Ginstermann kam spät in der Nacht nach Hause. Es mochte zwei Uhr sein.
Vielleicht auch drei Uhr. Vielleicht noch später. Er wußte es nicht.
Langsam, ganz langsam war er durch die Straßen gewandert.
Über den Boden seines Zimmers war ein Schleier von Licht ausgebreitet, der
leise zitterte, als er die Türe schloß. Der Mond schien durch die Vorhänge.
Auf den Blechgesimsen pochte es, dumpf, in unregelmäßigen Zwischenräumen,
wie ein Finger. Es sickerte, rieselte, die Tiefe schluckte. Der Schnee ging
weg.
Ginstermann machte Licht. Es war ihm, als sei noch eben jemand im Zimmer
gewesen, als sei er jetzt noch nicht allein. Auf dem Tische lagen seine
Manuskripte verstreut, wie er sie am Abend verlassen hatte, die
Kleidungsstücke auf den Stühlen, das Kissen auf der Ottomane in der
gleichen Lage.
Er blickte zum Fenster hinaus, in den dunklen Hof hinab, er übersah den
Kram seines Zimmers, die Skizzen an den Wänden. Alles erschien ihm
sonderbar, rätselhaft, wie von einem Finger berührt, der es veränderte.
Draußen klopften die Tropfen, und es schien, als ob sie eine seltsame
Sprache redeten. Ein leiser Hauch drang durch die Vorhänge, und auch der
Hauch schien geheimnisvolle Worte mit sich zu führen.
Wer spricht zu mir? dachte Ginstermann.
Will mir diese Nacht alle Wunder der Welt und meiner Seele zeigen, um mich
zu verwirren? Alles schwankt und fällt, was eben noch feststand. Alle
Begriffe sind verworren. Ist es nicht, als sei ich aus langem Schlafe
erwacht, und folgten mir wunderbare Träume in mein Erwachen?
Wer bin ich? Ich habe vergessen, wer ich bin, und weiß nur, daß ich ein
anderer bin, als der ich zu sein glaubte.
Und welch geringen Anlasses bedurfte es, um meine Seele zu verwandeln?
Wer aber bist du? daß du solche Macht über mich hast?
Wer aber bist du, daß ich nicht an dir vorübergehen kann wie an anderen
Menschen . . . . . .
Er sann und sann.
Da wurde es Morgen.