Südlich stößt an die beschriebene Korallen- und Inselflur, die wir nach

ihrer Hauptgruppe Laberintoflur nennen, ein ungeheuer tiefes Meer,

und 10 ~km~ von dem Cayo Grande werden bereits 2800 ~m~ gelotet, die

Verhältnisse liegen also nach dieser Richtung hin genau wie bei der

Sierra Maestra. Auf ihrer Nordseite hingegen schließt die Flur mit

ihren äußeren Gliedern ein seichtes cubanisches Randmeer ab, das man

füglich von dem weißen Korallenschlammgrunde, der auf weiten Strecken

seltsam durch das Wasser hindurch leuchtet, als cubanische Weißsee

oder besser vielleicht noch der Lage nach als Camagueysee von dem

offenen Karibenmeere unterscheiden könnte. Als Golf von Jucaro weit

gegen Nordost ausgreifend, schnürt dieses Randmeer den Körper Cubas

nochmals isthmusartig (auf 65 ~km~) zusammen, und die Landschaft des

Camaguey sowie der ganze cubanische „Oriente“ findet daselbst seine

natürliche Westbegrenzung in ganz ähnlicher Weise wie bei Jobabo seine

Ostbegrenzung.

Daß die Südküste des Camaguey außerordentlich schwer und nur unter

mannigfaltigen Fährlichkeiten zugänglich ist, ist aus dem Gesagten

klar genug, und wenn man erwägt, daß die Seekarten von der Gegend bis

auf den heutigen Tag äußerst ungenau geblieben sind, daß zahlreiche

Inselchen und Riffe darauf gänzlich fehlen, und daß man an eine

Ausstattung der Flur mit Leuchttürmen und Tonnen bisher nicht gedacht

hat, so steht man wohl schwerlich an, das Camaguey nach dieser Seite

hin als ein ziemlich streng verschlossenes Land zu bezeichnen. In

ihrer Längserstreckung bietet die Camagueysee den Schiffen in der

Küstennähe ein verhältnismäßig offenes und tiefes Fahrwasser, und bei

genügender Vorsicht in der Gegend des Laberinto de Doce Leguas können

Schiffe von mäßigem Tiefgange (5 ~m~) darin bequem zwischen Manzanillo

und Casilda hin und her fahren. Das betreffende Fahrwasser ist zugleich

auch durch den wirksamen Schutz, den die Koralleninseln und Riffe

gewähren, im allgemeinen ein außerordentlich ruhiges und glattes, und

gerade in der Camagueysee gedenkt man unwillkürlich des Kolumbischen

„allezeit sanft wie der Strom von Sevilla.“

[Illustration: Abb. 55. +Hafenstadtteil von Cienfuegos.+]

[Sidenote: Die Sumpfküste von Camaguey.]

[Sidenote: Die nördliche Korallenflur von Camaguey.]

Welcher Art ist aber die Küste des Camaguey, die es durch das

geschilderte Randmeer zu erreichen gilt? Ohne Unterbrechung und, wie es

einem bei der Küstenfahrt bedünken kann, ohne Aufhören dehnt sich von

der Gegend von Manzanillo bis in die Gegend von Tunas ein Mangrove-,

Binsen- und Waldsumpf (Manglar und Crenaga) aus, der im allgemeinen 10

bis 20 ~km~ binnenwärts reicht, der mit zahlreichen Lagunen besetzt und

von einem Gewirr von Wasserläufen -- den Mündungsarmen der gegen Süd

ablaufenden Ströme des Camaguey (Jobabo, Sevilla, Najasa, Sabanilla,

San Pedro, Altamira u. s. w.) -- durchzogen ist. Es ist dies wieder ein

Paradies der Manatis und Krokodile, sowie der Pelikane, Reiher, Enten,

Wasserhühner, Moskitos, Garragatos u. s. w., aber ein sehr schlecht

geeigneter Boden für irgend welche Ansiedelungen von Kulturmenschen.

