Sie klingelte. »Ich werde im Bad frühstücken.«

Dora schlüpfte in die kleinen, seidenen Pantöffelchen, ließ sich den

himmelblauen Bademantel um die Schultern legen, und begab sich pfeifend

und trällernd, Butzi auf dem Arm, in das Badezimmer. Dieses Badezimmer

war, wie schon erwähnt, ein kleines Treibhaus -- Blüten, Wärme, Düfte --

weich und schneeig fiel das Licht durch die Glasdecke. Neben dem Bassin

stand ein kleiner Tisch mit dem Frühstück, den Zeitungen und der Post.

Und Blumen, Billetts, eine Menge Aufmerksamkeiten -- das Tischchen war

völlig bedeckt davon.

Dora lachte vor Vergnügen. Wieder kam ihr die Blütenschlacht in den

Sinn. Was für ein drolliger, alter Herr das war! Seine orangefarbene

Schärpe, wie unendlich komisch!

Gelungen war das Fest! Ganz Berlin würde darüber sprechen -- über die

Tänzerin, etwas kühn, nicht wahr, und die beiden Neger -- ja, es kam nur

darauf an, Einfälle zu haben! Eine Oase in dem grauen, schrecklichen

Winter. Dank für das Fest! Alle dankten, alle waren glücklich gewesen --

ein paar Stunden. Eine drollige Liebeserklärung von Hauptmann

Feuerwalze. Endlich hatte sie nach langer Zeit wieder fröhliche Menschen

um sich gesehen, und so war es nun einmal: Dora konnte nicht leben ohne

Freude. Aber -- sie schrak zusammen, indessen voll spitzbübischen

Vergnügens -- wie leichtsinnig war sie doch gewesen! Der Sekt -- sollte

es der Sekt gewesen sein --? Wie leicht hätte jemand sie beobachten

können!

Nichts aber liebte sie mehr als Abenteuer, aus einer Laune geboren --

eine Minute vorher wußte man noch nichts von ihnen, und oft eine Minute

nachher nichts mehr davon. Und Doras Gedanken huschten blitzschnell über

eine Reihe ähnlicher Abenteuer dahin, die sie nicht missen möchte in

ihrer Erinnerung.

Wunderbar -- und niemand, niemand . . .

Der 9. November: Roman · 第 36 / 74 题