Burmeister nickt: »Vergebens vielleicht, -- umsonst sicherlich nicht.«

Und ich kann nicht umhin, diesen mehr humor- als trostvollen Ausspruch

seufzend zu bestätigen. --

Aber dann deute ich nach den Bergen drüben und dem sonntagstillen Tal

unten und sage: »Doch nicht vergebens, und wenn es nichts weiter war als

das.«

»Das ist so weit,« murrt Burmeister, »und dann immer nur ansehen!« --

»Ja,« gebe ich zu, »man fühlt sich übergroßer Schönheit gegenüber

immer so hilflos und hat das Gefühl, daß es nur zwei Arten von Erlösung

gibt: man müßte sich in das Schöne hineinstürzen oder es auffressen

können.«

Burmeister hat den Arm auf die Lehne meines Sessels gestützt und blickt

mir von unten her ernsthaft in die Augen.

»Sie haben recht,« antwortet er, »und ich empfinde es mit aller

Entschiedenheit, deren ich fähig bin: Der Kuß wäre augenblicklich die

einzige Lösung.«

Ich muß lachen: »Ich glaube, in der Juristensprache nennt man so etwas

eine Unterschiebung; aber ich zweifle nicht daran, daß Sie hier im

Sanatorium allerlei Verständnis für Ihre Auffassung finden.«

»Die Sie nicht teilen?«

»Die ich teile, -- unter Vorbehalt natürlich.«

»Unter welchem Vorbehalt?«

»Nun, erstens natürlich unter dem Vorbehalt der Legitimität.«

»Legitime Küsse!« Er schüttelt sich. »Aber zweitens?« drängt er.

»Auf erstens muß doch immer ein zweites folgen.«

»Zweitens,« antworte ich und lehne mich soweit in meinem Liegestuhl

zurück wie es irgend möglich ist, »zweitens will ich Ihnen mal was

sagen, Burmeister: Sie sind neugierig. Ich habe Ihnen heute schon ein

Geheimnis anvertraut und diese Erinnerung macht Sie kühn, um wieder mal

aus dem Don Carlos zu zitieren.«

»Du lieber Gott, kühn!« seufzt Burmeister. »Wenn Sie wüßten, wie

wenig kühn ich in diesem Augenblick bin!«

»Na also, dann ist's ja gut,« sage ich, »dann setzen Sie sich wieder

bequem zurück, wie sich's gehört und bedenken Sie, daß nach Tisch von

Gottes und Doktors wegen Ruhezeit ist. Und dann will ich Ihnen das zweite

Geheimnis anvertrauen.«

»Das Geheimnis Ihrer Unnahbarkeit?« fragt er.

»Ja,« antworte ich, »und nun hören Sie gut zu: Die Unnahbarkeit ist

nämlich mein Fimmel --«

»Und deshalb sind Sie hier!« stößt er mit einem so herzlichen und

lauten Jubelton heraus, daß ich ihm unbedingt den Mund zuhalten muß.

Gespräche im Zwielicht · 第 14 / 20 题