Während der Regenzeit ist eine trockene Stelle in dieser Sumpfwildnis

kaum zu finden, in der Trockenzeit gibt es aber eine Anzahl kleiner

Inseln und Sumpfoasen, die genügend von Wasser frei werden, um den

Wuchs von Savannengräsern, Bataten, Cassawen und Bananen zuzulassen

und dadurch Nahrung für eine Rinderherde, sowie für eine Guajiro- oder

Mulattenfamilie darzubieten. Gegen die Fieberdünste der Gegend, sowie

gegen die Moskitostiche sind ja die Guajiros und Mulatten gefeit, und

an die Beschaffenheit des Trinkwassers stellen dieselben auch keine

großen Anforderungen. Die Verschlossenheit des Camaguey gegen das

Karibische Meer hin wird aber durch den breiten Gürtel amphibischen

Landes noch sehr bedeutend erhöht, und alles in allem kann man dieselbe

ohne Bedenken als eine noch viel vollkommenere nennen als bei dem

Berglande von Santiago. Zugleich darf man sich auch fragen, ob und

wann es wohl einer zukünftigen Verwaltung Cubas gelingen wird, den

vorliegenden Naturfehlern abzuhelfen. Ein einziger kleiner Hafenplatz,

Santa Cruz del Sur (1000 Einw.), der unfern der durch eine Barre

gesperrten Mündung des Rio San Juan de Najasa liegt, und der nur

sehr flach gehende Schiffe zuzulassen vermag, muß zur Zeit dem an der

Südseite der weiten Landschaft aus- und eingehenden Handel und Verkehre

genügen, und lediglich das hohe strategische Interesse, welches der

Isthmus von Moron in den Zeiten des Aufstandes in Anspruch nahm, hat

daneben an einer ähnlich seichten Reede weiter westlich noch den

Truppenlandungsplatz Jucaro ins Dasein gerufen.

[Illustration: Abb. 56. +Hauptstraße von Cienfuegos.+]

Das Eindringen in das innere Land, das von Santa Cruz aus nur auf

einer schlechten Landstraße bewirkt werden kann, versuchen wir von

der Seite des Karibenmeeres nicht, sondern wir wenden uns vielmehr zu

diesem Behufe zurück nach Nuevas Grandes, um daselbst unsere früher

abgebrochene Küstenfahrt und Küstenschau am Alten Bahamakanale wieder

aufzunehmen. Wir stoßen auch hier alsbald auf eine ausgedehnte Insel-

und Korallenflur. Eine beträchtliche Anzahl der Keys, die dieselbe

zusammensetzen, erscheint aber im Vergleiche zu denen, die wir an

der Südküste kennen gelernt haben, riesengroß; so vor allem der eng

an die Hauptinsel angeschmiegte und flache Cayo Sabinal (360 ~qkm~);

der hügelige Cayo Guayaba (120 ~qkm~); der langgestreckte größere und

kleinere Cayo Romano (480 bezw. 250 ~qkm~); der Cayo Cocos (180 ~qkm~)

