»Ich bin's, meine liebe Tochter, ich bin's, mein Herzchen!« hörte
Katerina jemand sagen, als sie wieder zu sich kam; sie sah ihre alte
Dienerin vor sich. Die Alte beugte sich über sie, schien ihr etwas
zuzuflüstern, und ihre vertrocknete Hand bespritzte sie mit kaltem
Wasser.
»Wo bin ich?« sagte Katerina, indem sie aufstand und um sich blickte.
»Vor mir rauscht der Dnjepr und hinter mir liegen die Berge ... Wohin
hast du mich geführt, Weib?«
»Ich hab' dich nicht weggeführt, sondern hinausgetragen; auf meinen
Armen trug ich dich aus dem dumpfen Gewölbe. Ich habe die Tür mit dem
Schlüsselchen zugeschlossen, damit dich Pan Danilo nicht findet und
bestraft!«
»Wo ist der Schlüssel?« sprach Katerina und blickte auf ihren Gürtel,
»ich seh' ihn nicht!«
»Dein Mann hat ihn abgebunden, um nach dem Zauberer zu sehen, mein
Kind!«
»Um nach ihm zu sehen? .... Weib, ich bin verloren!« rief Katerina.
»Davor mag Gott uns bewahren, mein Kind! Schweig du nur, liebe Herrin.
Niemand wird etwas erfahren!«
»Er ist entflohen, der verfluchte Antichrist! Hast du gehört, Katerina?
Er ist entflohen!« rief Pan Danilo, der auf seine Frau zutrat. Seine
Augen sprühten Feuer, und sein Säbel schüttelte sich klirrend an seiner
Seite. Sein Weib erstarrte.
»Es hat ihn wohl jemand befreit, lieber Mann?« sprach sie zitternd.
»Befreit! Du hast recht. Aber der Teufel hat ihn befreit. Schau hin!
Statt seiner liegt ein in Eisen geschmiedeter Klotz da. Gott hat's nun
einmal so eingerichtet, daß der Teufel sich nicht vor Kosakenfäusten
fürchtet! Wenn einer von meinen Kosaken auch nur von fern daran gedacht
haben sollte, und ich erfahre es ..... O, ich würde keine Strafe
ausdenken können, die schwer genug für ihn wäre!«
»Und wenn ich es wäre?« sprach Katerina unwillkürlich und hielt
erschrocken inne.
»Wenn du's getan hättest, so wärest du mein Weib nicht mehr! Ich würde
dich in einen Sack einnähen lassen und mitten im Dnjepr ertränken! ....«
Katerina stockte der Atem und ihr war, als lösten sich ihr die Haare vom
Haupte.