ihr ursprünglicher, in das Früh-
und Mitteltertiär zurück datierender Stufenbau scheint in seiner
Grundgestalt im äußersten Westen viel besser und allgemeiner erhalten
zu sein, als irgendwo sonst. In dem östlichen Teile des von uns
überschauten Bildes deuten ihn nur einzelne Erhebungen noch dunkel
an, und im allgemeinen ist er daselbst ähnlich wie in dem Camaguey
und in dem nördlichen Teile der Cinco-Villas-Landschaft von den
Atmosphärilien vielleicht unter der Beihilfe von Erdbeben von Grund
aus zerarbeitet, abgeschliffen und abgetragen. Wir haben da zugleich
auch den durchgreifenden Unterschied zwischen den beiden Landschaften
des cubanischen Occidentes, dem Terrassenlande der Vuelta Abajo und
dem Hügel- und Flachlande der Vuelta Arriba, die an dem schmalen
Isthmus von Batabano miteinander verwachsen sind. Würden wir übrigens
das nordwestcubanische Küstenbild weiter gegen Ost verfolgen und zur
See bis auf die Höhe von Jaruco oder Matanzas gelangen, so würde uns
die Vuelta Arriba nur noch eine Anzahl weiterer Brotlaib-, Tafel-,
Zuckerhut- und Sattelberge zeigen und zum Teil ganze Gruppen solcher
Berge, auch der höchste derselben -- der Pan de Matanzas, der als ein
hübsches Seitenstück des Yunque von Baracoa bezeichnet werden darf und
der eine ähnlich hervorstechende Landmarke für die Schiffer bildet
wie dieser -- erreicht aber nicht ganz 400 ~m~ (386 ~m~), und die
allgemeine Physiognomie der Landschaft bleibt dieselbe. Und würden wir
uns andererseits zu Schiff weiter westwärts, etwa bis auf die Höhe von
Bahia Honda, begeben, so würden wir an der Vuelta Abajo die gleiche
Beobachtung machen, nur würden wir den großen Treppenbau sich noch
höher türmen sehen -- im Pan de Guajabon 795 ~m~ --, und auf der Höhe
würden uns auf ausgedehnten Strecken Hunderte von wilden Zacken schon
aus der Ferne verraten, daß die cubanischen Luftgeister auch auf ihn
nicht ganz ohne Einfluß geblieben sind.
[Illustration: Abb. 71. +Geflügelhändler am Taconmarkte von Habana.+]
[Illustration: Abb. 72. +Maultierkarren auf der Plaza de San Francisco
von Habana.+]
[Sidenote: Ansegelung von Habana.]
[Sidenote: Der Hafen von Habana.]