und der Cayo Turiguano (150 ~qkm~), der letztere wieder dicht an der

Hauptinsel liegend, und die Kette der Riesenkeys an dem Isthmus von

Moron schließend. Im allgemeinen erheben sich die genannten Keys auch

zugleich höher über den Meeresspiegel als die im Süden, und die Hügel

des Cayo Guayaba erreichen 30, die „Silla“ des Cayo Romano aber sogar

70 ~m~. Außer Mangroven und Salzteichen, sowie Sanddünen enthalten sie

daher auch etwas Mimosen- und Guavengebüsch, kleine Kokospalmen- und

Fächerpalmenbestände und ziemlich ausgedehnte Savannen, und es sind

daher an verschiedenen Orten Fischerhütten und Viehzuchtgehöfte darauf

zu finden. Seewärts von ihnen liegen dann noch zahlreiche kleinere

Keys, wie der Cayo Confites, der Cayo Cruz, der Cayo Paredon Grande

mit seinem hohen Leuchtturme u. a., vor allem aber begleitet die Kette

auf dieser Seite ein ausgedehntes Saumriff von lebenden Korallen, das

steil in den ansehnlich tiefen Bahamakanal (auf der fraglichen Strecke

600-2000 ~m~) abstürzt. Die Durchfahrten, welche die genannten großen

Keys zwischen sich lassen (die Caravelasdurchfahrt, die Boca Guayaba

u. s. w.), sind durch dieses Riff um so gefährlicher, als an demselben

für gewöhnlich eine starke Brandung tost, als die Gegend ebenso

wie die früher beschriebene, weiter im Osten liegende der strengen

Herrschaft des Nordostpassates untersteht und als sehr verwickelte

Gezeitenströmungen durch die Kanäle hindurchgehen. Dazu ist der gegen

200 ~km~ lange und bis über 20 ~km~ breite Meeresraum, der in kleinen

Fahrzeugen durch die Kanäle erreicht werden kann und den man füglich

als Cayo-Romano-See bezeichnen darf, durchgängig außerordentlich seicht

(meist nicht mit 1 ~m~ Wasser) und mehrfach durch quer darin liegende

Gruppen von kleineren Keys, auch selbst für Küstenfahrer unpassierbar.

[Illustration: Abb. 57. +Zuckerrohr-Eisenbahnzug.+]

Ein schwer zugängliches, zugeschlossenes Land muß man das Camaguey also

auch an der Nordseite nennen, und ein breiter Gürtel von Mangrove-

und Binsensumpf, der sich auf dem Hauptlande dem Cayo-Romano-See

entlang zieht, vervollständigt und verstärkt auch hier das System

kulturgeographischer Absperrung.

[Sidenote: Nuevitas. Moron.]

Nur an der Ostseite des Cayo Sabinal steht dem Seeverkehr ein wirklich

guter Aus- und Eingang offen, durch den die größten Seeschiffe sich

dem Ufer des Hauptlandes bis auf einen geringen Abstand nähern und

kleinere unmittelbar daran landen können. Kolumbus stand nicht an,

denselben als „einen der besten der Erde“ („~de los mejores del

mundo~“) zu rühmen, und er nannte ihn Puerto de Mares, Velasquez aber

gründete an seinem Gestade 1516 die Stadt Santa Maria del Puerto

Principe, die sich zu dem heutigen Nuevitas (7000 Einw.) entwickelt

hat. Der Passatwind und die Gezeitenströmungen, sowie die Gewundenheit

und Enge des Fahrwassers sind Mängel des schönen Hafens, und die

beiden hohen Leuchttürme vor der Einfahrt warnen nicht umsonst vor den

daselbst drohenden Gefahren. Das nächste Hinterland hat aber einen

sehr fruchtbaren Dunkelboden, auf dem die Zuckerrohrkultur einen

beträchtlichen Umfang genommen hat, und außerdem enthält dasselbe auch

einen großen Reichtum an den bekannten westindischen Nutzhölzern. Das

fernere Hinterland ist aber die Camagueylandschaft nahezu in ihrer

Gesamtheit, und in dieses hinein führt von Nuevitas eine der wenigen

ostcubanischen Eisenbahnen, die Würde des Platzes als Haupthafen

gewissermaßen noch vollständiger besiegelnd. Moron (6000 Einw.), das

durch die Kanäle am westlichen Ende der angegebenen Keyreihe kleineren

Fahrzeugen nahbar ist, kann jedesfalls nur als eine Nebenpforte gelten,

und dasselbe hat seine Bedeutung vor allen Dingen darin gehabt, daß es

die spanische Heeresleitung in den Stand setzte, die stark befestigte

Verteidigungslinie gegenüber der Insurrektion auf dem Isthmus von Moron

auch von dieser Seite von der See her zu stützen.

