Nach Halali! Nach Halali! Noch in der Nacht werden die Pferde gesattelt. --

Am Tore vor Roselinds Schloß, da kauert ein Pilgrim. Die Nacht ist lang.

Zwölf Meere an Finsternis birgt diese Nacht. In den Büschen glühen die

Rosen. Es sind Menschenherzen, die Roselind in die Büsche warf. Auf dem

Tore stecken an Speeren zwei Köpfe. Königssöhne. Blut tropft ins Gras. Bei

jedem Tropfen hört man weit hinter den Bergen Frauen schluchzen.

Der eine öffnet die blauen Lippen und spricht: »Weh dir! Weh dir!« Der

andere schlägt die schwarzen Lider in die Höhe und spricht: »Entfleuch!

Entfleuch!«

Die Nacht ist lang! Die Nacht ist lang!

Mein Sohn, mein Sohn, jammert es überm Meer. Liebster mein, Liebster mein,

schluchzt es weit hinter den Bergen.

Nun faucht der Morgenwind aus dem schwarzen Walde und bläst die Herzen in

den Büschen aus. Ein Schwarm feuriger Vögel streicht über den Wald.

Ein Mädchen steigt auf die Treppe, weiße Blütenbänder um den

perlmutterschillernden Leib, legt die Hände an den Mund und ruft: Über der

Herrin Land -- leuchtet der Son -- ne Brand -- --! -- leuchtet der Sonne

Brand! antwortet in der Ferne eine Stimme . . . . Der Sonne Brand . . . .

Jauchzen. Rot glühen die Zinnen aus Granat.

Die Köpfe am Tore sind steif und stumm.

»Mach auf.«

»Wen suchst du, Armer?« -- »Ich suche Roselind.« -- »O, weh dir!«

Hörner lachen. Ein Tor springt auf: Roselind und das Gefolge reiten heraus.

Roselind ist schön, flüstern die Saiten im ganzen Lande . . .

Neben ihr auf schwarzem Hengste, ein dürrer, schwarzer Mann mit wachsfahlem

Antlitz. Sein Gewand starrt von bunten Steinen.

»Kommst du übers Meer? Wen suchst du, Fremdling?«

»Ich suche dich.«

Roselind lächelt. Dieses Lächeln sagt: du stirbst.

»Ich sterbe gern für dich.«

Der Schwarze mit dem wachsfahlen Antlitz richtet die Augen scharf wie ein

Messer auf des Pilgrims Gesicht. Es ist weiß wie Schnee, blutleer das

Geäder.

»Er ists,« sagt er.

Roselind neigt sich im Sattel. »Du bists. König Skule suchte dich durchs

ganze Land. Dein Leben ist dir geschenkt. Erbitte dir eine Gnade.«

Der Pilgrim beugt das Knie.

Roselind wirft ihm ein Band Perlen hin. »Er soll hundert Pferde mit

Geschmeide haben!«

»Ich will nicht dein Gold.«

»König Skule gibt dir einen Thron.«

»Was nützt mich König Skules Thron?«

»Beeile dich!«

»Ich will --«

»Werde nicht kühn!!«

»Ich möchte den Saum deines Gewandes küssen, Roselind!«

Hahaha -- lacht das Gefolge -- hahaha . . . . Fort stürmts in den Wald.

Hahaha . . . .

Halali heißt der Wald . . . .

Hier versank Ginstermann wiederum in Schlaf.

Yester und Li: Die Geschichte einer Sehnsucht · 第 45 / 62 题