[Illustration: Abb. 58. +Cubanische Feldbestellung.+]

[Sidenote: Das Hügelland als Schlupfwinkel.]

[Sidenote: Verkehr im Camaguey. Puerto Principe.]

Das Innere des Camaguey stellt sich dem Auge im großen Ganzen als

eine Landschaft dar, deren Formen stark von den Verwitterungsagentien

abgetragen worden sind. Weite und nahezu vollkommene Ebenen mit der

allgegenwärtigen cubanischen „Tierra Colorada“ wechseln mit Gruppen

niedriger, aber immerhin ziemlich steilwandigen Cerros und Lomas aus

Granit, Diorit, Serpentin u. dergl., sowie zum Teil auch aus tertiärem

Kalkstein. In der Osthälfte des Landes, und insbesondere in der Gegend

von Guaimaro und entlang dem Rio Najasa entwickeln sich diese Lomas

zu förmlichen kleinen Gebirgen -- den Lomas del Rompe, der Sierra de

Sibanica, der Sierra del Postillo, der Sierra de Najasa, der Sierra

de Guaicanamar --, die trotz ihrer geringfügigen Erhebung (200-300

~m~) wild genug sind, und durchgängig noch ein ziemlich ursprüngliches

Busch- und Waldkleid tragen: schöne Königspalmen, mächtige Ceibas (Abb.

43 und 44), Mahagonibäume, Cedrelen, Granadillas, Mameys, Rosenäpfel-

und Guavenbüsche u. s. w. Ein ansehnliches Kalksteingebirge,

das in der Steilheit seiner Wände und Gipfel, sowie in seinen

Höhenverhältnissen (gegen 500 ~m~) und in seiner Entstehungsgeschichte

an die Gebirge von Baracoa erinnert, ist aber vor allem die Sierra

de Cubitas, in Nordwest-Camaguey in unmittelbarer Nachbarschaft der

nördlichen Küstensümpfe, und dieselbe setzt sich gegen Moron hin,

jenseits einer breiten Thalsenke, in der niedrigen Sierra de Indas

gewissermaßen weiter fort. Sie enthält eine Reihe mächtiger Höhlen,

von denen die größte bezeichnenderweise Cueva de los Negros Cimarrones

(Cimarronnegerhöhle) heißt. In den Insurrektionskämpfen hat die Sierra

de Cubitas sich immer als ein Hauptfort der Aufständischen bewährt, und

in den letztvergangenen Jahren galt ein schwer nahbares Viehgehöft auf

einer ihrer Höhen längere Zeit als die Regierungshauptstadt der „Cuba

Libre“. Kaum minder bedeutsam sind aber in der Insurgentenstrategie

auch die genannten niedrigeren Bergzüge bei Guaimaro gewesen, da sie

es den Führern ermöglichten, in steter enger Berührung mit der Cauto-

und Maestragegend zu bleiben. Und die weiten Ebenen, zu denen sich

die Camagueylandschaft gegen die Mitte hin verflacht, und mit denen

sie sich beiderseits sanft zu den Küstensümpfen abdacht, sind füglich

ebenfalls viel besser dazu geschaffen, kleinen Banden die Bewegung

und Verproviantierung, sowie das Scharmützeln und Entschlüpfen zu

gestatten, als wirklichen Heerkörpern ihre geordneten Operationen. In

der Trockenzeit (Seca) herrscht daselbst größerer Wassermangel, als in

anderen Gegenden der Insel, denn das Klima des Camaguey ist bei der

entschiedenen Vorherrschaft abgeflachter Bodenformen verhältnismäßig

regenarm. Die schwach eingeschnittenen Ströme (Abb. 45 und 46) trocknen

dann vielfach gänzlich aus, und als Trinkstätten für Menschen und

Tiere dienen lediglich vereinzelte Wasserlöcher und Quellen (~ojos de

agua~), die nur der Ortskundige findet. In der Regenzeit (~estacion

de las aguas~) dagegen reichen die Gewittergüsse bald genug aus, die

Ströme übervoll und unpassierbar zu machen, die Ebenen aber auf weiten

Strecken in einen knietiefen Morast zu verwandeln. Im Zusammenhange

mit diesem Klima, sowie mit dem sandigen Boden herrschen in den

Ebenen des Camaguey auch lichte Baumbestände, mit Fächer- statt

Königspalmen, sowie ausgedehnte Savannen mit hohen Gräsern vor. Den

Hauptwirtschaftsbetrieb aber bildet die Viehzucht, die Hauptsiedelungen

sind weit auseinander liegende Ranchos und Hatos (Abb. 47), die

eigentlichen Charakterfiguren der Landschaft sind die berittenen Hirten

(Monteros) und Land- und Herdenbesitzer (Abb. 48), die natürlich

sämtlich echte Cubaner und treue Parteigänger der Insurrektion waren.

Wer das Cuba der Creolen kennen lernen will, der ist überhaupt in dem

Camaguey am richtigsten Orte. Die Straßen sind durchgängig schlecht,

und das einzige Verkehrsmittel, in dem auf denselben mit einiger

Sicherheit und vielleicht sogar mit einigem Behagen vorwärts zu kommen

ist, ist außer dem kleinen cubanischen Reitpferde die zweiräderige

Volante, mit ihrem breiten Achsengestell und ihrer langen elastischen

Deichsel, sowie mit ihrem seitwärts voraufjagenden Leitreiter -- ein

Fuhrwerk, das in den meisten anderen Gegenden Cubas im Aussterben

begriffen ist (Abb. 49). Auf solche Weise, und weil bislang ein

Anschluß an das westcubanische Eisenbahnnetz nicht vorhanden war,

werden aber auch die fremden Einflüsse von der Landseite her ziemlich

wirksam von dem Camaguey fern gehalten oder doch sehr eingeschränkt.

[Illustration: Abb. 59. +Grünfuttertransport.+]

[Illustration: Abb. 60. +Santo Domingo.+]

[Sidenote: Die Trocha.]

Die Hauptstadt Puerto Principe (42000 Einw.), ziemlich genau im

Mittelpunkte der Landschaft und am oberen Rio San Pedro gelegen,

bildet als eine Art camagueyanisches Paris in jeder Beziehung den

Vereinigungspunkt ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen

Interessen. An Stelle des alten Indianerdorfes Camaguey bereits im

Jahre 1516 erbaut, ist sie die einzige wirkliche Stadt der Landschaft

geblieben, und die Zahl ihrer Bewohner übertrifft diejenige des

dünnbevölkerten ländlichen Camaguey um das doppelte. Am Camino

Central von Santiago nach Habana, der den Rio San Pedro hier auf

hübscher Brücke überschreitet, bildete sie selbstverständlich zu allen

Zeiten eine Hauptstation, und von der nach ihr benannten politischen

Provinz, die nur im Westen über die bezeichnete Grenze der natürlichen

Landschaft herausgreift, war sie unter der spanischen Herrschaft

der Sitz des Statthalters und der obersten Verwaltungsbehörden, was

zur Erhöhung ihres Glanzes nicht unwesentlich beitrug. Die kleinen

Flecken El Zanjon und Guaimaro sind Stationen an der genannten

Hauptstraße gegen Santiago hin, das erstere historisch denkwürdig

durch den daselbst im Jahre 1878 geschlossenen Vertrag. An der aus

40 kleinen Blockhausfestungen bestehenden „Trocha de Moron“ aber,

die sich quer über den niedrigen und teilweise sumpfigen Isthmus von

Moron hinwegzieht, und die sich in spanischer Hand trotz der damit

verbundenen strategischen Eisenbahn nicht sehr glänzend bewährt

hat, liegt außerdem noch Ciego de Avila (2000 Einw.), und dieses

bildet durch den Camino Central, der hier die Trocha kreuzt, den

verkehrsgeographischen Hauptübergangspunkt aus dem Camaguey in die

westlich angrenzende Nachbarlandschaft der „Cinco Villas“.

VII.

[Illustration: Abb. 61. +Habana.+]

[Illustration: Abb. 62. +Die Hafeneinfahrt von Habana nebst Morro und

Punta.+]

[Illustration: Abb. 63. +Terrassen an der Bucht von Habana.+]

[Sidenote: Die Sierra de Sancti-Spiritus.]

[Sidenote: Die Sierra de Trinidad.]

[Sidenote: Die Thäler.]

Sobald wir uns mit unserem Kastendampfer dem westlichen Ausgange der

Camagueysee nähern und Jucaro sowie die Jatibonicomündung im Rücken

haben, sehen wir in der südcubanischen Küstenscenerie einen abermaligen

starken Wechsel eintreten. Der eintönige Mangrovesumpf wird schmaler,

es springen aus demselben mehrfach höhere Landrücken und Landspitzen

heraus, und im Hintergrunde tauchen in blauer Ferne hohe und malerische

Berge auf. Der Seemann ist von hier ab um Landmarken nicht mehr

verlegen, und befindet man sich erst auf der Höhe der Mündung des

Rio Sasa, so erscheint einem das Gebirge, das daselbst an das Meer

tritt, beinahe ebenso stolz und prächtig wie die Sierra Maestra.

Thatsächlich soll auch die Loma de Banao, die etwa 15 ~km~ von der

Küste entfernt ist, nach Esteban Pichardo an die 1700 ~m~ aufsteigen,

höher also als die Gran Piedra, und eine ganze Anzahl anderer Kuppen,

wie die scharf geschnittene Pan de Azucar (Zuckerhut), die Loma del

Infierno (Höllenberg) und die Lomas del Purial (Fegefeuerberg), mag

wenigstens nahe an 1500 ~m~ messen. Durch das tiefe Agabamathal und

die davor liegende Mangroveniederung erhält diese Gebirgsgruppe, die

man gemeinhin Sierra de Sancti-Spiritus nennt, eine Art Abschluß.

Unmittelbar westlich von dem genannten Thale erheben sich aber weitere

stattliche und schön geformte Berge bis gegen 1000 ~m~ -- so vor allen

Dingen der Pico de Potrerillo (Abb. 50), den Alexander von Humboldt

auf 944 ~m~ bestimmte, die Cabeza de San Juan (Johanneshaupt) und

andere -- und diesen Zug, der erst am Rio Arimao endigt, bezeichnet

man als Sierra de Trinidad. Der Absturz dieser Gebirge zum Meere ist

steil genug, wenn auch nicht so steil wie bei der Sierra Maestra,

und nicht ohne die Vermittelung von niedrigeren Vorbergen (Abb. 51),

die Gipfelformen sind aber beinahe durchgängig gerundete, und an die

Zacken und Spitzen der östlichen Sierren fühlt man sich höchstens bei

der Ostgruppe erinnert. Hier und da glänzen weiße Flecken von den

Höhen herab, die der Unkundige für Firnflecken nehmen kann, die aber

in Wirklichkeit nichts anderes sind als kahle Kalkstein-, Quarz- oder

Glimmerschieferwände, da Schnee in dieser Gegend auch in 1700 ~m~ Höhe

niemals fällt. In der Hauptsache aus archäischen und paläozoischen

Gesteinen zusammengesetzt, unter anderen auch Gneis, Glimmerschiefer,

Quarz und krystallinischem Kalkstein, bildet das Gebirge, das den

wenig volkstümlichen Gesamtnamen der Montes de Guamuhaya führt, aller

Wahrscheinlichkeit den ältesten Teil der ganzen Insel, der als eine Art

Horst ihre erdgeschichtlichen Schicksale seit Beginn der mesozoischen

Zeit überdauert hat und der in der Vorzeit zu viel gewaltigeren Höhen

emporgeragt haben muß als heute. Die südlichen Vorberge bestehen

bis zu einer Höhe von 300 ~m~ und vielleicht noch wesentlich höher

aus Tertiärkalk, und an ihrem Fuße sind dieselben zum Teil von der

niedrigen Klippenwand aus fossilen Korallen begleitet, die wir aus

dem Ostteile der Insel zur Genüge kennen. Dem Ostabhange der Sierra

de Sancti-Spiritus ist auch noch ein höherer tafelförmiger Unterbau

charakteristisch, der als eine der bekannten oberen Terrassenstufen

aufgefaßt werden kann, und das Gleiche ist auch gegen die Arimaomündung

hin und darüber hinaus zu bemerken. Es hat demnach den Anschein, als ob

das alte Gebirgsland auch den Ablagerungen der jüngeren Erdalter als

festere Stütze gedient habe, als das Küstenland weiter östlich. Die

Verwitterung und das Nagen der Abflußgewässer, die selbstredend auch

hier echt tropische und überaus energische sind -- man denke nur an

die hohe Lösungskraft des warmen, kohlensäuregeschwängerten Wassers,

-- scheint den größeren Teil des tertiären Stufenbaues freilich auch

hier wieder zerstört zu haben. Das sehr tief eingegrabene Agabamathal,

welches das Guamuhayagebirge in genau meridionaler Richtung auf einer

Strecke von 70 ~km~ quer zerschneidet, dürfte im wesentlichen ein sehr

altes Erosionsthal sein, und Ähnliches ist wohl auch der Fall mit den

Thälern der Sasa und des Arimao (im Oberlaufe Manicaragua genannt) die

das Gebirge umgrenzen und inselartig aus seiner Umgebung herausheben,

sowie mit den Seitenthälern des Agabamo und Arimao, die von der Sierra

de Trinidad gegen Norden hin die Montes de la Siguanea und die Montes

de Manicaragua als besondere ostwestlich verlaufende Ketten abgliedern.

Die letztgenannten, ungemein zerklüfteten, höhlenreichen und dicht

bewaldeten Gebirge waren jederzeit berühmte Horte der Insurgenten sowie

in früheren Zeiten Hauptschlupfwinkel der entlaufenen Negersklaven

und der Banditen. Wie die betreffenden Ströme an der Zerfeilung des

Guamuhayagebirges arbeiten, zeigen namentlich eine große Zahl schöner

Wasserfälle, unter denen wir diejenigen des Ay (rechtsseitiger

Nebenfluß des Agabama) und des Hanabanilla (linksseitiger Nebenfluß des

Arimao) hervorheben, sowie daneben auch verschiedene Flußschwinden

(z. B. die Jibacoaschwinde). Im übrigen tragen alle die genannten

Thäler, die leider sehr häufig von sehr verheerenden Überschwemmungen

heimgesucht werden, im Naturzustande eine herrliche Waldvegetation,

und soweit die Kultur an sie vorgedrungen ist, sind die einen (Sasa-,

Agabama- und Arimaothal) durch umfangreichen Zuckerbau, die anderen

aber (besonders das Manicaraguathal) durch namhaften Tabakbau

ausgezeichnet. An den Gehängen gab es dazu namentlich in der Nähe von

Trinidad seit langem zahlreiche „Cafetales“, und auf den Höhen blüht

allenthalben die Viehzucht. Seine düsterste und kulturärmste Seite

kehrt das Gebirge eigentlich dem Meere zu, denn dort schaut aus dem

Guaven- und Mimosengebüsch an vielen Orten das gelbbraune, verwetterte

und sonnenverbrannte Gestein heraus, und Palmenbestände erheitern den

Anblick nur hier und da, besonders gegen den Fluß hin.

[Sidenote: Trinidad. Die Berge der Cinco-Villas-Landschaft.]

[Sidenote: Cienfuegos.]

Cuba · 第 6 / 11 段